Alte Rechenhilfen, Rechenmaschinen und etwas Elektronik

Ich sammle Rechenmaschinen natürlich vor allem, weil mir die Jagd nach den alten, vielleicht auch seltenen, oft technisch bemerkens­werten Geräten viel Freude bereitet. Aber ich möchte auch gerne mithelfen, einige der Fertigkeiten und Kenntnisse zu erhalten, deren Verlust heute droht. Das Erforschen des Innen­lebens der alten Geräte, die Reparatur der kleinen und großen Macken, das Wiederentdecken der nicht immer offensichtlichen Funktionen und Methoden samt Dokumentation erhalten - so hoffe ich - einen kleinen Ausschnitt der Geschichte von Erfindungen, Technik und Industrie. Deshalb gibt es auch diese Webseite.

Mich interessiert ein „musealer Originalzustand” der Geräte kaum. Eine Maschine darf bei mir also verändert, aufgehübscht oder gar neu lackiert sein. Man darf auch sehen, dass sie benutzt, gewartet und repariert wurde. Wesentlich wichtiger finde ich das wundervolle Zusammenspiel der Kurbeln, Tasten, Hebelchen und Zahnräder: Es macht riesigen Spaß, wenn das auch nach mehr als einem halben oder ganzen Jahrhundert immer noch (oder noch viel schöner: nach erfolgreicher Reparatur wieder!) sauber läuft und korrekte Werte ausrechnet. Das kann vielleicht nur nachvollziehen, wer selbst mal an den Kurbeln dreht und die Mechanik sieht, hört und vor allem auch in den Fingern spürt: Es fühlt sich ... irgendwie einfach richtig an!

Als Nebenaspekt verfolge ich gerne nach, wie die Maschinen gebaut, vermarktet und benutzt wurden: Wie teuer waren sie, wer nutzte sie wozu, welche Hersteller waren erfolgreich, warum? Zu den Bau­jahren, Produktionsmengen etc. finden sich im Internet allerdings oft unterschiedliche Angaben. Das erfordert eine Entscheidung, welchen Quellen eher vertraut wird. Manches ist ohnehin nur per Schätzung anzugeben, und auch dabei werde ich mich natürlich mal irren. Wenn jemand dann mehr weiß: Ich freue mich über Infos dazu!
(Kontaktmöglichkeiten im Impressum.)

Geräte mit Elektromotor gibt es hier eher weniger, denn die sind meist so komplex und schnell, dass ich deren Fehler nicht finde (in letzter Zeit wage ich mich allerdings etwas öfters auch an solche Geräte). Schwerpunkt meiner Sammlung ist bislang also die handbetriebene Mechanik, die ich so einiger­maßen reparieren kann. Etwas öfter gibt es dagegen elektronische Geräte: Meist solche, die in unserer Familie oder im Bekannten­kreis benutzt wurden, dazu noch einige mit den schönen alten Leuchtanzeigen: „Nixies“ und Panaplex-Anzeigen sind einfach wunderschön!

Bilder anklicken öffnet meist größere, in der Galerie springt man damit zu den Einzelbeschreibungen.       Externe Links haben danach ein .

Neu

UNITAS I

2.11.2021
Facit ESA-0

17.11.2021
Contex 30

24.11.2021

Geschichte

Die ersten Rechenmaschinen (17. Jahrhundert)

Die erste heute bekannte Rechenmaschine wurde im Jahr 1623 vom Mathematiker und Astronomen Wilhelm Schickard konstruiert. Damit war er seiner Zeit voraus, denn es gab kaum Bedarf nach solchen Maschinen. Für Johannes Kepler wollte er ein weiteres Exemplar bauen, aber dazu kam es nicht mehr: Schickard starb an der Pest und in den Wirren des 30jährigen Krieges ging die Maschine verloren. Die Erfindung wurde vergessen, bis man im 20. Jahrhundert Schickards Originalskizzen und einen Brief an Kepler fand.
1643 konstruierte Blaise Pascal die Pascaline, eine Maschine für Addition und Subtraktion. Die war zuerst nur als Einzelstück gedacht, aber es gab offenbar schon ein wenig Nachfrage nach Rechen­maschinen. Pascal ließ daher ungefähr 50 weitere Exemplare bauen.
Nächster Entwicklungsschritt war die Erfindung der Staffelwalze durch Leibniz im Jahr 1671. Im Laufe mehrerer Jahrzehnte(!) konstruierte er seine „machina arithmetica“, die erstmals alle vier Grundrechenarten beherrschte (die sogenannten „vier Spezies“ des Rechnens). Von ihr wurden aber wieder nur wenige Exemplare gebaut.

Weitere Einzelstücke entstehen (18. Jahrhundert)

Viele neue Rechenmaschinen wurden konstruiert, z.B. auch durch Hahn und Müller. Doch der Stand der Technik ermöglichte noch nicht die für eine Serienfertigung notwendige Präzision und anscheinend war auch der Rechenbedarf noch nicht allzu hoch. Diese Rechenmaschinen blieben daher unerschwinglich teure Einzelstücke, die letztlich meist in den Kuriositäten­sammlungen der Fürsten verschwanden.

Beginn der Serienproduktion (19. Jahrhundert)

Doch allmählich wuchs in allen Industrie­ländern der Bedarf nach mechanischen Rechenhilfen: Versicherungs­risiken, Geschossbahnen, die Statik von Brücken und vieles mehr sollten nun immer öfter (und genauer) berechnet werden.
Mit der Weiterentwicklung präziser Fein­mechanik (für Nähmaschinen, Waffen, Uhren und anderes) entstanden auch die Voraussetzungen für eine Serien­produktion zuverlässiger Rechenmaschinen.
Verschiedene Erfinder entwickelten ganz unter­schiedliche Konstruktionen, die auf den großen Industrieausstellungen zueinander in Konkurrenz traten. Die erste wirkliche Serienfertigung gelang C.X.Thomas de Colmar in Paris, der ab 1820 eine Maschine auf Basis der Leibniz'schen Staffelwalze konstruierte. Er nannte sie „Arithmometre“ und fand ab 1850 erste Kunden: große Handelshäuser, Banken und Versicherungen, aber auch staatliche Stellen für ihre Statistiker, Artilleristen, Ingenieure, Landvermesser und Universitäten.
Der Arithmometer blieb einige Jahr­zehnte ohne Konkurrenz, dann liefen die Patente ab und andere Hersteller brachten Nachbauten auf den Markt. Vor allem aus Deutschland kamen ab etwa 1880 immer mehr und immer ausgereiftere Nachbauten auf den Markt. Zur gleichen Zeit begann erst in Russland und bald auch in Deutschland die Serienfertigung von W.T.Odhners Sprossenrad-Maschinen, die zur zweiten Gruppe erfolgreicher Maschinen wurden. Ebenfalls noch vor der Jahrhundertwende kamen vor allem aus den USA die ersten großen Addiermaschinen auf den Markt.

Blüte und Untergang der Mechanik (20. Jahrhundert)

Mit dem immer schneller steigendem Rechenbedarf wuchs auch das Angebot an mechanischen Rechen­maschinen. Neu entwickelte Zusatzeinrichtungen. Motorisierung und Automatisierung verbesserten deren Leistungsfähigkeit, nach Ablauf der Patente fanden sich dann oft weitere Entwickler, die daraus eine unüberschaubare Anzahl von Abwandlungen schufen - die am Markt mal mehr, mal weniger erfolgreich wurden.
Die Methoden der Fabrikation wurden effizienter und ermöglichten immer höhere Präzision. Das verbesserte die Zuverlässigkeit der Maschinen und ließ die Preise sinken, was den Absatz der Maschinen noch förderte. Der Wettbewerb um günstige Preise führte allerdings gelegentlich (besonders in der letzten Phase) auch wieder zu Qualitätsverschlechterungen.


Egal ob hand- oder motorbetrieben, Sparversion oder Superausstattung, Sprossenrad, Staffelwalze oder Schaltklinke: 1961 begann das schnelle Ende der Mechanik. In diesem Jahr kamen die ersten ANITAs und deren „Kollegen“ in die Büros. Innerhalb eines Jahrzehnts machten sie alle mechanischen Rechenmaschinen obsolet, fast alle Firmen stellten schnell die Produktion ein. Nur im damaligen „Ostblock“ erfolgte diese Entwicklung deutlich später, noch in den 70er-Jahren wurden dort mechanische Rechenmaschinen gebaut.
Rechenschieber und Logarithmentafeln hielten sich in den Ingenieur­büros, Schulen und Universitäten noch etwas länger, weil die frühen elektronischen Geräte noch zu wenige Funktionen hatten. Die integrierten Schaltkreise elektronischer Rechner wurden aber bald kleiner, leistungsfähiger und preiswerter. Am 12. Juli 1972 startete in den USA der Verkauf des Hewlett-Packard HP‑35, der alles (insbesondere Logarithmen, Potenzen und Kreisfunktionen) genauer und schneller rechnete als ein Rechenschieber. Allerdings kostete er anfangs noch knapp 400 $.
Am 13. Juni 1976 erschien dann mit dem TI‑30 der erste wissenschaftliche Taschenrechner, der gerade mal 25 $ kostete. Auch die Rechenschieber und Logarithmentafeln wurden nun schnell wertlos und verschwanden.
Neben den Vorteilen (Genauigkeit, Schnelligkeit, leichtes Erlernen, immer mehr Funktionen) bringen die modernen Tisch- und Taschenrechner aber auch Nachteile mit sich: Das fehlende Gefühl für das, was man da gerade rechnet führt hin und wieder zu folgenreichen Fehlern. Jedem Display wird vollkommen vertraut, kaum jemand kann bei dem hohen Rechentempo noch einen Überschlag im Kopf machen, ob das Eingetippte und Angezeigte auch stimmen kann. Zudem wird von der Elektronik oft eine Genauigkeit vorgetäuscht, die gar nicht existiert: Was nützen z.B. 11 Nachkommastellen, wenn die eingegebenen Messwerte nur auf zwei Stellen genau waren?

Warum waren die USA und Japan in der Elektronik so lange führend?

Auch europäische Rechenmaschinen-Hersteller versuchten sich an der Produktion elektronischer Rechner, doch fast überall traf man ganz schnell Vereinbarungen mit verschiedenen japanischen Elektronikproduzenten. Das geschah nicht wegen fehlender Kompetenz in der Elektronik, sondern weil die Herstellung der frühen elektronischen Geräte noch aufwendigste Handarbeit (und daher in Europa unbezahlbar) war. Die japanischen Löhne hingegen waren konkurrenzlos niedrig, also kauften dortige Firmen US‑amerikanische Chips und bauten um diese herum Rechner, die dann von den europäischen Firmen (im Vergleich zur Eigen­produktion) recht günstig angeboten werden konnten. Damit lieferten die großen, etablierten Vertriebs­netze der Büromaschinen-Hersteller den japanischen Firmen Starthilfe, was den Untergang noch beschleunigte: Lange vor der Einführung rationellerer Herstellungsweisen waren die alten Industrien komplett vom Markt gefegt.
Auch in den USA war das Lohnniveau eigentlich zu hoch für die aufwendige Handarbeit beim Bau der elektronischen Geräte. Doch dort wurde vom Staat (vor allem dem Militär) gegengesteuert, denn man wollte das damalige Fast-Monopol der Chip-Fertigung und andere Kompetenzen so lange wie möglich im Land behalten. Also gab es hohe Subventionen und viele teure Aufträge für die einheimischen Firmen. So konnten amerikanische Hersteller einige Zeit mithalten oder gar die Technologieführerschaft erringen. Noch viele Jahre mussten auch die japanischen Hersteller die „Chips“ überwiegend in den USA kaufen.

Grafik der Produktionsjahre meiner Geräte (ab 1904):
Anmerkung zu den Jahreszahlen

Viele Rechenmaschinen wurden sowohl technisch als auch im Design ständig weiter entwickelt. Da ist es nicht immer klar, was als Markteinführung bzw. Produktionsbeginn gelten soll: Ist z.B. die Brunsviga B mit der neuen Eingabelöschung ein neues oder doch nur ein verbessertes Modell? Macht das neue Gehäuse eine Monroe LN 160 zu einer neuen Maschine? Sind Vor- und Nachkriegs­modelle der Thales CER das Gleiche?
Ich halte mich in solchen Fällen meist an die Hersteller­bezeichnungen und daran, ob sich an der Technik etwas Wesentliches geändert hat. Dabei bleibt gelegentlich eine Art „Grauzone“, in der das Ansichtssache bleibt.
Dazu kommt als weiteres Problem die oft uneinheitliche Quellenlage. Daher sind alle Jahreszahlen mit etwas Vorsicht zu genießen!

Galerie

Reihenfolge innerhalb der Gruppen nach Produktionsbeginn

Rechenhilfen, mathematische Instrumente, Tafeln

Was gehört zu dieser Gruppe?

Geräte wie Abakus, Zahlenschieber o.ä. (aber auch elektronische Tischrechner) werden vielfach als Rechenmaschinen bezeichnet. Das ist aber nicht korrekt (und stört massiv bei der Suche auf ebay), denn eine „Maschine“ hat stets eine Übertragung von Kräften zwischen ihren bestimmenden Teilen, ob nun über Hebel, Zahnräder, Seilzüge oder sonstwie. Eine echte Rechenmaschine hat daher mindestens eine Baugruppe, in der die Wert­speicherung und der Zehnerübertrag mechanisch erfolgen und sie ermöglicht damit mindestens eine der vier Grundrechenarten.
Hier sind diejenigen Objekte versammelt, die diese Definition nicht erfüllen, aber auch keine elektronischen Geräte sind.

mehr zu den Kugelrechnern

Die ältesten „Rechenhilfen“ der Menschheit sind sicher die eigenen Finger. Irgendwann fing man an, Stöckchen, Steinchen, Muscheln usw. zu benutzen. Spätestens die Sumerer entwickelten dann Regeln für deren Benutzung: Sie ritzten oder malten Linien für unterschiedliche Wert­stufen (z.B. 1 ‑ 12 ‑ 60...) und legten entsprechend mehr oder weniger Kiesel­steinchen darauf.
Die Römer nannten solche Steinchen ganz einfach „kleiner Kieselstein”: auf lateinisch „calculus”. Als später Muscheln, Münzen oder anderes anstatt der Steinchen benutzt wurden blieben das „calculi” - und deshalb „kalkulieren” wir.
Ebenfalls von den Römern kennen wir das erste „richtige Gerät” mit fest eingebauten calculi, den „Abacus”.
Daher wird Abakus gerne als Oberbegriff für alle Varianten des Geräts benutzt. Nicht alle davon sind Geräte von gestern: Man schätzt, dass immer noch rund 40% der Weltbevölkerung zumindest ab und zu eine der Abakus-Varianten nutzen, obwohl einfache Solar-Taschenrechner (z.B. der hier) durch Massenfertigung inzwischen spottbillig sind.

mehr zu den Zahlenschiebern

Schon früh wurden diese kleinen, billigen Rechen­hilfen „für Jedermann“ entwickelt und vertrieben.
Das Prinzip des Zahlenschiebers war bereits vor 1600 bekannt, aber erst 1847 fand Hermann Kummer einen Weg für den „halbautomatischen“ Zehner­übertrag (die „Kurve“ ganz oben in der Rille). Ab 1889 wurden Zahlenschieber in größeren Mengen produziert, ab 1920 wurden sie zum erfolg­reichen Massenprodukt.
Anfang der 70er-Jahre stellten die meisten Firmen die Produktion ein, denn die Elektronik trat ihren Siegeszug an. Einzelne Zahlenschieber wurden aber noch bis Ende der 80er-Jahre gebaut: In manchen Weltgegenden war man noch lange froh über preiswerte Geräte, die ohne Strom und Batterien funktionierten und in den USA gab es noch Bedarf nach speziellen Zahlenschiebern für die komplizierten amerikanischen Längenmaße.

mehr zu den Rechenschiebern

Bereits 1632 hatte William Oughtred die Idee, zwei gegen­einander verschiebbare logarithmische Skalen als Rechen­hilfe zu benutzen. Spätestens um 1900 waren Rechenstäbe dann für jeden Ingenieur DAS Statussymbol schlechthin (so ähnlich wie das Stethoskop für Ärzte).
Sie waren zwar ungenauer als Rechenmaschinen (man konnte nur auf drei bis fünf Stellen genau ablesen), aber mit entsprechender Übung viel schneller zu bedienen. Selbst bei komplizierten Rechnungen konnten die Ergebnisse oft nach wenigen Handgriffen abgelesen werden. Die Stellung des Kommas musste man dabei allerdings im Kopf behalten und überschlägig mitrechnen - was auch Vorteile hatte: Man wusste so stets gut, was man da eigentlich berechnete.
Auch die Mondraketen wurden noch mit Hilfe von Rechenschiebern entwickelt, aber inzwischen haben die Taschenrechner sie fast völlig verdrängt. Nur in manchen Nischen werden noch spezielle Geräte genutzt, so haben z.B. selbst moderne Flugzeuge für Notfälle noch so etwas wie eine E6B im Cockpit.
Viele Infos zu Rechenschiebern gibt es bei Rechenschieber.org.

Kleinaddierer

Was gehört zu dieser Gruppe?

Nicht immer waren große, teure Rechenmaschinen nötig, oft konnte man sich auch keine leisten. Dann benutzte man entweder einfache Rechen­hilfen aus der vorigen Gruppe oder die hier versammelten kleinen Maschinen, die alle ein Resultatwerk mit echtem Zehner­übertrag haben.
Sie sind von den „großen“ Addiermaschinen nicht wirklich klar abzutrennen: Einfache Verarbeitung, geringe Größe und/oder Stellenzahl, eingeschränkte Funktion oder umständliche Eingabe können bei mir zur Einstufung in diese Gruppe führen, doch letzlich bleibt da eine Grauzone...

Ein- bis Dreispeziesmaschinen

Was gehört zu dieser Gruppe?

Diese Maschinen heißen im englischen "adding machines" - selbst wenn sie Subtraktions- und Multiplikationsmechanismen haben. Das erklärt sich aus der Entwicklung: An deren Anfang standen Maschinen, die wirklich nur addieren konnten (meist über eine Zahnstangen-Mechanik). Dann wurden Umkehrmechanismen für die Subtraktion eingebaut, später kamen Einrichtungen für die Multiplikation (und ggf. Speicherwerke) dazu. Schon die frühen Maschinen waren überall da, wo fast nur aufsummiert werden musste bestens geeignet, z.B. im kaufmännischen Bereich.
In der letzten Ausbaustufe beherrschten derartige Maschinen (dann stets elektrisch angetrieben) auch die automatische Division - aber dann gehören sie nicht mehr hierher.

mehr zu den „key-driven adding machines“ (Comptometer-Typ)

Eine Sonderstellung nehmen die Geräte ein, bei denen schon der Tastendruck zum Antreiben der Mechanik ausreicht. Diese Gruppe stellt bis heute die schnellsten Addiergeräte, denn wenn ein geübter Bediener darauf addiert hält kein Taschenrechner mit. Auch für die anderen Grundrechenarten gab es besondere und recht schnelle Verfahren, die man in speziellen Kursen erlernen konnte. Durch das intensive Training und die Verankerung dieser Verfahren im Unbewußten (was erst das Tempo ermöglichte) waren die Kursteilnehmer begehrte Mitarbeiter.

Staffelwalzen-Maschinen

Was gehört zu dieser Gruppe?

Schon 1671 erfand Gottfried Wilhelm Leibniz die Staffelwalze: Eine Walze mit neun verschieden langen „Rillen“, an der ein Zahnrad so entlang geschoben wird dass es je nach Stellung von keiner bis allen neun Rillen gedreht wird. So kann man die Ziffern 0 bis 9 ins Resultatwerk übertragen (dieses Youtube-Video zeigt die Funktion sehr schön).
Die frühen Maschinen mit Schiebereinstellung sind eher für Multiplikation und Division geeignet, denn längeres Addieren und Subtrahieren macht damit wirklich keinen Spaß. Aber schon recht früh wurden Maschinen mit Tasten und automatischer Löschung der Eingabe („Additionsmodus“) entwickelt, die für alle Grundrechenarten bestens geeignet waren.
Auch die erste in Serie gebaute Rechenmaschine (ab ca. 1850) hatte Staffelwalzen. Die wurden im Laufe der Jahrzehnte weiter entwickelt: Sie wurden beweglich, geteilt, verdoppelt, vereinfacht, in der Zahl verringert und zuletzt miniaturisiert. Trotzdem ist das Prinzip dahinter immer noch das von Leibniz erfundene.

Sprossenrad-Maschinen

Was gehört zu dieser Gruppe?

Die Idee eines Rades mit variabler Zähnezahl hatte schon Leibniz; Poleni, Braun, Roth und viel später Baldwin konstruierten entsprechende Maschinen. Doch erst W.T.Odhner brachte um 1870 herum das Sprossenrad mit neun ein- und ausfahrbaren „Sprossen“ zur Produktionsreife (dessen Funktion erklärt dieses Youtube-Video sehr schön).
Ab etwa 1890 stellte er in St.Petersburg seine ersten Maschinen her. Wegen des beweglichen Schlittens waren sie vor allem für Aufgaben geeignet, bei denen viel multipliziert oder dividiert werden musste. Größere Aufsummierungen blieben wegen der Schiebereinstellung und dem fehlenden Additionsmodus umständlich.
Odhner vergab auch Lizenzen an andere. Diese (und nach Ablauf der Patente auch weitere) Firmen entwickelten die Maschinen ständig weiter und wurden teils erfolgreicher als Odhner selbst.

Geräte mit Tasteneingabe

Um die mühselige Eingabe mit den kleinen Stellschieberchen zu erleichtern wollte man auch Sprossenrad-Maschinen mit Tasten-Eingabe ausstatten. Karl Rudin gelang kurz nach 1930 die Konstruktion einer zuverlässigen Mechnik. Sein System wurde zuerst bei Facit gebaut und später häufig kopiert. Es verbesserte die Eignung dieser Maschinen für Addition und Subtraktion deutlich, nur die automatische Eingabelöschung fehlte fast immer.
Auch wenn diese Maschinen ganz anders aussahen und bedient wurden: Innen werkelten immer noch (meist etwas abgewandelte) Sprossenräder des „Odhner-Typs“.

pinwheel.exe

bei D.E.Dirkse  

sonstige Vierspezies-Maschinen

Was gehört zu dieser Gruppe?

Mehrere andere Systeme zur Werteingabe ins Resultatwerk wurden entwickelt, haben aber den Markt nie so dominieren können wie Staffelwalze und Sprossenrad. Dabei hatten einige dieser Systeme sogar Vorteile für das Rechnen mit Motorantrieb oder die Automatisierung.
Hier sind solche Maschinen versammelt, soweit deren Mechanik alle vier Grundrechenarten ermöglicht. Fast alle davon haben die automatische Eingabelöschung („Additionsmodus“) und sind daher für alle Grundrechenarten bestens geeignet.

Elektronik

Was gehört zu dieser Gruppe?

Die folgenden Rechner zeigen die (vor allem aus Japan und den USA vorangetriebene) Entwicklung der rechnenden Elektronik, daneben aber auch, wie manche europäischen Rechenmaschinen-Hersteller dabei mitzuhalten versuchten.
Zugegeben: Einige der Geräte wollte ich auch einfach haben, weil ich Nixie-Röhren wunderschön finde ... deshalb sind es ein paar Beispiele mehr als eigentlich nötig.

Liste

F = mit Infos zu Firmen (Hersteller, Vertrieb, ...)

 F  Addiator (Basismodell)
 F  Addifix-9
 F  Addimult Ziffrex
 F  Addo-X 2341E
     Addo-X 9354
 F  ALCO
 F  ALFA C
 F  Archimedes H
 F  Aristo 89
     Aristo Scholar
     Badenia TEH10
 F  Badenia TH13
     Brunsviga 10 (1933)
     Brunsviga 10 (1950)
     Brunsviga 11E
     Brunsviga 13
     Brunsviga 13B
     Brunsviga 13RK
     Brunsviga 13RM
     Brunsviga 20
     Brunsviga A 58
     Brunsviga B (1904)
 F  Brunsviga B (1909)
     Brunsviga D 13 R-1
     Brunsviga D 13 Z/2
     Brunsviga M III
     Brunsviga MD
     Brunsviga MH
     Brunsviga MR
     Brunsviga Nova II
 F  Burroughs Calculator 5205
     Burroughs Portable 90801
 F  Busicom HL-21
 F  Casio fx-1
     Casio fx-82SOLAR
     Casio HL-805
 F  Comptator
 F  Comptometer H
     Comptometer J
     Consul Rechenaffe
     Contex 10
     Contex 230
     Contex 30
 F  Contex A
     Contex D11
 F  Curta I
 F  Denon DEC-61A4
 F  Diehl EvM15
 F  Direct-II
 F  Elektronika Mk59
 F  Everest Z4
     Everest Z5
     Everest Z5R
     Faber-Castell 4/54
     Faber-Castell 52/82
 F  Faber-Castell Addiator 1/87A
     Faber-Castell Addiator 67/22R
     Facit 1004
     Facit 1129
     Facit 1131
     Facit C1-13
     Facit C1-19
     Facit CM2-16
     Facit ESA-0
     Facit NE
 F  Facit TK (1938)
     Facit TK (1953)
 F  Fei Yu Pai JSY-20
 F  Formelscheiben GdED
 F  Friden H8
     Friden STW10
 F  General Teknika 1200
     General Teknika 1218
 F  Genie 510
 F  GZSM „Felix“ A3
     GZSM KSM-1
     Hamann Automat T
 F  Hamann Manus „C”
     Hamann Manus R
 F  Ibico 1217
 F  Interton PC2008
 F  Komet TA
 F  Kuhrt A2
 F  Liebermann TE 8000
 F  Lightning Adding Machine
 F  Lindström Record
 F  Lipsia Addi 7
 F  Litronix 1100A
 F  Madas IX
 F  Madix HM
 F  Marchant H9
 F  Melitta VII/16
 F  Mercedes-Euklid 4
     Mercedes-Euklid 29
 F  Mesko KR-19S
 F  Mira Visier
 F  M.J.Rooy
 F  Monroe LN-160X
     Napier'sche Stäbchen
 F  NCR 1652
 F  Neckermann Haushaltkalkulator
 F  Nisa K2
     Nisa K5
     Norma Grafia 190
 F  Norma Merkuria 190
     Numeria 5905
 F  Numeria 7101
 F  Odhner 27
     Odhner 239
 F  Olympia 192-030
     Olympia AM 209
 F  Ott Planimeter
 F  Pilot P1
     Precisa 103
 F  Precisa 1102-10
     Precisa 117
     Precisa 164-12
 F  Privileg 03987
     Privileg PR55NC
     Privileg SR54NC
     Produx axbxc
 F  Produx Multator II
     Produx Multator-4
 F  Rebell Euro-Print 12
 F  Record LM
 F  Rema 1
 F  Remington 1001
 F  Resulta BS 7
     Resulta BS 7 Export
 F  Rheinmetall Id
     Rheinmetall AE
     Rheinmetall D IIc
     Rheinmetall „DS Ie“
 F  Rokli 7R
     Rokli 7RS
     Rokli 16R
 F  Royal MK12
 F  Schetmash (Kursk) „Felix“ M
 F  Schetmash (Penza) VK-1
 F  Schubert DRV
 F  Schumm Rechenbox
     Sharp CS-241
     Sharp CS-243V
     Sharp CS-6301
     Sharp ElsiMate EL-8048
 F  Sharp QT-8D
     Sharp QT-8B
 F  Siebert Rechentafeln
 F  Silver-Reed Mini
 F  Stima CMSIII
     Stima MSIII
     Stschoty
     Suan Pan
 F  Sumlock 909/C
 F  Summira 7
 F  Thales C
     Thales CER
     Thales DER
     Thales GEO
     TIM I
     TIM II
 F  Tomoe Soroban
 F  Triumphator C
     Triumphator CRN1
     Triumphator HZN
     Triumphator KA
 F  Tröger Rechenscheibe
 F  TRS Calcorex
 F  UNITAS I
     Walther Comptess
     Walther ETR4
     Walther RKZ
 F  Walther RMK
     Walther WSR160
 F  X x X
 F  Zivy Zähler

Gliederung der Einzelbeschreibungen

Name

Landesflagge bei Produktionsbeginn
Textteil Monatslohn-Vergleiche beziehen sich auf den damaligen
Tarif-Durchschnittslohn für Verheiratete mit 2 Kindern.
Bilder, Info-Links
Hersteller/Anbieter
Modellbezeichnung
ggf. Seriennummer
Maße Breite x Tiefe x Höhe
Gewicht
von - bis
  • Rechenwerke, Kapazität;
  • Hauptfunktionen

Abkürzungen:
EW = Eingabewerk (Schieber, Tasten etc.)
EK = Eingabekontrolle
ZW = Zählwerk („Quotientenwerk“)
  • Sonstiges zur Bedienung



RW = Resultatwerk („Akkumulator“)
SW = Speicherwerk
Zustand
optisch/funktional als „Schulnoten“


Was war - außer dem üblichen Reinigen und Schmieren - zu tun?


Zubehör, Anleitung?
ggf. Infos zu Herstellern und Anbietern (meist beim ersten Modell des Herstellers)

Einzelbeschreibungen

chronologisch sortiert nach Produktionsbeginn

中式算盤 (Suan Pan)

Vielleicht schon vor 1000 Jahren (so genau weiß man es nicht, die erste eindeutige Abbildung stammt aus dem Jahr 1573) entwickelte sich in China der Suan Pan. Dass die Grundidee der fest eingebauten Rechenperlen über die Seidenstraße in den Osten wanderte ist möglich, chinesische und italienische Historiker sehen das aber unterschiedlich.
Die chinesische Variante hat pro Reihe fünf Perlen in einem unteren Abteil („Erde” genannt) und zwei Perlen oben (der „Himmel”). Jede Perle unten, die zur Mitte hin geschoben wird steht für den Wert 1, jede zur Mitte geschobene Perle oben für 5. Die Reihe ganz rechts steht dabei für die Einer, die Reihe links davon für die Zehner usw. (jedenfalls wenn man nicht mit Nachkommastellen rechnet). Damit kann pro Reihe jeder ganzzahlige Wert bis 15 dargestellt werden, was dem Rechnen mit manchen in China früher verbreiteten hexadezimalen Maßen entgegen kam.
Bis 2002 soll es in China noch verpflichtende Suan Pan-Prüfungen für manche Buchhaltungs­berufe gegeben haben, auch heute noch wird der Umgang damit gelehrt. Es gibt dort Spezialisten, die selbst kompliziertere Rechnungen damit machen, entsprechende Schnellrechner-Wettbewerbe finden statt. Auch im Alltag wird der Suan Pan immer noch benutzt, z.B. auf Märkten.
Dieses Modell findet man heute noch oft als Neuware. Vermutlich kaufen es inzwischen mehr China-Touristen als wirkliche Nutzer, ich bekam mein Exemplar als Geschenk zum „50sten“.

was damit alles geht
Lotus Flower

25 cm x 12 cm x 2,5 cm
240 g
? - heute
  • 13 Bambusstäbchen und 91 Holzperlen
    oder technisch:
    ein 13stelliges Rechenregister für Eingabe und Resultatanzeige
1/1 (praktisch neuwertig).

Napier'sche Stäbchen

John Napier, Laird of Merchiston entwickelte das Rechnen mit Logarithmen so sehr weiter, dass er heute oft als „Erfinder der Logarithmen” angesehen wird. 1617 stellte er in seinem Buch „Rabdologiae seu numerationis per virgulas libri duo” diese von ihm entwickelte kleine Multiplizierhilfe vor: Auf die Stäbchen wird das kleine Einmaleins geschickt so geschrieben, dass die Produkte durch einfaches Addieren schnell ermittelt werden können.
Auch weil die Kenntnis des kleinen Einmaleins kein Allgemeingut war (... also so wie heute wieder) wurden die Stäbchen in ganz Europa viel und gerne genutzt. Bis in die 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts gab es noch entsprechend bedruckte Papierbögen zum Ausschneiden und Aufkleben auf viereckige Hölzer zu kaufen, heute jedoch sind die Stäbchen fast vergessen.

mehr Infos bei
T.Hempel
Deutsche Übersetzung von 1618 Vordruck (PDF)
Napier-Stäbchen

10 cm x 9 cm x 1 cm
70 g
1617 - ca. 1925
  • maximal 10-stellige Faktoren (mit maximal 4 gleichen Ziffern) möglich
2/1

Vordrucke am Computer entworfen, gedruckt, ausgeschnitten und auf Buchenleisten 10x10mm² aufgeklebt.

Mit Schachtel und Anleitung.

Счёты (Stschoty)

Die russische Version des Abakus entwickelte sich wahr­scheinlich aus dem Suan Pan. Zum ersten Mal in einem Buch erwähnt wurde er kurz vor 1700. Es gibt keine Aufteilung in 1er- und 5er‑Kugeln und eine Reihe hat nur vier Kugeln, die steht entweder z.B. für Viertel-Rubel (1 Kugel = 25 Kopeken) oder gilt einfach nur als Komma­stelle und wird dann nicht zum Rechnen benutzt. Bedient wird der Stschoty mit der kleinsten Stelle zum Bediener hin, also quer zur bei den anderen Varianten üblichen Ausrichtung.
Ein Nachteil der meisten Exemplare ist die geringe Stellen­zahl, die für Rubel und Kopeken ausreicht, aber nicht für komplexere Berechnungen. Dazu kommt bei allen Stschotys die beachtliche Größe, die mehr Finger- und Armbewegung erfordert und dadurch etwas verlangsamt. Grobmotoriker finden das aber sicher gut. Eine eindeutige Verbesserung sind dagegen die nach oben gekrümmten Drähte, wodurch die Perlen besser auf der Seite bleiben, auf die man sie geschoben hat.
Der Mathematiker Jean‑Victor Poncelet brachte von Napoleons Russland-Feldzug einen Stschoty mit nach Mitteleuropa. Dort wurde er zum Urahn der einfachen Kugelrechner, die man heute noch in deutschen Kinder­zimmern und Kindergärten findet (und die früher auch in den Grundschulen genutzt wurden). Ob es in russischen Kindergärten noch Stschotys gibt entzieht sich meiner Kenntnis.
Mein Exemplar wurde in den 80er-Jahren in Bulgarien gekauft und diente dann nur als Deko-Objekt.

mehr Infos im

und im
Arithmeum

Rechenbrett
für Kinder
Preis 2-00 (Rubel)

Diesen Hersteller-Stempel hat Herr Leipälä übersetzt - vielen Dank dafür!
Stschoty

21 cm x 31 cm x 5 cm
480 g
vor 1700 - ca. 1970
  • 10 Drähte und 94 Holzperlen
    oder technisch:
    ein 9- bis 10stelliges Rechenregister für Eingabe und Resultatanzeige
2/1: Kaum Gebrauchsspuren, aber eine Ecke schon bei der Herstellung etwas nachlässig verleimt; perfekt benutzbar.
Anleitung im Netz gefunden.

Ott Planimeter

Neben Hilfsmitteln zum allgemeinen Rechnen gab und gibt es auch viele mathematische Instrumente für besondere rechnerische Anwendungen. Ein Beispiel ist das Planimeter zur Flächenberechnung z.B. in Landkarten, in technischen Zeichnungen oder auch in der Lederindustrie. Es gibt zahlreiche verschiedene Arten, eine davon ist dieses 1854 von Jakob Amsler erfundene Polarplanimeter. Man stellt die Armlänge auf den Kartenmaßstab ein, setzt die Spitze auf einen beliebigen Punkt am Rand der zu messenden Fläche, liest den Wert der Skala ab (oder stellt auf Null), führt die Spitze einmal möglichst exakt im Uhrzeigersinn um diesen Rand und liest den Wert wieder ab. Mit einer kleinen Korrektur­rechnung (die Angaben dazu stehen im Etui des Geräts) hat man schnell die Fläche ermittelt (hier im Bild die des Plattensees, übrigens 594 km²). Die Genauigkeit des Gerätes ist bei größeren Flächen meist höher als die der Zeichnung.
Dieses Exemplar wurde ungefähr 1945 gebaut, es gehörte einem Vermessungsingenieur.

mehr Infos zu Planimetern bei
W.Blümich
A.Ott
Polarplanimeter Modell 30
S.Nr. 55425

27,5 cm x 6 cm x 3,5 cm
220 g
?
  • 2 Noniusskalen an Arm und Messrad, zusätzliche Skala für Anzahl der Messraddrehungen.
  • Umrechnungstabelle im Etuideckel.
2/1: Wieder guter Gesamteindruck; alle Skalen einwandfrei, selbst die Kalibrierung stimmt noch.

Einige Stoßstellen ausgebessert, Polarm nachlackiert, oberen Spitzenabschluss durch Nachbau ersetzt.

Mit Etui, Kalibrierungslineal und Ersatzspitzen, Anleitung im Netz gefunden.

Albert Ott gründete 1873 in Kempten seine Firma zum Bau diverser Messinstrumente. Die Firma existiert noch, ist allerdings seit 2002 nicht mehr selbständig und baut inzwischen keine Planimeter mehr, sondern Messgeräte für Hydrologie und Meteorologie.
Doch auch heute noch werden anderswo Planimeter hergestellt, z.B. bei Haff.

Brunsviga B

„Modell B“ war der erste von Brunsviga gebaute Maschinentyp. Eigentlich handelt es sich dabei eher um eine ganze Modellfamilie, denn im Lauf der Jahre wurde das Modell ständig weiter entwickelt: Zuerst kamen eine verlängerte Kurbel und die Warnglocke(n) für Über- und Unterlauf dazu, einige Sperren gegen Fehlbedienungen wurden eingebaut. Das ist der Entwicklungsstand dieses Exemplars aus dem Jahr 1904. Es hat zwei Glocken, damit es beim Überlauf in jeder Stellung bimmelt. Später fand man dafür elegantere Lösungen.
Diese frühen Maschinen von Brunsviga waren alle noch recht groß. Die Gehäusebleche sind sehr dick, alle Teile (von den Sprossenrädern bis zu den Flügelschrauben) sind sehr massiv ausgelegt. Beim Kurbeln spürt man die massiven bewegten Teile. Hier bricht und verbiegt sich noch nichts, diese Maschine kann bei guter Pflege vermutlich auch in weiteren 117 Jahren noch funktionieren, selbst wenn sie wieder häufiger benutzt werden sollte.

Brunsviga
B
S.Nr. 6022

34 cm x 17 cm x 12,5 cm (o. Brett)
8,4 kg
1892 - ca. 1925
  • EW 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Flügelschrauben zur Löschung von ZW und RW.
  • Zehnerübertrag im RW nur über 9 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot),
  • RW nur in Grundstellung des Schlittens löschbar.
2/1: Beschriftung am ZW etwas abgegriffen, kleine Gebrauchsspuren; einwandfreie Funktion.

Alle Metallteile poliert, Deckbleche und Rückseite neu (teil)lackiert, Ziffern neu eingelegt, fehlende „Kommastöpsel“ ersetzt.

Mit Bodenbrett und Blechhaube, allgemeine Anleitung aller alten Brunsvigas im Netz gefunden.

Brunsviga B

Diese etwas spätere Version des Modell B hat den Zehnerübertrag über alle 13 Stellen, sie hat eine Mechanik zur Gesamtlöschung der Eingabe und die altertümlichen „Kommastöpsel“ sind nun durch Schieber ersetzt. Außerdem gibt es eine Anzeige der letzten Kurbel-Drehrichtung. Die Löschung des Resultatwerks während der Kurbeldrehung und der Wechsel der Kurbel-Drehrichtung sind bei diesem Exemplar nicht gesperrt. Der Lösehebel der Drehrichtungs­sperre fehlt folglich auch, aber im Deckblech ist oben links noch der kleine Schlitz dafür, auch die Zahnscheibe ist vorhanden. Offenbar wurde beides mal ausgebaut, sei es wegen Defekt oder weil ein Benutzer das störend fand.
Diese Brunsviga B wurde der Seriennummer nach 1909 gebaut. Der damalige Neupreis war 505 Mark, das entsprach dem durchschnittlichen Tariflohn eines Arbeiters für ein halbes Jahr. Die Vorbesitzer haben die Maschine aus Schweden bekommen. Auf der Holzplatte ist der Aufkleber der A.B. Hadar Schmidt aus Stockholm, diese Firma hat damals viele Rechenmaschinen nach Schweden importiert (u.a. war sie schwedischer Generalvertreter für die in Russland gebauten Odhner-Maschinen).
Noch spätere Versionen erhielten ein verbessertes Schlittenschloss und die Drehrichtungsanzeige wurde nach links verlegt.

Ein Sprossenrad wird eingestellt
(MP4, 2 MB):
Brunsviga
B
S.Nr. 12523

34 cm x 17 cm x 12,5 cm (o. Brett)
8,4 kg
1892 - ca. 1925
  • EW 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Flügelschrauben zur Löschung der drei Werke.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot),
  • Anzeige der Drehrichtung rechts neben dem EW.
2/2: Lack und Zahlen erstaunlich gut erhalten (vielleicht mal neu lackiert?), Verchromung teils etwas angegriffen; alles funktioniert, nur gelegentlich hakelt mal eine Sprosse etwas oder die Löschung der 10er‑Stelle im RW benötigt eine zweite Umdrehung.

Eine Unterlegscheibe unter den linken Schlittenanschlag gelegt, Schlittenblech etwas gerade gebogen: Schon war die vorherige Schwergängigkeit weg!

Mit Bodenbrett, Anleitung wie zuvor.

Brunsviga ist der latinisierte Name der Stadt Braunschweig. Dort hat der Hersteller 1871 als Nähmaschinenhersteller „Grimme, Natalis & Co.“ begonnen, ab 1892 wurden auch (in Lizenz von Odhner) unter dem Markennamen „Brunsviga“ hauptsächlich Sprossenrad-Maschinen gebaut, mit denen die Firma sehr erfolgreich wurde. Erst 1950 wurde dieser Marken- auch zum Firmennamen. 1959 wurde Brunsviga von Olympia aufgekauft. Wenige Jahre später wurde die Produktion der meisten handbetriebenen Maschinen eingestellt, die letzte handbetriebene „Brunsviga“ wurde 1969 in Spanien gebaut. Das letzte Gerät der Marke überhaupt war dann ein kleiner wissenschaftlicher Taschenrechner aus dem Jahr 1975 (den hat Olympia evtl. sogar selbst gebaut und nicht aus Fernost zugekauft).

X x X

Dieser Staffelwalzenmaschine sieht man ihr Alter gleich an: Wie bei den ersten Maschinen dieses Typs erfolgt die Eingabe der Zahlen hier noch mit Schiebern. Damit verschiebt man pro Stelle ein Zahnrad auf einer Vierkant-Achse so, dass je nach eingestellter Ziffer verschieden viele „Rippen“ einer Staffel­walze dieses Zahnrad (und damit auch Achse und Anzeige im Resultatwerk) drehen. Auch die Position der Kurbel und die Anordnung der Werke sind noch ganz im alten Stil. Aber eine ganze Reihe Verbesserungen gibt es, sowohl in der Technik als auch in der äußeren Gestaltung: Statt Holzkasten hat die X x X ein massives Gussgehäuse aus Eisen, dessen Oberseite ist zum besseren Ablesen leicht nach vorne geneigt. Innen sitzen besonders leichte Staffelwalzen, die aus einzelnen Zahnsegmenten zusammengesetzt sind. Aufwendige gefederte Elemente ersetzen an vielen Stellen die einfachen Blattfedern.
Es gab die X x X auch mit einem Schalter, der links im Resultatwerk einen Zähler simuliert. Varianten mit anderen Kapazitäten waren lieferbar, ebenso Modelle mit Tasten (statt der Schieber) oder mit Tasten und Druckwerk. Das hier ist die einfachste (aber nicht kleinste) Variante. Etwas über 700 Mark waren dafür fällig (etwa 8 Durchschnittslöhne).
Die X x X ist vermutlich die erste Serienmaschine, die konsequent „durchgestylt“ wurde. Das Gehäuse wirkt durch die gefrästen und teils vernickelten Kanten weniger wuchtig. Selbst die nur beim Anheben des „Lineals“ sichtbare, aus Messing bestehende Mechanik wurde verchromt, um sogar dann nur Schwarz und Silber zu zeigen. Diese Gestaltung macht das Modell zu einer der schönsten in Serie gefertigten Maschinen. Entwickelt hat sie Bernhard Behr.
Die niedrige Seriennummer dieses Exemplars lässt auf ein Baujahr um 1908 schließen.
Und damit das ganz klar ist: Der Name „X x X“ bedeutet „ix mal ix“ - nicht was Ihr wieder denkt! Das sollte wohl die besonders gute Eignung für Multiplikationen deutlich machen, denn trotz aller Schönheit: Addieren mit Schiebern macht wenig Spaß, erst die Tastenmaschinen waren dafür wirklich gut zu gebrauchen.

Seidel und Naumann
X x X
S.Nr. 778

49,5 cm x 20 cm x 12,5 cm
11,1 kg (o. Kasten)
1906 - nach 1927
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschschieber für ZW und RW (nur bei angehobenem Lineal),
  • Löschschieber für das gesamte EW und je einer pro Stelle.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer weiß),
  • ein gemeinsamer Schalter für Drehrichtung im ZW und RW,
  • Ziffern im RW und ZW direkt einstellbar (nur bei angehobenem Lineal),
  • Linealbewegung nur durch Anheben und Versetzen per Hand,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
2/1: Gehäuse gut erhalten, nur links und rechts je eine größere Abplatzung an der Vernickelung; funktioniert einwandfrei und extrem leichtgängig.

Abgebrochene Schraube ausgebohrt und dort fehlendes Umlenkröllchen der Einstellkontrolle ersetzt, Kurbelfederung durch vorsichtiges Aufbiegen gängig gemacht und fehlenden Kurbelanschlag ersetzt, Nullstellung der Einstellkontrolle justiert, einige Metallteile poliert, Lösch- und Einstellknöpfchen nachlackiert, ein Wirtelchen ersetzt.

Mit komplettem Holzkasten. Kurzanleitung geschrieben.

1868 gründete Karl R.B. Naumann in Dresden eine Werkstatt für Feinmechanik. 1869 kam Erich Seidel für einige Jahre als Geldgeber dazu, daher wurde die Firma nun „Seidel und Naumann“ genannt. Bereits 1886 wurde das Unternehmen zur AG. Es stieg schnell zum bedeutenden Produzenten von Näh- und Schreibmaschinen auf (auch die berühmte „Erika“ stammt von S&N). Fahrräder und anderes ergänzten schon vor 1900 die Produktpalette, ab 1906 dann auch Rechenmaschinen.
Schon 1919 wurde diese Sparte an die Dresdener „Presto Bureaumaschinenbau-Gesellschaft m.b.H.“ gegeben (es ist unklar, ob das eine schon vorher aktive Firma oder eine Ausgründung von S&N war). Seidel und Naumann (vielleicht auch Presto?) wurde 1946 zum „VEB Schreib­maschinenwerke Dresden“, später ein Teil des Robotron-Kombinats. Bis zur Privatisierung 1990 wurden noch Schreibmaschinen gebaut, die Nachfolgefirma meldete bereits 1992 Konkurs an.

UNITAS „I

Die UNITAS („Einheit“) ist wahrscheinlich die erste Rechenmaschine mit zwei Resultatwerken. Diese sitzen in getrennt verschiebbaren „Linealen“, was recht komplexe Berechnungen ermöglicht. Meist wird das zweite Resultatwerk aber einfach für Gesamtsummen benutzt worden sein. Mit den späteren Doppelmaschinen ist sie wegen ihres einzelnen Einstellwerks noch nicht zu vergleichen, aber sie steht ganz am Anfang der Entwicklung solcher Spezialmaschinen.
Durch Schiebereinstellung (mit Röllchen!) und Holzkasten ist dieses Exemplar noch nahe an den „Arithmometern“ aus Frankreich, nur das zweite Lineal ist dazu gekommen. Anders als die ersten Exemplare der Modellreihe hat es schon den von R.Rein konstruierten, zuverlässigeren Zehner­übertrag. Das Baujahr dieser Maschine dürfte 1909 oder 1910 sein.
Vereinzelt gab es auch Exemplare im Metallkasten, die späteren UNITAS-Modelle (von 1910 bis ca. 1929, sowohl mit Schiebern als auch mit Tasten angeboten) hatten dann das massiven Gehäuse aus Gusseisen, das für den Hersteller charakteristisch wurde.
Die römische Eins im Namen ist hier nur eine Vereinbarung unter Sammlern, um das Modell von den späteren Ausführungen abzugrenzen. Vom Hersteller erhielten erst die späteren Modelle Typenbezeichnungen mit römischen Ziffern.

L.Spitz
UNITAS
S.Nr. 1266

57,5 cm x 26 cm x 14,5 cm
15,7 kg (m. Kasten)
1907 - 1910
  • EW (mit EK) 10st.,
  • ZW 9st.,
  • 2x RW 16st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschschieber für RWe und ZW (nur bei angehobenen Lineal)en,
  • ohne Löschvorrichtung für das EW.
  • Zehnerübertrag im RW nur über 11 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer schwarz),
  • ein Schalter für Drehrichtung im ZW und 1.RW,
  • daneben gesonderter Schalter für Drehrichtung im 2.RW,
  • alle Ziffern in den Linealen direkt einstellbar (nur bei angehobenen Linealen),
  • Riegel zur optionalen Kopplung der Lineale,
  • Linealbewegung nur durch Anheben und Versetzen per Hand,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
2/2: etwas Abrieb vor allem an den Kanten, mehrere Ziffern in EK und ZW schlecht lesbar, einige Teile offenbar später ersetzt, insgesamt guter Eindruck; abgesehen von der Lesbarkeit der Ziffern einwandfreie Funktion.

Der Wiener Ingenieur Ludwig Spitz war Prokurist beim Berliner Rechenmaschinen­händler Amster (der erfand die Marke „TIM“). Amster ging 1906 in Konkurs, Spitz übernahm den Vertrieb und die Marke und entwickelte parallel dazu mit dem Konstrukteur Robert Rein neue, verbesserte Rechenmaschinen. Schon 1907 gründete er in Berlin eine eigene Herstellerfirma unter seinem Namen, bald kamen auch Auslandsvertretungen in New York, Paris und Wien dazu. Spitz selbst ging nach Wien zurück und erschloss von dort aus den Markt der K&K‑Monarchie. Sein Schwerpunkt blieb stets der Verkauf, eine Weiterentwick­lung der Maschinen fand kaum mehr statt. Die waren aber offenbar so fortschrittlich, dass sie sich trotzdem viele Jahre gut verkaufen ließen. Erst Ende der 20er-Jahre geriet die Firma gegenüber der Konkurrenz allmählich ins Hinter­treffen. Spitz begann schließlich damit, Maschinen anderer Hersteller zu verkaufen. Als Österreich an das Deutsche Reich angeschlossen wurde traten auch dort die Juden­gesetze in Kraft: Spitz musste 1939 seine Firma verkaufen und wurde 1942 ins Ghetto nach Riga deportiert. Danach verliert sich seine Spur, 1949 wurde er für tot erklärt.
Die Firma in Berlin änderte 1942 den Firmennamen in „TIM‑UNITAS“. Im Büromaschinen-Kompaß 1951 und 1955 wurde noch eine TIM I angeboten, aber möglicher­weise waren das Restbestände aus der Vorkriegszeit. Die Firma existierte als metallverarbeitender Betrieb bis 1991.

Comptator

Manchmal musste es keine große Rechenmaschine sein, weil z.B. nur einfache Aufsummierungen zu machen waren. Der Comptator war ein dafür geeignetes, erschwingliches Gerät. Die geringe Größe war für einige Anwendungen sogar von Vorteil: Man addierte damit häufig Spalten in Kontobüchern, wobei man das kleine Maschinchen direkt auf das Buch legen und als Ableselineal nutzen konnte.
Mit einem Griffel werden die Zahnstangen je nach Ziffer verschieden weit nach unten gezogen, das dreht die Rädchen im Resultatwerk entsprechend weiter. Dabei werden ggf. auch Zehnerüberträge ausgeführt. Drücken des Hebels an der linken Seite stellt die Zahnstangen vor der nächste Eingabe (oder für das Ablesen des Ergebnisses) zurück.
Zum Addieren ist das Gerät ganz komfortabel und es bietet als erster Kleinaddierer überhaupt optionale Eingabekontrolle. Auch einzelne Multiplikationen sind halbwegs passabel möglich. Das Subtrahieren dagegen ist recht umständlich, dazu muss man die am Rand eingeprägten Komplementär­ziffern nutzen. Und das Dividieren ... vergisst man besser ganz.
Der Comptator wurde mit 9 oder 13 Stellen angeboten. 1925 kostete die neunstellige Variante 105 RM, das war etwas weniger als ein Monatslohn. Offenbar war das Angebot erfolgreich, denn das Gerät ist auch heute noch öfter zu finden. Dieses Exemplar ist eines der ganz späten, es muss kurz vor 1930 gebaut worden sein.

mehr Infos im
(Sabielny)
Comptator
S.Nr. 21895

6,5 cm x 20,5 cm x 3,5 cm
550 g
1909 - 1930
  • EW (mit EK) 9st.,
  • RW 9st.;
  • Löschtaste für EW (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschknopf (zum Drehen) für RW.
  • Eingabekontrolle in unterster sichtbarer Zeile,
  • Löschtaste auf Sofortlöschung umstellbar.
2/1: Gehäuse oben sehr gut erhalten, auf der Rückseite deutliche Gebrauchsspuren (vom Schieben über die Bücher); alles funktioniert sehr leichtgängig.

Rote Ziffern neu eingelegt, vergilbte Plastikscheibe ausgetauscht.

Mit passabel erhaltenem Etui, fehlenden Griffel durch Palmgriffel (aus Plastik, viel besser) ersetzt, Neufassung der Anleitung im Netz gefunden.

Der Vorgänger des Comptator ist der „Rapid Computer“, ein ab 1892 in den USA gebauter Kleinaddierer. Hans Sabielny aus Dresden („Moderne Contormaschinen“) verkaufte das Gerät kurze Zeit in Deutschland, doch bald ließ er es durch den Konstrukteur Woldemar Heinitz so verbessern, dass die Eingabekontrolle möglich wurde. Unter dem Namen „Comptator“ wurde das als eigene Erfindung patentiert und ab 1909 bei Schubert & Salzer in Chemnitz und ab 1922 dann bei Sabielny in Dresden selbst produziert.

TIM II

Noch eine Rechenmaschine aus Berlin, aber mit englischem Namen: TIM steht für "Time is Money": Ludwig Spitz nutzte dieses Verkaufsargument für Rechenmaschinen als Marke, aber auch als Modell­bezeichung der Modelle mit einem Resultatwerk. Marke und Name sollten die potentiellen Kunden wohl davon überzeugen, dass sich der Einsatz solcher Maschinen lohnte.
Auch die TIM ist wegen ihrer Schiebereinstellung noch nahe am Typus der ab ca. 1850 erfolgreichen Rechen­maschinen. Sie hat aber den zuverlässigeren Zehner­übertrag und hier schon das massive, typische Gehäuse aus Gusseisen. Die vordere Platte aus dickem Blech lässt sich bei diesem Exemplar leicht abnehmen. Wollte man die Mechanik leicht vorführbar machen oder ging es um leichte Wartung? Vielleicht beides.
Das Modell wurde ab 1910 angeboten, aufgrund der Seriennummer ist ein Baujahr dieses Exemplars um 1917 wahrscheinlich. Über die frühere Verwendung ist leider nichts bekannt. Die Abnutzung der Brünierung zeigt aber, dass es lange Zeit intensiv genutzt wurde. Der Neupreis solcher Maschinen: 1911 noch 700 Mark (ungefähr acht Monatslöhne), 1919 schon 2250 Mark (ca. 15 Monatslöhne: Da nahm die Inflation schon langsam Fahrt auf, die 1923 zum Zusammenbruch der Mark führte).

Während der Restaurierung:
vorher - nachher:
L.Spitz
TIM II
S.Nr. 7550

43 cm x 16 cm x 18,5 cm
11,5 kg
1910 - ca. 1929
  • EW (mit EK) 8st.,
  • ZW 7st.,
  • RW 12st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschschieber für RW und ZW (nur bei angehobenem Lineal),
  • 8 Löschhebel, die nach oben alle Stellen rechts und nach unten alle Stellen links löschen.
  • Zehnerübertrag im RW nur über 9 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer schwarz),
  • ein gemeinsamer Schalter für Drehrichtung im ZW und RW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar (nur bei angehobenem Lineal),
  • Linealbewegung nur durch Anheben und Versetzen per Hand,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
3/1: Die Maschine zeigt ihr erfülltes Arbeitsleben: Bleche um die Hebel herum meist stark abgegriffen, einige Stoßstellen, linke Schlittenführung mit Ausbruch (hält aber); einwandfreie Funktion.

Einen Kommaschieber und die Gummifüße erneuert, eine gebrochene Ziffernrad-Achse durch Stahlstift ersetzt, eine Staffelwalze und die Schlittenführung nachjustiert, festgelötete Kurbel wieder abnehmbar gemacht, Ziffern im ZW neu eingelegt, Messingteile und Kurbel poliert, fehlende Glocke ersetzt. Die abgegriffenen Stellen bleiben einstweilen, die wenigen erhaltenen Beschriftungen wären sonst auch weg.

Blechhaube fehlt, Kopie der ersten Seiten einer Originalanleitung vorhanden, Kurzanleitung geschrieben.

Brunsviga MD

Nicht nur bei astronomischen Berechnungen brauchte man mehr Stellen, auch Ingenieuren, Versicherungsmathematikern und anderen reichte die übliche Kapazität oft nicht aus. Schon 1905 wurde daher bei Brunsviga das „Modell D“ mit der riesigen Kapazität von 12-12-20 eingeführt.
Einige Jahre später wurden die Modelle der ersten Generation (A bis F) bei gleichbleibender Technik deutlich verkleinert, der Abstand der einzelnen Stellen wurde von 9 mm auf 7 oder gar 6mm verringert. Den neuen Modellen wurde ein M (für Miniatur) vor die alte Modellbezeichnung gesetzt.
Diese Maschine ist eine „MD“ mit 7 mm-Teilung. Sie ist kaum breiter als die alte „B“ und wirkt schon viel filigraner, nur zwei der drei Löschschrauben sind in der alten Größe geblieben (was nun leicht unproportioniert bis skurril wirkt).
Die große Kapazität ist nicht nur für Rechnungen mit vielen Stellen gut, sondern erleichtert auch das gleichzeitige Rechnen an zwei Positionen, z.B. für Dreisatz-Rechnungen oder das gemeinsame Erfassen von Posten und Summen. Wenn man auf der linken Seite eine 1 einstellt und dort lässt kann man sogar ein Zählwerk mit Zehnerübertrag simulieren.
Die große Kapazität war sicher recht teuer, aber trotzdem wurden über 2.300 Exemplare der MD gebaut. Diese hier stammt der Serien­nummer nach aus dem Jahr 1920. Ihre frühere Verwendung und der damalige Preis sind leider unbekannt.

Brunsviga
MD
S.Nr. 39046

37 cm x 16 cm x 11 cm (o. Brett)
8,4 kg
1911 - 1926
  • EW 12st.,
  • ZW 12st.,
  • RW 20st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Flügelschrauben zur Löschung der drei Werke.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot),
  • Anzeige der Drehrichtung rechts neben dem EW.
2/1: dank Blechhaube und irgendwann erfolgter Nachlackierung gut erhalten - ein Ziffernrädchen (nach notdürftiger Reparatur?) mit handgemalten Ziffern, Logo und Teile der Beschriftung abgegriffen, kleinere Lackschäden; einwandfreie und leichtgängige Funktion.

Blechhaube etwas ausgebeult, einige unpassende Schrauben ersetzt, Kommaschieber neu verteilt.

Mit Bodenbrett und Blechhaube, allgemeine Anleitung aller alten Brunsvigas im Netz gefunden.

Burroughs Calculator 5205

Ab 1912 kam der von William Seward Burroughs entwickelte „Calculator“ (ein Name, der seiner Zeit weit voraus war: „Calculator“ war damals eigentlich der Mensch vor der Maschine) auf den Markt. Das erste Modell (Nr. 520) sah dem Comptometer zum Verwechseln ähnlich, weshalb dessen Hersteller erfolgreich vor Gericht zog. Also wurde das Design ab 1915 so geändert, wie es dieses Exemplar zeigt. Diese Form wurde dann bis nach dem 2. Weltkrieg weitgehend beibehalten, nur die „Füßchen“ fielen später weg und das Schwarz-Grün wurde gegen Ende der Produktion zu modernem Dunkelgrau-Hellgrau. Auch Modelle mit zweitem Zählwerk (zum Aufsummieren von Einzelrechnungen) und/oder Elektromotor (für noch leichteren Tastendruck) wurden entwickelt.
Dieses Exemplar hat eine niedrige Seriennummer, es ist vermutlich 1919 gebaut worden. Der damalige Neupreis lag bei etwa 200 $, also etwa 2.400 Mark. Das entsprach dem ungefähr 16‑fachen des tariflichen Durchschnittslohns eines Arbeiters. Dieser hohe Preis erklärt die geringe Verbreitung solcher Geräte in Europa.

mehr Infos im
Burroughs
Calculator (Series 5)
S.Nr. 5-484672

26 cm x 39 cm x 13 cm
5,2 kg
1912 - nach 1950
  • EW 9st.,
  • RW 10st.;
  • nur Addition,
  • Löschhebel.
2/1: Drei Tastenköpfe und Löschhebel nicht original; einwandfreie Funktion.

Gehäuse neu lackiert, weitgehend unleserliche Tastenbeschriftung ergänzt, fehlende Tastenköpfe, Schrauben und den Löschhebel ersetzt.

Kurzanleitung geschrieben.

Die „American Arithmometer Corporation of St. Louis“ wurde 1886 gegründet. Zuerst wurden dort große druckende Addiermaschinen gebaut. 1904 zog die Firma nach Detroit um, sie nannte sich nun nach dem 1898 verstorbenen Erfinder „Burroughs Adding Machine Co.“ und wurde zum größten Addiermaschinen-Hersteller der USA. 1953 wurde der Name in „Burroughs Corporation“ geändert und man begann auch mit der Herstellung großer Computer.
1986 fusionierte Burroughs mit Sperry und wurde zu „Unisys“. Diese Firma stellt immer noch Mainframe-Computer her, ist aber auch in der Software-Entwicklung und vor allem als EDV-Dienstleister tätig.

Madas IX „MAXIMA“

Die vollautomatische Division (d.h. Werte einstellen und einfach loskurbeln, ohne sich um Unterlauf-Korrekturen oder Schlittenverschiebungen kümmern zu müssen) erleichtert das Arbeiten sehr, ansonsten muss man beim Dividieren ziemlich aufpassen, um keinen Fehler zu machen. Die Division ist auch viel leichter zu automatisieren als die Multiplikation, weil man dabei den Unterlauf der linken Stelle gut zur Steuerung der Abläufe verwenden kann. Voraussetzung dafür ist ein „Gleitschlitten“, der zum Verschieben nicht mehr angehoben wird.
Viele Rechenmaschinen-Hersteller versuchten sich damals daran, H.W.Egli gelang es 1913 als erstem (die Konkurrenz konnte da höchstens die Stopp-Division anbieten). Die neue, von dem deutschen Ingenieur E.Jahnz konstruierte Maschinenreihe nannte man MADAS, das steht für Multiplikation-Automatische Division-Addition-Subtraktion. Die römische Ziffer gibt die Stellen im Zählwerk an, das gab es mit 7 bis 11 Stellen. Bald wurden auch Modelle mit Tasteneingabe, Motor und/oder halb- bis vollautomatischer Multiplikation entwickelt.
Die Madas IX mit dem Codenamen "MAXIMA" ist eine eher einfache Variante aus den ersten Jahren, wurde aber noch bis Ende der 20er-Jahre parallel zu den weiterentwickelten Modellen verkauft. Dieses Exemplar stammt aus dem Jahr 1920. Die sehr solide Mechanik hat auch die langen Jahre des stillen Einstaubens schadlos überstanden, alles funktionierte von Beginn an einwandfrei.

aus der Sammlung Kohl

mehr Infos bei
G.Saudan
Egli AG
Madas IX „MAXIMA“
S.Nr. 6838

61,5 cm x 19,5 cm x 17,5 cm
15,9 kg
1913 - ca. 1927
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 9st.,
  • RW 16st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschschieber für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag nur im RW,
  • im ZW weiße Ziffern auf schwarzem Grund bei negativer Zählung (9 immer weiß),
  • ein gemeinsamer Schalter für Drehrichtung im ZW und RW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • automatische Division,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
3/1: Brünierung teils abgegriffen, Kasten mit Stoßstellen und irgendwann grob überlackiert; einwandfreie Funktion.

Schlitten zerlegt, Ziffernrädchen gereinigt, Flugrost an vielen blanken Stahlteilen wegpoliert, unpassende Schraube ersetzt.

Blechhaube fehlt, Kurzanleitung geschrieben.

Hans Walter Egli hat ab 1893 zusammen mit dem Erfinder Otto Steiger eine aufsehenerregende Rechenmaschine entwickelt, die mit Hilfe eines Multiplikationskörpers die schnelle Multiplikation ermöglichte. 1898 erfolgte die Firmengründung in Zürich, die Maschine wurde unter dem Namen „Millionär“ für einige Zeit zum Exportschlager.
Als das Ende dieses Erfolgs abzusehen war entwickelte man die deutlich kleinere MADAS. Auch diese wurde gut ins europäische Ausland exportiert, nur in Deutschland blieb sie wegen der starken Konkurrenz durch Brunsviga, Rheinmetall und andere große Hersteller eher selten. 1918 wurde die Firma zur Aktiengesellschaft.
1931 erschien eine völlig neu konzipierte Baureihe der MADAS, die nochmals deutlich kompakter war. Nun gab es nur noch motorisierte Maschinen mit Tasteneingabe, und auch diese wurden weltweit erfolgreich (außer in den USA, wo man offenbar Patente an Friden verkaufte und dafür auf den dortigen Markt verzichtete).
Doch auch bei der Egli AG endete 1968 die Produktion und 1974 wurde die Liquidation abgeschlossen.

Mercedes-Euklid 4

Ein Gehäuse aus Gusseisen, Stahl und massiven Messingplatten, darauf sitzt „huckepack“ (an Stelle der Einstellschieber der Vorgänger) die damals top­moderne, aber riesige Volltastatur. Das wirkt für heutige Sehgewohnheiten recht unproportioniert bis skurril: Die Gestaltung erinnert an die ersten Autos, die nach Kutsche ohne Pferde aussahen und erst im Laufe der Zeit funktionelle Formen bekamen.
Hier gibt es eine Mechanik zur Werteübertragung, die nur dieser Hersteller jemals gebaut hat: der Proportionalhebel. Je nach gedrückter Zifferntaste wird für jede Stelle ein Zahnrädchen auf eine von neun parallelen Zahnleisten geschoben. Die erste dieser Zahnleisten wird beim Kurbeln um eine gewisse Wegstrecke verschoben, die nächste doppelt so weit, die dritte dreimal so weit usw. - daher das „proportional“. Die Zahnrädchen drehen sich dann also je nach eingestellter Ziffer unterschiedlich weit und stellen das Resultatwerk entsprechend weiter (bei der zweiten Mercedes gibt's Bilder und Film). Diese Mechanik hat Christel Hamann um 1903 herum entwickelt.
Die Maschine hat schon optionalen Additionsmodus (Löschung der Eingabe nach jeder Kurbeldrehung), Zehner­übertrag im Zählwerk und Stop-Division: Werte einstellen und Subtraktionen kurbeln, beim Unterlauf sperrt die Kurbel und man muss zwei Schalter umlegen, dabei springt der Schlitten eine Stelle weiter und man kann weiter­kurbeln (hier mit Additionen bis zum Überlauf, dann umschalten und wieder subtrahieren usw.). So wird das Dividieren weniger fehleranfällig.
Die Seriennummer lässt auf das Baujahr 1925 schließen. Das Gerät ist vermutlich von einer der vielen Greizer Webereien angeschafft worden. Es überstand dort den 2. Weltkrieg und wurde nach der Verstaatlichung dieser Webereien im VEB Webtex, dann beim VEB Greika benutzt. Als man sie dort (womöglich erst in den späten 70ern?) ausrangierte hat sie ein Angestellter mit nach Hause genommen und später einem Kollegen gegeben. Der hat sie mir dann verkauft.

Mercedes-Euklid
4
S.Nr. 9172

37,5 cm x 27,5 cm x 28,5 cm
18,7 kg
1913 - 1927
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 16st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschschieber für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im RW,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Schalter für Stopdivision,
  • Schlittenvorlauf nur durch Schieben per Hand, Rücklauf (mit Federkraft) per Taste,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
3/2: Einige Stoßstellen und provisorisch retuschierte Lackschäden, aber Frontpartie bemerkenswert gut erhalten, Ziffern im ZW teils in mäßigem Zustand, ein Hebelknauf nicht original; alles funktioniert jedoch wieder.

... nach dem Justieren von EW und Schlitten. Seiten entrostet und neu lackiert, Metallteile poliert, einige Tasten neu eingelegt, Ziffernräder ausgebessert, Serviceschildchen wiederhergestellt.

Ein Schreibmaschinen-Koffer aus Holz dient als Transportbehälter, kommentierten Nachdruck der Anleitung für Euklid 1 und 4 aus der Edition Greis (DANKE dafür!) erhalten.

Die Firma Mercedes hat nichts mit dem Automobil­hersteller zu tun. Gegründet wurde sie 1906 als Schreibmaschinen-Hersteller in Berlin. Die vielen Namensänderungen zeigen die wechselvolle Geschichte: Ab 1908 zog die Produktion nach Zella-Mehlis und der Firmenname lautete „Mercedes Büromaschinen Ges.m.b.H.“, ab Ende 1916 (als auch die Verwaltung nach Zella-Mehlis zog) dann „Mercedes Bureau-Maschinen und Waffenwerke G.m.b.H.“, (1922 Produktion der weltweit ersten elektrischen Büro-Schreibmaschine) ab 1927 „Mercedes Büromaschinen-Werke A.G.“, in der DDR dann „VEB Büromaschinenwerke Zella-Mehlis“ mit der Marke „Cellatron“. Unter dieser Marke wurden ab ca. 1960 auch elektronische Geräte produziert, die Firma nannte sich daher ab 1967 „VEB Rechenelektronik Meiningen/Zella-Mehlis“ und ab 1977 „VEB Robotron-Elektronik Zella-Mehlis“. Nach 1990, mit der Verschleuderung des Volksvermögens der DDR, verlieren sich ihre Spuren dann schnell. Am Standort sind heute Behörden und eine Produktion der Schott Lithotec.

Das ursprünglich etwas lädierte Service-Schildchen zeigt, dass die Büromaschinen des VEB Webtex / VEB Greika von der privaten Werkstatt Kurt Fülle gewartet wurden. Auch die gibt es heute nicht mehr.

Infos zum Erfinder Hamann bei der Hamann Manus „C“.

Lindström Record

Diese Staffelwalzenmaschine hat Hugo Cordt konstruiert. Erster Hersteller war eine Fabrik in Oldenburg, später Behr in Dresden und Berlin, ab etwa 1920 die Carl Lindström AG in Berlin. Sie ist eine der ganz frühen Staffelwalzen-Maschinen mit Tastatur, hat schon den optionalen Additionsmodus (Eingabelöschung nach jeder Kurbeldrehung) und ist vermutlich die erste Maschine mit der schrägen Kurbelstellung, die der Anatomie des Bedieners sehr entgegen kommt. Das Lineal muss hier noch per Hand versetzt werden, die Löschung der beiden Werke im Lineal ist nur möglich wenn man es anhebt. Über den dazu genutzten großen Griff erfolgt auch die Umschaltung zwischen Addition und Subtraktion. Was auch fehlt ist die Möglichkeit, Resultat- und Zähl­werk gegenläufig zu schalten. Das macht einige Rechnungen etwas schwieriger.
Für bessere Ablesbarkeit sind dicht nebeneinander stehende Ziffern gut. Hier erreichte man das durch versetzt angeordnete Staffelwalzen (die anders als überall sonst senkrecht stehen). Die Volltastatur ermöglicht eine schnelle Eingabe und im Gegensatz zur modernen Zehnertastatur funktionieren die „klassischen Tricks“ für Standard-Sprossenrad-Maschinen noch: z.B. Dreisatz in einem Zug rechnen, Wurzeln per Toepler-Verfahren ziehen, Eingabe für ein zusätzliches Zählwerk teilen, ...
Die Seriennummer (falls sie wirklich stimmt, denn an vielen Stellen der Maschine sind auch andere Nummern eingestanzt) ist eine der eher hohen, aber man kann ihr kein genaues Baujahr zuordnen. Ich schätze es auf ca. 1925.

aus der Sammlung Russo

Lindström
Record
S.Nr. 5908 (?)

37,5 cm x 36,5 cm x 20,5 cm
12,9 kg
1913 - ca. 1927
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 9st.,
  • RW 16st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschschieber für RW und ZW (nur bei angehobenem Lineal),
  • Löschhebel für das EW (zugleich Schalter für den Additionsmodus)
  • Zehnerübertrag im RW nur über 13 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer weiß),
  • ein gemeinsamer Schalter für Drehrichtung im ZW und RW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar (nur bei angehobenem Lineal),
  • Linealbewegung nur durch Anheben und Versetzen per Hand,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • ein Clip kann die Löschung der linken 1 verhindern (ZW-Emulation)
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
2/1: Gehäuse mit vielen ausgebesserten Stoßstellen, insgesamt aber guter Gesamteindruck, Tastatur deutlich abgenutzt; funktioniert einwandfrei.

Gesamtlöschung und einige Federn im RW und ZW justiert, zwei Federn im RW nachgebaut, verbogenen Linealhebel gängig gemacht, zu kurze Schraube der Kommaleisten- Federung ersetzt, Begrenzungen für korrekte Nullstellung der Eingabekontrolle in allen Stellen eingebaut, lose Tastenköpfe befestigt, fehlende Taste der „Dauer‑1“ ersetzt, Klingelleiste und Umstellung im ZW nachgefeilt, Metallteile poliert, abgebrochene Schraube ausgebohrt und neues Gewinde geschnitten, einige Ziffern in Tastatur, Ziffernrädern und Stellennummerierung sowie Schadstellen am Gehäuse durch Lackstift bzw. Teillackierung ausgebessert, zwei Füße ersetzt.

Kurzanleitung geschrieben.

Der Schwede Carl Elöf Lindström gründete 1897 in Berlin eine mechanische Werkstatt, in der anfangs Phonographen und Diktiergeräte gebaut wurden. 1908 wurde sie zur AG und man erweiterte das Geschäftsfeld auf die Produktion und den Vertrieb von Schallplatten. Zur Firma gehörten schließlich weltbekannte Label wie „Odeon“ und Lindström wurde in den 20er-Jahren zum international agierenden „Schallplattenkönig“. Die Rechen­maschinen blieben stets nur ein Randprodukt.
1926 erwarb die englische Columbia die Aktien­mehrheit, Columbia wiederum ging 1931 im EMI-Konzern auf. Der Name „Lindström“ hielt sich als GmbH noch bis 1972, als die Firma mit der Electrola zur EMI Electrola verschmolz.

Thales C

Die „C“ ist das Grundmodell der Thales-Sprossen­rad-Modelle mit Zehnerübertrag im Zählwerk und mittlerer Kapazität. Darauf bauen die Modelle CE (mit Einstellkontrolle), CR (mit Rück­übertragung), CER (mit beidem) und CES (mit Einstellkontrolle und Speicherwerk) auf.
Dieses Exemplar von etwa 1920 hat noch eine ganz frühe Schlittenmechanik, ist schon mit dem später üblichen Löschkamm nachgerüstet (im Deckblech sind noch die Schlitze des alten Systems) und als Besonderheit ein Zugband mit starker Feder, wie man es sonst eher von Schreibmaschinen kennt. Das kann man zur Division in den Schlitten einhängen, ein Druck auf die Schlittentaste führt dann schon zur Stellenver­schiebung. Die Einrichtung ist nicht ganz ausgereift: Weil das Band seitlich zieht kann sich der Schlitten manchmal etwas verkanten. Und weil eine Einstellsperre fehlt könnten sich beim Kurbeln die Sprossenräder verstellen, wenn die Rädchen im Resultatwerk zuviel Widerstand leisten.
Dieser Entwicklungsstand hat als weitere große Besonderheit eine seltsame Mechanik, die je nach erster Kurbeldrehung das Zählwerk auf Plus- oder Minuszählung stellt: Dazu wird nicht der Einzahn auf andere Drehrichtung geschaltet, sondern bei einer ersten „negativen“ Kurbeldrehung werden seitlich verschiebbare Segmente mit neun Zähnen in jeder Stelle so verschoben, dass jeweils 99999999 abgezogen wird - was das Gleiche ist wie 1 dazu zu zählen. Das erfordert dann allerdings viel Kraft und erhöht den Verschleiß. Ist die erste Kurbeldrehung dagegen „positiv“, dann bleiben diese Segmente ohne Kontakt zu den Ziffernrädchen, nur in der ersten Stelle dreht ein Einzahn das Rädchen um eins weiter. Löschen des Zählwerks setzt diese Mechanik dann in Wartestellung zurück.

mehr Infos bei
D.Bölter

Einzahn und Zahnsegmente:

Thales
C
S.Nr. 8854

28,5 cm x 15 cm x 12 cm
5,4 kg
1914 - 1940
  • EW 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschkamm für EW,
  • 2 Flügelschrauben zur Löschung von ZW bzw. RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Zählrichtung im ZW wird von erster Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich,
  • gefedertes Zugband, für Division einzuhängen,
  • Entsperrhebel für die Kurbel-Drehrichtung.
2/2: Gehäuse wieder ansehnlich, Sockel noch unbearbeitet und Ziffern etwas matt, Kommaschieber nicht original; die Sprossenräder laufen nach 100 Jahren immer noch einwandfrei, alles funktioniert, die Negativzählung im ZW erfordert aber etwas Kraft und das Zugband zieht den Schlitten nicht ganz zuverlässig.

Flugrost an fast allen Metallteilen entfernt, Schlosskasten repariert und nachlackiert, Feder der Drehrichtungssperre nachgespannt, Zugbandhalter gerade gebogen, ausgebrochenes Ziffernrad neu aufgebaut, Schlitten und Deckblech nachlackiert, fehlende Kommaschieber ersetzt.

Die Thaleswerke waren die erste Firmengründung von Emil Schubert, der das Konstruieren von Rechenmaschinen bei Triumphator erlernt hatte. 1911 machte er sich in Rastatt zusammen mit Geldgebern selbständig und entwickelte dort Sprossenrad-Maschinen, für deren fortschrittliche Konstruktion er viele Patente erhielt. 1936 wurde Schubert wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ von seinen Geschäftspartnern aus der Firma gedrängt. Nach dem Krieg wurden noch fast zwei Jahrzehnte lang erfolgreich Thales-Maschinen verkauft, doch 1965 meldeten die Thaleswerke Konkurs an.
Emil Schubert übrigens gab, wie man weiter unten sehen kann, die Entwicklung von Rechenmaschinen nicht auf.

Rema 1

Diese Maschine wurde vermutlich um 1918 herum gebaut. Sie hat ebenfalls weder Einstellkontrolle noch Einstell­sperre, ein Zehnerübertrag im Zählwerk fehlt hier. Fortschrittlich sind das Miniaturformat (sie ist eine der kleinsten Sprossenrad-Maschinen überhaupt) und die Kurbellöschung der Zählwerke, die hier (durch die außenliegenden gebogenen Hebel) sogar eine Entspannung der Federn hat. Das haben andere Hersteller nur selten und erst nach 1945 so gebaut, es macht das Löschen leichtgängig und materialschonend.
Insgesamt fällt die extrem präzise und hochwertige Verarbeitung auf: Viel Bronze und Messing, selbst die kleinen Kurbelgriffe sind aus Metall. Trotz des sehr schlechten Zustands der Deckbleche: Nach nun über hundert Jahren reichten drei Tröpfchen Öl, dann lief das Maschinchen wieder einwandfrei und leicht.
Der damalige Preis ist unklar, aber die Verwendung ist bekannt: Die Maschine stammt aus Solingen und wurde für die Abrechnungen einer Gesenkschmiede benutzt (dort wurden Rasiermesser hergestellt). Ich bekam sie von den Enkeln der damaligen Inhaber.

mehr Infos bei
D.Bölter

Zustand vorher:

Rema
1
S.Nr. 2253

22 cm x 12,5 cm x 9,5 cm
4,0 kg (m. Brett)
1915 - 1924
  • EW 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 1 Löschkamm und 2 Löschkurbeln.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot),
  • Aufhebung der Drehrichtungssperre möglich (und beim Löschen des EWs nötig).
2/1: Deckbleche teils restauriert, Seiten und Rückwand in sehr gutem Originalzustand, einige Chrombeläge abgeblättert; alle Funktionen einwandfrei.

Mehrere Deckbleche neu lackiert, abgestoßene Kurbelhalterung nachlackiert, gebrochene Feder im Löschkamm ersetzt.

Mit Bodenbrett, zugehörige Haube fehlt, Kurzanleitung geschrieben.

Die Rema GmbH in Hannover wurde kurz vor dem 1. Weltkrieg gegründet und bereits 1922 von Grimme, Natalis & Co. aufgekauft. Bis 1927 wurde dort weiterhin produziert, die Maschinen wurden teils als „Rema“, teils als „Brunsviga“ verkauft. Dann wurde die Produktion nach Braunschweig verlegt, die Marke Rema wurde bis in die 50er-Jahre nur noch für einige ins Ausland exportierte Maschinen genutzt.
Das schöne Schildchen des damaligen Solinger Büromaschinen-Händlers verweist ebenfalls auf eine nicht mehr existierende Firma.

Rechenaffe „Consul“

Das hier ist eigentlich eher ein Lernspielzeug, Kinder sollten damit das kleine Einmaleins üben. Der Rechenaffe wurde um 1915 herum entwickelt, doch bis heute werden Replikas aus Pappe, Plastik oder wie hier aus Blech gebaut. Dieser recht originalgetreuen Replika fehlte nur die einhängbare Additionstafel des Originals, ich habe inzwischen eine nachgedruckt.
Aufgrund der heute anscheinend unvermeidlichen Warnhinweise („Zum Spielen nicht geeignet, Blech kann scharfe Kanten haben“ ... sind heutige Kinder eigentlich dümmer oder empfindlicher als damals?) vermute ich, dass heute alle Rechenaffen bei Erwachsenen landen, obwohl diese das kleine Einmaleins im Schlaf können sollten. Auch diesen Rechenaffen hat kein Kind jemals angefasst, den bekam ich zum 60.Geburtstag geschenkt.

Consuls Urahn und Verwandte bei
W.Denz
DBS (Düsseldorfer Blechspielwaren)
Consul the Educated Monkey

14,5 cm x 15,5 cm x 1,5 cm
110 g
1915 - heute
  • Eingabe ganzzahliger Faktoren von 1‑12 über die „Füße“,
  • Anzeige des Produkts (bzw. der Summe) zwischen den „Händen“.
1/1: Neuwertig,
Mit Umkarton, Anleitung ist aufgedruckt.

Addiator

Diese ersten in Serie gefertigten Zahlenschieber von Addiator brachten den Durchbruch für die Gerätegattung und der Markenname wurde zum Synonym für alle Zahlenschieber (wie „Tempo“ für's Taschentuch). Das Modell hat im Gegensatz zu allen später gebauten Addiatoren keinen eigenen Namen, es wird heute als Basismodell bezeichnet. Damals war es einfach „der Addiator“.
Auf diesem Gerät steht noch auf englisch „Patente beantragt“, denn erst 1923 wurde in Deutschland eins erteilt. Geschützt wurden darin vor allem die Zweiseitigkeit (eine Seite zum Addieren, die andere zum Subtrahieren) und die rote Färbung um die Einstecklöcher, in denen man „nach oben und um die Ecke“ ziehen muss, um den Zehner­übertrag zu machen.
Damit ist die Bedienung bereits halb erklärt: Man steckt den Griffel in jeder entsprechenden Stelle in das Loch neben der zu addierenden Ziffer und zieht nach unten zum Anschlag. Wenn man aber „ins Rote“ steckt, dann nach oben zum Anschlag, nach links und wieder bis zum Anschlag (also die höhere Stelle um eins) nach unten. Das macht man für alle Stellen der zu addierenden Zahl, dann steht das Ergebnis in den Schaulöchern oben. Auf der Rückseite wird entsprechend subtrahiert.

mehr Infos bei
F.Diestelkamp
viele Anleitungen im
Addiator
(Basismodell)
S.Nr. M054624

11 cm x 17,5 cm x 1 cm
195 g
1920 - 1921
  • Eingabe über 9 Schieber,
  • Addition und Subtraktion,
  • Löschbügel.
  • eine Seite (gold) zum Addieren, eine (silber) zum Subtrahieren.
2/1: Einige Kratzer; alle Schieber wieder leichtgängig.

Griffel aus Palm-Stift und Metallspitze zurechtgefeilt.

Anleitung im Netz gefunden.

Die Geschichte der Firma Addiator wird auf Addiator.de wunderschön erklärt. Hier nur die wichtigsten Daten: Gründung als GmbH im Februar 1920 durch Carl Kübler in Berlin, 1933/34 Umwandlung in eine Einzelfirma, im 2.Weltkrieg (natürlich) vorwiegend Kriegsproduktion, ab 1945 Übernahme durch die Tochter Margot, ab 1958 Verlegung der Produktion nach Wolfach im Schwarzwald, 1974 Ende der Produktion bei Addiator, 1975 Löschung der Firma, aber bis 1990 noch geringe Produktion von Addiatoren bei der „Metallindustrie Gutach“.

Brunsviga MR

Dies ist wieder eine der M(iniatur)-Maschinen von Brunsviga: Die Technik blieb fast gleich wie bei den alten, großen Maschinen, aber die Maße sind nun ungefähr um ein Drittel geschrumpft. Die MR hat noch die Flügelschrauben und ist ohne Einstell­kontrolle. Aber das Zählwerk hat (trotz der kleinen Ziffern) nun erstmals Zehner­übertrag und kann bei negativer Zählrichtung von weißen auf rote Ziffern schalten indem das Gehäuseteil dort etwas nach oben klappt.
Nur der rechte Schlittenteil (mit dem Resultatwerk) ist beweglich, das Zählwerk bleibt stets an Ort und Stelle. Das ist etwas, was es so bei keiner anderen Rechenmaschine gibt (zwar haben auch die meisten späteren Brunsvigas ein feststehendes Zählwerk, aber bei denen sitzt es dann über der Eingabe und die Umschaltung funktioniert ganz anders).
Die MR wurde nur wenige Jahre und in geringen Stückzahlen gebaut. Dieses Exemplar stammt aus dem Jahr 1921.
Der große Schlitz im Deckblech und der ungenutzte Zapfen an der rechten Seite sind eigentlich nur damit erklärbar, dass es hier ursprünglich eine außenliegende Löschklappe gab, wie sie z.B. auch bei der Triumphator C zu finden ist. Andererseits kenne ich keine Brunsviga mit so einer Löschklappe und es ist kaum vorstellbar, dass die Flügelschraube hinten links und das Getriebe nachträglich eingebaut wurden, denn dafür müssen auch Rückenblech und Sprossenräder passen. Vielleicht hatte man bei Brunsviga ganz kurz mit den verschiedenen Löschmechanismen experimentiert?
Kennt jemand Brunsvigas mit Löschklappe? Dann wüsste ich gerne mehr dazu!

Größenvergleich
Brunsviga B zu MR:

(Das Gehäuse der MR ist zwar breiter, aber es
enthält den Zehnerübertrag des Zählwerks.)
Brunsviga
MR
S.Nr. 44222

30,5 cm x 13 cm x 10 cm *
4,6 kg *
1920 - 1924
  • EW 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Flügelschrauben zur Löschung der Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • im ZW rote Ziffern, wenn erste Kurbeldrehung nach Löschung negativ ist,
  • Anzeige von + und - für die letzte Kurbeldrehung,
  • getrennte Glocken für ZW und RW.
1/1: Wieder sehr schöner Gesamteindruck; alles funktioniert wieder einwandfrei.

Mehrere Ziffern auf den Blechen und den Richtungsanzeiger neu eingelegt, die meisten Seitenbleche, Getriebegehäuse, Kurbelhalter und Bodenplatte neu lackiert, alle blanken Metallteile von Flugrost befreit und poliert, Ziffernräder gereinigt und einige Ziffern ergänzt, im RW eine Raste und Löschung justiert, Sicherung der ZW-Löschung nachgefeilt, Kommaleiste des EW nicht ganz original ergänzt, mehrere fehlende und falsche Schrauben ersetzt (Deckblech war bereits sehr schön neu lackiert).

Mit Bodenplatte aus Stahl, Anleitung für alle B-. MR-, MH-Modelle als PDF vorhanden, Kurzanleitung geschrieben.

Brunsviga MH

Die nächste M-Maschine von Brunsviga. Sie wurde 1924 gebaut und hat noch die ältere (aber sehr zuverlässige) Schlitten­mechanik. Die Anzeige oben ist noch keine Einstell­kontrolle, wie sie später zum Standard wurde, sondern ein zweites Zählwerk. So konnten auf einer MH Ergebnisse von Divisionen einzeln angezeigt und gleichzeitig aufsummiert werden.
Dieses obenliegende Zählwerk mit Zehnerübertrag, den weißen und roten Ziffern und von links nach rechts beweglicher Blende wurde bei Brunsviga bald üblich, nur wenige der späteren Maschinen besaßen noch ein Zählwerk im Schlitten.
Das zweite Zählwerk machte das Modell relativ teuer: 1921 kostete eine MH 675 Reichsmark (etwa sechs Monatslöhne). Solche Maschinen waren also nicht sehr häufig, doch die MH wurde immerhin knapp 6.000 Mal gebaut.
Das Gerät fand jemand beim Ausräumen von Großvaters Keller. Der hatte in Rüsselsheim bei Opel gearbeitet, wahrscheinlich hat er die MH von dort mitgebracht als sie ausgemustert wurde.
Gekauft wurde die Maschine damals bei der Generalvertretung Berg in Frankfurt.

Brunsviga
MH
S.Nr. 64453

24,5 cm x 16,5 cm x 13 cm (o. Brett)
6,5 kg (m. Brett)
1920 - 1926
  • EW 9st.,
  • 1.ZW 8st.,
  • 2.ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 4 Flügelschrauben zur Löschung der vier Werke.
  • Zehnerübertrag auch im oberen ZW,
  • im oberen ZW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung nach Löschung negativ ist,
  • unteres ZW mit weißen Ziffern 0‑8 und roten Ziffern 1‑9,
  • 2 Anzeigen von + und - für oberes ZW und letzte Kurbeldrehung.
3/1: Furnier des Bodenbretts stark beschädigt, Deckbleche mit vielen Lackschäden, sämtliche Schriften und Nickelteile aber erstaunlich gut erhalten. Alle Funktionen einwandfrei und sehr leichtgängig.

Alle nicht vernickelten Metallteile entrostet und poliert, soweit sie ohne Zerlegung der Werke erreichbar waren, schwergängige Schiebeblende durch Zurechtbiegen und Polieren wieder gängig gemacht, zwei Gummifüße erneuert, Furnier der Bodenplatte festgeklebt. Den letzten originalen Kommaschieber mit zwei provisorischen Schiebern ergänzt.

Mit Bodenbrett und Blechhaube, Anleitung für alle B-. MR-, MH-Modelle als PDF vorhanden, Kurzanleitung geschrieben.

Comptometer H

Die Comptometer von Felt & Tarrant wurden schon 1884 erfunden und sind damit das „Original“ dieser Maschinengattung, Burroughs und andere haben das dann kopiert. Schon der Tastendruck (genauer: das Loslassen) bewirkt das Summieren zur Anzeige, was diese Geräte bis heute noch zu den schnellsten Addierern überhaupt macht. Alle weiteren Grund­rechenarten sind mit speziellen, damals in Kursen erlernten Verfahren auch zu rechnen.
Von Serie zu Serie gab es Verbesserungen und Änderungen. Ein frühes Merkmal der Comptometer sind die kleinen Tasten, mit denen man den Zehner­übertrag unterbrechen kann, so wird die Subtraktion deutlich einfacher. Schon ab der F‑Serie hatten die Comptometer eine Sicherung gegen unvollständiges Drücken der Taste: Dann blockiert die Tastatur, bis man die betreffende Taste ganz und danach einen Entsperrknopf drückt. Ab der H‑Serie klingelt beim ersten Tastendruck nach dem Löschen eine Glocke. Das zeigt dem Bediener, dass er seine Rechnung auf einer korrekt gelöschten Maschine beginnt. Eine wichtigerer Vorteil sind die Öllöcher, wegen denen die Maschine seltener geöffnet werden muss. Auch bei der Wartung sollte es offenbar schnell gehen!
Comptometer gab es meist mit 8, 10 oder 12 Stellen, häufig auch mit besonderen Tastenreihen für die nichtdezimalen Währungen. Dieses Exemplar mit normaler Tastatur ist ungefähr 1924 gebaut worden. Die Plakette ist deutsch beschriftet, die Maschinen wurden also damals auch nach Deutschland exportiert. Aber in den USA kostete so ein Modell etwa 400 $, es müsste daher in Deutschland deutlich mehr als 1.500 RM gekostet haben. Das wäre dann schon mehr als ein durchschnittlicher Jahreslohn gewesen - kein Wunder, dass die Gerätegattung in Deutschland relativ selten zu finden ist!

mehr Infos bei
J.Scherphuis
Funktion des Comptometers im
Youtube-Video
Felt & Tarrant
Comptometer H
S.Nr. 232615

27 cm x 38 cm x 14,5 cm
9,6 kg
1920 - 1926
  • EW 10st.,
  • RW 11st.;
  • nur Addition,
  • Löschhebel.
  • Sicherung gegen unvollständigen Tastendruck.
2/1: Guter Gesamteindruck, aber viele kleine Gebrauchsspuren; Funktion einwandfrei.
Anleitung im Netz gefunden.

Dorr Eugene Felt (seine Eltern hießen noch „Filz“) war Vorarbeiter eines Walzwerks. Ab 1884 (mit 22 Jahren) begann er mit der Entwicklung einer neuartigen Addier­maschine. In den folgenden Jahren erhielt er die Unter­stützung wechselnder Geschäftspartner, zuletzt von Robert Tarrant, dem Inhaber einer Maschinenfabrik in Chicago. 1889 gründeten dort beide gemeinsam die „Felt & Tarrant Manufacturing Co.“. Ab 1957 hieß die Firma „The Comptometer Co.“, 1961 fusionierte sie mit dem Rechenmaschinen-Hersteller Victor zur „Victor Comptometer Corporation“. Dabei wurden die Namensrechte für Großbritannien an den Hersteller der Sumlock verkauft. 1973 endete die Produktion mechanischer Rechen­maschinen, doch Teile der Firma haben als „Victor Technology“ überlebt und verkaufen (eingekaufte) Bürotechnik, darunter auch einige Rechner.

Triumphator C

Modell C ist die erste „kleine“ (und „nur“ etwa 8 kg schwere) Sprossenrad-Maschine des Herstellers. Vorgänger war die technisch fast gleiche, aber viel größere und doppelt so schwere Triumphator 1.
Von Anfang an hatten die Triumphator-Maschinen eine Einstellkontrolle (weil es anfangs noch Patente auf die Beschriftung an den Einstellhebelchen gab) und sehr früh auch schon den Zehner­übertrag im Zählwerk (der funktioniert hier auf gleiche Weise wie im Resultatwerk und sitzt im linken, etwas niedrigeren Gehäuseteil). Modell C wurde sehr erfolgreich und ist der Vorläufer der später weit verbreiteten CR-, CN- und CRN‑Modelle.
Das Alter der Maschine ist schon an der noch ziemlich einfachen Schlittenmechanik, den zwei Flügelschrauben und der Beschriftung zu erahnen. Die Serien­nummer datiert sie dann genau auf das Baujahr 1924.
Diese Maschine stammt ebenfalls aus Greiz (und war der „Beifang“ beim Abholen der Euklid 4). Damit wurden mal in einem Lebensmittelgeschäft in Auerbach (Vogtland) Löhne, Preise und Inventuren gerechnet. In der Preisliste von 1925 steht das Modell mit 492 Reichsmark (ca. vier Monatslöhne), für 25 Mark mehr gab es da schon eine etwas weiter entwickelte „C“ mit Hebellöschung.

Triumphator
C
S.Nr. 36450

31 cm x 15 cm x 12 cm (o. Kasten)
7,2 kg
1920 - 1934
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Flügelschrauben für Löschung von RW und ZW, Löschklappe für das EW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Überschleuderungskorrektur der Einstellkontrolle (nur bei entriegelter Kurbel bedienbar).
1/1: Nur kleine Gebrauchsspuren, sehr guter Gesamteindruck; alles funktioniert einwandfrei.

Ein Sprossenrad wieder gängig gemacht, Kastenschlüssel ersetzt, Deckblech teils neu lackiert, Ziffern neu eingelegt, im EW fehlende Kommaschieber-Leiste ersetzt

Mit Bodenbrett und Blechhaube, Kurzanleitung geschrieben.

Triumphator war einer der großen Hersteller von Sprossenrad-Maschinen. 1900 wurde in Leipzig eine kleine Röhrenfabrik gegründet, in der man sich ab 1903 am Bau erster Rechenmaschinen versuchte. Das war offenbar erfolgreich, denn schon 1908 firmierte die Fabrik als „Triumphator Rechen­maschinenfabrik GmbH“. Nach dem 1. Weltkrieg stiegen die Verkaufszahlen erheblich an, bis in DDR-Zeiten (dann natürlich als VEB) wurden noch Rechenmaschinen gebaut. 1963 endete allerdings die Produktion mechanischer Rechner und Triumphator wurde Zulieferer für andere Firmen. 1969 wurde Triumphator in das Robotron-Kombinat eingegliedert und produzierte bis zur Zerschlagung des Konzerns 1990 vor allem elektronische Baugruppen für DDR‑Computer. Die westdeutsche Firma Steinel übernahm danach einen Teil der Gebäude, des Archivs und des Personals.

Tomoe そろばん (Soroban)

Die Japaner entwickelten den im 16. Jahrhundert bei ihnen eingeführten Suan Pan weiter. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts fiel zuerst die zweite Fünfer-Perle im „Himmel“ weg (weil in Japan nicht hexadezimal gerechnet wurde), um 1920 herum dann auch noch die fünfte Einer-Perle in der „Erde“ (als Anpassung an das Dezimalsystem). So wurde die Bedienung deutlich beschleunigt.
Auf dieser letzten Entwicklungs­stufe steht das hier gezeigte Modell. Es besteht ganz traditionell aus Holz und Bambus, die flache Form der Perlen ist typisch für den Soroban. Es hat 23 Stellen, viel mehr als die meisten Taschenrechner. Die hohe Stellenzahl ist nützlich für schnelle Multiplikation und Division (die z.T. unseren Methoden mit Papier und Bleistift ähneln) und zum Festhalten von Zwischenergebnissen.
Das Rechnen mit dem Soroban (oder dem Suan Pan) wird in vielen ostasiatischen Schulen noch gelehrt, es gibt sogar nationale und internationale Schnellrechner-Wettbewerbe.
Ein neuer 23-stelliger Soroban kostet heute etwa 5.000 bis 11.000 Yen (ca. 50 bis 110 €), dieser stammt aber aus einem Prager Antiquitätenladen.

traditionelle Soroban-Herstellung im
Youtube-Video
Tomoe
Soroban No.43150
33 cm x 6,5 cm x 2 cm
160 g
ca. 1920 - heute (ähnliche Modelle)
  • 23 Bambusstäbchen und 115 Holzperlen
    oder technisch:
    ein 23stelliges Rechenregister für Eingabe, Speicherung und Resultatanzeige
  • Markierungen an jeder 3. und 6.Stelle
1/1: nur minimale Gebrauchspuren.
Anleitung im Netz gefunden.

Tomoe wurde 1918 von Yuji Fujimoto gegründet. Ab 1948 hieß die Firma Tomoe Abacus Co. Ltd. und sie existiert auch heute noch. Vermutlich ist das nun der einzige Soroban-Hersteller weltweit. Die Firmen-Webseite ist sehenswert: Sie hat zwar auch eine englische Version, aber die japanische Seite mit Übersetzungstool betrachten ist lustiger.

Kuhrt A2

In den von Ernst Kuhrt entwickelten Maschinen werden die Eingabewerte auf besondere Weise übertragen: Sie haben Axial-Sprossenräder, d.h. hier werden Sprossen nicht radial nach außen sondern zur Seite geschoben und bekommen damit Kontakt zu den Zahnrädchen des Resultatwerks. Das ist so nur von wenigen Herstellern gebaut worden.
Dieses Modell hat die Kapazität 8-8-13 und nur den optionalen Additionsmodus als „Extra“. Es gab auch Modelle mit mehr Stellen und solche mit Speicherwerk und Rückübertragung; außerdem konnte damals schon an jedes Modell ein Elektro­motor mit Multiplikations-Wahltasten angebaut werden. Für diese Zeit war das recht modern, ebenso wie die Volltastatur und der Gleitschlitten, der zum Versetzen und Löschen nicht mehr angehoben wird.
Die Seriennummer der Maschine deutet auf ein Baujahr um 1924. Über ihre Verwendung oder den damaligen Preis ist nichts bekannt.

aus der Sammlung Russo

mehr Infos (mit Video) bei
C. Vande Velde
Bilder aus der Renovierung:
vorher:             Walze frei:       Tastaturzerlegung:    halb neu, halb alt:
Kuhrt
A2
S.Nr. 654

31,5 cm x 40 cm x 15,5 cm
14,1 kg
1923 - 1930
  • EW (mit EK) 8st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer weiß),
  • Ziffern im RW und ZW direkt einstellbar,
  • Feststeller für die 1 der linken Kolonne (= Zähler mit Übertrag!),
  • Löschhebel im EW ist zugleich Schalter für Additionsmodus.
2/2 Gehäuse ohne Lackschäden, Tasten deutlich gebraucht, Ziffern im Kontrollwerk kontrastarm; funktioniert wieder, ist aber nicht ganz leichtgängig.

Schlitten zerlegt, Bleche neu lackiert, fehlende Glocke und Klöppel ersetzt, Ziffern im RW neu eingelegt, alle Metallteile entrostet und poliert, einen Hebel- und den Kurbelgriff ausgebessert (mit 2-Komponenten-Kitt), verbogene Kurbel gerichtet, Tastatur zerlegt und entrostet, Gehäuse und Kommaleisten komplett neu lackiert, einige Tasten neu eingelegt und einige neu aufgebaut, Tastenzungen mit Hammer und Rohrzange(!) justiert.

Kurzanleitung geschrieben.

Hersteller der Maschine waren die „Deutschen Rechenmaschinenwerke A.G.“ in Leipzig, trotz des großen Namens eher eine der kleineren Firmen, die nur etwa zweitausend Maschinen gebaut hat. Sie wurde vermutlich kurz nach dem 1. Weltkrieg von Ernst Kuhrt gegründet, wann genau ist unklar.
Klar ist aber, dass die Firma schon 1927 von Grimme, Natalis & Co. („Brunsviga“) aufgekauft wurde, kurz danach endete die Produktion.

Brunsviga M III

Nur wenige Jahre nach der MH entstand diese Sprossenrad-Maschine, deren Bauweise zum Vorbild der meisten späteren Brunsvigas wurde. Sie ist ein Produkt der zugekauften Tochterfirma Rema und vereint fortschrittliche Merkmale beider Firmen. Die Einstellkontrolle durch Ausschnitte neben den Einstellhebeln setzte sich nicht durch, findet sich aber später z.B. bei der Brunsviga 10. Die bequemen Löschhebel, die komfortable Schlittenverstellung sowie das obenliegende ZW finden sich aber bei praktisch allen späteren Brunsviga-Sprossenradmaschinen.
Das Gerät hat der Vorbesitzer auf einem Flohmarkt gefunden, die frühere Verwendung ist daher leider unbekannt. Die Seriennummer datiert es auf das Jahr 1927, der damalige Neupreis lag bei 650 Reichsmark (knapp 4,5#8239;Monatslöhne).

PDF zu Rema/Brunsviga im


Zustand nach Reinigung:

Brunsviga
M III
S.Nr. 110644

26 cm x 18 cm x 16 cm
7,5 kg
1925 - 1927
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschhebel und eine Löschkurbel.
  • Eingabekontrolle durch Ausschnitte und Ziffernsegmente der Schieber,
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • im ZW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW,
  • Löschanzeige im ZW.
2/1: Nur am Sockel noch deutliche Gebrauchsspuren; alle Funktionen wieder einwandfrei und leichtgängig.

Extrem große und kompakte Staubmäuse, mehrere kleine Holzstückchen und einen Schraubhaken(!) aus Einstellung und Schlittentransport entfernt, Deckbleche neu lackiert, Beschriftungen neu eingelegt, abgebrochenen Griff der Löschkurbel und Widerlager-Block rechts vorne ersetzt, Füße erneuert.

Kurzanleitung geschrieben.

Brunsviga Nova II

Ab 1925 erneuerte Brunsviga die Produktpalette und brachte mehrere Modelle mit der Bezeichnung „Nova“ heraus. Die neuen Sprossenrad-Maschinen hatten nun auch die Rückübertragung von Zahlen aus dem Resultat- ins Einstellwerk. Damit wurden Kettenmultiplikationen ohne die fehlerträchtige Neueingabe der Vorergebnisse möglich. Für den Hersteller war vor allem wichtig, dass man nun zur modularen Bauweise überging: Möglichst viele Teile der verschiedenen Modelle sollten gleich sein und damit der ganzen Serie als Bau- und Ersatzteil zur Verfügung stehen. Das senkte Entwicklungs-, Produktions- und Lagerkosten.
Die ersten Nova-Modelle waren vergleichsweise riesig, auch die Nova II ist noch groß und schwer. Sie ist extrem solide gebaut, auch nach über 90 Jahren läuft alles leicht und rechnet richtig. Dieses Exemplar hat noch den Plus‑/Minus-Anzeiger an der Kurbelbasis, der bei späteren Novas fehlt. Sein Baujahr ist 1927, der damalige Neupreis betrug 720 RM (etwa fünf Monatslöhne). Es wurde bis in die 60er‑/70er-Jahre von einem Abteilungsleiter im Rechnungswesen der Frankfurter Metallgesellschaft benutzt.

Brunsviga
Nova II
S.Nr. 107555

36 cm x 26,5 cm x 17,5 cm
12,5 kg
1925 - 1937
  • EW (mit EK) 10st.,
  • ZW 10st.,
  • RW 15st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • im ZW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW,
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Anzeige des Drehsinns der letzten Kurbeldrehung,
  • Anzeige der unvollständigen Löschung in allen Werken.
1/1: Deckbleche erstaunlich gut erhalten, relativ geringe Gebrauchsspuren und kaum Kratzer. Alle Funktionen einwandfrei und leichtgängig.

Geräuschdämmung an der Einstellsperre durch Unterlage verbessert.

Kurzanleitung geschrieben.

Comptometer J

Das Modell J des Comptometers unterscheidet sich kaum vom Vorgänger. Intern gibt es einige kleine Verbesserungen, aber die Bedienung ist völlig identisch. Auch hier gibt es die Sicherung gegen unvollständiges Drücken und das Glöckchen - und auch wieder die Öllöcher.
Dieses Exemplar hat 12 Tastenreihen. Sein Baujahr ist vermutlich 1931. Die Plakette ist wieder deutsch beschriftet. Noch nach dem Krieg war es in einem Berliner Etikettenhandel im Einsatz. Zwölfstellige Modelle dürften in Deutschland um die 2.000 RM gekostet haben, also mehr als 10 Monatslöhne.

Felt & Tarrant
Comptometer J
S.Nr. J271268

31 cm x 38 cm x 14,5 cm
11,1 kg
1926 - 1938
  • EW 12st.,
  • RW 13st.;
  • nur Addition,
  • Löschhebel.
  • Sicherung gegen unvollständigen Tastendruck.
2/1: Guter Gesamteindruck, aber viele kleine Gebrauchsspuren und eine abgegriffene Ecke; Funktion einwandfrei.

Einige schiefe Tasten wieder gerade gebogen, Zelluloid hinter den Fenstern des Ergebniswerks für bessere Sicht umgedreht, fehlenden Kopf der Entsperrtaste ersetzt.

Anleitung wie beim Comptometer H.

Rheinmetall Id

Diese Maschine wurde wegen ihrer für die damalige Zeit sehr fortschrittlichen Konstruktion zur Grund­lage vieler anderer, z.T. bis 1957 gebauter Modelle. Entwickelt hat sie Richard Berk, der zuvor bei Ludwig Spitz gearbeitet hat. Eine Besonderheit ist, dass eine Staffelwalze für zwei Stellen zuständig ist. Das ermöglicht den platzsparenden Aufbau mit eng beieinander liegenden (und daher gut ablesbaren) Ziffern. Das Modell hat außerdem Zehner­übertrag im Zählwerk, optionalen Additionsmodus, direkt einstellbare Ziffern im Resultatwerk und vor allem den Gleitschlitten: Der muss nun zum Verschieben oder Löschen nicht mehr angehoben werden. Das ist die Voraussetzung für die spätere Automatisierung.
In einer Art Baukasten-System konnten Maschinen auf dieser Basis auch mit höherer Kapazität, mit Elektromotor, Speicherwerk und vielen anderen „Extras“ geliefert werden.
Die Seriennummer dieses Exemplars deutet auf ein Baujahr um 1936. Es stammt aus einer alten Molkerei in Kotthausen (bei Gummersbach).

gute Beschreibung der Entwicklung
der Rheinmetall-Rechenmaschinen bei
H.Schmid
Rheinmetall
Id
S.Nr. 22983

35 cm x 31,5 cm x 21,5 cm
9,3 kg
1926 - 1945
  • EW 7st.,
  • ZW 6st.,
  • RW 12st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für das EW,
  • 2 Schieber zur Löschung von ZW bzw. RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 10 Stellen,
  • Minus-Taste (einrastend) kehrt Drehrichtung im RW um,
  • gedrückte Korrektur-Taste kehrt Drehrichtung in RW und ZW um,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Taste (einrastend) für Additionsmodus,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
2/1: Gehäuse gut erhalten bzw. Lack ausgebessert, Tastatur mit deutlichen Gebrauchsspuren; alles funktioniert einwandfrei.

Zehner­übertrag der 11.Stelle gängig gemacht, Lackierung an den Kanten aufgefrischt, viele Ziffern neu eingelegt.

Kurzanleitung geschrieben.

Rheinmetall verbindet man heute eher mit Kanonen und Leopard-Panzern, aber aufgrund des Versailler Vertrags musste das 1889 in Düsseldorf gegründete Rüstungsunternehmen neue Geschäftsfelder suchen. So kam man auf Schreib- und Rechen­maschinen, die in der 1901 über­nommenen Fabrik in Sömmerda gebaut wurden. Auch als die Waffen­produktion wieder begann stellte man dort weiter Rechen­maschinen her, nun unter der Marke „Rheinmetall-Borsig“.
Nach dem 2. Weltkrieg trennten sich die Wege der west- und ostdeutschen Fabriken: In Düsseldorf wurden anfangs diverse zivile Produkte wie z.B. Aufzüge oder Stoßdämpfer gebaut. Zwei Addier­maschinen wurden neu entwickelt und mit geringem Erfolg vertrieben. Mit Gründung der Bundeswehr kehrte man zur Waffenproduktion zurück und ist damit auch heute leider erfolgreich.
Das Werk in Sömmerda wurde erst sowjetischer Staatsbetrieb und produzierte Büromaschinen für Reparationslieferungen in die UdSSR. Ab 1952 wurde Rheinmetall zum VEB, es wurden auch Fotoapparate und anderes gebaut.
1962 brachte man den ersten elektronischen Fakturierautomaten unter der Marke „Soemtron“ auf den Markt, 1969 den ersten elektronischen Tischrechner. Ab 1969 gehörte die Fabrik zum Kombinat Zentronik, die Produktion mechanischer Maschinen endete ungefähr zu dieser Zeit. 1978 wurde die Fabrik Teil des Robotron-Kombinats und war führend in der Computer-Produktion der DDR. 1992 wurde das Werk jedoch im Rahmen der Veruntreuung des DDR‑Vermögens liquidiert.

Hamann Manus „C“

Auch wenn diese Maschine wie eine Sprossenrad-Maschine „Typ Odhner“ aussieht: Das hier ist eine der selteneren Maschinen mit Schaltklinken. Dieses Schaltprinzip (Erfindung kurz nach 1700 durch Leupold, von Chr. Hamann perfektioniert) führte immer ein Nischendasein, vielleicht wegen den durch die komplexe Bauweise bedingten hohen Servicekosten, vielleicht auch nur, weil Sprossenrad und Staffelwalze besser vermarktet wurden.
Dieses Modell hat eine Ausstattung, die für Ende der 20er-Jahre geradezu luxuriös war: feststehende Einstellhebel, optionaler „Additionsmodus“, direkt einstellbares Resultatwerk und wie fast alle (außer den ganz frühen) Hamann-Maschinen die automatische Division: Wird ein Unterlauf erkannt, dann bewirkt die nächste Kurbeldrehung eine Korrektur, danach läuft der Schlitten von selbst in die nächste Position (Kurbeln muss man natürlich noch).
Die Maschine hieß offiziell einfach nur „Manus“, das „C“ ist nur eine Vereinbarung unter Sammlern, um den Entwicklungsstand der fortlaufend weiter entwickelten Maschine zu bezeichnen.
Bei diesem Exemplar sind die beiden Werke im Schlitten nur zu löschen, wenn dieser am linken Anschlag ist, auch für die Voreinstellung von Dividenden ist das z.T. nötig. Die Schlitten­bewegung mit einer Daumen­taste rechts und einem Hebel ganz links (der zugleich Transportsicherung ist) wirkt ebenfalls noch recht archaisch.
Die Seriennummer ist eine der ganz niedrigen des Entwicklungsstands, das Baujahr ist wahrscheinlich noch 1927.

Firmenbezeichnung:

Hamann
Manus „C“
S.Nr. 1897

26,5 cm x 15,5 cm x 14 cm
6,0 kg
1927 - 1939
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 1 Löschtaste und 2 Flügelschrauben zur Löschung der drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar, Subtraktion per Umschalter,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Lösehebel für blockierte Kurbel,
  • rechte Flügelschraube löscht fakultativ beide Werke,
  • an der Löschtaste auf Additionsmodus schaltbar,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel,
  • automatische Division,
  • keine Überlaufglocke, sondern optische Überlaufanzeige.
2/2: Kommaschieber-Leiste am RW fehlt, eine Hebelkappe provisorisch ersetzt, nur wenige Lackschäden; alles funktioniert einwandfrei, wenn auch nicht immer ganz leichtgängig.
Anleitung der sehr ähnlichen Manus „F“ im Netz gefunden.

Christel Bernhard Julius Hamann war Mechaniker und Ingenieur. Er arbeitete erst u.a. bei A.Ott in Kempten und bei Carl Zeiss in Jena, gründete 1896 sein eigenes „Mathematisch-mechanisches Institut“ (heute würde man Ingenieurbüro dazu sagen) und entwickelte dort neue Rechenmaschinen und Schaltprinzipien (eine seiner Maschinen, die „Gauss“, schlägt die Brücke von den frühen „Rechenuhren“ hin zur Curta).1907 übernahm Mercedes das Institut, ab 1922 arbeitete Hamann dann für die Deutschen Telefonwerke (ab 1928 „DeTeWe“). 1948 starb Hamann, zehn Jahre später verkaufte die DeTeWe die ganze Rechnerfertigung an Smith-Corona-Marchant. SCM gründete die Tochtergesellschaft Hamann GmbH und produzierte dort weiterhin Rechenmaschinen. In den frühen 70er-Jahren stellte man aber unter dem Ansturm der Elektronik die Produktion ein, die Marken Hamann und Marchant erloschen.
DeTeWe gibt es nach vielen Verkäufen heute noch als Ostertag DeTeWe.

Brunsviga 13

Ab den mittleren 20er-Jahren sind für Brunsviga eigentlich Sprossenrad-Maschinen mit einem oben­liegenden Zählwerk typisch. Eine der wenigen Ausnahmen ist das Modell 13, dessen Zählwerk „ganz klassisch“ links im Schlitten liegt. Diese Maschine sollte wohl die weniger zahlungskräftige Kundschaft bedienen, denn sie hat als einziges „Extra“ eine Einstellkontrolle. Doch die kleine, aber solide gebaute Maschine (anfangs noch als Nova 13 bezeichnet) wurde zum bis dahin größten Erfolg des Herstellers: Über 32.000 wurden verkauft - was erst in den 50er-Jahren übertroffen wurde.
Dieses Exemplar wurde 1942 gebaut. Es tat seinen Dienst offenbar zuletzt im „VEB Zuckerwarenfabrik Elbdom“ in Meissen.

aus der Sammlung Kohl
Brunsviga
13
S.Nr. 198755

32,5 cm x 17 cm x 13 cm
5,8 kg
1927 - 1943
  • EW (mit EK) 10st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot),
  • Anzeige der unvollständigen Löschung in allen Werken.
2/1: Deckbleche bis auf etwas Abrieb an den Schiebern sehr gut erhalten, der 5. Gummifuß fehlt; alles funktioniert einwandfrei.

Lockere Löschkurbelbasis wieder an der Kurbel fixiert, alle blanken Metallteile von Rost und Belägen befreit.

Kurzanleitung geschrieben.

Marchant H9

Das Schaltwerk der H9 hat Stellsegmente. Die sehen auf den ersten Blick zwar fast wie Sprossen­räder aus und arbeiten ähnlich, aber hier werden nicht einzelne Sprossen ausgefahren, sondern der gesamte "Kiefer" mit den neun Zähnen schwenkt beim Drehen kürzer oder länger nach vorn und dreht die Zählwerksrädchen entsprechend weniger oder mehr (bei der M.J.Rooy gibt es ein Video dazu).
Das Zählwerk hat Zehner­übertrag, es gibt wieder den optionalen „Additionsmodus“ und eine hohe Kapazität. Anders als die Vorgängermodelle mit Schiebern (und dem Aussehen einer Standard-Sprossenradmaschine) hat das Modell die bequeme und schnelle Einstellung per Volltastatur. Dass die Einstellkontrolle nicht mit den Tastenreihen korrespondiert macht sie zwar gut ablesbar, braucht aber etwas Gewöhnung.
Die Seriennummer dieses Exemplars ist noch vierstellig. Es hatte keine Seitendekoration, aber noch die Aussparungen und Schrauben dafür und auch schon die Doppelfunktion der Löschkurbel. Das lässt als Baujahr 1933 vermuten.

Marchant
H9
S.Nr. 8122

34,5 cm x 35,5 cm x 19,5 cm
13,0 kg
1927 - ca. 1940
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 9st.,
  • RW 18st.;
  • Grundrechenarten,
  • 1 Löschtaste für das EW,
  • 1 Löschkurbel für ZW und RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 12 Stellen,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW,
  • Schalter für Additionsmodus.
2/1: Kanten der Seitenbleche deutlich verschrammt, Zifferntasten und Deckbleche sonst ungewöhnlich gut erhalten; alles funktioniert wieder einwandfrei.

Tastatursperre nachjustiert, Plexiglasscheibe der Eingabekontrolle ausgetauscht, Lackschäden retuschiert, neue Gummifüße untergesetzt, Seitenplaketten und Logo nachempfunden.

Kurzanleitung im Netz gefunden.

Rodney H. Marchant verkaufte ab spätestens 1910 Rechenmaschinen diverser europäischer Hersteller. 1915 gründete er in Oakland eine eigene Fabrik und produzierte Kopien der französischen „Dactyle“. Wegen Patent­streitigkeiten (so jedenfalls begründet es die englische Wikipedia) suchte man schon ab 1918 nach einem neuen Schaltwerks­prinzip. Der Konstrukteur C.M.F.Friden entwickelte daher die Stellsegmente, die ab 1921 bis in die 40er-Jahre in Marchant-Maschinen eingebaut wurden.
Doch bereits 1934 kamen erste Maschinen mit Proportional­rädern auf den Markt. Auch die wurden bei Marchant erfunden und ermöglichten den Bau der relativ leisen und extrem schnellen elektro­mechanischen Rechenmaschinen, mit denen Marchant berühmt wurde.
1958 wurde Marchant vom Schreibmaschinen-Hersteller Smith-Corona aufgekauft, der sich daraufhin in Smith-Corona-Marchant (SCM) umbenannte und einer der großen Mitspieler im Rechner- und Computer­geschäft wurde. SCM stellte in den 70er-Jahren die Produktion mechanischer Rechenmaschinen ein, die Textverarbeitung am Computer führte in den 80ern auch zum Ende der einst berühmten Schreibmaschinen. Heute stellt Smith-Corona nur noch Farbbänder, Etiketten und ähnliches Zubehör her, „Marchant“ ist aus dem Firmennamen verschwunden.

Rheinmetall D IIc

Das ist eine späte Rheinmetall-Maschine aus der DDR‑Produktion, der Seriennummer nach ungefähr von 1955. Es dürfte eine der letzten Maschinen im mittleren (graugrünen) Design gewesen sein, denn bald danach wurde die gleiche Technik noch für kurze Zeit in ein moderneres (hellgraues) Gehäuse eingebaut. Bemerkenswert ist die (vermutlich noch von August Kottmann entwickelte) automatische Division, die bei Rheinmetall schon ab Ende der 20er-Jahre auch bei den Handmaschinen häufig eingebaut wurde. Dafür ist keine gesonderte Taste nötig, die Division wird einfach als fortgesetzte Subtraktion gekurbelt. Nach jedem Unterlauf (d.h. wenn im Resultatwerk „unter Null “subtrahiert wird) schaltet die folgende Kurbeldrehung ein Getriebe auf Gegenrichtung, die nächste Drehung korrigiert den Unterlauf und schaltet das Getriebe weiter, die dritte Kurbeldrehung setzt den Schlitten eine Stelle weiter und das Getriebe ganz zurück. Dann wird einfach munter weiter gekurbelt und subtrahiert. Der Vorgang kann mit einem Schalter an der Kurbelbasis beeinflusst werden.
Das Modell wurde nicht nur in den Ostblock geliefert, sondern auch in den Westen. 1958 (also kurz nach Produktionsende) steht sie mit einem Verkaufspreis von 870 DM (etwa zweieinviertel Monatslöhne) zum letzten Mal im Katalog.



Zustand vorher:

Rheinmetall
D IIc
S.Nr. 185458

39,5 cm x 30,5 cm x 23 cm
11,5 kg
ca. 1927 - 1957
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 17st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für das EW,
  • 2 Schieber zur Löschung von ZW bzw. RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 10 Stellen,
  • Minus-Taste (einrastend) kehrt Drehrichtung im RW um,
  • gedrückte Korrektur-Taste kehrt Drehrichtung in RW und ZW um,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Taste (einrastend) für Additionsmodus,
  • automatische Division,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
2/1: Gehäuse mit deutlichen Gebrauchsspuren; alles funktioniert jedoch wieder einwandfrei.

Diese Maschine kam äußerlich als Wrack: Reichlich Rost, Staub und Spinnweben, Schlittenstellgriff völlig zerstört, mehrere fehlende Tastenköpfe und praktisch alle Tasten und Hebel total festgefressen. Aber die robuste Mechanik innen war offenbar noch völlig intakt, denn nachdem unter Einsatz massiver Ölmengen, einer Zange und eines Hammers(!) alle Tasten und der Schlitten wieder beweglich waren rechnete die Maschine schon wieder. Alle Metallteile entrostet und poliert, eine Sicherungsscheibe nachgefeilt, einen fehlenden Wirtel ersetzt. Die roten Knöpfe und den Dreistern spendete eine Rheinmetall KES.

Kurzanleitung geschrieben.

per Schlittentausch: „Rheinmetall DS Ie“

Wegen des intakten Dreisterns und einiger Tasten, die ich in die D IIc oben einbauen wollte erstand ich das Wrack einer elektrischen Rheinmetall KES. Deren Motor war tot, viele Tasten fehlten, aber der Schlitten mit Speicherwerk und Postenzähler sah noch leidlich gut aus. Da wollte ich doch mal sehen, ob er auch auf die D IIc passt.
Wie sich zeigte passte er nicht: Der Divisionsstop der D IIc kollidierte mit Führungsschiene und Verkleidung des Schlittens (die KES hat keine automatische Division).
Also habe ich die Schiene gekürzt, die Verkleidung etwas ausgesägt und für den Divisionsstop einen Bolzen in das schon vorhandene Loch geschraubt - und siehe da: Der Schlitten passt nun und macht die Maschine zu einer „DS Ie“ - ein Modell, das von Rheinmetall so niemals hergestellt wurde. Diese Chimäre hat den Speicher, zu dem man das Resultatwerk addieren oder subtrahieren und den man auch wieder dorthin rückübertragen kann, einen Posten­zähler für die Anzahl der Speicher­vorgänge und dazu (im Chassis) die automatische Division. Nachteile gegenüber der D IIc sind die kleine Kapazität und die fehlende Direkteinstellung der Dividenden.

Die KES wurde ab 1934 gebaut. 1937 kostete sie mit dieser Kapazität 1.270 RM (etwa achteinhalb Monatslöhne, die höchste Kapazität 9‑8‑17‑17 kostete einen ganzen Jahreslohn). Bislang waren nur Vorkriegsmaschinen mit deutlich niedrigeren Seriennummern bekannt, diese KES wurde aber nach dem Krieg gebaut.

Die KES (ca. 1952, 
viele fehlende Tasten 
hineinretuschiert):
Rheinmetall
„DS Ie“
S.Nr. des Schlittens 118497


14 kg
2019
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 6st.,
  • RW 13st.;
  • SW 13st.;
  • Postenzähler 3st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für das EW,
  • Löschrad für Postenzähler,
  • 3 Löschschieber für ZW, RW und SW (ZW ans RW koppelbar).
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 11 Stellen,
  • Minus-Taste (einrastend) kehrt Drehrichtung im RW um,
  • gedrückte Korrektur-Taste kehrt Drehrichtung in RW und ZW um,
  • Zehnerübertrag beim Speichern im SW,
  • Rückübertragung von SW ins RW,
  • Taste (einrastend) für Additionsmodus,
  • automatische Division,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
3/2: Gehäuse mit mehreren größeren Stoßstellen, noch nicht komplett überholt; alles funktioniert, aber hakelt gelegentlich etwas.

Führungsschiene gekürzt, Verkleidung ausgesägt, Bolzen für Divisionsstop eingesetzt.

Kurzanleitung geschrieben.

Direct-II

Die Direct ähnelt auf den ersten Blick einem Comptometer, man kann mit ihr optional auch so addieren (und notdürftig multiplizieren). Tasten­drücke bewirken dann sofort das Summieren im Resultatwerk. Dieses wird dann allerdings nicht sofort angezeigt.
Wahlweise kann man auch mit Einstellkontrolle addieren, die Subtraktion geht nur auf diese Art: Dabei tippt man den Wert ein, kontrolliert die Anzeige und drückt dann die lange schwarze Taste rechts. Eine Division ist wegen der fehlenden Summenanzeige unmöglich.
Sehr ungewöhnlich ist auch, dass nur eine Anzeige sowohl Eingaben als auch Ergebnisse zeigt. Für letztere dreht man die Kurbel, es erscheinen oben und unten rote Balken und die lange Taste wird nun zur Löschtaste des Resultatwerks.
Hier sind keine Schaltschwingen am Werk, sondern eine sonst nirgends zu findende Mechanik. Die erklärt ein Artikel von E.Anthes (PDF) im Rechnerlexikon ganz gut. Der Übertrag ins Resultatwerk erfolgt über Mitnehmerklinken: ähnlich den Schaltklinken bei der Hamann Manus, aber anders angesteuert.
Die Maschine wurde viele Jahre lang gebaut. Es gab auch Varianten mit mehr Stellen, mit Druckwerk und sogar mit Motor. Das hier ist eine der frühen Maschinen, denn sie hat noch ein Metallgehäuse (später bekam die Direct‑II eine Bakelitschale). Die niedrige Seriennummer (ich vermute, man hat da mit 10001 angefangen) deutet auf ein Baujahr um 1928 herum. Wo und wozu sie mal benutzt wurde ist unbekannt, aber sie trägt das Schild einer Werkstatt in Einsiedeln. Also wurde sie nicht nur in der Schweiz hergestellt, sondern auch dort eingesetzt.

Funktion der Schaltklinken
(MP4, 2 MB):
Moesch & Huber
Direct-II
S.Nr. 10135

30 cm x 40 cm x 16 cm
9,9 kg
1927 - ca. 1955
  • EW 7st.,
  • RW 8st.;
  • Addition und Subtraktion,
  • Kurbel zur Ergebnisanzeige,
  • Löschtaste für Anzeige,
  • Eingabetaste (auch Löschtaste für RW).
  • Anzeige entweder als KW oder Ergebnisanzeige,
  • bei Ergebnisanzeige rote Balken über und unter der Anzeige,
  • Umschalter für Direkteingabe oder Eingabe mit Bestätigung,
1/1: Gehäuse und Tasten sehr gut erhalten bzw. restauriert; einwandfreie Funktion.

Tastenfeld-Abdeckung neu lackiert, Stoßstellen ausgebessert, Metallteile poliert, Anzeige justiert, Füße erneuert.

Kurzanleitung geschrieben.

Die Firma Moesch & Huber wurde um 1920 in Zürich gegründet. Sie führte meist Auftragsarbeiten im Bereich Design, Konstruktion und Montage durch. Als erste Rechenmaschine wurde ein Modell mit Zahnsegmenten namens „Demos“ gebaut, das aber kein Erfolg wurde. Mit der Direct, der leicht verbesserten Direct‑II und ihren Varianten war man deutlich erfolgreicher, denn bis in die 50er-Jahre wurden diese hergestellt.
Der Herstellername steht jedoch nicht auf der Maschine. Dort steht nur die Theo Muggli AG, ebenfalls mit Sitz in Zürich. Diese Büromaschinen-Firma hatte offenbar den Alleinvertrieb dieser Maschinen, möglicherweise ist sie auch der Auftraggeber der Konstruktion von „Demos“ und „Direct“. Theo Muggli starb 1933, seine Firma existierte unter demselben Namen bis 1995 weiter.

Walther RMK

Diese „Rechenmaschine mit EinstellKontrolle“ (das M steht für die höhere Kapazität) ist eine schöne Übergangs­form: Das Grundgehäuse ist noch ganz der alte Typ (wie er beim Vorgängermodell „RM“ und später noch bei der Odhner 27 zu finden ist), hat aber hinten/oben eine große Aussparung, auf die das Einstellkontrollwerk im eigenen Gehäuse aufgesetzt wurde. Diese Bauart gab es nur sehr kurz, denn schon bald wurde die Einstellkontrolle ins Gehäuse integriert. Außerdem gibt es neben den beiden Schlittentasten vorne schon eine zusätzliche Daumentaste an der Kurbel - aber eben nur eine „nach links“, nicht wie später auch bei der RMK üblich für beide Richtungen. Das Exemplar dürfte daher etwa 1929 gebaut worden sein.
Fortschrittlich ist die Kurbellöschung im Schlitten, altertümlich sind die Löschklappe und die Über­schleuderungskorrektur bei evtl. dejustiertem Einstell­kontrollwerk. Offenbar vertraute man der Mechanik noch nicht ganz, doch nach nun über 90 Jahren läuft diese immer noch einwandfrei.

vorher:

Walther
RMK
S.Nr. 7189

26 cm x 14 cm x 15 cm
5,4 kg
1928 - ca. 1934
  • EW (mit EK) 10st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Kurbeln für Löschung von RW und ZW, Löschklappe für das EW.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot),
  • Schlitten mit Federzug kann einfach nach rechts geschoben werden,
  • Überschleuderungskorrektur der Einstellkontrolle (nur bei entriegelter Kurbel bedienbar).
2/1: nur am Sockel noch viele Stoßstellen; alle Funktionen einwandfrei.

Alle Bleche neu lackiert, Zahlen neu eingelegt, Feder und Anschlag der Löschklappe repariert, Füße erneuert.

Kurzanleitung geschrieben.

Walther fing 1886 als Büchsenmacherei an, baute später auch Teile für die Rechenmaschinen von Mercedes und ab 1924 eigene Rechenmaschinen (schon 1929 auch elektromechanische, ab 1970 auch elektronische, bis 1971 trotzdem noch die handbetriebene WSR160) und konnte damit in den Nachkriegszeiten überleben, als Waffenherstellung verboten war. Bis 1945 blieb die Fabrik in Zella-Mehlis, dann wurde sie nach Westdeutschland (Niederstotzingen in Württemberg) verlegt. Die als eigene Firma abgespaltene Büromaschinen-Fertigung konnte Mitte der 70er-Jahre trotz ihrer hochwertigen elektronischen Geräte nicht mehr mit der billigen japanischen Konkurrenz mithalten und ging unter, heute baut Walther wieder nur Waffen.

ГЗСМ Феликс A3 (GZSM Felix A3)

Diese „Felix“ stammt aus der frühen Sowjetunion. Sie ist derzeit die einfachste meiner Sprossenrad-Maschinen: Keine Einstellkontrolle, im Zählwerk kein Zehner­übertrag, keine anderen „Extras“. Auch die sonst üblichen Sperren gegen Fehlbedienung fehlen komplett. Doch sie hat noch hochwertige Sprossenräder aus Messing und auch sonst eher gutes Material, anders als die späteren Modelle.
Eine so schrecklich angemalte Maschine hatte ich noch nie zuvor gesehen. Die ursprünglich schwarze Maschine wurde erst weiß grundiert und dann mit einem kräftigen Rot grob überpinselt. Dabei wurde auf Schrauben, Kommaleisten und andere Teile keinerlei Rücksicht genommen. Die Beschriftung war nirgends mehr zu erkennen und Farbe war bis nach innen gelaufen. Zu meiner Überraschung hat sie da immer noch gerechnet, wenn auch extrem hakelig. Dass es eine alte Felix war konnte man nicht sehen, aber egal: Mein Mitleid war groß genug, 9 € auf dem Frankfurter Flohmarkt zu lassen.
Nach einigen Tagen Arbeit sieht die A3 nun wieder ungefähr so aus, wie sie die Fabrik verlassen hat und ich bin zufrieden, das alte Schätzchen gerettet zu haben.

Infos zum Nachfolgemodell bei
D.Bölter
Fundzustand:
zerlegt:
Puzzle:
Lack ab:
grundiert:
im Aufbau:
гос. завод счетных мажин им. тов. дзержинского Москва
Феликс A3
S.Nr. 86227

31 cm x 15 cm x 13 cm
5,9 kg
1928 - 1941
  • EW 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Flügelschrauben zur Löschung von ZW und RW.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer weiß),
  • Löschung des EWs über Schieber (unter dem Logo) und Hauptkurbel.
2/2: Deckbleche wieder nahe am Original, Gebrauchsspuren an den blanken Metallteilen; Löschung in zwei Stellen im ZW nur zuverlässig wenn man die Flügel­mutter zum Schluss etwas zieht.

Komplett zerlegt, Lack von allen Seitenteilen, Blechen, Schrauben, Leisten, Hebeln, Muffen entfernt, Seitenteile und Bleche neu lackiert, erhabene Beschriftungen blankgefräst, alle Metallteile poliert, Ziffernräder teilweise neu eingelegt, viele schwergängige Stellen nachgeschliffen, Deckblechschrauben und zerfallene Gummifüße ersetzt.

Nach der Oktober-Revolution wurde Odhners Fabrik in St.Petersburg enteignet. Nun bauten die Arbeiter die Rechenmaschinen im „Staatlichen Rechenmaschinenwerk“. Erster Chef der Firma soll Felix Dzierzynski gewesen sein (das ist unsicher: vielleicht war er auch nur als oberster Wirtschaftskommissar für die entsprechende Industrie zuständig). Er war Mitglied des Zentralkomitees, der berüchtigte Gründer und Chef der ebenso berüchtigten Geheimpolizei „Tscheka“ (und des Sportvereins Dynamo Moskau).
1921 wurde die komplette Fabrik demontiert und samt Unterlagen und Personal nach Moskau verlegt. 1926 starb Dzierzynski, zur Erinnerung an ihn wurden die Sprossenrad-Maschinen ab 1928 „Felix“ genannt. Ab 1931 hieß dann auch die Firma wie auf diesem Exemplar abgebildet („Staatliches Rechen­maschinenwerk / benannt nach dem Genossen Dzierzynski / Moskau“).
Ab 1935 wurden auch Nachbauten der Monroe-Staffelwalzen-Maschinen hergestellt. 1941 endete die Produktion dort, denn die Fabrikanlagen wurden nach Kirow evakuiert (und wahr­scheinlich auf Kriegsproduktion umgestellt).
Erst ab 1948 wurden wieder „Felix“-Maschinen gebaut, dann allerdings in anderen Fabriken. Das letzte Modell war die Felix M.

Burroughs Portable 90801

Die druckenden Addiermaschinen von Burroughs waren anfangs riesige Kästen, die 30 bis 50 kg wogen. Erst ab 1925 wurden auch die „Portables“ mit knapp unter 10 kg angeboten (die Definition von „tragbar“ war damals offenbar etwas anders). Anfangs konnten sie nur addieren („Class 8“), ab 1928 dann auch subtrahieren („Class 9“). Bis in die 60er-Jahre wurden die Maschinen gebaut. Natürlich wurden Sie stets technisch und optisch weiter entwickelt, aber das Grundprinzip der Maschine, die Summenbildung über Zahnsegmente, blieb immer gleich. Mit diesen Geräten dominierte Burroughs lange das entsprechende Marktsegment.
Die Typenbezeichnung dieses Exemplars setzt sich zusammen aus Klasse 9 (=mit Subtraktion), 08 Stellen, 01 (=Handantrieb). Das C vor der Serien­nummer steht für in Kanada gebaute Maschinen, die Nummer selbst datiert die Maschine auf 1930. Offenbar wurde sie bis 1963 noch benutzt und gewartet, über 30 Jahre später!

mehr Infos bei
J.Wolff


Die in den Boden eingekratzten Servicedaten (zweimal pro Jahr!):

Burroughs
Portable
S.Nr. C9-1339494

28,5 cm x 35 cm x 21,5 cm
9,2 kg
1928 - ca. 1965
  • EW 8st.,
  • RW 8st.,
  • Druckwerk 8st. (+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • Löschtaste für Tastatur und Funktionen.
  • keine Anzeige, nur Ausdruck,
  • R-Taste für behelfsmäßige Multiplikation,
  • Nichtrechentaste,
  • Druckabschaltung.
2/1: Viele kleine Gebrauchsspuren und abgegriffene Stellen; Funktion einwandfrei.

Großen Hebel gerade gebogen, einige Schrauben ersetzt, eine ins RW gefallene alte Gummirolle (die alles blockierte) entfernt, Farbband erneuert.

Kurzanleitung geschrieben.

TIM I

Diese TIM I ist eine kleine, vergleichsweise leichte Staffelwalzen-Maschine mit Tasteneingabe und die letzte Entwicklung des Herstellers L.Spitz. Sie ist recht robust, gut verarbeitet und hat den optionalen „Additionsmodus“, in dem sich die Eingabe nach jeder Kurbeldrehung von selbst auf Null stellt. Allerdings sind Löschung und Lineal­bewegung immer noch sehr umständlich, denn das Lineal muss dazu jedes Mal angehoben werden. Auch einen Zehnerübertrag im Zählwerk sucht man vergebens. Beides konnte die Konkurrenz damals schon deutlich besser, das Modell wurde kein großer Erfolg mehr.
TIMs mit Tasten gab es auch mit weniger (6‑5‑8) oder mehr (bis 7‑7‑12) Stellen. Dieses Exemplar stammt von 1929, der mir bekannte Preis ist erst von 1936: 350 Mark (gut zwei Monatslöhne). Auch nach dem Krieg wurden noch Exemplare angeboten, aber vermutlich waren das nur noch Restbestände.
Dieses Gerät ist auf der Rückseite und einer Seite mit den Abkürzungen  NAB 5  bzw.  WWK 4  in großen, weißen Zeichen markiert. Das wirkt eher wie etwas militärisches, könnte aber auch eine Firmen- und Abteilungskennzeichnung sein.

aus der Sammlung Veres
L.Spitz
TIM I
S.Nr. 31695

38 cm x 21 cm x 13 cm
8,5 kg
1929 - ca. 1935(?)
  • EW 6st.,
  • ZW 7st.,
  • RW 10st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschschieber für RW und ZW (nur bei angehobenem Lineal),
  • 7 Löschhebel für EW (pro Stelle und Gesamt).
  • Zehnerübertrag im RW nur über 7 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer schwarz),
  • ein gemeinsamer Schalter für Drehrichtung im ZW und RW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar (nur bei angehobenem Lineal),
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Linealbewegung nur durch Anheben und Versetzen per Hand,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
3/1: Bleche um Griffe und Löschhebel herum stark abgegriffen, einige Stoßstellen; einwandfreie Funktion.

Die Ziffernräder im ZW waren jeweils an der Null stark oxidiert, die musste ich nachmalen. Dazu musste das Lineal völlig zerlegt werden. Chassis nur äußerlich gereinigt, weil dort alles einwandfrei funktionierte und ein Blick ins Innere kaum Staub erkennen ließ (noch ein Vorteil der Tasten: keine Schlitze!).

Kopie der ersten Seiten einer Originalanleitung vorhanden, Kurzanleitung geschrieben.

Mira Visier

Das dritte Modell von Mira (mit verschiedenen Kapazitäten lieferbar) heißt „Visier“, weil es als erstes eine Einstellkontrolle hat. Weitere Sonder­ausstattung (z.B. Zehner­übertrag im Zählwerk oder Rückübertragung) hat es noch nicht, die Einstell­kontrolle hat noch eine damals eigentlich veraltete Überschleuderungskorrektur. Dieses Exemplar hat auch noch die alte Version der Schlittenmechanik, etwas später bekam das Modell stattdessen rechts zwei Daumen­tasten zur Einhandbedienung.
In fast jedes Teil ist die ganze Seriennummer oder die „321“ eingeschlagen, auf der Rückseite innen findet sich aber eine „10832“. Ich nehme daher an, dass dieses Exemplar im August 1932 hergestellt wurde, was auch zur Seriennummer passt.
Sie hat seit damals schon viele weite Wege zurück­gelegt: Ein deutscher Soldat hat sie aus Russland mitgebracht (ob sie dort erbeutet und/oder von der Wehrmacht genutzt wurde ist unklar), vorletzter Besitzer war ein Kaufmann, dann ein Antiquitäten­händler aus Hamburg. Der linke Lösch­hebel ist wohl mal gebrochen und wurde durch einen Nachbau ersetzt, der erst auf den zweiten Blick als solches auffällt.
Die ganze Ausführung der Maschine ist hochwertig und solide, mit viel Messing und dicken Blechen. Selbst in ihrem herunterge­kommenen Zustand hat sie noch passabel gerechnet (nur eine Feder war falsch eingebaut und ließ das Zählwerk etwas hakeln).

vorher:


Mira
Visier
S.Nr. 10321

31,5 cm x 16,5 cm x 12 cm
5,0 kg
1929 - ?
  • EW (mit EK) 10st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Hebel für Löschung von RW und ZW, Löschklappe für das EW.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer weiß),
  • Überschleuderungskorrektur der Einstellkontrolle (nur bei entriegelter Kurbel bedienbar).
1/1: Deckbleche renoviert, Effektlack auf Seiten und Rückwand in sehr gutem Originalzustand; funktioniert einwandfrei.

Metallteile von Rost befreit und poliert, eine falsch eingebaute Feder im ZW korrigiert, Bleche neu lackiert, Beschriftung der Bleche und im ZW mit roter und weißer Farbe eingelegt, Füße erneuert.

Kurzanleitung geschrieben.

Unter der Marke Mira baute Otto Kramer ab 1923 in Hanichen bei Reichenberg die vermutlich ersten tschechischen Rechenmaschinen. Dazu kaufte er Patente (und evtl. auch Maschinen) des Rechen­maschinen-Herstellers Rema, nachdem dieser in Grimme, Natalis & Co. (Brunsviga) aufging. Die Mira-Maschinen ließen sich offenbar vor allem in der Tschechoslowakei selbst und in Frankreich gut verkaufen. Spätere Modelle hatten bessere Ausstattung und teils auch größere Kapazitäten. Ob und wie lange die Firma nach der Besetzung des Sudentenlandes noch produzierte ist nicht bekannt. Spätestens mit Kriegsbeginn sind sicher eher Teile für Waffen oder Munition gebaut worden, Mira-Maschinen aus der Nachkriegszeit sind unbekannt. Ab 1950 wurden aber im direkten Nachbarort die Rechenmaschinen von Nisa hergestellt. Es wäre ein arger Zufall, wenn dazu nicht Personal, Wissen und Maschinen von Mira genutzt wurden.

Thales GEO

Vor allem bei Landvermessern und Artilleristen waren Doppelmaschinen sehr begehrt, denn mit Hilfe spezieller, über Formulare abgearbeiteten Algorithmen konnte man auf ihnen viele Aufgaben der Vermessung (Koordinaten­umformungen, Vorwärts- und Rückwärtseinschneiden etc.) schnell berechnen. Auch für versicherungs­mathematische oder wissenschaftliche Berechnungen wurden die teuren Spezialmaschinen genutzt.
Thales hat mit der GEO ab 1930 die damals beste Doppelmaschine angeboten, denn hier konnten die Resultat­werke unter jede der beiden Eingaben gesetzt werden.
Die Seriennummer deutet auf ein Baujahr um 1938, der damalige Preis betrug 1250 RM (knapp acht Monatslöhne). Auf der Rückseite ist eine mit „VDT“ beginnende Inventarnummer. Ich weiß leider nicht, wofür die Abkürzung hier steht.
Nach dem Krieg wurde eine verbesserte GEO/R (mit Rückübertragung und zwei Zählwerken) hergestellt.

Thales-Werbung
(noch die alte Variante,
obwohl von 1950)
Thales
GEO
S.Nr. 45535

37 cm x 20 cm x 16 cm
14,1 kg (m. Brett)
1930 - 1940
  • 2x EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 8st.,
  • 2x RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Flügelschrauben und 2 Löschkämme für die fünf Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW (mit/gegen rechte Eingabe),
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW (3 Durchläufe!),
  • Schalter für gleich- oder Gegenlauf der Trommeln,
  • Ziffern der RW direkt einstellbar,
  • ein kleiner Knopf rechts entsperrt bei gezogener Kurbel die Fixierung der Kontrollwerke (Überschleuderungs­korrektur)
1/1: Nur wenige Gebrauchsspuren verblieben; alles funktioniert einwandfrei und sehr leichtgängig.

Alle Deckbleche neu (teil)lackiert, Ziffern im rechten EW, Logo und einige andere Beschriftungen neu eingelegt, Flugrost von den Chromteilen entfernt, 2 neue Kommaschieber (identische Teile von einer Triumphator CRN1) eingesetzt.

Stahlhaube (ohne Schloss) vorhanden, Anleitung fehlt noch.

Badenia TH13

Diese Maschine ist eines der letzten Exemplare des 1930 entwickelten Modells, im von Ferdinand Spaeti aus Luzern entworfenen Nachkriegs-Design. Diese modernste Version der TH13 hat vorne kein Handrad mehr zur Schlittenverschiebung. Statt dessen zieht man die Kurbel etwas heraus, dann dreht sie nicht mehr die Staffelwalzen sondern bewegt den Schlitten. Drückt man die Kurbel dagegen leicht ein, dann schaltet die Maschine auf Subtraktion. Es ist also nicht nötig, mit der zweiten Hand das „Minus“-Hebelchen zu drücken. Für eine automatische Division fehlt also eigentlich nur noch eine Mechanik, die erst einen Überlauf erkennt und dann die Kurbel entsprechend drückt und zieht.
Die damals schon eher antiquierte Volltastatur bedingt, dass die Hand noch viel bewegt werden muss. Andererseits ermöglicht sie ein paar Tricks, die auf einer modernen Zehnertastatur nicht mehr möglich sind. Praktisch sind außerdem die direkte Einstellung des Resultatwerks (für Dividenden oder zum Runden), der Zehner­übertrag im Zählwerk (was die abgekürzte Multiplikation möglich macht) und der optionale Additionsmodus.
Einen kleinen Konstruktionsfehler hatte dieses Exemplar m.E.: In den Stellen 1 und 2 klingelte das Überlauf-Glöckchen nicht, weil das entsprechende Bauteil zu kurz war. Vielleicht war ein Teil aus einer TH10 (die hat geringere Kapazität) eingebaut worden? Ich habe es durch einen Anbau verlängert, seitdem klingelt's korrekt.
Die Seriennummer lässt auf das Baujahr 1950 schließen, was auch zum Design passt: Nur 1950 bis 1952 gab es die TH13 ohne das Handrad vorne. Der Verkaufspreis ist unbekannt, doch schon die kleine TH10 wurde für 850 DM angeboten. Also waren hier sicher um die 1.000 DM fällig (das wären etwa vier Monatslöhne).
Die Anschaffung bezahlte der Steuerzahler: Die Maschine stammt aus einem Forstamt in/bei Wittlich in der Eifel. Damit wurden also in den 50er-Jahren z.B. Festmeter, Holzpreise und Waldarbeiterlöhne berechnet.

Badenia
TH13
S.Nr. 16666

44 cm x 33 cm x 20 cm
11,7 kg
1930 - 1952
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für EW, 2 Löschschieber für ZW und RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter zum Abschalten bzw. für Drehrichtungsumkehr im ZW,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Anzeige für Subtraktion (auch als Schalter nutzbar),
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Kurbel zum Rechnen nur in eine Richtung drehbar, Subtraktion durch Drehen der eingedrückten Kurbel,
  • Schlittenverstellung durch Drehen der herausgezogenen Kurbel.
2/1: Viele Stoßstellen am Gehäuse, Tasten mit z.T. deutlichen Gebrauchsspuren, aber alle noch intakt; alles funktioniert wieder einwandfrei.

Gebrochenen Halter eines der verschiebbaren Zahnräder gegen ein selbstgebasteltes Alu-Teil ausgetauscht, Positionierung vieler Zahnräder nachjustiert, ausgeleierte Federn gekürzt, verklemmte Tasten aus- und richtig wieder eingebaut, Klingelanschlag mit einem Alu-Streifen verlängert, Hebelchen im Zehner­übertrag im ZW gerade gebogen.

Kurzanleitung geschrieben.

Die Uhrenfabrik Mathias Bäuerle wurde schon 1863 gegründet. Ab 1903 wurden dort neben Uhren, Uhrwerken und Schaltuhren erste Rechen­maschinen gebaut, damit war man der weltweit vierte Serien­produzent von Rechenmaschinen. Diese Maschinen mit den Marken „Peerless“ („ohnegleichen“, für den Export) und „Badenia“ hatten anfangs eine ganze Reihe von Neuerungen zu bieten (z.B. Doppelzähl­werke, Einstellkontrollen, Multiplikations­getriebe), später geriet man gegenüber der Konkurrenz eher etwas ins Hintertreffen.
Ab 1952 wurden nur noch Rechenmaschinen mit Elektromotor gebaut, vor allem mit komplexen Automaten (Marke „EMBEE“) war man noch einmal recht erfolgreich. Schon 1964, also vergleichsweise früh, erkannte man jedoch die Zeichen der Zeit und stellte die gesamte Rechenmaschinen-Fertigung ein. Die Firma konzentrierte sich auf Maschinen für die Drucknachbereitung und auch heute gibt es sie noch als Hersteller von Falzmaschinen.

Lipsia Addi 7

Die Addi 7 war eine erschwingliche Addierhilfe. Sie hat sogenannte Zahnsegmente, die seitlich wegklappen können. Mit bequemen Einstellhebeln wird das Resultatwerk vor- oder zurückgestellt, dabei wird durch entsprechendes Aus- und Ein­koppeln der Zahnsegmente addiert bzw. subtrahiert. Der Zehner­übertrag ist vorhanden, gleichzeitig über alle Stellen aber konstruktions­bedingt schwierig.
So eine Maschine kostete anfangs 85 Reichsmark (plus 4,60 Reichsmark für einen passenden Kasten). Dieses Exemplar ist vermutlich Ende der 40er-Jahre gebaut worden.

aus der Sammlung Veres

nach dem Öffnen: alles
voller Staubmäuseratten...

Lipsia
Addi 7
S.Nr. 30526

12,5 cm x 14,5 cm x 14,5 cm
2,1 kg
1930 - 1953
  • EW (mit EK) 7st.,
  • RW 7st.;
  • Minus-Taste,
  • Löschtaste für EW (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschkurbel für RW.
  • Eingabekontrolle durch Ausschnitte und Ziffernsegmente der Schieber.
2/1: Gehäuse gut erhalten, Sockel an einer Ecke angeschlagen, ein Griff nicht original; alles funktioniert einwandfrei.

Zentimeterhohe Staubmäuse (wirklich beeindruckend) aus dem Inneren entfernt.

Mäßige Kopie einer Originalanleitung vorhanden, Kurzanleitung geschrieben.

Der Mechaniker Jacob Otto Holzapfel arbeitete erst bei Brunsviga und Triumphator. 1914 machte er sich in Leipzig selbständig und bot unter der Marke „Lipsia“ eine eigene, sehr gut verarbeitete Sprossenradmaschine an. Ab 1927 baute Holzapfel auch Zahnsegment-Maschinen.
1953 wurde die Firma enteignet und dem „VEB Metallbau Leipzig“ einverleibt. Rechenmaschinen wurden dort dann nicht mehr gebaut, aber die Triumphator-Werke boten wenige Jahre später eine Maschine mit der Technik der Addi 7 als Triumphator KA an.

NCR 1652

Diese Kasse rechnet nur Tagessummen. Daher wird sie zwar meist nicht zu den Rechenmaschinen gezählt, doch sie hat einen Zehner­übertrag im Resultatwerk und kann dort addieren. Also ist sie definitionsgemäß eine „Einspezies-Maschine“, die halt bei jeder Addition zusätzlich klingelt und eine Schublade öffnet.
Die Mechanik der Kasse besteht im Kern aus vier Stellsegmenten, die per Hebel eingestellt werden. Erst beim Kurbeln werden sie auf die Zahnräder des Resultatwerks aufge­schwenkt und drehen dann diese Zahnräder (und die Ziffern­rädchen) je nach ihrer Voreinstellung weiter.
Diese Kasse fand mein Vater vor, als er 1972 ein Geschäft in Frankfurt übernahm. Einige Monate tat sie dort noch Dienst, dann kam eine elektrische Kasse und sie wanderte in den Keller.
Die Liste der NCR‑Seriennummern zeigt, dass die Kasse bereits 1949 gebaut wurde. Sie war also mindestens 22 Jahre im Einsatz, so lange hält heute keine mehr. Mit etwas Stempelfarbe, neuen Papierrollen (im ungebräuchlichen 4,4 cm‑Format) und ein wenig Öl funktioniert sie nun fast wieder wie am ersten Tag.

Nationale Registrierkassen GmbH Augsburg
N-1652-B
S.Nr. U 4502040

50 cm x 42 cm x 45,5 cm
26,2 kg
ca. 1930 - ?
  • EW+2 KW (Kassierer- und Kundenanzeige) 4st.,
  • RW 7st.,
  • Druckwerk doppelt (für Bon und Journal).
  • Bondruck abschaltbar,
  • Ablesung und Löschung des RW mit zwei Schlüsseln,
  • ein kleiner, nicht rückstellbarer Zähler für die Nullstellungen,
  • manuelle Datumseinstellung des Druckwerks.
4/2: Karosserie mit starken Gebrauchsspuren, die Marmorplatte über der Schublade fehlt. Schlüssel für Schublade und Druckwerk fehlen (werden zum Betrieb nicht benötigt), Rechen- und Speicherfunktion einwandfrei, Firmeneindruck im Bon („Reformhaus am Lokalbahnhof“) durch entfernte Andruckrolle stillgelegt.

Fehlende Andruckleiste für Journaldruck durch Gummiblock ersetzt, neue Farbe eingefüllt, Papierrollen umgespult.

Kurzanleitung geschrieben.

Die National Cash Register Company gibt es unter diesem Namen seit 1884. Durch aggressivstes Marketing und Aufkauf von Konkurrenten (teils mit Einschüchterung und hoher krimineller Energie, wegen unlauterer Geschäfts­praktiken wurden einige der Manager sogar zu Gefängnisstrafen verurteilt) erreichte die Firma schon 1910 95% Marktanteil in den USA. Auch in Deutschland hießen viele Kassen „National“, sie wurden ab 1896 in Berlin, ab 1945 in Augsburg hergestellt. Ab 1953 war NCR einer der Pioniere der EDV‑Entwicklung, doch 1997 zog sich NCR wieder aus dem Computergeschäft zurück. Kassen werden dort immer noch gebaut, sie sehen heute aber etwas anders aus.

Rheinmetall AE

Bei Rheinmetall wurden auch Addiermaschinen entwickelt. Das hier ist eines der einfacheren und ganz frühen Modelle der Reihe. Es kann noch nicht saldieren (= negative Ergebnisse korrekt drucken), aber es hat nun erstmals den Motor, der das Addieren schneller und leichter macht.
Die Anzeige des Resultatwerks (mit der im Prinzip sogar eine sehr, sehr umständliche Division möglich wird) und die echte Eingabekontrolle sind typisch für Rheinmetall. Andere Addiermaschinen haben meist nur einen Stellenzeiger.
Die Modellreihe bot motor- und handbetriebene Maschinen, darunter saldierende und/oder mit Breitwagen. Viele Sondereinrichtungen konnten eingebaut werden, z.B. Postenzähler, „1/2“-Symbol oder der Druck führender Nullen (wichtig für Kontenbücher).
Dieses Exemplar hat noch keine „Nichtrechentaste“ (die wäre z.B. für Datums- oder Belegnummern-­Druck nützlich) und keinen Abschalthebel für das Druckwerk. Das und die niedrige Seriennummer deuten auf das Baujahr 1931.
Das Gerät stammt aus einer ehemaligen Kleiderfabrik in Aschaffenburg. Der Enkel der Besitzer hat dort aufgeräumt und fand eine komplette Büroausstattung von damals, darunter auch mehrere elektrische Addiermaschinen und einen Facit-Vollautomaten. Er konnte sich noch erinnern, wie die Sekretärinnen darauf gerechnet haben - die Maschine muss also mindestens bis in die 60er-Jahre benutzt worden sein. Welches Gerät wird heute noch über 30 Jahre genutzt ...?

Spannungswähler am Motor:
Rheinmetall
AE
S.Nr. 5229

23 cm x 47,5 cm x 16 cm
9,9 kg
1931 - 1949
  • EW (mit EK) 10st.,
  • RW 10st.,
  • Druckwerk 10st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • Korrekturtaste.
  • Mit Anzeige und Ausdruck,
  • x-Taste für Erhalt der Eingabe (behelfsmäßige Multiplikation),
  • Zeilenvorschub einstellbar (0, 1, 2‑zeilig).
2/1: Karosserie mit einigen Kratzern vorne, ohne äußere Risse/Brüche, eine Taste nicht original; rechnet einwandfrei und sehr leichtgängig.

Völlig zerbröseltes, lebensgefährliches Netzkabel und fehlende Wiederholtaste ersetzt, ausgebrochene Hülse der Oberschale eingeklebt, viele Roststellen abgeschliffen bzw. poliert, Tastenfeld neu lackiert, Farbband erneuert.

Kurzanleitung geschrieben.

Walther RKZ

„RKZ“ ist die Bezeichnung der „Rechenmaschine mit EinstellKontrolle und Zehnerübertrag“. Um trotz dieser guten Ausstattung den Preis niedrig zu halten wurde die Kapazität reduziert, das genügte in vielen Bereichen. Ein Modell mit höherer Kapazität wurde als „RMKZ“ angeboten.
Die Schlittentasten vorne sind durch Daumentasten an der Kurbel ersetzt, damit wird die Einhand­bedienung möglich. Die Seriennummer und die ungewöhnliche quadratische Schlittenlösetaste weisen recht sicher auf das Baujahr 1949. Trotz der Lackierung in „Vorkriegs-Schwarz“ ist es also ein Nachkriegsexemplar, jedoch eines der ganz frühen aus westdeutscher Walther-Produktion.

Walther
RKZ
Seriennummer 52821

29 cm x 13,5 cm x 13,5 cm
3,8 kg
1931 - 1957
  • EW (mit EK) 6st.,
  • ZW 6st.,
  • RW 10st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Kurbeln für Löschung von RW und ZW, Löschklappe für das EW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW, (von Löschklappe auf neutral und dann bei erster Kurbeldrehung auf + bzw. - gestellt),
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Überschleuderungskorrektur (kl. Loch links neben der Einstellkontrolle)
  • Schlitten mit Federzug kann einfach nach rechts geschoben werden.
2/1: Gehäuse mit einigen Gebrauchsspuren; alles funktioniert leichtgängig.

Ein paar Kratzer und abgegriffene Stellen retuschiert, einige Zahlen neu eingelegt, blanke Metallteile poliert.

Kurzanleitung geschrieben.

Brunsviga 10

Die kleine Brunsviga 10 war mit ihrer beschränkten Stellenzahl und kleinsten Abmessungen eher als mobiler Rechner für die Arbeit außerhalb des Büros gedacht. Aber auch auf dem Schreibtisch hatten sie viele stehen, weil sie wirklich wenig Platz braucht und durch die feststehenden Einstellhebel und die schräg angesetzte Kurbel recht bedienerfreundlich ist. Kapazität und Ausstattung sind eher sparsam, aber immerhin hat sie sowohl Zehner­übertrag als auch Umschaltung zwischen roten und weißen Ziffern im Zählwerk.
Die Technik im Inneren des Modells ist für den Hersteller sehr ungewöhnlich. Es sind geteilte Staffelwalzen, und die „5er-“ und „1‑4er“-Walzen sitzen (anders als bei den Monroes und deren Nachbauten) auf zwei verschiedenen Achsen. Die Zahnräder des Resultatwerks werden also ggf. von zwei verschiedenen Stellen aus angetrieben.
Dieses Exemplar hat noch kein Staubschutz-Blech über der linken Schlittenseite. Es ist also eine der ganz frühen Maschinen des Modells. Aus der Seriennummer ergibt sich das Baujahr 1933, der damalige Neupreis betrug 275 Reichsmark (knapp eindreiviertel Monatslöhne).

mehr Infos beim
IFHB
Bedienung der B10 im
Youtube-Video
Brunsviga
10
S.Nr. 141578

23,5 cm x 18 cm x 9,5 cm
3,7 kg
1932 - 1952
  • EW (mit EK) 6st.,
  • ZW 5st.,
  • RW 10st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschkurbeln für ZW und RW,
  • Löschtaste für das EW.
  • Eingabekontrolle durch Ausschnitte und Ziffernsegmente der Schieber,
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • im ZW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW,
  • Schlitten nur per Griff nach rechts zu stellen, nach links nur mit den Tasten links und rechts,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel.
2/1: Viele kleine Kratzer, aber Lack insgesamt gut erhalten, alle Gummirollen aufgelöst und beide Schlittengriffe leicht gerissen; einwandfreie und leichtgängige Funktion.

Kurbelblock neu lackiert, Ziffern in den Deckblechen neu eingelegt, festgefressenen Zehner­übertrag im ZW gängig gemacht.

Anleitung im Netz gefunden.

Brunsviga 10

Auch zwei Jahrzehnte später konnte man das Modell noch kaufen. Die grüne Farbe dieses Exemplars zeigt schon, dass es nach dem Krieg hergestellt wurde, die Seriennummer ergibt das Baujahr 1950. Linke Schlittentaste und Löschtaste des Einstellwerks sind weggefallen, vermutlich wollte man so die Produktionskosten senken. Der Neupreis nach der Währungs­reform: 495 DM (auch wieder eindreiviertel Monatslöhne).

Die geteilten Staffelwalzen in Aktion
(MP4, 8 MB):
Brunsviga
10
S.Nr. 237715

23 cm x 17,5 cm x 9,5 cm
3,6 kg
1932 - 1952
  • EW (mit EK) 6st.,
  • ZW 5st.,
  • RW 10st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschkurbeln für ZW und RW.
  • Eingabekontrolle durch Ausschnitte und Ziffernsegmente der Schieber,
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • im ZW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW,
  • Schlitten nur per Griff nach rechts zu stellen, nach links nur per Taste,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel.
2/1: Lack durchgehend gut erhalten, eine der Gummirollen hat sich aufgelöst, Schlittengriff leicht gerissen; einwandfreie und leichtgängige Funktion.

Fehlenden Knopf eines Einstellhebels ersetzt, eine Delle im Deckblech ausgebeult, mehrere dadurch abgeschabte Ziffern eines Einstellrades nachgemalt.
Tip zum Zusammenbau: Die Einstellräder vor dem Zerlegen durchnummerieren und in korrekter Reihenfolge einbauen. Sie lenken die Einstell-Leisten verschieden weit aus!

Brunsviga D 13 Z/2

Bei Brunsviga wurden ab 1925 Doppelmaschinen gebaut. Für die beiden ersten Modelle, DMJR und Doppel-Nova, wurden zwei MJR bzw. Nova II nebeneinander montiert und über eine gemeinsame Kurbelwelle angetrieben. Zumindest bei der Doppel-Nova saß schon ein Wechselgetriebe zwischen den beiden Sprossenrad-Trommeln, so dass man links und rechts gleich- oder gegenläufig rechnen konnte.
Acht Jahre später erschien die erfolgreichere D 13 Z auf Basis zweier 13Z. Davon gab es Varianten mit einem oder (wie hier) zwei Zählwerken, seltener auch mit 18 statt 13 Stellen in den Resultatwerken. Von allen Varianten zusammen wurden knapp 4.000 Exemplare gebaut, davon aber nur 844 Z/2. Dieses Exemplar stammt aus dem letzten Baujahr 1947.
Das Nachfolgemodell D 13 R erschien erst 1954, bis dahin wurden noch D 13 Z angeboten. Der letzte Preis der Z/2: 1.870 DM (fast acht Monatslöhne).

mehr Infos im
Arithmeum
Brunsviga
D 13 Z/2
S.Nr. 213588

45,5 cm x 23 cm x 16,5 cm
15,4 kg
1934 - 1947
  • 2x EW (mit EK) 10st.,
  • 2x ZW 8st.,
  • 2x RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 1 Löschkurbel (li.ZW) und 4 Löschhebel (beide EW, li.RW, re.RW, re.ZW).
  • Zehnerübertrag auch in den ZW,
  • Schiebeblenden im ZW zeigen rote Ziffern, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufende Stellenzeiger in den ZW,
  • Ziffern der RW direkt einstellbar (mit Hebel, der das erleichtert),
  • Schalter für Drehrichtung des linken ZW (Zugknopf links),
  • Schalter zur optionalen gemeinsamen Löschung beider EW mit rechtem ZW.
2/1: Gehäuse sehr schön mit einigen kleinen Retuschen, ein Löschhebel nicht original; leichter Lauf von Kurbel und Einstellschiebern.

Fehlenden Löschhebel nachgebaut, drei Dellen ausgebeult, verbogenen Hebel vorne links begradigt, alle blanken Metallteile poliert, Schrift in den Schlittenvorderseiten und einige Ziffern im rechten EW neu eingelegt, etwas beilackiert.

Brunsviga 20

Die Brunsviga 20 wurde fast 30 Jahre lang gebaut. In den 30er-Jahren war es eine der am weitesten entwickelten Sprossenrad-Maschinen, bis zum Ende der Brunsviga-Produktion blieb das Modell fast unverändert. Es hat eine sehr hohe Kapazität und viele Extras, die die Bedienung vereinfachen oder besondere Rechnungen möglich machen. Dividenden z.B. können im Resultatwerk direkt eingestellt werden, seine Teillöschung ermöglicht es, den linken Teil auch als Speicher zu benutzen.
Die Serien­nummer datiert dieses Exemplar auf 1949. Listenpreis damals: 1.055 DM (etwa vier Monatslöhne). Vorbesitzer war ein bekannter Turnvereins-Vorsitzender und Lehrer aus Idstein.

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Brunsviga
20
S.Nr. 230471

41 cm x 22,5 cm x 17,5 cm
12,5 kg
1934 - 1963
  • EW (mit EK) 12st.,
  • ZW 11st.,
  • RW 20st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel und ein Gesamtlöschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 14 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW,
  • Rückübertragung vom RW ins EW (Eingabelöschhebel dazu weiter durchziehen),
  • Ziffern im RW direkt einstellbar (mit Hebel, der das erleichtert),
  • linke Hälfte des RWs kann vor Löschung geschützt werden.
2/1: Nullen und einige andere Ziffern des Kontrollwerks deutlich ausgebleicht, einige größere Stoßstellen am Gehäuse und eines der Gummirädchen am RW ist sehr spröde. Keinerlei Rost und keine Ölverharzungen, die Probleme machen könnten (das ist das häufigste Problem dieser Geräte), daher immer noch beeindruckend leichter Lauf der Kurbel und aller Einstellschieber.

Sprödes Gummirädchen an Stelle 1 versetzt.

Von Herrn Weiss (Mechrech.de - ein ganz großes DANKE!); eine Anleitung (sogar mit Beispielen zur Lösung quadratischer Gleichungen) als PDF erhalten.

Auch diese Maschine stammt vom Büromaschinen-Händler Berg, der sich hier mit einem aufwendigen Metallschildchen verewigt hat. Die Firma, damals in bester Frankfurter Lage am Mainufer (heute ist links das Architekturmuseum, rechts das Museum für Kommunikation), gibt es auch nicht mehr.

ГЗСМ КСМ-1 (GZSM KSM-1) - nur scheinbar eine „Monroe“

Unabhängig von Odhner erfand Frank S.Baldwin ein Sprossenrad. Erfolgreich war er aber erst mit dieser, später oft kopierten Bauart, die bei Monroe zur Serienreife gebracht wurde. Durch Tastenein­gabe und optionale Löschung der Eingabe nach der Kurbel­drehung ist sie für alle Grundrechenarten bestens geeignet, die in beide Richtungen drehbare Kurbel erspart einen Umschalter und die zweige­teilten Staffelwalzen (die hier eher „Stiftscheiben“ als Walzen sind) sorgen für kurze Schaltwege.
Das geniale Prinzip: Nicht die abgreifenden Zahnrädchen, sondern die Staffel­walzen werden hier entlang einer Vierkant-Achse bewegt. Und das pro Stelle gleich zwei Mal, denn für jede gibt es eine „Walze“ mit fünf Stiften (die kennt zwei Positionen und dreht das zugehörige Zahnrad entweder gar nicht oder fünf Zähne weiter) und eine weitere mit vier unterschiedlich langen Stiften (die in ihren fünf verschiedenen Positionen das Zahnrad null bis vier Zähne weiter drehen kann). So werden alle Ziffern von 0 bis 9 „erzeugt“ (das klingt erstmal kompliziert - deshalb hier ein Schema dazu ).
Die Maschine hielt ich anfangs für eine „Monroe“. Deren K-Serie gab es mit 12, 16 oder 20 Stellen im Resultatwerk, anfangs als handbetriebene „K“ oder motorbetriebene „KA“ mit automatischer Division. Später kamen die „KAA“s mit Wahltasten für halbautomatische Multiplikation dazu. Dass dieses Exemplar mal einen Motor hatte sieht man: Mit einem aufgenieteten Blech wurde auf der linken Seite hinten nachträglich eine große Öffnung verschlossen. Rechts neben den Tasten sind zwei Schlitze, da fehlen offenbar Plus- und Minustaste. Vor allem aber finden sich innen Reste einer Mechanik, die nur mit Motor Sinn macht. Der Umbau zur Handmaschine geschah wohl in den frühen 50er-Jahren (daher das Überpinseln mit dem damals „modernen“ Grün).
Vor den Anzeigen sind hier Glasfenster und das Zählwerk hat Zehnerübertrag - bei Monroe war beides Sonderausstattung. Die Maschine hat nur Stop-Division, auch das entspricht einer der frühen „KA“s. Und das Machine Service Bulletin #24 von Monroe aus dem Jahr 1925 bildet die hier eingebaute Mechanik sehr genau ab - also scheinbar alles klar?
Doch zwei Dinge passen gar nicht: Die Maschinen der Monroe K-Serie haben zwei Tasten für das Ein- und Ausschalten des Additions­modus - hier gibt es nur eine, die ein- und ausrastet. Und im ganzen Gerät ist als einzige Nummer eine „150“ zu finden. Das muss die Seriennummer sein, doch für die K-Serie ist die viel zu niedrig (die fing mit 60.000 an).
Erste Vermutung war, dass es sich um ein Versuchs- oder Vorserienmodell von Monroe handeln könnte. Weitere Recherche führte dann aber zur Seite des Moskauer Polytechnik-Museums und zu dieser Maschine des Moskauer Rechenmaschinenwerks - Rätsel gelöst!
Das erklärt auch die kyrillischen Bleistift-Notizen im Inneren, von denen ich erst annahm, sie seien beim Umbau entstanden (es handelt sich um eine Anmerkung und die Signaturen zweier Monteure oder Inspektoren - V.Shilov und T.Leipälä haben sie für mich übersetzt). Und die Null-Knöpfe aus Holz, die ich für notdürftigen Ersatz beim Umbau hielt (vorher abgegriffen, nun schwarz-rot) sind wohl deutlich älter, vielleicht sogar original.
Herr Leipälä machte mich auch darauf aufmerksam, dass der häufig benutzte Begriff „Raubkopie“ hier nicht zutrifft. Sowjetische Fabriken haben damals oft ausrangierte Produktionsanlagen aus dem Westen gekauft und das dürfte auch hier der Fall gewesen sein. Zeitlich passt es: Die K-Serie wurde bis etwa 1930 gebaut, danach können einige der bei Monroe über­flüssigen Maschinen und Formen durchaus nach Moskau gelangt sein. Er konnte mir auch mitteilen, was „KSM“ heißt: Клавишная счетная машина, zu deutsch „Tastatur-Rechenmaschine“.
Was eine KSM-1 neu kostete weiß ich nicht. Die entsprechende Monroe KA-162 jedenfalls hat einige Jahre zuvor in dieser Ausstattung 475 $ gekostet (also etwa 2.000 RM, ungefähr 13,5 Monatslöhne!).
Dieses Exemplar ist möglicherweise als Kriegsbeute nach Deutschland gekommen. Der Inhaber eines Fliesen- und Baugeschäfts hat es in den 50er-Jahren bei einem Bürohändler in Augsburg als Gebraucht­gerät gekauft und darauf jahrelang seine gesamte Buchhaltung erledigt. Zuletzt hatte sein Sohn sie 35 Jahre als Deko im Büro. Ich bin sehr dankbar, dass er dadurch dieses extrem seltene Stück Technikgeschichte bewahrt hat.

vorher so:
die minimalistischen „Staffelwalzen“:
Bilder der Renovierung:
  
  
  
  
государственный завод счетных мажин именной товарищ дзержинского Москва
КСМ-1
S.Nr. 150

46 cm x 40 cm x 19,5 cm
10,1 kg
1935 - ca.1940
  • EW 8st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 16st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für RW und ZW (je nach Drehrichtung).
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 10 Stellen,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Zählerknopf (schützt ggf. die 1 ganz links vor Löschung = weiterer Zähler im RW).
  • einrastende Taste für Additionsmodus,
  • Stopdivision,
  • Hebel zur Dämpfung der Glocke.
1/2: Nach Komplettrestaurierung wieder wunderschön; noch fehlt der innere Hebel, der den Schlitten beim Löschen anhebt, funktioniert ansonsten einwandfrei.

Ausgehängte Hebelchen der Tastatur­sperre eingehängt, Delle/Riss in einem Ziffernrad repariert, ein etwas verbogenes Hebelchen und die vier stark verbogenen Gehäuseträger gerichtet, fehlende Feder der Drehrichtungs­sperre neu aufgebaut, Knick in der Schlittenstange begradigt, stark verbogene Schlitten­transportgabel gerichtet und justiert, zwei fehlende bzw. unpassende Tasten, übergroßen Schlitten­griff, Füße, Federn zweier Kommaschieber und fehlendes Kommaleisten-Rädchen ersetzt, losen Zählerknopf repariert, Null­tasten, Kurbelgriff, Kommaleisten und alle Gehäusebleche ent- und neu lackiert, Tastatur entrostet, 79 Schraubenköpfe vom Lack befreit, blanke Metallteile poliert, einige Ziffern aufgefrischt, viele Stellen justiert, entgratet oder nachgefeilt.

Staubschutzhaube schneidern lassen, Kurzanleitung geschrieben.

ALFA C

Druckende Addiermaschinen in der Art der Burroughs wurden zuerst in den USA erfolgreich. Sie erwiesen sich aber bald auch in europäischen Büros als wichtige Werkzeuge und so wurden auch diesseits des Atlantiks Maschinen dieses Typs entwickelt. Guiseppe Inzadi konstruierte diese Maschine, die ab 1935 in Mailand gebaut wurde. Das Modell C ist recht gut ausgestattet mit Nichtrechen-, Wiederholungs- und Subtraktions­tasten, kann aber noch nicht saldieren.
Es gab auch ALFA-Modelle ohne Subtraktion, mit zusätzlicher Summenanzeige vor der Tastatur, ohne Druckwerk (nur mit Summenanzeige) oder saldierend (diese auch mit Motor).
Die schön gestaltete Firmenbezeichnung auf der Rückseite grenzt das Baujahr dieser Maschine ein auf die Jahre 1943 bis 1947. Dass Sozzi noch genannt wird (und das Herkunftslabel die ganze Adriaküste zu Italien zählt!) lässt eher ein Baujahr vor 1945 vermuten.Verkauft oder gewartet wurde es von einer Firma in Berlin-Friedenau.

aus der Sammlung Kohl
ALFA
C
S.Nr. S109606

28 cm x 39,5 cm x 23,5 cm
11,1 kg
1935 - ca. 1947 (versch. Hersteller)
  • EW 10st.,
  • RW 10st.,
  • Druckwerk 10st. (+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • Löschtaste für Tastatur und Funktionen.
  • Leerzug vor Summendruck nötig (sonst fehlen die Zehnerüberträge!),
  • keine Anzeige, nur Ausdruck,
  • R-Taste für behelfsmäßige Multiplikation,
  • Nichtrechentaste.
1/1: Nur kleine Gebrauchsspuren, Bakelithaube ohne Lack; funktioniert einwandfrei.

Durch verbogenes Gestänge blockierte Stelle gängig gemacht, verbogene und funktionslose Zifferntaste gerichtet, Lackreste der stark abgestoßenen Bakelithaube entfernt, die meisten Tasten neu eingelegt, einige Schrauben ersetzt, Farbband erneuert.

Kurzanleitung geschrieben.

Angelo Sozzi und Guiseppe Inzadi gründeten 1935 in Mailand ihre Firma zum Bau der von Inzadi konstruierten Maschine. Aus unbekanntem Grund trennten sie sich 1938, Officine Serio in Crema übernahm nun die Produktion der ALFA (Inzadi gründete die neue Firma „GIM“, die andere Rechenmaschinen entwickelte und produzierte). 1942 änderte sich wieder der Hersteller der ALFA: Das wurde nun „Sozzi di Aldo Bona“, später nur „Aldo Bona“ (Serio verlegte sich auf die Tasten-Sprossenradmaschine der Marke „Everest“).

Mercedes-Euklid 29

Diese Proportionalhebel-Maschine ist ungefähr ein Jahrzehnt jünger als die Euklid 4. Das Stahlblech ist dünner bzw. durch Leichtmetall ersetzt, ihr Gewicht um ein Drittel verringert. Technik und Design sind erheblich moderner: Sie hat flache, bequemere Glastasten, einen nach hinten verlegten Schlitten und die automatische Division.
Unten gibt's einige Bilder und einen kurzen Film, der den Proportionalhebel und die Zahnstangen in Aktion zeigt.
Diese Maschine wurde wahrscheinlich in der Buchhaltung von Radio Mende (zeitweise der größte Radiohersteller Deutschlands, später VEB Funkwerk Dresden) benutzt. So ganz sicher ist das nicht, der Vor-Vorbesitzer, aus dessen Nachlass die Maschine stammt, hat jedoch dort gearbeitet. Die Seriennummer ist die früheste der im Rechnerlexikon bekannten, das Baujahr dürfte etwa 1937 sein. Produziert wurde das Modell bis in die DDR‑Zeit hinein unter dem Namen Mercedes R 29.

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Zahnrädchen auf 
Zahnstange 7,
8,
9:

Proportionalhebel bewegt
Zahnstangen (MP4, 2 MB):
Mercedes-Euklid
29
S.Nr. 28005

38 cm x 32 cm x 19 cm
12,9 kg
1935 - 1952
  • EW 9st.,
  • ZW 6st.,
  • RW 12st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für EW, 2 Löschhebel für ZW und RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im RW,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Schlittenvorlauf nur durch Schieben per Hand, Rücklauf (mit Federkraft) per Taste,
  • automatische Division,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
2/2: Einige Stoßstellen und kleine, teils retuschierte Lackschäden an entrosteten Stellen, die meisten Tasten und Hebel sind noch original erhalten. Einwandfreie Funktion, nur die Tastenreihe ganz links (ursprünglich die mittlere) hat innen ausgebrochene Metallzungen, die vor langer Zeit notdürftig repariert wurden und ist daher nicht mehr allzu belastbar.

Fehlende Löschhebelgriffe und Halteschrauben der Schlittenabdeckung ersetzt, unleserliche Tastenbeschriftung komplett erneuert, einige kleine Rostansätze entfernt.

Kurzanleitung aus einer Mercedes-Werbung und eine Anleitung für die R 29 im Netz gefunden.

Friden H8

Friden wollte eigentlich nur elektrisch angetriebene Rechenmaschinen bauen. Vor allem die US‑Armee wünschte sich aber Maschinen, die auch ohne Strom funktionierten. Also wurden auch kleine Mengen (ca. 10.000) der H8 und ihrer „großen Schwester“ H10 gebaut. Die H8 ähnelt auf den ersten Blick den „Monroes“, ist aber deutlich komplexer aufgebaut mit vier Doppel-Staffelwalzen für die acht Stellen und einer Mechanik für die automatische Division. Sie hat auch einen Zehner­übertrag im Zählwerk.
Die Seriennummer dieser Maschine deutet auf das Baujahr 1949. Sie war in einem Bergwerk in Ensdorf (Saarland) im Einsatz, ein Mitarbeiter nahm sie nach ihrer Außerdienst­stellung mit nach Hause und bewahrte sie so vor der Verschrottung. Der damalige Preis der Maschine ist mir leider nicht bekannt. Ihre relative Seltenheit, der große Funktionsumfang und die damals hohen US‑amerikanischen Löhne sind Indizien dafür, dass sie damals wohl recht teuer war. Aber das war hier kein Problem: Das Bergwerk war Staatsbetrieb.

Friden
H8
S.Nr. 55694

42,5 cm x 36 cm x 23 cm
12,9 kg
1935 (als CH) - 1954
  • EW 8st.,
  • ZW 9st.,
  • RW 17st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschschieber (koppelbar) und Löschtaste
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 11 Stellen,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • die meisten Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • automatische Division,
  • daher keine Überlaufglocke.
1/1: extrem wenige Gebrauchsspuren, einwandfreie Funktion.

Die Maschine war völlig verharzt und blockiert, viel WD40 und anschließendes Benzinbad haben das behoben. Einen fehlenden Wirtel im RW ersetzt, leicht abgestoßene Schlittenkurbel neu lackiert.

Kurzanleitung geschrieben.

Den schwedischen Ingenieur Carl Mauritz Friden verschlug es im 1. Weltkrieg in die USA. Dort brachte er es bis zum Chefkonstrukteur von Marchant, gründete aber 1934 seine eigene Firma. Da die Patente auf seine früheren Konstruktionen Marchant gehörten musste er nun andere Lösungen erfinden. Das gelang offenbar und die Friden Co. wurde mit ihren komplexen elektromechanischen Vollautomaten sehr erfolgreich. 1945 starb Friden, aber die Firma produzierte noch zwei weitere Jahrzehnte Rechenmaschinen (insgesamt über 3 Millionen Stück). 1963 brachte sie mit dem Friden 130 noch den ersten volltransistorierten Elektronenrechner auf den Markt. Es gelang der Firma jedoch nicht, beim Konkurrenzkampf um niedrigere Preise, kleinere Gehäuse und mehr Funktionen mitzuhalten. Schon 1965 kaufte der Nähmaschinen-Hersteller Singer die Reste der Firma auf und bis 1974 wurden (teils von Hitachi gebaute) Rechner unter der Marke Friden verkauft. Heute baut Singer wieder hauptsächlich Nähmaschinen und gehört einer „Heuschrecke“ auf den Bahamas, die Marke Friden ist komplett erloschen.

Brunsviga A 58

Das ist eine der eher einfacheren Addiermaschinen: Mit ihr kann man gut addieren und subtrahieren, aber nur behelfsmäßig multiplizieren. Das Schalt­prinzip sind hier Zahnstangen, wie meist bei diesem Gerätetyp. Eine Zehnertastatur hat sie noch nicht, jede Stelle hat ihre eigene Tastenreihe: Je nachdem welche Taste jeweils gedrückt wird, werden die Zahnstangen verschieden weit gestellt, bei jedem Hebelzug greifen sie dann ins Resultatwerk und stellen dort die Ziffern weiter.
Die Brunsviga A 58 heißt anders als ihre „Vettern“ mit dem „AS“ im Namen so, weil sie nur addiert, aber nicht saldiert (Ergebnisse unter Null korrekt anzeigt). Im Internet findet sich fast nichts über dieses Modell, außer einer alten Verkaufsanzeige eines Auktionshauses in Saragossa. In den einschlägigen Listen ist für diese Seriennummer das Baujahr 1950 angegeben und auch die Lackierung weist dieses Exemplar als Nachkriegsgerät aus. Eigentlich kaum zu glauben, dass so spät noch Addiermaschinen mit Volltastatur gebaut wurden.

Brunsviga
A 58
S.Nr. 7767

32 cm x 26 cm x 20 cm
8,2 kg
1936 - ca. 1950
  • EW 7st.,
  • RW 8st.,
  • Druckwerk 8st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck,
  • keine Korrekturtaste, fehlerhafte Tastendrücke werden durch vorsichtiges Drücken der Zwischensummen- oder Summentaste korrigiert,
  • R-Taste für Weiterverwendung der eingetippten Zahl.
2/2: Einige Gebrauchsspuren; einwandfreie Funktion, aber die Typen 3 und 4 der „1 Mark“‑Stelle sind etwas zu locker und wollen vorsichtig behandelt sein.
Mit Schutzhaube, Kurzanleitung geschrieben.

Facit TK (1938)

Die Tasteneingabe macht diesen Maschinentyp nun auch für reine Additionsaufgaben geeignet. Weil nun statt eines Schlittens die kurze Trommel mit den Sprossenrädern nach links und rechts läuft kann auch das Gehäuse geschlossen bleiben, das verbessert Staub­schutz und Geräuschdämmung.
Die zur Division benötigte „nach links“-Funktion war bei den ersten Modellen („Facit T“) noch etwas umständlich. Bei der TK wurde das verbessert, so dass die Rechenstellen von Zähl- und Resultatwerk beim Drücken der Divisionstaste nun (trotz unterschiedlicher Stellenzahl) in beiden Werken ganz nach links laufen können. Bis zu den letzten Modellen der Reihe blieb diese ausgereifte Mechanik unverändert, die Modellreihe wurde außerdem zur Grundlage vieler motorisierter Maschinen bis hin zu elektrischen Vollautomaten.
Die TK wurde von 1936 bis 1954 in Schweden gebaut, alle diese TKs haben eine schwarz-rote Tastatur. Von 1936 bis in den Krieg gab es aber auch eine Lizenzproduktion bei Hans Sabielny in Dresden, dort waren die Tasten meist schwarz-weiß.
Das Exemplar hier stammt aus der deutschen Produktion, es wurde vermutlich 1938 gebaut. Seine letzte Verwendung fand es bis in die 80er-Jahre bei der „Gärtnerischen Produktions­genossenschaft Alpina“, dem Vorläufer der heutigen Alpina AG.

mehr Infos zu den Facit-Modellen bei
H.Schmid
Facit
TK
S.Nr. 3862

30 cm x 19 cm x 14,5 cm
6,1 kg
1936 - 1954
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Anzeige für Drehsinn im ZW (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich),
  • mitlaufende Stellenzeiger in ZW und RW.
2/1: Nur die Vorder‑/Oberseite konnte im Original erhalten werden, Rück- und Seitenwände waren zu stark verrostet und sind neu lackiert; alles funktioniert wieder einwandfrei.

Alle blanken Metallteile und Schrauben entrostet und poliert, einige Ziffern ausgebessert, alle grüne Blenden neu lackiert, trüb gewordenes unteres Fenster ersetzt, Rück- und Seitenwände komplett abgeschliffen, grundiert, lackiert. Erst nach dem Zusammen­bau den fehlenden Zehnerübertrag einer Stelle im ZW (nur in einer Trommelstellung und nur bei der Subtraktion!) entdeckt: Alles wieder ausgebaut, ein 1 mm zu kurzes/abgebrochenes Übertragshebelchen durch Auflöten verlängert und zurechtgefeilt, alles noch mal zusammengebaut.

Englische Anleitung als PDF vorhanden

Facit TK (1953)

Dem „A“ vor der Seriennummer nach stammt diese TK aus dem Facit-Zweigwerk in Düsseldorf, das Hans Sabielny Anfang der 50er-Jahre gründete. Allerdings steht gleich zwei Mal „Made in Sweden“ drauf. Es ist also eine Maschine aus der Übergangs­zeit, in der die Teile (oder ganze Maschinen?) noch in Schweden gebaut, dann aber für Endmontage und Verkauf nach Deutschland geliefert wurden; das Baujahr ist 1953.
Technisch gibt es überhaupt keinen Unterschied zur anderen TK, nur die Lackierung ist ab 1943 ein grüner Kräusellack. Auch bei den beiden Nachfolgemodellen (NTK und C 1‑13) gibt es technisch keine Weiterentwicklung, nur immer mal wieder modernere Gehäuse.

Facit
TK
S.Nr. A-100509

30 cm x 19 cm x 14,5 cm
6,4 kg
1936 - 1954
1/1: Gehäuse, Tasten und Metalloberflächen sehr gut erhalten; funktioniert wie am ersten Tag.

Metallteile poliert, trüb gewordene Scheiben über den Werken ausgetauscht.

Unter der Marke „Facit“ verkaufte Alex Wibel aus Stockholm ab 1918 Rechenmaschinen vom Odhner-Typ. 1924 (andere Quellen sagen 1922) kaufte die AB Atvidaberg Industrier aus der Ortschaft gleichen Namens die Firma auf. Facit wurde im nächsten halben Jahrhundert zu einer der bedeutensten Marken für Büromaschinen. Schon 1932 wurden die ersten Sprossenrad-Maschinen mit Zehner-Tastatur gebaut. Im Lauf der Zeit kaufte man weitere schwedische Hersteller wie z.B. Odhner, Halda (Schreibmaschinen) oder Addo und erweiterte die Produktpalette um weitere Büromaschinen und Möbel. 1965 wurde der Marken- zum Firmennamen, die Umsätze und Profite wuchsen bis 1970 stetig weiter.
Der große Erfolg der mechanischen Rechner ließ Facit dann aber den Trend zur Elektronik verschlafen - und das, obwohl Facit um 1960 herum sogar eine eigene Mainframe-Produktion (zeitweise mit schnellstem Computer der Welt) hatte. Von einem Facit-Manager der 60er-Jahre stammt die verhängnisvolle Aussage „Nie wird eine elektronische Rechenmaschine die hochwertigen mechanischen Rechenmaschinen von Facit ersetzen können“. Erst 1968 erkannte man die Gefahr und versuchte, in der neu gebauten Fabrik in Örsätter einen „echten schwedischen“ Elektronen­rechner zu bauen. Doch gegen die starke japanische Konkurrenz konnte man da angesichts schwedischer und japanischer Löhne nur verlieren.
So geschah, was geschehen musste: 1973 wurde der Bau elektromechanischer Rechen­maschinen eingestellt und die ins Trudeln geratene Firma dem Elektrolux-Konzern einverleibt. Auch der Verkauf elektronischer Rechner von Hayakawa(Sharp) unter eigenem Namen rettete die Firma nicht mehr. Ca. 1977 wurden auch die letzten handbetriebenen Maschinen gebaut, 1998 erlosch die Marke in Europa. Rechtsnachfolger war PartnerTech AB, die wurden 2015 an Scanfil plc verkauft.
In Indien gab es bis ca. 2019 noch die Facit Asia Ltd, die weiterhin Facit-Schreibmaschinen herstellte. Seit kurzem heißt sie FAL Industries Ltd. - nur das F ist von der Marke übrig geblieben.

Resulta BS 7

Die Resulta ist (zumindest für die Addition) viel komfortabler zu bedienen als ein Zahlenschieber, aber noch deutlich preisgünstiger zu produzieren als eine „richtige“ Addiermaschine (gestanztes Blech, einfache Mechanik). Der passable Preis (86 DM) und wenig Platzbedarf haben in den 50er-Jahren für weite Verbreitung gesorgt.
Die Resulta BS 7 (B =mit Einstellkontrollwerk, S =mit Subtraktion, 7 =Stellenzahl) gab es ab 1936 in mehreren Varianten mit immer neuen kleinen Verbesserungen, diese Version wurde von Ende 1951 bis 1954 gebaut. An allen Resultas wurde unten im Sockel das Herstellungsdatum mit der Hand eingekratzt: Hier steht 153g, also ist das Gerät vom Januar 1953 (das „g“ steht für den Mitarbeiter, der die Endkontrolle gemacht hat).
Dieses Gerät erfüllt gerade so die Definition von „Maschine“, auf die man sich bei Rechengeräten geeinigt hat: Es hat einen Zehner­übertrag in mindestens einem der Rechenwerke und beim Betrieb gibt es Teile, die nicht direkt per Hand (sondern per Kraftübertragung von anderen Teilen) bewegt werden. Die Einstellsegmente greifen beim Herunterziehen in Zahnscheiben, dadurch werden die Ziffern ins Rechenwerk übertragen. Ganz ideal ist die Bedienung in dieser Modellgeneration noch nicht: Für Subtraktionen muss ein Hebel umgestellt werden, um dann das Ergebnis abzulesen muss man diesen Hebel erst wieder zurück stellen. Spätere Modelle lösten das Problem mittels Klappblende.

mehr Infos zu allen Resultas bei
W.Blümich
Resulta
BS 7

12 cm x 15,5 cm x 11 cm
1,4 kg
1936 - 1961
  • EW (mit EK) 7st.,
  • RW 7st.;
  • Umschalter Addition/Subtraktion
  • Löschtaste für EW,
  • Löschkurbel für RW.
  • nur mit Stift oder Griffel zu bedienen,
  • Löschtaste des EWs kann fixiert werden (dann keine Einstellkontrolle).
2/1: Durch die Griffel recht viele Kratzer unter dem Eingabefeld, zwei kleine Dellen im Deckblech, der schwarze Schrumpflack des Gehäuses wirkt dagegen fast neu. Alle Funktionen gehen leicht und fehlerfrei (der Zehner­übertrag über 6 Stellen ist schwierig, klappt aber).
Anleitung im Netz gefunden.

Hersteller war die 1911 gegründete „Maschinen- und Werkzeugfabrik Paul Brüning“ in Berlin. Resulta-Kleinaddiermaschinen wurden (anfangs noch unter dem Namen „Minerva“) von 1927 bis 1969 gebaut, zuerst im Wedding, dann in Reinickendorf. Nach 1969 wurden noch bis 1984 Formteile für die Elektroindustrie hergestellt, danach verliert sich die Spur der Firma.

Aristo 89

Dieser Rechenstab von 1950 ist mit knapp 16 cm winzig klein und war ein Werbegeschenk, mit dem man einen gestandenen Ingenieur eventuell beleidigt hätte. Die großen, teils bis 50 cm langen Stäbe waren viel genauer abzulesen und hatten Platz für zusätzliche Skalen.

Ein Artikel über Rechenschieber aus
Spektrum der Wissenschaft
Aristo
Nr. 89
Datumscode 5020

15,5 cm x 3,5 cm x 0,5 cm
20 g
1936 - 1977
  • Skalen: K A (B CI C) D L; hinten: (S ST T) d.h.: Kubik, Quadrat (2x), Kehrwert, Grundskala (2x), log; hinten: sin (auch cos), sin kleiner Winkel, tan (auch cot),
  • Lineal für cm und inch.
  • Der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war,
  • Sondermarkierungen auf Skala C: π, 1,13+3,57 (C+C1, f. Zylindervolumen); 3438+206255 (ρ'+ρ'', o.Bez., f. sin und tan sehr kleiner Winkel) (Quelle),
  • unter der Zunge Aufdruck: „WILHELM FISSENEWERT GÜTERSLOH Gelenkketten - Kettengetriebe“.
2/1: Kaum Gebrauchsspuren, einwandfreie Funktion.
Mit Etui, allgemeine Anleitung für Rechenstäbe im Netz gefunden und auf die Skalen dieses Gerätes angepasst.

Dennert & Pape in Hamburg war einer der großen deutschen Hersteller von Rechenschiebern, diese wurden unter der Marke „Aristo“ verkauft. Mitte der 70er-Jahre verdrängten die elektronischen Geräte sehr schnell die Rechenschieber. Dennert & Pape versuchte noch, durch selbst gebaute und zugekaufte Taschenrechner im Geschäft zu bleiben, doch die Konkurrenz aus Fernost war übermächtig: 1978 endete die Produktion beider Produktlinien, das Unternehmen wurde von Rotring aufgekauft und baut heute unter der Marke Aristo digitale Cutter und Zubehör. Die Filiale in Österreich wurde 2003 als GEOtec selbständig und liefert Zeichenhilfsmittel und Schulbedarf wie z.B. das berühmte Geo-Dreieck.

Archimedes H

Diese eher einfache Staffelwalzen-Maschine war damals das Einstiegsmodell des Herstellers. Sie hat immerhin Zehner­übertrag im Zählwerk, optionalen Additionsmodus und einen Gleitschlitten, der zum Versetzen und Löschen nicht angehoben werden muss. Im gleichen Gehäuse gab es auch das Modell HD, das die automatische Division kann und das elektrisch angetriebene Modell HE (ebenfalls mit automatischer Division).
Der Hersteller lieferte seine Maschinen offenbar ohne Bodenplatten aus, viele Kunden rüsteten die dann selbst nach. Dieses Exemplar muss in einem Industrie- oder Bergbaubetrieb im Einsatz gewesen sein: Als Bodenplatte wurde ein Schild aus Kunststoff grob zugeschnitten und eingesetzt.

Die Innenseite
der Bodenplatte:

Archimedes
H
S.Nr. A3059

32 cm x 36 cm x 22 cm
9,7 kg
1937 - 1940
  • EW (mit EK) 7st.,
  • ZW 6st.,
  • RW 11st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für das EW,
  • 2 Schieber zur Löschung von ZW bzw. RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 9 Stellen,
  • 2 Schalter für Drehrichtung von ZW(rot) bzw. RW(schwarz),
  • Ziffern im RW direkt einstellbar (...soweit die Wirtel dran sind),
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
2/2: einige Stoßstellen nur retuschiert; alle Funktionen gehen leichtgängig, doch 3 Wirtel im RW und alle Kommaschieber-Leisten fehlen.

Tasten teils neu eingelegt und nachjustiert, Schlitten neu lackiert.

Kurzanleitung geschrieben.

Glashütte im Erzgebirge war bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Zentrum der feinmechanischen Industrie. Dort entstand auch die erste deutsche Serienfertigung von Rechenmaschinen. 1890 gründete Constantin Fischer dort eine Werkstatt für Präzisionsuhren und andere feinmechanische Geräte, zehn Jahre später gehörte diese Werkstatt Reinhold Pöthig, der bald mit der Entwicklung von Rechenmaschinen begann. Ab 1912 nannte sich die Firma „Glashütter Rechenmaschinenfabrik Archimedes, Reinhold Pöthig“. Hans Sabielny, der in Dresden selbst Rechenmaschinen baute, über­nahm 1920 den Vertrieb aller Archimedes-Maschinen in Deutschland, später dann weltweit (dafür steht das große „S“ am Ende der Marke). Er hat sicher mit seinem Vertriebstalent zum Erfolg der Marke beigetragen.
1951 wurde Archimedes „VEB“. Bis 1960 wurden mechanische Rechenmaschinen gebaut, danach nur noch elektronische Geräte bzw. Komponenten, was zur Namensänderung in „VEB Rechenelektronik Glashütte“ führte. Später wurde die Firma Teil des Robotron-Kombinats und ging mit diesem unter, als die DDR‑Betriebe veruntreuhandet wurden.

Faber-Castell Addiator 1/87A

Dieser Rechenstab von 1940 trägt auf der Rückseite eine Besonderheit: Da man mit dem Rechenschieber (‑stab/‑scheibe) nicht addieren und subtrahieren kann, wurde hier auf der Rückseite ein Addiator (das Modell Universal) eingebaut. Damit sind alle vier Grundrechenarten durchführbar. Der Addiator kann außerdem auch zum Notieren von Zwischen­ergebnissen genutzt werden.
Die Idee für solche Kombinationen stammt von der Firma Addiator, dort wurden sie anfangs auch montiert. Spätere Ausführungen entstanden dann noch bis 1972 bei Faber-Castell.
Unter dem Infolink zum Rechnerlexikon gibt es ausführliche Infos, zu den Zahlenschiebern steht mehr vor dem Record LM.
Dieses Exemplar wurde den Vorbesitzern von einem Schmied geschenkt. Es ist wahrscheinlich, dass dieser den Rechenstab tatsächlich noch genutzt hat.

mehr Infos im
Faber-Castell
1/87A Addiator


30 cm x 4,5 cm x 1,5 cm
170 g
1937 - 1955
  • Alle Grundrechenarten ausführbar (sogar Subtraktion unter Null!),
  • Skalen: K A (B CI C) D L; hinten: (S ST T) d.h.: Kubik, Quadrat (2x), Kehrwert, Grundskala (2x), log; hinten: sin (auch cos), sin kleiner Winkel, tan (auch cot),
  • Eingabe im Addiator über 6 Schieber,
  • Löschbügel für den Addiator,
  • Lineal für cm und inch.
  • Auf der Rückseite Tabellen: Baustoff- und Metallgewichte, elektrische Widerstände, wichtige Umrechnungen,
  • Sondermarkierungen: auf Skala A/B π, 1/π (M, f. Zylinderwandflächen), π/4 (unbenannt, f. Kreisflächen); auf Skala C/D π, 1,13=√(4/π)+3,57=√(40/π) (C+C1, f. Zylindervolumina), 3438+206255 (ρ'+ρ'', f. sin und tan sehr kleiner Winkel), (Quelle),
  • der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war.
2/1: Das cm-Lineal hat einen leichten Riss, sonst wenig Gebrauchsspuren; einwandfreie Funktion.
Mit gut erhaltenem Papp-Etui. Als Anleitung dienen die ausgezeichneten Lehrbriefe von Faber-Castell.

Die Firmengeschichte von Faber-Castell begann 1761 mit der Herstellung von Bleistiften. Das macht man dort heute immer noch, dazu viele weitere Artikel für Büro und Schule. Zwischenzeitlich stellte A.W.Faber auch Rechenschieber her - bis diese um 1975 herum von den elektronischen Taschenrechnern verdrängt wurden.

Triumphator HZN

Triumphator baute auch Maschinen mit der deutlich kleineren Kapazität 6‑6‑11, z.B. dieses Modell. Es ist mit Zehner­übertrag im Zählwerk, Löschung des Eingabewerks mit Hebel und Gesamtlöschung im Schlitten gut ausgestattet, doch wegen der kleinen Kapazität konnte die Maschine für nur 295 Reichsmark angeboten werden (ca. eindreiviertel Monatslöhne). Damit wurde die Maschine auch für kleine Betriebe erschwinglich.
Dieses Exemplar stammt aus dem Jahr 1939, bis auf das Kurbellager ist alles noch in wunderschönem Originalzustand.

Die deformierten
Zähne der Löschachse:

Triumphator
HZN
S.Nr. 96742

31,5 cm x 15,5x 14,5 cm
5,9 kg
1938 - 1940
  • EW (mit EK) 6st.,
  • ZW 6st.,
  • RW 11st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschhebel für EW,
  • Löschhebel zur Löschung von ZW und/oder RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW.
1/1: Sehr wenige Gebrauchsspuren, einwandfreie und leichtgängige Funktion.

Zwei deformierte Zähne der Löschachse im ZW ausgetrieben und neu zurechtgefeilt, Kurbellager neu lackiert.

Kurzanleitung geschrieben.

Thales CER (I)

Diese Sprossenrad-Maschine in „Standardkapazität“ 10‑8‑13 ist ein sehr gut ausgestattetes Modell mit Zehner­übertrag im Zählwerk, Direkteinstellung im Resultatwerk, Einstellkontrolle und Rückübertragung. Das Baujahr ist wohl 1939 oder 1940, die Löschung der drei Werke mit den beiden Flügelschrauben links und rechts am Schlitten und dem Löschkamm war damals noch zeitgemäß.
Der damalige Neupreis betrug 600 Reichsmark (das entsprach etwas über 3,5 Monatslöhnen).
Von 1952 bis 1965 wurde nochmals eine Thales CER gebaut, allerdings sieht diese Maschine dann deutlich anders aus und ist wesentlich zierlicher. Daher stelle ich hinter die Typenbezeichnung hier die „I“.

Thales
CER (I)
S.Nr. 65239

28,5 cm x 15 cm x 13,5 cm
5,9 kg
1938 - 1940
  • EW (mit EK) 10st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschkamm für EW,
  • 2 Flügelschrauben zur Löschung von ZW bzw. RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • rechte Flügelschraube löscht beide Werke, wenn dazwischen liegende Taste nicht gedrückt wird.
2/1: einige Gebrauchsspuren, einwandfreie Funktion.

Stark korrodierte Chromteile poliert, Gummifüße erneuert, Ziffern in Deckblech und Löschkamm neu eingelegt, Kommaschieber ersetzt.

Kopie der Originalanleitung vorhanden.

Original-Odhner 27

Auch das ist noch eine vor dem 2. Weltkrieg entwickelte Maschine in der typischen Farbe der damaligen Zeit: Bis weit in die 40er-Jahre hinein waren Rechen- und Schreib­maschinen in der Regel schwarz. Diese hier stammt aus dem Jahr 1940. Ihre Rechenkapazität ist durchschnittlich, es gibt weder Zehner­übertrag im Zählwerk noch ein Einstell­kontrollwerk. Die abgekürzte Multiplikation ist also unmöglich und das Ablesen der eingestellten Zahl macht etwas Mühe. Über die Mindestausstattung hinaus geht nur der Rückübertrag, das Modell 27 hat ihn als erste Odhner-Maschine überhaupt. Erst damit wurden Kettenrechnungen ohne Neueingabe von Zwischenergebnissen möglich.
Rechenmaschinen mit relativ einfacher Ausstattung (oder auch geringerer Kapazität) konnten etwas preiswerter angeboten werden als diejenigen mit allen Extras. Für dieses Modell kenne ich nur einen Neupreis aus Schweden: 330 Kronen (etwa 270 Reichsmark, in Deutschland waren die importierten Maschinen vermutlich teurer).

2/2: Lackschäden nur retuschiert, 10er‑Stelle etwas schwergängiger

Diese Maschine kam als Wrack. Von schlimm zu harmlos war das: Der massive rechte Seitenträger war durchgebrochen, der Schlitten blockierte ab Stelle 4 nach links, der Einstellring der 10er‑Stelle war sehr schwergängig, der Kurbelgriff und der Knopf der Rückübertragung fehlten. Innen war sie millimeterhoch voll undefinierbarem Schmier und die Gummifüße hatten sich in zähen Klebstoff verwandelt. Trotz alle dem hat sie sogar da noch (wenn auch etwas hakelig) gerechnet!
Nach dem Zerlegen, Benzinbad, Kleben des Seitenträgers, Verlängerung der Kurbelsperre, Nachfeilen und Polieren der Schlittenführung, Zusammensetzen, Knöpfeschnitzen, Nachlackieren und Anschrauben neuer Gummifüße ist nun fast alles o.k. Nur die Trommel habe ich nicht zerlegt sondern lediglich in Benzin gebadet (und vielleicht findet sich ja auch mal ein schönerer Kurbelgriff).

Kurzanleitung geschrieben.
Original-Odhner
27
S.Nr. 169635

30 cm x 15,5 cm x 12,5 cm
5,5 kg
1938 - 1947
  • EW 10st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschkurbeln für ZW und RW.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Löschung des EWs über Knopf rechts (oder Schieber auf dem Frontblech) und Hauptkurbel.
2/2: Die Bleche sehen bis auf einige Kratzer und Stoßstellen noch recht gut aus, Kurbelgriff und Rückübertragungshebel offensichtlich nicht original; die 10er‑Stelle rastet schlecht ein, die Schieber, Hebel und Kurbeln laufen schön leicht.
Kurzanleitung geschrieben.

Das etwas seltsame „Original“ im Firmennamen hat einen guten Grund. Der schwedische Entwickler W.T.Odhner war derjenige, der um 1870 herum das Sprossenrad zur Produktionsreife brachte und entsprechende Patente anmelden konnte. Ab etwa 1890 baute er in St.Petersburg erste Maschinen, verkaufte aber schon bald auch Lizenzen an andere Hersteller. Einige dieser Lizenznehmer (z.B. Brunsviga mit der Brunsviga B) wurden mit ihren Maschinen wirtschaftlich schnell so erfolgreich, dass Odhner schon 1907 das „Original“ vorsetzte.
Während der Oktoberrevolution wurde die Firma enteignet und die Sowjets bauten nun (mit den vorhandenen Maschinen und dem vorhandenen Wissen der Arbeiter) baugleiche Rechenmaschinen auf „volkseigene“ Rechnung. Odhners Sohn verließ Russland und gründete „Original-Odhner“ in Göteborg neu. 1942 wurde Odhner von Atvidaberg Industries („Facit“) aufgekauft, Produktion und Marke blieben jedoch erhalten. Auch elektrische Addier- und Buchungsmaschinen wurden gebaut. 1973, als Facit von Electrolux gekauft wurde, wurde auch bei Odhner die Produktion der mechanischen Rechner eingestellt. Noch bis 1990 wurden erst für Elektrolux, dann für Ericsson Plattenspieler und elektrische/elektronische Bauteile hergestellt, dann war endgültig Schluss.

Beim Betrachten der Jahreszahlen fällt auf, dass aus einigen Jahren kaum Neuentwicklungen in der Sammlung vertreten sind, anders als aus den Jahrzehnten zuvor und danach. Der 2. Weltkrieg führte offenbar auch da zu einer massiven Unter­brechung: Statt neuer Rechenmaschinen wurden einstweilen neue Panzer, Flugzeuge und Kanonen entwickelt. Und schon da schuf die Entwicklung erster großer Elektronenrechner die Grundlage für den späteren Untergang der mechanischen Rechenmaschinen, obwohl diese nach dem Krieg noch einmal eine Blütezeit erlebten ...

Sumlock 909/C

Dieser Volltastatur-Addierer funktioniert wie ein Comptometer oder Burroughs Calculator: Die Addition im Resultatwerk findet bereits durch das Drücken und Loslassen der Tasten statt. Die Mechanik beruht auch hier auf Schaltschwingen, man hat aber in manchen Details andere Lösungen gefunden.
Auch eine Sumlock taugt erst einmal nur zum Addieren und ist damit eigentlich eine Einspezies-Maschine, doch mit komplexen, in Kursen gelehrten Verfahren sind auch Subtraktion, Multiplikation und Division möglich.
Die relativ modernen Tasten und die Lackierung lassen darauf schließen, dass dieses Exemplar Mitte/Ende der 50er-Jahre gebaut wurde. Sie war (wie die anderen Maschinen des Comptometer-Typs) mit 2.200 DM im Vergleich extrem teuer, dafür musste ein Arbeiter fast ein halbes Jahr arbeiten.
Es gab auch sechs- und zwölfstellige Varianten, außerdem weitere Modelle mit unterschiedlichen Tastenzahlen pro Kolonne (z.B. für die alte britische Währung mit 1/20/12/4-Teilung oder die komplizierten „imperialen“ Gewichtseinheiten).

mehr Infos bei
J.Wolff
Bell Punch
Sumlock 909/C
S.Nr. 114049

27,5 cm x 32 cm x 14 cm
5,6 kg
ca. 1940 - ca. 1964
  • EW 9st.,
  • RW 10st.;
  • nur Addition,
  • Löschhebel.
  • Löschhebel nach hinten setzt die Sicherung gegen unvollständigen Tastendruck zurück.
2/1: Gehäuse mit einigen Stoßstellen und Benutzungsspuren, Ziffernräder leicht angegriffen, Tasten aber einwandfrei; leichtgängige Funktion.

Viele Ziffernräder und Hebel waren auf den Achsen völlig festgefressen, nur kraftvolles Ziehen der Achsen bei gleichzeitigem Austausch gegen eine gut geschmierte Ersatzachse half.
Tip: Wo etwas festsitzt findet man heraus, indem man alle Achsen nach links und rechts bewegt: Das muss bei allen sehr leicht gehen.

Kurzanleitung geschrieben (und ein 60‑seitiges Kursheft im Netz gefunden).

Die 1878 in London gegründete Bell Punch Co. produzierte zuerst genau diese „Bell Punches“, also Entwerter für Straßenbahnen. Bald kam weitere Ausrüstung für Ticketdruck, Wettscheine und Taxameter dazu. 1936 erwarb das Unternehmen die Rechte an der kleinen Halbtastatur-Addiermaschine „Plus“ und entwickelte diese weiter zur größeren Volltastaturversion, die als „Sumlock“ vermarktet wurde. Die Plus- und Sumlock-Maschinen waren in Großbritannien und dem Commonwealth sehr beliebt und wurden fast 40 Jahre lang produziert. Mitte der 50er Jahre begann man mit der Arbeit am weltweit ersten elektronischen Tischrechner, der 1961 als Sumlock „ANITA“ auf den Markt kam. Die Elektronik-Produktion wurde 1966 in eine Tochtergesellschaft ausgelagert, die 1973 von Rockwell übernommen und schon 1976 abgewickelt wurde; die Bell Punch Company produzierte noch bis 1986 Ticketing-Produkte.

Faber-Castell 4/54

Die übliche Skalenlänge der Rechenstäbe lag bei 25cm. Wenn man genauer ablesen wollte mussten die Skalen länger werden - so wie bei diesem 50cm‑Stab. Der war sicher einmal der ganze Stolz eines Ingenieurs. Das Baujahr schätze ich auf 1943, das ist die einzige Zahl im Prägestempel, die sinnvoll auf ein Jahr schließen lässt und auch der schwarze Pappschuber passt zu dieser Zeit.
Das „System Darmstadt“ bezeichnet die Art der Skalenaufteilung, die im Institut für praktische Mathematik (IPM) in Darmstadt um 1935 herum entwickelt wurde.

 Details viele Infos zu Rechenschiebern bei
Rechenschieber.org
Faber-Castell
4/54
Pr - We43 14 203

57,5 cm x 4,5 cm x 2 cm
250 g
ca. 1940 - ca. 1975
  • Skalen: L K A (B CI C) D P S T; hinten: (LL1 LL2 LL3) d.h.: log, Kubik, Quadrat (2x), Kehrwert des Quadrats, Kehrwert, Grundskala (2x), sin (auch cos), tan (auch cot); Zungenrückseite: e0,01x, e01x, ex,
  • Lineal für cm.
  • Auf der Rückseite Anleitungen, Formeln und Tabellen,
  • Justierschrauben für den Läufer in der T‑Skala,
  • Sondermarkierungen: auf Skala A/B π auf Skala C/D π, 0,01745 (ρ, π/180),
  • der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war.
2/3: Gut erhalten und alle Skalen einwandfrei ablesbar, Oberseite leicht vergilbt; D-Skala um ein winziges geschrumpft, worunter dort die Genauigkeit über große Strecken leidet.
Mit passabel erhaltenem Papp-Etui, allgemeine Anleitung für System Darmstadt im Netz gefunden.

Record LM

Der Record LM ist ein vergleichsweise riesiger Zahlenschieber. Üblich waren eher Größen, die bequem in die Jackentasche passten. Er ist praktisch identisch zum Ende der 20er-Jahre entwickelten „Produx Record“, was kein Wunder ist: Er wurde auf den gleichen Maschinen hergestellt.

Record
LM


11,5 cm x 20,5 cm x 1 cm
240 g
1945 - ca. 1983
  • Eingabe über 10 Schieber (10. Schieber nur per Übertrag),
  • Addition und Subtraktion,
  • Löschbügel.
  • unten Addieren, oben Subtrahieren.
2/1: Nur wenige Kratzer; alle Schieber leichtgängig.
Anleitung im Netz gefunden.

Lucie Meuter war die geschiedene Frau von Otto Meuter, einem der bedeutensten Hersteller von Zahlenschiebern. Er ging nach dem 2. Weltkrieg nach Westdeutschland und stellte dort wieder Geräte unter seiner Marke „Produx“ her. Sie aber blieb in Klausdorf (bei Berlin, im sowjetisch besetzten Teil) und ließ schon ab 1945 auf den alten Maschinen den Record LM bauen. Es blieb das einzige Rechengerät der Firma, die ihre Produktpalette später um Kunststoff-Produkte erweiterte. 1976 und 1985 wechselte die Firma den Besitzer, 1989 wurde sie gelöscht.

Contex A

Die Contex A ist ein Direktaddierer in der Art des Comptometers, aber mit halbiertem Tastenfeld. Angeblich brauchten trainierte Nutzer weniger Zeit, wenn sie z.B. statt einer 7 hintereinander die 3 und die 4 tippten. Vielleicht hat auch die Material­knappheit nach dem Krieg dazu beigetragen, dass solche „Half-Adder“ einige Zeit in Mode waren?
Das Gerät besteht aus wenig Metall und viel Kunststoff: Das Gehäuse ist aus Bakelit, viele Hebel und Zahnstangen sind aus Pertinax (das kennt man sonst eher als Platinenmaterial in der Elektronik).
Addieren kann man damit nach einiger Übung recht flott, notdürftig multiplizieren ist schwierig, die anderen Grundrechenarten sollte man lieber vergessen (und genau deshalb ordne ich das Modell den Kleinaddierern zu).
Niedriges Gewicht und halbwegs günstiger Preis (250 DM) sorgten dennoch für einige Verbreitung. Dieses Exemplar wurde 1952 gebaut und damals von einem Finanzbeamten in Kandel genutzt.

mehr Infos (PDF) im
Contex
A
S.Nr. 79066

22,5 cm x 21 cm x 7 cm
1,26 kg
1946 - 1955
  • EW 8st. (Halbtastatur),
  • RW 9st.;
  • Addition und behelfsmäßige Multiplikation,
  • Löschtaste.
3/1: Gehäuse mit trotz zwei geflickten Brüchen passablem Gesamteindruck; alles funktioniert einwandfrei.

Brüche geklebt, zwei Fehlstellen gefüllt, Achsen gezogen und geölt - und dann lange mit einem dabei ausgehakten Federchen gekämpft. Tip: Am Pertinax niemals ölen!

Das damals meist mitgelieferte Mini-Köfferchen ist leider nicht dabei. Kurzanleitung eigentlich verzichtbar, aber dennoch geschrieben.

Von 1945 bis 1972 produzierten die Brüder John, Henning und Erling Carlsen an mehreren Standorten bei Kopenhagen hand- und motorgetriebene Addier- und Rechenmaschinen mit neuartigen und pfiffigen Details. Den Vertrieb überließ man exklusiv der Firma Zeuthen & Aagaard, die schon im Büromarkt etabliert waren. Vor allem den Nischenmarkt für transportable Geräte bediente man mit den kleinen Maschinen äußerst erfolgreich: Insgesamt wurden über 2 Millionen davon in alle Welt verkauft.
1972 war der Siegeszug der Elektronik schon deutlich absehbar. Die Gebrüder Carlsen entwickelten erste elektronische Rechner, sahen aber ohne neues Kapital keine Zukuft mehr und meldeten Konkurs an. Zeuthen & Aagaard kaufte die Liquidationsmasse auf und ließ unter dem Namen Rex-Rotary noch bis Mitte der 70er-Jahre mechanische und elektronische Geräte bauen (Quelle hier).
Die originellen Eigenentwicklungen wie z.B. der Contex D11 konnten aber auf Dauer im Preiskampf nicht mithalten. Man begann damit, Rechner aus Fernost zu importieren, doch vergeblich: 1977 taucht schon kein Contex-Rechner mehr in den einschlägigen Katalogen auf. Contex wurde von Ricoh aufgekauft, Produktion und Marke gibt es daher immer noch: Heute baut man dort Großformat-Farbscanner.

Stima CMSIII

Die Stima C ähnelt in Aussehen und Bedienung einem Zahlenschieber. Sie hat aber einen echten Zehner­übertrag und optionale Einstellkontrolle. Die Bedienungsanleitung gibt auch Rechenwege für Subtraktion und Multiplikation an; beides ist aber umständlich, langsam und fehleranfällig.
Die Verarbeitung der Maschine jedoch ist sehr hochwertig. Trotz ihrer geringen Größe besteht sie aus rund 500 in Uhrmacherpräzision gefertigten Teilen. Die Seriennummer lässt für dieses Exemplar ein Baujahr um 1950 vermuten.

Stima
CMSIII
S.Nr. 28953

15 cm x 20 cm x 13 cm
1,1 kg
1946 - ?
  • EW (mit EK) 9st.,
  • RW 9st.;
  • Subtraktions-Taste
  • Löschtaste für EW (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschknopf für RW.
  • Druckknopf für schnelle Addition ohne Eingabekontrolle.
3/2: Einige heftige Kratzer auf der Front, Nullen der Zahnstangen angegriffen, Griffelhalterung fehlt; Eingabe funktioniert wieder gut, Löschung aber recht hakelig, Eingabeknopf abgebrochen (mit Griffel gut bedienbar).

Eine gebrochene Feder geklebt, alle Federn nachjustiert, einige Zähnchen (die an falschen Stellen Zehnerüberträge verursachten) und Löschstange begradigt, vergilbte Sichtfolie ersetzt.

Anleitung im Netz gefunden.

Stima MSIII

Eine praktisch baugleiche Maschine, aber nun ohne Bakelit-Sockel. Deshalb die Modellbezeichnung ohne „C“ und statt des Druckknopfs ein Schieber zur Abschaltung der Eingabekontrolle. Nun passt sie in eine Jackentasche. Auch hier ist ein Baujahr um 1950 wahrscheinlich, jedoch ein wenig später als die vorige Stima. Der Preis dieses Modells betrug satte 175 Schweizer Franken, im Vergleich zu Zahlenschiebern war das reichlich teuer!

Stima
MSIII
S.Nr. 30566

10 cm x 14,5 cm x 2,5 cm
640 g
1946 - ?
aus der Sammlung Veres

2/1: Einige Kratzer auf der Rückseite und an einer Kante leicht abgestoßen; alles funktioniert einwandfrei.
Mit Etui, Originalgriffel fehlt, Ersatzgriffel gebaut, Anleitung wie zuvor.

Gebaut wurden die Stimas in der Fabrik Albert Steinmanns in La Chaux De Fonds (Schweiz). Leider ist sowohl über A.Steinmann als auch über die Firma wenig bekannt, nur dass die ersten Stimas 1930 entstanden und mindestens bis Anfang der 50er-Jahre auch ein Zahlenschieber („Trebla“) und eine etwas seltsame Staffelwalzen-Maschine („Stima Universal 4“) produziert wurden.

„The Lightning Adding Machine“

Dieses Modell, gebaut im August 1946, ist das erste des Herstellers. Es kann nur Addieren (ist also eine „Einspezies-Maschine“) obwohl die Werbung damit protzt, dass man darauf alle vier Grundrechenarten ausführen könne. Insbesondere die Multiplikation und die Division sind aber nur mit viel Kopfrechnen und/oder Notizen zu bewältigen, das geht mit Stift und Papier schneller. Hier muss man zum Löschen auch noch alle Stellen einzeln auf Null drehen, zwei Jahre später wurde ein Nachfolgemodell mit Lösch­schieber eingeführt. Noch spätere Modelle hatten dann auch bei der Subtraktion einen korrekten Zehnerübertrag.
Besonders in den USA waren Scheibenaddierer verbreitet. Dieses Modell kostete damals 12,95 $.

mehr Infos bei
D.Bölter
The Lightning Adding Machine Co.
Lightning Adding Machine
Datumsstempel AUG 23 1946

30,5 cm x 6,5 cm x 1 cm*
300 g*
1946 - 1948
  • Eingabe über 7 Lochscheiben,
  • Anzeige in 7 Schaulöchern,
  • primär nur Addition,
    hilfsweise Subtraktion über die roten Dreiecke.
  • Zehnerübertrag nur bei Drehung im Uhrzeigersinn,
  • Aufsteller aus Bakelit.
2/1: einige Kratzer und winzige Lackfehler, insgesamt guter Gesamteindruck; alles funktioniert einwandfrei (sogar der Zehner­übertrag über alle 6 Positionen!).

Eine Feder nachjustiert, zwei Ziffern ausgebessert, Ersatzgriffel aus Kupferstange hergestellt

Anleitung des Vorgängermodells im Netz gefunden und überarbeitet.

„The Calculator Co.“ wurde 1915 in Grand Rapids gegründet. Die Firma ließ ihre Scheibenaddierer vermutlich bei einer örtlichen Metallstanz-Fabrik in Lohnfertigung bauen, denn fast baugleiche Geräte gibt es in den 20er- und 30er-Jahren auch von anderen Firmen aus Grand Rapids (aber auch aus Oakland). Die Namen und Besitzer all dieser Firmen wechselten öfters.
Um 1926 wurden die Geräte durch die in einer Linie liegenden Schaulöcher für das Ergebnis verbessert. Anfang der 40er-Jahre pausierte die Herstellung von Scheibenaddierern, denn die Stanzen wurden nun für den Krieg benötigt...
„The Lightning Adding Machine Co. Inc.“ war der Nachfolger der „Calculator Co.“, nun allerdings mit Firmensitz in Los Angeles. Die gleichnamige Maschine (nun also nicht mehr als „Calculator“ angepriesen) in ihren verschiedenen Entwicklungs­stufen wurde dort von 1946 bis 1959 in über zwei Millionen Exemplaren gebaut. Nach 1959 ist jedoch keine Spur der Firma mehr zu finden.

Faber-Castell Addiator 67/22R Disponent

Auch dieser kleine Rechenstab hat wieder einen Addiator (diesmal das Modell Arithma). Außerdem hat er recht ungewöhnliche Skalen, die eher für Kaufleute und Bankangestellte gedacht waren. Unter dem Infolink zum Rechnerlexikon gibt es dazu viele Infos, zu den Zahlenschiebern steht mehr beim Addiator.
Der Datumsstempel dieses Exemplars gibt als Produktionsjahr 1951 an. Einen Preis kenne ich nur von 1972: 29,70 DM.

aus der Sammlung Veres

mehr Infos zu Castell-Addiator im
Faber-Castell
Addiator 67/22R Disponent


15,5 cm x 4,5 cm x 1 cm
70 g
1947 - 1972
  • Alle Grundrechenarten ausführbar,
  • Skalen: KZ (T p% E/T) V/Z; hinten: (Pfund/Shilling/Pence) d.h.: Kapital, Tage (Jahr), Zinsfuß, Verkauf/Teiler, Einkauf/Zähler,
  • Eingabe im Addiator über 6 Schieber,
  • Löschbügel für den Addiator,
  • Lineal für cm und inch.
  • Sondermarkierung π auf jeder Skala,
  • der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war.
1/1, kaum Gebrauchsspuren; einwandfreie Funktion.
Auch hier dienen die Lehrbriefe von Faber-Castell als Anleitung.

Curta I

Die kleinste aller Vierspezies-Maschinen stammt auch aus einem kleinen Land: aus Liechtenstein. Sie enthält auf nur 5,3 cm Durchmesser und 10,7 cm Höhe alle nötigen Bedienelemente und Anzeigen. Das wird dadurch erreicht, dass alle Stellen durch eine einzige zentrale Staffelwalze angetrieben werden. Diese Staffelwalze ist zudem mit Zähnen für die Komplementärziffern ausgestattet, so dass man allein durch leichtes Herausziehen der Kurbel auch subtrahieren kann. Runde Rechenmaschinen mit zentraler Kurbel gab es schon vorher (z.B. die „Rechenuhr“ von Hahn oder die „Gauss“ von Hamann), aber keine dieser Maschinen erreicht auch nur annähernd die Kompaktheit der Curta.
Die Herstellung erforderte daher auch höchste Präzision und vor allem erst einmal die Ideen, wie man eine so weitgehende Miniaturisierung erreicht. Die Curta gilt daher zu Recht als feinmechanisches Wunderwerk. Mit 425 DM war sie damals gar nicht so teuer, heute jedoch ist je nach Zustand schon mal das nominal Vierfache oder mehr dafür zu zahlen, obwohl sie keineswegs selten ist.
Dieses Exemplar stammt nach den Angaben auf Curtamania aus dem Jahr 1957, es hat noch die ältere Version der Kurbel und den Löschring aus Metall. Benutzt wurde es beim Zoll: Der Vater des Vorbesitzers war Betriebsprüfer beim Zoll in Passau und erhielt dort diese Curta, um bei Außenterminen eine eigene Rechenmaschine zur Hand zu haben.

Alles über die Curtas bei
Curtamania.com
und
Curta.de
Ein Größenvergleich:
Contina
Curta I
S.Nr. 38754

5,5 cm x 5,5 cm x 11 cm
230 g
1948 - 1970
  • EW (mit EK) 8st.,
  • ZW 6st.,
  • RW 11st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschring für RW und ZW (durch Ziehen um das Werk).
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar (Subtraktion mit gezogener Kurbel).
1/1: Nur kleinste Gebrauchsspuren, extrem leichtgängiger Lauf.
Schutzdose und Originalanleitung vorhanden.

Die ursprünglich als „Liliput“ geplante Maschine wurde von Curt Herzstark konstruiert. Erste Ideen dazu entwickelte er ab 1934 als Konstrukteur in der Rechenmaschinen-Fabrik seines Vaters („Austria“) in Wien. 1937 erbte er diese Firma, in den Kriegs­jahren wurden dort u.a. feinmechanische Geräte für die Wehrmacht produziert. 1943 wurde Herzstark im KZ Buchenwald interniert, durfte aber weiter an der Entwicklung seiner Rechenmaschine arbeiten. 1944 wurden ihm dafür zwei Patente erteilt.
Nach seiner Befreiung suchte Herzstark einen Hersteller für seine Entwicklung. Mit Vertretern des Liechtensteiner Fürsten (die ihn letztlich massiv übervorteilten) wurde er handelseinig und die Firma Contina entstand.
Die Produktion lief dort gut, aber die Firma blieb von Beginn an unterkapitalisiert und der Verkauf wurde extrem halbherzig betrieben. Es wurden daher zwar viele Curtas verkauft (so etwa 140.000), aber weit weniger als es dem Bedarf entsprochen hätte und als zur Kostendeckung nötig gewesen wären. Der große wirtschaftliche Erfolg blieb folglich aus und 1966 wurde die Contina AG von der Hilti AG übernommen. Bis 1970 wurden weiterhin Curtas gebaut, dann führte der absehbare Siegeszug der elektronische Geräte zum Ende von Produktion und Firma.

Schon kurz nach 1900 wurde das Kurbeln erstmals durch Elektromotoren ersetzt, um die Eingabe- und Rechengeschwindigkeit zu steigern und den Kraft­aufwand zu verringern. Diese Maschinen waren viel teurer und oft sehr laut, aber auch viel schneller zu bedienen. Die Hersteller wett­eiferten darum, immer neue Maschinen mit schnelleren Umdrehungen und neuen Funktionen auf den Markt zu bringen. Gegen Ende der Entwicklung gab es Geräte mit mehreren Speicherwerken, automatischer Division und/oder Multiplikation, vereinzelt sogar mit automatischem Wurzel­ziehen. Das waren dann Maschinen aus mehreren tausend Präzisionsteilen, die in aufwendigster Arbeit zusammenge­setzt werden mussten. Durch die hohen Drehzahlen stieg aber die Materialbeanspruchung, elektrische Maschinen waren daher deutlich reparaturanfälliger.

Facit ESA-0

Auch die Facit-Modelle mit der praktischen Tasten­eingabe wurden erst motorisiert und dann Zug um Zug automatisiert: Bereits 1934 erschien das Modell E, bei dem die Kurbel durch einen Motor ersetzt war. Ab 1939 wurde mit der Facit EA der erste Halbautomat, ab 1945 der erste Vollautomat ESA angeboten. Das Grundprinzip all dieser Maschinen (auch der moderneren handbetriebenen Modelle) blieb die geniale Konstruktion von Karl Rudin mit den geteilten Sprossenrädern.
Die Facit ESA bot zwar automatische Division und Multiplikation, Resultat- und Zählwerk wurden aber noch per Handhebel gelöscht. Bei der ESA-„Null“ ist auch das erstmals elektrisch angetrieben.
Beide Modelle können automatisch dividieren und multiplizieren (positiv oder negativ), von links oder rechts halbautomatisch multiplizieren und schnell quadrieren. Außerdem gibt es eine sehr praktische Taste für das Addieren mit Sofortlöschung der Eingabe.
Dieses Exemplar hat schon den kleinen Steuerhebel der Schrittschaltung, aber noch die ältere Tastatur mit den achteckigen Tasten. Es wurde 1952 gebaut und verrichtete seinen Dienst in einer Kleiderfabrik in Aschaffenburg. Den Neupreis kenne ich nicht, doch das Nachfolgemodell CA1-13 (moderneres Gehäuse, Technik praktisch gleich, bis ca. 1970 gebaut) war wohl ähnlich teuer: Es kostete 1958 2.200 DM - der Arbeiter-Tariflohn eines halben Jahres!

mehr Infos im

und bei
H.Schmid
Division
(355:113)
(MP4, 35 MB):
Multiplikation
(12345679x9)
(MP4, 32 MB):
Facit
ESA-0
S.Nr. 340531

28,5 cm x 26,5 cm x 18 cm
12,5 kg
1949 - 1956
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschtasten für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Anzeige für Drehsinn im ZW (durch Rechenart bestimmt, manuelle Umschaltung möglich),
  • mitlaufende Stellenzeiger in ZW und RW,
  • ADD-Taste für Additionsmodus,
  • Subtraktions-/Divisionsstopptaste,
  • Schalthebel für Rechenart (Mult - Add/Sub - Div),
  • Hebelchen für Schrittschaltung (für halbautomatische Multiplikation),
  • ausklappbare Rollen an der Unterseite.
2/2: insgesamt schöner Eindruck, einige kleine Stoßstellen, Gummifüße brüchig, eine Taste nicht original; funktioniert meist einwandfrei, gelegentlich muss man den Motor nach abgeschlossener Multiplikation manuell stoppen oder die automatische Division stoppt zu früh (was mit erneutem Tastendruck behoben werden kann).

Zum Testen provisorische Handkurbel gebaut, verklemmtes Zahnrad (das die Trommel extrem schwergängig machte) nach langer Suche gefunden und gelöst, gebrochenes Ziffernsegment geklebt, fehlenden Hebel (links), fehlende Löschtaste (III) und fehlendes Zahnrad ergänzt, auslaufende Entstörschaltung durch moderne Kondensatoren ersetzt, Tastenschutzbügel nachlackiert, vergilbte Fenster ausgetauscht.

Anleitung im Netz gefunden (DANKE an Herrn Schmid!).

Friden STW10

Die STW ist ebenfalls ein Vollautomat, aber die Bedienung ist komplett anders. Auffällig ist die kleine, links neben der Volltastatur sitzende Zehner-Tastatur im „modernen“ Layout und mit eigener Anzeige, die an die Technik der Facit-Maschinen erinnert. Viele besondere Einstellungen sind möglich, das Innenleben ist daher extrem komplex aufgebaut mit vielen Lagen von Hebeln und Gestängen an beiden Seiten und im Inneren. Ein echtes Monster, ich habe da auch noch nicht alle Fehler gefunden.
Das Schaltprinzip (für die Übertragung der Werte von der Tastatur ins Resultatwerk) sind hier Staffelwalzen, jeweils zwei auf einer der fünf Achsen. Leibniz wäre begeistert gewesen, was aus seiner Erfindung wurde.
In den einschlägigen Listen steht für die Serien­nummer der Maschine das Baujahr 1951. Den Neupreis kenne ich nur von 1957: monströse 5.170 DM, also etwas teurer als ein einfacher VW Käfer, ungefähr 13,5 Monatslöhne!

mehr Infos im
Old Calculator Museum
Multiplikation
(12345678x12345678)
(MP4, 20 MB):
Division
(355:113)
(MP4, 16 MB):
Friden
STW10
S.Nr. 470211DA

46 cm x 37 cm x 22,5 cm
18,6 kg
1949 - 1966
  • EW 10st.,
  • ZW 11st.,
  • RW 20st.,
  • Multiplikatorwerk 10st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschschieber im Schlitten (koppelbar) und 2 Löschtasten (elektrisch) für Schlitten bzw. Tastatur.
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 11 Stellen,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • optionaler Split des RWs,
  • RW und ZW vor Löschung separat schützbar,
  • ZW um- und abschaltbar
  • Taste zum Setzen des Dividenden,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Tastatur komplett oder stellenweise sperrbar,
  • automatische Division und Multiplikation (auch negativ und akkumulierend),
  • Tabulatortasten für automatische Kommastelle,
  • auf 110-230 V Gleich- oder Wechselstrom einstellbar.
3/3: Gehäuse mit vielen Gebrauchs­spuren und zwei größeren Scharten, eine Taste stark angegriffen; die Maschine rechnet zwar zuverlässig, doch die Taste zur Voreinstellung des Dividenden lässt nur den Schlitten wackeln (also ist Handeinstellung oder Plustaste mit deaktiviertem ZW nötig), im Multiplikator wird eine zuletzt eingetippte 1 aus unerfindlichem Grund nicht erkannt. Hmmm....

Den in eine eklige weiße Schicht verwandelten Klarlack auf Multiplikator-Anzeige und den meisten Ziffernrädern mit Alkohol und Schaber entfernt, zwei zerbröselte Gummipuffer durch Schraubenverlängerungen ersetzt, einen fehlenden Wirtel im RW ersetzt, viele Hebelchen nachjustiert ... und eine Handkurbel für die stromfreie Nutzung gebaut!

Englische Anleitung im Netz gefunden.

Precisa 1102-10

Diese elektromechanische Addiermaschine hat das patentierte Rückstellwerk zur Wiederverwendung von Eingaben und Ergebnissen und eine Schritt­mechanik für etwas einfachere Multiplikation. Die grundlegende Technik mit Zehner­tastatur und Stiftschlitten ist aber identisch mit den älteren (und vielen neueren) Modellen von Precisa.
Das Baujahr dieser Maschine dürfte 1952 sein, einen Preis kenne ich aber nur von 1956: Da lag er bei 1.475 DM. Benutzt wurde sie (zusammen mit der Rheinmetall AE weiter oben) bis in die 60er-Jahre in einer Kleiderfabrik in Aschaffenburg.

Precisa
1102-10
S.Nr. 121416 E

22 cm x 40 cm x 18 cm
10,7 kg
ca.1950 - 1957
  • EW 10st.,
  • RW 11st.,
  • SW 11st.;
  • Druckwerk 11st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • Korrekturtaste.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck,
  • Rotdruck von Zwischensummen und Summen,
  • Rechtsschritttaste (ermöglicht stellenweise Korrektur und Multiplikation „von links“),
  • X-Taste für Erhalt der eingetippten Zahl (macht nach Loslassen der Plus-/Minustaste Linksschritt!),
  • R-Taste für Weiterverwendung der letzten gedruckten Zahl,
  • Nichtrechentaste,
  • Nichtdrucktaste,
  • Zeilenvorschub einstellbar (1‑, 2‑zeilig).
2/2: Kleine Lackschäden und eine stärker verkratzte Kante; rechnet einwandfrei, doch manchmal blockiert nach Summe oder Zwischensumme die Eingabe (durch erneute Summe zu beheben).

Unansehnliche Tastaturplatte neu lackiert, Farbband und Papierrolle erneuert.

Mit nicht originaler Schutzhaube, Kurzanleitung geschrieben.

Ab 1916 verkaufte Ernst Jost in Zürich Bürogeräte, z.B. auch von Brunsviga und Rheinmetall. Das genügte ihm wohl nicht, denn um 1930 herum entwickelte er mit Eugen Bänninger eine eigene Addiermaschine.
1933 war der Prototyp fertig, 1935 wurde die Precisa Rechenmaschinen­fabrik AG gegründet. Dort wurden lange Zeit immer ausgefeiltere 10‑Tasten-Maschinen gebaut, später erweiterte man die Produktpalette um elektronische Rechner, Druckwerke für andere Rechenmaschinen und Präzisionswaagen.
Diese Waagenherstellung wurde ausgegliedert und 1964 fusionierte man mit der Hermes SA zur Hermes-Precisa. Die wurde 1981 von Olivetti gekauft. Nach dem Siegeszug der Elektronik blieb dann nur der Waagenhersteller übrig: Die Precisa Gravimetrics AG ist heute einer der Weltmarktführer in diesem Bereich.

Hamann Automat T

Die von Chr. Hamann entwickelten Schaltklinken-Maschinen mit automatischer Division erwiesen sich als recht gut geeignet für Motorantrieb und weitere Automatisierung. Sie wurden - natürlich - erst mit Motor ausgestattet (z.B. „Automat Z“), dann wurde mit Voreinstellung des 2. Faktors im Zählwerk auch die Multiplikation automatisiert („Automat V“ - dort noch Flügelschrauben zur Löschung der Werke im Schlitten) und das hier gezeigte Modell hat schließlich die „verkürzte Multiplikation“: Stehen im Multiplikator Ziffern von 6 bis 9, dann wird nicht entsprechend oft addiert, sondern das Komplement (also 4 bis 1) abgezogen und in der nächsthöheren Stelle einmal addiert. Das spart etwa 40 % der Umdrehungen und damit auch Zeit und Verschleiß.
A propos Verschleiß: Die Fliehkraftbremse des Motors bestand aus einer Zinkguss-Scheibe mit zwei gefederten Bremsbacken. In diesem Exemplar war die Scheibe durch Zinkfraß spröde geworden und aufgequollen, so dass der Motor stets etwas schwergängig lief. Beim Ausbau zerbrach sie in fünf Teile, ich habe sie daher durch eine Stahlplatte ersetzt.
Beim Nachfolgemodell „Automat S“ wurde das Gehäuse modernisiert und die Bedienung noch etwas vereinfacht. Bei der ab 1953 angebotenen „Hamann 300“ ersetzte dann schließlich eine Zehnertastatur die doch etwas umständlichen Einstellschieber.
Neupreis und Verwendung dieses Exemplars sind leider nicht bekannt, die Seriennummer lässt ein Baujahr um 1952 vermuten.

mehr Infos im
Multiplikation
(12345678x1234)
(MP4, 22 MB):
Division
(355:113)
(MP4, 41 MB):
Hamann
Automat T
S.Nr. 9657

32 cm x 26,5 cm x 16,5 cm
11,3 kg
1950 - ca.1954
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für EW, el. Löschung des gesamten Schlittens (in Grundstellung, kann für jedes Werk durch eine fixierbare Taste verhindert werden).
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Ziffern in RW und ZW direkt einstellbar,
  • 9. Stelle im ZW nur für die verkürzte Multiplikation,
  • an der Löschtaste auf Additionsmodus schaltbar,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel,
  • automatische Division und Multiplikation,
  • keine Überlaufglocke.
1/1: wenige Gebrauchsspuren, rotes Plastik der Einstellhebel etwas ausgeblichen; alles funktioniert wieder sehr schön.

2.Federband des Antriebs wieder aufgezogen, Schlittenlöschung justiert, Handkurbel gebaut, zerfallene Fliehkraftbremse ersetzt, auslaufende Entstörkondensatoren durch neue ersetzt.

Reinhard Atzbach stellt einen Scan der Anleitung bereit - DANKE!

Rokli 7R

Die 7R war das „Flaggschiff“ der Firma. Sie ist ein ausgereiftes Gerät mit guter Ausstattung in der damals verbreiteten Kapazität 10/8/13, sehr solide verarbeitet und wohl auch deshalb immer noch mit einwandfreier Funktion. Dieses Exemplar ist aber deutlich weniger aufwendig beschriftet als die im Rechnerlexikon gezeigte prachtvolle Maschine aus früheren Jahren: sicher eine Maßnahme, um die Produktionskosten zu senken.
Dieses Gerät ist ein echter Kellerfund und sammelte dort viele Jahre lang Staub. Wo und wofür es mal benutzt wurde ist nicht ganz klar, die beiden netten Verkäuferinnen vermuteten, dass ein Verwandter sie aus seinem Büro beim Maschinenhersteller Naxos Union mit nach Hause brachte, nachdem sie dort nicht mehr gebraucht wurde (noch jemand, der funktionierende Sachen nicht einfach wegwerfen wollte). Gebaut wurde die Maschine vermutlich 1954. Ihr Preis war damals mit 775 DM (etwa zweieinhalb Monatslöhne) vergleichsweise hoch angesetzt.

Rokli
7R
S.Nr. 013031

30 cm x 16,5 cm x 15 cm
5,2 kg
ca. 1950 - 1958
  • EW (mit EK) 10st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Schlittenfreigabe-Taste hinten rechts.
2/1: Einige Stoßstellen, Zahlenreihen der „1Mark“- „10Pfennig“- und „1Pfennig“-Stellen durch häufige Benutzung etwas abgegriffen. Sehr leichtgängiger Lauf.

Spröde Gummifüße ersetzt und die unglaublich hässliche, sanitärgrüne Schlittenfreigabetaste schwarz eingefärbt :)

Kurzanleitung geschrieben.

Der Hersteller war nur etwa 20 km von meinem jetzigen Wohnort entfernt. Rokli steht für Robert Kling, den Inhaber der gleichnamigen Firma aus Oberbiel bei Wetzlar, in der ab 1918 (damals noch in Wetzlar) Kugel­lager hergestellt wurden. 1949 stieg man in die Rechnerproduktion ein, weil die Kugellagerherstellung von den Siegern des 2. Weltkriegs verboten wurde. Schon neun Jahre später wurde die Produktion wieder eingestellt, stattdessen kaufte man fünf Jahre lang Schubert-Maschinen (z.B. diese DRV) zu und verkaufte sie unter dem eigenen Firmennamen. 1963 begann in einem belgischen Zweigwerk wieder die Produktion elektromechanischer Addier­maschinen und Kassen, andere Rechenmaschinen wurden zugekauft. Unter der neuen Marke „Kling“ gab es daher die eigenen Kassen und Addiermaschinen, aber auch z.B. eine schrill-orange Rechenmaschine, die vom jugoslawischen Hersteller TRS stammt (und mit ihren feststehenden Einstellhebeln technisch recht fortschrittlich ist), ja sogar elektronische Tischrechner wie diesen von Brother gebauten. 1974 kaufte FAG Kugelfischer die Firma auf, spätestens da endeten Rechenmaschinen-Produktion und ‑Verkauf. Heute heißt die Firma am gleichen Ort IBC Wälzlager GmbH und stellt immer noch bzw. wieder Kugellager aller Art her.

Tröger Rechenscheibe

Durch die runde Form ist das ein quasi "endloser" Rechen­schieber. Allerdings eine recht einfache Version mit nur drei Skalen, laut Hersteller gedacht „für den Gross- und Einzel­handel aller Branchen“. Damit hat mein Vater bis etwa 1973 Preise und Handelsspannen berechnet. Erst nach Juni 1968 kann er die Scheibe gekauft haben: In der Anleitung stehen 11% Mehrwertsteuer (fast halb so viel wie heute, aber damals reichte das Geld für ordentliche Schulen, Straßen und Renten).

Hans Tröger
Rechenscheibe

29 cm Durchmesser
300 g
ca. 1950 - 1974
  • Zwei logarithmische Skalen für Multiplikation und Division,
  • Prozentwerte, Angabe von 1 inch, 1 oz, Pi und 1 lbs.
2/1: leichte Gebrauchsspuren, Skalen intakt, leichtgängige Funktion.
Originalanleitung in mehreren Versionen vorhanden.

Die Firma Tröger in Mylau begann wohl lange vor 1920 (Patent ab 1904) mit dem Bau ihrer „runden Rechenschieber“. Nach der Teilung Deutschlands wurde dann im Westen bis Ende 1974 weiter produziert. Es gibt verschiedene Modelle, das hier ist die letzte Baureihe.

Счетмаш ВК-1 (Schetmash VK-1)

Die ausgereiften Facit-Rechenmaschinen mit Tastatur wurden auch in der Sowjetunion (und in der DDR) nachgebaut, vermutlich sogar mit schwedischer Lizenz. Die VK‑1 aus der UdSSR ist bis in die Details eine genaue Kopie der Facit TK. Aber das Material ist deutlich „billiger“ als beim Original (z.B. Trommel aus Zinkdruckguss, also anfällig für Zinkfraß) und man merkt die teils niedrigere Passgenauigkeit. Das macht das Rechnen hier etwas hakelig.
Die ersten VK‑1 dürften etwa 1950 entstanden sein, dieses Exemplar mit seinem Jahresstempel von 1975 ist eines der ganz späten Exemplare.

Geteiltes Sprossenrad geöffnet...:
...und mit Einstellscheibe:
Счетмаш (Пенза)
ВК-1
S.Nr. Б006860

30,5 cm x 18 cm x 14 cm
5,9 kg
1950 - ca. 1975
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Drehsinn im ZW wird von erster Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich,
  • mitlaufende Stellenzeiger in ZW und RW.
2/3: Gehäuse mit kleinen Gebrauchsspuren; funktioniert wieder aber hakelt etwas, wenn man nicht richtig auf die Tasten „hämmert“, außerdem ist der Zehneruntertrag aus der 2.Stelle des Zählwerks nur bei sehr flottem Kurbeln zuverlässig.

Trommel zerlegt und Sprossenrad 4 durch Ausfeilen gängig gemacht, Versatz der Löschachse des RWs justiert, Zehner­übertrag im Zählwerk teilweise justiert, einige Stellen der Mechanik nachgefeilt, Flugrost an vielen Metallteilen entfernt.

Kurzanleitung geschrieben.

Schetmash (eine Zusammenziehung aus „счетная машина“ = „Rechenmaschine“, auf Deutsch also so etwas wie „Rechmasch“) nannten sich zeitweise mehrere Fabriken, darunter auch eine in Penza. Eine schon bestehende Fabrik (1879 gegründet, was sie produzierte ist unbekannt) wurde 1924 verstaatlicht und in den 30er-Jahren deutlich erweitert. Im Krieg wurde sicher massive Kriegsproduktion betrieben, danach baute man einige Jahre lang auch „Felix“-Sprossenrad­maschinen, dann die VK‑1 und ab 1954 die elektrische VK‑2.
Schon Anfang der 70er-Jahre wurden auch elektronische Rechner der Marke „Iskra“ produziert. Im November 2008 wurde die Firma liquidiert.

Brunsviga 11E

Aus der erfolgreichen, kleinen Brunsviga 10 wurde diese elektrische Maschine entwickelt. Die 11E hat in jedem Werk eine Stelle mehr und beherrscht eine sehr weit entwickelte Stopdivision. Die Mechanik innen ist deutlich anders: Die „1‑4er“- und „5er“-Walzen der B10 sitzen auf verschiedenen Achsen, hier aber auf einer Achse. Eine zweite Achse sorgt nur für den Zehnerübertrag. Die Umschaltung von Addition und Subtraktion ist auf eine besondere Weise gelöst: bei fast allen elektrischen Maschinen passiert das mechanisch, hier aber wird einfach die Drehrichtung des Motors umgeschaltet.
Dieses Exemplar hat die seltene Stellenmarkierung mit Rändelrädern und Farbspiralen („Rollkomma“). Das ist nicht besonders gut abzulesen und hat sich nicht durchgesetzt, die späteren Maschinen des Modells haben daher wieder die üblichen Kommaschieber.
Dass es ein eher frühes Exemplar ist zeigt sich auch an der Beschriftung der Löschtasten mit Buchstaben (statt I, II, III) und der fehlenden Transportsperre im Schlitten. Aus der Seriennummer ergibt sich das Baujahr 1952. Einen Neupreis kenne ich nur von 1956: 860 DM (knapp zweieinhalb Monatslöhne).
Nachfolger ist die 11S mit automatischer Division, Volltastatur und elektrischem Schlittentransport.

Bedienung der B11E im
Youtube-Video
Die Elektrik (nach Abnahme
des mechanischen Maschinenteils):
Brunsviga
11E
S.Nr. 263552

21 cm x 23 cm x 11 cm
5,8 kg
1951 - ca.1960
  • EW (mit EK) 7st.,
  • ZW 6st.,
  • RW 11st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschtasten (elektrisch) für ZW und RW,
  • Löschtaste (mechanisch) für das EW.
  • Eingabekontrolle durch Ausschnitte und Ziffernsegmente der Schieber,
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • im ZW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Rechnung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW,
  • Umschalter für Additionsmodus / „normal“ / Stopdivision,
  • Schlitten nur per Griff nach rechts zu stellen, nach links nur per Taste,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel.
1/1: kaum Gebrauchsspuren, „Horn“kappen der Einstellschieber mit Riss; einwandfreie Funktion.

Ein Ziffernsegment gerichtet, überzählige Feder der Eingabelöschung entfernt, fehlendes Kabel durch Eigenbau mit modifiziertem Wieland-Stecker ersetzt.

Mit Haube, Anleitung im Netz gefunden.

M.J.Rooy

Eine eigenartige Maschine, mit einer Mischung damals fortschrittlicher und altertümlicher Merkmale. Sie schaut aus wie eine ganz typische Sprossenrad-Maschine, ist aber keine. Hier arbeiten Stellsegmente, was die auch nicht mitdrehenden, bequemeren Einstellhebel ermöglicht. Auch eine Rücküber­tragung ist vorhanden, aber das sind dann schon die Pluspunkte des Geräts. Auf der anderen Seite stehen der fehlende Zehner­übertrag im Zählwerk (was in den 50er-Jahren zumindest für Westeuropa sehr ungewöhnlich ist) und eine eher „grob gestrickte“ Mechanik mit viel Material minderer Qualität (statt Messing und massivem Stahl viel Aluminium und dünne Stanzteile). Die Maschine ist deshalb auch etwas größer als damals üblich und für zuverlässige Funktion ist eine extrem genaue Justierung nötig. Die Stellsegmente sind völlig identisch mit denen der Marchant H9. Sehr wahrscheinlich wurden hier Restmengen verbaut, die Marchant (nach der Aufgabe der Produktion von Stellsegment-Maschinen) nicht mehr benötigte und daher preiswert abgegeben hat. Solche Lieferungen gab es im Rahmen des Marshall-Plans öfters.
Ein Neupreis der Maschine ist leider nicht bekannt. Es gibt auch keine Modellbezeichnung, obwohl es mindestens ein weiteres Modell unter der gleichen Marke (aber ohne Rückübertragung) gibt. Die Seriennummer dieses Exemplars ist eine aus dem Mittelfeld der bekannten Nummern, das lässt ganz grob ein Baujahr um 1957 schätzen.

Ein Stellsegment aufgeklappt:
Stellsegmente in Aktion
(MP4, 15 MB):
M.J.Rooy

S.Nr. 12905

34 cm x 17,5 cm x 15 cm
5,7 kg
ca. 1951 - ca. 1962
  • EW (mit EK) 10st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschhebel für EW,
  • 2 Löschkurbeln für ZW und RW.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (zwei 9er),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel.
1/1: nur wenige Gebrauchsspuren; alles funktioniert einwandfrei.

Sperrmechanik und viele Stellsegmente waren durch altes Fett fest, was letztlich nur durch komplettes Zerlegen und Benzinbad zu beheben war. Einen fehlenden Knopf ersetzt, Trommel justiert. Eine Achse zuviel gezogen, unter heftigem Fluchen stundenlang winzige Kügelchen in die Übertragsschieber zurück gedrückt.

Französische Anleitung im Netz gefunden.

Von M.J.Rooy ist im Netz wenig zu finden, nur dass es ein Schreibmaschinen-Hersteller aus Paris war. Deren erste Schreibmaschinen wurden in Lizenz von Underwood gebaut, ab 1950 hießen sie dann ROOY. Wegen einer Klage der Royal Typewriter Co. wurde der Name 1954 zu M.J.Rooy geändert. Irgendwann in der ersten Hälfte der 60er-Jahre wurde die Produktion dann eingestellt.
M.J.Rooy hat die Rechenmaschinen wahrscheinlich nicht selbst gebaut. In Italien wurde eine baugleiche Maschine von der Firma Steiner Calculator aus Mailand (über die man ebenfalls sehr wenig weiß) als „Helios“ angeboten. Vermutlich ist das der eigentliche Hersteller.
In Mailand scheint es überhaupt in den 50er- und 60er-Jahren eine regelrechte „Szene“ von Rechen­maschinen-Konstrukteuren und kleinen bis kleinsten Herstellern und Vertriebsfirmen gegeben zu haben, von denen heute jeweils nur wenige Maschinen bekannt sind und über die man noch wenig weiß.

Addifix-9

Die Addifix ist ein typischer Zahlenschieber im Taschenrechner-Format: Sie misst gerade mal 13 cm x 8,8 cm, ist 0,5 cm dick und 80 g leicht. So ein Gerät war wirklich für jeden erschwinglich: Der Listenpreis lag 1951 bei 8,50 DM. Die Serien­nummer datiert das Exemplar auf ca. 1964.

Neckermann
Addifix-9
S.Nr. 793647

9 cm x 13 cm x 0,5 cm
80 g
1951 * - ca. 1973
  • Eingabe über 9 Schieber (9. Schieber nur per Übertrag),
  • Addition und Subtraktion,
  • Löschschieber.
  • eine Seite zum Addieren, die andere Seite zum Subtrahieren,
  • mit Eingabegriffel aus Metall und Halterung dafür.
2/1: Einige Kratzer, durchgängig überraschend leichtgängige Funktion.

Einen verbogenen Zahn eines Schiebers gerichtet.

Mit Originalgriffel und Etui, eine Addiator-Anleitung im Netz gefunden.

„Addifix“ ist der Name, unter dem das Versandhaus Neckermann ab 1959 die Geräte von Addimult vertrieben hat. Neckermann war zeitweise der zweitgrößte deutsche Versandhändler, ist aber seit 2012 Geschichte (dazu mehr beim „Haushaltkalkulator“). Der vor kurzem Konkurs gegangene Reiseveranstalter Thomas Cook hatte „Neckermann-Reisen“ weiter geführt. Die Marke gibt es aber noch: Der damalige Konkurrent Otto betreibt unter ihr ein zweites Versandportal.

Everest Z4

Das Facit-Design wurde nach Ablauf der Patente von einigen anderen Konstrukteuren aufgegriffen, so auch von Eliseo Restelli, der in den 40er- und 50er-Jahren die Everest Z‑Reihe entwickelte. Seine Maschinen haben aber „normale“ (statt geteilter) Sprossenräder, die Zifferntasten sind ganz anders angeordnet und sie können wegen einer pfiffigen Sperre nur einzeln gedrückt werden.
Die Modellreihe geht von Z1 bis Z5R. Die Z4 ist der Entwicklungsstand mit Einhandbedienung, d.h. alle Bedienelemente sind nun auf einer Seite. Die Z5 bekam zusätzlich einen Additionsmodus, die Z5R dazu eine Rückübertragung.
Dieses Exemplar dürfte um 1954 entstanden sein, der Neupreis lag damals bei 850 DM.

Everest
Z4
S.Nr. 028314

31,5 cm x 19,5 cm x 16,5 cm
6,7 kg
ca. 1952 - ca. 1955
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter und Anzeige für Drehrichtung im ZW (auch durch erste Kurbeldrehung automatisch bestimmt),
  • mitlaufende Stellenzeiger in ZW und RW,
  • Aufhebung der Drehrichtungssperre mit Taste am Boden.
2/1: Gehäuserückseite mit einigen Stoßstellen, Gehäuse sonst sehr gut erhalten; einwandfreie und sehr leichtgängige Funktion

Ausgehängtes Federchen der „Links“-Taste korrigiert, Blenden neu justiert.

Kurzanleitung geschrieben

„Everest“ ist kein Hersteller sondern die Marke, unter der die 1932 gegründete „S.A. Serio Officine Meccaniche di Precisione“ in Crema (am Fluss Serio) und Mailand Rechen- und Schreibmaschinen produzierte. In den 50er-Jahren wurde Serio zum zweitgrößten italienischen Rechenmaschinen-Produzenten (nach Olivetti), auch Fabriken in der Türkei und Jugoslawien („TRS“) gehörten zeitweise dazu. 1967 kaufte Olivetti die Firma und integrierte sie allmählich in den eigenen Konzern, zwei Jahre später wurde die Firma gelöscht. Die Fabrik in Crema wurde von Olivetti 1992 aufgegeben.

Komet TA

Diese Addiermaschine sieht dem Comptometer etwas ähnlich, aber der große Hebel rechts zeigt schon einen wesentlichen Unterschied: Hier muss nach Eingabe des Wertes erst noch dieser Hebel gedrückt werden. Das macht das Rechnen etwas langsamer, ermöglicht dafür aber die Eingabe­kontrolle und hilft, Eingabefehler zu vermeiden.
Alles was eine nichtdruckende Addiermaschine braucht ist da: Minus-Taste, eine Wiederholtaste sowie Löschtasten für Eingabe und Ergebnis. Dazu kommt ein nettes Detail: Die Ziffernrollen im Ergebniswerk haben eine zweite Ziffernreihe mit dem Zehnerkomplement. Falls man unter Null subtrahiert, kann man durch Verschieben einer Blende das negative Ergebnis ggf. direkt ablesen (was allerdings bauartbedingt nur korrekt klappt, wenn man „ganz rechts “subtrahiert). Es gab auch eine Variante ohne Einstellkontrollwerk.
Als „Komet“ war sie kein Erfolg, nur etwa 1.000 Stück wurden gebaut. Ab 1956 wurde sie dann von Brunsviga als „90 TA“ vermarktet und mit dem großen Namen verkaufte sie sich einige Jahre recht gut. Ihr Preis: 325 DM.

mehr Infos (PDF) im
Komet
TA
S.Nr. 051429

23 cm x 27,5 cm x 14,5 cm *
3,8 kg
1952 - 1955
  • EW (mit EK) 8st.,
  • RW 9st.;
  • Addition und Subtraktion,
  • C-Taste für Löschung aller Tasten,
  • Löschung des RW mit Stern-Taste und Hebeldruck.
  • R-Taste für behelfsmäßige Multiplikation,
  • Blende im RW zum Ablesen negativer Summen verschiebbar.
1/1: nur sehr geringe Gebrauchsspuren; völlig einwandfreie Funktion.

Einige Schrauben ersetzt, Einstellkontrolle und Zehnerüberträge justiert.

Kurzanleitung geschrieben.

Komet war die 1951 in Frankfurt gegründete und schon 1955 in Insolvenz geratene Vertriebsfirma. Wirklicher Konstrukteur und Hersteller der Maschine war Sigfried Link, der in Griesheim (bei Darmstadt) eine feinmechanische Werkstatt betrieb, die als Siegfried Link GmbH&Co.KG auch heute noch existiert. Auch die später als „Brunsviga“ verkauften Geräte hat er hergestellt.

Precisa 117

Precisa hat eigentlich eher Addiermaschinen mit Druckwerk gebaut, doch auch dort entwickelte man einen Facit-Nachbau. Der hat wieder geteilte Sprossenräder, wie das „Original“. Die Zifferntasten sind nochmal anders angeordnet, auffällig ist die große Null. Eine praktische Weiterentwicklung der sehr solide gebauten Mechanik ist, dass bei der Dividenden-Eingabe keine 1 ins Zählwerk gezählt wird, also entfällt die sonst danach nötige Zählwerks-Löschung. Vor allem die schräggestellte Kurbel macht die Bedienung angenehm.
Die P117 war nur in der Schweiz selbst preislich konkurrenzfähig, nicht aber in Deutschland: Mit anfangs über 800 DM, später noch 665 DM war sie deutlich teurer als die schwedische Konkurrenz. Entsprechend selten ist sie bei uns.
Es gibt ein frühes Design mit achteckigen Tasten und Schutzbügel aus blankem Metall, dieses Exemplar im moderneren Stil stammt wohl aus der Zeit um 1960. Leider ist über die Verwendung nichts überliefert.

sehr ausführliche Infos im
Precisa
117
S.Nr. 268901

30,5 cm x 22 cm x 15 cm
6,7 kg
1952 - 1963
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Drehrichtung im ZW durch erste Kurbeldrehung automatisch bestimmt,
  • mitlaufende Stellenzeiger in ZW und RW,
  • Anzeige für nicht vollständige Löschung im RW und ZW,
  • ZW bei Dividendeneingabe inaktiv.
1/1: Gehäuse extrem gut erhalten; einwandfreie und leichtgängige Funktion

Sehr viele Teile (darunter auch alle Zehnerübertragssprossen im ZW) waren verharzt und brauchten reichlich Öl, Alkohol und langes Hin- und Hergewackel bis sie wieder leichtgängig wurden.

Mit Haube, französische Anleitung als PDF vorhanden, Kurzanleitung geschrieben.

Brunsviga 13RK

Das ist das erfolgreichste Nachkriegs-Modell von Brunsviga. Sogar nach dem Aufkauf der Firma durch Olympia wurde die 13RK noch einige Zeit hergestellt und sie ist eine der heute noch am häufigsten in Online-Auktionen zu findenden Sprossenrad-Maschinen. Die Rechen­kapazität ist 10‑8‑13 (nicht nur bei Brunsviga fast so etwas wie ein Standard). Sie ist mit Einstellkontrolle, komplettem Zehner­übertrag, Rückübertragung, Gesamt­löschung und Einhandbedienung sehr gut ausgestattet. Für Brunsviga typisch ist die Anordnung der drei Werke übereinander.
Die Seriennummer datiert dieses Exemplar auf Ende 1958 / Anfang 1959. Der Neupreis damals: 598 DM (etwa drei Monatslöhne).

Brunsviga
13RK
S.Nr. 13 - 71610

28,5 cm x 23,5 cm x 17 cm
8,4 kg
1952 - 1964
  • EW (mit EK) 10st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel und ein Gesamtlöschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • im ZW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • Rückübertragung vom RW ins EW (Eingabelöschhebel dazu weiter durchziehen),
  • Schalter für gemeinsame Löschung von EW und ZW.
1/1: Firmenschildchen zerkratzt, sonst wenige Gebrauchsspuren; sehr leichter Lauf aller Teile.

Löschhebel nachjustiert, 2 fehlende Füße ersetzt, Kommaschieber umverteilt, alle Bleche neu lackiert.

Anleitung im Netz gefunden.

Thales DER (II)

Die Modellreihe D von Thales hat eine größere Kapazität. „DER“ steht für das Modell D mit Einstellkontrolle und Rück­übertragung. Dieses Exemplar stammt aus der deutlich überarbeiteten Nachkriegs-Baureihe, deshalb setzte ich die „II“ dahinter.
Erstaunlich ist, dass auch das Nachkriegsmodell noch den außenliegendem Löschkamm für das Einstellwerk hat. Fortschrittlich sind dagegen die Direkt­einstellung der Werte im Resultatwerk (nützlich zum Runden oder zur Einstellung von Dividenden) und die Einhand-Schlittenverstellung. Letztere arbeitet genau gegenläufig zur bei Brunsviga, Rokli und Schubert üblichen Richtung, was einiges an Umgewöhnung erfordert.
Diese Maschine wurde wahrscheinlich 1962 vom ehemaligen Bankhaus Hengst in Offenbach erworben, der Neupreis damals betrug 895 DM. Die später zu „Schröder Münchmeyer Hengst & Co.“ (SMH) fusionierte Bank geriet 1983 in Schieflage und wurde von der Lloyds-Bank übernommen. Da fand man die Maschine in der Hauptbuchhaltung von SMH. Da hatte man keine Verwendung mehr für mechanische Rechenmaschinen, aber zum Glück rettete ein Lloyds-Mitarbeiter die Maschine vor der Verschrottung. Von dem konnte ich sie dann erwerben.

Thales
DER (II)
S.Nr. 160653

33,5 cm x 16,5 cm x 13,5 cm
7,1 kg
1952 - 1965
  • EW (mit EK) 12st.,
  • ZW 10st.,
  • RW 18st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschkamm für EW,
  • 2 Löschhebel für ZW und RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW (auch durch erste Kurbeldrehung automatisch bestimmt),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar.
1/3: Lack am Deckblech ausgebessert, einige kleine Gebrauchsspuren; in den Stellen 1-3 des ZW funktioniert der Übertrag zwischen ...999 und ...000 nicht bzw. blockiert dort.

Abgegriffene Bakelitschale am Rückübertragungshebel und blankgescheuerte Stelle rechts von den Einstellhebeln neu lackiert, Kommaleiste des EW ergänzt.

Kopie der Originalanleitung vorhanden,Kurzanleitung geschrieben.

Monroe LN-160X

Das ist nun wirklich eine Maschine des Herstellers, der die Bauweise mit geteilten Staffelwalzen (die hier sehr schmale, aber richtige Walzen sind) eingeführt hat. Die L-Serie hatte wesentlich kleinere Abmessungen als ihre Vorgänger, es gab auch hier viele verschieden ausgestattete Varianten mit jeweils 12, 16 oder 20 Stellen im Resultatwerk. Die Serie wurde ab 1929 volle vier Jahrzehnte lang gebaut, doch immer mal wieder wurden die Gehäuse modernisiert. Alle guten wie schlechten Merkmale des Maschinentyps finden sich wieder: optionaler Additionsmodus, schnelle Eingabe, aber (meist) keine Rückübertragung.
Dies ist ein relativ spätes Exemplar der einfachsten, handbetriebenen L‑160 („N“ wie „New“, „X“ für „Executive“ = mit Koffer) aus dem Amsterdamer Zweigwerk von Monroe. Das moderne Gehäuse und die hohe Seriennummer lassen ein Baujahr um 1960 herum vermuten.
1961 kostete das Modell 750 DM (etwas über drei Monatslöhne), was im Vergleich zu vielen besser ausgestatteten Maschinen des „Odhner-Typs“ eher teuer war. Weil in vielen Branchen schnelles Addieren wichtiger als Rückübertragung und Zehner­übertrag war fand jedoch auch die kleine Monroe ihre Käufer - zumindest bis die billigen Klone aus Osteuropa auf den Markt kamen.

Größenvergleich:
Monroe K (hier
Nachbau aus der
UdSSR
) und L

Monroe
LN-160X
S.Nr. J724655

30,5 cm x 26 cm x 11 cm
3,7 kg
1952 - 1969
  • EW 8st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 16st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für RW und ZW (je nach Drehrichtung).
  • Zehnerübertrag im RW nur über 9 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (zwei 9er),
  • 2 Tasten für Additionsmodus an/aus.
2/1: Gehäuse sehr gut erhalten bzw. teils nachlackiert, Funktion wieder leichtgängig.

Deckblech wegen der massiv abgestoßenen linken Kante neu lackiert, extrem festgeharzte Kurbel und Zehnerüberträge (mit etwas WD40, mehreren ml Alkohol und vorsichtigem Ölen) gängig gemacht, ein abgebrochenes, aber zum Glück im Gerät liegendes Zähnchen für den Zehner­übertrag der 10.Stelle wieder eingeklebt.

Diese Maschine hat einen nicht originalen, aber stilgerecht alten Koffer als Transportbehälter. Anleitung im Netz gefunden.

Die Monroe Calculating Machine Co. wurde 1912 in New York gegründet. Das erste Serienmodell war die Baureihe „D“, von der ab 1915 ca. 4.000 Stück gebaut wurden. Es folgten die Baureihen E, F, G, K, ab 1929 die deutlich kleinere L und ab Anfang der 30er-Jahre noch M. Insbesondere von den späteren Baureihen gab es viele verschiedene Modelle mit immer mehr Extras. Auch Buchungs- und Addiermaschinen mit Voll- oder Zehnertastatur wurden gebaut.
1958 wurde Monroe von Litton aufgekauft, einem Konzern, der überwiegend militärische Produkte (von Elektronik-Komponenten bis zum kompletten Zerstörer) herstellte.
Ab 1968 baute Monroe den ersten (noch selbst entwickelten) elektronischen Rechner, im Folgejahr wurde die LN‑160X als letzte handangetriebene Maschine zum letzten Mal angeboten. Deren Nettopreis (da kam gerade die Mehrwertsteuer) lag da bei 795 DM, die elektrischen Geräte von Monroe kosteten im gleichen Jahr zwischen 1.300 und 4.000 DM, die ersten Elektronenrechner knapp 7.000 DM, ein weiteres Jahr später sogar bis fast 19.000 DM (der einfachste VW Käfer kostete damals etwa 5.000 DM netto).
1984 verkaufte Litton die Firma wieder. Heute heißt sie „Monroe Systems for Business“, auch (woanders gebaute) Rechner werden immer noch verkauft.

Addimult Ziffrex

Die Ziffrex ist offenbar für Berggorillas und andere Grobmotoriker entwickelt worden. Sie hat große, bequeme Einstellhebel, dadurch allerdings auch lange Stellwege. Ihr Funktionsumfang entspricht dem anderer Kleinaddierer mit Einstellkontrolle, doch sie ist etwa doppelt so breit und lang und hat im Gehäuse mehr Luft als Metall. Mit einem Neupreis von 169 DM war sie eigentlich zu teuer, aber offenbar fand sie doch Käufer: Einige tausend Exemplare sind gebaut worden (1958 war Nummer 6.000 erreicht, die höchsten bekannten Nummern sind knapp über 10.000).
Eine Zahnsegment-Maschine ist für Addimult sehr ungewöhnlich. Manche Sammler vermuten deshalb, das Gerät stamme von einem unbekannten Hersteller und sei von Addimult nur vertrieben worden. Ich denke eher, dass Addimult die Maschine selbst gebaut hat um zu testen, ob genügend viele Berggorillas unter der potentiellen Kundschaft sind (oder ob sich ein „aufgeblasener“ Kleinaddierer teurer verkaufen lässt).

aus der Sammlung Veres
Addimult
Ziffrex
S.Nr. 3874

20 cm x 28 cm x 15 cm
4,5 kg
ca. 1952 - ca. 1962
  • EW (mit EK) 7st.,
  • RW 8st.;
  • Minus-Hebel (Subtraktion nicht unter Null!)
  • Löschtaste für EW (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschdrehgriff für RW.
2/1: Einige Kratzer, ein Hebelgriff mit Riss, einwandfreie Funktion.
Mit Schutzhaube, Kurzanleitung geschrieben.
Die Funktion des Hebelchens vorne links habe ich noch nicht herausgefunden... wer weiß dazu etwas?

Addimult ging aus der Bad Harzburger Zweigstelle des Herstellers Addiator hervor, die der Sohn des Addiator-Gründers 1950 zur selbständigen Firma machte. Sie wurde einer der großen Hersteller von Zahlenschiebern und überlebte bis 2017. Ab 1973 wurden allerdings keine Zahlenschieber mehr gebaut, sondern vor allem Reha-Hilfsmittel.

Facit NE

Nicht jeder konnte oder wollte sich einen teuren Vollautomaten leisten, und auch Halbautomaten waren nicht gerade billig. Für den Export baute man daher bei Facit das Modell NE, eine abgespeckte Version des damaligen Halbautomaten NEA ohne halbautomatische Multiplikation und automatische Division.
Im Düsseldorfer Zweigwerk wurde diese Variante entwickelt: Per Schalthebel kann man einstellen, dass nach dem Druck der Minus- (bzw. Plus-)Taste bis zum Unterlauf (bzw. Überlauf) gerechnet wird (dann geht es mit Rechtsschritt und der jeweils anderen Taste weiter bis zum nächsten Über- bzw. Unterlauf usw.). So beherrscht diese Version eine etwas flottere Stopdivision. Wie bei den „großen Schwestern“ gibt es die praktische ADD-Taste, die beim Addieren gleich die Eingabe löscht.
Diese NE wurde 1954 gebaut. Ein Aufkleber auf der Rückseite zeigt, dass sie bei einem Berliner Händler („Büromaschinen-Zentrale WEST“) gekauft wurde. Den Neupreis kenne ich leider nicht.

aus der Sammlung Kohl

mehr Infos im
ausführliche Infos zu allen
Facit-Rechenmaschinen bei
H.Schmid
Facit
NE
S.Nr. 428956

29 cm x 25,5 cm x 16,5 cm
9,7 kg
1953 - 1957
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 2 Löschhebel für ZW und RW,
  • Löschtaste für elektrische Löschung im EW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Anzeige für Drehsinn im ZW (durch erste Taste bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich),
  • mitlaufende Stellenzeiger in ZW und RW,
  • ADD-Taste für Additionsmodus,
  • Subtraktions-/Divisionsstopptaste,
  • Schalthebel für einmaligen (×) bzw. andauernden (÷) Lauf nach Taste.
2/1: insgesamt sehr schöner Eindruck, aber einige Stoßstellen und Kratzer, Gummifüße etwas brüchig; alles funktioniert einwandfrei.

Fehlenden Hebelknopf ersetzt, stark angeschlagenen Schutzbügel neu (nicht in Originalfarbe) lackiert, blanke Metallteile entrostet/poliert, „abgerauchte“ Entstörschaltung ersetzt.

Anleitung im Netz gefunden.

Hamann Manus R

Das letzte Modell der Hamann Manus hat nun erstmals einen nachgestellten Buchstaben im Namen: Der steht für die Rückübertragung, die die ohnehin gute Ausstattung nochmals deutlich aufwertet. Auch Mitte der 50er-Jahre war das noch Spitze, warum die Maschinen nicht verbreiteter waren ist kaum zu verstehen.
Die Seriennummer dieses Exemplars deutet auf ein Baujahr um 1957, der Preis damals war 598 DM (etwa eineinhalb Monatslöhne). Ich habe sie von einem Händler gekauft, daher weiß ich leider nicht, wo und wofür sie mal benutzt wurde. Sehr heftigem Gebrauch war das Gerät jedenfalls nicht ausgesetzt, es ist in extrem gutem Zustand.

mehr Infos im
Hamann
Manus R
S.Nr. 47 551

27,5 cm x 17 cm x 14,5 cm
4,9 kg
1953 - 1959
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar, Subtraktion per Umschalter,
  • Lösehebel für blockierte Kurbel,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel,
  • „automatische“ Division,
  • daher keine Überlaufglocke.
1/1: Sehr wenige Gebrauchsspuren, alle Hebel, Schalter, Rädchen und die Kurbel sind wunderbar leichtgängig.
Mit Schutzhaube, Anleitung im Netz gefunden.

Everest Z5

Die Nachfolgerin der Z4 hat zusätzlich einen Schalter für den optionalen Additionsmodus, damit löscht jede additive(!) Kurbeldrehung die Eingabe. Ansonsten ist die Technik gleich, auch die schöne Sperre gegen mehrfache Tastendrücke gibt es.
Dieses Exemplar ist wohl 1958 oder kurz danach gebaut worden. 1960 war das Modell zum letzten Mal im Büromaschinen-Katalog, der Neupreis lag da bei 795 DM.

Everest
Z5
S.Nr. 2741612

33 cm x 20,5 cm x 16 cm
6,9 kg
ca. 1953 - 1960
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter und Anzeige für Drehrichtung im ZW, (auch durch erste Kurbeldrehung automatisch bestimmt),
  • mitlaufende Stellenzeiger in ZW und RW,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Aufhebung der Drehrichtungssperre mit Taste am Boden.
2/1: Gehäuse mit wenigen Stoßstellen und sehr gut erhalten, Kurbelbock korrodiert; einwandfreie und leichtgängige Funktion

Eingetrübte Scheibe von RW und ZW ersetzt, Ziffern der Tastatur neu eingelegt.

Kurzanleitung geschrieben

Brunsviga 13B

Das hier ist das Modell für die Kunden, denen die Brunsviga 13RK zu teuer war. Aber vielleicht spielte auch die Materialknappheit nach dem Krieg eine Rolle bei der Entwicklung. Bei der 13B ist so ziemlich alles weggelassen, was nicht unbedingt notwendig ist. Es fehlen Einstellkontrolle, Rück­übertragung, Gesamtlöschung und Schlittenschieber unter der Kurbel. Immerhin gibt es den Zehner­übertrag im Zählwerk, letztlich kann hier alles gerechnet werden was mit der 13RK auch geht, nur eben oft deutlich umständlicher und etwas fehleranfälliger.
Die Seriennummer datiert dieses Exemplar auf 1953, der damalige Preis ist leider nicht bekannt.

Brunsviga
13B
S.Nr. 285523

28,5 cm x 23,5 cm x 17 cm
6,7 kg
1953 - ca. 1961
  • EW 10st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • im ZW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW.
2/2: Um die Einstellhebel herum etwas abgegriffen, sonst wenig Benutzungsspuren. Leichter Lauf von Kurbel und Einstellschiebern, der Schlitten läuft noch etwas rauh.

Einige hakelnde Sprossen und den total festgefressenen Stellenzeiger im ZW wieder gängig gemacht.

Madix HM

Diese Sprossenrad-Maschine ist (abgesehen vom Gehäuse) wieder ein sehr genauer Nachbau der Facit TK. Sie hat daher auch die von Karl Rudin erfundenen geteilten Sprossenräder (ein Fünferzahn und vier Einzelsprossen) und alle anderen technischen Merkmale des Vorbilds.
Die „Allesrechenmaschine Modell HM“ wurde im VEB Madix Feinwerktechnik Dresden gebaut. Dieses Exemplar hat auf der Rückseite eine Marke mit Garantie von 1961 bis 1962, es ist also eines der späten Geräte. Am Boden steht „ZBO Güstrow“ („Zwischengenossenschaft­liche Bauorganisation“).

Madix
HM
S.Nr. D24127

29,5 cm x 19 cm x 15 cm
5,8 kg
1953 - 1962
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Anzeige für Drehsinn im ZW, (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich),
  • mitlaufende Stellenzeiger in ZW und RW.
3/3: Gehäuse mit einigen Gebrauchsspuren, der Tastenschutzbügel ist nicht mehr belastbar; normale Rechnungen funktionieren leichtgängig und einwandfrei, die Drehrichtungs­umkehr im ZW hakelt jedoch ziemlich (mit etwas Getrickse ist das o.k.).

Ziffern 4 und 9 durch Nachjustieren der Trommel benutzbar gemacht. Einige massiv abgeschabte Ziffern der Sprossenrad-Walze nachgemalt. Beide Kommaschieber-Leisten und zwei Zifferntasten fehlten, von einer unreparierbaren Precisa stammen die Ersatzteile. Der Bügel ist inzwischen auch angeklebt ... und vielleicht kann auch die Drehrichtungsumkehr noch irgendwie justiert werden?

Scan der Anleitung von B. Reich erhalten - VIELEN DANK!

Zum VEB Madix ist recht wenig bekannt, aber im Stadtwiki von Dresden und auf der Seite Dresdner Stadtteile finden sich einige Hinweise. Demnach haben Max Dietze und Hermann Schäfer nach dem 1.Weltkrieg die Firma gegründet. Anfangs stellte man vor allem feinmechanische Teile für die Näh­maschinenindustrie her. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Firma enteignet und zum VEB.
Da in Dresden vor dem Krieg auch Facit-Maschinen gebaut wurden (in der Fabrik von Hans Sabielny) darf man davon ausgehen, dass Madix irgendwann zwischen 1939 und 1945 deren Werkzeuge und den einen oder anderen Mitarbeiter übernahm.
Schwerpunkt der Produktion wurden später hydraulische Geräte, z.B. Wagenheber. 1990 übernahm die Weber-Hydraulik GmbH den Betrieb, 2007 wurde die Produktion komplett eingestellt.

Summira 7

Besonders in den 50er-Jahren waren Kleinaddierer sehr verbreitet. Hilfe beim Rechnen war gewünscht, aber die „großen“ Rechenmaschinen waren für die breite Masse noch zu teuer. Auch die Summira 7 war da für viele die Lösung, denn ihr Neupreis betrug gerade mal 89 DM. Sie rechnet genau wie die Resulta 7 mit Zahnscheiben, auch hier kann mit einem Hebel zwischen Addition und Subtraktion gewechselt werden. Diese Ähnlichkeit hat einen Grund: Beide Maschinen konstruierte Fritz Wichert. Die Summira ist aber deutlich verbessert, denn man braucht wegen der größeren Einstellräder (siehe Größenvergleich unten) keinen Griffel mehr und hat recht geschickt eine Einstellkontrolle ohne eine gesonderte Mechanik realisiert. Das umständliche Hin- und Herschalten zur Subtraktion stört aber, das konnten die letzten Resultas besser.
Die Summira gab es auch neunstellig, teils sogar mit Druckwerk. Letztere konnte außerdem mit einer kleinen Kassenschublade geliefert werden und war damit eine einfache Registrierkasse.
Dieses Exemplar scheint ein recht frühes Modell zu sein, die bekannten Seriennummern sind alle höher. Das Baujahr dürfte also um 1955 herum sein.

Summira
7
S.Nr. 47821

15 cm x 19,5 cm x 13,5 cm
2,1 kg
1953 - ca. 1968
  • EW (mit EK) 7st.,
  • RW 7st.;
  • Umschalter Addition/Subtraktion,
  • Löschtaste für EW (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschkurbel für RW.
  • Eingabekontrolle in unterster sichtbarer Zeile,
  • Löschtaste des EWs kann fixiert werden.
2/1: Zahlen der Einstellräder teils etwas angegriffen, sonst keine Gebrauchsspuren, alles läuft einwandfrei.

Eine Feder gekürzt, weil das zugehörige Einstellrad nicht gut zurück lief.

Mit Schutzhaube, Kurzanleitung geschrieben.

Summira wurde 1953 von Paul Müller gegründet. Er entwickelte und baute bis Ende der 60er-Jahre mechanische Addier- und Subtrahiermaschinen. Mit dem Aufkommen der Elektronik wurde die Firma zum Werkzeughersteller, auch heute noch führt sie Auftragsarbeiten in der Metallbearbeitung aus.

Schubert DRV

Auch diese Sprossenrad-Maschine ist sehr sorgfältig verarbeitet und gut ausgestattet mit Extras, hat aber auch schon einige Plastikteile innen und z.T. außen.
Vielleicht auch wegen dieser Plastikteile blieb der Preis dieser Maschine 1959 gerade noch unter den „magischen“ 600 DM: die damalige Preisgrenze für eine Möglichkeit der sofortigen Abschreibung (Ende der 60er-Jahre stieg die Abschreibungsgrenze dann auf 800 DM, was bis 2017 konstant blieb).
Elektromechanische Vierspezies-Maschinen waren damals um den Faktor 3 bis 4 teurer, die im folgenden Jahrzehnt allmählich häufiger werdenden elektronischen Geräte kosteten anfangs noch mal doppelt so viel. Da griff doch einige Jahre lang so mancher lieber noch zur Kurbel.
An den Preisen im Büromaschinen-Katalog lässt sich aber gut der schnelle Siegeszug der Elektronik sehen: 1973 kostete diese Maschine immer noch 660 DM (nun netto, da gab es schon die MWSt.), 1974 wurden die Restbestände für 210 DM verramscht, 1975 gab es in den Katalogen kein Angebot von Schubert mehr.
Dieses Exemplar stammt aus einem Büro bei toom/REWE. Die Seriennummer deutet auf ein Baujahr um 1965. Der sehr gute Erhaltungszustand der Maschine liegt vielleicht mit daran, dass um diese Zeit die meisten Firmen baldmöglichst auf die schnelleren elektrischen Maschinen mit mehr Funktionen umstiegen.

mehr Infos im
Schubert
DRV
S.Nr. 154277

30 cm x 14 cm x 11,5 cm
5,7 kg
1953 - 1968
  • EW (mit EK) 10st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW, (auch durch erste Kurbeldrehung automatisch bestimmt),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • wahlweise gemeinsame Löschung von ZW und RW,
  • Schlittentabulator doppelt (für optionale Einhandbedienung).
1/1: Das Gehäuse sieht fast wie am ersten Tag aus, null Rost, keinerlei Verharzungen: eine gut gelagerte und gepflegte Maschine! Sehr leichter Lauf aller Teile.
Mit Schutzhaube, Anleitung im Netz gefunden.

Zwei Jahre nach dem Verlassen der Thaleswerke gründete Emil Schubert unter seinem eigenem Namen wieder eine neue Firma und baute erneut Rechenmaschinen. Die alten Patente gehörten ihm nicht mehr, daher musste er „in Selbstüberlistung“ einiges nochmals neu und anders erfinden - was ihm offenbar gelang. Die Konstruktion der DRV stammt noch von Schubert selbst, den Produktionsbeginn hat er leider nicht mehr erlebt. Nach der Zeit der Rechenmaschinen entwickelte sich die Firma zum Anlagenbauer weiter und existierte mindestens bis 2001. Ob es sie heute noch gibt weiß ich nicht.

Rokli 7RS

Das ist eigentlich auch eine DRV. Aber hier steht auf dem Deckblech Rokli statt Schubert und die Modell­bezeichnung lautet 7RS: Das ist eine der an Robert Kling verkauften Maschinen, die dort als deren „eigene“ Sprossenrad-Maschine angeboten wurde. Dafür produzierte Kling Addiermaschinen, die dann auch als „Schuberts“ verkauft wurden.
Da diese Kooperation nur wenige Jahre bestanden hat muss die Maschine irgendwann zwischen 1958 und 1962 gebaut worden sein. Die Preise waren für Schubert- und Rokli-Exemplare gleich, für beide wurden damals knapp 600 DM verlangt.
Weil das Gerät ein Flohmarktfund des Vorbesitzers ist, weiß ich nichts über seine frühere Verwendung. Irgendwann zu DM‑Zeiten gehörte sie jemandem in Langgöns, auf der Unterseite ist ein Verkaufsinserat von damals aufgeklebt.

„Rokli“
7RS
S.Nr. 031560

30 cm x 14 cm x 11,5 cm
5,7 kg
1958 - 1962
  • EW (mit EK) 10st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW, (auch durch erste Kurbeldrehung automatisch bestimmt),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • wahlweise gemeinsame Löschung von ZW und RW,
  • Schlittentabulator doppelt (für optionale Einhandbedienung).
2/1: einige kleine Lackschäden, Hebelköpfe teils angegriffen; alles funktioniert leichtgängig.

Blockierten Einstellhebel gängig gemacht, einen Löschhebel gerade gebogen und beim anderen die gebrochene Feder repariert, abgegriffene Seitenteile des Schlittens lackiert. Weil kein Stellenzeiger mehr vorhanden war mussten die beiden anderen Rokli-Maschinen einige davon abgeben.

Olympia 192-030

Diese Addiermaschine hat eine damalige Neuerung, die heute noch auf fast allen Computertastaturen zu finden ist: die moderne Zehnertastatur! Die Ziffern­übertragung in die verschiedenen Stellen wird mit einem beweglichen Stiftschlitten gemacht (Bild und Erklärung bei der Contex 10).
Die Olympia 192-030 kann auch saldieren, d.h., sie zeigt negative Ergebnisse korrekt (sogar in rot) an. 192 bezeichnet die Gerätebasis (Kapazität 9/10, eine Nulltaste), 030 bedeutet Handantrieb.
Im Internet findet man über dieses Modell rein gar nichts. Olympia hat in einem Vierteljahrhundert unzählige verschiedene Varianten dieser und anderer Baureihen gebaut: teils mit Handkurbel wie hier, teils mit Elektromotor (gelegentlich auch beides gleichzeitig), mal in diesem robusten grünen Schrumpflack, mal in glatt und hellgrau oder später auch im weißen, eckigen Plastikgehäuse, mit verschiedenen Kapazitäten der Rechenwerke und mit unterschiedlichsten Formular- oder Papierrollenhaltern.
Das Baujahr dieses Gerätes ist nicht ganz klar. Schon im Büromaschinen-Lexikon von 1958 finden sich nur neuere Modelle, aber die Aufzählung dort ist nicht vollständig. Ich vermute mal zweite Hälfte der 50er-Jahre, damalige Preise lagen knapp unter 600 DM. Es stammt aus einem ehemaligen Süßwaren-, Tabak- und Jagdwaffenladen mit Gasthaus(!) in der Nähe von Osnabrück.

Olympia
192-030
S.Nr. 120806

29 cm x 35 cm x 20,5 cm
8,3 kg
1953 - 1978 (Baureihe D1)
  • EW 9st.,
  • RW 10st.;
  • Druckwerk 10st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • Korrekturschieber.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck,
  • Rotdruck subtrahierter Werte und negativer Summen,
  • R-Taste für behelfsmäßige Multiplikation,
  • Nichtrechentaste,
  • Zeilenvorschub einstellbar (0, 1, 2‑zeilig).
2/1: Kaum Stoßstellen, Tastatur fast wie neu. Einwandfreier Druck und Rechenfunktion.

Zerbrochene Abreißkante der Papierrolle (aus Plexiglas) durch passend zurechtgeschliffenes Sägeblatt ersetzt. Neues Farbband, neue Papierrolle.

Schutzhaube aus Wachstuch schneidern lassen, Kurzanleitung geschrieben.

Auch hier gibt es (wie bei vielen Herstellern von Rechenmaschinen) einen Bezug zum Waffenbau: Die bei Olympia gebauten Rechenmaschinen haben Ingenieure entwickelt, die vorher bei den Mauser-Werken waren und ab 1949 mit ihrer eigenen Firma „Feinwerkbau“ für große Firmen als Entwickler und Zulieferer tätig waren. Diese kleine Firma ist heute ein bekannter Hersteller hochpräziser Sportwaffen.
Olympia selbst wurde 1903 von der AEG als Tochtergesellschaft „Union Schreibmaschinen-GmbH“ gegründet, hieß ab 1936 „Olympia Büromaschinenwerke AG“, wurde mit Rechen- und Schreibmaschinen äußerst erfolgreich - und verschwand als Produktionsstätte 1991 in den beginnenden Wirren der AEG-Zerschlagung. Die Marke Olympia blieb zwar bis heute erhalten, der Markeninhaber ist aber kein Hersteller sondern nur ein Vertrieb. Er kauft alles in Fernost ein und lässt dort seine Schildchen draufkleben.

Diehl EvM15

Eine weitere elektrisch angetriebene Staffelwalzen-Maschine, die alle vier Grundrechenarten kann. Die verkürzte Multiplikation erfolgt durch Eintippen des 2.Faktors (Ziffer für Ziffer, rechts angefangen) in der Tastenreihe ganz links. Die Division läuft nach Einstellung des Dividenden und Eintippen des Divisors vollautomatisch. Die EvM hat als eines der einfacheren Modelle keine Einstellkontrolle und keinen durchgehenden Zehner­übertrag im Resultatwerk. Alle Tasten sind sehr leichtgängig, geteilte Staffelwalzen sorgen dafür, dass auch für die Ziffern 5 bis 9 nur kurze Tastenwege nötig sind.
Innen an der Verkleidung sind zwei Datumsstempel, die als Baujahr 1956 zeigen. Der Neupreis 1958 betrug 1.925 DM (etwa 5 Monatslöhne), auch diese teure Maschine ist wieder vom Steuerzahler finanziert worden: Sie wurde in der Düsseldorfer Stadtverwaltung benutzt.

Diehl
EvM15
S.Nr. 20325

43 cm x 36 cm x 15,5 cm
13,7 kg
1954 - 1962
  • EW 8st.,
  • ZW 7st.,
  • RW 15st.,
  • Grundrechenarten,
  • Löschtasten für die 3 Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 9 Stellen,
  • Ziffern im RW und ZW direkt einstellbar,
  • ZW umschaltbar,
  • Schlittenrücklauftaste,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • automatische Division (auch negativ),
  • auf 110V oder 220V einstellbar.
2/1: Guter Gesamteindruck, einige Stoßstellen, Tasten teils etwas angegriffen, Gehäuse durch den Kleber der Dämmung innen etwas korrodiert; die Maschine rechnet einwandfrei, die alten Kondensatoren mag ich allerdings nicht mehr länger belasten.

Zerbröselte Schaumstoffdämmung innen entfernt und teils ersetzt.

Mit Schutzhaube, Anleitung für die Diehl E im Netz gefunden, Kurzanleitung geschrieben.

Heinrich Diehl gründete 1902 in Nürnberg eine Kunstgießerei. An Rechenmaschinen dachte man dort bis nach dem 2.Weltkrieg nicht. Aber 1950 übersiedelte fast die gesamte Führungsebene der Archimedes-Werke samt Chefkonstrukteur und Fertigungsleiter in den Westen, weil die Enteignung der Fabrik in Glashütte absehbar war. Mit Diehl wurde man schnell einig: Diehl bekam eine Lizenz von Archimedes und 1952 begann man dort mit der Produktion und Weiterentwicklung der Archimedes-Maschinen. Alle Modelle waren elektrisch angetrieben, doch für die Bundeswehr wurden auch Maschinen mit optionalem Handantrieb gebaut. Diehl wurde in Deutschland sehr erfolgreich, auch dank guter Kontakte zum Staatsapparat. Ab 1963 wurden Vierspezies-Maschinen mit Zehnertastatur auf den Markt gebracht, die auch in den USA (als SCM) sehr gut verkauft werden konnten.
1972 wurde die Produktion aller mechanischen Rechenmaschinen eingestellt. Stattdessen wurden elektronische Rechner bis hin zum Kleincomputer entwickelt und vermarktet. Diese Sparte wurde als „Diehl-Datensysteme“ ausgegliedert, 1978 an Triumph-Adler verkauft und 1983 (beim Aufkauf von TA durch Volkswagen) aufgelöst.
Diehl ist heute ein großer Konzern im Besitz einer Stiftung, die von der Familie Diehl gelenkt wird. Die Produktpalette reicht von Uhren, Flugzeugausrüstungen und Munition bis zu vielen Arten von Metallguss-, Walz- und Schmiedeteilen.

Brunsviga D 13 R-1

Bei den Nachfolgern der D 13 Z wurden zwei (selten sogar drei) Maschinen auf Basis der 13RK miteinander verbunden. Daher gibt es nun auch die Rückübertragung. Als kleines weiteres „Extra“ gibt es sechs einstellbare Plus/Minus-Marken, die aber nur als Merkhilfe für Koordinatenvorzeichen dienen und auf die Mechanik nicht einwirken.
Das Typenschild dieses gut 14 kg schweren Geräts nennt als Liefermonat den Dezember 1961. Selbst die Garantiefrist ist im Metallschildchen verewigt. Der Neupreis damals: stolze 2.125 DM! Ein kleiner Aufkleber daneben zeigt, dass diese Maschine aus dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung stammt. Sie wurde dort offenbar nie benutzt und war wohl nur für den Fall eingelagert, dass die Bundeswehr (Artillerie?) mal ohne Strom Koordinaten errechnen müsste. Sie war in einem massiven Kasten mit Holzboden und Stahldeckel, dabei sind noch ein Schraubenschlüssel (mit dem man die Maschine aus dem Kasten lösen konnte) und ein Dreikant-Maßstab (zur Umrechnung von Kartenmaßen in echte Entfernungen).
Es gab auch hier Varianten mit 18 statt 13 Stellen oder mit zweitem Zählwerk. Sehr selten findet man auch Exemplare mit einer echten Radizierautomatik. Die wurde allerdings nicht bei Brunsviga selbst, sondern von W.Faber in Neesen entwickelt und in vorhandene Doppelmaschinen der Variante R-1 eingebaut (also eine Art „externes Rechenmaschinen-Tuning“).


Das Wendegetriebe
(MP4, 2 MB):

Brunsviga
D 13 R-1
S.Nr. 43 - 99335

48 cm x 23 cm x 17,5 cm
14,5 kg
1954 - ca. 1970
  • 2x EW (mit EK) 10st.,
  • ZW 8st.,
  • 2x RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • nur 4 Löschhebel für die fünf Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • im ZW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW,
  • Rückübertragung von den RW in die Eingaben (Eingabelöschhebel dazu weiter durchziehen),
  • Ziffern in den RW direkt einstellbar (mit Hebel, der das erleichtert),
  • Schalter zur optionalen gemeinsamen Löschung von rechtem EW und ZW.
1/1: Praktisch neuwertig; sehr leichter Lauf von Kurbel, Schlitten und Einstellschiebern.

Eine einzige festgesetzte Stelle gelöst, eine fehlende Hebelkappe ersetzt.

Stahlhaube (in Bundeswehr-Oliv) und Staubschutzhaube vorhanden, Text einer Kurzanleitung im Netz gefunden und bebildert.

Numeria 7101

Die Numeria mit Volltastatur und verschiebbarem Schlitten sieht wie eine typische Maschine des „Monroe-Typs“ aus. Sie hat auch die Vor- und Nachteile dieser Bauweise: die Möglichkeit, bei jeder Kurbeldrehung das Einstellwerk zu löschen (der „Additionsmodus“), keine Rückübertragung, kein Zehner­übertrag im Zählwerk. Vor allem die Kapazität des Zählwerks ist recht begrenzt, andere Modelle der Firma hatten da deutlich mehr Stellen. Mit einer fixierten „1“ links kann im Resultatwerk ein Zähler mit Zehner­übertrag realisiert werden.
Innen weichen alle „Numerias“ aber in einem ganz wichtigen Punkt deutlich vom Vorbild ab: Hier sind keine normalen Staffelwalzen am Werk sondern „Axial-Sprossenräder“ mit seitlich verschiebbaren Sprossen. Offenbar wollte man weder die Patente von Monroe verletzen noch teure Lizenzen erwerben und erfand daher diese Abwandlung.
Diese Maschine wurde um 1956 bei Lagomarsino in Mailand gebaut. Der Preis blieb wieder knapp unter den 600 DM, angesichts der Konkurrenz und ihrer Minimalausstattung war das schon recht teuer. Diese Maschine stammt aus Oldenburg in Holstein, dort wurde sie in den 60er-Jahren von einem Malermeister für Rechnungen, Kostenvoranschläge oder die Berechnung von Wochenlöhnen genutzt.

mehr Infos bei
J.Scherphuis und R.Atzbach
Numeria
7101
S.Nr. 43645

35 cm x 23 cm x 19 cm
6,8 kg
1954 - ?
  • EW 10st.,
  • ZW 6st.,
  • RW 14st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für RW und ZW (je nach Drehrichtung).
  • Zehnerübertrag im RW nur über 11 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (zwei 9er),
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Zählerschieber schützt die 1 ganz links vor Löschung (= provisorischer Zähler mit Übertrag).
3/1: Neben harmlosen Stoßstellen auch einige größere Lackschäden (z.T. mit Rostansätzen) am Gehäuse, die sich wegen des Schrumpflacks nur ungenügend reinigen ließ; alles funktioniert jedoch einwandfrei.

... nach völligem Zerlegen, Erneuern des Zählerschiebers, Geradebiegen von Schlittenstange und Schlittenverkleidung und Richten einer ausgehängten Feder im Zehnerübertrag. Abgestoßene Kurbel neu lackiert - ich überlege noch, das ganze Gehäuse neu zu lackieren.

Kurzanleitung geschrieben.

Numeria ist eine Marke, unter der die Maschinen mehrerer verschiedener Hersteller verkauft wurden. Die ersten Numerias wurden ab 1940 von einer Firma namens SICMU produziert, schon bald übernahm jedoch Lagomarsino deren Produktion. Lagomarsino war ab 1896 erst ein Importeur (z.B. auch für Brunsviga), baute aber ab 1937 selbst Rechenmaschinen. Heute findet sich keine Spur der Firma mehr, die Werkshallen an der Viale Umbria in Mailand sind abgerissen oder haben neue Nutzer. In der italienischen Wikipedia steht das Jahr 1970 als Zeitpunkt der Firmenauflösung.

Aristo Scholar 0903LL

Auch das ist, wie der Name schon vermuten lässt, ein typischer Rechenstab für Schüler. Meine etwas ältere Schwester hat in der Schule noch damit gerechnet. Es ist ein typischer, wenn auch etwas einfacher 30 cm‑Stab (Skalenlänge 25 cm), also ein ganzes Stück genauer als der Mini-Rechenstab in dieser Sammlung. Wegen seiner Breite kann er zudem einige Skalen mehr tragen.
Mehr als zwei Jahrzehnte wurde dieses Modell produziert, bis ganz zum Schluss der Produktion von Rechenschiebern. Dieses Exemplar wurde 1974 hergestellt.

ein interaktiver Rechenschieber bei
A.Brünner
der „Eierkoch-Rechenstab“:

die Formeln dazu (mit PDF zum Selbstbau) auf
Calculating History
Aristo
Scholar 0903LL
Datumscode LT57

33 cm x 5 cm x 1 cm
60 g
1954 - 1977
  • Skalen: L K A (B Bl CI C) D S ST T; hinten: (S LL1 LL2 LL3) d.h.: log, Kubik, Quadrat (2x), Kehrwert des Quadrats, Kehrwert, Grundskala (2x), sin (auch für cos), sin für kleine Winkel, tan (auch für cot); hinten: sin/cos, ex/100, ex/10, ex.
  • Sondermarkierungen: π, p (π/180), e,
  • der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war.
2/1: Einige Gebrauchsspuren auf der Rückseite, leicht vergilbt, alle Markierungen einwandfrei und daher einwandfreie Funktion.
Mit Etui, Anleitung im Netz gefunden.

Rokli 16R

Das ist eine „kleine Schwester“ der Rokli 7R. Auch sie hat alle wesentlichen Extras, aber als sehr preisgünstiges Modell eine geringere Kapazität und die alte Kurbellöschung im Schlitten (als Rokli 6 ohne Rückübertragung war sie nochmals 50 DM billiger, für 35 DM mehr gab es die Rokli 6R mit gleicher Stellenzahl und moderner Hebellöschung). Rokli nutzte offenbar eine Art „Baukastenprinzip“: Viele Bauteile wurden in unterschiedlichen Geräten genutzt. Daher sind auch viele Teile der 16R mit denen der 7R identisch. Das Chassis z.B. hat auch die Öffnung für eine Schlittenfreigabe-Taste, obwohl die Taste samt ihrer Mechanik fehlt. Auch die Achsen aller Werke sind gleich, bis hin zur Zahl der Löschzähne. Bei der 16R ist aber (statt einiger Sprossen­räder rechts) eine Aluhülse eingebaut und in den drei Anzeigen wurden jeweils Ziffernräder weggelassen.
Das Baujahr dieses Exemplars ist wohl 1955, der damalige Listenpreis lag bei 545 DM. Es wurde bei Coca-Cola in Hadamar benutzt und eine Angestellte durfte es mit nach Hause nehmen als man dort alle mechanischen Rechner ausgemustert hat. So hat diese Maschine überlebt, das ist bei vielen anderen der heute noch vorhandenen Rechenmaschinen sicher ähnlich gelaufen.

Rokli
16R
S.Nr. 012149

33 cm x 16 cm x 15 cm
4,5 kg
1955 - ca. 1958
  • EW (mit EK) 6st.,
  • ZW 6st.,
  • RW 10st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Rückübertragung vom RW ins EW.
2/1: einige Stoßstellen, die rechten drei Zahlenreihen durch häufige Benutzung etwas abgegriffen, Gummifüße noch einwandfrei. durchweg leichtgängiger Lauf.

Das völlig dejustierte Einstellkontrollwerk blockierte die Maschine und jemand hatte es zu gut gemeint und die Sprossenräder heftig geölt. Nach Neujustierung und einer Benzinspülung funktioniert alles wieder.

Kurzanleitung geschrieben.

Badenia TEH10

Obwohl die TEH10 relativ spät auf den Markt kam, zeigt sie ein recht seltenes Zwischenstadium der Entwicklung: Diese Staffelwalzen-Maschine hat zwar einen Elektromotor, aber es gibt hier auch noch eine reguläre Handkurbel. Wenn mal der Strom ausfällt oder der Motor defekt ist, kann sie also trotzdem benutzt werden. Die Ausstattung ist ähnlich gut wie bei der Badenia TH13 weiter oben: kleinere Kapazität, dafür aber Stopdivision per wechselweisem Subtrahieren und Addieren.
Die TEH10 war damals die kleinste Maschine von M.Bäuerle, sie kostete 985 DM (knapp drei Monatslöhne). Dieses Exemplar, Baujahr 1955, stammt aus einer Firma für Maler- und Tapeziererbedarf in Berlin.

Badenia
TEH10
S.Nr. 30190

37 cm x 33 cm x 20 cm
11,6 kg
1955 - 1962
  • EW 7st.,
  • ZW 6st.;
  • RW 10st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschhebel für EW, 2 Löschschieber für ZW und RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter zur Abschaltung bzw. für Drehrichtungsumkehr im ZW,
  • Schalter für Additionsmodus (nach rechts Löschhebel!),
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schlittenverstellung nach rechts per Hand und zurück durch Schritttaste,
  • elektrischer Motorbetrieb (ohne Kurbel), Handantrieb des Motors (Kurbel leicht aufgesetzt) oder reiner Handbetrieb (Kurbel ganz eingeschraubt) wählbar,
  • Stopdivision nur bei Motordrehung,
  • Schalter für Addition/Subtraktion bei Handbetrieb,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
2/1: einige Stoßstellen und Kratzer, einige Tasten etwas zerkratzt; alles funktioniert einwandfrei.

Schlittengriff befestigt, Schlittenstange poliert, einige fehlende Schrauben und Gummipuffer ersetzt, breitgesessene Gummirädchen rundgefräst, Hebelchen für Stopdivision wieder eingehängt, Feder zur Dämpfung eines Hebels eingebaut, die brummende (und offenbar früher mal wegen Überhitzung ausgelaufene) Entstörschaltung komplett neu aufgebaut.

Anleitung im Netz gefunden.

Melitta VII/16

Hoch entwickelte mechanische Rechenmaschinen wurden auch in der DDR gebaut. Diese hier ist das letzte und höchstentwickelte Modell der Firma: Sie hat Einstellhebel, die nicht mit den Sprossenrädern mitdrehen müssen (also etwas größer sein können und daher bei längerem Rechnen die Fingerkuppen schonen), Daumentasten (zur Einhandbedienung), kompletten Zehner­übertrag und Rückübertragung. Die Ähnlichkeit zu Kapazität und Bedienung der Walther WSR160 ist nicht zufällig: Zwischen 1926 und 1945 kamen alle „Walthers“ und „Melittas“ aus dem gleichen Werk, nach 1945 wurde in Ost und West auf Grundlage der gleichen Konstruktion in gleiche Richtung weiter entwickelt.
Die Materialspar-Notwendigkeiten im Ostblock zeigen sich auch hier und das hat oft Folgen: Die langen Einstellhebel sind aus viel zu dünnem Material und verbiegen leicht, andere Sammler berichten daher von vielen deshalb blockierten Maschinen. Die Gummifüße hingegen sind aus wesentlich besserem Material als alles, was im Westen dafür genutzt wurde.
Das Baujahr dieser Maschine dürfte 1956 oder 1957 sein. Auch in Westdeutschland wurden diese Maschinen verkauft, der Preis orientierte sich stets an dem der Walther WSR160.

mehr Infos im
Melitta
VII/16
S.Nr. 104234

30 cm x 15 cm x 15 cm
5,0 kg
1955 - 1963
  • EW (mit EK) 10st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 16st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschkurbel für ZW und RW (Schalter an der Kurbel wählt nur ZW, nur RW oder beide. Stets 2x drehen!),
  • Löschhebel für EW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Drehrichtungs­umschaltung im ZW nur manuell (Schalter hinter Kurbelraste),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schlitten mit Federzug kann einfach nach rechts geschoben werden,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel im EW.
1/1: Nur kleine Lackschäden und gut erhaltene Beschriftung. Die Gummifüße sind erstaunlicherweise fast wie neu. Alles läuft wieder leicht und nichts hakelt mehr

... nachdem einer der Einstellhebel leicht zurechtgebogen wurde. Fehlenden Knopf des Löschwahlhebels ersetzt, beide Seitenteile neu lackiert, weil die Originalfarbe abblätterte.

Mit Schutzhaube, Kurzanleitung geschrieben.

Die ganz frühen Melitta-Sprossenradmaschinen wurden von den Mercedes-Werken in Zella-Mehlis hergestellt (nein, weder mit Kaffee-Filtern noch Autos hat das etwas zu tun!). Weil Mercedes ab 1926 aber nur noch Proportionalhebelmaschinen (z.B. die Mercedes-Euklid 4) bauen wollte, gaben sie die Herstellung der Sprossenradmaschinen an die Firma Carl Walther im gleichen Ort ab. Diese Rechenmaschinen wurden auch von Mercedes als „Melitta“ verkauft. Nach dem Krieg wurden die Walther-Werke nach Westdeutschland verlegt, in Zella-Mehlis bauten ehemalige Walther-Mitarbeiter als „August-Bebel-Werk“ anfangs die gleichen Modelle unter der Marke Melitta. Schon wenig später wurde diese Produktion in das ehemalige Fortuna-Schreibmaschinenwerk (dann „VEB Ernst-Thälmann-Werk“) nach Suhl verlagert, dort fand auch die Weiterentwicklung statt. Auch dort endete kurz nach 1970 die Produktion mechanischer Rechner, letzte Neuentwicklung war vermutlich die kleine Melitta Junior.

Original-Odhner 239

Mit „modernen“ Formen und günstigen Preisen (sprich: oft billigen Materialien und schlechter Verarbeitung) versuchte so manche Firma der Konkurrenz der elektrischen (und später auch der elektronischen) Geräte standzuhalten. Die damals fast futuristische Keilform dieser Sprossenrad-Maschine wurde von den Stardesignern Bernadotte und Bjørn entworfen. Von billiger Verarbeitung kann aber keine Rede sein: Die Maschine wirkt äußerst solide, nichts wackelt und auch nach über einem halben Jahrhundert funktioniert sie immer noch einwandfrei und leichtgängig.
Die Seriennummer deutet auf ein Baujahr um 1958. Damals und auch noch zehn Jahre später kostete das Modell etwas unter 500 DM. Das war ein extrem günstiger Preis, denn Modell 239 hat mit Einstell­kontrolle, Zehner­übertrag im Zählwerk und Rückübertragung alle wichtigen „Extras“ und war das Spitzenmodell der Firma.
Von wem und wo die Maschine mal benutzt wurde ist mir leider nicht bekannt. Viel benutzt wurde sie jedenfalls nicht, dafür sieht sie zu gut aus.
Ach ja: Diese Maschine ist es, die mich mit dem Virus Calculatrix infiziert hat...

mehr Infos zur Odhner 200er-Serie im
Division (13579:5432)
(MP4, 25 MB):

(viel umständlicher als z.B. bei der
Friden STW10 oder dem Automat T!)
Original-Odhner
239
S.Nr. 883439

33 cm x 17,5 cm x 13,5 cm
6,5 kg
1955 - 1968
  • EW (mit EK) 10st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschkurbeln für ZW und RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Löschung des EWs über Schieber und Hauptkurbel.
1/1: Bis auf kleinste Stoßstellen sieht das Gehäuse fast wie neu aus, auch hier wieder kein Rost und keine Verharzungen. Alles läuft wieder „wie geschmiert“.

... ist es ja auch. Nur die hart gewordenen Gummifüße wurden ersetzt, weil sie die Maschine beim Rechnen nicht mehr am Platz hielten.

Mit Schutzhaube und Originalanleitung.

Resulta BS 7 Export

Diese Resulta hat im Resultatwerk eine Blende, die bei der Subtraktion nach unten klappt und dadurch das Hin- und Herschalten zum Ablesen überflüssig macht. Unten ist 555GP eingeritzt, gebaut wurde sie also im Mai 1955. Damit ist sie eine der ganz frühen Exemplare mit der Klappblende. Sie wurde bis etwa 1975 in einem kleinen Bauunternehmen in Regensburg genutzt, also immerhin zwei Jahrzehnte lang.

mehr Infos zu allen Resultas bei
W.Blümich

Eine Werbung:

Resulta
BS 7 Export

12 cm x 15 cm x 11 cm
1,3 kg
1955 - 1969
  • EW (mit EK) 7st.,
  • RW 7st.;
  • Umschalter Addition/Subtraktion
  • Löschtaste für EW,
  • Löschkurbel für RW.
  • mit Klappblende im RW,
  • nur mit Stift oder Griffel zu bedienen,
  • Löschtaste des EWs kann fixiert werden (dann keine Einstellkontrolle).
1/1: Sehr guter Gesamteindruck, nur leichte Abnutzung an den Griffelhalterungen und unter den Einstellrädern; alles läuft einwandfrei,

Ein einziger Kratzer störte die Optik und wurde mit passendem Lack retuschiert.

Mit Originalgriffel, Anleitung im Netz gefunden.

Walther WSR160

Das erfolgreichste, ausgereifteste und letzte Modell der handbetriebenen Walther-Maschinen ist die „Walther Schnellrechenmaschine 160“. Sie hat im Resultatwerk eine etwas höhere Kapazität und einige Verbesserungen in der Bedienung, davon sind sicher die nicht mitdrehenden (und daher viel bequemeren) Einstellhebel am wichtigsten. Das hier ist eines der Spitzengeräte des „Odhner-Typs“.
Dieses Exemplar wurde 1960 gebaut. Es kostete damals knapp 600 DM, die elektromechanischen Vierspezies-Maschinen waren deutlich teurer (also nicht sofort abschreibbar, größer und viel lauter). Das sorgte einige Zeit für guten Verkauf, die Maschine ist daher auch heute noch sehr häufig zu finden.

mehr Infos bei
C.Vande Velde
Walther
WSR 160
S.Nr. 152531

33 cm x 16 cm x 14 cm
4,8 kg
1955 - 1971
  • EW (mit EK) 10st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 16st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschhebel für die drei Werke (ZW und RW gemeinsam, optional auch einzeln).
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW, (bei jeder Löschung auf neutral und dann von erster Kurbeldrehung auf + bzw. - gestellt),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schlitten mit Federzug kann einfach nach rechts geschoben werden,
  • optionaler Schlittenrücklauf beim Löschen,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel im EW.
1/1: Nur winzige Lackschäden an einigen Kanten, wieder schön leichtgängig.

Zwei Füße ohne Gummis ersetzt, eine fehlende Plastikkappe durch Schrumpfschlauch ersetzt, fest verharzte Zahnräder im ZW, ein Zahnrad im Kontrollwerk und die Löschwahlhebelchen mit WD40, Alkoholspülung und etwas gutem Maschinenöl gängig gemacht.

Mit Schutzhaube, zwei Anleitungen aus unterschiedlichen Jahren im Netz gefunden.

Zivy Zähler

Das hier erfüllt zwar die Definition von „Maschine“ (mechanischer Zehner­übertrag und Löschung), aber m.E. nicht die von „Rechnen“: Das dauernde Hinzuzählen von Eins reicht mir dafür nicht aus.
Solche Geräte wurden und werden als Schrittzähler, bei Verkehrszählungen, im Labor für Zellzählungen und vieles andere genutzt. Der Vorteil: Man verzählt sich nicht so leicht und kann das Ergebnis sogar einige Zeit speichern.
Das Exemplar stammt von einem bretonischen Trödler, also weiß ich leider auch hier nicht, wofür es mal benutzt wurde.

Zivy



5,5 cm x 5,5 cm x 2,5 cm
100 g
? - heute
  • RW 4st.,
  • nur Addition von 1,
  • Löschknopf.
3/1: Gehäuse mit vielen Gebrauchsspuren; funktioniert aber völlig leichtgängig und einwandfrei. Nur der Ring auf der Rückseite (zum Durchstecken des Fingers) fehlt.
Anleitung fehlt (ich glaube, man braucht hier wirklich keine).

N.Zivy & Cie.S.A. in Basel stellte diese Zählwerke mindestens seit den 50er-Jahren her, eventuell sogar deutlich früher. Die Firma (damals „Zivy Suisse“) wurde 2017 von der französischen Sogezy gekauft, sie baut auch heute noch einen praktisch identischen Zähler mit der Modellnummer Z888.

Triumphator CRN1

Eine weitere Maschine aus DDR‑Produktion: eine späte „Triumphator“ in der Tradition der C‑Reihe. Die CRN1 ist die vorletzte Generation dieser mit allen wesentlichen „Extras“ ausgestatteten Sprossenrad-Maschinen mit durchschnittlicher Kapazität. Ihr Vorgänger war die 1941 entwickelte CRN (komplett aus solidem Metall), Nachfolger ab 1959 die CRN2 (mit einem leicht zerbrechlichen Plastik-Gehäuse). Die CRN1 ist das nur wenige Jahre gebaute Zwischenmodell, erstmals mit konsequenter Einhand-Bedienung und immer noch überwiegendem Metallgehäuse. Nur die Rückseite ist schon aus Bakelit und zeigt das Bemühen um Materialeinsparung. Die Sprossenräder sind auch noch aus solidem Messing und nicht aus dem später eingesetzten schlechten Druckguss, der oft durch Zinkfraß zerstört ist.
Die Feinmechanik der DDR war damals auf dem Weltmarkt noch konkurrenzfähig, die CRN1 wurde daher auch in Westeuropa verkauft. Mit 545 DM war sie etwas günstiger als ähnliche Westprodukte.
Dieses Exemplar blieb aber erst einmal im Osten. Es wurde im September 1958 gebaut (ist also eines der ganz späten Exemplare des Modells) und erst im Januar 1961 bei der „HO“ in Neuhaus verkauft. Es war in einer privaten Elektrofirma in der Nähe von Dresden im Einsatz.
Interessant ist auch die beiliegende Garantiekarte mit einer Liste der Reparaturwerkstätten: Das sind die 19 Außenstellen des „VEB Büromaschinen-Reparaturwerk Berlin“ in allen großen Städten, daneben aber auch ungefähr 130 Privatfirmen, die über die ganze Republik verteilt waren. Offenbar war also doch nicht die gesamte DDR‑Wirtschaft verstaatlicht, wie man uns das in der Schule weisgemacht hat.

Triumphator
CRN1
S.Nr. 244926

34 cm x 15 cm x 13,5 cm
6,5 kg
1956 - 1958
  • EW (mit EK) 10st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 1 Löschhebel für das EW, 1 für RW und ZW (gemeinsam oder einzeln, je nach Stellung zweier Hebelchen).
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Richtungswahl­schalter für das ZW in der Kurbelbasis,
  • Rückübertragung vom RW ins EW.
2/1: Lack nur an den Schiebern etwas abgegriffen, sonst kaum Gebrauchsspuren. Alles funktioniert einwandfrei und leichtgängig. Eine sehr gut gepflegte und gelagerte Maschine, nicht einmal Entstauben war nötig, nur ein paar Tröpfchen Öl.

Im Kurbelbock klemmende Kurbel durch vorsichtiges Aufbiegen und geringes Abschleifen des Kurbelbocks gelöst.

Mit Schutzhaube, Originalanleitung und Garantiekarte mit Auslieferungs- und Kaufdatum (die Garantie ist allerdings abgelaufen...).

Facit C1-19

Die nächste Tasten-Sprossenrad-Maschine, nun wieder von der Firma, in der die dafür nötige Mechanik entwickelt wurde. Die C1‑19 ist das letzte Modell mit der großen Kapazität, solche Maschinen waren für Versicherungsmathematiker, Ingenieure oder Forschungseinrichtungen gedacht. Wegen der vielen Stellen hat diese Maschine wieder einen beweglichen Schlitten, was den Staubschutz schlechter macht.
Das ist das erste Design (ohne sichtbare Schrauben), das Bernadotte für Facit gemacht hat. Auch die anderen Facit-Modelle wurden dann von ihm neu gestaltet und ab 1958 sind alle Facit-Maschinen in dunkel-/hellgrau.
Natürlich waren solche Maschinen vergleichweise teuer und selten. 1960 kostete die C1‑19 950 DM (fast zweieinhalb Monatslöhne). Insgesamt wurden etwa 6.400 Stück gebaut.

aus der Sammlung Kohl

mehr Infos im
Facit
C1-19
S.Nr. 520384

39,5 cm x 21,5 cm x 16 cm
9,8 kg
1956 - 1960
  • EW (mit EK) 10st.,
  • ZW 10st.,
  • RW 19st.;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Anzeige für Drehrichtung im ZW, (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich),
  • Stellenzeiger in ZW und RW.
1/1: Gehäuse mit leichten, meist retuschierten Gebrauchsspuren, ein Kurbelgriff nicht original; alles funktioniert wieder einwandfrei.

Kopfüber eingebauten Schlittenanschlag korrigiert, Drehrichtungsanzeige und weitere Kleinigkeiten justiert.

Kurzanleitung geschrieben.

Block & Anderson war der englische Importeur für Facit. Die Firma wurde 1922 gegründet und 1931 zur Ltd. 1964 wurde sie von der Ozalid-Gruppe gekauft.

Produx Multator II

Das ist das zweite Modell der „Multator“-Serie. Anders als sonst bei Stellsegment-Maschinen üblich wird hier während der Kurbeldrehung der ganze Schlitten an die Stellsegmente geklappt. Durch die einfache Mechanik und die Verwendung gestanzter Metallteile konnte das Modell äußerst preiswert angeboten werden. Anfangs kostete es 298 DM, später noch 220 DM. Die Haltbarkeit litt jedoch unter der billigen Herstellungsweise deutlich. Andererseits hat das Maschinchen sogar Rück­übertragung und war durch geringe Ausmaße und Gewicht gut zum mobilen Einsatz geeignet.
Das Modell ist m.E. eine Zweispezies-Maschine, trotz der aufgedruckten Komplementärzahlen. Subtraktion und Division sind extrem umständlich, ebenso wie eine Korrektur zuviel gemachter Kurbeldrehungen. Erst die Nachfolgeversion Multator‑4 ist eine Vierspezies-Maschine.

aus der Sammlung Veres

mehr Infos bei
R.Atzbach
Produx
Multator II
S.Nr. 196380

23,5 cm x 17 cm x 8 cm
2,2 kg
1956 - 1966
  • EW (mit EK) 10st.,
  • ZW 5st.,
  • RW 10st.;
  • Löschhebel für Schlitten (ZW und RW nur gemeinsam).
  • Eingabekontrolle durch Ableseöffnungen und Ziffernsegmente der Einstellhebel,
  • ZW kann alternativ als Erweiterung des RWs genutzt werden,
  • Rückübertragung (mit der Kurbel den Schlitten leicht anheben),
  • „Subtraktionsstellung“ zählt nur die Korrektur‑1 in der letzten Stelle zu, die führenden Korrektur‑9er sind manuell einzustellen,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
2/1: Fünf Plastikkappen fehlten, Gehäuse sehr gut erhalten; alles funktioniert einwandfrei.

Füße erneuert, fehlende Plastikkappen durch Schrumpfschlauch ersetzt.

Mit Schutzhaube, Anleitung im Netz gefunden und nachkommentiert.

Otto Meuter hatte um 1918 einen einfachen Zahlenschieber erfunden („MEUM“) und das Patent an Addiator verkauft. Mit diesem Kapital gründete er in Berlin seine eigene Firma und stellte ebenfalls Zahlenschieber her. Ab etwa 1928 wurde die Marke „Produx“ genutzt.
Nach dem Krieg ging er in den Westen: erst nach Achim, dann Hamburg. Dort produzierte er weiterhin Zahlenschieber und entwickelte in den 50er-Jahren die kleinen „echten“ Rechenmaschinen der Multator-Reihe, die als Alternative zu den teuren großen Rechenmaschinen gedacht waren.

Triumphator KA

Die Triumphator KA (für „Kleinaddierer“) ist der Nachfolger der Lipsia Addi 7. Sie hat ebenfalls die einfache Mechanik, nun aber ein Bakelitgehäuse, das günstig zu produzieren war. So konnte sie 1958 für 110 DM angeboten werden.
Die Übertragung der Zahlen in das Resultatwerk erfolgt über seitlich auslenkbare Zahnsegmente direkt während des Einstellens. Zum Addieren werden dann einfach die Zahnsegmente durch Tastendruck ausgekoppelt und federn auf Null zurück, dann wird einfach die nächste Zahl eingestellt und unten erscheint die Summe. Die Subtraktion ist etwas umständlicher: Auskoppeln (diesmal mit der Minus-Taste), die Hebelchen einstellen, wieder einkoppeln (Minus-Taste loslassen), Hebelchen (nacheinander!) zurückstellen.
Der Seriennummer nach wurde dieses Modell hier um 1959 gebaut.

eine Rezension im


ein Zahnsegment:

Triumphator
KA
S.Nr. 4900

14,5 cm x 17 cm x 14,5 cm
2,0 kg
1957 - 1960
  • EW (mit EK) 8st.,
  • RW 8st.;
  • Minus-Taste,
  • Löschtaste für EW (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschtaste für RW.
  • Eingabekontrolle durch Ziffernsegmente und Ausschnitte an den Schiebern.
3/1: Bakelit-Gehäuse mit einigen Scharten und ohne Lack, aber alles funktioniert wieder.

Der olivgrüne Lack war extrem stark abgestoßen, jetzt ist er ganz ab (was viel besser aussieht). Extreme Verstaubung beseitigt und lose Teile wieder fixiert. Einige Ziffernräder hakelten ganz erheblich, weil die innenliegende Löschachse nicht weit genug nach rechts konnte. Ein geringes Kürzerschleifen des Löschachsenausziehers hat das behoben.

Kurzanleitung geschrieben.

Precisa 103-12-0

Diese späte handbetriebene Modell hat auch die moderne Zehner­tastatur, wie alle Addiermaschinen von Precisa. Und auch hier erfolgt die Übertragung der Ziffern in die verschiedenen Stellen wieder mit Stiftschlitten. Für (Zwischen)Summen braucht man zwei Hebelzüge, das ist etwas umständlich. Dafür kann das Modell saldieren - dieses Exemplar allerdings nur mit etwas Trickserei.
Es wurde im deutschen Zweigwerk gebaut. Als Baujahr hat der Vorbesitzer 1960 angegeben, die Preise lagen damals um 450 DM.

Precisa
103-12-0
S.Nr. 302 262 S

28 cm x 37 cm x 16,5 cm
8,7 kg
1957 - 1962
  • EW 9st.,
  • RW 10st.;
  • Druckwerk 10st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • Korrekturtaste.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck,
  • Rotdruck subtrahierter Werte (und negativer Summen),
  • X-Taste für Erhalt der eingetippten Zahl,
  • Zeilenvorschub einstellbar (1‑, 2‑zeilig).
2/3: Kaum Stoßstellen; Farbband und Papierrolle noch o.k., Maschine zeigt aber bei negativen Salden das Neunerkomplement, wenn man nicht zugleich die Minustaste leicht drückt: Irgendwas ist ausgehängt oder blockiert, aber ich finde das nicht.
Mit Schutzhaube, Kurzanleitung geschrieben.

Facit C1-13

Die nächste Sprossenrad-Maschine mit Tasten, ich scheine mich da irgendwie drauf zu spezialisieren... Sie ist auch wieder von der Firma, in der die dafür nötige Mechanik entwickelt wurde. Die C1‑13 ist letzter Nachfolger der Facit TK. Die Konstruktion wirkt solide und wertig, das Design stammt auch hier von Bernadotte. Die Technik ist aber immer noch die 1936 entwickelte. Das zeigt, wie extrem fortschrittlich die Konstruktion von Karl Rudin war.
Dieses Exemplar tat seinen Dienst im Forstamt (bei) Wittlich, wie auch die Badenia TH13 weiter oben. Es ist jedoch etwa ein Jahrzehnt jünger, denn mit diesem Gehäuse wurde die C1‑13 zwischen 1960 und 1964 gebaut. In diesem Fall übrigens im Facit-Zweigwerk in Düsseldorf, das Hans Sabielny 1951 gegründet hatte. Der damalige Preis: 612 DM, angesichts der Abschreibungsgrenze von 600 DM etwas seltsam.
Die C1‑13 wird oft als die letzte noch gebaute handbetriebene Rechenmaschine der Welt bezeichnet: In Indien soll sie noch bis 1982 hergestellt worden sein (dort dann allerdings mit einem eckigen Plastikgehäuse). Ich konnte das bisher nicht verifizieren und bezweifle das eher. Vielleicht hat man dort einfach nur Restbestände aus Europa als „Neuware“ verkauft?

mehr Infos im
Facit
C1-13
S.Nr. A-282227

31 cm x 21 cm x 15 cm
6,5 kg
1957 - 1967
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Anzeige für Drehrichtung im ZW, (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich),
  • mitlaufende Stellenzeiger in ZW und RW.
2/1: Gehäuse nur mit leichten Gebrauchsspuren, alles funktioniert einwandfrei und sehr leichtgängig.

Dazu war etwas Arbeit und viel WD40 nötig: Das Innere war so extrem verharzt, dass sich absolut nichts mehr bewegte (WD40 verwende ich nur ungern, weil es auch manche Farben anlöst und nach einiger Zeit selbst wieder verklebt). Einige massiv abgeschabte Ziffern der Sprossenrad-Walze nachgemalt.

Englische Anleitung im Netz gefunden.

Pilot P1

Diese kleine Maschine aus Japan sieht erst einmal wie ein Nachbau der Brunsviga 10 aus: sehr klein, Kurbel schräg angesetzt, Schlitten mit Auszug nach rechts und Schritt-Taste nach links, Schiebeblende und zwei Ziffernsätze im Zählwerk. Das alles ist wohl wirklich von Brunsviga abgeschaut. Aber die kleinen Einstellschieber drehen sich mit, was eine ganz andere Technik verrät: Die beruht hier auf Sprossenrädern (mit gleichen Gussformen für den Zehner­übertrag).
Die Stellenzahl ist etwas größer als beim Vorbild, ein Hebel löscht das Einstellwerk, ein kleiner Zeiger für Plus/Minus kann auch Blockaden entsperren und ein weiteres Hebelchen kann das Zählwerk kurzfristig ausschalten. Auf der Minus-Seite stehen nur kleine Passungenauigkeiten und die wirklich winzigen Einstellhebel.
Das Modell wurde 1957 von einer Firma namens Keybar entwickelt und hergestellt, ab 1961 dann als Pilot P1. Ab ca. 1967 gab es ein Nachfolgemodell mit Plastikgehäuse und etwas höherer Stellenzahl. Beide Modelle wurden gerne von Ralley-Beifahrern genutzt, die ja unterwegs viel rechnen müssen.
Dieses Exemplar hat eine niedrige Seriennummer (die 1 vorne steht für das Modell), stammt also aus den frühen 60er-Jahren. Ich habe es aus Japan ersteigert, innen ist auch ein japanischer Service-Nachweis vom 12. Juli 44 Showa eingetragen, das ist 1969. Genau 51 Jahre und einen Tag später habe ich es dann wieder gewartet...

mehr Infos (mit Video) auf
RetroCalculators
Pilot
P1
S.Nr. 1001231

19 cm x 17 cm x 10 cm
3,1 kg
1957 - ca. 1966
  • EW 7st.,
  • ZW 6st.,
  • RW 12st.;
  • Grundrechenarten,
  • Kurbeln für Löschung von ZW und RW, Hebel für Löschung des EWs.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • im ZW gelbe Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • Drehrichtungsanzeige am ZW,
  • Schlitten nur per Griff nach rechts zu stellen, nach links nur per Taste,
  • Lösehebelchen für Blockaden (zeigt auch letzte Kurbeldrehrichtung),
  • Hebel schaltet ZW kurzfristig ab (z.B. zur Dividenden-Eingabe).
2/1: Sehr gut erhalten, außen nur ein größerer Kratzer am Schlittengriff, drei Ziffernräder im RW haben durch die Schrumpfung des Nylons einen kleinen Riss in der „7“. Alles funktioniert leicht und einwandfrei.

Abgelöste Federung des Kommaschiebers im EW neu eingeklebt, ein Zahn eines Ziffernrades geglättet, fehlendes Firmenlogo ersetzt, Drehrichtungsanzeige überarbeitet.

Kurzanleitung geschrieben.

Über Keybar ist nur bekannt, dass sie 1960 vom PILOT-Konzern aufgekauft und in PILOT Business Machine Co. Ltd. umbenannt wurde. Die Produktion mechanischer Rechner endete dort 1969. PILOT existiert noch heute und ist der größte japanische Schreibwaren-Produzent.

Contex 10

Das ist eine Zehntasten-Maschine mit „moderner“ Tasten-Anordnung, mit ihr kann man alle vier Grundrechenarten (so einigermaßen) rechnen. Sie hat keine Staffelwalzen oder Sprossenräder, sondern Zahnsegmente. Wie bei vielen anderen Maschinen mit Zehnertastatur dient hier ein „Stiftschlitten“ (englisch „Pinbox“) der Umsetzung der Eingabe: Die Tasten setzen nach und nach Stiftchen im schrittweise bewegten Schlitten, beim Druck der Rechentaste werden die Zahn­segmente von den Stiften in der dadurch jeweils bedingten Stellung festgehalten, erst beim Loslassen der Rechentaste greifen die Zahnsegmente in die Zahlenrädchen und drehen sie entsprechend weit.
Die Maschine ist mit sehr viel Kunststoff innen wie außen auf Transportfähigkeit und niedrigen Preis hin gebaut, ziemlich leicht (knapp unter 3 kg) und damit eine Art früher Taschenrechner (für sehr, sehr große Taschen!). Das Zählwerk hat nur eine einzige Stelle, die abgekürzte Multiplikation ist daher nicht möglich. Dafür hat sie eine recht fehlersichere Stop-Division, allerdings muss man das Ergebnis Stelle für Stelle notieren. Gut gelöst sind Addition und Subtraktion mit sofortiger Löschung der Eingabe. So macht das Addieren langer Zahlenkolonnen fast wieder Spaß. Das ist eine Maschine für Kaufleute, nicht für Physiker oder Astronomen.
Dieses Exemplar hat noch die große Nulltaste, die später etwas verkleinert wurde, um Platz für eine „Ganz nach links“-Taste (für die Division) zu machen. Der Seriennummer nach stammt sie aus dem Jahr 1961, damals kostete so eine Maschine knapp unter 500 DM (zehn Jahre später war der Preis immer noch etwa gleich, dann nur +MWSt.). Sie stammt aus der kaufmännischen Verwaltung eines Tankstellen-Filialisten in Dortmund.

Contex
10
S.Nr. 450971

20,5 cm x 25 cm x 10 cm
2,9 kg
1957 - 1972
  • EW 10st.,
  • ZW 1st.,
  • RW 11st.;
  • Grundrechenarten,
  • Taste zur gemeinsamen Löschung von ZW und RW, Schieber zur Löschung der Eingabe.
  • einstelliges ZW mit schwarzen und roten Zahlen (je nach Rechenart abzulesen und zu notieren),
  • Additionsmodus als Standard, abschaltbar,
  • statt Kurbel eine Drucktaste mit kurzem Weg,
  • Hilfsschablone für die Kommastellen.
2/1: Oberschale aus Kunststoff gut erhalten, Lack der Unterseite stark abgestoßen, Zifferntasten teils etwas abgenutzt. Alles funktioniert wieder einwandfrei.

Viele Rädchen, Hebel und Stifte waren durch lange Nichtbenutzung so schwergängig, dass Reinigung und Öl nicht mehr halfen. Also waren Komplettzerlegung, einige Justierarbeiten und beim Zusammenbau der Kampf mit vielen widerspenstigen Federchen nötig. Zerfallene Gummifüße ersetzt.

Mit Schutzhaube (leicht beschädigt) und Originalanleitung.

飛 魚 (Fliegender Fisch) JSY-20

Der „Monroe-Typ“ wurde weltweit kopiert. Diese Staffelwalzen-Maschine stammt aus China (und wurde sicher ohne Lizenz nachgebaut). Auch hier hat das Zählwerk keinen Zehner­übertrag und eine Rückübertragung fehlt auch.
Das Baujahr dieses Exemplars ist unklar, das Modell wurde von den 50er- bis Ende der 70er-Jahre fast unverändert gebaut. Es ist damit eine der am längsten gebauten Rechenmaschinen mit Handantrieb. Meist findet sich in seinem Logo die englische Bezeichnung „Flying Fish“, hier aber steht „Fei Yu Pai“.
Aus China gibt es nur sehr wenige Modelle von mechanischen Rechenmaschinen. Anfangs mag eine geringe Entwicklung der Feinmechanik eine Rolle gespielt haben, doch der Hauptgrund ist wohl eher, dass die Allgegenwart des Suan Pan einen großen Bedarf nach „richtigen“ Maschinen lange nicht aufkommen ließ. So hat die große Mehrheit der chinesischen Bevölkerung meist den direkten Weg vom Abakus zum Taschenrechner genommen, (elektro)mechanische Rechenmaschinen wurden von nur wenigen eigenen Fabriken gebaut und ansonsten durch Importe beschafft.


Google übersetzt das rechts unten abgebildete Firmenschild so:

Computer für fliegende Fische

Modell                Nummer                
Computer-Schreibmaschinenfabrik in Shanghai

飛 魚
JSY-20
S.Nr. 657654

35 cm x 28 cm x 16,5 cm
5,4 kg
ca. 1957 - 1980
  • EW 10st.,
  • ZW 10st.,
  • RW 20st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für ZW und RW.
  • Zehnerübertrag im RW nur über 11 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (zwei 9er),
  • Schalter für Additionsmodus.
3/1: Das massive Stahlgehäuse ist an vielen Stellen bis auf die Grundierung angeschlagen. Alle Tasten in gutem Zustand, funktioniert nun einwandfrei und leichtgängig.

Extrem verbogene Schlittenstange begradigt, einige Nachjustierungen (Stellleisten, Sperrhaken, ...), fehlenden Schlittengriff ersetzt.

Kurzanleitung geschrieben.

Fei Yu Pai (= „Fliegender Fisch - Reihe“) war eine Firma in Shanghai, die zuerst Rechenmaschinen, später auch Schreibmaschinen produzierte. Mitte der 90er-Jahre wurde sie wie viele andere Firmen teilprivatisiert, ob es sie heute noch gibt ist mir nicht bekannt.

Everest Z5R

Die letzte Entwicklungsstufe der Everest hat dann auch Rückübertragung, das ist bei den Tasten-Sprossenradmaschinen sehr selten.
Dieses Exemplar wurde um 1960 gebaut, Neupreis damals 998 DM (200 DM mehr als bei der Z5).
Nicht wegen der komplexen Mechanik der Rückübertragung, sondern wegen völliger Dejustierung des Trommeltransports ist dieses Exemplar leider blockiert. Außerdem werden die Stellen 1 weder im Resultat- noch im Zählwerk gelöscht. Ein erster Blick ins Innere zeigt, dass da wohl totale Zerlegung erforderlich wird - derzeit traue ich mich da noch nicht ran...

aus der Sammlung Kohl
Everest
Z5R
S.Nr. 052441

34 cm x 20,5 cm x 16,5 cm
7,1 kg
ca. 1958 - 1962
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter und Anzeige für Drehrichtung im ZW, (auch durch erste Kurbeldrehung automatisch bestimmt),
  • mitlaufende Stellenzeiger in ZW und RW,
  • 2 Hebel für Rückübertragung,
  • Schalter zum Lösen der Rückübertragung,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Aufhebung der Drehrichtungssperre mit Taste am Boden.
2/6: Gehäuse mit einigen Stoßstellen, einige Metallteile leicht korrodiert; blockiert.

Mesko KR-19S

Diese Sprossenrad-Maschine ähnelt sehr der Facit C1‑19, sie hat die große Kapazität und den beweglichen Schlitten. Das Design allerdings schreit „Ostblock!“, was an den teils billigen Materialien, den (für unsere Sehgewohnheiten) recht groben Formen und der einfachen, andererseits aber sehr massiven und damit robusten Bauweise liegt. Und tatsächlich ist diese Maschine ein um 1960 in Polen gebauter „Klon“ der Facit C1‑19.
Zuletzt benutzt wurde sie in einer Bäckerei in Halle-Diemitz, damit hat der Bäckermeister wohl die Buchhaltung gemacht und vielleicht auch seine Rezepturen gerechnet. Angesichts der großen Kapazität war das eigentlich etwas „Overkill“, doch die Bäckerei war nicht der Erstnutzer und bekam da ein „abgelegtes“ und recyceltes Gerät: Die im Schlitten eingestanzte Seriennummer (33703) weicht nämlich vor der auf dem Typenschild ab, also sind hier vermutlich ein intaktes Chassis und ein intakter Schlitten aus zwei defekten Maschinen zusammengeschraubt worden.

mehr Infos im
Mesko
KR-19S
S.Nr. 33726

46 cm x 26,5 cm x 17 cm
8,8 kg
ca. 1958 - 1965
  • EW (mit EK) 10st.,
  • ZW 10st.,
  • RW 19st.;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Anzeige für Drehrichtung im ZW, (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich).
1/1: Ganz wenige Stoßstellen, eine verdeckte Stelle ohne Lack, alles funktioniert leichtgängig und einwandfrei.

Die Divisionstaste wieder korrekt funktionieren zu lassen hat mich allerdings einige Stunden Schrauberei gekostet, dabei war's nur ein ausgehakter Schieber (merke: Abdeckungen, unter denen lose Federchen oder Hebelchen lauern können nur ganz vorsichtig öffnen!). Die Maschine hatte im Originalzustand auch keine Stellennummerierung, was die Komma­findung sehr erschwerte. Nun hat sie eine.

Staubschutzhaube schneidern lassen, Kurzanleitung geschrieben.

Auch hier wieder Bezüge zur Waffenfabrikation: Mesko war ab 1924 staatliche Munitionsfabrik, später bedeutender Hersteller von Haushaltsgeräten (lange Zeit auch für Bauknecht) und Maschinen für Industrie und Landwirtschaft. Mesko ist nach vielen Umfirmierungen/Umstrukturierungen heute vor allem wieder ein Hersteller von Munition und Raketensystemen.

Addo-X 2341E

Elektromechanische Maschinen rechneten nicht nur schneller, sondern sie wurden auch immer öfter mit Einrichtungen zur Automatisierung versehen. Diese „Dreispezies-Maschine“ steht noch eher am Anfang dieser Entwicklung: Man hat hier eine druckende Addiermaschine mit gesonderten Zifferntasten versehen, die jeweils die entsprechende Zahl von Additionen auslösen (in den höheren Ziffern sogar mit dem abgekürzten Verfahren) und dann eine Stelle weiterschalten (was man bei handbetriebenen Addiermaschinen durch Tippen einer Null machen würde). Das ist (bis auf die Stellenverschiebung) das gleiche Verfahren wie bei der Diehl EvM15, hier erkennt man die konvergente Entwicklung bei der Automatisierung der Addier- und Staffelwalzen­maschinen. Die Abstammung von den druckenden Addiermaschinen zeigt sich am Werteübertrag von den Tasten in Drucker und Resultatwerk, der über Stiftschlitten und Zahnstangen erfolgt.
In die Nachfolgemodelle der 3000er-Serie konnte man dann schon den gesamten 2. Faktor eingeben bevor die automatische (ggf. auch negative) Multiplikation gestartet wurde, die 4000er-Serie konnte dann auch automatisch dividieren.
Genau dieses Modell hatte mein Vater im Büro, damit hat er die gesamte Buchhaltung gerechnet. Als Kind durfte ich nie da dran: Die Maschine galt als zu wertvoll. 1959 kostete sie 1.190 DM (etwa drei Monatslöhne). Dieses Exemplar stammt allerdings aus einem Sanitätshaus in Amberg.

Addo-X
2341E
S.Nr. 612749

22,5 cm x 39 cm x 21,5 cm
12,5 kg
1959 - 1962
  • EW 10st.,
  • RW 11st.,
  • Druckwerk 11st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Multiplikation, Zwischensumme, Summe,
  • Multiplikationswahltasten (mit Einerstelle beginnen!),
  • 2 Tasten für wiederholte Addition oder Subtraktion der eingetippten Zahl,
  • Korrektur- und Löschschieber.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck,
  • Nichtrechentaste.
2/2: viele Kratzer und andere kleine Gebrauchsspuren; das Rechenwerk funktioniert einwandfrei, aber eine Achse des Papiertransports ist gelockert und daher nicht mehr sehr belastbar (Hartlöten würde helfen, aber dazu müsste die gesamte Maschine zerlegt werden...).

Abgegriffenes Tastaturblech neu lackiert, Papiertransporthebel so justiert, dass die lockere Achse weniger belastet wird.

Mit Schutzhaube und Anleitung einer Addo‑X 3000.

Addo begann 1918 in Malmø mit der Produktion kleiner Addierhilfen, im Laufe der Jahre kamen größere und besser ausgestattete Maschinen dazu, meist Addiermaschinen mit Volltastatur. Spätere Maschinen bekamen die Zehnertastatur und wurden als „Addo‑X“ verkauft. 1966 wurde die Firma von Facit übernommen, baute aber weiter ihre Rechen­maschinen unter eigener Marke. Als Facit unterging endete auch die Produktion bei Addo.

Facit CM2-16

Die CM 2-16 war die erste Sprossenrad-Maschine mit der heute noch üblichen Tasten-Anordnung. Wichtiger ist aber, dass man hier zum ersten Mal eine technische Lösung für die Rückübertragung fand, die mit der Tasteneingabe zuvor nicht zu realisieren war. Dafür gab man sogar das von K.Rudin erfundene geteilte Sprossenrad auf. Die Rückübertragung funktioniert hier sogar aus beiden Werken, man kann also auch das Ergebnis einer Division gleich weiter verwenden. Die Tastatur nutzt statt Federn die beim Bremsen der Trommel frei werdende Energie für die Rückstellung, damit wurde ein sehr leichter Tastenanschlag erreicht. Mit diesen Vorteilen wurde das Modell trotz des hohen Preises sehr erfolgreich
Etwas später wurde die gleiche Technik noch in in ein moderner aussehendes (und deutlich billigeres) Plastikgehäuse gepackt, aber es gab es bei den handbetriebenen Maschinen nun keine wesentlichen Weiterentwicklungen mehr. Nur bei den elektrisch angetriebenen Maschinen versuchte man noch einige Zeit, durch bessere Ausstattung und immer mehr Funktionen der vordringenden Elektronik Paroli zu bieten.
Dieses Exemplar wurde 1960 gebaut, es kostete damals ca. 850 DM.

vorher:

Facit
CM2-16
S.Nr. 1004683

34 cm x 28 cm x 15,5 cm
8,1 kg
1959 - 1967
  • EW (mit EK) 11st.,
  • ZW 9st.,
  • RW 16st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Anzeige für Drehrichtung im ZW, (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich),
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW,
  • 2 Tabulatortasten (für Division bzw. Rückübertragung),
  • Rückübertragung aus RW oder ZW(!) in die Eingabe.
2/1: Einige Stoßstellen, vordere Gummifüße hart; alles funktioniert wieder einwandfrei und leichtgängig.

Hintere Gummirollen ersetzt, Flugrost unter den Tasten entfernt.

Anleitung im Netz gefunden und ergänzt.

Norma Merkuria 190

Diese Rechenscheibe mit einem Durchmesser von 19 cm hat die Genauigkeit eines Rechenstabs mit 50 cm Länge. Sie war ebenfalls für den Handel gedacht, hat aber etwas ausgefeiltere Skalen als die Tröger-Scheibe. Das Exemplar muss nach 1970 entstanden sein, es hat schon den verchromten Alu-Rand und den schmalen Läufer.

aus der Sammlung Veres

mehr Infos im
Norma
Merkuria 190

19 cm Durchmesser
180 g
1959 - nach 2003
  • Zwei logarithmische Skalen für Multiplikation und Division,
  • eine Reziprok-Skala,
  • zwei prozentuale Skalen (eine für Rückrechnung),
  • Zinsdivisoren-Skala,
  • Angabe vieler englischer und US-Maße.
3/3: stellenweise deutliche Gebrauchsspuren, aber alle Skalen lesbar; etwas Spiel beeinträchtigt die Genauigkeit.
Mit Schutzhülle und originaler Kurzanleitung.

Norma wurde 1959 gegründet und produzierte mit nur wenigen Mitarbeitern bis mindestens 2003 verschiedene Rechenscheiben. Im Internet ist die Firma heute aber nicht mehr auffindbar.

Contex 30

Aus der sehr erfolgreichen Contex 10 wurden auch motorisierte (Contex 20) und mehr oder weniger automatisierte Geräte entwickelt. Das Modell 30 hat halbautomatische Multiplikation und Stopdivision, beides allerdings nicht nach dem verkürzten Verfahren. Das und die Zehnertastatur machen das Rechnen in allen Grundrechenarten schon recht flott. Nachteilig ist noch, dass man bei der Division wegen des einstelligen Zählwerks immer noch Stelle für Stelle notieren muss. Das Nachfolgemodell 55 hat dann ein vollständiges Quotientenwerk und dividiert automatisch. Die grundlegende Technik mit Zahnsegmenten und Stiftschlitten ist bei allen Modellen praktisch unverändert.
Die Maschine ist immer noch ziemlich leicht (etwa 3 kg) und in dem oft mitgekauften Koffer gut transportabel. Auch sie wurde ein großer Erfolg: Fast 400.000 wurden produziert.
Die hohe Seriennummer dieses Exemplars lässt das Baujahr 1969 vermuten, damals kostete die Maschine (ohne Koffer?) 835 DM.

Das Malheur:           Einbau begonnen:     Funktioniert wieder:
Division
(355:113)
(MP4, 40 MB):
Multiplikation
(12345678x9)
(MP4, 18 MB):
Contex
30
S.Nr. 473124530

20,5 cm x 26 cm x 10,5 cm
3,3 kg
1960 - 1971
  • EW 10st.,
  • ZW 1st.,
  • RW 11st.;
  • Grundrechenarten,
  • Taste zur gemeinsamen Löschung von ZW und RW, Schieber zur Löschung der Eingabe.
  • einstelliges ZW nur mit roten Zahlen (nur für die Division),
  • Additionsmodus als Standard, abschaltbar,
  • halbautomatische Multiplikation,
  • Stopdivision,
  • Löschschieber-Stop für Multiplikation mit Konstante,
  • Hilfsschablone für die Kommastellen.
1/1: Oberschale, Unterseite und Tasten sehr gut erhalten, wenige unauffällige Kratzer. Alles funktioniert wieder einwandfrei.

Der Schaumstoff im Stiftschlitten war zerfallen, vor allem in den oberen Reihen blieben die Stifte nicht mehr in Position und erzeugten „Zufallszahlen“. Tastenblöcke ausgebaut, Stiftschlitten geöffnet, das klebrige Gemisch aus 90 Stiftchen, Plättchen und Schaumstoff­resten herausgekratzt, gesäubert, Stiftchen und neuen Schaumstoff eingelegt und alles zusammengebaut. Fühlhebel der Einerstelle justiert.

Mit Schutzhaube und Koffer (beschädigt, aber noch funktional), PDF der Originalanleitung vorhanden.

Счетмаш Феликс M (Schetmash Felix M)

Dies ist das letzte Modell einer Rechenmaschine mit dem Namen „Felix“. Es stammt aus der Spätzeit der handbetriebenen Maschinen, trotzdem hat sich an der Mechanik seit der Felix A3 von 1928 nichts wesentlich geändert: Immer noch fehlen Einstell­kontrolle, Zehner­übertrag im Zählwerk und sämtliche Sperren gegen Fehlbedienung. Nur die Schlittenschaltung ist modernisiert worden. Dafür ist das Material nun deutlich billiger, die Sprossenräder z.B. sind aus wenig haltbarem Zinkguss (statt Messing).
Von diesem Modell müssen Unmengen gebaut worden sein: Man findet das Modell auch heute noch extrem häufig auf den einschlägigen Seiten, meist allerdings in schlechtem Zustand.

Счетмаш (Курск)
Феликс M
S.Nr. 3170844

32 cm x 16 cm x 13 cm
3,7 kg
1960 - 1978
  • EW 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Flügelschrauben zur Löschung von ZW und RW.
  • im ZW keine farbliche Unterscheidung von Positiv- und Negativ-Ziffern,
  • Löschung des EWs über Schieber (unter dem Logo) und Hauptkurbel.
2/1: Zahlreiche winzige Lackschäden aber insgesamt nahezu neuwertiger Eindruck; funktioniert einwandfrei.
Anleitung im Netz gefunden.

Die ersten „Felix“-Modelle entstanden in Moskau, nach dem Krieg wurden für kurze Zeit welche in Penza gebaut. Alle Felix M dagegen stammen von Schetmash in Kursk. Diese Firma existiert auch heute noch und baut immer noch einen Kassendrucker mit dem Namen Felix!

Produx Multator-4

Das letzte Modell der „Multator“-Reihe ist zugleich ihre erste Vierspezies-Maschine. Das kommt durch eine kleine, aber wichtige Weiterentwicklung der Multator‑II: Man kann nun den Schlitten umklappen, dann ändert sich die Drehrichtung im Resultatwerk. Deshalb braucht man keine Komplementärziffern mehr und hat endlich eine vernünftige Möglichkeit zur Korrektur zuviel gemachter Kurbeldrehungen. Eine Einstellkontrolle wie bei der Multator‑II gibt es nicht, das ist etwas schade.
Der anfängliche Neupreis lag auch hier bei 298 DM und blieb damit weit unter den Preisen der „großen“ Rechen­maschinen. Geringe Ausmaße und Gewicht machten den mobilen Einsatz gut möglich. Negativ war (und ist), dass die einfache Mechanik mit vielen Plastikrädchen und aus gestanzten Metallteilen nur wenig belastbar ist, die Maschinchen überlebten den harten täglichen Einsatz in der Regel nicht lange. Auch bei diesem Exemplar, Baujahr ungefähr 1968, waren schon vier Plastiknasen der Ziffernrädchen abgebrochen, was in diesen Stellen sowohl den positiven Zehner­übertrag als auch die Löschung verhinderte.

mehr Infos bei
R.Atzbach
Produx
Multator-4
S.Nr. 62380

25,5 cm x 16,5 cm x 9 cm
1,9 kg
1963 - 1969
  • EW 11st.,
  • ZW 5st.,
  • RW 10st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschhebel für Schlitten (ZW und RW nur gemeinsam).
  • ZW kann alternativ als Erweiterung des RWs genutzt werden,
  • Rückübertragung (mit der Kurbel den Schlitten leicht anheben),
  • Schlitten hochklappen (Hebel rechts) kehrt Drehrichtung im RW um,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
2/2: Einige kleine Kratzer und Abnutzungen, Gehäuse sonst gut erhalten; alles funktioniert wieder einwandfrei, ist aber wohl nicht sehr belastbar.

Schlitten zerlegt, 15 Kügelchen und Federchen eingesammelt, vier abgebrochene Plastiknasen durch Drahtstifte ersetzt, zusammengebaut, falsches Timing im negativen Zehner­übertrag festgestellt, wieder zerlegt und anderes Timing probiert, noch mal zerlegt und endlich mit richtigem Timing zusammengebaut. Fünfte Plastiknase drohte zu brechen - Schlitten erneut zerlegt, Nase mit heißer Nadel angeschweißt und wieder zusammengebaut. Uff.

Mit Schutzhaube, englische Anleitung im Netz gefunden.

Produx axbxc

Das ist eine vereinfachte Variante der Multator‑II ohne Einstellkontrolle und Komplementärziffern. Sie war also nur für Addition und Multiplikation wirklich zu gebrauchen, dank Rückübertragung auch für Kettenmultiplikationen (daher der Name).
198 DM wurden dafür verlangt, d.h. noch einmal 100 DM weniger als für die Multator‑II. Für den Preis einer „richtigen“ Rechenmaschine konnte man etwa drei dieser einfachen Geräte anschaffen, daher wurde das Maschinchen gerne (z.B. von Tankwagenfahrern für das Direkt-Inkasso) genutzt.
Dieses Exemplar, Baujahr vermutlich 1965, diente bis vor einigen Jahren in einem Wettenberger Geschäft als „Kaffee-Kuchen-Kasse“.

vorher:

Produx
axbxc
S.Nr. 43590

24 cm x 17 cm x 9 cm
1,75 kg
1963 - ca. 1970
  • EW 10st.,
  • ZW 5st.,
  • RW 10st.;
  • nur Addition und Multiplikation,
  • Löschhebel für Schlitten (ZW und RW nur gemeinsam).
  • ZW kann alternativ als Erweiterung des RWs genutzt werden,
  • Rückübertragung (mit der Kurbel den Schlitten leicht anheben),
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
1/1: Nur geringe Gebrauchsspuren, noch alle Knöpfe vorhanden; einwandfreie und leichtgängige Funktion.

Alle Bleche außer dem Zahlenfeld neu lackiert.

Kopie der englischen Kurzanleitung (aus Prospekt) vorhanden.

Busicom HL-21

Eine der letzten handbetriebenen mechanischen Rechenmaschinen aus japanischer Produktion. Sie hat eine extrem große Stellenzahl und alle damals bei den gut ausgebauten Sprossenrad-Maschinen üblichen Extras. Dafür sitzt sie aber in einem billigen Gehäuse aus Plastik und die Sprossenräder sind aus Druckguss, der viel weniger aushält als die Bronze- oder Messingräder der alten Maschinen.
Die HL-21 wurde nicht nur in Japan vermarktet, vor allem nach Großbritannien und Australien wurden die Maschinen exportiert. Auch dieses gegen Ende der 60er-Jahre gebaute Exemplar (vor 1967 gebaute Maschinen heißen noch nicht Busicom) stammt aus Großbritannien. Damals kostete es 60 ₤, umgerechnet ungefähr 600 DM.

Busicom
HL-21
S.Nr. 320739

36 cm x 18 cm x 13,5 cm
5,1 kg
1963 - 1970
  • EW (mit EK) 10st.,
  • ZW 11st.,
  • RW 21st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 13 Stellen,
  • Anzeige für Drehrichtung im ZW, (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich).
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Aufhebung der Drehrichtungssperre möglich.
2/1: Das Plastikgehäuse ist mit der unteren linken Ecke offenbar mal heftig auf den Boden gefallen und auf der Unterseite einige cm gerissen, aber dort immer noch stabil. Außer diesem Riss und einer kleinen Scharte am Hauptkurbelträger hat es praktisch keine Gebrauchsspuren und macht einen fast neuwertigen Eindruck. Alles funktioniert einwandfrei und leichtgängig.

Die Maschine kam blockiert (das war auch korrekt so beschrieben), ein Federchen war mit Klebeband draufgeklebt. Damit war eigentlich klar, was zu machen war. Nach kurzer Suche und einigen lustigen Fingerübungen war die Feder wieder dort, wo sie hin gehört. Zu Staub zerfallene Schaumstoffpolster innen ersetzt.

Anleitung im Netz gefunden.

1918 wurde die Nippon Calculating Machine Co. (NCM) gegründet, spätestens ab 1928 wurden dort europäische Sprossenrad-Maschinen nachgebaut. Ab 1967 nannte sich die Firma Business Computer Company (oder kurz Busicom). Mit diesem Namen ist die Firma in die Geschichte der Rechentechnik eingegangen, doch nicht wegen ihrer mechanischen Rechner: Busicom war aber einer der ganz frühen, lange technisch führenden und großen Hersteller elektronischer Rechner. 1969 bat dieser japanische Elektronik-Riese einen kleinen Chip-Hersteller in den USA, ihm einen neuen IC zu konstruieren, der künftig in seine Tischrechner eingebaut werden sollte. Der kleine Chip-Hersteller war Intel, der dort entwickelte IC ist der Intel 4004 - der Urahn aller Intel-Chips.
Eigentlich besaß nur Busicom alle Patentrechte am 4004, aber man erkannte dort nicht das Potential des universell einsetzbaren Chips und verkaufte die Rechte für läppische 60.000 $ an Intel zurück. Deshalb steht heute auf Computern nicht „Busicom inside“ und bereits 1973 ging Busicom pleite. Den bekannten Markennamen sicherte sich der englische Importeur, der bis 2016 noch in Fernost gekaufte elektronische Rechner als „Busicom“ verkaufte.

Precisa 164-12

Noch eine elektrische „Dreispezies-Maschine“, die mit Zahnstangen rechnet. Anders als die Addo‑X kann sie aber schon vollautomatisch multiplizieren, die Eingabe dafür erfolgt auf die heute gewohnte Art. Nur dividieren kann sie noch nicht (das kann erst die Nachfolgemaschine, das Modell 166). Deshalb liegt ihr eine Reziproken-Tabelle für alle Zahlen von 1000 bis 9999 bei, so dass man jede Division durch Multiplikation mit dem Kehrwert ersetzen kann. Als besondere Einrichtung hat sie einen (immer noch rein mechanischen!) Speicher, der z.B. für Konstanten oder zum Aufsummieren von Ergebnissen genutzt werden kann und eine Rückübertragung: Sie speichert das letzte Ergebnis, das dann weiter verwendet werden kann.
Das Modell wurde immerhin 15 Jahre lang verkauft. 1964 kostete die als "Dreispezies-Vollautomat" beworbene Maschine 1.590 DM, zehn Jahre später noch 798 DM. Selbst 1977 steht sie noch in den Katalogen, dann aber als "Tagespreis erfragen". Wahrscheinlich waren das nur Restbestände, denn es ist kaum denkbar, dass man zu dieser Zeit noch solche Maschinen gebaut hätte.
Dieses Exemplar hatte ein Architekt in Fernwald auf seinem Schreibtisch stehen, damit hat er alle seine Baupläne durchgerechnet. Gekauft wurde es irgendwann Mitte der 60er-Jahre bei Keil in Gießen, auch diese Firma gibt es heute nicht mehr.

Precisa
164-12
S.Nr. D153821

23,5 cm x 33 cm x 16 cm
8,5 kg
1963 - 1978
  • EW 12st.,
  • RW 13st.,
  • SW 12st.,
  • Multiplikatorwerk (12st.?)
  • Druckwerk 13st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Multiplikation, Zwischensumme, Summe,
  • Korrekturtaste.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck,
  • R-Taste für Erhalt der eingetippten Zahl (während + / - gedrückt halten),
  • Speichertaste,
  • Nichtrechentaste,
  • beide Faktoren einer Multiplikation mit zusammen maximal 12 Stellen.
1/1: Auf der Front viele leichte Kratzer, sonst nur wenige Gebrauchsspuren, alles funktioniert wie ein Schweizer Uhrwerk.

... nur das Farbband musste ersetzt werden.
Tip: Vorsicht - Wenn man beim Einschieben in die Schale vorne anstößt dejustiert man schnell die Speichermechanik!

Mit Originalanleitung und Reziproken-Tabelle.

Brunsviga 13RM

Die letzte handbetriebene Brunsviga heißt nur noch so, aber gebaut wurde sie bei FAMOSA in Spanien für die Olympia-Werke. Die Sprossenrad-Maschine wurde auch unter den Marken Famosa und Minerva verkauft, aber in Deutschland hatte Brunsviga noch ein gutes Image. Also klebte man den Namen „Brunsviga“ darauf.
Spanische Niedriglöhne, preiswerte Materialien und nicht mehr ganz so präzise Verarbeitung sollten wohl die Kosten und damit auch die Preise niedrig halten, um gegen die elektrische Konkurrenz (und die am Horizont aufziehende Elektronik) bestehen zu können. Die Maschine hat ein modern wirkendes Gehäuse und ist gut ausgestattet mit vollständigem Zehner­übertrag, Rückübertragung und der Einhand­bedienung des Schlittens. Aber man merkt die etwas „dahingehuddelte“ Verarbeitung: Eine Maschine mit solchen Passungenauigkeiten der Karosserie hätte in Braunschweig das Werk wohl nie verlassen.
Diese Maschine hat eine vierstellige Seriennummer und ist daher eines der ganz frühen Exemplare, das Baujahr ist vermutlich 1964. Sie gehörte einem leitenden Stadtvermessungsdirektor in Krefeld und diente ab den 60er-Jahren zu Berechnungen im Vermessungs- und Katasterwesen der Stadt. Außergewöhnlich ist der gute Zustand dieses Exemplars: Nicht nur die einwandfreie Funktion, innen drin fand sich auch kein Staubkrümelchen und kein verharztes Fett.

Brunsviga
13RM
S.Nr. 2853

30 cm x 19,5 cm x 12 cm
6,8 kg
1964 - ca. 1970
  • EW (mit EK) 10st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW, (durch erste Kurbeldrehung auch automatisch bestimmt),
  • Rückübertragung vom RW ins EW.
2/1: Nur einige Stoßstellen an Kanten und Benutzungsspuren an den Plastikgriffen, dennoch Gesamteindruck fast wie neuwertig; leichtgängige und einwandfreie Funktion.

Seitenteile der Schlittenabdeckung zwecks besserer Passgenauigkeit etwas präziser gebogen.

Mit Nachdruck der (wenig ausführlichen) englischen Anleitung.

FAMOSA ist die Abkürzung für die Firma „Fábrica de Artículos Mecánicos para Oficina, S.A.“. Sie wurde 1945 in Barcelona gegründet und war bis in die 90er-Jahre aktiv. Heute findet sich jedoch keine Spur mehr von ihr, nur am alten Fabrikgebäude prangt noch immer der Firmenname.

Numeria 5905

Diese Numeria ist das letzte handbetriebene Modell der Marke. Sie hat die herstellertypischen Axial-Sprossenräder, dazu eine vergleichsweise gute Ausstattung mit durchgehendem Zehner­übertrag im Zählwerk (mit einer wirklich pfiffigen Mechanik), einer riesigen Kapazität und teilbarem Resultatwerk, um z.B. links Zwischenergebnisse zu speichern.
Das Rechnen auf den extrem leichtgängigen und leisen Maschinen macht wirklich Spass, doch in Deutschland sind die Numerias eher selten zu finden. Vermutlich spielt dabei eine Rolle, dass diese Maschinen in direkter Konkurrenz zur deutlich billigeren Nisa K2 standen, auch wenn die viel schlechter ausgestattet war.
Das Baujahr dieses Exemplar dürfte 1966 oder etwas später sein, der Neupreis in Deutschland lag bei 665 DM. Ich habe es aber aus Llanwrtyd Wells in Wales bekommen.
Beim Reinigen fand ich innen die unten abgebildete 1000 ₤-Banderole: So eine hat man zuhause eher selten. Man darf also vermuten, dass die Maschine in einer Filiale der „co‑operative bank“ (evtl. in Hereford?) im Einsatz war. Aber bis 2014 oder noch länger? Na ja, Wales...

Numeria
5905
S.Nr. 80150

41 cm x 27,5 cm x 19,5 cm
6,1 kg
1964 - 1968
  • EW 10st.,
  • ZW 11st.,
  • RW 21st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für RW und ZW (je nach Drehrichtung).
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 10 Stellen,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Anzeige für Drehrichtung im ZW (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich).
  • Split des RWs ermöglicht Teillöschung der rechten 9 Stellen,
  • Schieber inaktiviert ggf. die ersten beiden Tastenkolonnen (Fehlervermeidung bei bestimmten Rechnungen).
2/1: viele Kratzer und kleine Stoßstellen, insgesamt jedoch schöner Eindruck; alles funktioniert wieder wunderbar leichtgängig.

ZW neu justiert, abgebrochenen Griff der rechten Schlittenabdeckung neu aufgebaut und lackiert, ein Knopf ersetzt. In die (wegen der erst noch fehlenden Abdeckung) lose Schlittengleitstange weiteren Schlitz eingefräst und Sicherungsring eingesetzt, linke Schlittenabdeckung neu gebaut, Stellenbezifferung angebracht.

Anleitung im Netz gefunden.

Walter Comptess

Diese kleine Saldiermaschine (=rechnet und druckt Ergebnisse unter Null korrekt) mit der internen Modellbezeichnung S33 wurde von Walther als „Comptess“ vermarktet. Sie kann eigentlich nur addieren und subtrahieren, notfalls sind (wie bei allen Addiermaschinen) einfache Multiplikationen umständlich zu rechnen.
Solche einfachen Maschinen verkauften sich wohl gut, denn heute noch findet man die Comptess recht häufig. Der geringe Funktionsumfang machte sie zum preisgünstigsten Modell aller Walther-Addiermaschinen, sie kostete anfangs 760 DM. Ab 1971 bekam sie ein moderneres, eckiges Gehäuse, doch gegen die Konkurrenz der Elektronik half das nicht lange: Ab 1974 wurden die Restbestände für 398 DM verramscht.
Dieses Exemplar wurde vermutlich 1969 gebaut. Sie stammt aus einer Sammlung, die frühere Verwendung ist daher unbekannt.

Walther
Comptess
S.Nr. S33 1599144

22 cm x 36 cm x 13 cm
6,6 kg
1964 - ca. 1974
  • EW 11st.,
  • RW 12st.,
  • Druckwerk 12st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • Korrekturtaste.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck.
  • R-Taste für behelfsmäßige Multiplikation (einrastend),
  • Nichtrechentaste.
2/1: Starke Vergilbung des Gehäuses und einige größere Kratzer, alles funktioniert wieder perfekt.

Motor lief durch: Ursache gesucht, völlig festgerosteten Motorstopphebel unter Einsatz von massivem Hebel, Hammer und Rohrzange ausgebaut, ausgeschliffen und mit neuer Gummipufferung wieder eingebaut, Flugrost unter den Tasten (soweit ohne Zerlegung möglich) beseitigt, neues Farbband.

Kurzanleitung geschrieben.

Nisa K2

Die nächste Maschine mit Volltastatur und geteilten Staffelwalzen, ganz nahe am Vorbild der Monroe-Maschinen: Wie dort bewegen sich auch hier die Staffelwalzen selbst (durch je nach Taste verschieden weit drehende Leisten unter Tastatur und Walzen) und nicht die abgreifenden Zahnräder. Es gibt ebenfalls den optionalen „Additionsmodus“ (automatische Eingabelöschung nach Drehung der Kurbel) und das Zählwerk hat immer noch keinen Zehnerübertrag. Die abgekürzte Multiplikation ist also auch hier unmöglich.
Die innere Ähnlichkeit ist groß, vermutlich wurde sogar eine Lizenz von Monroe erworben. Aber offensichtlich versuchte man, möglichst viel Metall einzusparen: Der Boden besteht aus stabilem Metall, doch die Schlittenverkleidung ist aus sehr dünnem Blech, die übrige Karosserie aus dickem Kunststoff und auch sonst gibt es viel Plastik.
Dieses Exemplar wurde 1969 gebaut. Wer es früher wozu benutzt hat weiß ich leider nicht, aber den damaligen Neupreis der nach Westdeutschland exportierten Maschinen findet man im Netz: 247 DM, das war im Vergleich zu Monroe (und Lagomarsino) richtig günstig.

Nisa
K2
S.Nr. U2-25718

31,5 cm x 27 cm x 10 cm
3,6 kg
ca. 1965 - ca. 1970
  • EW 8st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 16st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für ZW und RW (je nach Drehrichtung).
  • Zehnerübertrag im RW nur über 9 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (zwei 9er),
  • Schalter für Additionsmodus,
  • zwei herausklappbare „Hinterbeine“.
2/1: Ein deutlicher Hitzeschaden am Kunststoff der Vorderseite, Gehäuse sonst extrem gut erhalten. Die Mechanik ist wieder leichtgängig und fehlerfrei.

Erste Ermüdungsrisse am Schlittenverstellknopf (aus Kunststoff) geklebt.

Kurzanleitung geschrieben.

Das Know-How der Rechnerfertigung von Nisa („Neiße“ auf tschechisch) stammt wahrscheinlich auf Umwegen von Rema. 1922 übernahm Mira deren Patente und Maschinen und produzierte bei Liberec Rechenmaschinen. Ab 1951 baute Nisa dann im Nachbarort Proseč nad Nisou (Proschwitz) Rechenmaschinen des „Monroe-Typs“, vermutlich zuerst auf den alten Maschinen und mit Teilen des Personals von Mira. Bis 1976 wurden dort weitere (auch elektromechanische) Rechner entwickelt und gebaut. 1995 (also kurz nach dem Zusammenbruch des sogenannten „Ostblocks“) ging die Firma in Konkurs. Eine Nachfolgefirma, wahrscheinlich aus überlebensfähigen Teilen der Fabrik entstanden, existiert heute noch als NISAFORM GmbH, sie stellt Formen für Kunststoff- und Metallguss her.

TRS Calcorex

Diese Sprossenradmaschine wurde in Jugoslawien gebaut (es gab wohl auch eine Lizenzproduktion in Ungarn). Sie ist eigentlich ganz solide verarbeitet und mit Rückübertragung, vollständigem Zehnerübertrag und Einhandbedienung gut ausgestattet. Auch die Lupen über den Anzeigen sind Luxus.
Dieses Exemplar wieder funktionsfähig zu machen war allerdings ein größeres Abenteuer:

Die Maschine sah wirklich hervorragend aus. Doch leider bestanden die Sprossenräder aus billigem Zinkdruckguss und waren massiv von Zinkfraß befallen. Offenbar hatte man noch Ende der 60er-Jahre dafür anfällige Legierungen benutzt. (Auch andere Hersteller sind betroffen, von alten Burkhardts vor 1900, als man mit Zinklegierungen noch keine Erfahrungen hatte, bis zu den letzten Triumphator-Maschinen.) Einige Sprossenräder schliffen auf den Zahn­rädern des Resultatwerks, fast alle Einstellringe klemmten auf ihren Zinkscheiben fest, viele Sprossen und einige Zehnerübertrags-Finger waren auch unbeweglich. Nach vielfachem Ausschleifen wurde das etwas besser - doch der Zinkfraß sorgte dafür, dass die Sprossenräder weiter wuchsen und bröselten.
Angesichts des ansonsten extrem guten Zustands war das sehr schade. Doch dann fand ich für wenig Geld ein TRS-Vorgängermodell „Zagreb“ (S.Nr. 17065). Total verdreckt, rostig und teils mit Goldbronze(!) eingesprüht - doch nach dem Kauf stellte sich heraus, dass deren Trommel aus Messing war. Glück gehabt!
Also entsorgte ich die Zinkguss-Trommel und baute die ältere, schöne Messingtrommel ein. Doch leider passten nun weder Kontrollwerk, Ansteuerung des Zählwerks noch Zehnerübertrag im Resultatwerk richtig (mehr dazu im Aufklappmenü unten), also musste ich fast das gesamte Innenleben austauschen. So waren viele neue Löcher zu bohren, die Trommelachse abzusägen und weitere kleine Anpassungen nötig. Nur Bodenplatte mit Schlittentransport, Klingel, Kurbel und Deckbleche sind von der neueren Maschine übrig geblieben. Nun trägt die Maschine innen zusätzlich die alte Seriennummer, hat außen das alte „Zagreb“-Logo über einem nicht mehr benötigten Schlitz und vor allem funktioniert sie wieder ganz passabel.


vorher so
Ein altes Sprossenrad:

vorher so
Wesentliche Unterschiede in der Technik der älteren und neueren Maschine:
älter („TRS Zagreb“ → Bild rechts oben): neuer („Calcorex“ → „vorher so“):
Sprossenräder: aus Messing, wegen der Zehnerüberträge für jede Stelle anders gebaut aus Zinkdruckguss, nur 3 Typen (Stellen 1-4-7, 2-5-8, 3-6-9) und 2 Typen für den Zehnerübertrag (Stellen 10-12, 11-13)
Zehnerübertrag RW: klassische „Hämmerchen“, von Ende einer Nut im Sprossenrad rückgesetzt dünne Bleche, von Ausbuchtung am Ziffernrad rückgesetzt
Zehnerübertrag ZW: Zahnräder vor den Ziffernrädern werden auf Achse leicht verschoben eigene Hebel, mit gesonderter Unterstützung durch oszillierende Plastikrolle - → Video (MP4, 13 MB)
Richtungsumschaltung ZW: Getriebe mit gegenläufigen Zahnrädern, nur manuelle Wahl, Anzeige der Richtung im Fensterchen Blechzunge auf Exzenter mit wechselndem Fixpunkt, manuelle und automatische Wahl durch erste Kurbeldrehung nach EW-Löschung - → Video (MP4, 26 MB)
Überschleuderungskorrektur: vorhanden (Knopf vor der Kurbel) fehlt
TRS
Calcorex
S.Nr. 17065 & 70077

32,5 cm x 17 cm x 14,5 cm
5,0 kg
1965 - ca. 1970
  • EW (mit EK) 9st.,
  • ZW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Knopf zur Überschleuderungskorrektur,
  • Drehrichtungsanzeige kann Kurbelblockade lösen.
2/3: Nur wenige Benutzungsspuren; die alten und neuen Teile müssen sich aber noch etwas miteinander einlaufen...
Mit Haube.

TRS ist das Kürzel der 1948 in Zagreb gegründeten Tvornica Računskih Strojeva, zu deutsch einfach „Rechenmaschinenfabrik“. Man hat dort aber nicht nur Rechenmaschinen hergestellt, sondern war einer der Pioniere des Computerbaus im Ostblock. Zeitweise gehörte TRS wohl der italienischen S.A.Serio. Die Firma existiert nicht mehr, aber ein Nachfolge-Unternehmen namens Reinhart B.B. doo.
Einige der Rechenmaschinen wurden auch im Westen verkauft, oft unter anderen Namen - z.B. diese poppige „Kling“, deren Design von Davor Grünwald entwickelt wurde.

Norma Grafia 190

Eine speziellere Rechenscheibe von Norma, wieder mit 19 cm Durchmesser. Diese war für Grafiker etc. gedacht, daher gibt es eine Skala mit Formaten und Schriftgrößen.
Die Scheibe muss in der Zeit zwischen 1965 und 1970 entstanden sein, denn sie hat schon den neuen, verchromten Alu-Rand, aber immer noch den kurzen Läufer.
Dieses Exemplar wurde von den Grafikern eines Industrie-Designstudios in Venlo bis in die 80er-Jahre benutzt - danach wurde auf Computer umgestellt und die Scheibe wurde überflüssig.

Norma
Grafia 190

19 cm Durchmesser
180 g
1965 - nach 2003
  • Zwei logarithmische Skalen für Multiplikation und Division,
  • Angabe von Formaten und Schriftgrößen,
  • Angabe einiger englischer und US‑Maße.
1/1: praktisch neuwertig, einwandfreie Funktion.
Mit Schutzhülle und Originalanleitung.

Facit 1004

Die Technik der Facit CM2‑16 wurde hier in ein billigeres Plastikgehäuse gepackt. Beworben hat man damals das „moderne“ Aussehen und etwas geringeres Gewicht. Das Modell bekam auch einen Tragegriff spendiert, der für das Gewicht allerdings zu filigran ist und wohl eher die Transportierbarkeit signalisieren sollte.
So versuchte man konkurrenzfähig zu bleiben, aber leider vergeblich. Elektronische Rechner sahen eben nicht nur modern aus, sondern waren es auch.

Facit
1004
S.Nr. 1893531

35 cm x 29 cm x 16 cm
7,5 kg
1967 - ca. 1972
  • EW (mit EK) 11st.,
  • ZW 9st.,
  • RW 16st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Tabulatortasten (für Division / für Rückübertrag),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Anzeige für Drehrichtung im ZW (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich),
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW,
  • Rückübertragung aus RW oder ZW (!) in die Eingabe.
1/1: nur geringste Gebrauchsspuren; alles läuft leichtgängig.
Mit Schutzhaube und Anleitung der CM 2‑16.

Alco

Ein Zahlenschieber aus den mittleren 60er-Jahren. Das Modell kommt aus Japan und ist offensichtlich (bis hin zu Details in Farbgebung und Beschriftung) eine Kopie des Addiator Arithma. Manchmal findet man es auch mit einem kleinen Rechenstab auf der Rückseite, oft unter anderen Markennamen. 1960 wurden solche Zahlenschieber in den USA manchmal schon für 99 Cent angeboten.

ALCO
Personal Calculator

4 cm x 16 cm x 0,5 cm
40 g
ca. 1967 - ca. 1975
  • Eingabe über 6 Schieber,
  • Addition und Subtraktion,
  • Löschbügel.
  • Addieren und Subtrahieren auf einer Seite,
  • mit Eingabegriffel aus Metall und Halterung dafür.
2/2: Einige Kratzer, nicht ganz leichtgängig.

Zerlegt, einige Zähne und Schieber begradigt.

Mit Originalgriffel, Anleitung eines Addiator Arithma im Netz gefunden.

Der unbekannte japanische Hersteller hat schon ab den 50er-Jahren Zahlenschieber an viele Firmen geliefert und gleich deren Marke aufgedruckt. Alco z.B. war eine Firma aus New York, die ab Mitte der 60er-Jahre aus Fernost importierte Massenware über Discounter vertrieben hat.

Denon DEC-61A4

Dieses ist mein bislang ältester elektronischer Rechner: Er kam im September 1968 auf den Markt. Entsprechend niedrig integriert ist die Elektronik: Auf insgesamt sieben Platinen sitzen ungeheuer viele Widerstände und Dioden (oft als logische Gatter), zahlreiche Kondensatoren, einige Transistoren und nur wenige integrierte Schaltkreise („Chips“ oder ICs). Die ICs sind noch sehr einfach (SSI = „small scale integration“) und bieten nur logische Grundfunktionen. Dazu kommen noch die Platine für die Tastatureinlesung, zwei schmale Platinen für die Anzeige und die alles verbindende Hauptplatine. Der ganze große Kasten ist also vollgestopft mit elektronischen Bauteilen, die alle in Handarbeit eingelötet wurden!
Die Anzeige besteht aus „Nixies“, das sind die damals gebräuchlichen, recht teuren Röhren mit Kathoden in Ziffernform, die wie Glimmlampen leuchten können. Für jede Ziffer gibt es also eine Kathode, diese sind dicht hintereinander gestapelt. Nixies gab es in vielen verschiedenen Formen und Größen, doch ab Anfang der 90er-Jahre wurden sie nicht mehr hergestellt weil sich billigere und energiesparendere Anzeigearten durchsetzten. Einige Enthusiasten betreiben heute wieder Kleinstfertigung, aber funktionierende Nixies werden allmählich seltener und damit noch teurer als sie es immer schon waren. Das ist schade, denn das warme Licht ist wunderschön.
Die Bedienung dieses Rechners ist mit heutigen Standards kaum zu vergleichen, bestimmte Tastenfolgen führen zu hoch seltsamem Verhalten. Immerhin gibt es schon die Wurzelfunktion (die mit großen Zahlen nicht gut umgehen kann), den Speicher (der negative Vorzeichen leicht verliert) und ein (recht eingeschränktes) Fließkomma. Andere Rechner dieser und folgender Jahre waren da meist schlechter ausgestattet, und damit ist der Funktions­umfang selbst der kompliziertesten elektro­mechanischen Maschinen schon erreicht.
Die frühere Verwendung ist nicht bekannt, auch den anfänglichen Neupreis in Deutschland habe ich noch nicht herausgefunden. 1971 waren es dann jedenfalls immer noch heftige 3.807 DM brutto (etwa vier Monatslöhne).

mehr Infos im
Old Calculator Museum

Die Platinen:

Denon
DEC-61A4
S.Nr. Z212339Y

29,5 cm x 39 cm x 10,5 cm
6,5 kg
1968 - 1971
  • Anzeigeregister 14st.,
  • Rechenregister,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten,
  • Quadratwurzel.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Wählrad für 0, 2, 3 oder 6 NKS,
  • Wählrad für Fließkomma oder Festkomma mit Ab‑, 5/4- oder Aufrundung,
  • Register-Austausch,
  • T-Taste für Aufsummierung von Produkten,
  • K-Taste für Konstante bei Multiplikation und Division,
  • Anzeige mit 14 Nixie-Röhren,
  • 3 Signallämpchen für Minus, Speicher und Überlauf.
3/2: Gehäuse extrem vergilbt, bis auf einen kleinen Riss aber unbeschädigt, auch Tasten sehr gut erhalten. Man kann damit immer noch passabel rechnen, doch bei manch seltsamem Verhalten ist nicht klar, ob es an der Rechnerlogik liegt oder ob es sich bereits um Versagen der Elektronik handelt. Die Komma-Kathoden der Röhren 6 und 12 sind ausgefallen bzw. schwach.

Defekte Glimmlampe der Überlaufanzeige ersetzt.

Kurzanleitung geschrieben.

Denon wurde 1910 als Nippon Chikuonki Shoukai (Japan Recorders Corporation) gegründet. Bis 2001 gehörte die Firma zum ebenfalls 1910 gegründeten Plattenlabel Nippon Columbia. Einige wenige Jahre um 1970 war Denon auch im Rechnerbau tätig, die Marke wurde aber mit hochwertigen Stereoanlagen und Audiokomponenten bekannt, diese baut sie noch heute. Denon gehört heute zur D&M Holdings Inc. (D und M stehen für Denon und Marantz).

General Teknika 1200

Ein Rechner aus dem Jahr 1969, der nun schon ganz viele (genau 88) ICs enthält, die aber immer noch niedrig integriert („SSI“) sind. Die Anzeige ist nun schon geringfügig moderner: Statt der klassischen Nixies sind hier zwölf nach dem gleichem Prinzip leuchtende „Elfin-Röhren“ eingebaut. Das sind acht kleine Glimmlämpchen pro Röhre, die zusammen eine Siebensegment-Anzeige (plus Dezimalpunkt) bilden. Die Speicherlogik ist etwas seltsam (statt Speicherlöschtaste automatischer „Neustart“ nach bestimmten Rechnungen, der Speicher ersetzt zudem eine Konstante) und ein Fließkomma gibt es auch nicht. Insgesamt wirkt die Bedienlogik aber recht durchdacht, das Wurzelziehen geht hier (auch dank des seltsamen Speichers) sehr flott.
Der anfängliche Neupreis ist unbekannt. 1973 steht das Modell zum letzten Mal im Büromaschinen-Lexikon, da kostete es noch 1.887 DM (brutto).

aus der Sammlung Hans Bloemen

Die Platinen:



General
Teknika 1200
S.Nr. 2589

25 cm x 32 cm x 15 cm
3,7 kg
1969 - ca. 1973
  • Anzeigeregister 12st.,
  • Rechenregister,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten.
  • Registertausch,
  • Festkomma 0‑, 2‑, 4- oder 6stellig,
  • Anzeige mit 12 Elfin-Röhren Rodan MG17‑D und einer Glimmlampe (für's „Minus“),
  • Chipsatz: General EDC2111CUM, EDC2112CUM, EDC2113CUM, EDC2114BUM, EDC2115CUM, EDC2116CUM, EDC2116BEL, EDC2115DUM u.a.
1/1: Gehäuse nahezu ohne Gebrauchsspuren und nur leicht vergilbt, funktioniert einwandfrei.
Mit Schutzhaube, Kurzanleitung geschrieben.

Die General Co. Ltd. war ein 1914 gegründeter japanischer Hersteller, dessen Eigenmarke Teknika in Deutschland von MBO vertrieben wurde, der aber auch wichtiger OEM‑Hersteller ( z.B. vieler Rechner von Triumph-Adler oder Precisa: Dort hieß dieses Modell „GS12“) war. Bis mindestens 1989 wurden elektronische Rechner gebaut. Heute gibt es immer noch eine Firma gleichen Namens, sie stellt nur noch Verbrauchsmaterialien für Bürogeräte her.

Sharp QT-8D

Dieser kompakte Tischrechner beherrscht nur die Grundrechenarten, sonst nichts. Aber er ist dennoch bemerkenswert, weil er der weltweit erste Rechner mit LSI(„large scale integration“)-Chips war. Hier werkeln tatsächlich nur sechs Chips, davon vier in der damals revolutionären MOS‑Technik mit um die 1000 bis 2000 Transistoren pro IC. Das war damals ungeheuer viel (heutige Spitzen-Notebooks haben allerdings Prozessoren mit mehreren Milliarden Transistoren) und ein gewaltiger Fortschritt bei der Rechengeschwindigkeit. Dazu kam noch die Raum- und Energieersparnis.
Interessant ist auch die Anzeige, denn hier sind zum ersten Mal in einem Rechner die seltenen Itron-Röhren verbaut worden. Die Verarbeitung ist extrem wertig: gekapseltes Netzteil, Stecker mit Goldkontakten, Tastatur mit Reed-Kontakten... Auch nach 50 Jahren knarzt , klemmt und wackelt nichts. Auf der Positivseite ist auch noch das damals seltene echte Fließkomma. Die Tastatur dagegen hat ein heute sehr seltsam anmutendes Layout mit gemeinsamer Taste für Multiplikation und Division, ohne Hilfe finden die meisten Menschen binnen 5 Minuten nicht heraus, wie man damit dividiert. Führende Nullen werden in der Anzeige nicht unterdrückt, die Nullen sind dafür halbhoch, was sehr gewöhnungsbedürftig ist und ungeübte Nutzer eher noch mehr verwirrt. Nach dem Einschalten muss man zweimal C drücken, sonst steht Datenmüll in Anzeige und Register. Die Korrekturtaste löscht auch eine eingegebene Multiplikation/Division und holt das Register in die Anzeige zurück, das zweite Drücken löscht alles.
Die Seriennummer verrät Baujahr und ‑monat: Es ist November 1970. Durch die höher integrierten Chips (und wegen des geringen Funktionsumfangs) mussten hier viel weniger elektronische Bauteile eingebaut werden, dadurch konnte auch der Preis niedriger sein: 1.790 DM (netto).

aus der Sammlung Hans Bloemen

mehr Infos im
Old Calculator Museum
ein sowjetischer Nachbau bei
S.Frolov
Sharp
QT-8D
S.Nr. 000978X

14,5 cm x 25,5 cm x 8,5 cm
1,5 kg
1969 - 1972
  • Anzeigeregister 8st.,
  • Rechenregister;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung über eine Taste,
  • nur Fließkomma,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • Anzeige mit 8 Iseden „Itron“ CD10B (Vakuumfluoreszenz) und einer weiteren Röhre („Minus“),
  • Chipsatz besteht aus zwei einfachen ICs und vier MOS‑LSI‑ICs von Rockwell: NRD 2256 („numerical read‑in and display“), DC 2266 („decimal-point control“), AC 2261 („arithmetic control“, Register), AU 2271 („arithmetic unit“, der eigentliche Addierer).
1/1: Kaum Gebrauchsspuren, funktioniert (wenn man erst mal die Bedienung herausgefunden hat) einwandfrei.
Englische Anleitung im Netz gefunden.

Von Jahr zu Jahr purzelten die Preise und heftiger Konkurrenz­kampf unter den Elektronikherstellern ließ letztlich nur wenige große Unternehmen bis heute bestehen. Sharp, gegründet 1912 durch Tokuji Hayakawa (und bis 1970 auch unter dessen Name firmierend) gehört zu diesen Herstellern und ist heute immer noch einer der Marktführer im Bereich elektronischer Rechner. Allerdings ist Sharp nicht mehr selbständig, weil die Konkurrenz der neuen „Billigheimer“ aus China auch dort zu massiven Verlusten geführt hatte. 2016 hat die taiwanesische Hon Hai (hierzulande als „Foxconn“ zu recht zweifelhaftem Ruf gekommen) zwei Drittel der Sharp-Anteile gekauft (mehr Firmengeschichte).

Sharp CS-241

Auch dieser Rechner ist groß: Die Elektronik ist ebenfalls nur wenig integriert (MSI), außerdem wurde dieses Gehäuse auch für Sharp-Rechner mit bis zu zwei Tastenreihen und zwei Stellen in der Anzeige mehr benutzt. Die Hauptplatine ist fast identisch mit dem vorigen Rechner, aber ein paar kleine Unterschiede gibt es. Er hat insgesamt ungefähr 55 ICs, deren wenige Transistoren nur elementare logische Funktionen (NAND-Gatter, Schieberegister etc.) bieten. Auch hier gibt es daher eine beeindruckende Menge von Widerständen, Dioden und Transistoren, die als „festverdrahtetes ROM“ die Rechnerlogik mit bestimmen.
Das Tastenfeld entspricht dem firmeninternen damaligen Standard, der sich auch auf vielen Facit- und Burroughs-Rechnern findet. Die Bedienung ist fast identisch mit dem Facit 1129, nur die Wahl von Rundung und Nachkommastellen ist etwas anders. Auch hier findet sich ein Stecker für ein Programmiergerät, nun aber 60‑polig und an der Rückseite. Ein passendes Gerät war z.B. der „Memorizer 60“.
Innen ist ein Stempel mit dem japanischen Datum 45.10.29F: Das ist der 29. Oktober im 45. Regierungsjahr von Showa/Hirohito, also 1970. Der Neupreis: Auch hier heftige 3.300 DM (netto).

aus der Sammlung Hans Bloemen

mehr Infos im
Old Calculator Museum
Sharp
CS-241
S.Nr. 01014711

30,5 cm x 32,5 cm x 11 cm
5,3 kg
1970 - ca.1971
  • Anzeigeregister 14st.,
  • Rechenregister,
  • Saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Register-Austausch,
  • gedrückte ×- und ÷-Taste leuchten,
  • maximal 7 Nachkommastellen einzugeben (sonst Überlauf),
  • Dividend/Divisor maximal 13stellig,
  • 2 Schieber für 0‑4, 6 oder 7 NKS und 5/4‑Rundung,
  • einrastende Taste für Speicherung des letzten 1. Faktors / Divisors / 2. Summanden / Subtrahenden als Konstante,
  • Tasten der Zifferneingabe waren nur einzeln zu betätigen,
  • Anschluss für Memorizer,
  • 3 manuelle Tausender-Trennmarken vor der Anzeige,
  • „Nixie“-Anzeige mit 14 Hitachi CD81 und einer H1501.
2/2: Eine Taste und das Gehäuse haben erste leichte Ermüdungsrisse, alles funktioniert einwandfrei. Nur kurz nach dem Einschalten „spinnt“ der Rechner für einige Minuten und schreibt selbsttätig Werte in die Anzeige, dann ist der Spuk wieder vorbei.

Eine eingedrückte Stelle am Netzschalter repariert, oxidierte Kugeln der Tastensperre mussten entfernt werden.

Mit Schutzhaube (etwas zerfleddert), Kurzanleitung geschrieben.

Neckermann Haushaltkalkulator

„Richtige“ Rechenmaschinen waren für private Haushalte viel zu teuer, elektronische Rechner bis in die 70er-Jahre ebenfalls. Das Marktsegment wurde also meist von Zahlenschiebern oder Kleinaddierern abgedeckt. Der „Neckermann Haushaltkalkulator“ (nicht „Haushalts...“ - deutsch ist schwierig!) ist ein später Vertreter dieser Kleinaddierer und zeigt seine Zielgruppe schon im Namen.
Man kann damit passabel addieren und subtrahieren (letzteres sogar einfacher als auf einer Resulta oder Summira, weil man das Rollenzählwerk in beide Richtungen drehen kann). Der Zehner­übertrag über alle Stellen, also z.B. von 9999999 auf 0000000, ist aber extrem schwergängig.
Leider kann man die Mechanik nicht untersuchen, ohne das Gerät zu zerstören, denn das Plastik-Gehäuse ist gut verklebt. Auch Reparaturen wären daher unmöglich.

Neckermann
Haushaltkalkulator


12,5 cm x 9,5 cm x 10 cm
260 g
ca. 1970 - ?
  • Einstellwerk = Anzeige 7st.;
  • Addition und Subtraktion,
  • Löschhebel.
  • Addition: Zahn an weißer Ziffer nach unten ziehen,
    Subtraktion: Zahn an roter Ziffer nach oben ziehen.
2/1: Gehäuse mit wenigen Gebrauchsspuren; funktioniert einwandfrei.

Hersteller ist eine (leider unbekannte) Firma in Japan. Das Modell wurde in Großbritannien und den USA als „Solo“ bzw. „Chadwick“ verkauft und in Deutschland bei Neckermann, dem großen Versandhändler aus Frankfurt, der in den späten 90er-Jahren der zweitgrößte Online-Versender Deutschlands war.

Schumm Rechenbox

Es geht noch kleiner: Das hier ist ein „Shopping adder“. Eine deutsche Bezeichnung gibt es nicht, weil diese Geräte praktisch nur in den USA und GB verbreitet waren. US‑Amerikaner und Briten fanden es offenbar besonders wichtig, beim Einkaufen die Summe stets mitzurechnen.
Die Schumm Rechenbox ist das einzige bekannte Modell aus Deutschland. Man klickt die Pfennig‑, 10 Pfg.‑, Mark- und 10 Mark-Stelle mit der Taste oben jeweils eins weiter, zum Löschen muss man dann alles einzeln (von rechts angefangen) auf Null klicken.
Das Gerät erfüllt m.E. nicht wirklich die Definition einer Rechenmaschine: Man kann zwar in jeder Stelle Eins zuzählen, „Rechnen“ finde ich das aber noch nicht. Eine „Maschine“ ist die Rechenbox jedoch, denn sie hat einen echten Zehner­übertrag.

Schumm
Rechenbox


9,5 cm x 2 cm x 4 cm
40 g
1970 - ?
  • Anzeigeregister 4st.;
  • nur Addition von 1 in jeder Stelle.
1/3: Gehäuse nahezu ohne Gebrauchsspuren; funktioniert nur gut, wenn man die Tasten beim Lösen „schnicken“ lässt.

Erich Schumm war Unternehmer und Erfinder mit über 1000 Patenten. Seine beiden wichtigsten Erfindungen sind das ESBIT („Erich Schumms Brennstoff in Tablettenform“) und die Plastik-Fliegenklatsche. Schumm starb 1979, die Firma mit Sitz in Murrhardt bestand aber weiter und stellte schließlich vor allem Handtuch- und Seifenspender her. 1994 wurde sie von der Haniel Textilservice übernommen, deren Sanitärausstattungen (heute als CWS-boco) immer noch hergestellt werden, auch in Murrhardt.

Nisa K5

Die „große Schwester“ der Nisa K2 wirkt in Form- und Farbgebung recht modern. Sie ist eine der letzten Neuentwicklungen einer handbetriebenen Maschine überhaupt und kam auf den Markt, als sich die ersten elektronischen Rechner schon längst etabliert hatten. Trotzdem muss sie zumindest im damaligen Ostblock noch eine gewisse Verbreitung erfahren haben, denn man findet sie öfters in Internet-Auktionen. Auch eine Modellvariante mit Elektromotor wurde gebaut.
Das Zählwerk ist immer noch ohne Zehner­übertrag, ein Zähler mit Übertrag kann jedoch im sehr großen Resultatwerk simuliert werden. Insgesamt hat sie noch mehr Plastik als die „kleine Schwester“. Die Oberschale aus dünnem Kunststoff wirkt etwas klapperig (es gibt ganz selten auch eine Variante mit Metalloberschale). Auch die Kurbel und das Schlittentransportrad sind aus demselben Material und es zeigten sich z.T. erste Ermüdungsrisse. Unterschale und Inneres sehen dagegen recht stabil aus, sind aber auch erkennbar auf Materialersparnis hin optimiert.
Dieses Exemplar wurde 1975 gebaut. Es stammt aus einer Sammlung in München, also ist mir leider nicht bekannt, wer es früher benutzt hat und welchen Neupreis man damals dafür zahlen musste.

aus der Sammlung Veres Diese Stellleisten werden durch die
Tasten verschieden weit gedreht ...:
... und stellen diese Staffelwalzen
nach links und rechts:
Nisa
K5
S.Nr. AC 71133

40 cm x 31 cm x 17 cm
4,7 kg
1970 - ca. 1976
  • EW 10st.,
  • ZW 10st.,
  • RW 20st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, 2 Löschhebel für ZW und RW.
  • Zehnerübertrag im RW nur über 11 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (zwei 9er),
  • Schalter für Additionsmodus,
  • gleichzeitig 0 und 1 in Kolonne 10 drücken setzt einen provisorischen Zähler (Die 1 ganz links wird nicht mehr gelöscht), ein Zählerschieber setzt das wieder zurück.
1/1: Sieht bis auf kleinste Kratzer noch ausgesprochen gut aus, alles funktioniert einwandfrei.

Erste feine Haarrisse an Gehäuse und Schlittentransportrad geklebt/verstärkt, einige Gummipuffer innen erneuert.

Kurzanleitung geschrieben.

Addo-X 9354

Auf den ersten Blick sind nur die Tastenfarben und das Firmenlogo anders als beim QT‑8D, auf den zweiten Blick fällt der fehlende Tragegriff auf. Aber die Ähnlichkeit täuscht nicht, denn die meisten elektronischen Rechner von Facit und Addo wurden von Sharp gebaut. Deren QT‑8D wurde ebenfalls leicht modifiziert und dann als Addo‑X 9354 bzw. Facit 1125 verkauft.
Wo dieser Rechner mal benutzt wurde weiß ich leider auch hier nicht, aber Baujahr und damaliger Neupreis sind bekannt: Ein Facit-Prüfetikett auf der Rückseite trägt das Datum 12.12.1972 (es handelt sich also um eines der ganz späten Exemplare), im Büromaschinen-Lexikon stehen für dieses Jahr 1.350 DM (netto). Ein Jahr zuvor waren es sogar noch 1.995 DM, also deutlich mehr als das gleiche Gerät vom eigentlichen Hersteller.

aus der Sammlung Hans Bloemen
Addo-X
9354
S.Nr. 345031

14,5 cm x 25,5 cm x 8,5 cm
1,5 kg
1970 - 1972
  • Anzeigeregister 8st.,
  • Rechenregister;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung über eine Taste,
  • nur Fließkomma,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • Anzeige mit 8 Iseden „Itron“ CD10B (Vakuumfluoreszenz) und einer weiteren Röhre („Minus“),
  • Chipsatz besteht aus zwei einfachen ICs und vier MOS‑LSI‑ICs von Rockwell mit Datumscodes von 1969 bis 1971 (s. Bild oben rechts).
1/1: Nahezu neuwertig, funktioniert einwandfrei.

Zerbröselnde Gummifüße ersetzt.

Mit Schutzhaube, Anleitung identisch mit der des Sharp QT‑8D.

Sharp QT-8B

Das Gerät sieht nun wieder exakt wie der QT‑8D aus, selbst der Tragegriff ist wieder da. Auch das Innenleben ist praktisch gleich, aber eigentlich gab es einen wichtigen Unterschied: Statt des großen Netzteils waren hier ursprünglich sechs Akkus eingebaut und es wurde eine separate Ladestation mitgeliefert. Damit wurde der QT‑8B zum ersten netzunabhängige Elektronenrechner, wegen seiner geringen Größe konnte man ihn auch wirklich schon gut mitnehmen. Dafür war er dann (mit Ladestation) 460 DM teurer als sein Pendant mit Netzstecker: 2.250 DM (netto)! Gebaut wurde dieses Exemplar im September 1970.
Sein Nachfolger hat immer noch den gleichen Chipsatz: Es ist der (noch kleinere) erste echte Taschenrechner der Welt, der Sharp EL‑8 (auch Facit 1111 / Addo‑X 9364).

aus der Sammlung Hans Bloemen
Ein QT-8B mit Akkus und Ladegerät m
Vintage Calculators Web Museum
Sharp
QT-8B
S.Nr. 0109329

14,5 cm x 25,5 cm x 8,5 cm
1,5 kg
1970 - 1972
  • Anzeigeregister 8st.,
  • Rechenregister;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung über eine Taste,
  • nur Fließkomma,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • Anzeige mit 8 Iseden „Itron“ CD10B (Vakuumfluoreszenz) und einer weiteren Röhre („Minus“),
  • Chipsatz besteht aus zwei einfachen ICs und vier MOS‑LSI‑ICs von Rockwell.
2/2: Gehäuse und einige Tasten mit Gebrauchsspuren; funktioniert eigentlich einwandfrei, aber hier wurde nachträglich das Netzteil eines QT‑8D eingebaut (vermutlich weil die Akkus tot waren).

Auch hier Gummifüße ersetzt.

Mit Anleitung des QT-8D.

Facit 1129

Dieser Rechner ist nun wieder vergleichsweise riesig, sogar größer als viele der Maschinen mit Handkurbel. Das liegt auch daran, dass hier nur MSI(„medium scale integration“)‑ICs benutzt wurden, die durch eine beeindruckende Zahl von Transistoren, Widerständen und Dioden ergänzt werden. Einen der damals gerade aufkommenden LSI‑Chips findet man hier noch nicht. Die Anzeige besteht wieder aus den teuren „Nixies“, auch die Tastatur entspricht dem damaligen Sharp-Standard. Für heutige Verhältnisse ist die Benutzung eher ungewohnt: Eine Plus-Taste sucht man vergebens, führende Nullen werden nicht unterdrückt, es gibt kein Fließkomma und Werte für Multiplikation und Division dürfen nur je 13 Stellen haben, weil dabei eine Stelle im Register als Zählwerk benötigt wird. Doch immerhin gibt es schon einen echten Speicher mit den heute noch üblichen vier Tasten. Werden komplizierte Aufgaben gerechnet, dann vollführen die Anzeigen bis zu einer Sekunde lang einen wilden Tanz.
Ungewöhnlich ist der 45‑polige Stecker an der Unterseite, an den man sehr wahrscheinlich ein Programmiergerät anschließen konnte. Dann konnten Tastenfolgen gespeichert und wieder abgerufen werden, der Rechner wurde damit also programmierbar (allerdings noch ohne Verzweigungen und Sprünge).
Wo dieser Rechner mal benutzt wurde weiß ich leider nicht, weil er aus einer Sammlung stammt. Aber den damaligen Neupreis kenne ich: Heftige 3.300 DM (netto). Zum Vergleich: Ein VW Käfer in einfacher Ausstattung kostete damals ungefähr 5.500 DM brutto (nebenbei bemerkt: der Käfer war also seit 1950 preisstabil, nur die MWSt. kam ab 1968 oben drauf!). Ein Jahr später war der Preis des Rechners dann auf 2.590 DM gesunken, immer noch so viel wie ein halbes Auto.
Der Rechner wurde auch als Addo-X 9677 verkauft. Ein genaues Gegenstück beim Hersteller Sharp kenne ich nicht, der CS-241 kommt dem aber nahe.

aus der Sammlung Hans Bloemen
Facit
1129
S.Nr. 2.902.108

28 cm x 33 cm x 12,5 cm
5,1 kg
1970 - 1972
  • Anzeigeregister 14st.,
  • Rechenregister,
  • Saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Register-Austausch,
  • gedrückte ×- und ÷-Taste leuchten,
  • maximal 7 Nachkommastellen einzugeben (sonst Überlauf),
  • Drehschalter für 0 bis 6 NKS und Rundung (rot mit, schwarz ohne 5/4‑Rundung),
  • einrastende Taste für Speicherung des letzten 1. Faktors / Divisors / 2. Summanden / Subtrahenden als Konstante,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • Anschluss für Memorizer,
  • „Nixie“-Anzeige mit 14 Hitachi CD81 und einer H1501.
2/1: Einige Tasten und das Gehäuse mit leichten Gebrauchsspuren; alles funktioniert einwandfrei.
Kurzanleitung geschrieben.

Faber-Castell 52/82

Als „Schulrechenstab für hohe Ansprüche“ wurde ab 1952 der Schul-D(oppelseitige)-Stab 52/82 angeboten, ab 1970 dann mit gleicher Nummer (aber ohne das „Schul-“ im Namen) dieses Modell mit leicht veränderten Skalen. Dieses Exemplar war der Schulrechner eines Freundes, die Anleitung ist vermutlich erst 1976 gedruckt worden. Der Preis damals lag etwas unter 20 DM.

Faber-Castell
D-Stab 52/82


32,5 cm x 5,5 cm x 1 cm
75 g
1970 - 1976
  • Skalen: L K A (B Bl CI C) D LL1 LL2 LL3; hinten: T1 T2 DF (CF CIF S' C) D S ST P d.h.: log, Kubik, Quadrat (2x), Kehrwert des Quadrats, Kehrwert, Grundskala (2x), ex/100, ex/10, ex; hinten: tan für kleine Winkel, tan, πx (2x), Kehrwert von πx, sin/cos, Grundskala (2x), sin/cos, arc (auch tan/sin für kleine Winkel), Wurzel aus 1-(0,1x)2 („pythagoräische Skala“).
  • Sondermarkierungen auf Skala A/B: π, 1/π (M, f. Zylinderwandflächen); auf Skala C/D: 1,13+3,57 (C+C1, f. Zylindervolumen)π, π/180 (ρ),
  • der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war.
1/1: Wenig Gebrauchsspuren, Name des Besitzers eingraviert; einwandfreie Funktion.
Mit gut erhaltener Hülle und Anleitung.

Facit 1131

Der Facit 1131 ist schon 1971 beim Markteintritt ein Mix aus alt und neu: Die „Nixies“ kamen 1971 allmählich schon aus der Mode und wurden zur Kosten- und Energieersparnis durch Panaplex‑, Digitron- oder gelegentlich auch erste LED‑Anzeigen abgelöst. Im Inneren werkeln aber schon LSI‑Chips mit mehreren tausend Transistoren, was zu einer aufgeräumteren (und damit billiger zu bauenden) Platine führt. Die Benutzung wiederum ist für heutige Gewohn­heiten reichlich umständlich: Konstanten­operationen z.B. müssen über Schieber eingegeben werden, führende Nullen werden nicht unterdrückt und es gibt kein Fließ­komma. Warum der Rechner statt „M+“ und „M-“ nur eine „Sigma“-Taste hat bleibt wohl auf immer ein Geheimnis der Entwickler.
Wo dieser Rechner mal benutzt wurde weiß ich leider nicht, aber der Neupreis dieser Geräteklasse von Facit findet sich ebenfalls im Büromaschinen-Lexikon: 2.650 DM (netto).
Der Rechner wurde auch als Addo‑X 9676 verkauft. Ein genaues Gegenstück vom eigentlichen Hersteller Sharp habe ich bislang nirgends gefunden.

wunderschöne Detailbilder
einer Addo-X 9676 bei
Curtamania
Bedienung der Facit 1131 im
Youtube-Video
Facit
1131
S.Nr. 3101209

23 cm x 28,5 cm x 10 cm
3,3 kg
1971 - 1972
  • Anzeigeregister 12st.,
  • Rechenregister,
  • Saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • maximal 6 Nachkommastellen einzugeben (sonst Überlauf),
  • Schieber für 0, 1, 2, 3, 4 oder 6 NKS im Ergebnis (fortlaufende Multiplikation / Division stets mit 6 Nachkommastellen),
  • Schieber für Speicherung des letzten 1. Faktors/Divisors als Konstante und Wahl von Multiplikation / Division,
  • eingerastete Sigma-Taste saldiert Ergebnisse im Speicher,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • „Nixie“-Anzeige mit 12 Hitachi CD80P und einer H1501,
  • Chipsatz besteht aus 7 Mitsubishi ICs: M58242, MA8127, MA8119, MA8125, MA8118, MA8120 und MA8126.
1/1: Tasten mit leichten Benutzungsspuren, am Gehäuse keine Stoßstellen oder Kratzer; funktioniert wieder einwandfrei

Zäh gehende Null-Taste gängig gemacht.

Ein schöner Aktenkoffer dient als Zuhause, neue Anleitung geschrieben. DANKE an Serge Devidts von CALCUSEUM.COM für eine vierseitige Broschüre mit Kurzanleitung!

Sharp CS-243V

Einer der frühen Tischrechner von Sharp im „mittelalten Design“ der damaligen Oberklasse, mit dem selten zu findenden gesonderten „Verify“-Speicher mit Kippschalter. Ansonsten ist der Funktionsumfang noch auf dem Stand des kaum älteren CS-241. Fließkomma kann der Rechner noch nicht. Hier leuchtet statt der Nixies eine preiswertere Panaplex-Anzeige. Auch die hat das schöne orange Plasma, nun jedoch an Segmenten statt hintereinander gestaffelten Ziffern.
Innen ist der Fortschritt in einem Jahr enorm: Es sind nun wesentlich weniger elektronische Bauteile nötig, weil spezielle LSI-Chips nun die Hauptarbeit des Rechnens (und Speicherns) übernehmen. Nur die Ansteuerung des Displays braucht noch viele einzelne Transistoren, Widerstände, Dioden und Kondensatoren. Die Tastatur ist noch fast im alten Stil und komplett mit hochwertigen Reed-Schaltern bestückt.
Das Garantielabel nennt Dezember 1972 als Ablaufdatum, ein Chips hat die Jahreskennung 1970. Das Baujahr ist also wohl 1971.

Sharp
CS-243V
S.Nr. 29603107

22,5 cm x 28,5 cm x 9 cm
2,7 kg
1971 - ca. 1973
  • Anzeigeregister 14st.,
  • Rechenregister,
  • Saldierender Speicher;
  • „Verify“-Speicher;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Register-Austausch,
  • 2 Schieber für 0‑1, 2, 3, 4, 6 oder 13 NKS und 5/4‑Rundung,
  • einrastende Taste für Speicherung des letzten 1. Faktors / Divisors / 2. Summanden / Subtrahenden als Konstante,
  • Tasten der Zifferneingabe nur einzeln zu betätigen,
  • 14-st. Panaplex-Anzeige von Ushio und 3 Glimmlampen (Minus, Verify, Speicher),
  • Hauptchips NEC ÂµPD612D, µPD641D, D635D.
2/1: Oberseite des Gehäuses deutlich vergilbt; alles funktioniert einwandfrei.
Neue Anleitung geschrieben.

Contex D11

Das Herz dieses Rechners ist ein abgewandelter Chipsatz S‑100 von Electronic Arrays mit sechs LSI‑Chips: 110‑5001 („Register Array“), 140‑5004 („Input Processing“), 150‑5005 („Output Array“), 120‑5013 („Control Logic“), 180‑5019 („Microcode ROM“, vorher 160‑5014) und schließlich 150‑5017 („Arithmetic Logic“). Dieser Chipsatz war der erste, der frei auf dem Markt angeboten wurde. Jede Firma durfte ihn kaufen und einen eigenen Rechner drumherum bauen. Auch Contex griff zu und baute einen Rechner im typischen, etwas modernisierten Flunder-Design, mit einer sehr seltenen Anzeige: Eine Nixie-„Monotube“ von Philips, bei der in einer gemeinsamen Röhre acht Ziffern nebeneinander sitzen (also 88 Kathoden in einer Röhre!).
Auf der Rückseite hat der D11 zwei Wahlschalter: Einmal für Nachkommastellen beim Einschalten, zum anderen für verschiedene Spannungen von 100 bis 240 Volt. Die übrige Rückseite ist von einer robusten Metallplatte mit einer Kurzanleitung bedeckt. Schade, dass das nicht Schule gemacht hat! Die Bedienung ist halbwegs modern mit normaler arithmetischer Eingabelogik. Es gibt eine Taste für Konstanten (mit etwas seltsamer Konstantenlogik) und als Besonderheiten eine Taste für die Wahl der Nachkommastellen (die die Ziffern 8, 9 und das Komma rein mechanisch sperrt) und eine Taste, mit der ggf. die acht höheren Stellen angezeigt werden können, denn der D11 hat eine Rechenkapazität von 16 Stellen (wenn diese Stellen sichtbar sind leuchtet ein Signallämpchen). Was aber noch fehlt ist ein Speicher, den haben erst spätere „Kollegen“.
Der D11 stammt aus einer Sammlung, wo er mal benutzt wurde ist unbekannt. Die Preisentwicklung zeigt den radikalen Preiskampf: 1972 kostete er 1.235 DM (ca. 1,3 Monatslöhne), ein Jahr später 915 DM, dann 598 DM (da nur noch ca. 0,5 Monatslöhne, die stiegen damals deutlich!), 1975 wurde er nicht mehr angeboten.

aus der Sammlung Hans Bloemen
Contex
D11
S.Nr. 024007409

20,5 cm x 21,5 cm x 7 cm
2,5 kg
1971 - 1974
  • Anzeigeregister 16st.,
  • Rechenregister;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • maximal 6 Nachkommastellen einzugeben (sonst Überlauf),
  • 2 Schalter zur Vorwahl von 0 bis 3 NKS und der Netzspannung,
  • 2 einrastende Tasten zur Wahl der NKS und Speicherung des letzten 2. Faktors / Divisors als Konstante,
  • 3 Leuchtanzeigen für Minus, Über­lauf und Belegung der Stellen 9‑16,
  • Taste für Wechsel der Ansicht zwischen den Stellen 1‑8 und 9‑16,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • „Nixie“-Anzeige mit achtstelliger Philips „Pandicon“-Röhre ZM1206,
  • Chipsatz S-100 von Electronic Arrays, Jahrescode 1971.
1/1: Gehäuse nahezu neuwertig; funktioniert einwandfrei.

Leicht ausgebrochene Null-Taste geklebt.

Kurzanleitung auf der Rückseite erklärt zwar alle Funktionen, trotzdem neue Anleitung geschrieben.

Olympia AM 209

Ein Exemplar dieses Modells stand ab 1971 auf dem Schreibtisch meines Vaters. Sie ersetzte die Addo‑X, deren Reparatur nicht mehr lohnte. Weil man mit ihr nicht so gut multiplizieren konnte wurde sie durch eine Rechenscheibe ergänzt: Mit der Olympia wurde (z.B. für Rechnungen oder Inventuren) addiert, subtrahiert und gedruckt, mit der Rechenscheibe wurde (z.B. für Handelsspannen, Preisaufschläge, Rabatte) multipliziert und dividiert.
Diese Maschine ist nicht unsere von damals, sie stammt aber ebenfalls aus einem ehemaligen Lebensmittelgeschäft. Verkauft wurde sie 1974 von Papierfix in Landau, diesen Bürohändler gibt es heute noch.
Die AM 209 ist die letzte mechanische Maschine von Olympia, die in Serie produziert wurde. Ihre Funktionen sind exakt die gleichen wie bei der Olympia 192‑030, sie kann nur addieren und subtrahieren. Aber es gibt hier statt Handhebel einen Motor, was das Rechnen kräfteschonender und viel schneller macht. Rechen- und Druckwerk bestehen fast völlig aus Kunststoff-Zahnrädern und ‑Hebeln, eine einzige Achse trägt alle rotierenden Teile. Die Tastendrücke werden mit Bowdenzügen auf den Stiftschlitten übertragen, von dort mit Kunststoff-Zahnsegmenten ins Resultatwerk. Da auch das Gehäuse vollständig aus Kunststoff („Novodur“ = Hart‑PVC) besteht ist die Maschine relativ leicht.
Diese Konstruktion lässt ganz deutlich die Absicht erkennen, mit preisgünstigster Produktion der vordringenden Elektronik etwas entgegen zu setzen. Das gelang allerdings nur kurz: Während der mehrjährigen Entwicklungszeit waren die Preise der Elektronik bereits rasant gefallen und sie fielen weiter. Der Verkaufspreis von anfangs 349 DM (später knapp 300 DM) machte sie bereits kaum noch preiswerter als die gleichzeitig angebotenen elektronischen Rechner.

mehr Infos im
(PDF)
Olympia
AM 209
S.Nr. 51-0172749

20,3 cm x 34,5 cm x 14,5 cm
4,5 kg
1971 - 1974
  • EW 8st.,
  • RW 9st.,
  • Druckwerk 9st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • Nichtrechentaste,
  • Korrekturtaste.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck,
  • R-Taste für behelfsmäßige Multiplikation (während + / - gedrückt halten).
1/1: Nur minimale Gebrauchsspuren (Gerät wirkt auf den ersten Blick neuwertig), alles funktioniert perfekt.

Festgerosteten Hebel der R-Taste (die einzige Roststelle am ganzen Gerät) gelöst, zerfallende Schaumstoffstreifen im Inneren (zur Lärmdämmung) ersetzt, neues Farbband.

Mit Schutzhaube, Originalanleitung und dem originalen Umkarton mit Versandaufklebern von Olympia Braunschweig und einem Lieferschein vom 11.5.1974.

Es ist kein Zufall, das in den frühen 70er-Jahren fast alle der hier genannten Firmen, z.B. auch Tröger, Schubert und Facit/Odhner, die Produktion von Rechenmaschinen und Rechenhilfen einstellten (und entweder untergingen oder auf andere Produkte umschwenken konnten): Elektronische Rechner waren bis dahin immer deutlich teurer als die mechanischen Geräte gewesen, aber das änderte sich nun sehr schnell. Die immer höher integrierten Schaltkreise reduzierten die nötigen Arbeitsschritte und damit die Herstellungs­kosten der Elektronik immer weiter. So endete die Produktion mechanischer Rechenmaschinen fast überall, nur im Ostblock wurden sie einige Jahre länger gebaut.

Casio fx-1

Der allererste Rechner mit „wissenschaftlichen“ Funktionen (Trigonometrie, Logarithmen, Potenzen etc.) war der Mathatronics 8‑48M aus dem Jahr 1964. Doch bis Anfang der 70er-Jahre waren solche Rechner extrem teuer und selten. 1972 kam dieser Rechner von Casio auf dem Markt, immer noch im Tischrechner-Format und immer noch einer der ersten seiner Art. Sein Neupreis in Deutschland lag bei 2.695 DM (netto, also brutto noch über drei Monatslöhne!).
Die Zusammenstellung der wissenschaftlichen Funktionen ist ungewohnt: Nur für den Tangens gibt es die Umkehr­funktion, die Potenzfunktion geht nur mit ganzen Zahlen von 1 bis 9, nur zwei der drei heute üblichen hyperbolischen Funktionen sind zu finden, Pi ist auch nicht fest gespeichert. In der Anleitung wird aber erklärt, wie sich durch diverse Umformungen auch die fehlenden Kreis- und Hyperbelfunktionen errechnen lassen, wie man über e und ln auch „krumme“ Potenzen rechnen kann und wie man Pi schnell darstellt (180° in rad umrechnen!). Insbesondere die Kubikwurzel-Funktion rechnet extrem lange, bis zu 12 Sekunden dauert dann das hypnotisierende Flimmern der Ziffern. Der Test des Calculator Forensics Project ergibt hier 9,1017786367. Für jene Zeit ist das nicht besonders gut, aber es gab (selbst in späteren Jahren) auch Schlimmeres.
Schon im folgenden Jahr wurde das teure Nixie-Display durch ein preiswertes VFD ersetzt, doch die kurze Zeit der wissenschaftlichen Tischrechner war eigentlich schon vorbei. Ebenfalls ab 1972 wurde der Hewlett-Packard HP‑35 angeboten, ein wissenschaftlicher Taschenrechner für knapp 880 DM. Casio selbst bot erst ab 1974 mit dem
fx‑10 einen solchen Taschenrechner an.
Dieser Rechner wurde erstaunlicherweise früher in einem Gemischtwarenladen in Goslar benutzt, später noch zu Lohnabrechnungen der Vorarbeiterin einer Reinigungsfirma. Ich vermute mal, dass der Funktionstastenblock in beiden Fällen nicht oft benutzt wurde. Wieso ein Einzelhändler an eine so teure und seltene Maschine kam bleibt rätselhaft...

mehr Infos im
Old Calculator Museum
Casio
fx-1
S.Nr. 206071

24 cm x 31,5 cm x 8 cm
2,7 kg
1972
  • Anzeige,
  • Rechenregister,
  • saldierender Speicher,
  • 2. Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Kreisfunktionen, Hyperbelfunktionen, 10er- und natürlicher Logarithmus, Quadrat- und Kubikwurzel, ganzzahlige Potenzen (nur bis 9), Umrechnungen Grad zu rad, rad zu Grad und Grad/Minuten/Sekunden in Dezimalgrad.
  • Rundungs- und Kommastellen-Wahlschalter,
  • X-Y-Austausch und Vorzeichenwechsel,
  • Nixie-Anzeige mit 12 Hitachi CD90P,
  • Hauptchips NEC µPD173D, D174B, D5023, D5024, D5033, D5034.
2/1: einige Kratzer und andere kleine Gebrauchsspuren, die Zifferntasten sind vergilbt; alles funktioniert einwandfrei.
DANKE an Serge Devidts von CALCUSEUM.COM für die ausführliche Anleitung!

Casio (die westliche Schreibweise für den Gründer der Firma) wurde 1946 gegründet - also als Japan so ziemlich in Trümmern lag. Bereits 30 Jahre später war die Firma einer der Platzhirsche im Geschäft mit elektronischen Geräten, und heute ist sie das immer noch: Uhren, Taschenrechner, Kameras und vieles mehr werden gebaut.

Liebermann TE 8000

Aus dem gleichen Jahr stammt dieser im Vergleich doch sehr einfache Rechner. Abgesehen von der Konstanten und dem seltenen Vorzeichenwechsel bietet das Gerät nur die Grundrechenarten, diese immerhin mit Fließkomma. Die Werte werden mit Itron-Röhren angezeigt (leider ohne Nutzung des vorhandenen 8.Segments). Der LSI‑Chip beinhaltet alle Rechenfunktionen, daneben finden sich auf den Platinen noch eine ganze Reihe elektronischer Bauteile, die für Anzeige und Spannungsversorgung zuständig sind.
Den Neupreis kenne ich nur aus dem holländischen Inserat eines anderen Vermarkters: 295 Gulden (Gulden und DM waren damals ungefähr gleich viel wert). Anders als der im Calcuseum gezeigte Rechner hat dieses Exemplar auch keine Seriennummer (mehr?).

Liebermann
TE 8000


14 cm x 21 cm x 8 cm
780 g
1972
  • Anzeige,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher;
  • Grundrechenarten.
  • Konstanten-Taste,
  • Vorzeichenwechsel,
  • VFD-Anzeige mit 8 Iseden DG10FI und einer Iseden SP8B,
  • Chip TMS0105NC von Texas Instruments.
1/2: Kaum Kratzer und nur eine kleine Scharte; die Konstanten-Taste rastet wegen eines gebrochenen Nippelchens nicht mehr ein (Konstantenrechnungen also nur beidhändig), 3. Röhre von links leuchtet etwas schwächer.

Einige abgeschabte Ecken retuschiert, ein Kabel wieder angelötet.

Über die Liebermann & Co. S.A. ist im Netz nichts zu finden. Sie war nur einer der vielen Vermarkter dieses Modells, denn gebaut wurde es von der 1956 gegründeten TECO Electric & Machinery Co.. Diese Firma ist inzwischen einer der weltgrößten Hersteller von Elektromotoren.

Remington 1001

Dieser Tischrechner ist wieder etwas funktions­reicher als der vorige aus dem gleichen Jahr. Hier gibt es zwar kein Fließkomma, dafür aber einen Speicher. Die Tastatur ist dank Reed-Schaltern unverwüstlich, das Gehäuse aus extrem dickem Plastik auch.
Remington hat das solide Gerät bei Casio gekauft, nur Gehäuse und Tasten sind geändert. Das entsprechende Casio-Modell ist der Casio 101‑A.

Remington
1001
S.Nr. 805366

18 cm x 21 cm x 7 cm
1,8 kg
1972
  • Anzeigeregister 10st.,
  • Rechenregister,
  • saldierender Speicher,
  • Konstantenspeicher;
  • Grundrechenarten.
  • Totallöschung über MR und C gleichzeitig,
  • 2 Schieber für 0‑4 oder 6 NKS und 5/4‑Rundung,
  • Konstante nach doppeltem Drücken von × bzw. ÷,
  • 10 Nixie-Röhren Hitachi CD90P und eine Glimmlampe („Minus“),
  • LSI-Hauptchips Hitachi HD3210, HD3211, HD3212 und HN3205,
  • 3 manuelle Tausender-Trennmarken vor der Anzeige.
1/1: Gehäuse nur mit winzigen Kratzern und nicht vergilbt; funktioniert einwandfrei.
mit Originalanleitung

Die 1816 gegründete Waffenfabrik Remington ist nur der Namensgeber. 1886 verkaufte man die eher nebenher betriebene Schreibmaschinen-Herstellung (mit der ersten wirklich erfolgreichen Maschine) an die Standard Typewriter Co., die sich Namensrechte sicherte und ab 1902 auch als Remington firmierte. 1927, nach der Fusion mit der Rand Kardex Co. hieß die Firma Remington Rand. Dort wurden mechanische Rechenmaschinen, Rasierapparate und anderes gebaut. Nach einer weiteren Fusion mit der Sperry Co. in Jahr 1955 firmierte man als Sperry Rand. Die Rechenmaschinen (und später die zugekauften elektronischen Rechner) nutzten aber weiter den guten Namen Remington.
Im Großcomputerbau war Sperry Rand einige Zeit führend, die UNIVAC-Rechner stammen von dort. 1986 fusionierte man wieder: Dann mit Burroughs, dem Marktführer bei druckenden Addiermaschinen. Die neue Firma Unisys gibt es heute noch, sie ist vor allem ein Informatik-Dienstleister.
Remington gibt es als Marke ebenfalls noch, weil die Rasierer-Produktion gegen Ende der 70er-Jahre ausgegliedert und verkauft wurde. Die gehört heute zum Mischkonzern Spectrum Brands.

Walther ETR4

Auch Walther versuchte im Markt elektronischer Geräte mitzuhalten, und auch hier wurden anfangs keine Komplettgeräte aus Japan zugekauft (bis auf das allererste Modell, das von Ricoh stammte), sondern selbst entwickelt und gebaut. Das merkt man den Rechnern auch an: Sie haben (wie auch die Contex-Elektronenrechner) ein eigenständiges, klares Design und sind hochwertig verarbeitet. Auch nach nunmehr fast einem halben Jahrhundert wackelt nichts und funktioniert alles.
Der ETR4 ist schon fast ein Taschenrechner: Noch ein wenig zu groß für die Hemdtasche, aber schon gut transportabel (einige Schwestermodelle im gleichen Gehäuse hatten bereits Akkus und waren damit netzunabhängig). Er wurde ein Jahr nach der Produktionseinstellung der WSR160 gebaut und kostete mit nur 398 DM (netto) kaum mehr als die Hälfte dessen, was zuvor für jene verlangt worden war. Angesichts dieses für 1972 recht niedrigen Preises wundert es, dass das Gerät heute so selten zu finden ist. Ob die (im Vergleich zu den „Japanern“) geringe Produktionskapazität der begrenzende Faktor war oder ob es am fehlenden Speicher lag, der das Gerät zum Ladenhüter machte?

aus der Sammlung Hans Bloemen

mehr Infos und schöne Detailbilder bei
M.Sigg
Walther
ETR4
S.Nr. 5062146

15 cm x 21 cm x 5 cm
1,0 kg
1972
  • Anzeigeregister 16st.,
  • Rechenregister;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • maximal 7 Nachkommastellen einzugeben (weitere werden ignoriert),
  • 0 bis 7 NKS durch gleichzeitiges Drücken von C und entsprechender Ziffer einstellbar,
  • Taste für Wechsel zwischen höheren und niederen Stellen (wenn mehr als 8 Stellen im Ergebnis sind),
  • Registeraustausch-Taste,
  • rastende Taste für Speicherung des letzten 2. Faktors/Divisors als Konstante,
  • „Nixie“-Anzeige mit 8 NEC LD8007 und 2 Glimmlämpchen (für Minus und Überlauf)
  • LSI-Chipsatz von Electronic Arrays mit FDY150‑5005, FDY190‑7010, FDY280‑7008 und FDY310‑7014.
1/1: Am Gehäuse eine einzige kleine Scharte bei ansonsten neuwertigem Aussehen; alles funktioniert einwandfrei.

Alle Platinen mussten gereinigt werden, drei Potis mit Kontakt61 aufgefrischt und geschützt, das zu Staub zerfallene Schaumstoff-Polster der Nixies erneuert.

Mit Originalkarton eines ETR2, Anleitung beim „Rechenkasten“ gefunden - herzlichen Dank dafür!

Aus Japan drängten in kurzer Folge immer billigere Rechner mit immer mehr Funktionen auf den Markt. Da konnte die „Walther Büromaschinen GmbH“ bald nicht mehr mithalten. Langlebigkeit war wegen der rasanten technischen Entwicklung kein Verkaufsargument mehr. 1974 kam der erste Konkurs. Bis 1986 verkaufte Walther mechanische und elektronische Geräte aus Lagerbeständen und ab 1980 auch aus Fernost zugekaufte elektronische Rechner (bis Mitte der 80er-Jahre als „Walther Electronic AG“) und war zuletzt noch (als „Walther Data GmbH“) überwiegend in Nischenmärkten (z.B. für Fahrkarten-Buchungssysteme oder Rezeptlesegeräte) tätig. Seit 2014 gibt es nur noch den Waffenhersteller, die Stammfirma aller Walther-Unternehmen. Maschinen, Kunden und Personal der Walther Data wurden von der Firma MCon Global übernommen.

Contex 230

Einer der letzten Rechner von Contex im typischen Flunder-Design ist dieses Modell, danach kamen noch einige völlig anders gestaltete Rechner, die offensichtlich aus Japan zugekauft waren.
Statt Nixie-„Monotube“ ist hier ein Panaplex-Display mit 12 Stellen verbaut. Man kann auch nur noch mit 12 Stellen rechnen, dafür gibt es einige Funktionen, die dem „Urahn“ D11 fehlen. Am wichtigsten ist sicher der 4-Tasten-Speicher, der das Gerät nun wirklich nutzbar macht.
Alle Rechenfunktionen und die Ansteuerung der Anzeige sind nun auf zwei höher integrierte LSI-Chips konzentriert, daneben gibt es nur noch wenige Kondensatoren, Widerstände und Dioden.
Die praktische Kurzanleitung auf der Rückseite gibt es auch hier noch, ebenso die Konstanten­taste und die Wahl der Nachkommastellen. Dazu gekommen sind Registeraustausch und Prozent. Fließkomma kann der Rechner aber immer noch nicht.
Der Preis lag 1974 bei 998 DM (ca. 1 Monatslohn), das war etwa doppelt so teuer wie der gleichzeitig auslaufende D11. Zwei Jahre später wurde das Modell immer noch angeboten, aber mit „Preis auf Anfrage“ verramscht.

aus der Sammlung Kohl
Contex
230
S.Nr. 074007777

21 cm x 22,5 cm x 7 cm
1,4 kg
1972 - ca.1974
  • Anzeigeregister 12st.,
  • Rechenregister,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • maximal 6 Nachkommastellen einzugeben (sonst Überlauf),
  • Schalter zur Wahl von 0 bis 6 Nachkommastellen,
  • Schieber für Spannung 110/220 V,
  • 3 einrastende Tasten: Wahl der Rundung, automatisches Saldieren, Speicherung des letzten 2. Faktors / Divisors als Konstante,
  • 2 Leuchtanzeigen: Minus, Über­lauf,
  • Manuelle Einstellung der 1000er-Markierungen mit Drehknopf,
  • „Panaplex“-Anzeige mit 12 Stellen,
  • LSI-Chips EA 7023 + FDY 7022P von Electronic Arrays (Jahrescode Ende 1972 bzw. Anfang 1973).
2/1: Gehäuse etwas vergilbt; funktioniert einwandfrei.

Füße ersetzt.

Kurzanleitung auf der Rückseite erklärt zwar alle Funktionen, trotzdem neue Anleitung geschrieben.

Interton PC2008

Einfache Taschenrechner wurden in der ersten Hälfte der 70er-Jahre erschwinglich: Der aller-allererste elektronische Rechner in unserem Haushalt kam 1973, kostete damals „nur noch“ 150 DM und sollte eigentlich die Rechenscheibe ersetzen.
Das erste Vorführen des (heute doch sehr primitiv anmutenden) Taschenrechners in der Schule führte zum Massenauflauf von Mitschülern und Lehrern. So etwas hatte da noch keiner gesehen: Alle vier Grundrechenarten in Sekundenbruchteilen auf acht Stellen genau, die Eingabe super einfach - und alles wog weniger als ein gutes Pausenbrot!
Kein Wunder, dass alle mechanischen Vierspezies-Maschinen so schnell wertlos wurden. Nur unsere Rechenscheibe wurde einstweilen noch nicht überflüssig, denn der Taschenrechner blieb nun in meiner Schultasche.
Eine eigene „=“‑Taste gibt es hier noch nicht, eine Wurzeltaste fehlt auch. Aber in der Betriebsanleitung wird erklärt, wie man mit dem Heron'schen Näherungsverfahren Quadratwurzeln ziehen kann (das Toepler-Verfahren klappt hier natürlich nicht mehr).
Dieser Rechner ist nicht das Exemplar, das ich 1973 (bei Saturn Frankfurt) gekauft habe, das ist leider verschollen. Er stammt von einem Bankmitarbeiter, den ihn all die Jahre immer noch als Reserve-Rechner herumliegen hatte. Immer wieder schön, dass auch manch Anderer funktionierende Geräte nicht wegwerfen kann!

Bilder vom Innenleben im
Virtual Museum of Calculators
Interton
PC2008
S.Nr. 245016

8 cm x 13,5 cm x 3 cm
140 g (o. Batterien)
1973 (- ?)
  • Anzeigeregister 8st.,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Promille.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Wahl zwischen Fließkomma und 2 Nachkommastellen,
  • Konstante abschaltbar,
  • LED-Anzeige 8st.,
  • LSI-Chipsatz: TMR012, 2x SN75491, CA3082 (und dazu ganze 5 Transistoren)
2/1: im Batteriefach leichte Säureschäden und die vier Gummifüße haben sich alle in Wohlgefallen aufgelöst, funktioniert perfekt.
Mit Etui und Originalanleitung.

Die Firma Interton gibt es immer noch, sie baut heute wieder nur noch das, was sie vor einigen Taschenrechnern (und einer halbwegs erfolgreichen Spielekonsole) auch gemacht hat: Hörgeräte!

Privileg 03987

Dieser einfache Tischrechner mit den in den 70ern verbreiteten „eckig-runden“ Tasten hieß eigentlich nur „privileg“, die 03987 ist die Katalognummer von Quelle. Es ist einer der letzten Rechner, die Busicom vor der Pleite gebaut hat. Neben den vier Grundrechenarten gibt es als „Extras“ lediglich eine abschaltbare Konstante für die Punktrechnungen, dazu die Wahl der Nachkommastellen (immerhin auch mit Fließkomma). Alle Rechenfunktionen sitzen in einem Chip, die übrigen elektronischen Bauteile sind für Stromversorgung und Anzeige zuständig. Letztere ist eine damals moderne Panaplex-Einheit mit zehn Stellen, von denen eine ganz ungenutzt bleibt und eine nur für Minus und Fehleranzeige genutzt wird.

mehr Infos bei
F.Gallwitz
Privileg
(03987)
S.Nr. 49BQ153643

19 cm x 24,5 cm x 7 cm
1,1 kg
1973
  • Anzeigeregister 8st.,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher;
  • Grundrechenarten.
  • Wahl von Fließkomma oder 1‑6 NKS,
  • Panaplex-Anzeige 10st. (davon nur 8 zur Ziffernanzeige genutzt) von Ushio,
  • Chip TMS0105BNC von Texas Instruments.
2/1: Gehäuseoberseite vergilbt, einige Kratzer; funktioniert einwandfrei.

„privileg“ war die Technik-Marke von Quelle, unter der u.a. eine Unzahl von Rechnern verschiedenster Hersteller angeboten wurde. Quelle war einmal der Primus unter den europäischen Versandhäusern. Die in Millionenauflagen gedruckten, viele cm dicken Kataloge prägten Käufer­verhalten, Stil und Mode in Westdeutschland. Doch auch hier wurde der Erfolg letzlich zum Verhängnis, denn die Trends der Zeit (Online-Handel, Shoppingcenter und flexible Preise statt Katalog, Kaufhaus und Festpreis) verschlief man. Der Untergang kam, als nach der Fusion mit den Karstadt-Kaufhäusern das Management von Kriminellen übernommen wurde, die den Konzern ausbluteten und das „Tafelsilber“ (die Immobilien) billig an ihre Kumpane verschoben. Karstadt-Quelle rutschte immer tiefer in die roten Zahlen, das führte 2009 zum größten Konkurs der bundesdeutschen Geschichte. Die Marken Quelle und privileg gibt es aber noch: Der einstmals größte Konkurrent Otto (der ab 2019 auch auf Kataloge verzichtet) sicherte sich die Markenrechte und betreibt nun Quelle.de mit im wesentlichen gleichem Sortiment wie otto.de (Taschenrechner gibt es dort auch), privileg wurde an Whirlpool weiterverkauft, die unter der Marke vor allem Haushaltsgeräte vertreiben.

Siebert Rechentafeln

Indische Mathematiker kannten die Logarithmen schon vor der Zeitenwende, über Persien gelangte dieses Wissen zu den Arabern. Ab etwa 1470 bis 1620 wurden sie durch Chuquet, Stifel, Bürgi, Napier und Briggs auch in Europa bekannt und erforscht (ob Chuquet auf arabische Quellen Zugriff hatte oder ob es sich um eine unabhängige Neuentdeckung handelte ist unbekannt).
Mit Logarithmen lassen sich viele sehr komplexe Rechenoperationen vereinfachen, daher wurden Logarithmentafeln ein wichtiges Rechenhilfsmittel. Wikipedia erklärt Funktion und Geschichte der Tafeln viel besser als ich es könnte.
Auch wir haben sie in der Schule noch kurz benutzt, das hier ist mein Exemplar aus der Oberstufe. Mit dem Aufkommen der Taschenrechner wurden die Tafeln dann allerdings sehr schnell bedeutungslos, heute lernt das wohl niemand mehr.

Helmut Sieber / Klett-Verlag
Mathematische Tafeln
ISBN 3-12-716200-6

1973 - 1976
  • Tafeln mit Primzahlen, Kreisfunktionen, Abschreibungs­faktoren und Logarithmen.
  • astronomische Daten, Periodensystem, physikalische Größen,
  • herausnehmbare mathematische Formelsammlung.
2/2: Robuster Kunststoff-Umschlag, immer noch gut zu verwenden.

Den Schulbuchverlag Klett gibt es noch, natürlich sind Logarithmentafeln nicht mehr im Programm.

Formelscheiben

Formelsammlungen gab es nicht nur als Buch. Diese drei Drehscheiben sind nicht einmal Rechenhilfen im engeren Sinn, sondern Lehrmittel. Sie wurden von mehreren Gewerkschaften (in diesem Fall der GdED) in den 60er-Jahren verteilt. Ich weiß nicht, ob sie z.B. bei der Ausbildung der Lehrlinge im Bahnbetriebswerk Verwendung fanden. Leichte Schleifspuren auf der roten und gelben Scheibe zeigen aber, dass sie mal wirklich öfter genutzt wurden.



Die Scheiben waren eine Dreingabe zur Summira - herzlichen Dank dafür nach Bälau!
Kratschmer-Verlag (für die GdED)
Formelscheiben für
     - Bruchrechnung
     - Dreisatzrechnung
     - Raum- und Flächenberechnung

je 19,7 cm Durchmesser
?
2/1: Nur leichte Gebrauchsspuren.

Den Kratschmer-Verlag gibt es auch noch, er ist inzwischen von Bad Homburg nach Frankfurt umgezogen. Neben Broschüren und Formularen stellt er auch noch Rechen­scheiben aus Pappe (für Reisekostenabrechnungen) her.

Litronix 1100A

1974 wurde in den USA dieser Taschenrechner für knapp 40 $ angeboten. Sein Funktionsumfang ist noch primitiver als beim Interton PC2008: Er kennt weder Fließkomma noch Konstante und kann nur 0 oder 2 Nachkommastellen. Das reicht gerade mal für das Haushaltskonto, für genauere Rechnungen muss man wie beim Rechenschieber ohne Komma arbeiten und es im Kopf selbst setzen.
Intern arbeitet der Rechner mit mehr als den acht Stellen der Anzeige: Man kann bis zu 12 Stellen eingeben, von Ergebnissen mit 9-11 Stellen werden die niedrigsten acht Stellen angezeigt und man kann dann durch 1000 teilen, um die drei höheren Stellen anzuzeigen (als Zeichen dafür leuchtet links ein Punkt). Ergebnisse mit 12 Stellen „verlieren“ einfach die höchste Stelle, noch größere Zahlen blockieren den Rechner.
Die Platine ist bereits sehr aufgeräumt: Ein Chip für die Eingabe, einer für die Anzeige und alle Rechen­funktionen auf einem Hauptchip. Das gilt nun schon als VSLI: „very large scale integration“. Auf dem Bild vom Innenleben sieht man auch die Lupen über jeder der winzigen LED-Ziffern: Größere LEDs hätten den Preis wieder nach oben getrieben.

Litronix
2001A
S.Nr. 130115

8 cm x 15,5 cm x 2 cm
110 g (o. Batterien)
1974 (- ?)
  • Anzeigeregister 8st.,
  • Rechenregister 11st.;
  • Grundrechenarten
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Wahl zwischen 0 und 2 NKS,
  • LED-Anzeige 8st.,
  • Chips unbekannt, der Hauptchip ist beschriftet mit „019“
2/1: Eine Schadstelle (durch den Etuiverschluss) auf der Vorderseite; funktioniert immer noch einwandfrei.
Mit Etui.

Litronix war einer der bedeutendsten Produzenten von LED-Displays und lieferte diese ab 1970 auch an zahlreiche Taschenrechner-Hersteller. Ab etwa 1973 versuchte man mit eigenen Taschenrechnern vom Boom der Branche zu profitieren, aber der schon Mitte der 70er-Jahre einsetzende Preisverfall der Elektronik brachte Litronix in Schwierigkeiten. 1978 kaufte Siemens die Firma auf.

General Teknika 1218

Ein weiterer Rechner, dessen „eckig-runde“ Tasten ihn ganz eindeutig den 70er-Jahren zuordnen: Das Tasten-Layout und die Bedienung wirken nun viel vertrauter als das noch ein oder zwei Jahre zuvor üblich war: Hier gibt es das Fließkomma, eine Prozent-Taste und sogar die Wurzelfunktion.
Die Anzeige besteht noch aus 12 einzelnen Vakuumfluoreszenz-Röhren mit 9‑Segment-Ziffern (zwei Segmente mehr als üblich für schönere 4er) und einer Röhre für Symbole. Der Integrationsgrad ist eher gering, neben den beiden LSI-Hauptchips und einigen einfacheren ICs gibt es noch viele einzelne elektronische Bauteile.
Im Büromaschinen-Lexikon steht als Nettopreis 799 DM, trotz deutlich größerem Funktionsumfang also wieder ein Stück günstiger. Damit wurden elektronische Rechner allmählich erschwinglich für Normalverbraucher und kleine Firmen. Als Precisa SP12MR wurde das Modell ebenfalls vermarktet.

General
Teknika 1218
S.Nr. 8430

24 cm x 25 cm x 8 cm
2,0 kg
1974
  • Anzeigeregister 12st.,
  • Rechenregister,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Quadratwurzel.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Register-Austausch,
  • 4 Schieber für 0‑6 NKS oder Fließkomma, 5/4‑/Abrundung, automatisches Speichersaldieren und Konstanten­speicherung,
  • Anzeige mit VFD-Röhren (12 Futaba DG10W1 + 1 Futaba DG10S),
  • Hauptchips: NEC D282D und PD218C
1/2: Gehäuse und Tastatur wie neu; alle Funktionen einwandfrei, die Stelle 4 leuchtet etwas schwächer.
Mit Schutzhaube und Originalanleitung.

Privileg SR54NC

 ?

Drei Jahre nach Erscheinen des HP‑35 bekam ich meinen ersten vollwertigen wissenschaftlichen Taschenrechner: Das „SR“ im Namen steht für „Slide Rule“ und diese Taschenrechnergeneration mit ihren vielen Funktionen und niedrigen Preisen war es dann auch, die das Ende der Rechenschieber besiegelte. Dieses Modell stand mit knapp unter 100 DM im Katalog. Rechenschieber waren zwar günstiger, konnten aber so viel weniger, dass sie gar keine Konkurrenz mehr sein konnten.
In Konkurrenz stand dieses Gerät jedoch ganz sicher zu den damals führenden Taschenrechnern von Hewlett-Packard, denn es hat ebenfalls UPN als Eingabelogik. Dabei schneidet es sehr gut ab, durch den damals revolutionären Chipsatz und höhere Stellenzahl bietet es deutlich mehr Leistung und Funktionen (z.B. Hyperbelfunktionen). Manche davon rechnen hier noch mehrere Sekunden lang (mit irrem Display-Geflacker), doch die Genauigkeit ist schon erstaunlich hoch: arcsin (arccos (arctan (tan (cos (sin (9) ) ) ) ) ) ergibt 8.99999614252, was wesentlich genauer ist als bei den damaligen HP‑Rechnern (die hatten auch Chips von Mostek, kamen aber nur auf 9.004076644) und immer noch eine Stelle genauer als der viel jüngere Casio fx‑82 weiter unten.
Es sind insgesamt nur fünf Rechnermodelle (plus zwei Klone) mit diesem LSI‑Chipsatz bekannt. Er hat sich trotz seiner Leistungsfähigkeit nicht durchgesetzt, vermutlich wegen der Eingabelogik: UPN bietet zwar wesentlich bessere Möglichkeiten, beim Benutzen muss man aber (zumindest anfangs) etwas mitdenken.
Wirklicher Hersteller ist sicher Commodore, denn sowohl die Gehäuseformen als auch der Stil der Gebrauchsanleitungen ist mir nur von dort bekannt.

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MyCalcDB
Privileg
SR54NC
S.Nr. unbekannt

8 cm x 15,5 cm x 3 cm
130 g (o. Batterien)
1975
  • 4 Stackregister (eines davon angezeigt) mit je 12 Stellen,
  • 11 Speicher (davon 4 für statistische Berechnungen und 1 als „Last x“);
  • Grundrechenarten, Prozent, Delta-Prozent, Pi, Kreisfunktionen, Hyperbelfunktionen, 10er- und natürlicher Logarithmus, Quadratwurzel, Potenzen, Fakultät, Kehrwert, Mittelwert, Standardabweichung, 2‑dimensionale Statistik, Umrechnungen: Deg/Rad, XY‑/Polar-Koordinaten, °C/°F. l/gal, cm/in, kg/lb - und dazu überall wo es sinnvoll ist die Umkehrfunktionen!
  • „Umgekehrte Polnische Notation“ mit 4 Stapeln als Eingabelogik mit Stapelrotation, X‑Y‑Austausch, Last x und Vorzeichenwechsel,
  • LED-Anzeige mit 14 Stellen von National Semiconductor,
  • Chips: Mostek MK50075N, MK50104P und MK50103N.
3/1: Gummifüße völlig zerfallen und entfernt, Typenschild fehlt, weil ich es bereits als Schüler durch eine Liste wichtiger Formeln ersetzt hatte. Originalakkus tot und ebenfalls entfernt. Alle Funktionen laufen einwandfrei, ein einzelner Leuchtpunkt eines Segmentes ist tot.

Netzanschluss innen provisorisch neu verdrahtet damit er auch ohne Akku läuft (Betrieb mit 3 AA‑Batterien oder ‑Akkus ist weiterhin möglich).

Die Originalhülle wurde damals schon marode, als passender Ersatz fand sich das Etui eines ... ehrlich! ... Rasierwasser-Geschenksets :); Originalanleitung (mit handschriftlichen Korrekturen) vorhanden.

Commodore wurde 1954 von Jack Tramiel gegründet. Zuerst wurden Schreibmaschinen gebaut, ab 1962 dann Taschenrechner, später auch Computer. In den 80er-Jahren beherrschte Commodore mit seinem C64 den Homecomputermarkt und expandierte weltweit. Auch bei den Personal Computern wurde man zu Beginn der 90er-Jahren zumindest in Europa kurzzeitig Marktführer, aber letztlich unterlag man im harten Wettbewerb und schon 1994 wurde das Unternehmen liquidiert. Die Marke war jedoch so angesehen, dass die Rechte daran bis heute gehandelt und vor Gericht umkämpft werden.

Privileg PR55NC

 ?

Zeitgleich mit den SR54NC wurde auch dieser Taschenrechner angeboten, auch der Katalogpreis war gleich. Das „PR“ im Namen weist darauf hin, dass dieser Taschenrechner programmierbar ist. Man kann dem Gerät also einige Tastenfolgen beibringen, die es dann mit neuen Werten auf Tastendruck neu durchrechnet. Das erweitert die Fähigkeiten des Rechners theoretisch enorm, aber leider vergisst er mit jedem Ausschalten das Gelernte.
Auch hier erfolgt die Eingabe per UPN, aber es gibt sehr viel weniger Funktionen als beim SR54NC. Bei Kettenrechnungen sinkt die Genauigkeit wegen der geringen Stellenzahl schnell sehr stark: arcsin (arccos (arctan (tan (cos (sin (9) ) ) ) ) ) ergibt hier 71.252182, das ist schon recht extrem.
Wirklicher Hersteller ist auch hier Commodore. Es gibt auch einen ungarischen Klon des Rechners. Dieses Exemplar war der Schulrechner eines Ingenieurs aus meiner Verwandschaft.

Privileg
PR55NC
S.Nr. 10905

8 cm x 15,5 cm x 3 cm
130 g (o. Batterien)
1975
  • 4 Stackregister (eines davon in der Anzeige sichtbar),
  • 1 Speicher;
  • Grundrechenarten, Kreisfunktionen, 10er- und natürlicher Logarithmus, Quadratwurzel, Potenzen, Kehrwert.
  • Programmierbar mit 102 Schritten
  • „Umgekehrte Polnische Notation“ mit 4 Stapeln als Eingabelogik mit Stapelrotation, X‑Y‑Austausch und Vorzeichenwechsel,
  • LED-Anzeige mit 12 Stellen von National Semiconductor,
  • Hauptchips NSC MM5758N und MM5766N, daneben 5 weitere ICs.
2/1: Ein Gummifuß fehlt, Typenschild etwas zerkratzt, Tasten teils vergilbt, Originalakkus tot und ebenfalls entfernt. Alle Funktionen laufen einwandfrei. Anleitung für den Novus 4525 Scientist PR (gleicher Chip, bis auf die D‑Taste gleiche Bedienung) vorhanden.

Silver-Reed Mini Calculator

Aus dem gleichen Jahr stammt dieser in Hongkong gebaute, sehr einfache Taschenrechner. Immerhin hat er einen 2‑Tasten-Speicher und automatische Konstante in allen Grundrechnarten. Alle Rechen­­funktionen, aber auch die Steuerung von Eingabe und Anzeige sind nun in einem Chip vereint. Das Gehäuse zeigt, dass der Chiphersteller Rockwell diesen Rechner auch gebaut hat: Es gibt einen bau- und funktionsgleichen (allerdings in Mexiko montierten) Rockwell '76.
Das war eine Dreingabe zur Brunsviga MH. Der Neupreis ist unbekannt, aber vergleichbare Geräte gab es damals in den USA schon für etwa 15 $.

Silver-Reed
Mini Calculator


6,5 cm x 11,5 cm x 2,5 cm
70 g
1975 - 1976
  • Anzeigeregister 8st.,
  • Rechenregister,
  • Speicher (nicht saldierend),
  • automatischer Konstantenspeicher (Funktion und folgende Eingabe);
  • Grundrechenarten, Prozent.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung mit einer Taste,
  • mit Netzanschluss,
  • LED-Anzeige mit 8 Stellen,
  • VSLI-Chip Rockwell B5000CB von 1976.
2/1: Ein paar kleine Kratzer; alle Funktionen laufen einwandfrei. Kurzanleitung (von der Rückseite des Rockwell'76) vorhanden.

Silver-Reed ist kein Hersteller, sondern offenbar eine reine Handelsmarke vor allem für Rechner, Schreibmaschinen und Strickmaschinen. Ursprünglich gehörte die Marke zur Seiko Holding, heute ist Kashiwazaki US Tech (ein japanischer Hersteller von Plastikteilen) der Markeninhaber.

Royal 12MK

Mit nur zwei hochintegrierten ICs und ganz wenigen weiteren Bauteilen kommt der nächste Tischrechner aus: Quadratwurzel, viele verschiedene Funktionen und die sehr komfortable Bedienung lassen den Royal 12MK auch heutigen Ansprüchen weitgehend genügen (vom fehlenden Drucker mal abgesehen). Seltsam nach heutigem Maßstab sind nur noch die Konstantenlogik (für deren Eingabe und Nutzung gibt es zwei besondere Tasten) und der Postenzähler, der ggf. zwei Stellen der Anzeige belegt. Die ist ein damals modernes „Vakuumfloureszenz-Display“. Per Schieber wählt man fünf verschiedene, teils rätselhafte Funktionen für die Prozenttaste.
Es gibt zwei Versionen des 12MK. Die Version von 1975 hat ein paar Komfortfunktionen weniger, doch bereits 1976 kam dann diese verbesserte Version. Auf der Rückseite dieses Rechners ist ein Aufkleber mit dem deutlich späteren Kaufdatum 21.2.78, mindestens so lange wurde das Modell also vermarktet. Benutzt wurde es rund 20 Jahre lang als Bürorechner in einer Imbissstube in Bocholt.

mehr Infos bei
F.Gallwitz
Royal
12MK
S.Nr. 69445873

17,5 cm x 24 cm x 7 cm
1,1 kg
1975 - ca. 1978
  • Anzeigeregister 12st.,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher,
  • saldierender Speicher,
  • Grundrechenarten, Quadratwurzel, Prozent.
  • Wahl von 0‑6 Nachkommastellen, Fließkomma oder Additionsmodus,
  • optional automatisches Speichern und Postenzähler,
  • Registeraustausch,
  • 5 verschiedene Prozentrechenarten,
  • 2 Tasten für Anzeige von Speicherinhalt bzw. Konstante ohne Störung des Rechengangs,
  • „Digitron“-Anzeige mit 12 Ziffern und einer Stelle für Symbole,
  • VSLI-Hauptchip Hitachi HD36117, Omron HD32614P für die Anzeige.
2/1: Gehäuse mit wenigen und kleinen Gebrauchsspuren, aber deutlich vergilbt; alles funktioniert einwandfrei.

„Ab Werk“ kalte Lötstelle (verhinderte das automatische Speichern) nachgelötet.

Kurzanleitung geschrieben.

Die „Royal Typewriter Company“ wurde 1904 gegründet und war einer der bedeutenden Hersteller von Schreibmaschinen. 1964 wurde sie von Litton aufgekauft, 1979 kaufte die Volkswagen AG mehr als die Hälfte der Anteile (und erwarb von Litton auch noch Triumph-Adler), 1986 gingen diese an Olivetti, und seit 2004 ist die Royal Consumer Information Products Inc. wieder selbständig (deren Webseite ist allerdings nicht mehr erreichbar).
Wirklicher Hersteller des Rechners war jedoch Omron, die als OEM‑Hersteller viele Firmen belieferten (ein technisch baugleiches Gerät wurde auch für Triumph-Adler als TA 1216 hergestellt). Omron gibt es heute noch, aber auch dort werden keine Rechner mehr gebaut, sondern vor allem Medizintechnik, Roboter und andere komplexe Elektronik.

Ibico 1217

 ?

1976 kam dann im Geschäft meiner Eltern endlich ein Ersatz für Addiermaschine und Rechenscheibe, ein elektronischer Tischrechner mit Druckwerk. Solche Geräte wurden damals schnell Standard in allen Büros. Vor allem im kaufmännischen Bereich sind sie das auch heute noch, weil sich alltägliche Rechnungen damit schneller und komfortabler rechnen und ausdrucken lassen als mit einem Computer.
Dieser hier war für damalige Verhältnisse gut bis durchschnittlich ausgestattet und auch die grünen „Digitron“-Anzeigen waren damals Standard. Sie waren schön hell und kontrastreich, verbrauchten allerdings immer noch viel Energie. Im Inneren werkeln noch ein paar Chips mehr als zu dieser Zeit schon möglich gewesen wäre. Die Bedienung ist schon fast auf heutigem Niveau, nur die inzwischen üblichen Steuer-, Finanz- und Währungsfunktionen fehlen noch. So alte Tischrechner stehen aber auch heute noch in vielen Büros und verrichten dort ihren Dienst.

Ibico
1217
S.Nr. 6 05268

23 cm x 33 cm x 9,5 cm
3,4 kg
1976
  • Anzeigeregister 12st.,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Postenzähler.
  • Registeraustausch, Wahl von 0‑6 NKS (kein Fließkomma!), 5/4‑Rundung, Additionsmodus, Konstante und Speichersaldo an‑/abschaltbar,
  • „Digitron“‑Anzeige mit 13 Stellen (1 davon für Vorzeichen und Fehler),
  • LSI-Chips: Sharp LI2004 und LI2005, 3x Sanyo B1288, Hitachi HD3233P, Toshiba 4358P (die letzten beiden für die Anzeige),
  • Drucker ist ein Epson Model 310 mit schwarz‑rot-Druck.
3/1: Gehäuse stark vergilbt, Kommataste mit leichten Sprüngen; alle Funktionen und Anzeige immer noch einwandfrei.
Mit Schutzhaube und Originalanleitung (beide etwas zerfleddert), dennoch neue Anleitung geschrieben.

Ibico (die „Inter Binding Corporation“) hat diesen Rechner sicher nicht selbst produziert, das Gerät sieht gar zu sehr nach Sanyo (heute Teil von Panasonic) oder TEAL als Hersteller aus. Die „Inter ...“ wurde 1998 von der „General Binding Corporation“ (GBC) gekauft. Im Internet gibt es Ibico nur noch als Firma in Karachi, Tischrechner sucht man dort aber vergebens. Dennoch gibt es auch heute noch Ibico-Tischrechner neu zu kaufen, wer auch immer die heute produziert (manchmal werden sie auch als GBC‑Tischrechner angeboten). Vielleicht werden heute alle Tischrechner der Welt in einer Fabrik gebaut und nur noch mit verschiedenen Schildchen beklebt?

Casio HL-805

Ein Taschenrechner der Leistungsklasse, die es ab Mitte der 70er-Jahre schon in Millionen-Auflagen günstig zu kaufen gab. Der Funktionsumfang ist gering, immerhin gibt es Wurzeltaste und einfachen Speicher.
Das Besondere ist hier nur die damals neue, extrem stromsparende Anzeige: Auf dem Typenschild wird die Leistungsaufnahme ganz stolz mit 0,00029 Watt angegeben. Der Litronix 1100A mit seinen LEDs verbrauchte noch das Tausendfache.
Seriennummern sind bei Massenware wie solchen Taschenrechnern selten geworden. Der Verzicht spart vermutlich einige zehntel Cent pro Rechner, was bei den hohen Produktionszahlen schon richtig Geld bringt. Hier gibt es aber noch ein Papieretikett im Batteriefach, ob das eine Seriennummer oder eine Kontrolleursnummer ist?
Der Chip wird hier nur noch von einem einzigen Entstörkondensator und zwei kleinen Widerständen begleitet, inklusive Anzeige nimmt die Elektronik daher nur noch etwa 1x1x6cm³ in Anspruch. Nur die Tastatur für dicke Menschenfinger erfordert noch größere Ausmaße.

Casio
HL-805
1E105A(?)

7,5 cm x 13 cm x 2 cm
80 g (o. Batterien)
1977
  • Anzeigeregister 8st.,
  • Rechenregister,
  • saldierender Speicher,
  • Grundrechenarten, Quadratwurzel, Prozent
  • zeigt die gewählte Grundrechenart oben in der Anzeige an,
  • LCD-Anzeige mit 8 Stellen,
  • C nach Überlauf lässt weiterrechnen,
  • Stromsparfunktion durch automatisches Ausschalten,
  • VLSI-Chip T6718 von Toshiba.
2/1: Nur die Rückseite ist reichlich eingegraut und verkratzt; alles funktioniert einwandfrei.

Sharp CS-6301

Der letzte Tischrechner von Sharp im „mittelalten Design“ und mit Panaplex-Anzeige, mit damals neuen Funktionen, mehreren Speichern und sehr großer Stellenzahl. Das war mal ein „Top‑of‑the‑range“-Rechner.
Hier sind schon nicht mehr alle Tasten mit Reed-Schaltern versehen. Alle Rechenfunktionen sind in einem VLSI-Chip verschaltet, weitere elektronische Bauteile sind nur für Anzeige und Stromversorgung zuständig. Es gibt hier wieder den selten zu findenden gesonderten „Verify“-Speicher mit Kippschalter und eine damit rechnende Taste, deren Funktion mittels Schieber geändert werden kann. Sonderfunktionen werden über abgesetzte kleinere Tasten aufgerufen, darunter u.a. ein Postenzähler, eine Konstante und unterschiedliche Saldiermöglichkeiten der beiden „normalen“ Speicher.
Das direkte Nachfolgemodell hat dann schon eine grüne Digitron-Anzeige und eine völlig neue Tastatur (ganz ohne die zuverlässigen Reed-Schalter).

Sharp
CS-6301
S.Nr. 7900109Y

24,5 cm x 26 cm x 9,5 cm
2,1 kg
1977 - ca. 1978
  • Anzeigeregister 16st.,
  • Rechenregister,
  • 2 saldierende Speicher,
  • „Verify“-Speicher,
  • Konstantenspeicher;
  • Grundrechenarten, Quadratwurzel, Prozent, Postenzähler.
  • V-Speicher optional als konstanter Summand, Faktor, Dividend oder Divisor verwendbar,
  • optional Aufsummierung von Ergebnissen und/oder 1. Faktoren,
  • Löschung der jeweils letzten Ziffer (auch in Ergebnissen!) möglich,
  • Registeraustausch, Wahl von 0‑8 NKS, Fließkomma oder Additionsmodus, Auf‑/5/4‑/Abrundung,
  • Konstante und Speichersalden an‑/abschaltbar,
  • Panaplex-Anzeige Hitachi H1879C mit 16 Stellen,
  • VLSI-Chip Hitachi HD36103.
3/3: Gehäuse stark vergilbt; alles funktioniert einwandfrei, aber nach einigen Minuten läuft ein Varistor heiß, dann ist Abkühlpause angesagt.
Kurzanleitung geschrieben.

Sharp EL-8048

Ein Gerät, das man gesehen haben muss, um an seine Existenz zu glauben: Taschenrechner und Soroban in einem Gehäuse vereint.
Auch in Japan rechneten Ende der 70er-Jahre noch viele Menschen gerne (und schnell!) mit dem Soroban, diesen Kundenkreis wollte man mit der seltsamen Kombination erreichen. Die Idee war einige Zeit erfolgreich genug: Der EL‑8048 ist bereits die zweite Taschenrechner-Soroban-Kombination von Sharp, danach brachte der Hersteller noch drei weitere Modelle auf den Markt. Anzunehmen ist, dass geübte Soroban-Nutzer Additionen und Subtraktionen tatsächlich weiterhin eher auf der rechten Seite des Geräts machten. Der anfängliche Neupreis dieses Modells betrug 5.500 Yen, das entsprach ungefähr 30 DM.
Eingabeerfassung, Rechnerlogik und Steuerung der Anzeige sind in einem Chip vereint, neben diesem und der Anzeige gibt es gerade mal noch zwei Widerstände und einen Kondensator. Im Chip integriert ist neben Anzeige- und Rechenregister auch ein etwas seltsamer Speicher, der nur per = oder % zu füttern ist und beim Abruf sofort gelöscht wird. Er entspricht dem „Grand Total“-Register mancher alten Rechenmaschinen.

mehr zum Sinn der Kombination in
Chris Staecker's Youtube-Kanal
Sharp
EL-8048
S.Nr. 180

31 cm x 9 cm x 2,5 cm
300 g (o. Batterie)
1979
  • Anzeigeregister 8st.,
  • Rechenregister,
  • automatisch saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Quadratwurzel, Prozent
  • 13 Plastikstäbchen und 65 Plastikperlen
    oder technisch:
    ein 13stelliges Rechenregister
  • LCD-Anzeige mit 8 Stellen,
  • C nach Überlauf lässt mit dem Fehler weiterrechnen,
  • VLSI-Chip Sharp LI2070.
2/1: Rückseite und Ecken etwas zerkratzt; alles funktioniert einwandfrei.
Kurzanleitung geschrieben.

Электроника Мк59 (Elektronika Mk59)

Dieser „Mikrokalkulator“ stammt aus dem Jahr 1989, er wurde also noch zur Zeit der Sowjetunion gebaut. Mit riesiger Stellenzahl (wovon allerdings eine fürs Komma gebraucht wird) und einem für die damalige Zeit hohen Integrationsgrad, aber der Funktionsumfang ist nur etwa auf dem Niveau der West‑/Fernost-Rechner der frühen 70er-Jahre (also über ein Jahrzehnt „hintendran“). Zwei große und zwei kleine ICs enthalten praktisch alle Funktionen, ganz wenige Dioden und Widerstände sind daneben noch zu finden, die Platine wirkt daher schon sehr übersichtlich. Das Äußere wirkt jedoch irgendwie ein wenig „billig“. Immerhin gibt es Fließkomma, Prozent und Speicher. Arithmetische Eingabelogik, Registeraustausch, Vorzeichenwechsel und eine automatische Konstante machen das Rechnen komfortabler. Sehr ungewöhnlich ist die abgesetzte Einzelröhre, die nur die Festkommastellen anzeigt.
Verwendet wurde der Rechner in einer der vielen Werkstätten des damals größten Textilkombinats der UdSSR, der Kreenholmi Manufaktuur in Narwa, die jetzt größtenteils stillgelegt ist. Dort hat ihn der Vorbesitzer vor dem Abrissbagger gerettet.
Ein baugleiches Gerät von 1992 (S.N. 802813) habe ich auch noch. Es funktioniert leider nicht mehr, aber davon stammen die schöne rote Oberschale, die Anleitung und der Schaltplan.

Электроника
Мк59
S.Nr. 336304

23 cm x 21 cm x 7 cm
1,1 kg
1982 - 1993
  • Anzeigeregister 16st.,
  • Rechenregister,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent.
  • Wahl von 0‑9 Nachkommastellen oder Fließkomma, Vorzeichenwechsel, Registeraustausch,
  • VFD-Anzeige mit 16 Stellen, zusätzliche Einzelröhre (zeigt gewählte Nachkommastellen an),
  • VSLI-Chips K145BB7П und K145BB8П.
1/1: Nach Austausch der Oberschale fast neuwertiges Aussehen; alle Funktionen einwandfrei.
Mit Originalanleitung (leider russisch) und Schaltplan, Kurzanleitung geschrieben.

„Elektronika“ war eine Sammelmarke der UdSSR für alle möglichen Arten elektronischer Geräte aus vielen verschiedenen Werken. Dieser Rechner wurde im Kombinat „Positron“ in Ivano-Frankivsk in der Ukraine gebaut. Eine Firma unter diesem Namen existierte dort zumindest bis 2014.

Rebell Euro-Print 12

 ?

In den Funktionen ähnlich wie der Ibico 1217, doch zwei Jahrzehnte jünger: Die Flüssigkristall-Anzeige ist wesentlich stromsparender, das Gerät ist viel kleiner, mit Batterien betreibbar und daher portabel. Als neue Funktionen gibt es Währungsumrechnung und „MarkUp“. Der kleine Drucker ist allerdings deutlich schlechter. Diesen Rechner kauften wir für das Ausrechnen der Inventuren im eigenen Laden (das dauerte dann so ungefähr zwei Wochen, das bald danach eingeführte Warenwirtschaftssystem brauchte dann noch etwa zwei Stunden, später ungefähr noch 10 Sekunden). Ich benutze ihn immer noch gelegentlich als Taschenrechner auf dem Wochenmarkt. Die Euro-Umrechnung braucht man eigentlich nicht mehr (es würde auch zu traurig machen, viele Preise in DM umzurechnen ...), aber man kann die Funktion auch für Steuersätze zweckentfremden.
Im Internet habe ich dazu überhaupt keine Info gefunden: kein einziges Bild, keine Anleitung, keine Angaben zu Verbrauchsmaterialien. Inzwischen habe ich immerhin herausgefunden, welcher Drucker drin ist.

Rebell
Euro-Print 12

10 cm x 19 cm x 5 cm
230 g (o. Batterien)
1998
  • Anzeigeregister 12st.,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Mark‑Up, Umrechnung zwischen zwei Währungen.
  • komfortable Endziffernkorrektur für die Eingabe (auch bei Ergebnissen einsetzbar), Wahl von 0‑6 Nachkommastellen oder Fließkomma, Wahl von Auf‑/Ab‑/5/4‑Rundung,
  • LCD-Anzeige mit 12 Stellen,
  • Drucker ist ein (sehr langsamer) Alps PTMFL63 mit Gummi-Typenkette,
  • durch die dafür optimale Logik der automatischen Konstante können per Näherungsrechnung Quadrat- und Kubikwurzeln (und theoretisch alle weiteren ganzzahligen Wurzeln) schön einfach berechnet werden.
1/1.

Drucker mit einem Plastikkeil innen am Gehäuse fixiert, weil eine Halterung des Elektromotors gebrochen ist.

Neue Anleitung (vermutlich ausführlicher als die originale) geschrieben.

Rebell (die Marke gibt es auch heute noch, sie wurde aber von der tschechischen Moravia aufgekauft) hat diesen Rechner nicht gebaut, sondern als OEM‑Ware vertrieben, daher weiß ich nichts über den wirklichen Hersteller. „Made in China“ sagt das Etikett ... und die Platinenbeschriftung bringt auch keine Klarheit.

Casio fx-82SOLAR

Zum Vergleich hier ein moderner Rechner: Einen wissen­schaftlichen Taschenrechner, den es auch 2019 noch neu zu kaufen gab, also fast zwei volle Jahrzehnte. So etwas ist heute eine extrem seltene Ausnahme.
Der Rechner ist mit Funktionen gut ausgestattet, hat aber nur einen Speicher und geringe Genauigkeit:
arcsin (arccos (arctan (tan (cos (sin (9) ) ) ) ) ) ergibt hier 9.000015685, das ging auf meinem alten Privileg SR54NC schon vier Jahrzehnte früher eine Stelle genauer. Es fehlen also offenbar die nicht angezeigten, aber mitberechneten „Schutzziffern“. Dafür hat er eine richtig gute Solarzelle, die auch bei wenig Licht ausreicht, es sind keine Batterien und kein Netzstrom mehr nötig!

Casio
fx-82SOLAR

7 cm x 12,5 cm x 1 cm
60 g
2000 - ca. 2018
  • Anzeige 10+2st.,
  • 6 interne Rechenregister (für Klammern),
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Pi, Kreisfunktionen, Hyperbelfunktionen, 10er- und natürlicher Logarithmus, Quadrat- und Kubikwurzel, Potenzen, Fakultät, Kehrwert, Permutationen, Kombinationen, „Zufalls“zahl, 1‑dimensionale Statistik mit 6 Ergebnissen, Umrechnungen: Grad/rad/Gon, XY‑/Polar-Koordinaten, Sexagesimal‑/Dezimal-Winkel - und viele Umkehrfunktionen
  • Kann mit Brüchen und Grad-Minuten-Sekunden rechnen,
  • X‑Y‑Austausch, Stellenkorrektur und Vorzeichenwechsel,
  • LCD-Anzeige mit 10+2 Stellen,
  • 2 interne "Wächterziffern" zur Erhöhung der Genauigkeit
  • Hauptchip Hitachi HD62067 (?, Ergebnis der Rechnerforensik)
1/1: Alles praktisch neuwertig, nur auf der Hülle ein paar leichte Kratzer; alles funktioniert.
Mit Hardcover, Anleitung auf der Casio-Webseite gefunden.

Genie 510

 ?

Und noch ein aktueller Taschenrechner-Winzling: Nur 33 g, fast schon Scheckkartenformat. Rechner dieser Klasse sind Massen- und Wegwerfware: fast so häufig wie Kugelschreiber und oft ebenso billig gebaut. Aber dieser Zwerg wirkt vergleichsweise solide, hat etwas mehr als die Minimalausstattung und eine ganz passable Tastatur. Er wird immer noch als Neuware angeboten, und das schon seit Jahren. Speicher und alle Funktionen sind in einem Chip integriert, der offenbar von Xerox stammt. Der Rechner wird bei Amazon als Staples 510 für knapp 3 € verkauft.
Dieser Rechner hat zwar weniger Ergebnisstellen als die etwa 360 Mal schwerere Brunsviga 20, dafür kostet er statt vier Monatslöhnen nur noch einen 600stel Monatslohn, und das mit viel größerem Funktionsumfang: In der Sprache der damaligen Zeit wären das ein saldierendes Speicherwerk, Rückübertragung, vollautomatisches Wurzelziehen, Dividieren und Multiplizieren, Kommaautomatik, Prozentautomatik. Von solcher Ausstattung und Rechengeschwindigkeit konnte man 1949 nicht mal träumen...

Genie
510

6 cm x 9,5 cm x 0,5 cm
33 g
ca. 2010 - 2020
  • Anzeigeregister 8st.,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Quadratwurzel, Vorzeichenwechsel.
  • LCD-Anzeige mit 8 Stellen,
  • Chipsatz? Auf der Platine steht XRX‑120‑8...
  • Speicher- und Konstantenverwaltung auch hier geeignet, um sogar Kubikwurzeln relativ einfach zu berechnen.
1/1.
Kurzanleitung geschrieben.

Genie ist eine aktuell aktive Firma für Büroartikel in Wiesbaden. Sie tritt auch als Hersteller vieler Taschenrechner auf, doch kauft offensichtlich alles bei diversen chinesischen Herstellern ein - oder wie man das heute vornehm ausdrückt: Sie lässt Geräte in Lohnfertigung herstellen.
Seit März 2019 ist Genie auch am Markeninhaber von Olympia beteiligt.

Wie geht's wohl weiter mit dem Rechnen und der Rechentechnik?
Inzwischen werden sogar einfache Taschenrechner schon langsam zur „Technik von gestern“, denn jedes Smartphone hat heute einen besseren Rechner integriert. Nur die Tischrechner in den Büros halten sich noch so einigermaßen, auch wenn sie nach meinem Eindruck immer weniger benutzt werden.
Zumindest in Naturwissenschaften und Handel wird deutlich weniger gerechnet als z.B. vor 50 Jahren: In ersteren baut man eher mal ein Computermodell und lässt das dann „laufen“ (wenn das Ergebnis nicht gut ausschaut, kann man ja die Vorgaben anpassen); in letzterem geben Hersteller oder Firmenzentralen ohnehin Preise vor, in die Kassen wird meist nur noch eingescannt und sogar das Wechselgeld (sofern überhaupt noch bar gezahlt wird) wird angezeigt. Die meisten Kunden können oder wollen nicht mal mehr nachvollziehen, ob ich ihnen das richtig herausgebe. Und wenn unsere Lehrlinge bei der Inventur zwei Flaschen aus einem 6er‑Kasten als Dezimalbruch in eine Liste schreiben sollen, dann wird das mit dem Smartphone ausgerechnet. Es wird in den Schulen nicht mehr beigebracht und geübt, dass zwei Sechstel gleich ein Drittel gleich 0,33... ist.
Offenbar rechnen immer weniger Leute noch selbst und die Fähigkeiten dazu lassen auf breiter Front nach. Man verlässt sich stattdessen immer öfter auf Computer, deren Rechenwege jemand anderes vorher programmiert hat. Ein Eintrag in die Formularmaske, Ergebnis wird angezeigt. Wird schon stimmen!
Sogar der Verband der Mathematiklehrer klagte 2019 darüber, dass die Referendare für das Fach Mathematik nicht mehr rechnen können...

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Links

Museen und Referenzseiten:


die Referenz für Rechenmaschinen und ‑hilfen, Online-Wiki
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Die kleine, andere Sammlung: meine Computer von 1984 bis heute