Alte Rechenhilfen, Rechenmaschinen und etwas Elektronik

Es fing - wie so oft - harmlos an: Ich beschloss, eine Rechenmaschine haben zu wollen, die auch ohne Strom funktioniert.
Ein Kauf beim Internet-Auktionshaus war schnell gemacht. Die bald gelieferte Maschine brauchte aber etwas Reinigung und Öl, also schraubte ich die Verkleidung ab. Ich sah, welche Technik - bzw. welch geniale Ideen der Konstrukteure - darin steckte. OH! BOAHHH! Wie kamen die bloß da drauf? Ist das sonst auch so ausgefuchst?

Und schon war's passiert ... und bislang auch nicht mehr zu stoppen. Grenzen ziehen nun nur noch der Geldbeutel (also gibt's weder Arithmaurel noch Pascaline), das Restchen Vernunft dem klar ist, dass man nicht alles sammeln und erforschen kann (also werden keine Bleistiftspitz-, Schreib- oder anderen Büro­maschinen angeschafft) und die Allerliebste (die das bislang kopfschüttelnd toleriert und gelegentlich sogar Staubschutzhauben schneidert).

Der Wahnsinn ist inzwischen weiter fortgeschritten. Die Geräte wiegen zusammen über eine Tonne, füllen schon ein ganzes Zimmerchen und erobern gerade den Dachboden. Aber im Vergleich zu alten Treckern, Dampflokomotiven oder ähnlichem sind Platz- und Finanzbedarf doch eher mäßig, oder?
Gut, dass ich damals keinen Trecker haben wollte!
Das Erforschen des oft komplexen Innen­lebens und der Funktionen ist nett, eine erfolgreiche Reparatur ist noch schöner. Es fühlt sich „irgendwie einfach richtig“ an, wenn nach mehr als einem halben oder ganzen Jahrhundert alles wieder sauber läuft und korrekte Werte ausrechnet. Vielleicht versteht das besser, wer selbst mal die Maschinen bedient und die Mechanik in den Fingern spürt?
Dieses wundervolle Zusammenspiel der Kurbeln, Tasten, Hebelchen und Zahnräder ist mir auch viel wichtiger als ein „musealer Originalzustand”. Die Maschinen dürfen bei mir verändert, aufgehübscht oder gar neu lackiert sein. Man darf und soll auch sehen, dass sie benutzt und repariert wurden.

           

Als Nebenaspekt verfolge ich gerne nach, wie die Maschinen vermarktet, wo und wozu sie benutzt wurden. Beim Nachforschen im Internet finden sich aber oft sehr unterschiedliche Angaben - welchen Quellen soll man da vertrauen? Und manche Daten sind nur per Schätzung anzugeben. Natürlich werde ich bei all dem öfter mal irren. Wenn jemand dazu dann mehr weiß: Ich freue mich wirklich sehr über Infos! (Kontaktmöglichkeiten im Impressum.)

Schwerpunkt der Sammlung ist die handbetriebene Mechanik, die ich so einiger­maßen reparieren kann. Geräte mit Elektromotor gibt es bislang wenige, denn sie sind oft so komplex und schnell, dass ich deren Fehler nicht gut finde (in letzter Zeit wage ich mich allerdings öfters an solche Maschinen).
Etwas häufiger sind elektronische Rechner: Meist solche, die in unserer Familie oder im Bekannten­kreis benutzt wurden, dazu noch einige mit den alten Leuchtanzeigen - besonders die „Nixies“ sind einfach wunderschön!

Diese Webseite soll dabei mithelfen, einen kleinen Ausschnitt aus der Geschichte der Technik und des Rechnens zu erhalten. Vielleicht begeistert sich ja dadurch jemand für eigene „alten Schätzchen“, die evtl. auf dem Dachboden einstauben oder im Keller vor sich hin rosten?

Bilder anklicken öffnet meist größere, in der Galerie springt man damit zu den Einzelbeschreibungen.       Externe Links haben danach ein .

Neu

Madas 12

11.5.2022

Geschichte

Spätestens in der Antike gab es Rechenhilfen und mathematische Instrumente. Wie man seit dem Fund des Mechanismus von Antikythera weiß, konnten auch damals schon außer­ordentlich komplexe Geräte gebaut werden.
Ob es damals auch schon Einzelstücke echter Rechenmaschinen gab? Auszuschließen wäre das nicht, aber bislang hat man keine gefunden, auch keine Hinweise darauf in der nur lückenhaft überlieferten Literatur.
Daher startet diese Darstellung 1623 mit der ersten heute bekannten Maschine. Zur Geschichte der Rechenhilfen steht noch ein wenig weiter unten im Vorspann der ersten Gruppe...

Die ersten Rechenmaschinen (17. Jahrhundert)

Die älteste bekannte Rechenmaschine wurde 1623 durch den Mathematiker und Astronomen Wilhelm Schickard konstruiert. Damit war er seiner Zeit voraus, denn es gab kaum Bedarf nach solchen Maschinen. Für Johannes Kepler wollte er ein weiteres Exemplar bauen, aber dazu kam es nicht mehr: Schickard starb an der Pest und in den Wirren des 30jährigen Krieges ging die Maschine verloren. Die Erfindung wurde vergessen, bis man im 20. Jahrhundert Schickards Originalskizzen und einen Brief an Kepler fand.
1643 konstruierte Blaise Pascal die Pascaline, eine Maschine für Addition und Subtraktion. Die war zuerst nur als Einzelstück gedacht, aber es gab offenbar schon ein wenig Nachfrage nach Rechen­maschinen. Pascal ließ daher ungefähr 50 weitere Exemplare bauen.
Nächster Entwicklungsschritt war die Erfindung der Staffelwalze durch Leibniz im Jahr 1671. Im Laufe mehrerer Jahrzehnte(!) konstruierte er seine „machina arithmetica“, die erstmals alle vier Grundrechenarten beherrschte (die sogenannten „vier Spezies“ des Rechnens). Von ihr wurden aber wieder nur wenige Exemplare gebaut.

Weitere Einzelstücke entstehen (18. Jahrhundert)

Viele neue Rechenmaschinen wurden konstruiert, z.B. auch durch Hahn und Müller. Doch der Stand der Technik ermöglichte noch nicht die für eine Serienfertigung notwendige Präzision und anscheinend war auch der Rechenbedarf noch nicht allzu hoch. Diese Rechenmaschinen blieben daher unerschwinglich teure Einzelstücke, die letztlich meist in den Kuriositäten­sammlungen der Fürsten verschwanden.

Beginn der Serienproduktion (19. Jahrhundert)

Doch allmählich wuchs in allen Industrie­ländern der Bedarf nach mechanischen Rechenhilfen: Versicherungs­risiken, Geschossbahnen, die Statik von Brücken und vieles mehr sollten nun immer öfter (und genauer) berechnet werden.
Mit der Weiterentwicklung präziser Fein­mechanik (für Nähmaschinen, Waffen, Uhren und anderes) entstanden auch die Voraussetzungen für eine Serien­produktion zuverlässiger Rechenmaschinen.
Verschiedene Erfinder entwickelten ganz unter­schiedliche Konstruktionen, die auf den großen Industrieausstellungen zueinander in Konkurrenz traten. Die erste wirkliche Serienfertigung gelang C.X.Thomas de Colmar in Paris, der ab 1820 eine Maschine auf Basis der Leibniz'schen Staffelwalze konstruierte. Er nannte sie „Arithmometre“ und fand ab 1850 erste Kunden: große Handelshäuser, Banken und Versicherungen, aber auch staatliche Stellen für ihre Statistiker, Artilleristen, Ingenieure, Landvermesser und Universitäten.
Der Arithmometer blieb einige Jahr­zehnte ohne Konkurrenz, dann liefen die Patente ab und andere Hersteller brachten Nachbauten auf den Markt. Vor allem aus Deutschland kamen ab etwa 1880 immer mehr und immer ausgereiftere Nachbauten auf den Markt. Zur gleichen Zeit begann erst in Russland und bald auch in Deutschland die Serienfertigung von W.T.Odhners Sprossenrad-Maschinen, die zur zweiten Gruppe erfolgreicher Maschinen wurden. Ebenfalls noch vor der Jahrhundertwende kamen vor allem aus den USA die ersten großen Addiermaschinen auf den Markt.

Blüte und Untergang der Mechanik (20. Jahrhundert)

Zugleich mit dem nun immer schneller steigendem Rechenbedarf wuchs auch das Angebot an Rechen­maschinen. Neu entwickelte Zusatzeinrichtungen. Motorisierung und Automatisierung verbesserten deren Leistungsfähigkeit. Nach Ablauf der Patente fanden sich dann oft weitere Entwickler, die daraus eine unüberschaubare Anzahl von Abwandlungen schufen - die am Markt mal mehr, mal weniger erfolgreich wurden.
Die Methoden der Fabrikation wurden effizienter und ermöglichten immer höhere Präzision. Das verbesserte die Zuverlässigkeit der Maschinen und ließ die Preise sinken, was den Absatz der Maschinen noch förderte. Der Wettbewerb um günstige Preise führte allerdings gelegentlich (besonders in der letzten Phase) auch wieder zu Qualitätsverschlechterungen.


Egal ob hand- oder motorbetrieben, Sparversion oder Superausstattung, Sprossenrad, Staffelwalze oder Schaltklinke: 1961 begann das schnelle Ende der Mechanik. In diesem Jahr kamen die ersten ANITAs und deren „Kollegen“ in die Büros. Innerhalb eines Jahrzehnts machten sie alle mechanischen Rechenmaschinen obsolet, fast alle Firmen stellten schnell die Produktion ein. Nur im damaligen „Ostblock“ erfolgte diese Entwicklung später, noch in den 70er-Jahren wurden dort mechanische Rechenmaschinen gebaut.
Rechenschieber und Logarithmentafeln hielten sich in den Ingenieur­büros, Schulen und Universitäten noch etwas länger, weil die frühen elektronischen Geräte noch zu wenige Funktionen hatten. Die integrierten Schaltkreise elektronischer Rechner wurden aber bald kleiner, leistungsfähiger und preiswerter. Am 12. Juli 1972 startete in den USA der Verkauf des Hewlett-Packard HP‑35, der alles (insbesondere Logarithmen, Potenzen und Kreisfunktionen) genauer und schneller rechnete als ein Rechenschieber. Allerdings kostete er anfangs noch knapp 400 $.
Am 13. Juni 1976 erschien dann mit dem TI‑30 der erste wissenschaftliche Taschenrechner, der gerade mal 25 $ kostete. Auch die Rechenschieber und Logarithmentafeln wurden nun schnell wertlos und verschwanden.
Neben den Vorteilen (Genauigkeit, Schnelligkeit, leichtes Erlernen, immer mehr Funktionen) bringen die modernen Tisch- und Taschenrechner aber auch Nachteile mit sich: Das fehlende Gefühl für das, was man da gerade rechnet führt hin und wieder zu folgenreichen Fehlern. Jedem Display wird vollkommen vertraut, kaum jemand kann bei dem hohen Rechentempo noch einen Überschlag im Kopf machen, ob das Eingetippte und Angezeigte auch stimmen kann. Zudem wird von der Elektronik oft eine Genauigkeit vorgetäuscht, die gar nicht existiert: Was nützen z.B. 11 Nachkommastellen, wenn die eingegebenen Messwerte nur auf zwei Stellen genau waren?

Warum waren die USA und Japan in der Elektronik so lange führend?

Auch europäische Rechenmaschinen-Hersteller versuchten sich an der Produktion elektronischer Rechner, doch fast überall traf man ganz schnell Vereinbarungen mit verschiedenen japanischen Elektronikproduzenten. Das geschah nicht wegen fehlender Kompetenz in der Elektronik, sondern weil die Herstellung der frühen elektronischen Geräte noch aufwendigste Handarbeit (und daher in Europa unbezahlbar) war. Die japanischen Löhne hingegen waren konkurrenzlos niedrig, also kauften dortige Firmen US‑amerikanische Chips und bauten um diese herum Rechner, die dann von den europäischen Firmen (im Vergleich zur Eigen­produktion) recht günstig angeboten werden konnten. Damit lieferten die großen, etablierten Vertriebs­netze der Büromaschinen-Hersteller den japanischen Firmen Starthilfe, was den Untergang noch beschleunigte: Lange vor der Einführung rationellerer Herstellungsweisen waren die alten Industrien komplett vom Markt gefegt.
Auch in den USA war das Lohnniveau eigentlich zu hoch für die aufwendige Handarbeit beim Bau der elektronischen Geräte. Doch dort wurde vom Staat (vor allem dem Militär) gegengesteuert, denn man wollte das damalige Fast-Monopol der Chip-Fertigung und andere Kompetenzen so lange wie möglich im Land behalten. Also gab es hohe Subventionen und viele teure Aufträge für die einheimischen Firmen. So konnten amerikanische Hersteller einige Zeit mithalten oder gar die Technologieführerschaft erringen. Noch viele Jahre mussten auch die japanischen Hersteller die „Chips“ überwiegend in den USA kaufen.

Grafik der Produktionsjahre meiner Geräte (ab 1904):
Anmerkung zu den Jahreszahlen

Viele Rechenmaschinen wurden sowohl technisch als auch im Design ständig weiter entwickelt. Da ist es oft nicht ganz klar, was als Markteinführung bzw. Produktionsbeginn gelten soll: Ist z.B. die Brunsviga B mit der neuen Eingabelöschung ein neues oder doch nur ein verbessertes Modell? Macht das neue Gehäuse eine Monroe LN 160 zu einer ganz neuen Maschine? Sind die Vor- und Nachkriegsmodelle der Thales CER das Gleiche?
Ich halte mich in solchen Fällen gerne an die Hersteller­bezeichnungen oder daran, ob sich an der Technik wirklich Wesentliches geändert hat. Dabei bleibt öfters eine Art „Grauzone“, in der das Ansichtssache bleibt.
Ein weiteres Problem ist auch die oft schlechte oder uneinheitliche Quellenlage.
Daher bitte die Jahreszahlen mit etwas Vorsicht genießen!

Galerie

Reihenfolge innerhalb der Gruppen nach Produktionsbeginn

Rechenhilfen, mathematische Instrumente, Tafeln

Was gehört zu dieser Gruppe?

Geräte wie Abakus, Zahlenschieber o.ä. (aber auch elektronische Tischrechner) werden vielfach als Rechenmaschinen bezeichnet. Das ist aber nicht korrekt (und stört massiv bei der Suche auf ebay), denn eine „Maschine“ hat stets eine Übertragung von Kräften zwischen ihren bestimmenden Teilen, ob nun über Hebel, Zahnräder, Seilzüge oder sonstwie. Eine echte Rechenmaschine hat daher mindestens eine Baugruppe, in der die Wert­speicherung und der Zehnerübertrag mechanisch erfolgen und sie ermöglicht damit mindestens eine der vier Grundrechenarten.
Hier sind diejenigen Objekte versammelt, die diese Definition nicht erfüllen, aber auch keine elektronischen Geräte sind.

mehr zu den Kugelrechnern

Die ältesten „Rechenhilfen“ der Menschheit sind sicher die eigenen Finger. Irgendwann fing man an, Stöckchen, Steinchen, Muscheln usw. zu benutzen. Spätestens die Sumerer entwickelten dann Regeln für deren Benutzung: Sie ritzten oder malten Linien für unterschiedliche Wert­stufen (z.B. 1 ‑ 12 ‑ 60...) und legten entsprechend mehr oder weniger Kiesel­steinchen darauf.
Solche Steinchen nannten die Römer ganz einfach „kleiner Kieselstein”: auf lateinisch „calculus”. Auch die später dafür genutzten Muscheln, Münzen etc. wurden weiterhin „calculi” genannt - und deshalb „kalkulieren” wir.
Das erste bekannte Gerät mit fest eingebauten calculi, der „Abacus”, stammt ebenfalls von den Römern. Daher wird Abakus gerne als Oberbegriff für alle Varianten des Geräts benutzt (manche zählen sogar Rechenbretter dazu).
Nicht alle davon sind Geräte von gestern: Man schätzt, dass immer noch rund 40% der Weltbevölkerung zumindest ab und zu eine der Abakus-Varianten nutzen, obwohl einfache Solar-Taschenrechner (z.B. der hier) durch Massenfertigung inzwischen spottbillig sind.

mehr zu den Zahlenschiebern

Schon früh wurden diese kleinen, billigen Rechen­hilfen „für Jedermann“ entwickelt und vertrieben.
Das Prinzip des Zahlenschiebers war bereits vor 1600 bekannt, aber erst 1847 fand Hermann Kummer einen Weg für den „halbautomatischen“ Zehner­übertrag (die „Kurve“ ganz oben in der Rille). Ab 1889 wurden Zahlenschieber in größeren Mengen produziert, ab 1920 wurden sie zum erfolg­reichen Massenprodukt.
Anfang der 70er-Jahre stellten die meisten Firmen die Produktion ein, denn die Elektronik trat ihren Siegeszug an. Einzelne Zahlenschieber wurden aber noch bis Ende der 80er-Jahre gebaut: In manchen Weltgegenden war man noch lange froh über preiswerte Geräte, die ohne Strom und Batterien funktionierten und in den USA gab es noch Bedarf nach speziellen Zahlenschiebern für die komplizierten amerikanischen Längenmaße.

mehr zu den Rechenschiebern

Bereits 1632 hatte William Oughtred die Idee, zwei gegen­einander verschiebbare logarithmische Skalen als Rechen­hilfe zu benutzen. Das Prinzip wurde bald weiterentwickelt, die Rechenschieber gab es als Stäbe und Scheiben, später auch als Zylinder mit spiralig angeordneter Skala und als Roste bzw. Walzen mit unterteilten, sehr langen Skalen. Besonders die Rechenstäbe waren sehr verbreitet und wurden spätestens um 1900 DAS Statussymbol für jeden Ingenieur (so ähnlich wie heute noch das Stethoskop für Ärzte). Auch in vielen Schulen wurde die Benutzung gelehrt. Für spezielle Anwendungen gab es auch Geräte mit eigens angepassten Skalen.
Rechenschieber waren zwar stets ungenauer als Rechenmaschinen (man konnte nur auf drei bis fünf Stellen genau ablesen), aber mit entsprechender Übung viel schneller zu bedienen. So konnte selbst bei komplizierten Rechnungen das Ergebnis oft nach wenigen Handgriffen abgelesen werden. Die Stellung des Kommas musste man dabei allerdings im Kopf behalten und überschlägig mitrechnen - was auch Vorteile hatte: Man wusste so stets gut, was man da eigentlich berechnete.
Selbst die Mondraketen wurden noch mit Hilfe von Rechenschiebern entwickelt, aber inzwischen haben die Taschenrechner sie fast völlig verdrängt. Nur in manchen Nischen werden noch spezielle Geräte genutzt, so haben z.B. selbst moderne Flugzeuge für Notfälle noch so etwas wie eine E6B im Cockpit.
Viele Infos zu Rechenschiebern gibt es bei Rechenschieber.org.

Kleinaddierer

Was gehört zu dieser Gruppe?

Nicht immer waren große, teure Rechenmaschinen nötig, oft konnte man sich auch keine leisten. Dann benutzte man entweder einfache Rechen­hilfen aus der vorigen Gruppe oder die hier versammelten kleinen Maschinen, die alle ein Resultatwerk mit echtem Zehner­übertrag haben.
Sie sind von den „großen“ Addiermaschinen nicht wirklich klar abzutrennen: Einfache Verarbeitung, geringe Größe und/oder Stellenzahl, eingeschränkte Funktion oder umständliche Eingabe können bei mir zur Einstufung in diese Gruppe führen, doch letzlich bleibt da eine Grauzone...

Ein- bis Dreispeziesmaschinen

Was gehört zu dieser Gruppe?

Diese Maschinen heißen im englischen "adding machines" - selbst wenn sie Subtraktions- und Multiplikationsmechanismen haben. Das erklärt sich aus der Entwicklung: An deren Anfang standen Maschinen, die wirklich nur addieren konnten (meist über eine Zahnstangen-Mechanik). Dann wurden Umkehrmechanismen für die Subtraktion eingebaut, später kamen Einrichtungen für die Multiplikation (und ggf. Speicherwerke) dazu. Schon die frühen Maschinen waren überall da, wo fast nur aufsummiert werden musste bestens geeignet, z.B. im kaufmännischen Bereich.
In der letzten Ausbaustufe beherrschten derartige Maschinen (dann stets elektrisch angetrieben) auch die automatische Division - aber dann gehören sie nicht mehr hierher.

mehr zu den „key-driven adding machines“ (Comptometer-Typ)

Eine Sonderstellung nehmen die Geräte ein, bei denen schon der Tastendruck zum Antreiben der Mechanik ausreicht. Diese Gruppe stellt bis heute die schnellsten Addiergeräte, denn wenn ein geübter Bediener darauf addiert hält kein Taschenrechner mit. Auch für die anderen Grundrechenarten gab es besondere und recht schnelle Verfahren, die man in speziellen Kursen erlernen konnte. Durch das intensive Training und die Verankerung dieser Verfahren im Unbewußten (was erst das Tempo ermöglichte) waren die Kursteilnehmer begehrte Mitarbeiter.

Staffelwalzen-Maschinen

Was gehört zu dieser Gruppe?

Schon 1671 erfand Gottfried Wilhelm Leibniz die Staffelwalze: Eine Walze mit neun verschieden langen „Rillen“, an der ein Zahnrad so entlang geschoben wird dass es je nach Stellung von keiner bis allen neun Rillen gedreht wird. So kann man die Ziffern 0 bis 9 ins Resultatwerk übertragen (dieses Youtube-Video zeigt die Funktion sehr schön).
Die frühen Maschinen mit Schiebereinstellung sind eher für Multiplikation und Division geeignet, denn längeres Addieren und Subtrahieren macht damit wirklich keinen Spaß. Aber schon recht früh wurden Maschinen mit Tasten und automatischer Löschung der Eingabe („Additionsmodus“) entwickelt, die für alle Grundrechenarten bestens geeignet waren.
Auch die erste in Serie gebaute Rechenmaschine (ab ca. 1850) hatte Staffelwalzen. Die wurden im Laufe der Jahrzehnte weiter entwickelt: Sie wurden beweglich, geteilt, verdoppelt, vereinfacht, in der Zahl verringert und zuletzt miniaturisiert. Trotzdem ist das Prinzip dahinter immer noch das von Leibniz erfundene.

Sprossenrad-Maschinen

Was gehört zu dieser Gruppe?

Die Idee eines Rades mit variabler Zähnezahl hatte schon Leibniz; Poleni, Braun, Roth und viel später Baldwin konstruierten entsprechende Maschinen. Doch erst W.T.Odhner brachte um 1870 herum das Sprossenrad mit neun ein- und ausfahrbaren „Sprossen“ zur Produktionsreife (dessen Funktion erklärt dieses Youtube-Video sehr schön).
Ab etwa 1890 stellte er in St.Petersburg seine ersten Maschinen her. Wegen des beweglichen Schlittens waren sie vor allem für Aufgaben geeignet, bei denen viel multipliziert oder dividiert werden musste. Größere Aufsummierungen blieben wegen der Schiebereinstellung und dem fehlenden Additionsmodus umständlich.
Odhner vergab auch Lizenzen an andere. Diese (und nach Ablauf der Patente auch weitere) Firmen entwickelten die Maschinen ständig weiter und wurden teils erfolgreicher als Odhner selbst.

Geräte mit Tasteneingabe

Um die mühselige Eingabe mit den kleinen Stellschieberchen zu erleichtern wollte man auch Sprossenrad-Maschinen mit Tasten-Eingabe ausstatten. Karl Rudin gelang kurz nach 1930 die Konstruktion einer zuverlässigen Mechnik. Sein System wurde zuerst bei Facit gebaut und später häufig kopiert. Es verbesserte die Eignung dieser Maschinen für Addition und Subtraktion deutlich, nur die automatische Eingabelöschung fehlte fast immer.
Auch wenn diese Maschinen ganz anders aussahen und bedient wurden: Innen werkelten immer noch (meist etwas abgewandelte) Sprossenräder des „Odhner-Typs“.

sonstige Vierspezies-Maschinen

Was gehört zu dieser Gruppe?

Mehrere andere Systeme zur Werteingabe ins Resultatwerk wurden entwickelt, haben aber das Marktsegment nie so dominieren können wie Staffelwalze und Sprossenrad. Dabei hatten einige dieser Systeme sogar Vorteile für das Rechnen mit Motorantrieb oder die Automatisierung.
Hier sind solche Maschinen versammelt, soweit deren Mechanik alle vier Grundrechenarten ermöglicht.

Aber z.B. mit Comptometern kann man doch auch...?

Comptometer ermöglichen mit speziellen Verfahren zwar auch alle vier Grundrechenarten, aber ihre Mechanik kann nur addieren - daher sind sie bei den Ein- bis Dreispeziesmaschinen einsortiert.

Elektronik

Was gehört zu dieser Gruppe?

Die folgenden Rechner zeigen die (vor allem aus Japan und den USA vorangetriebene) Entwicklung der rechnenden Elektronik, daneben aber auch, wie manche europäischen Rechenmaschinen-Hersteller dabei mitzuhalten versuchten.
Zugegeben: Einige der Geräte wollte ich auch einfach haben, weil ich Nixie-Röhren wunderschön finde ... deshalb sind es ein paar Beispiele mehr als eigentlich nötig.

Computer

Was gehört zu dieser Gruppe?

Auch das ist natürlich „Elektronik“, aber von den Taschenrechnern unterscheidet sie sich doch sehr: Eine ganz passable Definition von Computer ist „Gerät zur Datenverarbeitung mit programmier­baren Abarbeitungsvorschriften“. Das gemeinsame Merkmal ist also die (relativ geräteunabhängige, sehr variable) Programmierbarkeit per Maschinen- oder Programmiersprache.
„Rechnen“ kann man mit Computern alleine nicht - erst entsprechende Software (z.B. die Emulation eines Taschenrechners oder ein Spreadsheet wie Excel) macht das möglich.

Liste

F = mit Infos zu Firmen (Hersteller, Vertrieb, ...)

 F  Addiator (Basismodell)
 F  Addifix-9
 F  Addimult Ziffrex
 F  Addo-X 2341E
     Addo-X 9354
 F  ALCO
 F  ALFA C
 F  Apple iMac G4
     Archimedes H
 F  Archimedes LK11
 F  Aristo 89
     Aristo Scholar
     Badenia TAV13
     Badenia TEH10
 F  Badenia TH13
     Brunsviga 10 (1933)
     Brunsviga 10 (1950)
     Brunsviga 11E
     Brunsviga 13
     Brunsviga 13B
     Brunsviga 13RK
     Brunsviga 13RM
     Brunsviga 20
     Brunsviga A 58
     Brunsviga B (1904)
 F  Brunsviga B (1909)
     Brunsviga D 13 R-1
     Brunsviga D 13 Z/2
     Brunsviga M III
     Brunsviga MD
     Brunsviga MH
     Brunsviga MR
     Brunsviga Nova II
 F  Burroughs Calculator 520
     Burroughs Calculator 5205
     Burroughs Portable 90801
 F  Busicom HL-21
 F  Casio fx-1
     Casio fx-82SOLAR
     Casio HL-805
 F  Comptator
 F  Comptometer H
     Comptometer J
     Consul Rechenaffe
     Contex 10
     Contex 230
     Contex 30
 F  Contex A
     Contex D11
 F  Continental Standard-10
 F  Curta I
 F  Denon DEC-61A4
 F  Diehl EvM15
 F  Direct-II
 F  Elektronika Mk59
 F  Everest Z4
     Everest Z5
     Everest Z5R
     Faber-Castell 4/54
     Faber-Castell 52/82
 F  Faber-Castell Addiator 1/87A
     Faber-Castell Addiator 67/22R
     Facit 1004
     Facit 1129
     Facit 1131
     Facit C1-13
     Facit C1-19
     Facit CM2-16
     Facit ESA-0
     Facit NE
     Facit TK (1938)
 F  Facit TK (1953)
 F  Fei Yu Pai JSY-20
 F  Formelscheiben GdED
 F  Friden H8
     Friden STW10
 F  General Teknika 1200
     General Teknika 1218
 F  Genie 510
 F  GZSM „Felix“ A3
     GZSM KSM-1
     Hamann Automat T
     Hamann E
 F  Hamann Manus „C”
     Hamann Manus R
 F  Hannovera CK
 F  Ibico 1217
 F  IBM Thinkpad T43p
 F  Interton PC2008
 F  Komet TA
 F  Kuhrt A2
     Lenovo IdeaPad Duet
     Lenovo ThinkPad T400
 F  Lenovo Thinkpad X60t
 F  LG X110
 F  Liebermann TE 8000
 F  Lightning Adding Machine
 F  Lindström Record
 F  Lipsia Addi 7
 F  Litronix 1100A
 F  Loga Rechenwalze
     Madas 12
 F  Madas IX
 F  Marchant H9
 F  Melitta VII/16
 F  Mercedes-Euklid 4
     Mercedes-Euklid 29
     Mercedes-Euklid 38SM
 F  Mesko KR-19S
 F  Mira Visier
 F  M.J.Rooy
 F  Monroe LA-200X
     Monroe LN-160X
     Napier'sche Stäbchen
 F  NCR 1652
 F  Neckermann Haushaltkalkulator
 F  Nisa K2
     Nisa K5
     Norma Grafia 190
 F  Norma Merkuria 190
     Numeria 5905
 F  Numeria 7101
     Odhner 27
     Odhner 127
     Odhner 239
 F  Odhner A
 F  Olympia 192-030
     Olympia AM 209
     Olympia RT 4
 F  Ott Planimeter
 F  Palm m515
 F  Pilot P1
     Precisa 103
 F  Precisa 1102-10
     Precisa 117
     Precisa 164-12
 F  Privileg 03987
     Privileg PR55NC
     Privileg SR54NC
     Produx axbxc
 F  Produx Multator II
     Produx Multator-4
 F  Rebell Euro-Print 12
 F  Record LM
 F  Rema 1
 F  Remington 1001
 F  Resulta BS 7
     Resulta BS 7 Export
 F  Rheinmetall Id
     Rheinmetall AE
     Rheinmetall D IIc
     Rheinmetall „DS Ie“
     Rheinmetall KEWS If
 F  Rokli 7R
     Rokli 7RS
     Rokli 16R
 F  Royal MK12
 F  Schetmash (Kursk) „Felix“ M
 F  Schetmash (Penza) VK-1
 F  Schneider PC 1640
 F  Schubert DRV
     Schubert E
 F  Schumm Rechenbox
 F  Select (IRIS XIII)
     Sharp CS-241
     Sharp CS-243V
     Sharp CS-6301
     Sharp ElsiMate EL-8048
     Sharp PC-1401
 F  Sharp QT-8D
     Sharp QT-8B
 F  Siebert Rechentafeln
 F  Silver-Reed Mini
 F  Stima CMSIII
     Stima MSIII
     Stschoty
     Suan Pan
 F  Sumlock 909/C
 F  Summira 7
 F  Swift Adding Machine
 F  Thales C
     Thales CER
     Thales DER
     Thales GEO
     TIM I
     TIM II
 F  Tomoe Soroban
 F  Triumphator C
     Triumphator CRN1
     Triumphator HZN
     Triumphator KA
 F  Tröger Rechenscheibe
 F  TRS Calcorex
 F  UNITAS I
 F  Victor 5xx-S
     Walther Comptess
     Walther ETR4
     Walther RKZ
 F  Walther RMK
     Walther WSR160
 F  X x X
 F  Zivy Zähler

Gliederung der Einzelbeschreibungen

Name

Landesflagge bei Produktionsbeginn
Textteil Monatslohn-Vergleiche beziehen sich auf den damaligen
Tarif-Durchschnittslohn für Verheiratete mit 2 Kindern.
Bilder, Info-Links
Hersteller/Anbieter
Modellbezeichnung
ggf. Seriennummer
Maße Breite x Tiefe x Höhe [in cm]
Gewicht
gebaut von - bis
  • Stellenzahlen der Werke;
  • Hauptfunktionen,
  • Löschung

Abkürzungen:
EW = Eingabewerk (Schieber, Tasten etc.)
EK = Eingabekontrolle
  • Sonstiges zur Bedienung



ZW = Zählwerk („Quotientenwerk“)
RW = Resultatwerk („Akkumulator“)
SW = Speicherwerk
Zustand
optisch/funktional als „Schulnoten“ (1 heißt nicht „neuwertig“, sondern „für ihr Alter sehr gut“)

Was war - außer dem üblichen Reinigen und Schmieren - zu tun?

Zubehör, Anleitung?
KA = selbst verfasste Kurzanleitung
ggf. Infos zu Herstellern und Anbietern (meist beim ersten Modell des Herstellers)

Einzelbeschreibungen

chronologisch sortiert nach Produktionsbeginn

中式算盤 (Suan Pan)

Vielleicht schon vor 1000 Jahren (so genau weiß man es nicht, die erste eindeutige Abbildung stammt aus dem Jahr 1573) entwickelte sich in China der Suan Pan. Dass die Grundidee der fest eingebauten Rechenperlen über die Seidenstraße in den Osten wanderte ist möglich, aber eher unwahrscheinlich. Chinesische und italienische Historiker sehen das vielleicht unterschiedlich.
Die chinesische Variante hat pro Reihe fünf Perlen in einem unteren Abteil („Erde” genannt) und zwei Perlen oben (der „Himmel”). Jede Perle unten, die zur Mitte hin geschoben wird steht für den Wert 1, jede zur Mitte geschobene Perle oben für 5. Die Reihe ganz rechts steht dabei für die Einer, die Reihe links davon für die Zehner usw. (jedenfalls wenn man nicht mit Nachkommastellen rechnet). Damit kann pro Reihe jeder ganzzahlige Wert bis 15 dargestellt werden, was dem Rechnen mit den in China früher verbreiteten hexadezimalen Maßen entgegen kam.
Die japanische Variante wurde im Laufe der Zeit vereinfacht, die russische Variante noch viel mehr.
Bis 2002 soll es in China noch verpflichtende Suan Pan-Prüfungen für manche Buchhaltungs­berufe gegeben haben. Spezialisten schaffen damit selbst kompliziertere Rechnungen, es gibt immer noch Schnellrechner-Wettbewerbe damit. Auch im Alltag wird der Suan Pan gelegentlich noch benutzt.
Dieses Modell findet man heute oft als Neuware. Vermutlich kaufen es inzwischen mehr China-Touristen als wirkliche Nutzer. Ich bekam mein Exemplar als Geschenk zum „50sten“.

was damit alles geht
Lotus Flower

25 x 12 x 2,5
240 g
? - heute
  • 13 Bambusstäbchen und 91 Holzperlen
    oder technisch:
    ein 13stelliges Rechenregister für Eingabe und Resultatanzeige
1/1 (praktisch neuwertig).

Napier'sche Stäbchen

John Napier, Laird of Merchiston entwickelte das Rechnen mit Logarithmen so sehr weiter, dass er heute oft als „Erfinder der Logarithmen” angesehen wird. 1617 stellte er in seinem Buch „Rabdologiae seu numerationis per virgulas libri duo” diese von ihm entwickelte kleine Multiplizierhilfe vor: Auf die Stäbchen wird das kleine Einmaleins geschickt so geschrieben, dass die Produkte durch einfaches Addieren schnell ermittelt werden können.
So lange die Kenntnis des kleinen Einmaleins kein Allgemeingut war wurden die Stäbchen in ganz Europa viel und gerne genutzt. Bis in die 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts gab es noch entsprechend bedruckte Papierbögen zum Ausschneiden und Aufkleben auf viereckige Hölzer zu kaufen. Heute jedoch sind die Stäbchen praktisch vergessen, was sicher nicht am Aufkommen der Rechenmaschinen liegt sondern an der allgemeinen Schulbildung, die Wert auf das Erlernen des kleinen Einmaleins legte.
Vielleicht sollte man die Stäbchen nun also wieder einführen?

mehr Infos bei
T.Hempel
Deutsche Übersetzung von 1618 Vordruck (PDF)
Napier-Stäbchen

10 x 9 x 1
70 g
1617 - ca. 1925
  • maximal 10-stellige Faktoren (mit maximal 4 gleichen Ziffern) möglich
2/1

Vordrucke am Computer entworfen, gedruckt, ausgeschnitten und auf Buchenleisten 10x10mm² aufgeklebt.

Mit Schachtel und Anleitung.

Счёты (Stschoty)

Die russische Version des Abakus entwickelte sich wahr­scheinlich aus dem Suan Pan. Zum ersten Mal in einem Buch erwähnt wurde er kurz vor 1700. Es gibt keine Aufteilung in 1er- und 5er‑Kugeln und eine Reihe hat nur vier Kugeln, die steht entweder z.B. für Viertel-Rubel (1 Kugel = 25 Kopeken) oder gilt einfach nur als Komma­stelle und wird dann nicht zum Rechnen benutzt. Der Stschoty wird mit der kleinsten Stelle zum Bediener hin bedient, quer zur bei den anderen Varianten üblichen Ausrichtung.
Ein Nachteil der meisten Exemplare ist die geringe Stellen­zahl, die für Rubel und Kopeken ausreicht, aber nicht für komplexere Berechnungen. Dazu kommt bei allen Stschotys die beachtliche Größe, die mehr Finger- und Armbewegung erfordert und dadurch etwas verlangsamt. Grobmotoriker finden das aber sicher gut. Eine eindeutige Verbesserung sind dagegen die nach oben gekrümmten Drähte, wodurch die Perlen besser auf der Seite bleiben, auf die man sie geschoben hat.
Der Mathematiker Jean‑Victor Poncelet brachte von Napoleons Russland-Feldzug einen Stschoty mit nach Mitteleuropa. Dort wurde er zum Urahn der einfachen Kugelrechner, die man heute noch in deutschen Kinder­zimmern und Kindergärten findet (und die früher auch in den Grundschulen genutzt wurden). Ob es in russischen Kindergärten noch Stschotys gibt weiß ich nicht.
Dieses Exemplar wurde in den 80er-Jahren in Bulgarien gekauft und diente nur als Deko-Objekt.

mehr Infos im

und im
Arithmeum

Rechenbrett
für Kinder
Preis 2-00 (Rubel)

Diesen Hersteller-Stempel hat Herr Leipälä übersetzt - vielen Dank dafür!
Stschoty

21 x 31 x 5
480 g
vor 1700 - ca. 1970
  • 10 Drähte und 94 Holzperlen
    oder technisch:
    ein 9- bis 10stelliges Rechenregister für Eingabe und Resultatanzeige
2/1: Kaum Gebrauchsspuren, aber eine Ecke schon bei der Herstellung etwas nachlässig verleimt; perfekt benutzbar.
Anleitung im Netz gefunden.

Ott Planimeter

Neben Hilfsmitteln zum allgemeinen Rechnen gab und gibt es auch viele mathematische Instrumente für besondere rechnerische Anwendungen. Ein Beispiel ist das Planimeter zur Flächenberechnung z.B. in Landkarten, in technischen Zeichnungen oder auch in der Lederindustrie. Es gibt zahlreiche verschiedene Arten, eine davon ist dieses 1854 von Jakob Amsler erfundene Polarplanimeter. Man stellt die Armlänge auf den Kartenmaßstab ein, setzt die Spitze auf einen beliebigen Punkt am Rand der zu messenden Fläche, liest den Wert der Skala ab (oder stellt auf Null), führt die Spitze einmal möglichst exakt im Uhrzeigersinn um diesen Rand und liest den Wert wieder ab. Mit einer kleinen Korrektur­rechnung (die Angaben dazu stehen im Etui des Geräts) hat man schnell die Fläche ermittelt (hier im Bild die des Plattensees, übrigens 594 km²). Die Genauigkeit des Gerätes ist bei größeren Flächen meist höher als die der Zeichnung.
Dieses Exemplar wurde ungefähr 1945 gebaut, es gehörte einem Vermessungsingenieur.

mehr Infos zu Planimetern bei
W.Blümich
A.Ott
Polarplanimeter Modell 30
Nr. 55425

27,5 x 6 x 3,5
220 g
?
  • 2 Noniusskalen an Arm und Messrad, zusätzliche Skala für Anzahl der Messraddrehungen.
  • Umrechnungstabelle im Etuideckel.
2/1: Wieder guter Gesamteindruck; alle Skalen einwandfrei, selbst die Kalibrierung stimmt noch.

Einige Stoßstellen ausgebessert, Polarm nachlackiert, oberen Spitzenabschluss durch Nachbau ersetzt.

Mit Etui, Kalibrierungslineal und Ersatzspitzen, Anleitung im Netz gefunden.

Albert Ott gründete 1873 in Kempten seine Firma zum Bau diverser Messinstrumente. Die Firma existiert noch, ist allerdings seit 2002 nicht mehr selbständig und baut inzwischen keine Planimeter mehr, sondern Messgeräte für Hydrologie und Meteorologie.
Doch auch heute noch werden anderswo Planimeter hergestellt, z.B. bei Haff.

Brunsviga B

„Modell B“ war der erste von Brunsviga gebaute Maschinentyp. Eigentlich handelt es sich dabei eher um eine ganze Modellfamilie, denn im Lauf der Jahre wurde das Modell ständig weiter entwickelt: Zuerst kamen eine verlängerte Kurbel und die Warnglocke(n) für Über- und Unterlauf dazu, einige Sperren gegen Fehlbedienungen wurden eingebaut. Das ist der Entwicklungsstand dieses Exemplars aus dem Jahr 1904. Es hat zwei Glocken, damit es beim Überlauf in jeder Stellung bimmelt. Später fand man dafür elegantere Lösungen.
Diese frühen Maschinen von Brunsviga waren alle noch recht groß. Die Gehäusebleche sind sehr dick, alle Teile (von den Sprossenrädern bis zu den Flügelschrauben) sind sehr massiv ausgelegt. Beim Kurbeln spürt man die massiven bewegten Teile. Hier bricht und verbiegt sich noch nichts, diese Maschine kann bei guter Pflege vermutlich auch in weiteren 118 Jahren noch funktionieren, selbst wenn sie wieder häufiger benutzt werden sollte.

Brunsviga
B
Nr. 6022

34 x 17 x 12,5 (o. Brett)
8,4 kg
1892 - ca. 1925
  • EW 9, ZW 8, RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Flügelschrauben zur Löschung von ZW und RW.
  • Zehnerübertrag im RW nur über 9 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot),
  • RW nur in Grundstellung des Schlittens löschbar.
2/1: Beschriftung am ZW etwas abgegriffen, kleine Gebrauchsspuren; einwandfreie Funktion.

Alle Metallteile poliert, Deckbleche und Rückseite neu (teil)lackiert, Ziffern neu eingelegt, fehlende „Kommastöpsel“ ersetzt.

Mit Bodenbrett und Blechhaube, allgemeine Anleitung aller alten Brunsvigas im Netz gefunden.

Brunsviga B

Diese etwas spätere Version des Modell B hat den Zehnerübertrag über alle 13 Stellen und eine Mechanik zur Gesamtlöschung der Eingabe. Die altertümlichen „Kommastöpsel“ sind nun durch Schieber ersetzt und es gibt eine Anzeige der letzten Kurbel-Drehrichtung. Die Löschung des Resultatwerks während der Kurbeldrehung und der Wechsel der Kurbel-Drehrichtung sind bei diesem Exemplar nicht gesperrt. Der Lösehebel der Drehrichtungs­sperre fehlt folglich auch, aber im Deckblech ist oben links noch der kleine Schlitz dafür, auch die Zahnscheibe ist vorhanden. Offenbar wurde beides mal ausgebaut, sei es wegen Defekt oder weil ein Benutzer das störend fand.
Diese Brunsviga B wurde der Seriennummer nach 1909 gebaut. Der damalige Neupreis war 505 Mark, das entsprach dem durchschnittlichen Tariflohn eines Arbeiters für ein halbes Jahr. Die Vorbesitzer haben die Maschine aus Schweden bekommen. Auf der Holzplatte ist der Aufkleber der A.B. Hadar Schmidt aus Stockholm, diese Firma hat damals viele Rechenmaschinen nach Schweden importiert (u.a. war sie schwedischer Generalvertreter für die in Russland gebauten Odhner-Maschinen).
Noch spätere Versionen erhielten ein verbessertes Schlittenschloss und die Drehrichtungsanzeige wurde nach links verlegt.

Ein Sprossenrad wird eingestellt
(MP4, 2 MB):
Brunsviga
B
Nr. 12523

34 x 17 x 12,5 (o. Brett)
8,4 kg
1892 - ca. 1925
  • EW 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Flügelschrauben zur Löschung der drei Werke.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot),
  • Anzeige der Drehrichtung rechts neben dem EW.
2/2: Lack und Zahlen erstaunlich gut erhalten (vielleicht mal neu lackiert?), Verchromung teils etwas angegriffen; alles funktioniert, nur gelegentlich hakelt mal eine Sprosse etwas oder die Löschung der 10er‑Stelle im RW benötigt eine zweite Umdrehung.

Eine Unterlegscheibe unter den linken Schlittenanschlag gelegt, Schlittenblech etwas gerade gebogen: Schon war die vorherige Schwergängigkeit weg!

Mit Bodenbrett, Anleitung wie zuvor.

Brunsviga ist der latinisierte Name der Stadt Braunschweig. Dort hat der Hersteller 1871 als Nähmaschinenhersteller „Grimme, Natalis & Co.“ begonnen, ab 1892 wurden auch (in Lizenz von Odhner) unter dem Markennamen „Brunsviga“ hauptsächlich Sprossenrad-Maschinen gebaut, mit denen die Firma sehr erfolgreich wurde. Erst 1950 wurde dieser Marken- auch zum Firmennamen. 1959 wurde Brunsviga von Olympia aufgekauft. Wenige Jahre später wurde die Produktion der meisten handbetriebenen Maschinen eingestellt, die letzte handbetriebene „Brunsviga“ wurde 1969 in Spanien gebaut. Das letzte Gerät der Marke überhaupt war dann ein kleiner wissenschaftlicher Taschenrechner aus dem Jahr 1975 (den hat Olympia evtl. sogar selbst gebaut und nicht aus Fernost zugekauft).

X x X

Dieser Staffelwalzenmaschine sieht man ihr Alter gleich an: Wie bei den ersten Maschinen dieses Typs erfolgt die Eingabe der Zahlen hier mit Schiebern. Mit denen verschiebt man jeweils ein Zahnrad auf einer Vierkant-Achse, und je nach dessen Position treiben verschieden viele „Rippen“ einer Staffel­walze dieses Zahnrad (und damit auch Achse und Anzeige im Resultatwerk) an (hier ein Youtube-Video dazu). Auch die Anordnung der Kurbel und der Werke ist noch ganz im alten Stil.
Aber eine Reihe von Verbesserungen gibt es schon, sowohl technisch als auch in der Gestaltung: Statt Holzkasten hat die X x X ein massives Gussgehäuse aus Eisen, dessen Oberseite zum besseren Ablesen leicht nach vorne geneigt ist. Innen sitzen besonders leichte, aus einzelnen Zahnsegmenten zusammen­gesetzte Staffelwalzen. Aufwendige gefederte Elemente ersetzen an vielen Stellen die einfachen Blattfedern.
Es gab die X x X auch mit einem Schalter, der links im Resultatwerk einen Zähler simuliert. Varianten mit anderen Kapazitäten waren lieferbar, ebenso Modelle mit Tasten (statt der Schieber) oder mit Tasten und Druckwerk. Das hier ist die einfachste (aber nicht kleinste) Variante. Etwas über 700 Mark waren dafür fällig (etwa 8 Durchschnittslöhne).
Die X x X ist vermutlich die erste Serienmaschine, die konsequent „durchgestylt“ wurde. Das Gehäuse wirkt durch die gefrästen und teils vernickelten Kanten weniger wuchtig. Selbst die erst beim Anheben des „Lineals“ sichtbare, überwiegend aus Messing bestehende Mechanik wurde verchromt, um auch dann nur Schwarz und Silber zu zeigen. Diese Gestaltung macht das Modell zu einer der schönsten in Serie gefertigten Maschinen. Entwickelt hat sie Bernhard Behr.
Die niedrige Seriennummer dieses Exemplars lässt auf ein Baujahr um 1908 schließen.
Und damit das ganz klar ist: Der Name „X x X“ bedeutet „ix mal ix“ - nicht was Ihr wieder denkt! Das sollte wohl die besonders gute Eignung für Multiplikationen deutlich machen, denn trotz aller Schönheit: Addieren mit Schiebern macht wenig Spaß, erst die Tastenmaschinen waren dafür wirklich gut zu gebrauchen.

Seidel und Naumann
X x X
Nr. 778

49,5 x 20 x 12,5
11,1 kg (o. Kasten)
1906 - nach 1927
  • EW(+EK) 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschschieber für ZW und RW (nur bei angehobenem Lineal),
  • Löschschieber für das gesamte EW und je einer pro Stelle.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer weiß),
  • ein gemeinsamer Schalter für Drehrichtung im ZW und RW,
  • Ziffern im RW und ZW direkt einstellbar (nur bei angehobenem Lineal),
  • Linealbewegung nur durch Anheben und Versetzen per Hand,
  • Kurbel nur im Uhrzeigersinn drehbar.
2/1: Gehäuse gut erhalten, nur links und rechts je eine größere Abplatzung an der Vernickelung; funktioniert einwandfrei und extrem leichtgängig.

Abgebrochene Schraube ausgebohrt und dort fehlendes Umlenkröllchen der Einstellkontrolle ersetzt, Kurbelfederung durch vorsichtiges Aufbiegen gängig gemacht und fehlenden Kurbelanschlag ersetzt, Nullstellung der Einstellkontrolle justiert, einige Metallteile poliert, Lösch- und Einstellknöpfchen nachlackiert, ein Wirtelchen ersetzt.

Mit komplettem Holzkasten. KA.

1868 gründete Karl R.B. Naumann in Dresden eine Werkstatt für Feinmechanik. 1869 kam Erich Seidel für einige Jahre als Geldgeber dazu, daher wurde die Firma nun „Seidel und Naumann“ genannt. Bereits 1886 wurde das Unternehmen zur AG. Es stieg schnell zum bedeutenden Produzenten von Näh- und Schreibmaschinen auf (auch die berühmte „Erika“ stammt von S&N). Fahrräder und anderes ergänzten schon vor 1900 die Produktpalette, ab 1906 dann auch Rechenmaschinen.
Schon 1919 wurde diese Sparte an die Dresdener „Presto Bureaumaschinenbau-Gesellschaft m.b.H.“ gegeben (es ist unklar, ob das eine schon vorher aktive Firma oder eine Ausgründung von S&N war). Seidel und Naumann (vielleicht auch Presto?) wurde 1946 zum „VEB Schreib­maschinenwerke Dresden“, später ein Teil des Robotron-Kombinats. Bis zur Privatisierung 1990 wurden noch Schreibmaschinen gebaut, die Nachfolgefirma meldete bereits 1992 Konkurs an.

Loga Rechenwalze

Alle Rechenschieber werden um so genauer, je länger die Skalen sind. Als Rechenstäbe waren sie bis zu 50 cm handhabbar und ermöglichten so das Rechnen auf etwa 3 Stellen, aber manchmal wollte man es genauer haben. Dafür wurden schon vor 1900 erste Rechenwalzen entwickelt, bei denen die Skala in lauter kleine Abschnitte geteilt wird, die man auf einem Zylinder anordnet. Die Aufgabe der Zunge übernimmt eine zylindrische Manschette.
Besonders Banken verwendeten die Walzen gerne: Z.B. für Währungsumrechnungen musste man nur einmal das Verhältnis einstellen, dann konnte man jeden gewünschten Betrag einfach ablesen.
Aber auch in vielen anderen Branchen wurden sie genutzt. Es gab sogar eine „Artillerie-Walze“ für Distanzbestimmung und ballistische Rechnungen. Die Skalenlängen von Rechenwalzen reichten von 1,2 m bis 24 m.
Diese Walze mit 10 m ermöglicht das Ablesen auf 4 Stellen, je nach Ort auf der Skala kann man eine weitere Stelle mehr oder weniger gut abschätzen.
Die zusätzliche Zinsdivisoren-Skala auf der Manschette dieses Exemplars macht den Einsatz in einer Bank wahrscheinlich. Nach Sockel und Beschriftung würde ich ganz grob ein Baujahr in den 30er-Jahren vermuten. Eine alte, leider nicht datierte Preisliste nennt einen Preis von 375 RM.

sehr ausführlicher Artikel im
Details der Manschettenskalen:
Daemen-Schmidt
Loga Calculator
(ohne Seriennummer)

52 x 20,5 x 24
3,6 kg
ca.1906 - ca.1970
  • Standardskalen entsprechen der C- und D-Skala eines üblichen Rechenstabs,
  • zusätzlich Zinsfaktoren-Skala 1-7% in ¹/10- und ¹/16-Teilung.
  • Mit Feststellbremse,
  • der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war.
2/1: Insgesamt gut erhalten, ein Bremsenabdruck, einige Streifen der Manschette mit kleinen Schäden; Ablesen einwandfrei möglich.

Leicht verbogene Manschette genauer justiert.

Anleitung von ca. 1910 im Netz gefunden.

Der aus Duisburg stammende Textilkaufmann Heinrich Daemen-Schmidt hat 1888 seine erste Rechenwalze gebaut. 1900 gründete er eine kleine Werkstatt in Zürich, schon 1903 verlegte er sie in größere Räume im Vorort Oerlikon. Von 1906 stammen erste eigene Patente. 1911 übersiedelte die Firma nach Uster, 1915 wurde der schon zuvor genutzte Produktname „LOGA“ auch offizieller Name der Firma.
Die große Zeit der Walzen waren die 20er- und 30er-Jahre, auch wenn einzelne Walzen bis in die 70er-Jahre ihre Plätze in den Büros behaupten konnten. LOGA stellte die Produktion auf Rechenscheiben und ‑stäbe um und überlebte damit bis 1979.
In den Schweizer Archiven ist das komplette Firmenarchiv erhalten...

UNITAS „I

Die UNITAS („Einheit“) ist wahrscheinlich die erste Rechenmaschine mit zwei Resultatwerken. Diese sitzen in getrennt verschiebbaren „Linealen“, was recht komplexe Berechnungen ermöglicht. Meist wird das zweite Resultatwerk aber einfach für Gesamtsummen benutzt worden sein. Mit den späteren Doppelmaschinen ist sie wegen ihres einzelnen Einstellwerks noch nicht zu vergleichen, aber sie steht ganz am Anfang der Entwicklung solcher Spezialmaschinen.
Durch Schiebereinstellung (mit Röllchen!) und Holzkasten ist dieses Exemplar noch nahe an den „Arithmometern“ aus Frankreich, nur das zweite Lineal ist dazu gekommen. Anders als die ersten Exemplare der Modellreihe hat es schon den von Robert Rein konstruierten, zuverlässigeren Zehner­übertrag. Das Baujahr dieser Maschine dürfte 1909 oder 1910 sein.
Vereinzelt gab es auch Exemplare im Metallkasten, die späteren UNITAS-Modelle (von 1910 bis ca. 1929, sowohl mit Schiebern als auch mit Tasten angeboten) hatten dann das massive Gehäuse aus Gusseisen, das für den Hersteller charakteristisch wurde.
Die römische Eins im Namen ist hier nur eine Vereinbarung unter Sammlern, um das Modell von den späteren Ausführungen abzugrenzen. Vom Hersteller erhielten erst die späteren Modelle Typenbezeichnungen mit römischen Ziffern.

L.Spitz
UNITAS
Nr. 1266

57,5 x 26 x 14,5
15,7 kg (m. Kasten)
1907 - 1910
  • EW(+EK) 10 ZW 9 RW 2x16;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschschieber für RWe und ZW (nur bei angehobenen Lineal)en,
  • ohne Löschvorrichtung für das EW.
  • Zehnerübertrag im RW nur über 11 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer schwarz),
  • Schalter für Drehrichtung im ZW und 1.RW,
  • damit koppelbarer Schalter für Drehrichtung im 2.RW,
  • alle Ziffern direkt einstellbar (nur bei angehobenen Linealen),
  • optionale Kopplung der Lineale,
  • Linealbewegung nur durch Anheben und Versetzen per Hand,
  • Kurbel nur im Uhrzeigersinn drehbar.
2/1: viel Abrieb vor allem an den Kanten und einige größere Lackfehler, einige Teile offenbar später ersetzt, insgesamt für das Alter guter Eindruck; einwandfreie und leichtgängige Funktion.

Die meist extrem stark abgeschliffenen und dadurch unlesbaren Ziffernbändchen der Einstellkontrolle gegen neue (aus 190g-Papier!) ausgetauscht, Fachdeckel neu verleimt.

Englische Anleitung als PDF vorhanden.

Der Wiener Ingenieur Ludwig Spitz war Prokurist beim Berliner Rechenmaschinen­händler Amster (der erfand die Marke „TIM“). Amster ging 1906 in Konkurs, Spitz übernahm den Vertrieb und die Marke und entwickelte parallel dazu mit dem Konstrukteur Robert Rein neue, verbesserte Rechenmaschinen. Schon 1907 gründete er in Berlin eine eigene Herstellerfirma unter seinem Namen, bald kamen auch Auslandsvertretungen in New York, Paris und Wien dazu. Spitz selbst ging nach Wien zurück und erschloss von dort aus den Markt der K&K‑Monarchie. Sein Schwerpunkt blieb stets der Verkauf, eine Weiterentwick­lung der Maschinen fand kaum mehr statt. Die waren aber offenbar so fortschrittlich, dass sie sich trotzdem viele Jahre gut verkaufen ließen. Erst Ende der 20er-Jahre geriet die Firma gegenüber der Konkurrenz allmählich ins Hinter­treffen. Spitz begann schließlich damit, Maschinen anderer Hersteller zu verkaufen. Als Österreich an das Deutsche Reich angeschlossen wurde traten auch dort die Juden­gesetze in Kraft: Spitz musste 1939 seine Firma verkaufen und wurde 1942 ins Ghetto nach Riga deportiert. Danach verliert sich seine Spur, 1949 wurde er für tot erklärt.
Die Firma in Berlin änderte 1942 den Firmennamen in „TIM‑UNITAS“. Im Büromaschinen-Kompaß 1951 und 1955 wurde noch eine TIM I angeboten, aber möglicher­weise waren das Restbestände aus der Vorkriegszeit. Die Firma existierte als metallverarbeitender Betrieb bis 1991.

Original Odhner A

Eine Sprossenrad-Maschine aus der Firma, die das Prinzip zur Serienreife brachte: Die ersten „Odhner-Arithmometer“ (anfangs noch mit kurzer, dann mit langer Kurbel) wurden bis 1907 gebaut, dann folgte diese Serie mit Modellen in drei verschiedenen Größen und vielen unter­schiedlichen Ausstattungen (schnelle Löschung, Eingabelöschung, Tabulator, Schlittentasten usw.).
Modell A ist das kleinste und einfachste der Serie. Eine Rückdrehsperre fehlt, die Einstellung ist bei Kurbeldrehung nicht blockiert. Einzige Sicherung ist eine Sperre, die nur entweder Kurbeldrehung oder Schlittenverschiebung erlaubt. Entsprechend übersichtlich ist daher das Innenleben.
Dieses Exemplar war wohl für den einheimischen, russischen Markt gedacht, denn es hat kyrillische Beschriftung. Seine Seriennummer ist eine der ganz hohen, das Baujahr dürfte also etwa 1916 sein. Einen Neupreis weiß man von 1914: 200 Rubel. Ich habe allerdings keine Idee, welcher Kaufkraft oder Arbeitszeit das damals entsprach.
Das Messingblech sieht hübsch aus, war aber im Original sicher schwarz lackiert. Gerade bei diesen alten Maschinen ist das häufig so zu finden.

Original Odhner
A
Nr. 22297

31,5 x 16 x 12,5
7,9 kg
1907 - 1917
  • EW 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Flügelschrauben zur Löschung von RW und ZW, Löschkamm für EW.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot).
2/2: Schlitten mit vielen Kratzern, Kommaschieber nicht original, sonst sehr gut erhalten; funktioniert so weit gut, aber Zehnerübertrag zur 5. Stelle nur bei langsamem Drehen zuverlässig.

viele Metallteile poliert, alle Zehnerübertrags-„Hämmerchen“ zerlegt, Löschkamm justiert, fehlende Kommaleiste ersetzt.

KA.

Das etwas seltsame „Original“ im Firmennamen hat einen guten Grund. Der Schwede W.T.Odhner war derjenige, der um 1870 herum das Sprossenrad zur Produktionsreife brachte und entsprechende Patente anmelden konnte. Ab 1890 baute er in St.Petersburg erste Maschinen, verkaufte aber auch bald Lizenzen an andere Hersteller. Einige davon (v.a. Brunsviga) wurden schnell so erfolgreich, dass Odhner schon kurz nach 1900 das „Original“ vorsetzte.
Während der Oktoberrevolution wurde die Firma enteignet und die Sowjets bauten nun (auf den vorhandenen Maschinen und mit dem vorhandenen Wissen der Arbeiter) baugleiche Rechenmaschinen auf „volkseigene“ Rechnung. Odhners Sohn verließ daher Russland und gründete „Original-Odhner“ in Göteborg neu.
1942 wurde Odhner von Atvidaberg Industries („Facit“) aufgekauft, Produktion und Marke blieben jedoch erhalten. Auch elektrische Addier- und Buchungs­maschinen wurden gebaut.
1973 ging Facit unter und auch bei Odhner wurde die Produktion der mechanischen Rechner eingestellt. Noch bis 1990 wurden erst für Elektrolux, dann für Ericsson Plattenspieler und elektrische/elektronische Bauteile hergestellt, dann war endgültig Schluss.

Comptator

Manchmal musste es keine große Rechenmaschine sein, weil z.B. nur einfache Aufsummierungen zu machen waren. Der Comptator war ein dafür geeignetes, erschwingliches Gerät. Die geringe Größe war für einige Anwendungen sogar von Vorteil: Man addierte damit häufig Spalten in Kontobüchern, wobei man das kleine Maschinchen direkt auf das Buch legen und als Ableselineal nutzen konnte.
Mit einem Griffel werden die Zahnstangen je nach Ziffer verschieden weit nach unten gezogen, das dreht die Rädchen im Resultatwerk entsprechend weiter. Dabei werden ggf. auch Zehnerüberträge ausgeführt. Drücken des Hebels an der linken Seite stellt die Zahnstangen vor der nächste Eingabe (oder für das Ablesen des Ergebnisses) zurück.
Zum Addieren ist das Gerät ganz komfortabel und es bietet als erster Kleinaddierer überhaupt optionale Eingabekontrolle. Auch einzelne Multiplikationen sind halbwegs passabel möglich. Das Subtrahieren dagegen ist recht umständlich, dazu muss man die am Rand eingeprägten Komplementär­ziffern nutzen. Und das Dividieren ... vergisst man besser ganz.
Der Comptator wurde mit 9 oder 13 Stellen angeboten. 1925 kostete die neunstellige Variante 105 RM, das war etwas weniger als ein Monatslohn. Offenbar war das Angebot erfolgreich, denn das Gerät ist auch heute noch öfter zu finden. Dieses Exemplar ist eines der ganz späten, es muss kurz vor 1930 gebaut worden sein.

mehr Infos im
(Sabielny)
Comptator
Nr. 21895

6,5 x 20,5 x 3,5
550 g
1909 - 1930
  • EW(+EK) 9 RW 9;
  • Löschtaste für EW (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschknopf (zum Drehen) für RW.
  • Eingabekontrolle in unterster sichtbarer Zeile,
  • Löschtaste auf Sofortlöschung umstellbar.
2/1: Gehäuse oben sehr gut erhalten, auf der Rückseite deutliche Gebrauchsspuren (vom Schieben über die Bücher); alles funktioniert sehr leichtgängig.

Rote Ziffern neu eingelegt, vergilbte Plastikscheibe ausgetauscht.

Mit passabel erhaltenem Etui, fehlenden Griffel durch Palmgriffel (aus Plastik, viel besser) ersetzt, Neufassung der Anleitung im Netz gefunden.

Der Vorgänger des Comptator ist der „Rapid Computer“, ein ab 1892 in den USA gebauter Kleinaddierer. Hans Sabielny aus Dresden („Moderne Contormaschinen“) verkaufte das Gerät kurze Zeit in Deutschland, doch bald ließ er es durch den Konstrukteur Woldemar Heinitz so verbessern, dass die Eingabekontrolle möglich wurde. Unter dem Namen „Comptator“ wurde das als eigene Erfindung patentiert und ab 1909 bei Schubert & Salzer in Chemnitz und ab 1922 dann bei Sabielny in Dresden selbst produziert.

TIM II

Noch eine Rechenmaschine aus Berlin, aber mit englischem Namen: TIM steht für "Time is Money": Ludwig Spitz nutzte dieses Verkaufsargument für Rechenmaschinen als Marke, aber auch als Modell­bezeichung der Modelle mit einem Resultatwerk. Marke und Name sollten die potentiellen Kunden wohl davon überzeugen, dass sich der Einsatz solcher Maschinen lohnte.
Auch die TIM ist wegen ihrer Schiebereinstellung noch nahe am Typus der ab ca. 1850 erfolgreichen Rechen­maschinen. Sie hat aber den zuverlässigeren Zehner­übertrag und hier schon das massive, ganz typische Gehäuse aus Gusseisen. Die vordere Platte aus dickem Blech lässt sich bei diesem Exemplar leicht abnehmen. Wollte man die Mechanik leicht vorführbar machen oder ging es eher um die leichte Wartung? Vielleicht beides.
Das Modell wurde ab 1910 angeboten, aufgrund der Seriennummer ist ein Baujahr dieses Exemplars um 1917 wahrscheinlich. Über die frühere Verwendung ist leider nichts bekannt. Die Abnutzung der Brünierung zeigt aber, dass es lange Zeit intensiv genutzt wurde. Der Neupreis solcher Maschinen: 1911 noch 700 Mark (ungefähr acht Monatslöhne), 1919 schon 2250 Mark (ca. 15 Monatslöhne: Da nahm die Inflation schon langsam Fahrt auf, die 1923 zum Zusammenbruch der Mark führte).

Während der Restaurierung: vorher - nachher:
L.Spitz
TIM II
Nr. 7550

43 x 16 x 18,5
11,5 kg
1910 - ca. 1929
  • EW(+EK) 8 ZW 7 RW 12;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschschieber für RW und ZW (nur bei angehobenem Lineal),
  • 8 Löschhebel, die nach oben alle Stellen rechts und nach unten alle Stellen links löschen.
  • Zehnerübertrag im RW nur über 9 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer schwarz),
  • ein gemeinsamer Schalter für Drehrichtung im ZW und RW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar (nur bei angehobenem Lineal),
  • Linealbewegung nur durch Anheben und Versetzen per Hand,
  • Kurbel nur im Uhrzeigersinn drehbar.
3/1: Die Maschine zeigt ihr erfülltes Arbeitsleben: Bleche um die Hebel herum meist stark abgegriffen, einige Stoßstellen, linke Schlittenführung mit Ausbruch (hält aber); einwandfreie Funktion.

Einen Kommaschieber und die Gummifüße erneuert, eine gebrochene Ziffernrad-Achse durch Stahlstift ersetzt, eine Staffelwalze und die Schlittenführung nachjustiert, festgelötete Kurbel wieder abnehmbar gemacht, Ziffern im ZW neu eingelegt, Messingteile und Kurbel poliert, fehlende Glocke ersetzt. Die abgegriffenen Stellen bleiben einstweilen, die wenigen erhaltenen Beschriftungen wären sonst auch weg.

Blechhaube fehlt, Kopie der ersten Seiten einer Originalanleitung vorhanden, KA.

Brunsviga MD

Nicht nur bei astronomischen Berechnungen brauchte man mehr Stellen. Auch Ingenieuren, Versicherungsmathematikern und anderen reichte die übliche Kapazität oft nicht aus. Schon 1905 wurde daher bei Brunsviga das „Modell D“ mit der riesigen Kapazität von 12-12-20 eingeführt.
Einige Jahre später wurden die Modelle der ersten Generation (A bis F) bei gleichbleibender Technik deutlich verkleinert, der Abstand der einzelnen Stellen wurde von 9 mm auf 7 oder gar 6mm verringert. Den neuen Modellen wurde ein M (für Miniatur) vor die alte Modellbezeichnung gesetzt.
Diese Maschine ist eine „MD“ mit 7 mm-Teilung. Sie ist kaum breiter als die alte „B“ und wirkt schon viel filigraner, nur zwei der drei Löschschrauben sind in der alten Größe geblieben (was nun leicht unproportioniert bis skurril wirkt).
Die große Kapazität ist nicht nur für Rechnungen mit vielen Stellen gut, sondern erleichtert auch das gleichzeitige Rechnen an zwei Positionen, z.B. für Dreisatz-Rechnungen oder das gemeinsame Erfassen von Posten und Summen. Wenn man auf der linken Seite eine 1 einstellt und dort lässt kann man sogar ein Zählwerk mit Zehnerübertrag simulieren.
Die große Kapazität war sicher recht teuer, aber trotzdem wurden über 2.300 Exemplare der MD gebaut. Diese hier stammt der Serien­nummer nach aus dem Jahr 1920. Ihre frühere Verwendung und der damalige Preis sind leider unbekannt.

Brunsviga
MD
Nr. 39046

37 x 16 x 11 (o.Brett)
8,4 kg
1911 - 1926
  • EW 12 ZW 12 RW 20;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Flügelschrauben zur Löschung der drei Werke.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot),
  • Anzeige der Drehrichtung rechts neben dem EW.
2/1: dank Blechhaube und irgendwann erfolgter Nachlackierung gut erhalten - ein Ziffernrädchen (nach notdürftiger Reparatur?) mit handgemalten Ziffern, Logo und Teile der Beschriftung abgegriffen, kleinere Lackschäden; einwandfreie und leichtgängige Funktion.

Blechhaube etwas ausgebeult, einige unpassende Schrauben ersetzt, Kommaschieber neu verteilt.

Mit Bodenbrett und Blechhaube, allgemeine Anleitung aller alten Brunsvigas im Netz gefunden.

Burroughs Calculator 520

Ab 1910 liefen die Patente des Comptometers aus und andere Hersteller konnten auch solche Geräte bauen, die alleine durch Tastendruck angetrieben wurden. Der erste Nachbau war der von William Seward Burroughs entwickelte „Calculator“. Der Name war seiner Zeit weit voraus: „Calculator“ war damals noch die Berufsbezeichnung derjenigen, die die Rechnungen durchführten.
1912 kam dieses erste Modell auf den Markt. Es sah aber dem Comptometer zum Verwechseln ähnlich, weshalb dessen Hersteller erfolgreich vor Gericht zog. Also wurde das Gehäuse ab 1915 so gestaltet, wie es die spätere Maschine zeigt.
Die Seriennummer dieses Exemplars gibt das Baujahr 1915 an, es ist also eines der späten Modelle im alten Design.

mehr Infos im
Burroughs
Calculator 520
Nr. 205893

28 x 37 x 15
6,2 kg
1912 - 1915
  • EW 9 RW 10;
  • nur Addition,
  • Löschhebel.
  • zusätzliche 9 in 10.Stelle für Subtraktionen.
2/1: Lackierung etwas uneinheitlich, Firmenlogos irgendwann überlackiert; einwandfreie Funktion.

Kanten und Stoßstellen retuschiert, zerfallene Gummifüße und -puffer (innen) ersetzt, vergilbte Celluloidscheibe ersetzt.

KA.

Die „American Arithmometer Corporation of St. Louis“ wurde 1886 gegründet und produzierte zuerst eine große, druckende Addiermaschine. 1904 zog die Firma nach Detroit um, sie nannte sich nun nach dem 1898 verstorbenen Erfinder „Burroughs Adding Machine Co.“ und wurde zum größten Addiermaschinen-Hersteller der USA. 1953 ändert man den Namen zu „Burroughs Corporation“ und begann auch mit der Herstellung großer Computer.
1986 fusionierte Burroughs mit Sperry und wurde zu „Unisys“. Diese Firma stellt immer noch Mainframe-Computer her, ist aber auch in der Software-Entwicklung und vor allem als EDV-Dienstleister tätig.

Madas IX „MAXIMA“

Die vollautomatische Division (d.h. Werte einstellen und einfach loskurbeln, ohne sich um Unterlauf-Korrekturen oder Schlittenverschiebungen kümmern zu müssen) erleichtert das Arbeiten sehr, ansonsten muss man beim Dividieren ziemlich aufpassen, um keinen Fehler zu machen. Die Division ist auch viel leichter zu automatisieren als die Multiplikation, weil man dabei den Unterlauf der linken Stelle gut zur Steuerung der Abläufe verwenden kann. Gut ist dafür der „Gleitschlitten“, der zum Verschieben nicht mehr angehoben werden muss.
Viele Rechenmaschinen-Hersteller versuchten sich damals daran, H.W.Egli gelang es 1913 als erstem (die Konkurrenz konnte da höchstens die Stopp-Division anbieten). Die neue, von dem deutschen Ingenieur Erwin Jahnz konstruierte Maschinenreihe nannte man MADAS, das steht für Multiplikation-Automatische Division-Addition-Subtraktion. Die römische Ziffer gibt die Stellen im Zählwerk an, das gab es mit 7 bis 11 Stellen. Bald wurden auch Modelle mit Tasteneingabe, Motor und/oder halb- bis vollautomatischer Multiplikation entwickelt.
Die Madas IX mit dem Codenamen "MAXIMA" ist eine eher einfache Variante aus den ersten Jahren, wurde aber noch bis Ende der 20er-Jahre parallel zu den weiterentwickelten Modellen verkauft. Dieses Exemplar stammt aus dem Jahr 1920. Die sehr solide Mechanik hat auch die langen Jahre des stillen Einstaubens schadlos überstanden, alles funktionierte von Beginn an einwandfrei.

aus der Sammlung Kohl

mehr Infos bei
G.Saudan
Egli AG
Madas IX „MAXIMA“
Nr. 6838

61,5 x 19,5 x 17,5
15,9 kg
1913 - ca. 1927
  • EW(+EK) 9 ZW 9 RW 16;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschschieber für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag nur im RW,
  • im ZW weiße Ziffern auf schwarzem Grund bei negativer Zählung (9 immer weiß),
  • ein gemeinsamer Schalter für Drehrichtung im ZW und RW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • automatische Division,
  • Kurbel nur im Uhrzeigersinn drehbar.
3/1: Brünierung teils abgegriffen, Kasten mit Stoßstellen und irgendwann grob überlackiert; einwandfreie Funktion.

Schlitten und EW zerlegt, Ziffernrädchen gereinigt und poliert, Flugrost an vielen blanken Stahlteilen wegpoliert, unpassende Schraube ersetzt.

Blechhaube fehlt, KA.

Hans Walter Egli hat ab 1893 zusammen mit dem Erfinder Otto Steiger eine aufsehenerregende Rechenmaschine entwickelt, die mit Hilfe eines Multiplikationskörpers die schnelle Multiplikation ermöglichte. 1898 erfolgte die Firmengründung in Zürich, die Maschine wurde unter dem Namen „Millionär“ für einige Zeit zum Exportschlager.
Als das Ende dieses Erfolgs abzusehen war entwickelte man die deutlich kleinere MADAS. Auch diese wurde gut ins europäische Ausland exportiert, nur in Deutschland blieb sie wegen der starken Konkurrenz durch Brunsviga, Rheinmetall und andere große Hersteller eher selten. 1918 wurde die Firma zur Aktiengesellschaft.
1931 erschien eine völlig neu konzipierte Baureihe der MADAS, die nochmals deutlich kompakter war. Nun gab es nur noch motorisierte Maschinen mit Tasteneingabe, und auch diese wurden weltweit erfolgreich (außer in den USA, wo man offenbar Patente an Friden verkaufte und dafür auf den dortigen Markt verzichtete).
Doch auch bei der Egli AG endete 1968 die Produktion und 1974 wurde die Liquidation abgeschlossen.

Mercedes-Euklid 4

Ein Gehäuse aus Gusseisen, Stahl und massiven Messingplatten, darauf sitzt „huckepack“ (an Stelle der Einstellschieber der Vorgänger) die hier zum ersten Mal gebaute, riesige Volltastatur. Für heutige Sehgewohnheiten wirkt das recht unproportioniert oder gar skurril. Ein ähnlicher Effekt wie bei den ersten Autos, die ja eher nach „Kutsche ohne Pferd“ aussahen und so gar nicht unseren Vorstellungen von „Auto“ entsprechen.
Alle Rechenmaschinen des Herstellers nutzen zur Werteübertragung Proportionalhebel - das ist eine Mechanik , die sonst niemand gebaut hat: Je nach Tastendruck wird eines von mehreren Zahnrädern einer Vierkant-Achse auf eine von neun parallelen Zahnleisten geschoben. Beim Kurbeln wird die erste dieser Zahnleisten ein wenig verschoben, die zweite doppelt so weit, die dritte dreimal so weit usw. - deshalb „proportional“. Die Zahnrädchen und die Vierkant-Achse drehen sich so je nach gedrückter Taste unterschiedlich stark (bei der Euklid 29 gibt's Bilder und Film). Das Prinzip hat der Konstrukteur Christel Hamann schon um 1903 herum entwickelt, es erwies sich als gut geeignet zur Automatisierung.
Die Maschine hat Zehner­übertrag im Zählwerk, optionalen Additionsmodus (Löschung der Eingabe nach jeder Kurbeldrehung) und Stop-Division: Werte einstellen und Subtraktionen kurbeln, beim Unterlauf sperrt die Kurbel und man muss zwei Schalter umlegen, dadurch springt der Schlitten eine Stelle weiter und man kann weiter­kurbeln (mit Additionen bis zum Überlauf, dann umschalten, wieder subtrahieren usw.). So wird das Dividieren weniger fehleranfällig.
Die Seriennummer lässt auf das Baujahr 1925 schließen. Das Gerät ist vermutlich von einer der vielen Greizer Webereien angeschafft worden. Es überstand dort den 2. Weltkrieg und wurde nach der Verstaatlichung dieser Webereien im VEB Webtex, dann beim VEB Greika benutzt. Als man sie dort (womöglich erst in den späten 70ern?) ausrangierte hat sie ein Angestellter mit nach Hause genommen und später einem Kollegen gegeben.

Mercedes-Euklid
4
Nr. 9172

37,5 x 27,5 x 28,5
18,7 kg
1913 - 1927
  • EW(+EK) 9 ZW 8 RW 16;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschschieber für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im RW,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Schalter für Stopdivision,
  • Schlittenvorlauf nur durch Schieben per Hand, Rücklauf (mit Federkraft) per Taste,
  • Kurbel nur im Uhrzeigersinn drehbar.
3/2: Einige Stoßstellen und provisorisch retuschierte Lackschäden, aber Frontpartie bemerkenswert gut erhalten, Ziffern im ZW teils in mäßigem Zustand, ein Hebelknauf nicht original; alles funktioniert jedoch wieder.

... nach dem Justieren von EW und Schlitten. Seiten entrostet und neu lackiert, Metallteile poliert, einige Tasten neu eingelegt, Ziffernräder ausgebessert, Serviceschildchen wiederhergestellt.

Ein Schreibmaschinen-Koffer aus Holz dient als Transportbehälter, kommentierten Nachdruck der Anleitung für Euklid 1 und 4 aus der Edition Greis (DANKE dafür!) erhalten.

Die Firma Mercedes hat nichts mit dem Auto­hersteller zu tun. 1906 wurde sie als Schreibmaschinen-Fabrik in Berlin gegründet. Die vielen Namensänderungen zeigen ihre wechselvolle Geschichte: Ab 1908 zog die Produktion nach Zella-Mehlis und der Firmenname lautete „Mercedes Büromaschinen Ges.m.b.H.“, ab Ende 1916 (als auch die Verwaltung nach Zella-Mehlis gezogen war) dann „Mercedes Bureau-Maschinen und Waffenwerke G.m.b.H.“, (1922 Produktion der weltweit ersten elektrischen Büro-Schreibmaschine) ab 1927 „Mercedes Büromaschinen-Werke A.G.“, in der DDR dann „VEB Büromaschinenwerke Zella-Mehlis“ mit der Marke „Cellatron“. Unter dieser Marke wurden ab ca. 1960 auch elektronische Geräte produziert, die Firma nannte sich daher ab 1967 „VEB Rechenelektronik Meiningen/Zella-Mehlis“ und ab 1977 „VEB Robotron-Elektronik Zella-Mehlis“. Nach 1990, als das Volks­vermögen der DDR veruntreuhandet wurde, verlieren sich ihre Spuren dann schnell. Am Standort sind heute Behörden und eine Produktion der Schott Lithotec.

Das ursprünglich etwas lädierte Service-Schildchen zeigt, dass die Büromaschinen des VEB Webtex / VEB Greika von der privaten Werkstatt Kurt Fülle gewartet wurden. Auch die gibt es heute nicht mehr.

Infos zum Erfinder gibt es bei der Hamann Manus „C“.

Lindström Record

Diese Staffelwalzenmaschine hat Hugo Cordt konstruiert. Erster Hersteller war eine Fabrik in Oldenburg, später Behr in Dresden und Berlin, ab etwa 1920 die Carl Lindström AG in Berlin. Sie ist eine der ganz frühen Staffelwalzen-Maschinen mit Tastatur, hat schon den optionalen Additionsmodus (Eingabelöschung nach jeder Kurbeldrehung) und ist vermutlich die erste Maschine mit der schrägen Kurbelstellung, die der Anatomie des Bedieners sehr entgegen kommt. Das Lineal muss hier noch per Hand versetzt werden, die Löschung der beiden Werke im Lineal ist nur möglich wenn man es anhebt. Über den dazu genutzten großen Griff erfolgt auch die Umschaltung zwischen Addition und Subtraktion. Was auch fehlt ist die Möglichkeit, Resultat- und Zähl­werk gegenläufig zu schalten. Das macht einige Rechnungen etwas schwieriger.
Für bessere Ablesbarkeit sind dicht nebeneinander stehende Ziffern gut. Hier erreichte man das durch versetzt angeordnete Staffelwalzen (die anders als überall sonst senkrecht stehen). Die Volltastatur ermöglicht eine schnelle Eingabe und im Gegensatz zur modernen Zehnertastatur funktionieren die „klassischen Tricks“ für Standard-Sprossenrad-Maschinen noch: z.B. Dreisatz in einem Zug rechnen, Wurzeln per Toepler-Verfahren ziehen, Eingabe für ein zusätzliches Zählwerk teilen, ...
Die Seriennummer (falls sie wirklich stimmt, denn an vielen Stellen der Maschine sind auch andere Nummern eingestanzt) ist eine der eher hohen, aber man kann ihr kein genaues Baujahr zuordnen. Ich schätze es auf ca. 1925.

aus der Sammlung Russo

Lindström
Record
Nr. 5908 (?)

37,5 x 36,5 x 20,5
12,9 kg
1913 - ca. 1927
  • EW(+EK) 9 ZW 9 RW 16;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschschieber für RW und ZW (nur bei angehobenem Lineal),
  • Löschhebel für das EW (zugleich Schalter für den Additionsmodus)
  • Zehnerübertrag im RW nur über 13 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer weiß),
  • ein gemeinsamer Schalter für Drehrichtung im ZW und RW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar (nur bei angehobenem Lineal),
  • Linealbewegung nur durch Anheben und Versetzen per Hand,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • ein Clip kann die Löschung der linken 1 verhindern (ZW-Emulation)
  • Kurbel nur im Uhrzeigersinn drehbar.
2/1: Gehäuse mit vielen ausgebesserten Stoßstellen, insgesamt aber guter Gesamteindruck, Tastatur deutlich abgenutzt; funktioniert einwandfrei.

Gesamtlöschung und einige Federn im RW und ZW justiert, zwei Federn im RW nachgebaut, verbogenen Linealhebel gängig gemacht, zu kurze Schraube der Kommaleisten- Federung ersetzt, Begrenzungen für korrekte Nullstellung der Eingabekontrolle in allen Stellen eingebaut, lose Tastenköpfe befestigt, fehlende Taste der „Dauer‑1“ ersetzt, Klingelleiste und Umstellung im ZW nachgefeilt, Metallteile poliert, abgebrochene Schraube ausgebohrt und neues Gewinde geschnitten, einige Ziffern in Tastatur, Ziffernrädern und Stellennummerierung sowie Schadstellen am Gehäuse durch Lackstift bzw. Teillackierung ausgebessert, zwei Füße ersetzt.

KA.

Der Schwede Carl Elöf Lindström gründete 1897 in Berlin eine mechanische Werkstatt, in der anfangs Phonographen und Diktiergeräte gebaut wurden. 1908 wurde sie zur AG und erweiterte ihr Geschäftsfeld auf die Produktion und den Vertrieb von Schallplatten. Zur Firma gehörten schließlich weltbekannte Label wie „Odeon“ und Lindström wurde in den 20er-Jahren zum international agierenden „Schallplattenkönig“. Die Rechen­maschinen blieben stets nur ein Randprodukt.
1926 erwarb die englische Columbia die Aktien­mehrheit, Columbia wiederum ging 1931 im EMI-Konzern auf. Der Name „Lindström“ hielt sich als GmbH noch bis 1972, als die Firma mit der Electrola zur EMI Electrola verschmolz.

Thales C

Die „C“ ist das Grundmodell der Thales-Sprossen­rad-Modelle mit Zehnerübertrag im Zählwerk und mittlerer Kapazität. Darauf bauen die Modelle CE (mit Einstellkontrolle), CR (mit Rück­übertragung), CER (mit beidem) und CES (mit Einstellkontrolle und Speicherwerk) auf.
Dieses Exemplar von etwa 1920 hat noch eine ganz frühe Schlittenmechanik, ist schon mit dem später üblichen Löschkamm nachgerüstet (im Deckblech sind noch die Schlitze des alten Systems) und als Besonderheit ein Zugband mit starker Feder, wie man es sonst eher von Schreibmaschinen kennt. Das kann man zur Division in den Schlitten einhängen, ein Druck auf die Schlittentaste führt dann schon zur Stellenver­schiebung. Die Einrichtung ist nicht ganz ausgereift: Weil das Band seitlich zieht kann sich der Schlitten manchmal etwas verkanten. Und weil eine Einstellsperre fehlt könnten sich beim Kurbeln die Sprossenräder verstellen, wenn die Rädchen im Resultatwerk zuviel Widerstand leisten.
Dieser Entwicklungsstand hat als weitere große Besonderheit eine seltsame Mechanik, die je nach erster Kurbeldrehung das Zählwerk auf Plus- oder Minuszählung stellt: Dazu wird nicht der Einzahn auf andere Drehrichtung geschaltet, sondern bei einer ersten „negativen“ Kurbeldrehung werden seitlich verschiebbare Segmente mit neun Zähnen in jeder Stelle so verschoben, dass jeweils 99999999 abgezogen wird - was das Gleiche ist wie 1 dazu zu zählen. Das erfordert dann allerdings viel Kraft und erhöht den Verschleiß. Ist die erste Kurbeldrehung dagegen „positiv“, dann bleiben diese Segmente ohne Kontakt zu den Ziffernrädchen, nur in der ersten Stelle dreht ein Einzahn das Rädchen um eins weiter. Löschen des Zählwerks setzt diese Mechanik dann in Wartestellung zurück.

mehr Infos bei
D.Bölter

Einzahn und Zahnsegmente:

Thales
C
Nr. 8854

28,5 x 15 x 12
5,4 kg
1914 - 1940
  • EW 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • Löschkamm für EW,
  • 2 Flügelschrauben zur Löschung von ZW bzw. RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Zählrichtung im ZW wird von erster Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich,
  • gefedertes Zugband, für Division einzuhängen,
  • Entsperrhebel für die Kurbel-Drehrichtung.
2/2: Gehäuse wieder ansehnlich, Sockel noch unbearbeitet und Ziffern etwas matt, Kommaschieber nicht original; die Sprossenräder laufen nach 100 Jahren immer noch einwandfrei, alles funktioniert, die Negativzählung im ZW erfordert aber etwas Kraft und das Zugband zieht den Schlitten nicht ganz zuverlässig.

Flugrost an fast allen Metallteilen entfernt, Schlosskasten repariert und nachlackiert, Feder der Drehrichtungssperre nachgespannt, Zugbandhalter gerade gebogen, ausgebrochenes Ziffernrad neu aufgebaut, Schlitten und Deckblech nachlackiert, fehlende Kommaschieber ersetzt.

Die Thaleswerke waren die erste Firmengründung von Emil Schubert, der bei Triumphator das Konstruieren von Rechenmaschinen erlernt hatte. 1911 machte er sich in Rastatt zusammen mit Geldgebern selbständig und entwickelte dort Sprossenrad-Maschinen, für deren fortschrittliche Konstruktion er viele Patente erhielt. 1936 wurde Schubert wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ von seinen Geschäftspartnern aus der Firma gedrängt. Nach dem Krieg wurden noch fast zwei Jahrzehnte lang erfolgreich Thales-Maschinen verkauft, doch 1965 meldeten die Thaleswerke Konkurs an.
Emil Schubert übrigens gab, wie man weiter unten sehen kann, die Entwicklung von Rechenmaschinen nicht auf.

Rema 1

Diese Maschine wurde vermutlich um 1918 herum gebaut. Sie hat ebenfalls weder Einstellkontrolle noch Einstell­sperre, ein Zehnerübertrag im Zählwerk fehlt hier. Fortschrittlich sind das Miniaturformat (sie ist eine der kleinsten Sprossenrad-Maschinen überhaupt) und die Kurbellöschung der Zählwerke, die hier (durch die außenliegenden gebogenen Hebel) sogar eine Entspannung der Federn hat. Das haben andere Hersteller nur selten und erst nach 1945 so gebaut, es macht das Löschen leichtgängig und materialschonend.
Insgesamt fällt die extrem präzise und hochwertige Verarbeitung auf: Viel Bronze und Messing, selbst die kleinen Kurbelgriffe sind aus Metall. Trotz des sehr schlechten Zustands der Deckbleche: Nach nun über hundert Jahren reichten drei Tröpfchen Öl, dann lief das Maschinchen wieder einwandfrei und leicht.
Der damalige Preis ist unklar, aber die Verwendung ist bekannt: Die Maschine stammt aus Solingen und wurde für die Abrechnungen einer Gesenkschmiede benutzt (dort wurden Rasiermesser hergestellt). Ich bekam sie von den Enkeln der damaligen Inhaber.

mehr Infos bei
D.Bölter

Zustand vorher:

Rema
1
Nr. 2253

22 x 12,5 x 9,5
4,0 kg (m. Brett)
1915 - 1924
  • EW 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 1 Löschkamm und 2 Löschkurbeln.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot),
  • Entsperrhebel für die Kurbel-Drehrichtung (beim Löschung des EWs nötig).
2/1: Deckbleche teils restauriert, Seiten und Rückwand in sehr gutem Originalzustand, einige Chrombeläge abgeblättert; alle Funktionen einwandfrei.

Mehrere Deckbleche neu lackiert, abgestoßene Kurbelhalterung nachlackiert, gebrochene Feder im Löschkamm ersetzt.

Mit Bodenbrett, zugehörige Haube fehlt, KA.

Die Rema GmbH in Hannover wurde kurz vor dem 1. Weltkrieg gegründet und bereits 1922 von Grimme, Natalis & Co. aufgekauft. Bis 1927 wurde dort weiterhin produziert, die Maschinen teils als „Rema“, teils als „Brunsviga“ verkauft. Dann wurde die Produktion nach Braunschweig verlegt, die zur Herstellung benutzten Maschinen und Werkzeuge gingen offenbar an Mira. Die Marke Rema wurde noch bis in die 50er-Jahre für einige ins Ausland exportierte Rechenmaschinen genutzt.
Das schöne Schildchen des damaligen Solinger Büromaschinen-Händlers verweist ebenfalls auf eine nicht mehr existierende Firma.

Burroughs Calculator 5205

Das wegen einer Klage des Konkurrenten geänderte Gehäuse des ersten „Calculator“ blieb bis nach dem 2. Weltkrieg weitgehend gleich, nur die „Füßchen“ fielen irgendwann weg, das Schwarz-Grün wurde gegen Ende der Produktion zu einem moderneren Dunkelgrau-Hellgrau. Auch Modelle mit zweitem Zählwerk (zum Summieren von Einzelrechnungen) und/oder Elektromotor (für noch leichteren Tasten­druck) wurden entwickelt.
Dieses Exemplar hat eine niedrige Seriennummer, es ist vermutlich schon 1919 gebaut worden. Der damalige Neupreis lag bei etwa 200 $, also etwa 2.400 Mark. Das war ungefähr das 16‑fache des tariflichen Durchschnittslohns eines Arbeiters. Dieser hohe Preis erklärt vielleicht die eher geringe Verbreitung solcher Geräte in Europa.

mehr Infos im
Burroughs
Calculator (Series 5)
Nr. 5-484672

26 x 39 x 13
5,2 kg
1915 - nach 1950
  • EW 9 RW 10;
  • nur Addition,
  • Löschhebel.
  • zusätzliche 9 in 10.Stelle für Subtraktionen.
2/1: Drei Tastenköpfe und Löschhebel nicht original; einwandfreie Funktion.

Gehäuse neu lackiert, weitgehend unleserliche Tastenbeschriftung ergänzt, fehlende Tastenköpfe, Schrauben und den Löschhebel ersetzt.

KA.

Rechenaffe „Consul“

Das hier ist eigentlich eher ein Lernspielzeug, Kinder sollten damit das kleine Einmaleins üben. Der Rechenaffe wurde um 1915 herum entwickelt, doch bis heute werden Replikas aus Pappe, Plastik oder wie hier aus Blech gebaut. Dieser recht originalgetreuen Replika fehlte nur die einhängbare Additionstafel des Originals, ich habe inzwischen eine nachgedruckt.
Aufgrund der heute anscheinend unvermeidlichen Warnhinweise („Zum Spielen nicht geeignet, Blech kann scharfe Kanten haben“ ... sind heutige Kinder eigentlich dümmer oder empfindlicher als damals?) vermute ich, dass heute alle Rechenaffen bei Erwachsenen landen, obwohl diese das kleine Einmaleins im Schlaf können sollten. Auch diesen Rechenaffen hat kein Kind jemals angefasst, den bekam ich zum 60.Geburtstag geschenkt.

Consuls Urahn und Verwandte bei
W.Denz
DBS (Düsseldorfer Blechspielwaren)
Consul the Educated Monkey

14,5 x 15,5 x 1,5
110 g
1915 - heute
  • Eingabe ganzzahliger Faktoren von 1‑12 über die „Füße“,
  • Anzeige des Produkts (bzw. der Summe) zwischen den „Händen“.
1/1: Neuwertig,
Mit Umkarton, Anleitung ist aufgedruckt.

Continental Standard-10

In den USA gab es schon seit 1892 erste druckende Addiermaschinen. Für den kaufmännischen Bereich waren sie schnell unentbehrlich, auch nach Europa wurden sie bis zum 1.Weltkrieg in großen Mengen importiert. Vor allem die Burroughs Klasse 1 mit ihren Glaswänden stand auch hierzulande im Mittelpunkt vieler Büros.
Im Krieg stockte der Nachschub aus den USA, was schnell zu Eigenentwicklungen Anlass gab. Diese Standard-10 der Wanderer-Werke ist die erste druckende Addiermaschine aus Europa. Mit über 30 kg ist sie immer noch imposant, wie die Burroughs hat sie noch Glasscheiben und zeigt damit stolz ihre Mechanik.
Besser als bei der Konkurrenz ist aber, dass man hier die gerade gedruckten Werte ablesen kann ohne dazu den Papierstreifen vorzudrehen. Außerdem hat sie direkte Subtraktion (saldiert aber noch nicht, zeigt also negative Summen nur als Komplement). Schon damit war sie „auf Augenhöhe“ mit den damals neuesten Burroughs-Maschinen der Klasse 3, aber sie kann noch etwas mehr: Man kann links 2-5 Stellen vom Druckwerk abteilen und dann entweder in zwei Spalten nebeneinander addieren oder z.B. Belegnummern oder Kalenderdaten eingeben. Das ist schon ein erster, zarter Ansatz hin zu den späteren Buchungsmaschinen.
Es gab auch Varianten der Standard mit 15 Stellen, mit Breitwagen (z.B. für Kontoblätter oder Rechnungen) oder auch mit einem riesigen Motor, der unter dem Tisch angebaut wurde.
1925 brachte Burroughs die kleineren, technisch überlegenen „Portables“ auf den Markt, Wanderer ersetzte daher 1928 die Standard durch die deutlich kleineren, heute häufig zu findenden Pultmaschinen.
Das hier ist ein recht frühes, einfaches Exemplar: Die Seriennummer ist niedrig und es hat noch nicht die später übliche Nichtrechen-Taste. Ich schätze das Baujahr daher auf etwa 1919. Es stammt aus der Mainzer Volksbank, stand dort noch lange unbenutzt herum und wurde von einem Mitarbeiter der Bank vor der Verschrottung gerettet.

links:
rechts innen:
links innen:
Wanderer
Continental Standard-10
Nr. 2879

37,5 x 59 x 31
31,2 kg
1916 - ca.1928
  • EW 10 RW 10;
  • Addition und Subtraktion,
  • Löschtaste „K“
  • Sichtbares Resultatwerk,
  • Wiederholtaste „R“ für notdürftige Multiplikation,
  • Summe und Zwischensumme mit gleichem Hebel (letztere mit zusammengedrücktem Griff, für beides zuvor Leerzug machen!),
  • Drehschalter zur Teilung des Druckwerks.
2/1: Sehr guter Gesamteindruck, aber linke Glasscheibe durch Plexiglas (vorher Blech) ersetzt, Gehäuse irgendwann überlackiert (Schriftzug „Continental“ nur noch zu erahnen); Funktion einwandfrei.

Viele Metallteile poliert, eine fehlende 9 ersetzt, Hebelgriff geklebt, Druckteilung justiert, Blech durch Acrylglasscheibe ersetzt.

Mit Originaltisch, KA.

Die Geschichte der Wanderer-Werke ist besonders wechselvoll: Aus der kleinen „Chemnitzer Velociped-Fabrik Winklhofer&Jaenicke“ entstanden 1896 die „Wanderer-Fahrradwerke“ in Schönau. Ab 1908 fiel das Fahrrad im Namen weg - produziert wurden sie aber, nun neben Büromaschinen, Motorrädern und anderem weiterhin. Ein Zweigwerk im Nachbarort produzierte Automobile und LKW, das wurde 1932 mit Audi, Horch und DKW zur Auto-Union.
1948 wurden die Wanderer-Werke enteignet. Die Eigentümer und Werksleitung gingen nach München und gründeten dort die neue Firma „Wanderer“. Die war zeitweise größter westdeutscher Büromaschinen-Hersteller, aber die aufkommende Elektronik führte 1968 zur Einstellung der Produktion. Teile der Firma wurden zu einer Keimzelle der Nixdorf Computer AG. Als Holding existierte Wanderer bis zum Konkurs 2010. Dann baute die ZEG drei Jahre lang „Wanderer“-Fahrräder, heute nutzt Hercules die Markenrechte.
Die Fabriken in Chemnitz wurden aufgeteilt. Die Werk­zeugherstellung verblieb in Chemnitz und war bis über die Wiedervereinigung erfolgreich. Sie gehört heute zur Starrag Group aus der Schweiz.
Auch die Büromaschinensparte konnte bald wieder (als „VEB Wanderer-Continental Büromaschinenwerk“) produzieren. Doch schon 1951 wurde der Betrieb mit dem Astra-Werk zum „VEB Büromaschinen Chemnitz“ vereinigt, der bald Teil des Zentronik-, später des Robotron-Kombinats wurde.
Ab 1955 wurde die gesamte Büromaschinenproduktion nach Erfurt verlagert. Vor allem die dort gebauten Buchungs- und Schreibmaschinen (Marke „Ascota“) wurden erfolgreich auch in den Westen exportiert. In Chemnitz produzierte man als „VEB Industriewerke“ einige Jahre lang noch hauptsächlich Flugzeugteile, dann übernahm ein Hersteller von Pumpen und Motoren die Fabrik.
Im Laufe der Wiedervereinigung wurde die Produktion in Erfurt als „Robotron Optima GmbH“ privatisiert, doch trotz einiger Umfirmierungen und einer Produktions­verlagerung nach Mexiko ging das Unternehmen 2004 in Konkurs.

Addiator

Diese ersten in Serie gefertigten Zahlenschieber von Addiator brachten den Durchbruch für die Gerätegattung und der Markenname wurde zum Synonym für alle Zahlenschieber (wie „Tempo“ für's Taschentuch). Das Modell hat im Gegensatz zu allen später gebauten Addiatoren keinen eigenen Namen, es wird heute als Basismodell bezeichnet. Damals war es einfach „die(!) Addiator“.
Dieses Gerät muss aus den ersten drei Jahren stammen: Der Aufdruck lautet „Patente beantragt“ auf englisch, und erst 1923 wurde in Deutschland das erste Patent erteilt. Geschützt wurden darin vor allem die Zweiseitigkeit (eine Seite zum Addieren, die andere zum Subtrahieren) und die rote Färbung um die Einstecklöcher, in denen man „nach oben und um die Ecke“ ziehen muss, um den Zehner­übertrag zu machen.
Damit ist die Bedienung bereits halb erklärt: Man steckt den Griffel in jeder entsprechenden Stelle in das Loch neben der zu addierenden Ziffer und zieht nach unten zum Anschlag. Wenn man aber „ins Rote“ steckt, dann nach oben zum Anschlag, nach links und wieder bis zum Anschlag (also die höhere Stelle um eins) nach unten. Das macht man für alle Stellen der zu addierenden Zahl, dann steht das Ergebnis in den Schaulöchern oben. Auf der Rückseite wird entsprechend subtrahiert.

mehr Infos bei
F.Diestelkamp
viele Anleitungen im
Addiator
(Basismodell)
Nr. M054624

11 x 17,5 x 1
195 g
1920 - ca. 1970
  • Eingabe über 9 Schieber,
  • Addition und Subtraktion,
  • Löschbügel.
  • eine Seite (Messing) zum Addieren, eine (vernickelt) zum Subtrahieren.
2/1: Einige Kratzer; alle Schieber wieder leichtgängig.

Griffel aus Palm-Stift und Metallspitze zurechtgefeilt.

Anleitung im Netz gefunden.

F.Diestelkamp erklärt die Geschichte der Firma auf Addiator.de wunderschön. Daher hier nur die wichtigsten Daten:
Gründung als GmbH im Februar 1920 durch Carl Kübler in Berlin, 1933/34 Umwandlung in eine Einzelfirma, im 2.Weltkrieg (natürlich) vorwiegend Kriegsproduktion, ab 1945 Übernahme durch die Tochter Margot, ab 1958 Verlegung der Produktion nach Wolfach im Schwarzwald, 1974 Ende der Produktion bei Addiator, 1975 Löschung der Firma, aber bis 1990 noch geringe Produktion von Addiatoren bei der „Metallindustrie Gutach“.

Brunsviga MR

Dies ist wieder eine der M(iniatur)-Maschinen von Brunsviga: Die Technik blieb fast gleich wie bei den alten, großen Maschinen, aber die Maße sind nun ungefähr um ein Drittel geschrumpft. Die MR hat noch die Flügelschrauben und auch keine Einstell­kontrolle. Aber das Zählwerk hat (trotz der kleinen Ziffern) nun erstmals Zehner­übertrag und kann bei negativer Zählrichtung von weißen auf rote Ziffern schalten indem das Gehäuseteil dort etwas nach oben klappt.
Nur der rechte Schlittenteil (mit dem Resultatwerk) ist beweglich, das Zählwerk bleibt stets an Ort und Stelle. Das ist etwas, was es so bei keiner anderen Rechenmaschine gibt (zwar haben auch die meisten späteren Brunsvigas ein feststehendes Zählwerk, aber bei denen sitzt es dann über der Eingabe und die Umschaltung funktioniert ganz anders).
Die MR wurde nur wenige Jahre und in geringen Stückzahlen gebaut. Dieses Exemplar stammt aus dem Jahr 1921.
Der große Schlitz im Deckblech und der ungenutzte Zapfen an der rechten Seite sind eigentlich nur damit erklärbar, dass es hier ursprünglich eine außenliegende Löschklappe gab, wie sie z.B. auch bei der Triumphator C zu finden ist. Andererseits kenne ich keine Brunsviga mit so einer Löschklappe und es ist kaum vorstellbar, dass die Flügelschraube hinten links und das Getriebe nachträglich eingebaut wurden, denn dafür müssen auch Rückenblech und Sprossenräder passen. Vielleicht hatte man bei Brunsviga ganz kurz mit den verschiedenen Löschmechanismen experimentiert?
Kennt jemand Brunsvigas mit Löschklappe? Dann wüsste ich gerne mehr dazu!

Größenvergleich
Brunsviga B zu MR:

(Das Gehäuse der MR ist zwar breiter, aber es
enthält den Zehnerübertrag des Zählwerks.)
Brunsviga
MR
Nr. 44222

30,5 x 13 x 10 cm *
4,6 kg *
1920 - 1924
  • EW 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Flügelschrauben zur Löschung der Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • im ZW rote Ziffern, wenn erste Kurbeldrehung nach Löschung negativ ist,
  • Anzeige von + und - für die letzte Kurbeldrehung,
  • getrennte Glocken für ZW und RW.
1/1: Wieder sehr schöner Gesamteindruck; alles funktioniert wieder einwandfrei.

Mehrere Ziffern auf den Blechen und den Richtungsanzeiger neu eingelegt, die meisten Seitenbleche, Getriebegehäuse, Kurbelhalter und Bodenplatte neu lackiert, alle blanken Metallteile von Flugrost befreit und poliert, Ziffernräder gereinigt und einige Ziffern ergänzt, im RW eine Raste und Löschung justiert, Sicherung der ZW-Löschung nachgefeilt, Kommaleiste des EW nicht ganz original ergänzt, mehrere fehlende und falsche Schrauben ersetzt (Deckblech war bereits sehr schön neu lackiert).

Mit Bodenplatte aus Stahl, Anleitung für alle B-. MR-, MH-Modelle als PDF vorhanden, KA.

Brunsviga MH

Die nächste M-Maschine von Brunsviga. Sie wurde 1924 gebaut und hat noch die ältere (aber doch ganz zuverlässige) Schlitten­mechanik. Die Anzeige oben ist noch keine Einstell­kontrolle, wie sie später zum Standard wurde, sondern ein zweites Zählwerk. So konnten auf einer MH Ergebnisse von Divisionen einzeln angezeigt und gleichzeitig aufsummiert werden.
Dieses obenliegende Zählwerk mit Zehnerübertrag, den weißen und roten Ziffern und von links nach rechts beweglicher Blende wurde bei Brunsviga bald üblich, nur wenige der späteren Maschinen besaßen noch ein Zählwerk im Schlitten.
Das zweite Zählwerk machte das Modell relativ teuer: 1921 kostete eine MH 675 Reichsmark (etwa sechs Monatslöhne). Solche Maschinen waren also nicht sehr häufig, doch die MH wurde immerhin knapp 6.000 Mal gebaut.
Das Gerät fand jemand beim Ausräumen von Großvaters Keller. Der hatte in Rüsselsheim bei Opel gearbeitet, wahrscheinlich hat er die MH von dort mitgebracht als sie ausgemustert wurde.
Gekauft wurde die Maschine damals bei der Generalvertretung Berg in Frankfurt.

Brunsviga
MH
Nr. 64453

24,5 x 16,5 x 13 (o.Brett)
6,5 kg (m. Brett)
1920 - 1926
  • EW 9 1.ZW 8 2.ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 4 Flügelschrauben zur Löschung der vier Werke.
  • Zehnerübertrag auch im oberen ZW,
  • im oberen ZW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung nach Löschung negativ ist,
  • unteres ZW mit weißen Ziffern 0‑8 und roten Ziffern 1‑9,
  • 2 Anzeigen von + und - für oberes ZW und letzte Kurbeldrehung.
3/1: Furnier des Bodenbretts stark beschädigt, Deckbleche mit vielen Lackschäden, sämtliche Schriften und Nickelteile aber erstaunlich gut erhalten. Alle Funktionen einwandfrei und sehr leichtgängig.

Alle nicht vernickelten Metallteile entrostet und poliert, soweit sie ohne Zerlegung der Werke erreichbar waren, schwergängige Schiebeblende durch Zurechtbiegen und Polieren wieder gängig gemacht, zwei Gummifüße erneuert, Furnier der Bodenplatte festgeklebt. Den letzten originalen Kommaschieber mit zwei provisorischen Schiebern ergänzt.

Mit Bodenbrett und Blechhaube, Anleitung für alle B-. MR-, MH-Modelle als PDF vorhanden, KA.

Comptometer H

Die Comptometer von Felt & Tarrant wurden schon 1884 erfunden und sind damit das „Original“ dieser Maschinengattung, Burroughs und andere haben das dann kopiert. Schon der Tastendruck (genauer: das Loslassen) bewirkt das Aufaddieren zur Anzeige, was diese Geräte noch bis heute zu den schnellsten Addierern überhaupt macht. Alle weiteren Grund­rechenarten sind mit speziellen, damals in Kursen erlernten Verfahren auch zu rechnen.
Von Serie zu Serie gab es kleine Änderungen und Verbesserungen. Ein frühes Comptometer-Merkmal sind die kleinen Tasten, mit denen man den Zehner­übertrag unterbrechen kann; so wird die Subtraktion deutlich einfacher. Schon ab der F‑Serie hatten die Comptometer eine Sicherung gegen unvollständiges Drücken der Taste: Dann blockiert die Tastatur, bis man die betreffende Taste ganz und danach einen Entsperrknopf drückt. Ab der H‑Serie klingelt beim ersten Tastendruck nach dem Löschen eine Glocke. Das zeigt dem Bediener, dass er seine Rechnung auf einer korrekt gelöschten Maschine beginnt. Ein weiterer Vorteil sind die Öllöcher, wegen denen die Maschine seltener geöffnet werden muss. Auch bei der Wartung sollte es offenbar schnell gehen!
Comptometer gab es meist mit 8, 10 oder 12 Stellen, häufig auch mit besonderen Tastenreihen für die nichtdezimalen Währungen. Dieses Exemplar mit normaler Tastatur ist ungefähr 1924 gebaut worden. Die Plakette ist deutsch beschriftet, also war das ein für den Export nach Deutschland bestimmtes Gerät. Aber in den USA kostete so ein Modell etwa 400 $, es müsste daher in Deutschland deutlich mehr als 1.500 RM gekostet haben. Das wäre dann schon mehr als ein durchschnittlicher Jahreslohn gewesen. Das erklärt vielleicht, warum die Gerätegattung in Deutschland relativ selten zu finden ist.

mehr Infos bei
J.Scherphuis
Funktion des Comptometers im
Youtube-Video
Felt & Tarrant
Comptometer H
Nr. 232615

27 x 38 x 14,5
9,6 kg
1920 - 1926
  • EW 10 RW 11;
  • nur Addition,
  • Löschhebel.
  • Sicherung gegen unvollständigen Tastendruck.
2/1: Guter Gesamteindruck, aber viele kleine Gebrauchsspuren; Funktion einwandfrei.
Anleitung im Netz gefunden.

Dorr Eugene Felt (seine Eltern hießen noch „Filz“) war Vorarbeiter eines Walzwerks. Ab 1884 (mit 22 Jahren) begann er mit der Entwicklung einer neuartigen Addier­maschine. In den folgenden Jahren erhielt er die Unter­stützung wechselnder Geschäftspartner, zuletzt von Robert Tarrant, dem Inhaber einer Maschinenfabrik in Chicago. 1889 gründeten dort beide gemeinsam die „Felt & Tarrant Manufacturing Co.“. Ab 1957 hieß die Firma „The Comptometer Co.“. 1961 fusionierte sie mit dem Rechenmaschinen-Hersteller Victor zur „Victor Comptometer Corporation“, im gleichen Zug wurden die Namensrechte für Großbritannien an den Hersteller der Sumlock verkauft. Die Produktion mechanischer Rechen­maschinen endete 1973, doch Teile der Firma haben als „Victor Technology“ überlebt und verkaufen (eingekaufte) Bürotechnik, darunter auch noch einige Rechner.

Triumphator C

Modell C ist die erste „kleine“ (und „nur“ etwa 8 kg schwere) Sprossenrad-Maschine des Herstellers. Vorgänger war die technisch fast gleiche, aber viel größere und doppelt so schwere Triumphator 1.
Von Anfang an hatten die Triumphator-Maschinen eine Einstellkontrolle (weil anfangs fremde Patente die Beschriftung an den Einstellhebelchen verboten) und sehr früh auch schon den Zehner­übertrag im Zählwerk (der funktioniert hier auf gleiche Weise wie im Resultatwerk und sitzt im linken, etwas niedrigeren Gehäuseteil). Modell C wurde sehr erfolgreich und ist der Vorläufer der später weit verbreiteten CR-, CN- und CRN‑Modelle.
Das Alter der Maschine ist schon an der noch ziemlich einfachen Schlittenmechanik, den zwei Flügelschrauben und der Beschriftung zu erahnen. Die Serien­nummer datiert sie dann genau auf das Baujahr 1924.
Diese Maschine stammt ebenfalls aus Greiz (und war „Beifang“ beim Abholen der Euklid 4). Mit ihr wurden früher in einem Lebensmittelgeschäft in Auerbach (Vogtland) Löhne, Preise und Inventuren gerechnet. In der Preisliste von 1925 steht dieses Modell mit 492 Reichsmark (ca. vier Monatslöhne), für 25 Mark mehr gab es da schon eine etwas weiter entwickelte „C“ mit Hebellöschung.

Triumphator
C
Nr. 36450

31 x 15 x 12 cm (o. Kasten)
7,2 kg
1920 - 1934
  • EW(+EK) 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Flügelschrauben für Löschung von RW und ZW, Löschklappe für das EW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Überschleuderungskorrektur der Einstellkontrolle (nur bei entriegelter Kurbel bedienbar).
1/1: Nur kleine Gebrauchsspuren, sehr guter Gesamteindruck; alles funktioniert einwandfrei.

Ein Sprossenrad wieder gängig gemacht, Kastenschlüssel ersetzt, Deckblech teils neu lackiert, Ziffern neu eingelegt, im EW fehlende Kommaschieber-Leiste ersetzt

Mit Bodenbrett und Blechhaube, KA.

Triumphator war einer der erfolgreichsten Hersteller von Sprossenrad-Maschinen. 1900 wurde in Leipzig eine kleine Röhrenfabrik gegründet, in der man sich ab 1903 am Bau erster Rechenmaschinen versuchte. Das war offenbar erfolgreich, denn schon 1908 firmierte die Fabrik als „Triumphator Rechen­maschinenfabrik GmbH“. Nach dem 1. Weltkrieg stiegen die Verkaufs­zahlen erheblich an, bis in DDR-Zeiten (dann natürlich als VEB) wurden noch Rechenmaschinen gebaut. 1963 endete allerdings die Produktion mechanischer Rechner und Triumphator wurde Zulieferer für andere Firmen. 1969 wurde Triumphator in das Robotron-Kombinat eingegliedert und produzierte bis zur Zerschlagung des Konzerns 1990 vor allem elektronische Baugruppen für DDR‑Computer. Die westdeutsche Firma Steinel übernahm danach einen Teil der Gebäude, des Archivs und des Personals.

Tomoe そろばん (Soroban)

Die Japaner entwickelten den im 16. Jahrhundert bei ihnen eingeführten Suan Pan weiter. In der Mitte des 19. Jahrhunderts fiel zuerst die zweite Fünfer-Perle im „Himmel“ weg (vermutlich weil in Japan nicht hexadezimal gerechnet wurde), erst etwa 1920 dann auch die fünfte Einer-Perle in der „Erde“ (wohl als Anpassung an das Dezimalsystem). So wurde die Bedienung deutlich beschleunigt.
Auf dieser letzten Entwicklungs­stufe steht das hier gezeigte Modell. Es besteht ganz traditionell aus Holz und Bambus, die flache Form der Perlen ist typisch für den Soroban. Es hat 23 Stellen, viel mehr als die meisten heutigen Taschenrechner. Die hohe Stellenzahl ist nützlich für schnelle Multiplikation und Division (die z.T. unseren Methoden mit Papier und Bleistift ähneln) und zum Festhalten von Zwischenergebnissen.
Das Rechnen mit dem Soroban (oder dem Suan Pan) wird in vielen ostasiatischen Schulen noch gelehrt, es gibt immer noch nationale und internationale Schnellrechner-Wettbewerbe.
Ein neuer 23-stelliger Soroban kostet heute etwa 5.000 bis 12.000 Yen (ca. 50 bis 120 €), dieser stammt aber aus einem Prager Antiquitätenladen.

traditionelle Soroban-Herstellung im
Youtube-Video
Tomoe
Soroban No.43150
33 x 6,5 x 2
160 g
ca. 1920 - heute (ähnliche Modelle)
  • 23 Bambusstäbchen und 115 Holzperlen
    oder technisch:
    ein 23stelliges Rechenregister für Eingabe, Speicherung und Resultatanzeige
  • Markierungen an jeder 3. und 6.Stelle
1/1: nur minimale Gebrauchspuren.
Anleitung im Netz gefunden.

Tomoe wurde 1918 von Yuji Fujimoto gegründet. Ab 1948 hieß die Firma Tomoe Abacus Co. Ltd. und sie existiert auch heute noch. Vermutlich ist das nun der einzige Soroban-Hersteller weltweit. Die Firmen-Webseite ist sehenswert: Sie hat zwar auch eine englische Version, aber die japanische Seite mit Übersetzungstool betrachten ist lustiger.

Kuhrt A2

In den von Ernst Kuhrt entwickelten Maschinen werden die Eingabewerte auf besondere Weise übertragen: Sie haben Axial-Sprossenräder, d.h. hier werden Sprossen nicht radial nach außen sondern zur Seite geschoben und bekommen damit Kontakt zu den Zahnrädchen des Resultatwerks. Das ist so nur von wenigen Herstellern gebaut worden.
Dieses Modell hat die Kapazität 8-8-13 und nur den optionalen Additionsmodus als „Extra“. Es gab auch Modelle mit höherer Stellenzahl und solche mit Speicherwerk und Rückübertragung; außerdem konnte damals schon an jedes Modell ein Elektro­motor mit Multiplikations-Wahltasten angebaut werden. Für diese Zeit war das außerordentlich modern, ebenso wie die Volltastatur und der Gleit­schlitten, der zum Versetzen und Löschen nicht mehr angehoben wird.
Die Seriennummer der Maschine deutet auf ein Baujahr um 1924. Über ihre Verwendung oder den damaligen Preis ist leider nichts bekannt.

aus der Sammlung Russo

mehr Infos (mit Video) bei
C. Vande Velde
Bilder aus der Renovierung:
vorher:             Walze frei:       Tastaturzerlegung:    halb neu, halb alt:
Kuhrt
A2
Nr. 654

31,5 x 40 x 15,5
14,1 kg
1923 - 1930
  • EW(+EK) 8 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer weiß),
  • Ziffern im RW und ZW direkt einstellbar,
  • Feststeller für die 1 der linken Kolonne (= Zähler mit Übertrag!),
  • Löschhebel im EW ist zugleich Schalter für Additionsmodus.
2/2: Gehäuse ohne Lackschäden, Tasten deutlich angegriffen, Ziffern im Kontrollwerk kontrastarm; funktioniert wieder, ist aber nicht ganz leichtgängig.

Schlitten zerlegt, Bleche neu lackiert, fehlende Glocke und Klöppel ersetzt, Ziffern im RW neu eingelegt, alle Metallteile entrostet und poliert, einen Hebel- und den Kurbelgriff ausgebessert (mit 2-Komponenten-Kitt), verbogene Kurbel gerichtet, Tastatur zerlegt und entrostet, Gehäuse und Kommaleisten komplett neu lackiert, einige Tasten neu eingelegt und einige neu aufgebaut, Tastenzungen mit Hammer und Rohrzange(!) justiert.

KA.

Hersteller der Maschine waren die „Deutschen Rechenmaschinenwerke A.G.“ in Leipzig, trotz des großen Namens eine der kleineren Firmen, die nur etwa zweitausend Maschinen gebaut hat. Sie wurde vermutlich kurz nach dem 1. Weltkrieg von Ernst Kuhrt gegründet, wann genau ist unklar.
Klar ist aber, dass die Firma schon 1927 von Grimme, Natalis & Co. („Brunsviga“) aufgekauft wurde, wenige Jahre später endete die Produktion der Maschinen. Das erinnert mich irgendwie an die frühe Computerzeit: Mehr Geld setzt sich gegen die eigentlich bessere Technik durch ...

Brunsviga M III

Nur wenige Jahre nach der MH entstand diese Sprossenrad-Maschine, deren Bauweise zum Vorbild der meisten späteren Brunsvigas wurde. Sie ist ein Produkt der zugekauften Tochterfirma Rema und vereint fortschrittliche Merkmale beider Firmen. Die Einstellkontrolle durch Ausschnitte neben den Einstellhebeln setzte sich nicht durch, findet sich aber später z.B. bei der Brunsviga 10. Die bequemen Löschhebel, die komfortable und sehr zuverlässige Schlittenverstellung sowie das obenliegende Zählwerk finden sich aber bei fast allen späteren Brunsviga-Sprossenradmaschinen.
Das Gerät hat der Vorbesitzer auf einem Flohmarkt gefunden, die frühere Verwendung ist daher leider unbekannt. Die Seriennummer datiert es auf das Jahr 1927, der damalige Neupreis lag bei 650 Reichsmark (knapp 4,5#8239;Monatslöhne).

PDF zu Rema/Brunsviga im


Zustand nach Reinigung:

Brunsviga
M III
Nr. 110644

26 x 18 x 16
7,5 kg
1925 - 1927
  • EW(+EK) 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschhebel und eine Löschkurbel.
  • Eingabekontrolle durch Ausschnitte und Ziffernsegmente der Schieber,
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • im ZW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW,
  • Löschanzeige im ZW.
2/1: Nur am Sockel noch deutliche Gebrauchsspuren; alle Funktionen wieder einwandfrei und leichtgängig.

Extrem große und kompakte Staubmäuse, mehrere kleine Holzstückchen und einen Schraubhaken(!) aus Einstellung und Schlittentransport entfernt, Deckbleche neu lackiert, Beschriftungen neu eingelegt, abgebrochenen Griff der Löschkurbel und Widerlager-Block rechts vorne ersetzt, Füße erneuert.

KA.

Brunsviga Nova II

Ab 1925 erneuerte Brunsviga die Produktpalette und brachte viele Modelle mit der Bezeichnung „Nova“ heraus. Die neuen Sprossenrad-Maschinen hatten nun auch die Rückübertragung von Werten aus dem Resultat- ins Einstellwerk. Damit wurde die Kettenmultiplikation ohne fehlerträchtige Eingabe der Vorergebnisse möglich.
Für den Hersteller war vor allem wichtig, dass man nun zur modularen Bauweise überging: Möglichst viele Teile der verschiedenen Modelle sollten gleich sein und so der ganzen Serie als Bau- und Ersatzteil zur Verfügung stehen. Das senkte Entwicklungs-, Produktions- und Lagerkosten.
Die ersten Nova-Modelle waren vergleichsweise riesig, auch die Nova II ist noch groß und schwer. Sie ist extrem solide gebaut, auch nach über 90 Jahren läuft alles leicht und rechnet richtig. Dieses Exemplar hat noch den Plus‑/Minus-Anzeiger an der Kurbelbasis, der bei späteren Novas fehlt. Sein Baujahr ist 1927, der damalige Neupreis betrug 720 RM (etwa fünf Monatslöhne). Es stand bis in die 60er‑/70er-Jahre auf dem Schreibtisch eines Abteilungsleiters im Rechnungswesen der Frankfurter Metallgesellschaft.

Brunsviga
Nova II
Nr. 107555

36 x 26,5 x 17,5
12,5 kg
1925 - 1937
  • EW(+EK) 10 ZW 10 RW 15;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • im ZW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW,
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Anzeige des Drehsinns der letzten Kurbeldrehung,
  • Anzeige der unvollständigen Löschung in allen Werken.
1/1: Deckbleche erstaunlich gut erhalten, relativ geringe Gebrauchsspuren und kaum Kratzer. Alle Funktionen einwandfrei und leichtgängig.

Geräuschdämmung an der Einstellsperre durch Unterlage verbessert.

KA.

Hannovera CK

In der CK wird die Eingabe mit Stellsegmenten ins Resultatwerk übertragen. Die funktionieren hier aber anders als bei den zur gleichen Zeit gebauten Marchant-Modellen oder der späteren M.J.Rooy: Dort dreht sich die Trommel (wie bei Sprossenrad-Maschinen) ganz herum, hier werden die einzelnen Stellsegmente je nach eingestellter Ziffer nur mehr oder weniger weit hin und her gedreht (und nur beim Hinweg ist das Resultatwerk eingekoppelt). Das Einstellwerk sitzt im beweglichen Schlitten, die Zehnerüberträge werden durch die riesige stationäre Walze hinter dem Resultatwerk ausgeführt. Weil die Einstellhebel keine 360°-Drehung machen müssen können sie schön lang sein, was die Einstellung der Zahlen deutlich bequemer macht.
Es gab nur zwei Ausführungen der Maschinenreihe: Modell C mit, Modell CK ohne Zehnerübertrag im Zählwerk. Sie konnten sich gegen die Konkurrenz nicht wirklich behaupten und schon nach wenigen Jahren wurde die Produktion wieder eingestellt. Aus den Resten hat eine Schweizer Firma noch für kurze Zeit ihre „EOS“-Maschinen gebaut.
Dieses Exemplar tat seinen Dienst zuletzt im Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft in Potsdam, eine Großmutter des Vorbesitzers hat dort im Büro gearbeitet. Gebaut wurde es wohl 1926, denn die Seriennummer ist recht niedrig. Damals kostete es 400 RM - ein vergleichsweise günstiger Preis, der vor allem durch die Verwendung vieler Stanzteile möglich war. Trotz bequemer Einstellung und niedrigem Preis wurden aber dennoch nur etwa 3.000 Exemplare beider Modelle verkauft.

in der Aufarbeitung:

(Blau eingefärbt: der oszillierende
Balken, der die Stellsegmente dreht)

zwei Stellsegmente:

Hannovera
CK
Nr. 11258

31 x 24 x 13,5
7,2 kg
1926 - ca.1929
  • EW(+EK) 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschkurbeln für RW und ZW.
  • Zehnerübertrag nur im RW,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot),
  • Knopf für Additionsmodus (Kurbel­drehung im...) und Eingabelöschung (...gegen Uhrzeigersinn),
  • nicht mitdrehende Einstellhebel,
  • großer Tragegriff.
2/3: Gehäuse gut erhalten, alle Griffe und Ziffernrädchen mit deutlichen Gebrauchsspuren; Additionsmodus funktioniert nur in den Stellen 5-13, Normalmodus rechnet gut, Ziffern­einstellung manchmal leicht hakelig.

Fehlende und ausgeleierte Schrauben ersetzt, gebrochene Blende gelötet, Löschung im ZW mit Zwischenringen justiert, am Gehäuse und in der EK Ziffern neu eingelegt, blankgeschliffene Stellen retuschiert, alle blanken Metallteile poliert.

KA.

Die „Hannovera Rechenmaschinenfabrik, Oventrop, Heutelbeck & Co.“ entstand 1921 aus einer Gießerei in Peine bei Hannover. „Peinia“ war als Name vielleicht zu blöde - also wurde es „Hannovera“. Nur wenige Jahre wurden Rechenmaschinen gebaut, zuerst zwei Baureihen von Sprossenrad-Maschinen, dann die vermutlich wegen Patentstreitigkeiten mit Brunsviga entwickelten Stellsegment-Maschinen. Weil das nicht lange erfolgreich war, schwenkte man ab 1927 (als „Hannovera-Kassen-Gesellschaft m.b.H.“) allmählich auf Ladenkassen um.
1932 zog die Firma nach Berlin, ein Jahr später starb der Alleininhaber und der Geschäftsführer Emil Bauer kaufte die Konkursmasse billig auf. Bis 1971 (nach dem Krieg aber in Gengenbach im Schwarzwald) wurden erfolgreich Ladenkassen gebaut.
Eine wunderschöne Darstellung der Firmengeschichte hat Martin Reese verfasst - hier als PDF.

Comptometer J

Das Modell J des Comptometers unterscheidet sich kaum vom Vorgänger. Intern gibt es einige kleine Verbesserungen, aber die Bedienung ist völlig identisch. Auch hier gibt es die Sicherung gegen unvollständiges Drücken und das Glöckchen - und auch wieder die Öllöcher.
Dieses Exemplar hat 12 Tastenreihen. Sein Baujahr ist vermutlich 1931. Die Plakette ist wieder deutsch beschriftet. Noch nach dem Krieg war es in einem Berliner Etikettenhandel im Einsatz. Zwölfstellige Modelle dürften in Deutschland um die 2.000 RM gekostet haben, also mehr als 10 Monatslöhne.

Felt & Tarrant
Comptometer J
Nr. J271268

31 x 38 x 14,5
11,1 kg
1926 - 1938
  • EW 12 RW 13;
  • nur Addition,
  • Löschhebel.
  • Sicherung gegen unvollständigen Tastendruck.
2/1: Guter Gesamteindruck, aber viele kleine Gebrauchsspuren und eine abgegriffene Ecke; Funktion einwandfrei.

Einige schiefe Tasten wieder gerade gebogen, Zelluloid hinter den Fenstern des Ergebniswerks für bessere Sicht umgedreht, fehlenden Kopf der Entsperrtaste ersetzt.

Anleitung wie beim Comptometer H.

Rheinmetall Id

Diese Maschine wurde wegen ihrer für die damalige Zeit sehr fortschrittlichen Konstruktion zur Grund­lage vieler anderer, z.T. bis 1957 gebauter Modelle. Entwickelt hat sie Richard Berk, der zuvor bei Ludwig Spitz gearbeitet hat. Eine Besonderheit ist, dass eine Staffelwalze für zwei Stellen zuständig ist. Das ermöglicht den platzsparenden Aufbau mit eng beieinander liegenden (und daher gut ablesbaren) Ziffern. Das Modell hat außerdem Zehner­übertrag im Zählwerk, optionalen Additionsmodus, direkt einstellbare Ziffern im Resultatwerk und vor allem den Gleitschlitten: Der muss zum Verschieben oder Löschen nicht mehr angehoben werden und ist so die Voraussetzung für die spätere Automatisierung.
In einer Art Baukasten-System konnten Maschinen auf dieser Basis auch mit höherer Kapazität, mit Elektromotor, Speicherwerk und vielen anderen „Extras“ geliefert werden.
Die Seriennummer dieses Exemplars deutet auf ein Baujahr um 1936. Es stammt aus einer alten Molkerei in Kotthausen (bei Gummersbach).

gute Beschreibung der Entwicklung
der Rheinmetall-Rechenmaschinen bei
H.Schmid
Rheinmetall
Id
Nr. 22983

35 x 31,5 x 21,5
9,3 kg
1926 - 1945
  • EW 7 ZW 6 RW 12;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für das EW,
  • 2 Schieber zur Löschung von ZW bzw. RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 10 Stellen,
  • Minus-Taste (einrastend) kehrt Drehrichtung im RW um,
  • gedrückte Korrektur-Taste kehrt Drehrichtung in RW und ZW um,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Taste (einrastend) für Additionsmodus,
  • Kurbel nur im Uhrzeigersinn drehbar.
2/1: Gehäuse gut erhalten bzw. Lack ausgebessert, Tastatur mit deutlichen Gebrauchsspuren; alles funktioniert einwandfrei.

Zehner­übertrag der 11.Stelle gängig gemacht, Lackierung an den Kanten aufgefrischt, viele Ziffern neu eingelegt.

KA.

Rheinmetall verbindet man heute eher mit Kanonen und Leopard-Panzern, aber aufgrund des Versailler Vertrags musste das 1889 in Düsseldorf gegründete Rüstungsunternehmen neue Geschäftsfelder suchen. So kam man auf Schreib- und Rechen­maschinen, die in der 1901 über­nommenen Fabrik in Sömmerda gebaut wurden. Auch als die Waffen­produktion wieder begann stellte man dort weiter Rechen­maschinen her, nun unter der Marke „Rheinmetall-Borsig“.
Nach dem 2. Weltkrieg trennten sich die Wege der west- und ostdeutschen Fabriken: In Düsseldorf wurden anfangs diverse zivile Produkte wie z.B. Aufzüge oder Stoßdämpfer gebaut. Zwei Addier­maschinen wurden neu entwickelt und mit geringem Erfolg vertrieben. Mit Gründung der Bundeswehr kehrte man zur Waffenproduktion zurück und ist damit auch heute leider erfolgreich.
Das Werk in Sömmerda wurde erst sowjetischer Staatsbetrieb und produzierte Büromaschinen für Reparationslieferungen in die UdSSR. Ab 1952 wurde Rheinmetall zum VEB, es wurden auch Fotoapparate und anderes gebaut.
1962 brachte man den ersten elektronischen Fakturier­automaten unter der Marke „Soemtron“ auf den Markt. Ab 1969 gehörte die Fabrik zum Kombinat Zentronik und baute ihren ersten elektronischen Tischrechner, ungefähr zu dieser Zeit endete auch die Produktion der mechanischen Maschinen. 1978 wurde die Fabrik Teil des Robotron-Kombinats und produzierte erfolgreich Computer, blieb dabei allerdings immer einige Jahre hinter der Westtechnik zurück. 1992 wurde im Verlauf der Veruntreuung des DDR‑Vermögens auch dieses Werk liquidiert.

Hamann Manus „C“

Auch wenn diese Maschine wie eine Sprossenrad-Maschine „Typ Odhner“ aussieht: Das hier ist eine der selteneren Maschinen mit Schaltklinken. Dieses Schaltprinzip (Erfindung kurz nach 1700 durch Leupold, von Hamann perfektioniert) führte immer ein Nischendasein. Ob es an durch die recht komplexe Bauweise bedingten hohen Servicekosten lag oder daran, dass Sprossenrad und Staffelwalze einfach besser vermarktet wurden?
Dieses Modell hat eine Ausstattung, die für Ende der 20er-Jahre geradezu luxuriös war: feststehende Einstellhebel, optionaler „Additionsmodus“, direkt einstellbares Resultatwerk und wie fast alle (außer ganz frühen) Hamann-Maschinen die automatische Division: Wird ein Unterlauf erkannt, dann bewirkt die nächste Kurbeldrehung eine Korrektur, danach läuft der Schlitten von selbst in die nächste Position (Kurbeln muss man natürlich noch).
Die Maschine hieß offiziell einfach nur „Manus“, das „C“ ist nur eine Vereinbarung unter Sammlern, um den Entwicklungsstand der fortlaufend weiter entwickelten Maschine zu bezeichnen.
Bei diesem Exemplar sind die beiden Werke im Schlitten nur zu löschen, wenn dieser am linken Anschlag ist, auch für die Voreinstellung von Dividenden ist das z.T. nötig. Die Schlitten­bewegung mit einer Daumen­taste rechts und einem Hebel ganz links (der zugleich Transportsicherung ist) wirkt ebenfalls noch recht archaisch.
Die Seriennummer ist eine der ganz niedrigen des Entwicklungsstands, das Baujahr ist wohl noch 1927. Letztes Modell der Reihe ist die Manus R.

Firmenbezeichnung:

Hamann
Manus „C“
Nr. 1897

26,5 x 15,5 x 14
6,0 kg
1927 - 1939
  • EW(+EK) 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 1 Löschtaste und 2 Flügelschrauben zur Löschung der drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Kurbel nur im Uhrzeigersinn drehbar, Subtraktion per Umschalter,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Lösehebel für blockierte Kurbel,
  • rechte Flügelschraube löscht fakultativ beide Werke,
  • an der Löschtaste auf Additionsmodus schaltbar,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel,
  • automatische Division,
  • keine Überlaufglocke, sondern optische Überlaufanzeige.
2/2: Kommaschieber-Leiste am RW fehlt, eine Hebelkappe provisorisch ersetzt, nur wenige Lackschäden; alles funktioniert einwandfrei, wenn auch nicht immer ganz leichtgängig.
Anleitung der sehr ähnlichen Manus „F“ im Netz gefunden.

Christel Bernhard Julius Hamann war Mechaniker und Ingenieur. Er arbeitete erst u.a. bei A.Ott in Kempten und bei Carl Zeiss in Jena, gründete 1896 sein eigenes „Mathematisch-mechanisches Institut“ (heute würde man Ingenieurbüro dazu sagen) und entwickelte dort neue Rechenmaschinen und Schaltprinzipien (eine seiner Maschinen, die „Gauss“, schlägt die Brücke von den frühen „Rechenuhren“ hin zur Curta).1907 übernahm Mercedes das Institut, ab 1922 arbeitete Hamann dann für die Deutschen Telefonwerke (ab 1928 „DeTeWe“). 1948 starb Hamann, zehn Jahre später verkaufte die DeTeWe die Rechnerfertigung an Smith-Corona-Marchant. SCM gründete die Tochter­gesellschaft Hamann GmbH und produzierte dort weiterhin Rechenmaschinen. Kurz nach 1970 stellte man jedoch unter dem Ansturm der Elektronik die Produktion ein, die Marken Hamann und Marchant erloschen.
DeTeWe gibt es nach vielen Verkäufen heute noch als Ostertag DeTeWe.

Brunsviga 13

Ab den mittleren 20er-Jahren sind für Brunsviga eigentlich Sprossenrad-Maschinen mit dem oben­liegendem Zählwerk typisch. Eine der wenigen Ausnahmen ist das Modell 13, dessen Zählwerk „ganz klassisch“ links im Schlitten liegt. Diese Maschine sollte wohl die weniger zahlungskräftige Kundschaft bedienen, denn sie hat als einziges „Extra“ eine Einstellkontrolle. Doch die kleine, aber solide gebaute Maschine (anfangs noch als Nova 13 bezeichnet) wurde zum bis dahin größten Erfolg des Herstellers: Über 32.000 wurden verkauft - was erst in den 50er-Jahren übertroffen wurde.
Dieses Exemplar wurde 1942 gebaut. Es tat seinen Dienst offenbar zuletzt im „VEB Zuckerwarenfabrik Elbdom“ in Meissen.

aus der Sammlung Kohl
Brunsviga
13
Nr. 198755

32,5 x 17 x 13
5,8 kg
1927 - 1943
  • EW(+EK) 10 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot),
  • Anzeige der unvollständigen Löschung in allen Werken.
2/1: Deckbleche bis auf etwas Abrieb an den Schiebern sehr gut erhalten, der 5. Gummifuß fehlt; alles funktioniert einwandfrei.

Lockere Löschkurbelbasis wieder an der Kurbel fixiert, alle blanken Metallteile von Rost und Belägen befreit.

KA.

Marchant H9

Das Schaltwerk der H9 hat Stellsegmente. Die sehen hier auf den ersten Blick fast wie Sprossen­räder aus und arbeiten ähnlich, aber hier werden nicht einzelne Sprossen ausgefahren, sondern der gesamte "Kiefer" mit den neun Zähnen schwenkt beim Drehen kürzer oder länger nach vorn und dreht die Zählwerksrädchen entsprechend weniger oder mehr (bei der M.J.Rooy gibt es ein Video dazu).
Das Zählwerk hat Zehner­übertrag, es gibt wieder den optionalen „Additionsmodus“ und eine hohe Kapazität. Anders als die Vorgängermodelle mit Schiebern (und dem Aussehen einer ganz normalen Sprossenradmaschine) hat das Modell die bequeme und schnelle Einstellung per Volltastatur. Dass die Einstellkontrolle nicht mit den jeweiligen Tasten­reihen korrespondiert macht sie zwar gut ablesbar, braucht aber etwas Gewöhnung.
Die Seriennummer dieses Exemplars ist noch vierstellig. Es hatte keine Seitendekoration, aber noch die Aussparungen und Schrauben dafür und auch schon die Doppelfunktion der Löschkurbel. Das lässt als Baujahr 1933 vermuten.

Marchant
H9
Nr. 8122

34,5 x 35,5 x 19,5
13,0 kg
1927 - ca. 1940
  • EW(+EK) 9 ZW 9 RW 18;
  • Grundrechenarten,
  • 1 Löschtaste für das EW,
  • 1 Löschkurbel für ZW und RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 12 Stellen,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW,
  • Schalter für Additionsmodus.
2/1: Kanten der Seitenbleche deutlich verschrammt, Zifferntasten und Deckbleche sonst ungewöhnlich gut erhalten; alles funktioniert wieder einwandfrei.

Tastatursperre nachjustiert, Plexiglasscheibe der Eingabekontrolle ausgetauscht, Lackschäden retuschiert, neue Gummifüße untergesetzt, Seitenplaketten und Logo nachempfunden.

Kurzanleitung im Netz gefunden.

Rodney H. Marchant verkaufte ab spätestens 1910 Rechenmaschinen diverser europäischer Hersteller. 1915 gründete er in Oakland eine eigene Fabrik und produzierte Kopien der französischen „Dactyle“. Wegen Patent­streitigkeiten (so jedenfalls die englische Wikipedia) suchte man ab 1918 nach einem neuen Schaltwerks­prinzip. Der Konstrukteur C.M.F.Friden entwickelte daher die Stellsegmente, die von 1921 bis in die 40er-Jahre in die Maschinen eingebaut wurden.
Bereits 1934 kamen erste Maschinen mit Proportional­rädern auf den Markt. Auch die wurden bei Marchant erfunden und ermöglichten den Bau der relativ leisen und extrem schnellen elektrischen Rechenmaschinen, mit denen Marchant berühmt wurde.
Der Schreibmaschinen-Hersteller Smith-Corona kaufte 1958 Marchant auf und nannte sich daraufhin Smith-Corona-Marchant (SCM). SCM wurde einer der großen Mitspieler im Rechner- und Computer­geschäft und stellte in den 70er-Jahren die Produktion mechanischer Rechenmaschinen ein. Die Textverarbeitung am Computer führte in den 80ern dann auch zum Ende der einst berühmten Schreibmaschinen.
Heute stellt Smith-Corona nur noch Farbbänder, Etiketten und anderes Zubehör her, das „Marchant“ ist aus dem Firmennamen verschwunden.

Rheinmetall D IIc

Das ist ein Exemplar aus der DDR‑Produktion, der Seriennummer nach ungefähr von 1955. Es dürfte eine der letzten Maschinen im mittleren (grau-grünen) Design gewesen sein, denn bald danach wurde die gleiche Technik noch für kurze Zeit in ein moderneres, hellgraues Gehäuse eingebaut.
Bemerkenswert ist die (vermutlich noch von August Kottmann entwickelte) automatische Division, die schon ab Ende der 20er-Jahre auch in die Hand­maschinen häufig eingebaut wurde. Dafür ist keine gesonderte Taste nötig, die Division wird einfach als fortgesetzte Subtraktion gekurbelt. Nach jedem Unterlauf (d.h. wenn das Resultatwerk negativ wird) schaltet die folgende Kurbeldrehung ein Getriebe auf Gegenrichtung, die nächste Drehung korrigiert den Unterlauf und schaltet das Getriebe weiter, die dritte Kurbeldrehung setzt den Schlitten eine Stelle weiter und das Getriebe ganz zurück. Dann wird einfach munter weiter gekurbelt und subtrahiert. Der Vorgang kann mit einem Schalter an der Kurbelbasis beeinflusst werden.
Zu DDR-Zeiten lieferte man das Modell immer noch auch in den Westen: 1958 (also kurz nach Produktionsende) steht sie mit einem Verkaufspreis von 870 DM (etwa zweieinviertel Monatslöhne) zum letzten Mal im Katalog.



Zustand vorher:

Rheinmetall
D IIc
Nr. 185458

39,5 x 30,5 x 23
11,5 kg
ca. 1927 - 1957
  • EW(+EK) 9 ZW 8 RW 17;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für das EW,
  • 2 Schieber zur Löschung von ZW bzw. RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 10 Stellen,
  • Minus-Taste (einrastend) kehrt Drehrichtung im RW um,
  • gedrückte Korrektur-Taste kehrt Drehrichtung in RW und ZW um,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Taste (einrastend) für Additionsmodus,
  • automatische Division,
  • Kurbel nur im Uhrzeigersinn drehbar.
2/1: Gehäuse mit deutlichen Gebrauchsspuren; alles funktioniert jedoch wieder einwandfrei.

Diese Maschine kam äußerlich als Wrack: Reichlich Rost, Staub und Spinnweben, Schlittenstellgriff völlig zerstört, mehrere fehlende Tastenköpfe und praktisch alle Tasten und Hebel total festgefressen. Aber die robuste Mechanik innen war offenbar noch völlig intakt, denn nachdem unter Einsatz massiver Ölmengen, einer Zange und eines Hammers(!) alle Tasten und der Schlitten wieder beweglich waren rechnete die Maschine schon wieder. Alle Metallteile entrostet und poliert, eine Sicherungsscheibe nachgefeilt, einen fehlenden Wirtel ersetzt. Die roten Knöpfe und den Dreistern spendete eine Rheinmetall KES.

KA.

per Schlittentausch: „Rheinmetall DS Ie“

Wegen des intakten Dreisterns und einiger Tasten, die ich in die D IIc oben einbauen wollte erstand ich das Wrack einer elektrischen Rheinmetall KES. Deren Motor war tot, viele Tasten fehlten, aber der Schlitten mit Speicherwerk und Postenzähler sah noch leidlich gut aus. Da wollte ich doch mal sehen, ob er auch auf die D IIc passt.
Wie sich zeigte passte er nicht: Der Divisionsstop der D IIc kollidierte mit Führungsschiene und Verkleidung des Schlittens (die KES hat keine automatische Division).
Also habe ich die Schiene gekürzt, die Verkleidung etwas ausgesägt und für den Divisionsstop einen Bolzen in das schon vorhandene Loch geschraubt - und siehe da: Der Schlitten passt nun und macht die Maschine zu einer „DS Ie“ - ein Modell, das von Rheinmetall so niemals hergestellt wurde. Diese Chimäre hat den Speicher, zu dem man das Resultatwerk addieren oder subtrahieren und den man auch wieder dorthin rückübertragen kann, einen Posten­zähler für die Anzahl der Speicher­vorgänge und dazu (im Chassis) die automatische Division. Nachteile gegenüber der D IIc sind die kleine Kapazität und die fehlende Direkteinstellung der Dividenden.
Die KES wurde ab 1934 gebaut. 1937 kostete sie mit dieser Kapazität 1.270 RM (etwa achteinhalb Monatslöhne, die höchste Kapazität 9‑8‑17‑17 kostete einen ganzen Jahreslohn). Bislang waren nur Vorkriegsmaschinen mit deutlich niedrigeren Seriennummern bekannt, dieses Exemplar stammte aber aus dem Jahr 1952. (Weiter unten ist die etwas weiter entwickelte KEWS zu sehen.)

Die KES (viele 
fehlende Tasten 
hineinretuschiert):
Rheinmetall
„DS Ie“
Nr. des Schlittens 118497


14 kg
2019
  • EW(+EK) 9 ZW 6 RW 13 SW 13 Postenzähler 3;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für das EW,
  • Löschrad für Postenzähler,
  • 3 Löschschieber für ZW, RW und SW (ZW ans RW koppelbar).
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 11 Stellen,
  • Minus-Taste (einrastend) kehrt Drehrichtung im RW um,
  • gedrückte Korrektur-Taste kehrt Drehrichtung in RW und ZW um,
  • Zehnerübertrag beim Speichern im SW,
  • Rückübertragung von SW ins RW,
  • Taste (einrastend) für Additionsmodus,
  • automatische Division,
  • Kurbel nur im Uhrzeigersinn drehbar.
3/2: Gehäuse mit mehreren größeren Stoßstellen, noch nicht komplett überholt; alles funktioniert, aber hakelt gelegentlich etwas.

Führungsschiene gekürzt, Verkleidung ausgesägt, Bolzen für Divisionsstop eingesetzt.

KA.

Direct-II

Die Direct ähnelt auf den ersten Blick einem Comptometer, man kann mit ihr optional auch so addieren (und notdürftig multiplizieren). Tasten­drücke bewirken dann sofort das Summieren im Resultatwerk. Dieses wird dann allerdings nicht sofort angezeigt.
Wahlweise kann man auch mit Einstellkontrolle addieren, die Subtraktion geht nur auf diese Art: Dabei tippt man den Wert ein, kontrolliert die Anzeige und drückt dann die lange schwarze Taste rechts. Die Division ist wegen der fehlenden (Rest-)Summenanzeige praktisch unmöglich.
Dass die gleiche Anzeige sowohl Eingaben als auch Summen zeigt ist wirklich sehr ungewöhnlich. Zur Summenanzeige dreht man die Kurbel, oben und unten erscheinen rote Balken und dazwischen die Summe. Die lange Taste wird nun zur Löschtaste des Resultatwerks.
Hier sind keine Schaltschwingen am Werk, sondern eine sonst nie gebaute Mechanik. Die erklärt ein Artikel von E.Anthes (PDF) im Rechnerlexikon ganz gut. Der Übertrag ins Resultatwerk erfolgt über Mitnehmerklinken: ähnlich den Schaltklinken bei der Hamann Manus, aber anders angesteuert.
Die Maschine wurde viele Jahre lang gebaut. Es gab auch Varianten mit mehr Stellen, mit Druckwerk und sogar mit Motor.
Das hier ist eine der frühen Maschinen, denn sie hat noch ein Metallgehäuse (später bekam die Direct‑II eine Bakelitschale). Die niedrige Seriennummer (ich vermute, man hat da mit 10001 angefangen) deutet auf ein Baujahr um 1928 herum. Wo und wozu sie mal benutzt wurde ist unbekannt, aber sie trägt das Schild einer Werkstatt in Einsiedeln. Also wurde sie nicht nur in der Schweiz hergestellt, sondern auch dort eingesetzt.

Funktion der Schaltklinken
(MP4, 2 MB):
Moesch & Huber
Direct-II
Nr. 10135

30 x 40 x 16
9,9 kg
1927 - ca. 1955
  • EW 7 RW 8;
  • Addition und Subtraktion,
  • Kurbel zur Ergebnisanzeige,
  • Löschtaste für Anzeige,
  • Eingabetaste (auch Löschtaste für RW).
  • Anzeige entweder als KW oder Ergebnisanzeige,
  • bei Ergebnisanzeige rote Balken über und unter der Anzeige,
  • Umschalter für Direkteingabe oder Eingabe mit Bestätigung,
1/1: Gehäuse und Tasten sehr gut erhalten bzw. restauriert; einwandfreie Funktion.

Tastenfeld-Abdeckung neu lackiert, Stoßstellen ausgebessert, Metallteile poliert, Anzeige justiert, Füße erneuert.

KA.

Die Firma Moesch & Huber wurde um 1920 in Zürich gegründet. Sie führte überwiegend Auftragsarbeiten im Bereich Design, Konstruktion und Montage durch. Als erste Rechenmaschine wurde die „Demos“ gebaut, ein wenig erfolgreiches Modell mit Zahnsegmenten. Mit der Direct, der leicht verbesserten Direct‑II und ihren Varianten war man dann deutlich erfolgreicher.

Der Herstellername steht allerdings nirgendwo auf der Maschine: Dort steht die Theo Muggli AG, ebenfalls mit Sitz in Zürich. Diese Büromaschinen-Firma hatte den Alleinvertrieb dieser Maschinen, möglicherweise ist sie auch der Auftraggeber der Konstruktion von „Demos“ und „Direct“. Theo Muggli starb 1933, seine Firma existierte unter demselben Namen bis 1995 weiter.

Walther RMK

Diese „Rechenmaschine mit EinstellKontrolle“ (das M steht für die höhere Kapazität) ist eine schöne Übergangs­form: Das Grundgehäuse ist noch ganz der alte Typ (wie er beim Vorgängermodell „RM“ und später noch bei der Odhner 27 zu finden ist), hat aber hinten/oben eine große Aussparung, auf die das Einstellkontrollwerk im eigenen Gehäuse aufgesetzt wurde. Diese Bauart gab es nur sehr kurz, denn schon bald wurde die Einstellkontrolle ins Gehäuse integriert. Außerdem gibt es neben den beiden Schlittentasten vorne schon eine zusätzliche Daumentaste an der Kurbel - aber eben nur eine „nach links“, nicht wie später auch bei der RMK üblich für beide Richtungen. Das Exemplar dürfte daher etwa 1929 gebaut worden sein.
Fortschrittlich ist die Kurbellöschung im Schlitten, altertümlich sind die Löschklappe und die Über­schleuderungskorrektur bei evtl. dejustiertem Einstell­kontrollwerk. Offenbar vertraute man der Mechanik noch nicht ganz, doch nach nun über 90 Jahren läuft diese immer noch einwandfrei.

vorher:

Walther
RMK
Nr. 7189

26 x 14 x 15
5,4 kg
1928 - ca. 1934
  • EW(+EK) 10 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Kurbeln für Löschung von RW und ZW, Löschklappe für das EW.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot),
  • Schlitten mit Federzug kann einfach nach rechts geschoben werden,
  • Überschleuderungskorrektur der Einstellkontrolle (nur bei entriegelter Kurbel bedienbar).
2/1: nur am Sockel noch viele Stoßstellen; alle Funktionen einwandfrei.

Alle Bleche neu lackiert, Zahlen neu eingelegt, Feder und Anschlag der Löschklappe repariert, Füße erneuert.

KA.

Walther fing 1886 als Büchsenmacherei an, baute später Teile für die Rechenmaschinen von Mercedes und übernahm ab 1924 den Bau der Sprossenrad-Maschinen von dort. Schon 1929 wurden auch elektromechanische, ab 1970 auch elektronische, bis 1971 trotzdem noch die handbetriebene WSR160 gabaut. Damit konnte man in der Nachkriegszeit überleben, als die Waffenherstellung verboten war.
Bis 1945 blieb die Fabrik in Zella-Mehlis, dann wurde sie in den Westen (Niederstotzingen in Württemberg) verlegt. Die als eigene Tochterfirma abgespaltene Büromaschinen-Fertigung konnte Mitte der 70er-Jahre trotz ihrer hochwertigen elektronischen Geräte nicht mehr mit der billigen japanischen Konkurrenz mithalten und ging unter, heute baut Walther wieder nur Waffen.

ГЗСМ Феликс A3 (GZSM Felix A3)

Diese „Felix“ stammt aus der frühen Sowjetunion. Sie ist derzeit die einfachste meiner Sprossenrad-Maschinen: Keine Einstellkontrolle, im Zählwerk kein Zehner­übertrag, keine anderen „Extras“. Auch die sonst üblichen Sperren gegen Fehlbedienung fehlen komplett. Doch sie hat noch hochwertige Sprossenräder aus Messing und auch sonst eher gutes Material, anders als die späteren Modelle.
Eine so schrecklich angemalte Maschine hatte ich noch nie zuvor gesehen. Die ursprünglich schwarze Maschine wurde erst weiß grundiert und dann mit einem kräftigen Rot grob überpinselt. Dabei wurde auf Schrauben, Kommaleisten und andere Teile keinerlei Rücksicht genommen. Die Beschriftung war nirgends mehr zu erkennen und Farbe war bis nach innen gelaufen. Zu meiner Überraschung hat sie da immer noch gerechnet, wenn auch extrem hakelig. Dass es eine alte Felix war konnte man nicht sehen, aber egal: Mein Mitleid war groß genug, 9 € auf dem Frankfurter Flohmarkt zu lassen.
Nach einigen Tagen Arbeit sieht die A3 nun wieder ungefähr so aus, wie sie die Fabrik verlassen hat und ich bin zufrieden, das alte Schätzchen gerettet zu haben.

Infos zum Nachfolgemodell bei
D.Bölter
Fundzustand:
zerlegt:
Puzzle:
Lack ab:
grundiert:
im Aufbau:
государственный завод счетных мажин именной товарищ дзержинского Москва
Феликс A3
Nr. 86227

31 x 15 x 13
5,9 kg
1928 - 1941
  • EW 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Flügelschrauben zur Löschung von ZW und RW.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer weiß),
  • Löschung des EWs über Schieber (unter dem Logo) und Hauptkurbel.
2/2: Deckbleche wieder nahe am Original, Gebrauchsspuren an den blanken Metallteilen; Löschung in zwei Stellen im ZW nur zuverlässig wenn man die Flügel­mutter zum Schluss etwas zieht.

Komplett zerlegt, Lack von allen Seitenteilen, Blechen, Schrauben, Leisten, Hebeln, Muffen entfernt, Seitenteile und Bleche neu lackiert, erhabene Beschriftungen blankgefräst, alle Metallteile poliert, Ziffernräder teilweise neu eingelegt, viele schwergängige Stellen nachgeschliffen, Deckblechschrauben und zerfallene Gummifüße ersetzt.

Nach der Oktober-Revolution wurde Odhners Fabrik in St.Petersburg enteignet, nun wurden die Maschinen im „Staatlichen Rechenmaschinenwerk“ gebaut. Erster Chef der Firma soll Felix Dzierzynski gewesen sein (das ist unsicher: vielleicht war er auch nur als oberster Wirtschaftskommissar für die entsprechende Industrie zuständig). Er war Mitglied des Zentralkomitees, der berüchtigte Gründer und erste Chef der Geheimpolizei „Tscheka“ (und des Sportvereins Dynamo Moskau).
1921 wurde die komplette Fabrik demontiert und samt Unterlagen und Personal nach Moskau verlegt. 1926 starb Dzierzynski, zur Erinnerung an ihn wurden die Sprossenrad-Maschinen ab 1928 „Felix“ genannt. Ab 1931 hieß auch die Firma wie auf diesem Exemplar abgebildet: „Staatliches Rechen­maschinenwerk / benannt nach dem Genossen Dzierzynski / Moskau“.
Ab 1935 wurden auch Nachbauten der Monroe-Staffelwalzen-Maschinen hergestellt. 1941 endete die Produktion dort, denn die Fabrikanlagen wurden nach Kirow evakuiert (und vermutlich auf Kriegsproduktion umgestellt).
Erst ab 1948 wurden wieder „Felix“-Maschinen gebaut, dann allerdings in anderen Fabriken. Das letzte Modell war die Felix M.

Burroughs Portable 90801

Die druckenden Addiermaschinen von Burroughs waren anfangs riesige Kästen, die 30 bis 50 kg wogen. Erst ab 1925 wurden auch die „Portables“ mit knapp unter 10 kg angeboten (die Definition von „tragbar“ war damals offenbar etwas anders). Anfangs konnten sie nur addieren („Class 8“), ab 1928 dann auch subtrahieren („Class 9“). Bis in die 60er-Jahre wurden solche Maschinen gebaut. Dabei wurden Sie natürlich technisch und optisch weiter entwickelt, doch das Grundprinzip der Maschine, die Summenbildung über Zahnsegmente, blieb immer gleich. Zumindest in den USA dominierte Burroughs mit diesen Geräten viele Jahre lang das entsprechende Marktsegment.
Die Typenbezeichnung dieses Exemplars setzt sich aus Klasse 9 (mit Subtraktion), 08 Stellen und 01 (Handantrieb) zusammen. Saldieren kann es noch nicht. Die Seriennummer datiert die Maschine auf 1930, das C davor steht für in Kanada gebaute Maschinen. Offenbar wurde sie bis 1963 noch benutzt und gewartet, also über 30 Jahre später!


Die in den Boden eingekratzten Servicedaten (zweimal pro Jahr!):

Burroughs
Portable
Nr. C9-1339494

28,5 x 35 x 21,5
9,2 kg
1928 - ca. 1965
  • EW 8 RW 8 Druckwerk 8st. (+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • Löschtaste für Tastatur und Funktionen.
  • keine Anzeige, nur Ausdruck,
  • R-Taste für behelfsmäßige Multiplikation,
  • Nichtrechentaste,
  • Druckabschaltung.
2/1: Viele kleine Gebrauchsspuren und abgegriffene Stellen; Funktion einwandfrei.

Großen Hebel gerade gebogen, einige Schrauben ersetzt, eine ins RW gefallene alte Gummirolle (die alles blockierte) entfernt, Farbband erneuert.

KA.

TIM I

Diese TIM I ist eine kleine, vergleichsweise leichte Staffelwalzen-Maschine mit Tasteneingabe und die letzte Entwicklung des Herstellers L.Spitz. Sie ist recht robust, gut verarbeitet und hat den optionalen „Additionsmodus“, in dem sich die Eingabe nach jeder Kurbeldrehung von selbst auf Null stellt. Allerdings sind Löschung und Lineal­bewegung immer noch sehr umständlich, denn das Lineal muss dazu jedes Mal angehoben werden. Auch einen Zehnerübertrag im Zählwerk sucht man vergebens. Beides konnte die Konkurrenz damals schon deutlich besser, das Modell wurde kein großer Erfolg mehr.
TIMs mit Tasten gab es auch mit weniger (6‑5‑8) oder mehr (bis 7‑7‑12) Stellen. Dieses Exemplar stammt von 1929, der mir bekannte Preis ist erst von 1936: 350 Mark (gut zwei Monatslöhne). Auch nach dem Krieg wurden noch Exemplare angeboten, aber vermutlich waren das nur noch Restbestände.
Dieses Gerät ist auf der Rückseite und einer Seite mit den Abkürzungen  NAB 5  bzw.  WWK 4  in großen, weißen Zeichen markiert. Das wirkt eher nach Reichswehr, könnte aber auch eine Firmen- und Abteilungskennzeichnung sein.

aus der Sammlung Veres
L.Spitz
TIM I
Nr. 31695

38 x 21 x 13
8,5 kg
1929 - ca. 1935(?)
  • EW 6 ZW 7 RW 10;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschschieber für RW und ZW (nur bei angehobenem Lineal),
  • 7 Löschhebel für EW (pro Stelle und Gesamt).
  • Zehnerübertrag im RW nur über 7 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer schwarz),
  • ein gemeinsamer Schalter für Drehrichtung im ZW und RW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar (nur bei angehobenem Lineal),
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Linealbewegung nur durch Anheben und Versetzen per Hand,
  • Kurbel nur im Uhrzeigersinn drehbar.
3/1: Bleche um Griffe und Löschhebel herum stark abgegriffen, einige Stoßstellen; einwandfreie Funktion.

Die Ziffernräder im ZW waren jeweils an der Null stark oxidiert, die musste ich nachmalen. Dazu musste das Lineal völlig zerlegt werden. Chassis nur äußerlich gereinigt, weil dort alles einwandfrei funktionierte und ein Blick ins Innere kaum Staub erkennen ließ (noch ein Vorteil der Tasten: keine Schlitze!).

Kopie der ersten Seiten einer Originalanleitung vorhanden, KA.

Mira Visier

Das dritte Modell von Mira (mit verschiedenen Kapazitäten lieferbar) heißt „Visier“, weil es als erstes eine Einstellkontrolle hat. Weitere Sonder­ausstattung (z.B. Zehner­übertrag im Zählwerk oder Rückübertragung) hat es noch nicht, die Einstell­kontrolle hat noch eine damals eigentlich veraltete Überschleuderungskorrektur. Dieses Exemplar hat auch noch die alte Version der Schlittenmechanik, etwas später bekam das Modell stattdessen rechts zwei Daumen­tasten zur Einhandbedienung.
In fast jedes Teil ist die ganze Seriennummer oder die „321“ eingeschlagen, auf der Rückseite innen findet sich aber eine „10832“. Ich nehme daher an, dass dieses Exemplar im August 1932 hergestellt wurde, was auch zur Seriennummer passt.
Sie hat seit damals schon viele weite Wege zurück­gelegt: Ein deutscher Soldat hat sie aus Russland mitgebracht (ob sie dort erbeutet und/oder von der Wehrmacht genutzt wurde ist unklar), vorletzter Besitzer war ein Kaufmann, dann ein Antiquitäten­händler aus Hamburg. Der linke Lösch­hebel ist wohl mal gebrochen und wurde durch einen Nachbau ersetzt, der erst auf den zweiten Blick als solches auffällt.
Die ganze Ausführung der Maschine ist hochwertig und solide, mit viel Messing und dicken Blechen. Selbst in ihrem herunterge­kommenen Zustand hat sie noch passabel gerechnet (nur eine Feder war falsch eingebaut und ließ das Zählwerk etwas hakeln).

vorher:


Mira
Visier
Nr. 10321

31,5 x 16,5 x 12
5,0 kg
1929 - ?
  • EW(+EK) 10 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Hebel für Löschung von RW und ZW, Löschklappe für das EW.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer weiß),
  • Überschleuderungskorrektur der Einstellkontrolle (nur bei entriegelter Kurbel bedienbar).
1/1: Deckbleche renoviert, Effektlack auf Seiten und Rückwand in sehr gutem Originalzustand; funktioniert einwandfrei.

Metallteile von Rost befreit und poliert, eine falsch eingebaute Feder im ZW korrigiert, Bleche neu lackiert, Beschriftung der Bleche und im ZW mit roter und weißer Farbe eingelegt, Füße erneuert.

KA.

Unter der Marke Mira baute Otto Kramer ab 1923 in Hanichen bei Reichenberg die vermutlich ersten tschechischen Rechenmaschinen. Dazu kaufte er Patente (und evtl. auch Maschinen) des Rechen­maschinen-Herstellers Rema, nachdem dieser in Grimme, Natalis & Co. (Brunsviga) aufging. Die Mira-Maschinen ließen sich offenbar vor allem in Frankreich und in der Tschechoslowakei selbst gut verkaufen.
Ob, was und wie lange die Firma nach der Besetzung des Sudentenlandes noch produzierte ist unbekannt, spätestens mit Kriegsbeginn sind wohl eher Teile für Waffen oder Munition gebaut worden.
Aus der Nachkriegszeit gibt es keine Mira-Maschinen mehr. Ab 1950 wurden aber im Nachbarort Proschwitz die Rechenmaschinen von Nisa hergestellt. Da wäre es schon ein arger Zufall, wenn dort nicht Personal, Wissen und Maschinen von Mira genutzt wurden.

Schon kurz nach 1900 wurde das Kurbeln erstmals durch Elektromotoren ersetzt, um die Eingabe- und Rechengeschwindigkeit zu steigern und den Kraft­aufwand zu verringern. Diese Maschinen waren viel teurer und oft sehr laut, aber auch viel schneller zu bedienen. Die Hersteller wett­eiferten darum, immer neue Maschinen mit schnelleren Umdrehungen und neuen Funktionen auf den Markt zu bringen. Gegen Ende der Entwicklung gab es Geräte mit mehreren Speicherwerken, automatischer Division und/oder Multiplikation, vereinzelt sogar mit automatischem Wurzel­ziehen. Das waren dann Maschinen aus mehreren tausend Präzisionsteilen, die in aufwendigster Arbeit zusammenge­setzt werden mussten. Durch die hohen Drehzahlen stieg aber die Materialbeanspruchung, elektrische Maschinen waren daher deutlich reparaturanfälliger.

Monroe LA-200X

Frank S.Baldwin entwickelte nicht nur unabhängig von Odhner ein Sprossenrad, sondern auch diese später oft kopierte Bauweise. Durch die Tasten und optionale Löschung der Eingabe nach der Addition sind derartige Geräte für alle Grundrechenarten bestens geeignet, bei den Handmaschinen erspart die in beide Richtungen drehbare Kurbel einen Umschalter und die zweige­teilten Staffelwalzen sorgen für kurze Schaltwege.
Nicht mehr die abgreifenden Zahnrädchen, sondern diese (sehr schmalen) Staffel­walzen werden entlang einer Vierkant-Achse bewegt. Pro Stelle gibt es eine Walze mit fünf Stiften (die kennt zwei Positionen und dreht das zugehörige Zahnrad entweder gar nicht oder fünf Zähne weiter) und eine weitere mit vier unterschiedlich breiten Zähnen (die in fünf verschiedenen Positionen das Zahnrad null bis vier Zähne weiter dreht). So werden alle Ziffern von 0 bis 9 „erzeugt“ (das klingt etwas kompliziert - deshalb hier ein Schema dazu ).
Die L-Serie wurde ab 1929 volle vier Jahrzehnte lang gebaut. Die präzisere Fertigung erlaubte nun viel kleinere Abmessungen als bei den Vorgängern. So verringerten sich auch Gewicht, Materialbedarf und Baukosten deutlich. Es gab die Modelle mit Handantrieb oder Motor und jeweils mit 12, 16 oder 20 Stellen im Resultatwerk. Bald kamen auch immer stärker automatisierte Modelle hinzu. Gelegentlich wurden (bei gleichbleibender Technik) sämtliche Gehäuse modernisiert.
Modell LA-200 ist schon motorisiert, steht aber noch am Anfang dieser Entwicklung: Die Kurbel ist durch Plus- und Minus-Taste ersetzt, Löschung und Schlittenverschiebung erfolgen noch per Hand. Erste, zarte Automatisierung ist die Stopdivision.
Diese Maschine stammt aus Guatemala, dort wurde sie vermutlich in einer der großen amerikanischen „Fruit-Companies“ an der Südküste benutzt. Alte Kommaschieber, Seriennummer, Firmenlogo und die damals neue „spot-proof“-Tastatur (dafür steht das „X“) lassen ein Baujahr um 1940 vermuten. Einen Neupreis kenne ich nur aus den Angebots­listen für die Regierungsbehörden der USA: Die mussten scharf kalkulierte 361,25 $ dafür zahlen (umgerechnet etwa 9 deutsche Durchschnittslöhne).

Typenschild des Motors:
Resultat- und Zählwerk ausgebaut:
Monroe
LA-200X
Nr. 299922

34 x 27 x 16
6,7 kg
1929 - ca.1950
  • EW 10 ZW 10 RW 20;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für RW und ZW (je nach Drehrichtung).
  • Zehnerübertrag im RW nur über 11 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (zwei 9er),
  • 2 Tasten für Additionsmodus an/aus,
  • Stopdivision,
  • Motor für 110 Volt!
2/2: Gehäuse mit vielen, passabel retuschierten Gebrauchsspuren, Tasten recht angegriffen; funktioniert wieder, Plus- und Minustasten sprechen gelegentlich nicht sofort an.

Extrem festgeharzte Funktionstasten und Zahnräder gängig gemacht, fehlende Füße, Löschknopf, Schlittengriff sowie einige Schrauben und Federchen ersetzt, beschädigtes Ziffern­rad im ZW gerichtet und ausgebessert, Stoßstellen retuschiert, Tastaturplatte lackiert, 2-poligen Stecker durch festes Kabel mit Erdung ersetzt (danach die durch die Zerlegung völlig dejustierte Steuermechanik unter Flüchen von Grund auf neu eingestellt).

Anleitung (und viele Service Bulletins) im Netz gefunden - archive.org ist klasse!

Die Monroe Calculating Machine Co. wurde 1912 in New York gegründet. Das erste Serienmodell war die Baureihe „D“, von der ab 1915 ca. 4.000 Stück gebaut wurden. Es folgten die Baureihen E, F, G, K, dann die deutlich kleinere L und ab Anfang der 30er-Jahre noch M. Insbesondere von den späteren Baureihen gab es viele verschiedene Modelle mit immer mehr Extras. Auch Buchungs- und Addiermaschinen mit Voll- oder Zehnertastatur wurden gebaut.
1958 wurde Monroe von Litton aufgekauft, einem Konzern, der überwiegend militärische Produkte (von Elektronik-Komponenten bis hin zum kompletten Zerstörer) herstellte.
Ab 1968 baute Monroe den ersten (und noch selbst entwickelten) elektronischen Rechner, im Folgejahr wurde die LN‑160X als letzte handangetriebene Maschine zum letzten Mal angeboten. Interessant sind die damaligen Preise: Der Nettopreis der LN-160X (da kam gerade die Mehrwertsteuer) lag bei 795 DM, die elektrischen Geräte von Monroe kosteten zwischen 1.300 und 4.000 DM, die ersten Elektronenrechner knapp 7.000 DM, ein Jahr später sogar bis fast 19.000 DM (der einfachste VW Käfer kostete damals etwa 5.000 DM netto).
1984 verkaufte Litton die Firma wieder. Heute heißt sie „Monroe Systems for Business“, auch (woanders gebaute) Rechner werden immer noch verkauft.

Thales GEO

Vor allem bei Landvermessern und Artilleristen waren Doppelmaschinen sehr begehrt, denn mit Hilfe spezieller, über Formulare abgearbeiteten Algorithmen konnte man auf ihnen viele Aufgaben der Vermessung (Koordinaten­umformungen, Vorwärts- und Rückwärtseinschneiden etc.) schnell berechnen. Auch für versicherungs­mathematische oder wissenschaftliche Berechnungen wurden die teuren Spezialmaschinen genutzt.
Thales hat mit der GEO ab 1930 die damals beste Doppelmaschine angeboten, denn hier konnten die Resultat­werke unter jede der beiden Eingaben gesetzt werden.
Die Seriennummer deutet auf ein Baujahr um 1938, der damalige Preis betrug 1250 RM (knapp acht Monatslöhne). Auf der Rückseite ist eine mit „VDT“ beginnende Inventarnummer. Ich weiß leider nicht, wofür diese Abkürzung steht.
Nach dem Krieg wurde eine verbesserte GEO/R (mit Rückübertragung und zwei Zählwerken) hergestellt.

Thales-Werbung
(noch die alte Variante,
obwohl von 1950)
Thales
GEO
Nr. 45535

37 x 20 x 16
14,1 kg (m. Brett)
1930 - 1940
  • EW(+EK) 2x9 ZW 8 RW 2x13;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Flügelschrauben und 2 Löschkämme für die fünf Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW (mit/gegen rechte Eingabe),
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW (3 Durchläufe!),
  • Schalter für gleich- oder Gegenlauf der Trommeln,
  • Ziffern der RW direkt einstellbar,
  • ein kleiner Knopf rechts entsperrt bei gezogener Kurbel die Fixierung der Kontrollwerke (Überschleuderungs­korrektur)
1/1: Nur wenige Gebrauchsspuren verblieben; alles funktioniert einwandfrei und sehr leichtgängig.

Alle Deckbleche neu (teil)lackiert, Ziffern im rechten EW, Logo und einige andere Beschriftungen neu eingelegt, Flugrost von den Chromteilen entfernt, 2 neue Kommaschieber (identische Teile von einer Triumphator CRN1) eingesetzt.

Stahlhaube (ohne Schloss) vorhanden, Anleitung fehlt noch.

Badenia TH13

Diese Maschine ist eines der letzten Exemplare des 1930 entwickelten Modells, im von Ferdinand Spaeti aus Luzern entworfenen Nachkriegs-Design. Diese modernste Version der TH13 hat vorne kein Handrad mehr zur Schlittenverschiebung. Statt dessen zieht man die Kurbel etwas heraus, dann dreht sie nicht mehr die Staffelwalzen sondern bewegt den Schlitten. Drückt man die Kurbel dagegen leicht ein, dann schaltet die Maschine auf Subtraktion. Es ist also nicht nötig, mit der zweiten Hand das „Minus“-Hebelchen zu drücken. Für eine automatische Division fehlt also eigentlich nur noch eine Mechanik, die erst einen Überlauf erkennt und dann die Kurbel entsprechend drückt und zieht.
Die zur Bauzeit dieses Exemplars eher antiquierte Volltastatur bedingt, dass die Hand noch viel bewegt werden muss. Andererseits ermöglicht sie ein paar Tricks, die auf einer modernen Zehnertastatur nicht mehr möglich sind. Praktisch sind außerdem die direkte Einstellung des Resultatwerks (für Dividenden oder zum Runden), der Zehner­übertrag im Zählwerk (was die abgekürzte Multiplikation möglich macht) und der optionale Additionsmodus.
Einen kleinen Konstruktionsfehler hatte dieses Exemplar m.E.: In den Stellen 1 und 2 klingelte das Überlauf-Glöckchen nicht, weil das entsprechende Bauteil zu kurz war. Vielleicht war ein Teil aus einer TH10 (die hat geringere Kapazität) eingebaut worden? Ich habe es durch einen Anbau verlängert, seitdem klingelt's korrekt.
Die Seriennummer lässt auf das Baujahr 1950 schließen, was auch zum Design passt: Nur 1950 bis 1952 gab es die TH13 ohne das Handrad vorne. Der Verkaufspreis ist unbekannt, doch schon die kleine TH10 wurde für 850 DM angeboten. Also waren hier sicher um die 1.000 DM fällig (das wären etwa vier Monatslöhne).
Die Anschaffung bezahlte der Steuerzahler: Die Maschine stammt aus einem Forstamt in/bei Wittlich in der Eifel. Damit wurden also in den 50er-Jahren z.B. Festmeter, Holzpreise und Waldarbeiterlöhne berechnet.

Wertübertragung:
Badenia
TH13
Nr. 16666

44 x 33 x 20
11,7 kg
1930 - 1952
  • EW(+EK) 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für EW, 2 Löschschieber für ZW und RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter zum Abschalten bzw. für Drehrichtungsumkehr im ZW,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Anzeige für Subtraktion (auch als Schalter nutzbar),
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Kurbel zum Rechnen nur im Uhrzeigersinn drehbar, Subtraktion bei eingedrückter Kurbel,
  • Schlittenverstellung durch Drehen der herausgezogenen Kurbel in beide Richtungen.
2/1: Viele Stoßstellen am Gehäuse, Tasten mit z.T. deutlichen Gebrauchsspuren, aber alle noch intakt; alles funktioniert wieder einwandfrei.

Gebrochenen Halter eines der verschiebbaren Zahnräder gegen ein selbstgebasteltes Alu-Teil ausgetauscht, Positionierung vieler Zahnräder nachjustiert, ausgeleierte Federn gekürzt, verklemmte Tasten aus- und richtig wieder eingebaut, Klingelanschlag mit einem Alu-Streifen verlängert, Hebelchen im Zehner­übertrag im ZW gerade gebogen.

KA.

Die Uhrenfabrik Mathias Bäuerle wurde schon 1863 gegründet. Ab 1903 wurden dort neben Uhren und Uhrwerken erste Rechenmaschinen gebaut, damit war man wohl einer der zehn ersten Serienproduzenten von Rechenmaschinen. Die gut verarbeiteten Modelle mit den Marken „Peerless“ („ohnegleichen“, für den Export) und „Badenia“ hatten schon früh Neuerungen wie z.B. Doppelzählwerke, Einstellkontrollen oder Multiplikations­getriebe zu bieten.
Ab 1923 wurden Rohwerke an den Wiener Hersteller „Austria“ geliefert, im Gegenzug erhielt man von dort Unterstützung bei der Automatisierung der eigenen Modelle.
In den 50er-Jahren geriet man trotz - oder vielleicht auch gerade wegen - der hochwertigen und oft gut ausgestatteten Maschinen gegenüber der Konkurrenz etwas ins Hintertreffen. Die hohe Fertigungsqualität war eben auch teuer. Ab 1952 wurden nur noch Modelle mit Elektromotor (nun auch mit der Marke „EMBEE“) angeboten. Bis Anfang der 60er-Jahre versuchte man mit komplexen Automaten an die alten Erfolge anzuknüpfen, doch vergleichsweise früh erkannte man die Zeichen der Zeit und stellte daher 1964 die gesamte Rechenmaschinen-Fertigung ein. Die Firma konzentrierte sich auf Maschinen für die Drucknachbereitung und auch heute gibt es sie noch als Hersteller von Falzmaschinen.

Lipsia Addi 7

Die Addi 7 war eine erschwingliche Addierhilfe. Sie hat sogenannte Zahnsegmente, die seitlich etwas wegklappen können. Mit bequemen Einstellhebeln wird das Resultatwerk vor- oder zurückgestellt, dabei wird durch entsprechendes Aus- und Ein­koppeln der Zahnsegmente addiert bzw. subtrahiert. Der Zehner­übertrag ist vorhanden, über alle Stellen gleichzeitig aber konstruktions­bedingt schwierig.
So eine Maschine kostete anfangs 85 Reichsmark (plus 4,60 Reichsmark für einen passenden Kasten). Dieses Exemplar ist vermutlich Ende der 40er-Jahre gebaut worden.

aus der Sammlung Veres

nach dem Öffnen: alles
voller Staubmäuseratten...

Lipsia
Addi 7
Nr. 30526

12,5 x 14,5 x 14,5
2,1 kg
1930 - 1953
  • EW(+EK) 7 RW 7;
  • Minus-Taste,
  • Löschtaste für EW (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschkurbel für RW.
  • Eingabekontrolle durch Ausschnitte und Ziffernsegmente der Schieber.
2/1: Gehäuse gut erhalten, Sockel an einer Ecke angeschlagen, ein Griff nicht original; alles funktioniert einwandfrei.

Zentimeterhohe Staubmäuse (wirklich beeindruckend) aus dem Inneren entfernt.

Mäßige Kopie einer Originalanleitung vorhanden, KA.

Der Mechaniker Jacob Otto Holzapfel arbeitete erst bei Brunsviga und Triumphator. 1914 machte er sich in Leipzig selbständig und bot unter der Marke „Lipsia“ eine eigene, sehr gut verarbeitete Sprossenradmaschine an. Ab 1927 baute Holzapfel auch Zahnsegment-Maschinen.
1953 wurde die Firma enteignet und dem „VEB Metallbau Leipzig“ einverleibt. Rechenmaschinen wurden dort dann nicht mehr gebaut, aber die Triumphator-Werke boten wenige Jahre später eine Maschine mit der Technik der Addi 7 als Triumphator KA an.

NCR 1652

Diese Kasse rechnet nur Tagessummen. Daher wird sie zwar meist nicht zu den Rechenmaschinen gezählt, doch sie hat einen Zehner­übertrag im Resultatwerk und kann dort addieren. Also ist sie definitionsgemäß eine „Einspezies-Maschine“, die halt bei jeder Addition zusätzlich klingelt und eine Schublade öffnet.
Die Mechanik der Kasse besteht im Kern aus vier Stellsegmenten, die per Hebel eingestellt werden. Erst beim Kurbeln werden sie auf die Zahnräder des Resultatwerks aufge­schwenkt und drehen dann diese Zahnräder (und die Ziffern­rädchen) je nach ihrer Voreinstellung weiter.
Diese Kasse fand mein Vater vor, als er 1972 ein Geschäft in Frankfurt übernahm. Einige Monate tat sie dort noch Dienst, dann kam eine elektrische Kasse und sie wanderte in den Keller.
Die Liste der NCR‑Seriennummern zeigt, dass die Kasse bereits 1949 gebaut wurde. Sie war also mindestens 22 Jahre im Einsatz, so lange hält heute keine mehr. Mit etwas Stempelfarbe, neuen Papierrollen (im ungebräuchlichen 4,4 cm‑Format) und ein wenig Öl funktioniert sie nun fast wieder wie am ersten Tag.

Nationale Registrierkassen GmbH Augsburg
N-1652-B
Nr. U 4502040

50 x 42 x 45,5
26,2 kg
ca. 1930 - ?
  • EW+2 KW (Kassierer- und Kundenanzeige) 4 RW 7 Druckwerk doppelt (für Bon und Journal).
  • Bondruck abschaltbar,
  • Ablesung und Löschung des RW mit zwei Schlüsseln,
  • ein kleiner, nicht rückstellbarer Zähler für die Nullstellungen,
  • manuelle Datumseinstellung des Druckwerks.
4/2: Karosserie mit starken Gebrauchsspuren, die Marmorplatte über der Schublade fehlt. Schlüssel für Schublade und Druckwerk fehlen (werden zum Betrieb nicht benötigt), Rechen- und Speicherfunktion einwandfrei, Firmeneindruck im Bon („Reformhaus am Lokalbahnhof“) durch entfernte Andruckrolle stillgelegt.

Fehlende Andruckleiste für Journaldruck durch Gummiblock ersetzt, neue Farbe eingefüllt, Papierrollen umgespult.

KA.

Die National Cash Register Company gibt es unter diesem Namen seit 1884. Durch aggressivstes Marketing und Aufkauf von Konkurrenten (teils mit Einschüchterung und hoher krimineller Energie, wegen unlauterer Geschäfts­praktiken wurden einige der Manager sogar zu Gefängnisstrafen verurteilt) erreichte die Firma schon 1910 95% Marktanteil in den USA. Auch in Deutschland hießen viele Kassen „National“, sie wurden ab 1896 in Berlin, ab 1945 in Augsburg hergestellt. Ab 1953 war NCR einer der Pioniere der EDV‑Entwicklung, doch 1997 zog sich NCR wieder aus dem Computergeschäft zurück. Kassen werden dort immer noch gebaut, sie sehen heute aber etwas anders aus.

Rheinmetall AE

Rheinmetall hat auch Addiermaschinen entwickelt. Das hier ist eines der ganz frühen und einfacheren Modelle der Reihe. Es kann noch nicht saldieren (negative Ergebnisse korrekt drucken), aber es hat nun erstmals den Motor, der das Addieren schneller und leichter macht. Vor allem aber hat es bereits die moderne Zehnertastatur. Damit kann man sicherer multiplizieren, weil man dafür nur noch eine Null "hintendran" tippen muss, statt für jede Stelle den gesamten Faktor neu einzugeben.
Um die getippten Ziffern in die jeweiligen Stellen zu bringen ist nun aber eine komplexe Mechanik mit „Stiftschlitten“ nötig: Die Tasten drücken nach und nach Stiftchen in dem schrittweise bewegten Schlitten, beim Druck der Rechentaste werden die Zahnstangen jeder Stelle von den Stiften in einer dadurch bestimmten Position festgehalten. Danach greifen die Zahnstangen in die Zahlenrädchen und drehen sie entsprechend weiter.
Weil das so kompliziert klingt: Der Stiftschlitten ist auf dieser Konstruktionszeichnung sehr schön zu sehen!
Die Anzeige des Resultatwerks (mit der im Prinzip sogar eine sehr, sehr umständliche Division möglich wird) und die echte Eingabekontrolle sind typisch für Rheinmetall. Andere Addiermaschinen hatten meist nur einen Stellenzeiger.
Die Modellreihe bot motor- und handbetriebene Maschinen, darunter auch saldierende und/oder mit Breitwagen. Viele Sondereinrichtungen konnten eingebaut werden, z.B. Postenzähler, „1/2“-Symbol oder der Druck führender Nullen (vermutlich war das wichtig für Kontenbücher).
Dieses Exemplar hat noch keine „Nichtrechentaste“ (die wäre z.B. für Datums- oder Belegnummern-­Druck nützlich) und keinen Abschalthebel für das Druckwerk. Das und die niedrige Seriennummer deuten auf das Baujahr 1931.
Das Gerät stammt aus einer früheren Kleiderfabrik in Aschaffenburg. Der Enkel der Besitzer hat dort aufgeräumt und fand die komplette Büroausstattung von damals, darunter auch mehrere elektrische Addiermaschinen und einen Facit-Vollautomaten. Er konnte sich noch erinnern, wie die Sekretärinnen darauf gerechnet haben - die Maschine muss also mindestens bis in die 60er-Jahre benutzt worden sein. Welches Gerät wird heute noch über 30 Jahre genutzt ...?

Spannungswähler am Motor:
Rheinmetall
AE
Nr. 5229

23 x 47,5 x 16
9,9 kg
1931 - 1949
  • EW(+EK) 10 RW 10 Druckwerk 10st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • Korrekturtaste.
  • Mit Anzeige und Ausdruck,
  • x-Taste für Erhalt der Eingabe (behelfsmäßige Multiplikation),
  • Zeilenvorschub einstellbar (0, 1, 2‑zeilig).
2/1: Karosserie mit einigen Kratzern vorne, ohne äußere Risse/Brüche, eine Taste nicht original; rechnet einwandfrei und sehr leichtgängig.

Völlig zerbröseltes, lebensgefährliches Netzkabel und fehlende Wiederholtaste ersetzt, ausgebrochene Hülse der Oberschale eingeklebt, viele Roststellen abgeschliffen bzw. poliert, Tastenfeld neu lackiert, Farbband erneuert.

KA.

Walther RKZ

„RKZ“ ist die Bezeichnung der „Rechenmaschine mit EinstellKontrolle und Zehnerübertrag“. Um trotz dieser guten Ausstattung den Preis niedrig zu halten wurde die Kapazität reduziert, das genügte in vielen Bereichen. Ein Modell mit höherer Kapazität wurde als „RMKZ“ angeboten.
Die Schlittentasten vorne sind durch Daumentasten vor der Kurbel ersetzt, damit ist Einhandbedienung möglich. Die Seriennummer und die ungewöhnliche quadratische Schlittenlösetaste weisen recht sicher auf das Baujahr 1949. Trotz der Lackierung in „Vorkriegs-Schwarz“ ist es also ein Nachkriegs­exemplar, jedoch eines der ganz frühen aus westdeutscher Walther-Produktion.

Walther
RKZ
Seriennummer 52821

29 x 13,5 x 13,5
3,8 kg
1931 - 1957
  • EW(+EK) 6 ZW 6 RW 10;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Kurbeln für Löschung von RW und ZW, Löschklappe für das EW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW, (von Löschklappe auf neutral und dann bei erster Kurbeldrehung auf + bzw. - gestellt),
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Überschleuderungskorrektur (kl. Loch links neben der Einstellkontrolle)
  • Schlitten mit Federzug kann einfach nach rechts geschoben werden.
2/1: Gehäuse mit einigen Gebrauchsspuren; alles funktioniert leichtgängig.

Ein paar Kratzer und abgegriffene Stellen retuschiert, einige Zahlen neu eingelegt, blanke Metallteile poliert.

KA.

Victor 515-S (?)

Die Modellbezeichnung dieser Maschine ist geraten: Aus der 500er-Serie kennt man eigentlich nur die 511 mit 8 Stellen und die 521 mit 10 Stellen. Diese hier könnte wegen der 9 Stellen und der Möglichkeit zur Subtraktion 515-S heißen - aber das ist nur eine Vermutung, weil diese Modellnummer in alten Listen zwischen den 511ern und 521ern auftaucht.
Wie auch immer - die Maschine ist sehr schwer, groß und solide gebaut und funktioniert wohl auch deshalb (mit neuer Papierrolle und Farbband) wie am ersten Tag. Sie überträgt die Werte mit den bei Addiermaschinen üblichen Zahnsegmenten, das sichtbare Resultatwerk ist ein bei druckenden Maschinen eher unübliches, nettes Extra.
Die Seriennummer lässt auf das Baujahr 1936 schließen. In den USA waren die handbetriebenen 500er-Modelle relativ preiswert und lange Jahre erfolgreich. In Deutschland kaufte man aber offenbar lieber die Maschinen der Wanderer-Werke oder die Burroughs Portables, hier sind die alten Victors recht selten.

Victor
5xx-S
Nr. 218871

24,5 x 45,5 x 24,5
16 kg
1931 - ca. 1957
  • EW 9 RW 9 Druckwerk 9st. (+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • Löschtaste für Tastatur und Funktionen.
  • mit Anzeige und Ausdruck,
  • Repeat-Taste für behelfsmäßige Multiplikation,
  • Nichtrechentaste.
2/1: Viele kleine Gebrauchsspuren, aber sehr schöner Gesamteindruck; Funktion einwandfrei.

Großen Hebel etwas gebogen (damit er nicht am Gehäuse schleift), Farbband erneuert.

Staubschutzhaube schneidern lassen, KA.

1918 gründete der Konstrukteur Oliver D. Johantgen mit zwei Freunden die Victor Adding Machine Co., um eine neue Addiermaschine nach seinen Patenten zu bauen. Gegen Ende des Jahres stieg Metzgereiketten-Besitzer Carl Buehler als Finanzier ein, in Folgejahr kam eine nichtdruckende, leichte Addiermaschine für nur 100 $ auf den Markt. Anders als die Konkurrenten zielte man damit nicht auf Versicherungen, Banken oder große Firmen als Kunden, sondern wollte mit der billigen, aber soliden Maschine den Markt der kleinen Gewerbetreibenden bedienen.
1922 erwarb Buehler die Aktienmehrheit, 1925 zog man von verstreuten, angemieteten Werkstätten in eine eigene Fabrik in Chicago um. Ab 1939 wurden neue, von Thomas O. Mehan entwickelte Maschinen angeboten, alle Modelle gab es wahlweise mit Voll- oder Zehnertastatur. Bis zu Beginn der 70er-Jahre blieb Victor eine der erfolgreichsten Hersteller der Branche, 1961 wurde sogar die Comptometer Co. übernommen.
Auch elektronische Rechner wurden schließlich angeboten, aber nach einer Serie von Verkäufen, Gläubigerschutzverfahren, Aufspaltungen blieb bis heute nur noch die „Victor Technology“ übrig. Sie verkauft Bürotechnik, darunter auch einige (natürlich nicht mehr selbst gebaute) Rechner.

Archimedes LK11

Die LK ist eine Staffelwalzen-Maschine aus der L‑Serie mit manueller Löschung im Schlitten und ohne Divisionsvoreinstellung. Dennoch ist sie ein echter Halbautomat mit automatischer Division, hat Zehner­übertrag im Zählwerk, optionalen Additions­modus und den Gleitschlitten, der zum Versetzen und Löschen nicht mehr angehoben werden muss. Es gab das Modell in verschiedenen Kapazitäten, die LK11 ist die kleinste davon.
Die Seriennummer lässt hier ein Baujahr um 1934 herum vermuten. Den Neupreis kennt man von 1939: 870 RM (damals etwas mehr als fünf Monatslöhne). Für weitere 500 RM konnte rechts ein Kasten mit Wahltasten zur halbautomatischen Multiplikation angebaut werden.

Eine Tastenreihe in Aktion
(MP4, 30 MB):
Division
(355:113)
(MP4, 43 MB):
Archimedes
LK
Nr. 16975

34 x 34,5 x 24
14,3 kg
1932 - 1940
  • EW(+EK) 8 ZW 6 RW 11;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für das EW,
  • 2 Schieber zur Löschung von ZW bzw. RW.
  • automatische Division,
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 9 Stellen,
  • Ziffern im RW und ZW direkt einstellbar,
  • Hebel für Drehrichtung im ZW,
  • Hebel für Divisionsstart,
  • Taste für Divisionsstopp,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Handbetrieb möglich.
2/1: viele Stoßstellen nur retuschiert; alle Funktionen gehen leichtgängig, 1 Wirtel im ZW fehlt noch.

Tasten teils neu eingelegt, brummende Kondensatoren ausgetauscht, eine Handkurbel angepasst.

KA.

Glashütte im Erzgebirge war bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Zentrum der feinmechanischen Industrie. Dort entstand 1880 mit der Firma Burkhardt die erste Serienfertigung von Rechenmaschinen in Deutschland.
1890 gründete Constantin Fischer eine Werkstatt für Präzisions­uhren und andere feinmechanische Geräte; ab 1900 gehörte sie Reinhold Pöthig, der bei Burkhardt gelernt hatte. Er begann bald mit der Entwicklung eigener Rechenmaschinen. Ab 1912 hieß seine Firma „Glashütter Rechenmaschinenfabrik Archimedes, Reinhold Pöthig“. Hans Sabielny, der in Dresden selbst Rechenmaschinen baute, über­nahm 1920 den Vertrieb aller Archimedes-Maschinen in Deutschland, später dann weltweit (dafür steht das große „S“ am Ende der Marke). Mit seinem Vertriebstalent trug er sicher zum Erfolg der Marke bei.
1951 wurde Archimedes „VEB“. Bis 1960 wurden mechanische Rechenmaschinen gebaut, danach nur noch elektronische Geräte bzw. Komponenten, was zur erneuten Namensänderung in „VEB Rechenelektronik Glashütte“ führte. Später wurde die Firma Teil des Robotron-Kombinats und ging mit diesem unter, als die DDR‑Betriebe veruntreuhandet wurden.

Brunsviga 10

Die kleine Brunsviga 10 war mit ihrer beschränkten Stellenzahl und kleinsten Abmessungen eher als mobiler Rechner für die Arbeit außerhalb des Büros gedacht. Aber auch auf dem Schreibtisch hatten sie viele stehen, weil sie wirklich wenig Platz braucht und durch die feststehenden Einstellhebel und die schräg angesetzte Kurbel recht bedienerfreundlich ist. Kapazität und Ausstattung sind eher sparsam, aber immerhin hat sie sowohl Zehner­übertrag als auch Umschaltung zwischen roten und weißen Ziffern im Zählwerk.
Die Technik im Inneren des Modells ist für den Hersteller sehr ungewöhnlich. Es sind geteilte Staffelwalzen, und die „5er-“ und „1‑4er“-Walzen sitzen (anders als bei den Monroes und deren Nachbauten) auf zwei verschiedenen Achsen. Die Zahnräder des Resultatwerks werden also ggf. von zwei verschiedenen Stellen aus angetrieben.
Dieses Exemplar hat noch kein Staubschutz-Blech über der linken Schlittenseite. Es ist also eine der ganz frühen Maschinen des Modells. Aus der Seriennummer ergibt sich das Baujahr 1933, der damalige Neupreis betrug 275 Reichsmark (knapp eindreiviertel Monatslöhne).

mehr Infos beim
IFHB
Bedienung der B10 im
Youtube-Video
Brunsviga
10
Nr. 141578

23,5 x 18 x 9,5
3,7 kg
1932 - 1952
  • EW(+EK) 6 ZW 5 RW 10;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschkurbeln für ZW und RW,
  • Löschtaste für das EW.
  • Eingabekontrolle durch Ausschnitte und Ziffernsegmente der Schieber,
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • im ZW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW,
  • Schlitten nur per Griff nach rechts zu stellen, nach links nur mit den Tasten links und rechts,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel.
2/1: Viele kleine Kratzer, aber Lack insgesamt gut erhalten, alle Gummirollen aufgelöst und beide Schlittengriffe leicht gerissen; einwandfreie und leichtgängige Funktion.

Kurbelblock neu lackiert, Ziffern in den Deckblechen neu eingelegt, festgefressenen Zehner­übertrag im ZW gängig gemacht.

Anleitung im Netz gefunden.

Brunsviga 10

Auch zwei Jahrzehnte später konnte man das Modell noch kaufen. Die grüne Farbe dieses Exemplars zeigt schon, dass es nach dem Krieg hergestellt wurde, die Seriennummer ergibt das Baujahr 1950. Linke Schlittentaste und Löschtaste des Einstellwerks sind weggefallen, vermutlich wollte man so die Produktionskosten senken. Der Neupreis nach der Währungs­reform: 495 DM (auch wieder eindreiviertel Monatslöhne).

Die geteilten Staffelwalzen in Aktion:
(MP4, 8 MB)
Brunsviga
10
Nr. 237715

23 x 17,5 x 9,5
3,6 kg
1932 - 1952
  • EW(+EK) 6 ZW 5 RW 10;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschkurbeln für ZW und RW.
  • Eingabekontrolle durch Ausschnitte und Ziffernsegmente der Schieber,
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • im ZW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW,
  • Schlitten nur per Griff nach rechts zu stellen, nach links nur per Taste,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel.
2/1: Lack durchgehend gut erhalten, eine der Gummirollen hat sich aufgelöst, Schlittengriff leicht gerissen; einwandfreie und leichtgängige Funktion.

Fehlenden Knopf eines Einstellhebels ersetzt, eine Delle im Deckblech ausgebeult, mehrere dadurch abgeschabte Ziffern eines Einstellrades nachgemalt.
Tip zum Zusammenbau: Die Einstellräder vor dem Zerlegen durchnummerieren und in korrekter Reihenfolge einbauen. Sie lenken die Einstell-Leisten verschieden weit aus!

Madas 12

Das kleinste und einfachste aller MADAS-Modelle müsste eigentlich MDAS heißen, denn es hat keine automatische Division, nicht mal Stop-Division. Mit der vereinfachten Mechanik, kleiner Kapazität und Handantrieb wollte Egli wohl einen günstigen Preis möglich machen, ohne dabei an der hochwertigen Verarbeitung zu sparen. Ganz erfolglos war das nicht: Das Modell ist zwar nur in kleinen Mengen, doch über einen langen Zeitraum gebaut worden - vielleicht bis zum Ende der Rechnerproduktion?
Dieses späte Exemplar wurde 1955 gebaut, daran befestigte Schilder zeigen sowohl den Hersteller als auch den Verkäufer (in bester Züricher Lage).
Ähnliche Modelle gab es auch mit Motorantrieb und/oder mehr Stellen im Schlitten.

Schilder vorne:
Schild rechts hinten:
Madas
12
Nr. 66921

29 x 30,5 x 22
8,5 kg
1932 - mind. 1955
  • EW(+EK) 8 ZW 6 RW 12;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für das EW,
  • 2 Schieber zur Löschung von ZW bzw. RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 9 Stellen,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schalter „Add-Sub“ kehrt Drehrichtung im RW um,
  • gedrückte Korrektur-Taste (mit zusätzlicher Daumentaste an der Kurbel) kehrt Drehrichtung in RW und ZW um,
  • Taste (einrastend) zum Abschalten des Additionsmodus.
2/1: Guter Gesamteindruck, aber viele kleine Stoßstellen und Lackschäden; alle Funktionen gehen wieder sehr leichtgängig.

Verharzte Mechanik gängig gemacht, Zehnerübertrag im ZW neu justiert, einigen Flugrost entfernt, eine Raste des Umschalthebels (für zuverlässige Funktion der Korrekturtaste) nachgeschliffen.

KA.

Rheinmetall KEWS If

KEWS bedeutet Kleinrechenmaschine mit Elektro­motor, motorisierter Wagenverschiebung und Speicherwerk. Damit sind die Vorzüge des Modells schon erklärt. Auf der Negativseite steht, dass es nur Stoppdivision bietet und die Direkteinstellung des Resultatwerks keinen Platz mehr hat. Für manchen Rechenbedarf war das Speicherwerk aber wichtig: Man kann z.B. Produkt- oder Gesamtsummen bilden. Die können zur Weiterverwendung auch wieder ins Resultatwerk zurück übertragen werden.
Sogar Rechnungen wie 8+6,322/8,74+π/2-√3 sind damit (und mit ein paar Tricks zum Rückschreiben der Quotienten) ohne Notieren und Neutippen von Zwischenergebnissen möglich.
Der Schlitten ist identisch mit dem weiter oben gezeigten aus der KES. Es gab den auch mit größerer Stellenzahl (17-17-8).
Diese Maschine wurde 1937 gebaut. Irgendwann hat sie die Entstörschaltung und den Spannungswähler am Motor verloren, der läuft an 230 V aber ganz problemlos.

aus der Sammlung Wittig
Rheinmetall
KEWS If
Nr. 39650

47,5 x 33 x 28
16 kg
ca. 1934 - 1945
  • EW(+EK) 9 ZW 6 RW 13 SW 13 Postenzähler 3;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für das EW,
  • Löschrad für Postenzähler,
  • 3 Löschschieber für ZW, RW und SW (ZW und RW koppelbar).
  • Zehnerübertrag im ZW und SW komplett, im RW nur über 10 Stellen,
  • Hebel +/⎯ für Drehrichtung im ZW,
  • Wert im RW kann per Hebelzug zum SW addiert oder davon subtrahiert werden,
  • Wert im SW kann ins leere(!) RW verschoben werden,
  • Taste (einrastend) für Additionsmodus,
  • Stoppdivision mit automatischer Korrektur (also abwechselnd
    ⎯ und ← drücken).
2/1: Gebrauchsspuren v.a. an der Tastatur und den Kommaleisten; funktioniert wieder einwandfrei.

Lebensgefährliche Verkabelung (fehlende Gehäuseerdung, zerfallende Isolation, PE statt N) erneuert, Deckbleche und Kommaleisten nachlackiert, Metallteile blankpoliert, Löschkopplung nachjustiert.

KA, Haube schneidern lassen.

Brunsviga D 13 Z/2

Bei Brunsviga wurden ab 1925 Doppelmaschinen gebaut. Für die beiden ersten Modelle, DMJR und Doppel-Nova, wurden zwei MJR bzw. Nova II nebeneinander montiert und über eine gemeinsame Kurbelwelle angetrieben. Spätestens bei der Doppel-Nova saß schon ein Wechselgetriebe zwischen den beiden Sprossenrad-Trommeln, so dass man links und rechts gleich- oder gegenläufig rechnen konnte.
Acht Jahre später erschien die erfolgreichere D 13 Z auf Basis zweier 13Z. Davon gab es Varianten mit einem oder (wie hier) zwei Zählwerken, seltener auch mit 18 statt 13 Stellen in den Resultatwerken. Von allen Varianten zusammen wurden knapp 4.000 Exemplare gebaut, davon aber nur 844 Z/2. Dieses Exemplar stammt aus dem letzten Baujahr 1947.
Das Nachfolgemodell D 13 R erschien erst 1954, bis dahin wurden noch D 13 Z angeboten. Der letzte Preis der Z/2: 1.870 DM (fast acht Monatslöhne).

mehr Infos im
Arithmeum
Brunsviga
D 13 Z/2
Nr. 213588

45,5 x 23 x 16,5
15,4 kg
1934 - 1947
  • EW(+EK) 2x10 ZW 2x8 RW 2x13;
  • Grundrechenarten,
  • 1 Löschkurbel (li.ZW) und 4 Löschhebel (beide EW, li.RW, re.RW, re.ZW).
  • Zehnerübertrag auch in den ZW,
  • Schiebeblenden im ZW zeigen rote Ziffern, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufende Stellenzeiger in den ZW,
  • Ziffern der RW direkt einstellbar (mit Hebel, der das erleichtert),
  • Schalter für Drehrichtung des linken ZW (Zugknopf links),
  • Schalter zur optionalen gemeinsamen Löschung beider EW mit rechtem ZW.
2/1: Gehäuse sehr schön mit einigen kleinen Retuschen, ein Löschhebel nicht original; leichter Lauf von Kurbel und Einstellschiebern.

Fehlenden Löschhebel nachgebaut, drei Dellen ausgebeult, verbogenen Hebel vorne links begradigt, alle blanken Metallteile poliert, Schrift in den Schlittenvorderseiten und einige Ziffern im rechten EW neu eingelegt, etwas beilackiert.

Brunsviga 20

Die Brunsviga 20 wurde fast 30 Jahre lang gebaut. In den 30er-Jahren war es eine der am weitesten entwickelten Sprossenrad-Maschinen, bis zum Ende der Brunsviga-Produktion blieb das Modell fast unverändert. Es hat eine sehr hohe Kapazität und viele Extras, die die Bedienung vereinfachen oder besondere Rechnungen möglich machen. Dividenden z.B. können im Resultatwerk direkt eingestellt werden, seine Teillöschung ermöglicht es, den linken Teil auch als Speicher zu benutzen.
Die Serien­nummer datiert dieses Exemplar auf 1949. Listenpreis damals: 1.055 DM (etwa vier Monatslöhne). Vorbesitzer war ein bekannter Turnvereins-Vorsitzender und Lehrer aus Idstein.

mehr Infos im
Brunsviga
20
Nr. 230471

41 x 22,5 x 17,5
12,5 kg
1934 - 1963
  • EW(+EK) 12 ZW 11 RW 20;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel und ein Gesamtlöschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 14 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW,
  • Rückübertragung vom RW ins EW (Eingabelöschhebel dazu weiter durchziehen),
  • Ziffern im RW direkt einstellbar (mit Hebel, der das erleichtert),
  • linke Hälfte des RWs kann vor Löschung geschützt werden.
2/1: Nullen und einige andere Ziffern des Kontrollwerks deutlich ausgebleicht, einige größere Stoßstellen am Gehäuse und eines der Gummirädchen am RW ist sehr spröde. Keinerlei Rost und keine Ölverharzungen, die Probleme machen könnten (das ist das häufigste Problem dieser Geräte), daher immer noch beeindruckend leichter Lauf der Kurbel und aller Einstellschieber.

Sprödes Gummirädchen an Stelle 1 versetzt.

Von Herrn Weiss (Mechrech.de - ein ganz großes DANKE!); eine Anleitung (sogar mit Beispielen zur Lösung quadratischer Gleichungen) als PDF erhalten.

Auch diese Maschine stammt vom Büromaschinen-Händler Berg, der sich hier mit einem aufwendigen Metallschildchen verewigt hat. Die Firma, damals in bester Frankfurter Lage am Mainufer (heute ist links das Architekturmuseum, rechts das Museum für Kommunikation), gibt es auch nicht mehr.

ГЗСМ КСМ-1 (GZSM KSM-1) - nur scheinbar eine „Monroe“

Diese Maschine hielt ich erst für eine Monroe K. Deren Modelle gab es mit 12, 16 oder 20 Stellen im Resultatwerk, anfangs als handbetriebene „K“ oder motorbetriebene „KA“ mit automatischer Division. Später kam noch die „KAA“s mit Wahltasten für halbautomatische Multiplikation dazu. Dass dieses Exemplar mal einen Motor hatte sieht man: Mit einem aufgenieteten Blech wurde links hinten eine große Öffnung nachträglich verschlossen, rechts neben den Tasten sind zwei Schlitze, in denen offenbar Plus- und Minustaste saßen. Und innen sind Reste eines Planetengetriebes zu finden, das nur mit einem Motor Sinn macht. Der Umbau zur Handmaschine geschah wohl in den frühen 50er-Jahren (daher das Überpinseln mit dem damals „modernen“ Grün).
Vor den Anzeigen sind hier Glasfenster und das Zählwerk hat Zehnerübertrag - bei Monroe war beides Sonderausstattung. Die Maschine hat nur Stop-Division, auch das entspricht einer der frühen „KA“s. Und das Machine Service Bulletin #24 von Monroe aus dem Jahr 1925 bildet die Mechanik dieses Modells sehr genau ab - also scheinbar alles klar?
Doch zwei Dinge passen gar nicht: Die Maschinen der Monroe K-Serie haben zwei Tasten für das Ein- und Ausschalten des Additions­modus - hier gibt es nur eine, die ein- und ausrastet. Und im ganzen Gerät ist als einzige Nummer eine „150“ zu finden. Das muss die Seriennummer sein, doch für die K-Serie ist die viel zu niedrig (die fing mit 60.000 an).
Erste Vermutung war, dass es sich um ein Versuchs- oder Vorserienmodell von Monroe handeln könnte. Weitere Recherche führte dann aber zur Seite des Moskauer Polytechnik-Museums und zu dieser Maschine des Moskauer Rechenmaschinenwerks - Rätsel gelöst!
Das erklärt auch die kyrillischen Bleistift-Notizen im Inneren, von denen ich erst annahm, sie seien beim Umbau entstanden (es handelt sich um eine Anmerkung und die Signaturen zweier Monteure oder Inspektoren - V.Shilov und T.Leipälä haben sie für mich übersetzt). Und die Null-Knöpfe aus Holz, die ich für notdürftigen Ersatz beim Umbau hielt (vorher abgegriffen, nun schwarz-rot) sind wohl deutlich älter, vielleicht sogar original.
Herr Leipälä machte mich auch darauf aufmerksam, dass der häufig benutzte Begriff „Raubkopie“ hier nicht zutrifft. Sowjetische Fabriken haben damals gerne ausrangierte Produktionsanlagen aus dem Westen gekauft und das dürfte auch hier der Fall gewesen sein. Zeitlich passt es: Die K-Serie wurde bis etwa 1930 gebaut, danach können einige der bei Monroe über­flüssigen Maschinen und Werkzeuge durchaus nach Moskau gelangt sein. Er konnte mir auch mitteilen, was „KSM“ heißt: Клавишная счетная машина, auf deutsch also „Tastatur-Rechenmaschine“.
Was eine KSM-1 neu kostete weiß ich nicht. Die entsprechende Monroe KA-162 jedenfalls hat einige Jahre zuvor in dieser Ausstattung 475 $ gekostet (also etwa 2.000 RM, ungefähr 13,5 Monatslöhne!).
Dieses Exemplar ist möglicherweise als Kriegsbeute nach Deutschland gekommen. Der Inhaber eines Fliesen- und Baugeschäfts hat es in den 50er-Jahren bei einem Bürohändler in Augsburg als Gebraucht­gerät gekauft und darauf jahrelang seine gesamte Buchhaltung erledigt. Zuletzt hatte sein Sohn sie 35 Jahre als Deko im Büro. Ich bin sehr dankbar, dass er dadurch dieses extrem seltene Stück Technikgeschichte bewahrt hat.

vorher so:
die minimalistischen „Staffelwalzen“:
Bilder der Renovierung:
  
  
  
  
государственный завод счетных мажин именной товарищ дзержинского Москва
КСМ-1
Nr. 150

46 x 40 x 19,5
10,1 kg
1935 - ca.1940
  • EW 8 ZW 8 RW 16;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für RW und ZW (je nach Drehrichtung).
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 10 Stellen,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Zählerknopf (schützt ggf. die 1 ganz links vor Löschung = weiterer Zähler im RW).
  • einrastende Taste für Additionsmodus,
  • Stopdivision,
  • Hebel zur Dämpfung der Glocke.
1/2: Nach Komplettrestaurierung wieder wunderschön; noch fehlt der innere Hebel, der den Schlitten beim Löschen anhebt, funktioniert ansonsten einwandfrei.

Ausgehängte Hebelchen der Tastatur­sperre eingehängt, Delle/Riss in einem Ziffernrad repariert, ein etwas verbogenes Hebelchen und die vier stark verbogenen Gehäuseträger gerichtet, fehlende Feder der Drehrichtungs­sperre neu aufgebaut, Knick in der Schlittenstange begradigt, stark verbogene Schlitten­transportgabel gerichtet und justiert, zwei fehlende bzw. unpassende Tasten, übergroßen Schlitten­griff, Füße, Federn zweier Kommaschieber und fehlendes Kommaleisten-Rädchen ersetzt, losen Zählerknopf repariert, Null­tasten, Kurbelgriff, Kommaleisten und alle Gehäusebleche ent- und neu lackiert, Tastatur entrostet, 79 Schraubenköpfe vom Lack befreit, blanke Metallteile poliert, einige Ziffern aufgefrischt, viele Stellen justiert, entgratet oder nachgefeilt.

Staubschutzhaube schneidern lassen, KA, Anleitung der Monroe KA im Netz gefunden.

Mercedes-Euklid 29

Diese Proportionalhebel-Maschine ist die letzte handbetriebene Maschine von Mercedes. Sie ist etwa ein Jahrzehnt jünger als die Euklid 4. Die grundlegende Technik ist gleich, aber Bedienung und Design sind viel moderner: Sie hat flache, bequemere Glastasten, nach hinten verlegten Schlitten und automatische Division. Die Bleche sind viel dünner und teils durch Leichtmetall ersetzt, das Gewicht um ein Drittel verringert.
Mercedes hatte damals immer ausgefeiltere und motorisierte Maschinen (z.B. die Euklid 38SM aus der gleichen Modellreihe) gebaut, doch offenbar gab es auch noch größere Nachfrage nach einem handbetriebenen Modell. Man findet es heute noch öfters auf den einschlägigen Auktionsseiten. Produziert wurde es bis in die DDR‑Zeit hinein, dann als Mercedes R 29 (ohne „Euklid“ und in Grau).
Dieses Exemplar wurde wahrscheinlich in der Buchhaltung von Radio Mende (zeitweise der größte Radiohersteller Deutschlands, später VEB Funkwerk Dresden) benutzt. So ganz sicher ist das nicht, der Vor-Vorbesitzer, aus dessen Nachlass die Maschine stammt, hat jedoch dort gearbeitet. Die Seriennummer ist die früheste der im Rechnerlexikon bekannten, das Baujahr dürfte etwa 1937 sein.

mehr Infos im


Zahnrädchen auf 
Zahnstange 7,
8,
9:

Proportionalhebel bewegt
Zahnstangen (MP4, 2 MB):
Mercedes-Euklid
29
Nr. 28005

38 x 32 x 19
12,9 kg
1935 - 1952
  • EW 9 ZW 6 RW 12;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für EW, 2 Löschhebel für ZW und RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im RW,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Schlittenvorlauf nur durch Schieben per Hand, Rücklauf (mit Federkraft) per Taste,
  • automatische Division,
  • Kurbel nur im Uhrzeigersinn drehbar.
2/2: Einige Stoßstellen und kleine, teils retuschierte Lackschäden an entrosteten Stellen, die meisten Tasten und Hebel sind noch original erhalten. Einwandfreie Funktion, nur die Tastenreihe ganz links (ursprünglich die mittlere) hat innen ausgebrochene Metallzungen, die vor langer Zeit notdürftig repariert wurden und ist daher nicht mehr allzu belastbar.

Fehlende Löschhebelgriffe und Halteschrauben der Schlittenabdeckung ersetzt, unleserliche Tastenbeschriftung komplett erneuert, einige kleine Rostansätze entfernt.

Kurzanleitung aus einer Mercedes-Werbung und eine Anleitung für die R 29 im Netz gefunden.

Mercedes-Euklid 38SM

Während das zur gleichen Zeit entwickelte Modell Euklid 29 gleichsam das „Sparmodell“ der Reihe war ist das hier die „Super-Luxus-Variante“ mit Elektromotor, größerer Kapazität, automatischer Division und Multiplikation (beides auch negativ), sichtbarem Speicherwerk (das summieren kann) und verdecktem Multiplikatorwerk (gut für Ketten­multiplikationen). Die riesige Tastatur erlaubt die Eingabe beider Faktoren bzw. von Dividend und Divisor nebeneinander.
Das war sicher eine Maschine für Versicherungs­mathematiker und andere Bereiche, in denen komplizierte Rechnungen mit großen Zahlen vorkamen. Allerdings fehlt jede Möglichkeit zur manuellen Wagenverschiebung, das Wurzelziehen geht daher nur „nach Heron“ und nicht „nach Toepler“ - m.E. ein deutlicher Mangel !
Dieses Exemplar stammt aus dem Jahr 1953, das ist eigentlich das letzte Baujahr des Modells. Bis 1958 wurde jedoch die Mercedes R 38SM gebaut - die exakt gleiche Maschine in Grau und ohne „Euklid“ im Namen. Nur von dieser kenne ich einen Preis: 1957 lag der bei 4.310 DM (fast ein Arbeiter-Jahreslohn).

aus der Sammlung Weber

mehr Infos im

Division
(355:113)
(MP4, 38 MB):
Mercedes-Euklid
38SM
Nr. 100421

40 x 37,5 x 18,5
21,1 kg
1935 - 1953
  • EW 16 ZW 8 RW 16st. (mit Komplementanzeige)
  • SW 16st.
  • Multiplikatorwerk 8;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschtasten für EW, ZW und RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Tasten S und SL für Speicherung und Speicherrückruf,
  • Taste M für Übertrag des RW ins Multiplikatorwerk,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Schlittenbewegung nur automatisch,
  • automatische Division,
  • automatische Multiplikation,
  • Schalter für Divisionsunterbrechung,
  • Hebel für Rechnungsabbruch.
2/1: Viele kleine Stoßstellen und Lackschäden, aber schöner Gesamteindruck; alle Funktionen einwandfrei.

Blockade der Tastatur und der Multiplikationstaste gelöst, einige Hebelchen justiert.

Staubschutzhaube schneidern lassen, PDF der Anleitung im Netz gefunden und mit Wurzelalgorithmus ergänzt.

Friden H8

Friden baute eigentlich nur elektrisch angetriebene Rechenmaschinen. Vor allem die US‑Armee wollte aber Maschinen, die ohne Strom funktionierten. Also wurden auch kleine Mengen (ca. 10.000) der H8 und ihrer „großen Schwester“ H10 gebaut.
Die H8 ähnelt auf den ersten Blick den „Monroes“, ist aber mit vier Doppel-Staffelwalzen für die acht Stellen deutlich komplexer aufgebaut. Sie erlaubt die automatische Division (positiv und negativ) und das Zählwerk hat Zehnerübertrag.
Die Seriennummer dieser Maschine deutet auf das Baujahr 1949. Sie wurde in der Saarbergwerk AG in Ensdorf genutzt, ein Mitarbeiter nahm sie nach ihrer Außerdienststellung mit und bewahrte sie so vor der Verschrottung. Den damaligen Preis der Maschine kenne ich leider nicht. Ihre relative Seltenheit, der große Funktions­umfang und die damals hohen US‑amerikanischen Löhne lassen vermuten, dass sie recht teuer war. Aber erstens war das Bergwerk Staatsbetrieb, und vielleicht war es ja eine Gebrauchtmaschine aus dem Marshall-Plan?

Friden
H8
Nr. 55694

42,5 x 36 x 23
12,9 kg
1935 (als CH) - 1954
  • EW 8 ZW 9 RW 17;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschschieber (koppelbar) und Löschtaste
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 11 Stellen,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • die meisten Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • automatische Division,
  • daher keine Überlaufglocke.
1/1: extrem wenige Gebrauchsspuren, einwandfreie, sehr leichtgängige Funktion.

Die Maschine war völlig verharzt und blockiert, viel WD40 und anschließendes Benzinbad haben das behoben. Einen fehlenden Wirtel im RW ersetzt, leicht abgestoßene Schlittenkurbel neu lackiert.

KA.

Den schwedischen Ingenieur Carl Mauritz Friden hat es im 1. Weltkrieg in die USA verschlagen. Er brachte es bis zum Chefkonstrukteur von Marchant, gründete aber 1934 seine eigene Firma. Die Patente auf seine früheren Konstruktionen gehörten allerdings Marchant, also musste er wieder völlig neue Lösungen erfinden. Diese „Selbstüberlistung“ gelang ihm und die Friden Co. wurde mit immer komplexeren Rechenmaschinen sehr erfolgreich. 1945 starb Friden, aber die Firma produzierte zwei Jahrzehnte lang weiter (insgesamt über 3 Millionen Rechenmaschinen). Auch die einzige Rechenmaschine, die serienmäßig das automatische Wurzelziehen beherrschte, stammt von Friden.
1963 brachte sie mit dem Friden 130 den ersten volltransistorierten Elektronenrechner auf den Markt. Es gelang der Firma aber nicht, im Konkurrenzkampf um niedrigere Preise, kleinere Gehäuse und mehr Funktionen mitzuhalten. Schon 1965 kaufte der Nähmaschinen-Hersteller Singer die Reste der Firma auf und bis 1974 wurden (teils von Hitachi gebaute) Rechner unter der Marke Friden verkauft. Heute baut Singer wieder hauptsächlich Nähmaschinen und gehört einer „Heuschrecke“ auf den Bahamas, die Marke Friden ist komplett erloschen.

ALFA C

Druckende Addiermaschinen waren schon früh wichtige Werkzeuge in allen Büros. Maschinen in der Art der Burroughs Portable kamen zuerst aus den USA, aber schon in den späten 20er-Jahren wurden auch diesseits des Atlantiks entsprechende Geräte entwickelt. Guiseppe Inzadi konstruierte die ALFA-Modelle, die ab 1935 in Mailand gebaut wurden. Modell C ist ausgestattet mit Nichtrechen-, Wiederholungs- und Subtraktions­tasten, kann aber auch noch nicht saldieren.
Es gab auch ALFA-Modelle ohne Subtraktion, mit zusätzlicher Summenanzeige vor der Tastatur, ohne Druckwerk (nur Summenanzeige) oder saldierend (letztere dann auch mit Motor).
Die schön gestaltete Firmenbezeichnung auf der Rückseite grenzt das Baujahr dieser Maschine ein auf die Jahre 1943 bis 1947. Dass Sozzi hier noch genannt wird (und das Herkunftslabel die gesamte Adriaküste zu Italien zählt!) lässt eher ein Baujahr vor 1945 vermuten.Verkauft oder gewartet wurde es von einer Firma in Berlin-Friedenau.

aus der Sammlung Kohl
ALFA
C
Nr. S109606

28 x 39,5 x 23,5
11,1 kg
1936 - ca. 1954 (versch. Hersteller)
  • EW 10 RW 10 Druckwerk 10st. (+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • Löschtaste für Tastatur und Funktionen.
  • Leerzug vor Summendruck nötig (sonst fehlen die Zehnerüberträge!),
  • keine Anzeige, nur Ausdruck,
  • R-Taste für behelfsmäßige Multiplikation,
  • Nichtrechentaste.
1/1: Minimale Gebrauchsspuren, funktioniert einwandfrei.

Durch verbogenes Gestänge blockierte Stelle gängig gemacht, verbogene und funktionslose Zifferntaste gerichtet, stark abgestoßene Bakelithaube neu lackiert, die meisten Tasten neu eingelegt, einige Schrauben ersetzt, Farbband erneuert.

KA.

Angelo Sozzi und Guiseppe Inzadi gründeten 1935 in Mailand ihre Firma zum Bau der neu konstruierten Maschine. Aus unbekanntem Grund trennten sie sich schon 1938, Officine Serio in Crema übernahm nun die Produktion der ALFA (Inzadi gründete die neue Firma „GIM“, die neue Rechenmaschinen entwickelte und produzierte). 1942 änderte sich der Hersteller der ALFA wieder: Das wurde nun „Sozzi di Aldo Bona“, später nur „Aldo Bona“ (Officine Serio konzentrierte sich auf den Bau der Tasten-Sprossenradmaschinen mit der Marke „Everest“).

Brunsviga A 58

Das ist eine eher einfachere Addiermaschine mit geringem Funktionsumfang. Sie hat (anders als die „AS“-Modelle von Brunsviga) nur das „A“ im Namen, weil sie lediglich addieren, aber nicht saldieren kann. Sie zeigt also negative Ergebnisse nur als Komplementzahl an.
Mit ihrer Volltastatur braucht sie noch nicht den später üblichen, komplizierten Stiftschlitten. Das macht auch die Addition ein wenig schneller, weil man mehrere Ziffern gleichzeitig eintippen kann. Die ohnehin nur behelfsmäßige Multiplikation wird aber etwas umständlicher und viel fehleranfälliger.
Im Internet findet sich fast nichts über dieses Modell, außer einer alten Verkaufsanzeige eines Auktionshauses in Saragossa. Einschlägige Listen geben für diese Seriennummer das Baujahr 1950 an, auch die grüne Lackierung weist das Exemplar als Nachkriegsgerät aus.

Brunsviga
A 58
Nr. 7767

32 x 26 x 20
8,2 kg
1936 - ca. 1950
  • EW 7 RW 8 Druckwerk 8st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck,
  • keine Korrekturtaste, fehlerhafte Tastendrücke werden durch vorsichtiges Drücken der Zwischensummen- oder Summentaste korrigiert,
  • R-Taste für Weiterverwendung der eingetippten Zahl.
2/2: Einige Gebrauchsspuren; einwandfreie Funktion, aber die Typen 3 und 4 der „1 Mark“‑Stelle sind etwas zu locker und wollen vorsichtig behandelt sein.
Mit Schutzhaube, KA.

Facit TK (1938)

Lange versuchte man, auch Sprossenradmaschinen mit Tasteneingabe auszustatten. Als erster fand Karl Rudin dafür eine zuverlässige Lösung. Das machte den Maschinentyp nun auch für Additionsaufgaben geeignet. Weil hier statt des Schlittens die kurze Trommel mit den Sprossenrädern nach links und rechts läuft kann das Gehäuse geschlossen bleiben, das verbessert Staub­schutz und Geräuschdämmung.
Die zur Division benötigte „nach links“-Funktion war bei den ersten Modellen („Facit T“) noch etwas umständlich. Bei der TK wurde das verbessert, so dass die Rechenstellen von Zähl- und Resultatwerk beim Drücken der Divisionstaste nun (trotz der unterschiedlichen Stellenzahl) in beiden Werken ganz nach links laufen können. Bis zu den letzten Modellen der Reihe blieb die ausgereifte Mechanik unverändert, die Modellreihe wurde außerdem zur Grundlage vieler motorisierter Maschinen bis hin zu elektrischen Vollautomaten.
Die TK wurde von 1936 bis 1954 in Schweden gebaut, alle diese TKs haben eine schwarz-rote Tastatur. Von 1936 bis in den Krieg gab es aber auch eine Lizenzproduktion bei Hans Sabielny in Dresden, dort waren die Tasten meist schwarz-weiß. Das Exemplar hier stammt also aus der deutschen Produktion, es wurde wohl 1938 gebaut. Seine letzte Verwendung fand es bis in die 80er-Jahre bei der „Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft Alpina“, dem Vorläufer der heutigen Alpina AG.

mehr Infos zu den Facit-Modellen bei
H.Schmid
Facit
TK
Nr. 3862

30 x 19 x 14,5
6,1 kg
1936 - 1954
  • EW(+EK) 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Anzeige für Drehsinn im ZW (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich),
  • mitlaufende Stellenzeiger in ZW und RW.
2/1: Nur die Vorder‑/Oberseite konnte im Original erhalten werden, Rück- und Seitenwände waren zu stark verrostet und sind neu lackiert; alles funktioniert wieder einwandfrei.

Alle blanken Metallteile und Schrauben entrostet und poliert, einige Ziffern ausgebessert, alle grüne Blenden neu lackiert, trüb gewordenes unteres Fenster ersetzt, Rück- und Seitenwände komplett abgeschliffen, grundiert, lackiert. Erst nach dem Zusammen­bau den fehlenden Zehnerübertrag einer Stelle im ZW (nur in einer Trommelstellung und nur bei der Subtraktion!) entdeckt: Alles wieder ausgebaut, ein 1 mm zu kurzes/abgebrochenes Übertragshebelchen durch Auflöten verlängert und zurechtgefeilt, alles noch mal zusammengebaut.

Englische Anleitung als PDF vorhanden

Facit TK (1953)

Dem „A“ vor der Seriennummer nach stammt diese TK aus dem Facit-Zweigwerk in Düsseldorf, das Hans Sabielny Anfang der 50er-Jahre gründete. Allerdings steht gleich zwei Mal „Made in Sweden“ drauf. Es ist also eine Maschine aus der Übergangs­zeit, in der die Teile (oder ganze Maschinen?) noch in Schweden gebaut, dann aber für Endmontage und Verkauf nach Deutschland geliefert wurden; das Baujahr ist 1953.
Technisch gibt es überhaupt keinen Unterschied zur anderen TK, nur die Lackierung ist ab 1943 ein grüner Kräusellack. Auch bei den beiden Nachfolgemodellen (NTK und C 1‑13) gibt es technisch keine Weiterentwicklung, nur immer mal wieder modernere Gehäuse.

Facit
TK
Nr. A-100509

30 x 19 x 14,5
6,4 kg
1936 - 1954
1/1: Gehäuse, Tasten und Metalloberflächen sehr gut erhalten; funktioniert wie am ersten Tag.

Metallteile poliert, trüb gewordene Scheiben über den Werken ausgetauscht.

Unter der Marke „Facit“ verkaufte Alex Wibel aus Stockholm ab 1918 Rechenmaschinen vom Odhner-Typ. 1924 (andere Quellen sagen 1922) kaufte die AB Atvidaberg Industrier aus der Ortschaft gleichen Namens die Firma auf. Facit wurde im nächsten halben Jahrhundert zu einer der bedeutensten Marken für Büromaschinen. Schon 1932 wurden die ersten Sprossenrad-Maschinen mit Zehner-Tastatur gebaut. Im Lauf der Zeit kaufte man weitere schwedische Hersteller wie z.B. Odhner, Halda (Schreibmaschinen) oder Addo und erweiterte die Produktpalette um weitere Büromaschinen und Möbel. 1965 wurde der Marken- zum Firmennamen, die Umsätze und Profite wuchsen bis 1970 stetig weiter.
Der große Erfolg der mechanischen Rechner ließ Facit dann aber den Trend zur Elektronik verschlafen - und das, obwohl Facit um 1960 herum sogar eine eigene Mainframe-Produktion (zeitweise mit schnellstem Computer der Welt) hatte. Von einem Facit-Manager der 60er-Jahre stammt die verhängnisvolle Aussage „Nie wird eine elektronische Rechenmaschine die hochwertigen mechanischen Rechenmaschinen von Facit ersetzen können“. Erst 1968 erkannte man die Gefahr und versuchte, in der neu gebauten Fabrik in Örsätter einen „echten schwedischen“ Elektronen­rechner zu bauen. Doch gegen die starke japanische Konkurrenz konnte man da angesichts schwedischer und japanischer Löhne nur verlieren.
So geschah, was geschehen musste: 1973 wurde der Bau elektromechanischer Rechen­maschinen eingestellt und die ins Trudeln geratene Firma dem Elektrolux-Konzern einverleibt. Auch der Verkauf elektronischer Rechner von Hayakawa(Sharp) unter eigenem Namen rettete die Firma nicht mehr. Ca. 1977 wurden auch die letzten handbetriebenen Maschinen gebaut, 1998 erlosch die Marke in Europa. Rechtsnachfolger war PartnerTech AB, die wurden 2015 an Scanfil plc verkauft.
In Indien gab es bis ca. 2019 noch die Facit Asia Ltd, die weiterhin Facit-Schreibmaschinen herstellte. Seit kurzem heißt sie FAL Industries Ltd. - nur das F ist von der Marke übrig geblieben.

Resulta BS 7

Die Resulta ist (zumindest für die Addition) viel komfortabler zu bedienen als ein Zahlenschieber, aber noch deutlich preisgünstiger zu produzieren als eine „richtige“ Addiermaschine (gestanztes Blech, einfache Mechanik). Der passable Preis (86 DM) und wenig Platzbedarf haben in den 50er-Jahren für weite Verbreitung gesorgt.
Die Resulta BS 7 (B =mit Einstellkontrollwerk, S =mit Subtraktion, 7 =Stellenzahl) gab es ab 1936 in mehreren Varianten mit immer neuen kleinen Verbesserungen, diese Version wurde von Ende 1951 bis 1954 gebaut. An allen Resultas wurde unten im Sockel das Herstellungsdatum mit der Hand eingekratzt: Hier steht 153g, also ist das Gerät vom Januar 1953 (das „g“ steht für den Mitarbeiter, der die Endkontrolle gemacht hat).
Dieses Gerät erfüllt gerade so die Definition von „Maschine“, auf die man sich bei Rechengeräten geeinigt hat: Es hat einen Zehner­übertrag in mindestens einem der Rechenwerke und beim Betrieb gibt es Teile, die nicht direkt per Hand (sondern per Kraftübertragung von anderen Teilen) bewegt werden. Die Einstellsegmente greifen beim Herunterziehen in Zahnscheiben, dadurch werden die Ziffern ins Rechenwerk übertragen.
Ideal ist die Bedienung in dieser Modellgeneration noch nicht: Zur Subtraktion stellt man einen Hebel um, zum Ablesen des Ergebnisses muss man diesen Hebel erst wieder zurück stellen. Spätere Modelle lösten das Problem mittels Klappblende.

mehr Infos zu allen Resultas bei
W.Blümich
Resulta
BS 7

12 x 15,5 x 11
1,4 kg
1936 - 1961
  • EW(+EK) 7 RW 7;
  • Umschalter Addition/Subtraktion
  • Löschtaste für EW,
  • Löschkurbel für RW.
  • nur mit Stift oder Griffel zu bedienen,
  • Löschtaste des EWs kann fixiert werden (dann keine Einstellkontrolle).
2/1: Durch die Griffel recht viele Kratzer unter dem Eingabefeld, zwei kleine Dellen im Deckblech, der schwarze Schrumpflack des Gehäuses wirkt dagegen fast neu. Alle Funktionen gehen leicht und fehlerfrei (der Zehner­übertrag über 6 Stellen ist schwierig, klappt aber).
Anleitung im Netz gefunden.

Hersteller war die 1911 gegründete „Maschinen- und Werkzeugfabrik Paul Brüning“ in Berlin. Die Resulta-Kleinaddiermaschinen wurden (anfangs noch unter dem Namen „Minerva“) von 1927 bis 1969 gebaut, erst im Wedding, dann in Reinickendorf.
Nach 1969 wurden noch bis 1984 Formteile für die Elektroindustrie hergestellt, danach verliert sich die Spur der Firma.

Aristo 89

Dieser Rechenstab von 1950 ist mit knapp 16 cm winzig klein und war ein Werbegeschenk, mit dem man einen gestandenen Ingenieur eventuell beleidigt hätte. Die großen, teils bis 50 cm langen Stäbe waren viel genauer abzulesen und hatten Platz für zusätzliche Skalen.

Ein Artikel über Rechenschieber aus
Spektrum der Wissenschaft
Aristo
Nr. 89
Datumscode 5020

15,5 x 3,5 x 0,5
20 g
1936 - 1977
  • Skalen: K A (B CI C) D L; hinten: (S ST T) d.h.: Kubik, Quadrat (2x), Kehrwert, Grundskala (2x), log; hinten: sin (auch cos), sin kleiner Winkel, tan (auch cot),
  • Lineal für cm und inch.
  • Der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war,
  • Sondermarkierungen auf Skala C: π, 1,13+3,57 (C+C1, f. Zylindervolumen); 3438+206255 (ρ'+ρ'', o.Bez., f. sin und tan sehr kleiner Winkel) (Quelle),
  • unter der Zunge Aufdruck: „WILHELM FISSENEWERT GÜTERSLOH Gelenkketten - Kettengetriebe“.
2/1: Kaum Gebrauchsspuren, einwandfreie Funktion.
Mit Etui, allgemeine Anleitung für Rechenstäbe im Netz gefunden und auf die Skalen dieses Gerätes angepasst.

Dennert & Pape in Hamburg war einer der großen deutschen Hersteller von Rechenschiebern, diese wurden unter der Marke „Aristo“ verkauft. Mitte der 70er-Jahre verdrängten die elektronischen Geräte sehr schnell die Rechenschieber. Dennert & Pape versuchte noch, durch selbst gebaute und zugekaufte Taschenrechner im Geschäft zu bleiben, doch die Konkurrenz aus Fernost war übermächtig: 1978 endete die Produktion beider Produktlinien, das Unternehmen wurde von Rotring aufgekauft und baut heute unter der Marke Aristo digitale Cutter und Zubehör. Die Filiale in Österreich wurde 2003 als GEOtec selbständig und liefert Zeichenhilfsmittel und Schulbedarf wie z.B. das berühmte Geo-Dreieck.

Archimedes H

Diese handbetriebene Staffelwalzen-Maschine war damals das Einstiegsmodell des Herstellers. Sie hat immerhin Zehner­übertrag im Zählwerk, optionalen Additionsmodus und Gleitschlitten. Im gleichen Gehäuse gab es auch das Modell HD, das zusätzlich automatische Division bietet und das elektrisch angetriebene Modell HE (ebenfalls mit automatischer Division).
Der Hersteller lieferte seine Maschinen offenbar oft ohne Bodenplatte aus, viele Kunden rüsteten die dann selbst nach. Dieses Exemplar muss in einem Industrie- oder Bergbaubetrieb im Einsatz gewesen sein: Als Bodenplatte wurde ein Schild aus Kunststoff grob zugeschnitten und eingesetzt.

Die Innenseite
der Bodenplatte:

Archimedes
H
Nr. A3059

32 x 36 x 22
9,7 kg
1937 - 1940
  • EW(+EK) 7 ZW 6 RW 11;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für das EW,
  • 2 Schieber zur Löschung von ZW bzw. RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 9 Stellen,
  • 2 Schalter für Drehrichtung von ZW(rot) bzw. RW(schwarz),
  • Ziffern im RW direkt einstellbar (...soweit die Wirtel dran sind),
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Kurbel nur im Uhrzeigersinn drehbar.
2/2: einige Stoßstellen nur retuschiert; alle Funktionen gehen leichtgängig, doch 3 Wirtel im RW und alle Kommaschieber-Leisten fehlen.

Tasten teils neu eingelegt und nachjustiert, Schlitten neu lackiert.

KA.

Faber-Castell Addiator 1/87A

Dieser Rechenstab von 1940 trägt auf der Rückseite eine Besonderheit: Da man mit Rechenschiebern (‑stäben/‑scheiben) nicht addieren und subtrahieren kann, wurde hier auf der Rückseite ein Addiator (das Modell Universal) eingebaut. Damit sind alle vier Grundrechenarten durchführbar. Der Addiator kann außerdem auch zum Notieren von Zwischen­ergebnissen genutzt werden.
Die Idee für solche Kombinationen stammt von Addiator, dort wurden sie anfangs auch montiert. Spätere Ausführungen entstanden dann noch bis 1972 bei Faber-Castell.
Unter dem Infolink zum Rechnerlexikon gibt es ausführliche Infos, zu den Zahlenschiebern steht mehr vor den Rechenhilfen in der Galerie.
Dieses Exemplar wurde den Vorbesitzern von einem Schmied geschenkt. Es ist anzunehmen, dass dieser den Rechenstab tatsächlich noch genutzt hat.

mehr Infos im
Faber-Castell
1/87A Addiator


30 x 4,5 x 1,5
170 g
1937 - 1955
  • Alle Grundrechenarten ausführbar (sogar Subtraktion unter Null!),
  • Skalen: K A (B CI C) D L; hinten: (S ST T) d.h.: Kubik, Quadrat (2x), Kehrwert, Grundskala (2x), log; hinten: sin (auch cos), sin kleiner Winkel, tan (auch cot),
  • Eingabe im Addiator über 6 Schieber,
  • Löschbügel für den Addiator,
  • Lineal für cm und inch.
  • Auf der Rückseite Tabellen: Baustoff- und Metallgewichte, elektrische Widerstände, wichtige Umrechnungen,
  • Sondermarkierungen: auf Skala A/B π, 1/π (M, f. Zylinderwandflächen), π/4 (unbenannt, f. Kreisflächen); auf Skala C/D π, 1,13=√(4/π)+3,57=√(40/π) (C+C1, f. Zylindervolumina), 3438+206255 (ρ'+ρ'', f. sin und tan sehr kleiner Winkel), (Quelle),
  • der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war.
2/1: Das cm-Lineal hat einen leichten Riss, sonst wenig Gebrauchsspuren; einwandfreie Funktion.
Mit gut erhaltenem Papp-Etui. Als Anleitung dienen die ausgezeichneten Lehrbriefe von Faber-Castell.

Die Firmengeschichte von Faber-Castell begann 1761 mit der Herstellung von Bleistiften. Das macht man dort heute immer noch, dazu viele weitere Artikel für Büro und Schule. Zeitweise stellte A.W.Faber auch Rechenschieber her - bis die um 1975 herum von den elektronischen Taschenrechnern verdrängt wurden.

Triumphator HZN

Triumphator baute auch Maschinen mit der deutlich kleineren Kapazität 6‑6‑11, z.B. dieses Modell. Es ist mit Zehner­übertrag im Zählwerk, Löschung des Eingabewerks mit Hebel und Gesamtlöschung im Schlitten gut ausgestattet, doch wegen der kleinen Kapazität konnte die Maschine recht preiswert für nur 295 Reichsmark angeboten werden (nicht ganz zwei Monatslöhne). Damit wurde die Maschine auch für kleine Betriebe erschwinglich.
Dieses Exemplar stammt aus dem Jahr 1939, bis auf das Kurbellager ist alles noch in wunderschönem Originalzustand.

Die deformierten
Zähne der Löschachse:

Triumphator
HZN
Nr. 96742

31,5 x 15,5x 14,5
5,9 kg
1938 - 1940
  • EW(+EK) 6 ZW 6 RW 11;
  • Grundrechenarten,
  • Löschhebel für EW,
  • Löschhebel zur Löschung von ZW und/oder RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW.
1/1: Sehr wenige Gebrauchsspuren, einwandfreie und leichtgängige Funktion.

Zwei deformierte Zähne der Löschachse im ZW ausgetrieben und neu zurechtgefeilt, Kurbellager neu lackiert.

KA.

Thales CER (I)

Die Sprossenrad-Maschine in „Standardkapazität“ 10‑8‑13 ist ein sehr gut ausgestattetes Modell mit Zehner­übertrag im Zählwerk, Direkteinstellung im Resultatwerk, Einstellkontrolle, Rückübertragung. Das Baujahr ist wohl 1939 oder 1940, die Löschung der drei Werke mit den Flügelschrauben links und rechts am Schlitten sowie einem Löschkamm war damals noch zeitgemäß.
Der damalige Neupreis betrug 600 Reichsmark (das entsprach etwas über 3,5 Monatslöhnen).
Von 1952 bis 1965 wurde nochmals eine Thales CER gebaut, allerdings sieht diese Maschine dann deutlich anders aus und ist wesentlich zierlicher. Daher stelle ich hinter die Typenbezeichnung hier die „I“.

Thales
CER (I)
Nr. 65239

28,5 x 15 x 13,5
5,9 kg
1938 - 1940
  • EW(+EK) 10 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • Löschkamm für EW,
  • 2 Flügelschrauben zur Löschung von ZW bzw. RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • rechte Flügelschraube löscht beide Werke, wenn dazwischen liegende Taste nicht gedrückt wird.
2/1: einige Gebrauchsspuren, einwandfreie Funktion.

Stark korrodierte Chromteile poliert, Gummifüße erneuert, Ziffern in Deckblech und Löschkamm neu eingelegt, Kommaschieber ersetzt.

Kopie der Originalanleitung vorhanden.

Original-Odhner 27

Auch das ist eine vor dem 2. Weltkrieg entwickelte Maschine in der typischen Farbe der damaligen Zeit: Bis weit in die 40er-Jahre waren Rechen- und Schreib­maschinen in der Regel schwarz. Diese hier stammt aus dem Jahr 1940. Ihre Rechenkapazität ist durchschnittlich, es gibt weder Zehner­übertrag im Zählwerk noch ein Einstell­kontrollwerk. Daher ist die abgekürzte Multiplikation unmöglich und das Ablesen der eingestellten Zahl macht etwas Mühe. Über die Mindestausstattung hinaus geht nur die Rückübertragung, das Modell 27 hat ihn als erste Odhner-Maschine überhaupt. Erst damit wurden Kettenrechnungen ohne Neueingabe der Zwischen­ergebnisse möglich.
Rechenmaschinen mit relativ einfacher Ausstattung (oder auch geringerer Kapazität) konnten etwas preiswerter angeboten werden als diejenigen mit allen Extras. Für dieses Modell kenne ich nur einen Neupreis aus Schweden: 330 Kronen (etwa 270 Reichsmark, in Deutschland waren die importierten Maschinen vermutlich teurer).

Diese Maschine kam als Wrack. Von schlimm zu harmlos war das: Der massive rechte Seitenträger war durchgebrochen, der Schlitten blockierte ab Stelle 4 nach links, der Einstellring der 10er‑Stelle war sehr schwergängig, der Kurbelgriff und der Knopf der Rückübertragung fehlten. Innen war sie millimeterhoch voll undefinierbarem Schmier und die Gummifüße hatten sich in zähen Klebstoff verwandelt. Trotz alle dem hat sie sogar da noch (wenn auch etwas hakelig) gerechnet!
Nach dem Zerlegen, Benzinbad, Kleben des Seitenträgers, Verlängerung der Kurbelsperre, Nachfeilen und Polieren der Schlittenführung, Zusammensetzen, Knöpfeschnitzen, Nachlackieren und Anschrauben neuer Gummifüße ist nun fast alles o.k. Nur die Trommel habe ich nicht zerlegt sondern lediglich in Benzin gebadet (und vielleicht findet sich ja auch mal ein schönerer Kurbelgriff).

Original-Odhner
27
Nr. 169635

30 x 15,5 x 12,5
5,5 kg
1938 - 1947
  • EW 10 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschkurbeln für ZW und RW.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Löschung des EWs über Knopf rechts (oder Schieber auf dem Frontblech) und Hauptkurbel.
2/2: Die Bleche sehen bis auf einige Kratzer und Stoßstellen noch gut aus, Kurbelgriff und Rückübertragshebel offensichtlich nicht original; 10er-Stelle rastet schlecht ein, Schieber, Hebel und Kurbeln laufen leicht.
KA.

Swift Adding Machine

Dieser Zwerg wurde als kleinste Addiermaschine der Welt beworben - das stimmt natürlich nicht ganz, denn viele Kleinaddierer sind noch kleiner. Aber für eine druckende Maschine mit „richtiger“ Tastatur ist die Swift wirklich ungewöhnlich kompakt. Sie hat sogar eine Anzeige des Summierwerks und Zwei-Farben-Druck. Erkauft wird die geringe Größe u.a. mit dem Verzicht auf eine Umschaltmechanik. Die Subtraktion ist also nur durch Verwendung des Zehner-Komplements möglich. Nun, das war auch bei manch älterer großer Maschine so. In Abwägung all dessen ordne ich das Maschinchen als echte Einspezies-Maschine ein und nicht mehr als Kleinaddierer.
Die Patentschrift von 1937 gibt Louis M. Llorens als Erfinder an Dieses Exemplar dürfte aus dem Jahr 1953 stammen, es wurde bei einem Stuttgarter Bürohändler gekauft (oder vielleicht auch nur gewartet?). Damals kostete das Modell 485 DM (etwas weniger als zwei Monatslöhne).

Stiftschlitten (nach Eingabe von
9 Ziffern) über den Zahnstangen:
Swift
Adding Machine
Nr. 916489

18,5 x 27,5 x 16 (wegen des Hebels)
2,9 kg
1939 - ca. 1960
  • EW 9 RW 9;
  • nur Addition,
  • Zwischen- und Endsumme,
  • Löschhebel.
  • Wiederholtaste (einrastend) für Multiplikation,
  • Summendruck in rot (...wenn schwarz/rot-Band drin wäre),
  • Druck abschaltbar.
2/1: Gehäuse an einigen Ecken verkratzt, Tastatur mit Benutzungs­spuren; einwandfreie Funktion (hat aber nur schwarzes Farbband).

Gummirolle neu überzogen (mit Fahrrad­schlauch!), etwas Flugrost wegpoliert, Verkleidung der Summenanzeige neu lackiert, Stellenzeiger justiert.

KA.

Von der Swift Business Machines Corporation ist wenig bekannt. Aus Patentschrift und Werbeanzeigen weiß man nur, dass sie 1939 in New York, später dann in Great Barrington (Massachusetts) ihren Sitz hatte. Die kleine Addiermaschine ist auch das einzige bekannte Produkt.
Mit der gleichnamigen Firma aus Hongkong und deren Kleinaddierer aus den 60er-Jahren hat sie nichts zu tun.

Sumlock 909/C

Dieser Volltastatur-Addierer funktioniert wie ein Comptometer oder Burroughs Calculator: Eine Addition im Resultatwerk findet bereits durch das Drücken (genauer: beim Loslassen) der Tasten statt. Die Mechanik beruht wieder auf Schaltschwingen, man hat aber in manchen Details andere Lösungen gefunden.
Auch eine Sumlock taugt erst einmal nur zum Addieren und ist damit eigentlich eine Einspezies-Maschine, doch mit komplexen, in Kursen intensiv gelehrten Verfahren sind auch Subtraktion, Multiplikation und Division möglich.
Die relativ modernen Tasten und die Lackierung lassen darauf schließen, dass dieses Exemplar Mitte/Ende der 50er-Jahre gebaut wurde. Das Modell war (wie die anderen Maschinen des Comptometer-Typs) mit 2.200 DM im Vergleich extrem teuer, dafür musste ein Arbeiter fast ein halbes Jahr arbeiten.
Es gab auch sechs- und zwölfstellige Varianten, außerdem weitere Modelle mit unterschiedlichen Tastenzahlen pro Kolonne (z.B. für die alte britische Währung mit 1/20/12/4-Teilung oder die komplizierten „imperialen“ Gewichtseinheiten).

mehr Infos bei
J.Wolff
Bell Punch
Sumlock 909/C
Nr. 114049

27,5 x 32 x 14
5,6 kg
ca. 1940 - ca. 1964
  • EW 9 RW 10;
  • nur Addition,
  • Löschhebel.
  • Löschhebel nach hinten setzt die Sicherung gegen unvollständigen Tastendruck zurück.
2/1: Gehäuse mit einigen Stoßstellen und Benutzungsspuren, Ziffernräder leicht angegriffen, Tasten aber einwandfrei; leichtgängige Funktion.

Viele Ziffernräder und Hebel waren auf den Achsen völlig festgefressen, nur kraftvolles Ziehen der Achsen bei gleichzeitigem Austausch gegen eine gut geschmierte Ersatzachse half.
Tip: Wo etwas festsitzt findet man heraus, indem man alle Achsen nach links und rechts bewegt: Das muss bei allen sehr leicht gehen.

KA (und ein 60‑seitiges Kursheft im Netz gefunden).

Die 1878 in London gegründete Bell Punch Company produzierte zuerst genau diese „Bell Punches“, also Entwerter für Straßenbahnen. Bald kamen weitere Produkte für Ticketdruck, Wettscheine und Taxameter dazu. 1936 erwarb das Unternehmen die Rechte an der kleinen Halbtastatur-Addiermaschine „Plus“ und entwickelte diese weiter zur Volltastaturversion, die als „Sumlock“ vermarktet wurde. Die Plus- und Sumlock-Maschinen waren in Großbritannien und im gesamten Commonwealth sehr beliebt und wurden fast 40 Jahre lang produziert. Mitte der 50er Jahre begann man mit der Arbeit am ersten elektronischen Tischrechner der Welt, der 1961 als Sumlock „ANITA“ auf den Markt kam. Die Elektronik-Produktion wurde 1966 in eine Tochtergesellschaft ausgelagert, die 1973 von Rockwell übernommen und schon 1976 abgewickelt wurde; die Bell Punch Company produzierte noch bis 1986 Ticketing-Produkte.

Faber-Castell 4/54

Die übliche Skalenlänge der Rechenstäbe lag bei 25cm. Wenn man genauer ablesen wollte mussten die Skalen länger werden - so wie bei diesem 50cm‑Stab. Der war sicher einmal der ganze Stolz eines Ingenieurs. Das Baujahr schätze ich auf 1943, das ist die einzige Zahl im Prägestempel, die sinnvoll auf ein Jahr schließen lässt und auch der schwarze Pappschuber passt zu dieser Zeit.
Das „System Darmstadt“ bezeichnet die Art der Skalenaufteilung, die im Institut für praktische Mathematik (IPM) in Darmstadt um 1935 herum entwickelt wurde.

 Details viele Infos zu Rechenschiebern bei
Rechenschieber.org
Faber-Castell
4/54
Pr - We43 14 203

57,5 x 4,5 x 2
250 g
ca. 1940 - ca. 1975
  • Skalen: L K A (B CI C) D P S T; hinten: (LL1 LL2 LL3) d.h.: log, Kubik, Quadrat (2x), Kehrwert des Quadrats, Kehrwert, Grundskala (2x), sin (auch cos), tan (auch cot); Zungenrückseite: e0,01x, e01x, ex,
  • Lineal für cm.
  • Auf der Rückseite Anleitungen, Formeln und Tabellen,
  • Justierschrauben für den Läufer in der T‑Skala,
  • Sondermarkierungen: auf Skala A/B π auf Skala C/D π, 0,01745 (ρ, π/180),
  • der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war.
2/3: Gut erhalten und alle Skalen einwandfrei ablesbar, Oberseite leicht vergilbt; D-Skala um ein winziges geschrumpft, worunter dort die Genauigkeit über große Strecken leidet.
Mit passabel erhaltenem Papp-Etui, allgemeine Anleitung für System Darmstadt im Netz gefunden.

Beim Betrachten der Jahreszahlen fällt auf, dass aus einigen Jahren kaum Neuentwicklungen in der Sammlung vertreten sind, anders als aus den Jahrzehnten zuvor und danach. Der 2. Weltkrieg führte offenbar auch da zu einer massiven Unter­brechung: Statt neuer Rechenmaschinen wurden einstweilen neue Panzer, Flugzeuge und Kanonen entwickelt. Und schon da schuf die Entwicklung erster großer Elektronenrechner die Grundlage für den späteren Untergang der mechanischen Rechenmaschinen, obwohl diese nach dem Krieg noch einmal eine Blütezeit erlebten ...

Select (IRIS XIII)

Diese einfache Maschine, immerhin mit Einstell­kontrolle und Einhandbedienung des Schlittens, stammt aus Barcelona. Eigentlich hieß das Modell IRIS XIII, aber auch solche Modelle mit dem „Select“-Wappen über dem eingeprägten „IRIS“ sind gelegentlich zu finden. Vielleicht war das die Marke für Exportmodelle?
Das Material hat eher mindere Qualität, viele Teile sind nur gestanzt statt gefräst oder gegossen. Doch die Sprossenrad-Trommel ist aus bestem Messing und läuft immer noch butterweich. Für die Rasten der Zehnerübertrags-„Hämmerchen“ wurde eine ganz eigene Lösung gefunden, die ohne die üblichen kleinen Federchen auskommt. Auch die Löschung funktioniert anders als sonst gewohnt: Statt einer innenliegenden Löschachse mit Zähnchen macht das hier eine außen liegende Achse mit entsprechend ausgestalteten Zahnrädchen.
Dieses Exemplar stammt aus einem Trödelladen in La Rochelle. Ausstattung und Seriennummer deuten auf ein Baujahr am Anfang der 50er-Jahre.


vorher:
ICE/IRIS
Select
Nr. 163432

27,5 x 18 x 13
5,6 kg
ca.1945 - 1955
  • EW(+EK) 10 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • Löschkamm für EW, 2 Löschhebel für RW und ZW.
  • Zehnerübertrag nur im RW,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer weiß).
2/1: Einige Gebrauchsspuren und Krater durch frühere Roststellen, Gummifüße etwas spröde; schön leichtgängiger Lauf.

Eine große Delle leidlich ausgebeult, viel Flugrost und einige größere Roststellen wegpoliert, zwei fehlende Übertrags-Zahnrädchen im RW ergänzt, Zelluloid der Fenster erneuert, alle Deckbleche neu lackiert und Ziffern eingelegt, komplett neu justiert.

KA.

Noch im Krieg, als die großen Hersteller Europas entweder schon in Trümmern lagen oder fast nur Kriegsproduktion betrieben, begann Industria Calculadoras Españolas in Barcelona mit der Entwicklung von Rechenmaschinen. Ab 1945 erschienen erste Modelle auf dem Markt. Es ist mir nicht ganz klar, wie die Modelle der Marken IRIS und ICE zeitlich zueinander stehen: Manche ICE-Modelle scheinen weiter entwickelt, aber nur für IRIS-Modelle ist Werbung bis Mitte der 50er-Jahre datierbar.
Bereits 1947 kaufte Pablo Huc die Firma, 1955 wurde sie mit seinem Unternehmen PHUC verschmolzen. Das gibt es auch heute noch als Pablo Huc S.A., es ist auf Zeitsteuerungen, Zugangskontrollen u.ä. spezialisiert.

Record LM

Der Record LM ist ein vergleichsweise riesiger Zahlenschieber. Üblich waren eher Größen, die bequem in die Jackentasche passten. Er ist praktisch identisch zum Ende der 20er-Jahre entwickelten „Produx Record“, was kein Wunder ist: Er wurde auf den gleichen Maschinen hergestellt.

Record
LM


11,5 x 20,5 x 1
240 g
1945 - ca. 1983
  • Eingabe über 10 Schieber (10. Schieber nur per Übertrag),
  • Addition und Subtraktion,
  • Löschbügel.
  • unten Addieren, oben Subtrahieren.
2/1: Nur wenige Kratzer; alle Schieber leichtgängig.
Anleitung im Netz gefunden.

Lucie Meuter war die geschiedene Frau Otto Meuters, einem der wichtigsten Hersteller von Zahlenschiebern. Er ging nach dem 2. Weltkrieg nach Westdeutschland und stellte dort wieder Geräte unter seiner Marke „Produx“ her. Sie aber blieb in Klausdorf (bei Berlin, im sowjetisch besetzten Teil) und ließ schon ab 1945 auf den alten Maschinen den Record LM bauen. Es blieb das einzige Rechengerät der Firma, die später ihre Produktpalette um Kunststoff-Produkte erweiterte. 1976 und nochmals 1985 wechselte die Firma den Besitzer, 1989 wurde sie gelöscht.

Contex A

Die Contex A ist ein Direktaddierer in der Art des Comptometers, aber mit halbiertem Tastenfeld. Angeblich brauchten trainierte Nutzer weniger Zeit, wenn sie z.B. statt einer 7 hintereinander die 3 und die 4 tippten. Vielleicht hat auch die Material­knappheit nach dem Krieg dazu beigetragen, dass solche „Half-Adder“ einige Zeit in Mode waren?
Das Gerät besteht aus wenig Metall und sehr viel Kunststoff: Das Gehäuse ist aus Bakelit, die Hebel und Zahnstangen sind meist aus Pertinax (das kennt man sonst eher als Platinenmaterial in der Elektronik).
Addieren kann man damit nach einiger Übung recht flott, multiplizieren nur extrem notdürftig, alle anderen Grundrechenarten sollte man wohl besser vergessen. Für mich zählt das Modell daher eher noch zu den Kleinaddierern.
Niedriges Gewicht und halbwegs günstiger Preis (250 DM) sorgten dennoch für einige Verbreitung. Dieses Exemplar wurde 1952 gebaut und damals von einem Finanzbeamten in Kandel genutzt.

mehr Infos (PDF) im
Contex
A
Nr. 79066

22,5 x 21 x 7
1,26 kg
1946 - 1955
  • EW 8st. (Halbtastatur),
  • RW 9;
  • Addition und behelfsmäßige Multiplikation,
  • Löschtaste.
3/1: Gehäuse mit trotz zwei geflickten Brüchen passablem Gesamteindruck; alles funktioniert einwandfrei.

Brüche geklebt, zwei Fehlstellen gefüllt, Achsen gezogen und geölt - und dann lange mit einem dabei ausgehakten Federchen gekämpft. Tip: Am Pertinax niemals ölen!

Das damals meist mitgelieferte Mini-Köfferchen ist leider nicht dabei. KA (eigentlich verzichtbar).

Von 1945 bis 1972 produzierten die Brüder John, Henning und Erling Carlsen an mehreren Standorten bei Kopenhagen hand- und motorgetriebene Addier- und Rechenmaschinen mit neuartigen und pfiffigen Details. Den Vertrieb überließ man exklusiv der Firma Zeuthen & Aagaard, die schon im Büromarkt etabliert waren. Vor allem den Nischenmarkt für transportable Geräte bediente man mit den kleinen Maschinen äußerst erfolgreich: Mehr als 2 Millionen davon wurden in alle Welt verkauft.
1972 war der Siegeszug der Elektronik schon deutlich absehbar. Die Gebrüder Carlsen entwickelten eigene elektronische Rechner, sahen aber bald ohne neues Kapital keine Zukuft mehr und meldeten Konkurs an. Zeuthen & Aagaard kaufte die Liquidationsmasse auf und ließ unter dem Namen Rex-Rotary noch bis Mitte der 70er-Jahre mechanische und elektronische Geräte bauen (Quelle).
Die originellen Eigenentwicklungen konnten aber auf Dauer im Preiskampf nicht mithalten. Man begann daher, Rechner aus Fernost zu importieren, doch vergeblich: 1977 taucht schon kein Contex-Rechner mehr in den einschlägigen Katalogen auf. Contex wurde von Ricoh aufgekauft, Produktion und Marke gibt es daher immer noch: Heute baut man dort Großformat-Farbscanner.

Stima CMSIII

Die Stima C ähnelt in Aussehen und Bedienung einem Zahlenschieber. Sie hat aber einen echten Zehner­übertrag und optionale Einstellkontrolle. Die Bedienungsanleitung gibt auch Rechenwege für Subtraktion und Multiplikation an; beides ist aber umständlich, langsam und fehleranfällig.
Die Verarbeitung der Maschine ist sehr hochwertig. Trotz ihrer geringen Größe besteht sie aus rund 500 in Uhrmacherpräzision gefertigten Teilen. Die Seriennummer lässt für dieses Exemplar ein Baujahr um 1950 vermuten.

Stima
CMSIII
Nr. 28953

15 x 20 x 13
1,1 kg
1946 - ?
  • EW(+EK) 9 RW 9;
  • Subtraktions-Taste
  • Löschtaste für EW (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschknopf für RW.
  • Druckknopf für schnelle Addition ohne Eingabekontrolle.
3/2: Einige heftige Kratzer auf der Front, Nullen der Zahnstangen angegriffen, Griffelhalterung fehlt; Eingabe funktioniert wieder gut, Löschung aber recht hakelig, Eingabeknopf abgebrochen (mit Griffel gut bedienbar).

Eine gebrochene Feder geklebt, alle Federn nachjustiert, einige Zähnchen (die an falschen Stellen Zehnerüberträge verursachten) und Löschstange begradigt, vergilbte Sichtfolie ersetzt.

Anleitung im Netz gefunden.

Stima MSIII

Eine praktisch baugleiche Maschine, aber nun ohne Bakelit-Sockel. Deshalb die Modellbezeichnung ohne „C“ und statt des Druckknopfs ein Schieber zur Abschaltung der Eingabekontrolle. Nun passt sie in eine Jackentasche. Auch hier ist ein Baujahr um 1950 wahrscheinlich, jedoch ein wenig später als die vorige Stima. Der Preis dieses Modells betrug satte 175 Schweizer Franken, im Vergleich zu Zahlenschiebern war das reichlich teuer!

Stima
MSIII
Nr. 30566

10 x 14,5 x 2,5
640 g
1946 - ?
aus der Sammlung Veres

2/1: Einige Kratzer auf der Rückseite und an einer Kante leicht abgestoßen; alles funktioniert einwandfrei.
Mit Etui, Originalgriffel fehlt, Ersatzgriffel gebaut, Anleitung wie zuvor.

Gebaut wurden die Stimas in der Fabrik von Albert Steinmann in La Chaux De Fonds (Schweiz). Leider ist sowohl über A.Steinmann als auch über die Firma wenig bekannt, nur dass die ersten Stimas etwa 1930 entstanden und mindestens bis Anfang der 50er-Jahre auch ein Zahlenschieber („Trebla“) und eine etwas seltsame Staffelwalzen-Maschine („Universal 4“) produziert wurden.

„The Lightning Adding Machine“

Dieses Modell, gebaut im August 1946, ist das erste des Herstellers. Es kann nur Addieren (ist also eine „Einspezies-Maschine“) obwohl die Werbung damit protzt, dass man darauf alle vier Grundrechenarten ausführen könne. Multiplikation und Division sind aber nur mit viel Kopfrechnen und/oder Notizen zu bewältigen, das geht mit Stift und Papier schneller. Hier muss man zum Löschen auch noch alle Stellen einzeln auf Null drehen, zwei Jahre später wurde ein Nachfolgemodell mit Lösch­schieber eingeführt. Noch spätere Modelle hatten dann auch bei der Subtraktion einen korrekten Zehnerübertrag.
Besonders in den USA waren Scheibenaddierer verbreitet. Dieses Modell kostete damals 12,95 $.

mehr Infos bei
D.Bölter
The Lightning Adding Machine Co.
Lightning Adding Machine
Datumsstempel AUG 23 1946

30,5 x 6,5 x 1 cm*
300 g*
1946 - 1948
  • Eingabe über 7 Lochscheiben,
  • Anzeige in 7 Schaulöchern,
  • primär nur Addition,
    hilfsweise Subtraktion über die roten Dreiecke.
  • Zehnerübertrag nur bei Drehung im Uhrzeigersinn,
  • Aufsteller aus Bakelit.
2/1: einige Kratzer und winzige Lackfehler, insgesamt guter Gesamteindruck; alles funktioniert einwandfrei (sogar der Zehner­übertrag über alle 6 Positionen!).

Eine Feder nachjustiert, zwei Ziffern ausgebessert, Ersatzgriffel aus Kupferstange hergestellt

Anleitung des Vorgängermodells im Netz gefunden und überarbeitet.

„The Calculator Co.“ wurde 1915 in Grand Rapids gegründet. Die Firma ließ ihre Scheibenaddierer vermutlich bei einer örtlichen Metallstanz-Fabrik in Lohnfertigung bauen, denn fast baugleiche Geräte gibt es in den 20er- und 30er-Jahren auch von anderen Firmen aus Grand Rapids (aber auch aus Oakland). Namen und Besitzer dieser Firmen wechselten öfters.
Um 1926 wurden die Geräte durch die in einer Linie liegenden Schaulöcher für das Ergebnis verbessert. Anfang der 40er-Jahre pausierte die Herstellung von Scheibenaddierern, denn die Stanzen wurden nun für den Krieg benötigt...
„The Lightning Adding Machine Co. Inc.“ war der Nachfolger der „Calculator Co.“, nun allerdings mit Firmensitz in Los Angeles. Die gleichnamige Maschine (also nicht mehr als „Calculator“ angepriesen) in ihren verschiedenen Entwicklungs­stufen wurde dort von 1946 bis 1959 in über zwei Millionen Exemplaren gebaut. Nach 1959 ist jedoch keine Spur der Firma mehr zu finden.

Faber-Castell Addiator 67/22R Disponent

Auch dieser kleine Rechenstab hat wieder einen Addiator (diesmal das Modell Arithma). Außerdem hat er recht ungewöhnliche Skalen, die eher für Kaufleute oder Bankangestellte gedacht waren.
Der Stempel gibt hier das Produktionsjahr 1951 an, einen Preis kenne ich nur von 1972: 29,70 DM.

aus der Sammlung Veres

mehr Infos zu Castell-Addiator im
Faber-Castell
Addiator 67/22R Disponent


15,5 x 4,5 x 1
70 g
1947 - 1972
  • Alle Grundrechenarten ausführbar,
  • Skalen: KZ (T p% E/T) V/Z; hinten: (Pfund/Shilling/Pence) d.h.: Kapital, Tage (Jahr), Zinsfuß, Verkauf/Teiler, Einkauf/Zähler,
  • Eingabe im Addiator über 6 Schieber,
  • Löschbügel für den Addiator,
  • Lineal für cm und inch.
  • Sondermarkierung π auf jeder Skala,
  • der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war.
1/1, kaum Gebrauchsspuren; einwandfreie Funktion.
Auch hier dienen die Lehrbriefe von Faber-Castell als Anleitung.

Original-Odhner 127

Das ist das Nachfolgemodell der Odhner 27. Technisch ist es kaum verändert, nur die Löschung der Einstellung wurde kurz nach der Einführung des Modells modernisiert. Zehnerübertrag im Zählwerk und Einstell­kontrollwerk fehlen, einziges Extra ist wieder die Rückübertragung. Dieses Exemplar ist noch in schönem Blau gehalten, ab 1952 wechselte die Gehäusefarbe zu grau. Die Seriennummer gehört zum Baujahr 1951.
Die Maschine ist sehr hochwertig verarbeitet, aber durch die eher einfache Ausstattung blieb der Preis mäßig: 395 DM wurden 1954 dafür verlangt. Das kam offenbar gut an, denn Modell 127 ist das meist gebaute der damaligen „100er-Serie“.
Dieses Gerät hatte sich der damalige Prokurist des Wetzlarer Autohauses Diehl privat gekauft, auch als Kassierer beim VdK hat er damit noch gearbeitet.

Original-Odhner
127
Nr. 169635

30 x 15,5 x 12
5,2 kg
1948 - 1954
  • EW 10 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschkurbeln für ZW und RW.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Löschung des EWs über Hebel zwischen den Schlittentasten und Hauptkurbel.
2/1: einige Kratzer und Lackfehler, insgesamt gut erhalten; funktioniert einwandfrei und leichtgängig.

Zerbröselnde, harte Gummifüße ersetzt.

PDF der englischen Anleitung aller damaligen Odhner-Modelle im Netz gefunden.

Curta I

Die kleinste aller Vierspezies-Maschinen stammt auch aus einem kleinen Land: aus Liechtenstein. Sie enthält auf 5,3 cm Durchmesser und 10,7 cm Höhe alle nötigen Bedienelemente und Anzeigen. Das wird dadurch erreicht, dass alle Stellen durch eine einzige Staffelwalze in der Mitte angetrieben werden. Diese Staffelwalze ist zudem mit Zähnen für die Komplementärziffern ausgestattet, so dass man allein durch leichtes Herausziehen der Kurbel auch subtrahieren kann.
Runde Rechenmaschinen mit zentraler Kurbel gab es schon vorher (z.B. die „Rechenuhr“ von Hahn oder die „Gauss“ von Hamann), aber keine davon erreicht auch nur annähernd die Kompaktheit der Curta. Ihre Herstellung erforderte deshalb höchste Präzision und vor allem erst einmal die Ideen, wie man eine so weitgehende Miniaturisierung erreicht. Die Curta gilt daher zu Recht als feinmechanisches Wunderwerk. Mit 425 DM war sie damals gar nicht so teuer, heute jedoch ist je nach Zustand schon mal das nominal Vierfache oder mehr dafür zu zahlen, obwohl sie keineswegs selten ist.
Dieses Exemplar stammt nach den Angaben auf Curtamania aus dem Jahr 1957, es hat noch die ältere Version der Kurbel und den Löschring aus Metall. Benutzt wurde es beim Zoll: Der Vater des Vorbesitzers war Betriebsprüfer beim Zoll in Passau und bekam damals die Curta, um in Außenterminen eine eigene Rechenmaschine zur Hand zu haben.

Alles über die Curtas bei
Curtamania.com
und
Curta.de
Ein Größenvergleich:
Contina
Curta I
Nr. 38754

5,5 x 5,5 x 11
230 g
1948 - 1970
  • EW(+EK) 8 ZW 6 RW 11;
  • Grundrechenarten,
  • Löschring für RW und ZW (durch Ziehen um das Werk).
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Kurbel nur im Uhrzeigersinn drehbar (Subtraktion mit gezogener Kurbel).
1/1: Nur kleinste Gebrauchsspuren, extrem leichtgängiger Lauf.
Schutzdose und Originalanleitung vorhanden.

Die ursprünglich als „Liliput“ geplante Maschine wurde von Curt Herzstark konstruiert. Er war Konstrukteur in der Rechenmaschinen-Fabrik seines Vaters in Wien („Austria“) und entwickelte ab 1934 erste Ideen dazu. 1937 erbte er diese Firma, in den Kriegs­jahren wurden dort u.a. feinmechanische Geräte für die Wehrmacht produziert. 1943 wurde Herzstark im KZ Buchenwald interniert, durfte aber weiter an der Entwicklung seiner Rechenmaschine arbeiten. Bereits 1944 wurden ihm dafür zwei Patente erteilt.
Bald nach seiner Befreiung suchte Herzstark einen Hersteller für seine Entwicklung. Mit Vertretern des Liechtensteiner Fürsten (die ihn letztlich massiv übervorteilten) wurde er handelseinig und die Firma Contina entstand.
Die Produktion lief dort gut, aber die Firma blieb von Beginn an unterkapitalisiert und der Verkauf wurde extrem halbherzig betrieben. Es wurden daher zwar viele Curtas verkauft (so etwa 140.000), das waren aber weit weniger als dem Bedarf entsprach und als zur Kostendeckung nötig war. Der wirtschaftliche Erfolg blieb also gering und 1966 wurde die Contina AG von der Hilti AG übernommen.
Immerhin bis 1970 wurden weiterhin Curtas gebaut, dann führte der absehbare Siegeszug der Elektronik zum Ende von Produktion und Firma.

Facit ESA-0

Auch die Facit-Modelle mit der praktischen Tasten­eingabe wurden erst motorisiert und dann Zug um Zug automatisiert: Schon 1934 erschien das Modell E, bei dem die Kurbel durch einen Motor ersetzt wurde. Ab 1939 wurde mit der Facit EA der erste Halbautomat, ab 1945 der erste Vollautomat ESA angeboten. Das Grundprinzip all dieser Maschinen (auch der moderneren handbetriebenen Modelle) blieb die geniale Konstruktion von Karl Rudin mit ihren geteilten Sprossenrädern.
Die Facit ESA bot zwar automatische Division und Multiplikation, Resultat- und Zählwerk wurden aber noch per Handhebel gelöscht. Bei der „ESA-Null“ ist auch das erstmals elektrisch angetrieben.
Beide Modelle können automatisch dividieren und multiplizieren (positiv oder negativ), von links oder rechts halbautomatisch multiplizieren und schnell quadrieren. Außerdem gibt es eine sehr praktische Taste für das Addieren mit Sofortlöschung der Eingabe.
Dieses Exemplar hat schon den kleinen Steuerhebel der Schrittschaltung, aber noch die ältere Tastatur mit den achteckigen Tasten. Es wurde 1952 gebaut und verrichtete seinen Dienst in einer Kleiderfabrik in Aschaffenburg. Den Neupreis kenne ich nicht, doch das Nachfolgemodell CA1-13 (moderneres Gehäuse, Technik praktisch gleich, bis ca. 1970 gebaut) war wohl ähnlich teuer: Es kostete 1958 2.200 DM - der Arbeiter-Tariflohn eines halben Jahres!

mehr Infos im

und bei
H.Schmid
Multiplikation
(12345679x9)
(MP4, 32 MB):
Division
(355:113)
(MP4, 35 MB):
Facit
ESA-0
Nr. 340531

28,5 x 26,5 x 18
12,5 kg
1949 - 1956
  • EW(+EK) 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschtasten für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Anzeige für Drehsinn im ZW (durch Rechenart bestimmt, manuelle Umschaltung möglich),
  • mitlaufende Stellenzeiger in ZW und RW,
  • ADD-Taste für Additionsmodus,
  • Subtraktions-/Divisionsstopptaste,
  • Schalthebel für Rechenart (Mult - Add/Sub - Div),
  • Hebelchen für Schrittschaltung (für halbautomatische Multiplikation),
  • ausklappbare Rollen an der Unterseite.
2/2: insgesamt schöner Eindruck, einige kleine Stoßstellen, Gummifüße brüchig, eine Taste nicht original; funktioniert meist einwandfrei, gelegentlich muss man den Motor nach abgeschlossener Multiplikation manuell stoppen oder die automatische Division stoppt zu früh (was mit erneutem Tastendruck behoben werden kann).

Zum Testen provisorische Handkurbel gebaut, verklemmtes Zahnrad (das die Trommel extrem schwergängig machte) nach langer Suche gefunden und gelöst, gebrochenes Ziffernsegment geklebt, fehlenden Hebel (links), fehlende Löschtaste (III) und fehlendes Zahnrad ergänzt, auslaufende Entstörschaltung durch moderne Kondensatoren ersetzt, Tastenschutzbügel nachlackiert, vergilbte Fenster ausgetauscht.

Anleitung im Netz gefunden (DANKE an Herrn Schmid!).

Friden STW10

Die STW ist ebenfalls ein Vollautomat, aber ihre Bedienung ist komplett anders. Auffällig ist die kleine, links neben der Volltastatur sitzende Zehner-Tastatur im „modernen“ Layout und mit eigener Anzeige, die an die Technik der Facit-Maschinen erinnert. Viele besondere Einstellungen sind hier möglich, das Innenleben ist daher extrem komplex aufgebaut mit vielen Lagen von Hebeln und Gestängen an beiden Seiten und im Inneren. Ein echtes Monster, ich habe da auch noch nicht alle Fehler gefunden.
Das Schaltprinzip (für die Übertragung der Werte von der Tastatur ins Resultatwerk) sind hier Staffelwalzen, jeweils zwei auf fünf Achsen. Leibniz wäre begeistert gewesen, was aus seiner Erfindung wurde.
In den einschlägigen Listen steht für die Serien­nummer der Maschine das Baujahr 1951. Den Neupreis kenne ich nur von 1957: monströse 5.170 DM, also etwas teurer als ein einfacher VW Käfer, ungefähr 13,5 Monatslöhne!

mehr Infos im
Old Calculator Museum
Multiplikation
(12345678x12345678)
(MP4, 20 MB):
Division
(355:113)
(MP4, 16 MB):
Friden
STW10
Nr. 470211DA

46 x 37 x 22,5
18,6 kg
1949 - 1966
  • EW 10 ZW 11 RW 20 Multiplikatorwerk 10;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschschieber im Schlitten (koppelbar) und 2 Löschtasten (elektrisch) für Schlitten bzw. Tastatur.
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 11 Stellen,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • optionaler Split des RWs,
  • RW und ZW vor Löschung separat schützbar,
  • ZW um- und abschaltbar
  • Taste zum Setzen des Dividenden,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Tastatur komplett oder stellenweise sperrbar,
  • automatische Division und Multiplikation (auch negativ und akkumulierend),
  • Tabulatortasten für automatische Kommastelle,
  • auf 110-230 V Gleich- oder Wechselstrom einstellbar.
3/3: Gehäuse mit vielen Gebrauchs­spuren und zwei größeren Scharten, eine Taste stark angegriffen; die Maschine rechnet zwar zuverlässig, doch die Taste zur Voreinstellung des Dividenden lässt nur den Schlitten wackeln (also ist Handeinstellung oder Plustaste mit deaktiviertem ZW nötig), im Multiplikator wird eine zuletzt eingetippte 1 aus unerfindlichem Grund nicht erkannt. Hmmm....

Den in eine eklige weiße Schicht verwandelten Klarlack auf Multiplikator-Anzeige und den meisten Ziffernrädern mit Alkohol und Schaber entfernt, zwei zerbröselte Gummipuffer durch Schraubenverlängerungen ersetzt, einen fehlenden Wirtel im RW ersetzt, viele Hebelchen nachjustiert ... und eine Handkurbel für die stromfreie Nutzung gebaut!

Englische Anleitung als PDF vorhanden.

Precisa 1102-10

Diese elektromechanische Addiermaschine hat das patentierte Rückstellwerk zur Wiederverwendung von Eingaben oder Ergebnissen und eine Schritt­automatik für etwas einfachere Multiplikation. Die grundlegende Technik mit der Zehner­tastatur und dem Stiftschlitten ist aber identisch mit den älteren (und vielen neueren) Modellen von Precisa.
Das Baujahr dieser Maschine dürfte 1952 sein, einen Preis kenne ich aber nur von 1956: Da lag er bei 1.475 DM. Benutzt wurde sie (zusammen mit der Rheinmetall AE und der ESA-0) bis in die 60er-Jahre in einer Kleiderfabrik in Aschaffenburg.

Precisa
1102-10
Nr. 121416 E

22 x 40 x 18
10,7 kg
ca.1950 - 1957
  • EW 10 RW 11 SW 11;
  • Druckwerk 11st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • Korrekturtaste.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck,
  • Rotdruck von Zwischensummen und Summen,
  • Rechtsschritttaste (ermöglicht stellenweise Korrektur und Multiplikation „von links“),
  • X-Taste für Erhalt der eingetippten Zahl (macht nach Loslassen der Plus-/Minustaste Linksschritt!),
  • R-Taste für Weiterverwendung der letzten gedruckten Zahl,
  • Nichtrechentaste,
  • Nichtdrucktaste,
  • Zeilenvorschub einstellbar (1‑, 2‑zeilig).
2/2: Kleine Lackschäden und eine stärker verkratzte Kante; rechnet einwandfrei, doch manchmal blockiert nach Summe oder Zwischensumme die Eingabe (durch erneute Summe zu beheben).

Unansehnliche Tastaturplatte neu lackiert, Farbband und Papierrolle erneuert.

Mit nicht originaler Schutzhaube, KA.

Ab 1916 verkaufte Ernst Jost in Zürich Bürogeräte, auch Brunsviga- und Rheinmetall-Rechenmaschinen. Das genügte ihm wohl nicht, denn um 1930 herum entwickelte er mit Eugen Bänninger eine eigene Addiermaschine.
1933 war der Prototyp fertig, 1935 wurde die Precisa Rechenmaschinen­fabrik AG gegründet. Dort wurden lange Zeit immer ausgefeiltere 10‑Tasten-Maschinen gebaut, später erweiterte man die Produktpalette um elektronische Rechner, Druckwerke für andere Rechenmaschinen und Präzisionswaagen.
Diese Waagenherstellung wurde ausgegliedert und 1964 fusionierte man mit der Hermes SA zur Hermes-Precisa. Die wurde 1981 von Olivetti gekauft. Nach dem Siegeszug der Elektronik blieb dann nur der Waagenhersteller übrig: Die Precisa Gravimetrics AG ist heute einer der Weltmarktführer in diesem Bereich.

Hamann Automat T

Die von Chr. Hamann entwickelten Schaltklinken-Maschinen mit automatischer Division (z.B. die Manus C) erwiesen sich als sehr gut geeignet für Motorantrieb und weitere Automatisierung. Sie wurden - natürlich - erst mit Motor ausgestattet (z.B. „Automat Z“), dann wurde mit Voreinstellung des 2. Faktors im Zählwerk auch die Multiplikation automatisiert („Automat V“ - dort noch Flügel­schrauben zur Löschung der Werke im Schlitten) und das hier gezeigte Modell hat schließlich die „verkürzte Multiplikation“: Stehen im Multiplikator Ziffern von 6 bis 9, dann wird nicht entsprechend oft addiert, sondern das Komplement (also 4 bis 1) abgezogen und in der nächsthöheren Stelle einmal addiert. Das spart etwa 40 % der Umdrehungen und damit auch Zeit und Verschleiß.
A propos Verschleiß: Die Fliehkraftbremse des Motors bestand aus einer Zinkguss-Scheibe mit zwei gefederten Bremsbacken. In diesem Exemplar war die Scheibe durch Zinkfraß spröde geworden und aufgequollen, so dass der Motor stets etwas schwergängig lief. Schon beim Ausbau zerbrach sie in fünf Teile, ich habe sie daher durch eine Stahlplatte ersetzt.
Beim Nachfolgemodell „Automat S“ wurde (wie auch beim Modell E) das Gehäuse modernisiert und die Bedienung noch etwas vereinfacht. Bei der ab 1953 angebotenen „Hamann 300“ ersetzte dann schließlich eine Zehnertastatur die doch etwas umständlichen Einstellschieber und -rädchen.
Neupreis und Verwendung dieses Exemplars sind leider nicht bekannt, die Seriennummer lässt ein Baujahr um 1952 vermuten.

mehr Infos im
Multiplikation
(12345678x1234)
(MP4, 22 MB):
Division
(355:113)
(MP4, 41 MB):
Hamann
Automat T
Nr. 9657

32 x 26,5 x 16,5
11,3 kg
1950 - ca.1954
  • EW(+EK) 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für EW, el. Löschung des gesamten Schlittens (in Grundstellung, kann für jedes Werk durch eine fixierbare Taste verhindert werden).
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Ziffern in RW und ZW direkt einstellbar,
  • 9. Stelle im ZW nur für die verkürzte Multiplikation,
  • an der Löschtaste auf Additionsmodus schaltbar,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel,
  • automatische Division und Multiplikation,
  • keine Überlaufglocke.
1/1: wenige Gebrauchsspuren, rotes Plastik der Einstellhebel etwas ausgeblichen; alles funktioniert wieder sehr schön.

2.Federband des Antriebs wieder aufgezogen, Schlittenlöschung justiert, Handkurbel gebaut, zerfallene Fliehkraftbremse ersetzt, auslaufende Entstörkondensatoren durch neue ersetzt.

Reinhard Atzbach stellt einen Scan der Anleitung bereit - DANKE!

Rokli 7R

Die 7R war das „Flaggschiff“ der Firma. Sie ist ein ausgereiftes Gerät mit sehr guter Ausstattung in der damals verbreiteten Kapazität 10-8-13, sehr solide verarbeitet und wohl auch deshalb immer noch mit einwandfreier Funktion. Dieses Exemplar ist aber deutlich weniger aufwendig beschriftet als die im Rechnerlexikon gezeigte prachtvolle Maschine aus früheren Jahren: sicher eine Maßnahme, um die Produktionskosten etwas zu senken.
Dieses Gerät ist ein echter Kellerfund und sammelte dort viele Jahre lang Staub. Wo und wofür es früher benutzt wurde ist nicht ganz klar, die beiden netten Verkäuferinnen vermuteten, dass ein Verwandter sie aus seinem Büro beim Maschinenhersteller Naxos Union mit nach Hause brachte, nachdem sie dort nicht mehr gebraucht wurde (noch jemand, der funktionierende Sachen nicht einfach wegwerfen wollte). Gebaut wurde die Maschine vermutlich 1954. Ihr Preis war damals mit 775 DM (etwa zweieinhalb Monatslöhne) vergleichsweise hoch angesetzt.

Rokli
7R
Nr. 013031

30 x 16,5 x 15
5,2 kg
ca. 1950 - 1958
  • EW(+EK) 10 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Schlittenfreigabe-Taste hinten rechts.
2/1: Einige Stoßstellen, Zahlenreihen der „1Mark“- „10Pfennig“- und „1Pfennig“-Stellen durch häufige Benutzung etwas abgegriffen. Sehr leichtgängiger Lauf.

Spröde Gummifüße ersetzt und die unglaublich hässliche, sanitärgrüne Schlittenfreigabetaste schwarz eingefärbt :)

KA.

Der Hersteller war nur etwas über 20 km von meinem jetzigen Wohnort entfernt. Rokli steht für Robert Kling, den Inhaber der gleichnamigen Firma aus Oberbiel bei Wetzlar, in der ab 1918 (damals noch in Wetzlar) Kugel­lager hergestellt wurden. 1949 stieg man in die Rechnerproduktion ein, weil die Kugellagerherstellung von den Siegern des 2. Weltkriegs verboten wurde. Schon neun Jahre später wurde die Produktion wieder eingestellt, stattdessen kaufte man fünf Jahre lang Schubert-Maschinen (z.B. die DRV) zu und verkaufte sie unter dem eigenen Firmennamen. 1963 begann in einem belgischen Zweigwerk wieder die Produktion elektromechanischer Addier­maschinen und Kassen, andere Rechenmaschinen wurden zugekauft. Unter der neuen Marke „Kling“ gab es daher die eigenen Kassen und Addiermaschinen, aber z.B. auch eine schrill-orange Rechenmaschine, die vom Hersteller TRS aus Jugoslawien stammt (und mit den fest­stehenden Einstellhebeln technisch recht fortschrittlich war) und sogar elektronische Tischrechner wie diesen von Brother gebauten.
1974 kaufte FAG Kugelfischer die Firma, spätestens da endete die Rechenmaschinen-Produktion. Heute ist am gleichen Ort die Firma IBC Wälzlager GmbH und stellt immer noch bzw. wieder Kugellager aller Art her.

Tröger Rechenscheibe

Durch die runde Form ist das ein quasi "endloser" Rechen­schieber. Allerdings eine recht einfache Version mit nur drei Skalen, laut Hersteller gedacht „für den Gross- und Einzel­handel aller Branchen“. Damit hat mein Vater bis etwa 1973 die Preise und Handelsspannen berechnet. Erst nach Juni 1968 kann er die Scheibe gekauft haben: In der Anleitung steht bereits die damals eingeführte Mehrwertsteuer (mit 11% nur etwas mehr als halb so viel wie heute, aber damals reichten die Steuern für ordentliche Schulen, Straßen und anderes - wo geht das ganze Geld hin?).

Hans Tröger
Rechenscheibe

29 cm Durchmesser
300 g
ca. 1950 - 1974
  • Zwei logarithmische Skalen für Multiplikation und Division,
  • Prozentwerte, Angabe von 1 inch, 1 oz, Pi und 1 lbs.
2/1: leichte Gebrauchsspuren, Skalen intakt, leichtgängige Funktion.
Originalanleitung in mehreren Versionen vorhanden.

Die Firma Tröger in Mylau begann wohl lange vor 1920 (Patent ab 1904) mit dem Bau ihrer „runden Rechenschieber“. Nach der Teilung Deutschlands wurde dann im Westen bis Ende 1974 weiter produziert. Es gibt verschiedene Modelle, das hier ist die letzte Baureihe.

Счетмаш ВК-1 (Schetmash VK-1)

Die ausgereiften Facit-Rechenmaschinen mit Tasten wurden auch in der Sowjetunion (und in der DDR) nachgebaut, vermutlich sogar mit schwedischer Lizenz. Die VK‑1 aus der UdSSR ist eine bis in die Details genaue Kopie der Facit TK. Das Material ist aber deutlich „billiger“ als beim Original (z.B. die für Zinkfraß anfällige Trommel aus Zinkdruckguss) und man merkt die teils niedrigere Passgenauigkeit. Das macht das Rechnen hier etwas hakelig.
Die ersten VK‑1 dürften etwa 1950 entstanden sein, dieses Exemplar mit seinem Jahresstempel von 1975 ist eines der ganz späten Exemplare.

Geteiltes Sprossenrad geöffnet...:
...und mit Einstellscheibe:
Счетмаш (Пенза)
ВК-1
Nr. Б006860

30,5 x 18 x 14
5,9 kg
1950 - ca. 1975
  • EW(+EK) 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Drehsinn im ZW wird von erster Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich,
  • mitlaufende Stellenzeiger in ZW und RW.
2/3: Gehäuse mit kleinen Gebrauchsspuren; funktioniert wieder aber hakelt etwas, wenn man nicht richtig auf die Tasten „hämmert“, außerdem ist der Zehneruntertrag aus der 2.Stelle des Zählwerks nur bei sehr flottem Kurbeln zuverlässig.

Trommel zerlegt und Sprossenrad 4 durch Ausfeilen gängig gemacht, Versatz der Löschachse des RWs justiert, Zehner­übertrag im Zählwerk teilweise justiert, einige Stellen der Mechanik nachgefeilt, Flugrost an vielen Metallteilen entfernt.

KA.

Schetmash (eine Zusammenziehung aus „счетная машина“ = „Rechenmaschine“, auf Deutsch also so etwas wie „Rechmasch“) nannten sich zeitweise mehrere Fabriken, darunter auch eine in Penza. Eine schon bestehende Fabrik (1879 gegründet, was sie produzierte ist unbekannt) wurde 1924 verstaatlicht und in den 30er-Jahren deutlich erweitert. Im Krieg wurde sicher massive Kriegsproduktion betrieben, danach baute man einige Jahre lang auch „Felix“-Sprossenrad­maschinen, dann die VK‑1 und ab 1954 die elektrische VK‑2.
Ab Anfang der 70er-Jahre wurden auch elektronische Rechner der Marke „Iskra“ produziert. Im November 2008 wurde die Firma liquidiert.

Brunsviga 11E

Aus der erfolgreichen, kleinen Brunsviga 10 wurde diese elektrische Maschine entwickelt. Die 11E hat in jedem Werk eine Stelle mehr und beherrscht eine sehr weit entwickelte Stopdivision. Die Mechanik innen ist deutlich anders: Die „1‑4er“- und „5er“-Walzen der B10 sitzen auf verschiedenen Achsen, hier aber auf einer Achse. Eine zweite Achse sorgt nur für den Zehnerübertrag. Die Umschaltung von Addition und Subtraktion ist auf eine besondere Weise gelöst: bei fast allen elektrischen Maschinen passiert das mechanisch, hier aber wird einfach die Drehrichtung des Motors umgeschaltet.
Dieses Exemplar hat die seltene Stellenmarkierung mit Rändelrädern und Farbspiralen („Rollkomma“). Das ist nicht besonders gut abzulesen und hat sich nicht durchgesetzt, die späteren Maschinen der E11 haben wieder normale Kommaschieber.
Dass es ein eher frühes Exemplar ist zeigt sich auch an der Beschriftung der Löschtasten (Buchstaben statt I, II, III) und der fehlenden Transportsperre im Schlitten. Aus der Seriennummer ergibt sich das Baujahr 1952. Einen Neupreis kenne ich aber erst von 1956: 860 DM (das waren knapp zweieinhalb Monatslöhne).
Nachfolgemodell ist die 11S mit automatischer Division, Volltastatur und elektrischem Schlittentransport.

Bedienung der B11E im
Youtube-Video
Die Elektrik (nach Abnahme
des mechanischen Maschinenteils):
Brunsviga
11E
Nr. 263552

21 x 23 x 11
5,8 kg
1951 - ca.1960
  • EW(+EK) 7 ZW 6 RW 11;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschtasten (elektrisch) für ZW und RW,
  • Löschtaste (mechanisch) für das EW.
  • Eingabekontrolle durch Ausschnitte und Ziffernsegmente der Schieber,
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • im ZW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Rechnung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW,
  • Umschalter für Additionsmodus / „normal“ / Stopdivision,
  • Schlitten nur per Griff nach rechts zu stellen, nach links nur per Taste,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel.
1/1: kaum Gebrauchsspuren, „Horn“kappen der Einstellschieber mit Riss; einwandfreie Funktion.

Ein Ziffernsegment gerichtet, Kondensatoren getauscht, fehlendes Kabel durch Eigenbau mit modifiziertem Wieland-Stecker ersetzt.

Mit Haube, Anleitung im Netz gefunden.

M.J.Rooy

Eine eigenartige Maschine, mit einer Mischung aus damals fortschrittlichen und eher altertümlichen Merkmalen. Sie schaut aus wie eine ganz typische Sprossenrad-Maschine, ist aber keine. Hier arbeiten Stellsegmente, was nun die nicht mitdrehenden, bequemeren Einstellhebel ermöglicht. Auch eine Rücküber­tragung ist vorhanden, aber das sind dann schon die Pluspunkte des Geräts. Auf der anderen Seite steht vor allem der fehlende Zehner­übertrag im Zählwerk (was in den 50er-Jahren zumindest für Westeuropa sehr ungewöhnlich ist) und eine eher „grob gestrickte“ Mechanik mit Material minderer Qualität (statt Messing und massivem Stahl viel Aluminium und dünne Stanzteile). Die Maschine ist deshalb auch etwas größer als damals üblich und für zuverlässige Funktion ist eine extrem genaue Justierung nötig. Die Stellsegmente sind völlig identisch mit denen der Marchant H9. Ziemlich sicher wurden hier also Restmengen verbaut, die Marchant (nach der Aufgabe der Produktion von Stellsegment-Maschinen) nicht mehr benötigte und daher preiswert abgegeben hat. Solche Lieferungen gab es im Rahmen des Marshall-Plans öfters.
Ein Neupreis der Maschine ist leider nicht bekannt. Es gibt auch keine Modellbezeichnung, obwohl es mindestens ein weiteres Modell unter der gleichen Marke (aber ohne Rückübertragung) gibt. Die Seriennummer dieses Exemplars ist eine aus dem Mittelfeld der bekannten Nummern, das lässt ganz grob ein Baujahr um 1957 schätzen.

Ein Stellsegment aufgeklappt:
Stellsegmente in Aktion
(MP4, 15 MB):
M.J.Rooy

Nr. 12905

34 x 17,5 x 15
5,7 kg
ca. 1951 - ca. 1962
  • EW(+EK) 10 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • Löschhebel für EW,
  • 2 Löschkurbeln für ZW und RW.
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (zwei 9er),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel.
1/1: nur wenige Gebrauchsspuren; alles funktioniert einwandfrei.

Sperrmechanik und viele Stellsegmente waren durch altes Fett fest, was letztlich nur durch komplettes Zerlegen und Benzinbad zu beheben war. Einen fehlenden Knopf ersetzt, Trommel justiert. Eine Achse zuviel gezogen, unter heftigem Fluchen stundenlang winzige Kügelchen in die Übertragsschieber zurück gedrückt.

Französische Anleitung im Netz gefunden.

Von M.J.Rooy ist im Netz wenig zu finden, nur dass es ein Schreibmaschinen-Hersteller aus Paris war. Deren erste Schreibmaschinen wurden in Underwood-Lizenz gebaut, ab 1950 hießen sie dann ROOY. Wegen einer Klage der Royal Typewriter Co. wurde der Name 1954 zu M.J.Rooy geändert. Irgendwann in der ersten Hälfte der 60er-Jahre wurde die Produktion eingestellt.
M.J.Rooy hat die Rechenmaschinen wahrscheinlich nicht selbst gebaut. In Italien wurde eine baugleiche Maschine von „Steiner Calculator“ aus Mailand (über die man ebenfalls wenig weiß) als „Helios“ verkauft. Vermutlich ist das der eigentliche Hersteller.
In Mailand scheint es überhaupt in den 50er- und 60er-Jahren eine regelrechte „Szene“ von Rechen­maschinen-Konstrukteuren und kleinen bis kleinsten Herstellern und Vertriebsfirmen gegeben zu haben, von denen heute jeweils nur wenige Maschinen bekannt sind und über die man noch wenig weiß.

Addifix-9

Die Addifix ist ein typischer Zahlenschieber im Taschenrechner-Format: Sie misst gerade mal 13 cm x 8,8 cm, ist 0,5 cm dick und 80 g leicht. So ein Gerät war wirklich für jeden erschwinglich: Der Listenpreis lag 1951 bei 8,50 DM. Die Serien­nummer datiert das Exemplar auf ca. 1964.

Neckermann
Addifix-9
Nr. 793647

9 x 13 x 0,5
80 g
1951 * - ca. 1973
  • Eingabe über 9 Schieber (9. Schieber nur per Übertrag),
  • Addition und Subtraktion,
  • Löschschieber.
  • eine Seite zum Addieren, die andere Seite zum Subtrahieren,
  • mit Eingabegriffel aus Metall und Halterung dafür.
2/1: Einige Kratzer, durchgängig überraschend leichtgängige Funktion.

Einen verbogenen Zahn eines Schiebers gerichtet.

Mit Originalgriffel und Etui, eine Addiator-Anleitung im Netz gefunden.

„Addifix“ ist der Name, unter dem das Versandhaus Neckermann ab 1959 die Geräte von Addimult anbot. Neckermann war zeitweise der zweitgrößte deutsche Versandhändler, ist aber seit 2012 Geschichte (dazu mehr beim „Haushaltkalkulator“). Der vor kurzem Konkurs gegangene Reiseveranstalter Thomas Cook hatte „Neckermann-Reisen“ weiter geführt. Die Marke gibt es aber noch: Der damalige Konkurrent Otto betreibt unter ihr ein weiteres Versandportal.

Everest Z4

Das Facit-Design wurde nach Ablauf der Patente von einigen anderen Konstrukteuren aufgegriffen, so auch von Eliseo Restelli, der in den 40er- und 50er-Jahren die Everest Z‑Reihe entwickelte. Seine Maschinen haben aber „normale“ (statt geteilter) Sprossenräder, die Zifferntasten sind ganz anders angeordnet und sie können wegen einer pfiffigen Sperre nur einzeln gedrückt werden.
Die Modellreihe geht von Z1 bis Z5R. Die Z4 ist der Entwicklungsstand mit Einhandbedienung, d.h. alle Bedienelemente sind nun auf einer Seite. Die Z5 bekam zusätzlich einen Additionsmodus, die Z5R dazu eine Rückübertragung.
Dieses Exemplar dürfte um 1954 entstanden sein, der Neupreis lag damals bei 850 DM.

Everest
Z4
Nr. 028314

31,5 x 19,5 x 16,5
6,7 kg
ca. 1952 - ca. 1955
  • EW(+EK) 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter und Anzeige für Drehrichtung im ZW (auch durch erste Kurbeldrehung automatisch bestimmt),
  • mitlaufende Stellenzeiger in ZW und RW,
  • Entsperrtaste für die Kurbel-Drehrichtung am Boden.
2/1: Gehäuserückseite mit einigen Stoßstellen, Gehäuse sonst sehr gut erhalten; einwandfreie und sehr leichtgängige Funktion

Ausgehängtes Federchen der „Links“-Taste korrigiert, Blenden neu justiert.

KA

„Everest“ ist kein Hersteller sondern die Marke, unter der die „S.A. Serio Officine Meccaniche di Precisione“ in Crema (am Fluss Serio) und in Mailand ab 1932 Rechen- und Schreibmaschinen produzierte. In den 50er-Jahren wurde Serio zum zweitgrößten Rechen­maschinen-Produzenten Italiens, auch Fabriken in der Türkei und Jugoslawien („TRS“) gehörten zeitweise dazu. 1967 kaufte der große Konkurrent Olivetti die Firma und integrierte sie allmählich in den eigenen Konzern, zwei Jahre später wurde die Firma gelöscht. Die Fabrik in Crema wurde erst 1992 aufgegeben.

Komet TA

Diese Addiermaschine sieht dem Comptometer etwas ähnlich, aber der große Hebel rechts und die zweite Anzeige machen klar: Hier muss nach der Eingabe eines Wertes erst noch der Hebel gedrückt werden. Das macht das Rechnen etwas langsamer, ermöglicht dafür aber eine Eingabe­kontrolle und hilft, Eingabefehler zu vermeiden.
Alles was eine nichtdruckende Addiermaschine braucht ist da: Minus-Taste, eine Wiederholtaste sowie Löschtasten für Eingabe und Ergebnis. Ein nettes Detail kommt dazu: Die Ziffernrollen im Ergebniswerk haben eine zweite Ziffernreihe mit dem Zehnerkomplement. Falls man unter Null subtrahiert, kann man durch Verschieben einer Blende das negative Ergebnis direkt ablesen.
Auch eine Variante ohne Einstellkontrolle wurde angeboten. Als „Komet“ waren beide kein Erfolg, nur etwa 1.000 Stück wurden gebaut. Ab 1956 wurde sie dann als „Brunsviga 90 TA“ vermarktet, mit dem großen Namen verkaufte sie sich einige Jahre recht gut. Der damalige Preis: 325 DM.

mehr Infos (PDF) im
Komet
TA
Nr. 051429

23 x 27,5 x 14,5 cm *
3,8 kg
1952 - 1955
  • EW(+EK) 8 RW 9;
  • Addition und Subtraktion,
  • C-Taste für Löschung aller Tasten,
  • Löschung des RW mit Stern-Taste und Hebeldruck (nicht nach Subtraktion, dann zuvor weiterer Hebeldruck nötig).
  • R-Taste für behelfsmäßige Multiplikation,
  • Blende im RW zum Ablesen negativer Summen verschiebbar (eine evtl. „rote Null“ ganz rechts in der Anzeige ist als „10“ zu lesen).
1/1: nur sehr geringe Gebrauchsspuren; völlig einwandfreie Funktion.

Einige Schrauben ersetzt, Einstellkontrolle und Zehnerüberträge justiert.

KA.

Komet war die 1951 in Frankfurt gegründete und schon 1955 in Insolvenz geratene Vertriebsfirma. Wirklicher Konstrukteur und Hersteller der Maschine war Siegfried Link, der in Griesheim (bei Darmstadt) eine feinmechanische Werkstatt betrieb, die als Siegfried Link GmbH&Co.KG auch heute noch existiert. Auch die später als „Brunsviga“ verkauften Geräte wurden wohl in seinem Betrieb hergestellt.

Precisa 117

Precisa hat sonst nur druckende Addiermaschinen gebaut, doch auch dort entwickelte man einen guten Facit-Nachbau. Der hat, wie das „Original“, geteilte Sprossenräder. Die Zifferntasten sind aber anders angeordnet, auffällig ist vor allem die große Null. Eine praktische Weiterentwicklung der sehr solide gebauten Mechanik ist, dass bei der Dividenden-Eingabe keine 1 ins Zählwerk gezählt wird, also entfällt die sonst nötige Zählwerks-Löschung. Die Bedienung wird auch durch die schräggestellte Kurbel sehr angenehm.
Die P117 war nur in der Schweiz selbst preislich konkurrenzfähig, nicht aber in Deutschland: Mit anfangs über 800 DM, später noch 665 DM war sie deutlich teurer als die schwedische Konkurrenz. Entsprechend selten ist sie bei uns.
Es gibt ein frühes Design mit achteckigen Tasten und Schutzbügel aus blankem Metall, dieses Exemplar im moderneren Stil stammt wohl aus der Zeit um 1960. Leider ist über die Verwendung nichts überliefert.

sehr ausführliche Infos im
Precisa
117
Nr. 268901

30,5 x 22 x 15
6,7 kg
1952 - 1963
  • EW(+EK) 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Drehrichtung im ZW durch erste Kurbeldrehung automatisch bestimmt,
  • mitlaufende Stellenzeiger in ZW und RW,
  • Anzeige für nicht vollständige Löschung im RW und ZW,
  • ZW bei Dividendeneingabe inaktiv.
1/1: Gehäuse extrem gut erhalten; einwandfreie und leichtgängige Funktion

Sehr viele Teile (darunter auch alle Zehnerübertragssprossen im ZW) waren verharzt und brauchten reichlich Öl, Alkohol und langes Hin- und Hergewackel bis sie wieder leichtgängig wurden.

Mit Haube, französische Anleitung als PDF vorhanden, KA.

Brunsviga 13RK

Das ist das erfolgreichste Nachkriegs-Modell von Brunsviga. Sogar nach dem Aufkauf der Firma durch Olympia wurde die 13RK noch einige Zeit hergestellt und sie ist eine der heute noch am häufigsten in Online-Auktionen zu findenden Sprossenrad-Maschinen. Die Rechen­kapazität ist 10‑8‑13 (nicht nur bei Brunsviga fast so etwas wie ein Standard). Mit Einstellkontrolle, komplettem Zehner­übertrag, Rückübertragung, Gesamt­löschung und Einhandbedienung ist sie sehr gut ausgestattet. Für Brunsviga typisch ist die Anordnung der drei Werke übereinander.
Die Seriennummer datiert dieses Exemplar auf Ende 1958 / Anfang 1959. Der Neupreis damals: 598 DM (etwa drei Monatslöhne).

Brunsviga
13RK
Nr. 13 - 71610

28,5 x 23,5 x 17
8,4 kg
1952 - 1964
  • EW(+EK) 10 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel und ein Gesamtlöschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • im ZW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • Rückübertragung vom RW ins EW (Eingabelöschhebel dazu weiter durchziehen),
  • Schalter für gemeinsame Löschung von EW und ZW.
1/1: Firmenschildchen zerkratzt, sonst wenige Gebrauchsspuren; sehr leichter Lauf aller Teile.

Löschhebel nachjustiert, 2 fehlende Füße ersetzt, Kommaschieber umverteilt, alle Bleche neu lackiert.

Anleitung im Netz gefunden.

Badenia TAV13

Die TAV ist ein weit entwickelter Halbautomat mit Staffelwalzen. Die Division erfolgt automatisch, die Multiplikation immerhin schon mittels Wahltasten (stellenweise von rechts nach links, automatischer Schlittenschritt). Bei Stromausfall kann sie noch mit Handkurbel benutzt werden, das finde ich stets sehr sympathisch. (Badenia-Maschinen sind meist ... irgendwie „angenehm“, keine Ahnung wieso.)
Die TAV wurde in verschiedenen Kapazitäten und Ausstattungen gebaut, es gab sie auch mit 17 oder (selten) 22 Stellen im Resultatwerk, teils auch da mit komplettem Zehnerübertrag. Auch als „Duplex“ mit zweitem Resultatwerk war die Maschine erhältlich.
1957 kostete bereits diese kleinste Variante schon beachtliche 2.490 DM (der Arbeiterlohn eines guten halben Jahres). Dieses Exemplar hat das Baujahr 1954, einzige Spur der früheren Verwendung ist das Schild des Stuttgarter Büromaschinenhändlers, der die Maschine wohl verkauft (und vielleicht auch gewartet) hat.

aus der Sammlung Weber
Badenia
TAV13
Nr. 29049

41 x 33 x 20
16,1 kg
1952 - 1964
  • EW(+EK) 10 ZW 8;
  • RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für EW, 2 Löschschieber für ZW und RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Abschaltung bzw. Drehrichtung im ZW,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schlittenverstellung motorisiert,
  • automatische Schlittenlöschung beim Rücklauf (abschaltbar),
  • Dividenden-Voreinstellung mit Tabulator und ohne ZW-Verstellung,
  • automatische Division (mit kleinem Trick auch negativ),
  • Multiplikation mit Wahltasten und automatischem Schlittenschritt (negativ über das Komplement),
  • elektrischer oder Handbetrieb,
  • Schalter für Addition/Subtraktion bei Handbetrieb.
2/1: einige kleine Stoßstellen und Kratzer, etwas Abrieb, guter Gesamteindruck; alles funktioniert einwandfrei und leichtgängig.

Ein Wirtelchen ersetzt, fehlende Gehäuseerdung ergänzt.

KA.

Badenia TEH10

Auch die TEH10 zeigt trotz später Markteinführung dieses seltene Zwischenstadium der Entwicklung: Sie hat zwar einen Elektromotor, aber es gibt hier auch noch eine reguläre Handkurbel. Wenn mal der Strom ausfällt oder der Motor defekt ist, kann sie also trotzdem benutzt werden. Die Ausstattung dieser Variante ist passabel: kleine Kapazität, dafür aber Stopdivision per wechselweisem Subtrahieren und Addieren. Die frühen Modelle hatten eine etwas andere Anordnung der Bedienelemente und keine Stopdivison.
Die TEH10 war damals die kleinste Badenia, sie kostete 985 DM (knapp drei Monatslöhne). Dieses Exemplar, Baujahr etwa 1955, stammt aus einer Firma für Maler- und Tapeziererbedarf in Berlin.

Badenia
TEH10
Nr. 30190

37 x 33 x 20
11,6 kg
1952 - 1964
  • EW 7 ZW 6;
  • RW 10;
  • Grundrechenarten,
  • Löschhebel für EW, 2 Löschschieber für ZW und RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter zur Abschaltung bzw. für Drehrichtungsumkehr im ZW,
  • Schalter für Additionsmodus (nach rechts Löschhebel!),
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schlittenverstellung nach rechts per Hand und zurück durch Schritttaste,
  • elektrischer Motorbetrieb (ohne Kurbel), Handantrieb des Motors (Kurbel leicht aufgesetzt) oder reiner Handbetrieb (Kurbel ganz eingeschraubt) wählbar,
  • Stopdivision nur bei Motordrehung,
  • Schalter für Addition/Subtraktion bei Handbetrieb,
  • Kurbel nur im Uhrzeigersinn drehbar.
2/1: einige Stoßstellen und Kratzer, einige Tasten etwas zerkratzt; alles funktioniert einwandfrei.

Schlittengriff befestigt, Schlittenstange poliert, einige fehlende Schrauben und Gummipuffer ersetzt, breitgesessene Gummirädchen rundgefräst, Hebelchen für Stopdivision wieder eingehängt, Feder zur Dämpfung eines Hebels eingebaut, die brummende (und offenbar früher mal wegen Überhitzung ausgelaufene) Entstörschaltung komplett erneuert, Gehäuseerdung eingebaut.

Anleitung im Netz gefunden.

Thales DER (II)

Modellreihe D von Thales hat die deutlich größere Kapazität von 12-10-18. „DER“ steht für Modell D mit Einstellkontrolle und Rückübertragung. Dieses Exemplar stammt aus der deutlich überarbeiteten Nachkriegs-Baureihe, deshalb setzte ich die „II“ dahinter.
Erstaunlich ist, dass auch das Nachkriegsmodell noch den außenliegendem Löschkamm für das Einstellwerk hat. Fortschrittlich sind dagegen die Direkt­einstellung der Werte im Resultatwerk (zum Runden oder zur Einstellung von Dividenden) und die Einhand-Schlittenverstellung. Letztere arbeitet genau gegenläufig zur bei Brunsviga, Rokli oder Schubert üblichen Richtung, was einiges an Umgewöhnung erfordert.
Diese Maschine wurde wahrscheinlich 1962 vom Bankhaus Hengst in Offenbach erworben, der Neupreis damals lag bei 895 DM. Die später zu „Schröder Münchmeyer Hengst & Co.“ (SMH) fusionierte Bank geriet 1983 in Schieflage und wurde von der Lloyds-Bank übernommen. Da fand man die Maschine in der Hauptbuchhaltung von SMH. Für mechanische Rechenmaschinen hatte man keine Verwendung mehr, aber zum Glück rettete ein Lloyds-Mitarbeiter die Maschine vor der Verschrottung. Von dem konnte ich sie dann erwerben.

Thales
DER (II)
Nr. 160653

33,5 x 16,5 x 13,5
7,1 kg
1952 - 1965
  • EW(+EK) 12 ZW 10 RW 18;
  • Grundrechenarten,
  • Löschkamm für EW,
  • 2 Löschhebel für ZW und RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW (auch durch erste Kurbeldrehung automatisch bestimmt),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar.
1/3: Lack am Deckblech ausgebessert, einige kleine Gebrauchsspuren; in den Stellen 1-3 des ZW funktioniert der Übertrag zwischen ...999 und ...000 nicht bzw. blockiert dort.

Abgegriffene Bakelitschale am Rückübertragungshebel und blankgescheuerte Stelle rechts von den Einstellhebeln neu lackiert, Kommaleiste des EW ergänzt.

Kopie der Originalanleitung vorhanden,KA.

Monroe LN-160X

Das ist noch eine Maschine des Herstellers, der die geteilten Staffelwalzen eingeführt hat. Nun aber ein sehr spätes Exemplar der handbetriebenen L‑160 („N“ wie „New“ für das moderne Gehäuse, „X“ für die „spot proof“-Platte und gestufte Tasten, was die gedrückten Tasten mit einem Schattenring markiert - nicht für den Koffer, wie man oft liest!) aus dem Amsterdamer Zweigwerk von Monroe. Modernes Gehäuse und die recht hohe Seriennummer lassen ein Baujahr um 1960 herum vermuten.
1961 kostete das Modell 750 DM (etwas über drei Monatslöhne), was im Vergleich zu vielen besser ausgestatteten Maschinen des „Odhner-Typs“ eher teuer war. Weil in vielen Branchen schnelles Addieren wichtiger als Rückübertragung und Zehner­übertrag war fand jedoch auch diese kleine Monroe ihre Käufer - zumindest bis die billigen Klone aus Osteuropa auf den Markt kamen.

Größenvergleich:
Monroe K (hier
Nachbau aus der
UdSSR
) und L

Monroe
LN-160X
Nr. J724655

30,5 x 26 x 11
3,7 kg
1952 - 1969
  • EW 8 ZW 8 RW 16;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für RW und ZW (je nach Drehrichtung).
  • Zehnerübertrag im RW nur über 9 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (zwei 9er),
  • 2 Tasten für Additionsmodus an/aus.
2/1: Gehäuse sehr gut erhalten bzw. teils nachlackiert, Funktion wieder leichtgängig.

Deckblech wegen der massiv abgestoßenen linken Kante neu lackiert, extrem festgeharzte Kurbel und Zehnerüberträge (mit etwas WD40, mehreren ml Alkohol und vorsichtigem Ölen) gängig gemacht, ein abgebrochenes, aber zum Glück im Gerät liegendes Zähnchen für den Zehner­übertrag der 10.Stelle wieder eingeklebt.

Diese Maschine „wohnt“ in einem alten Koffer als Transportbehälter. Anleitung im Netz gefunden.

Addimult Ziffrex

Die Ziffrex ist offenbar für Berggorillas und andere Grobmotoriker entwickelt worden. Sie hat große, bequeme Einstellhebel, dadurch allerdings auch lange Stellwege. Ihr Funktionsumfang entspricht dem anderer Kleinaddierer mit Einstellkontrolle, doch sie ist etwa doppelt so breit und lang und hat im Gehäuse mehr Luft als Metall. Mit einem Neupreis von 169 DM war sie eigentlich zu teuer, aber offenbar fand sie doch Käufer: Einige tausend Exemplare sind gebaut worden (1958 war Nummer 6.000 erreicht, die höchsten bekannten Nummern sind knapp über 10.000).
Eine Zahnsegment-Maschine ist für Addimult sehr ungewöhnlich. Manche Sammler vermuten deshalb, das Gerät stamme von einem anderen Hersteller und sei von Addimult nur vertrieben worden. Ich denke eher, dass Addimult die Maschine selbst gebaut hat in der Annahme, dass genügend viele Berggorillas unter der potentiellen Kundschaft sind (oder dass sich ein „aufgeblasener“ Kleinaddierer teurer verkaufen lässt).

aus der Sammlung Veres
Addimult
Ziffrex
Nr. 3874

20 x 28 x 15
4,5 kg
ca. 1952 - ca. 1962
  • EW(+EK) 7 RW 8;
  • Minus-Hebel (Subtraktion nicht unter Null!)
  • Löschtaste für EW (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschdrehgriff für RW.
2/1: Einige Kratzer, ein Hebelgriff mit Riss, einwandfreie Funktion.
Mit Schutzhaube, KA.
Die Funktion des Hebelchens vorne links habe ich noch nicht herausgefunden... wer weiß dazu etwas?

Addimult ging aus der Bad Harzburger Zweigstelle von Addiator hervor, die Hans-Wolfgang Kübler, der Sohn des Addiator-Gründers, 1950 zur selbständigen Firma machte. Sie wurde einer der großen Hersteller von Zahlenschiebern und überlebte bis 2017.
Ab 1973 wurden allerdings keine Zahlenschieber mehr gebaut, sondern vor allem Reha-Hilfsmittel.

Facit NE

Nicht jeder konnte oder wollte sich einen teuren Vollautomaten leisten, und auch Halbautomaten waren nicht gerade billig. Für den Export baute man daher bei Facit das Modell NE, eine abgespeckte Version des damaligen Halbautomaten NEA ohne halbautomatische Multiplikation und automatische Division.
Im Düsseldorfer Zweigwerk wurde diese Variante entwickelt: Per Schalthebel kann man einstellen, dass nach dem Druck der Minus- (bzw. Plus-)Taste bis zum Unterlauf (bzw. Überlauf) gerechnet wird (dann geht es mit Rechtsschritt und der jeweils anderen Taste weiter bis zum nächsten Über- bzw. Unterlauf usw.). So beherrscht diese Version eine etwas flottere Stopdivision. Wie bei den „großen Schwestern“ gibt es die praktische ADD-Taste, die beim Addieren gleich die Eingabe löscht.
Diese NE wurde 1954 gebaut. Ein Aufkleber auf der Rückseite zeigt, dass sie bei einem Berliner Händler („Büromaschinen-Zentrale WEST“) gekauft wurde. Den Neupreis kenne ich leider nicht.

aus der Sammlung Kohl

mehr Infos im
ausführliche Infos zu allen
Facit-Rechenmaschinen bei
H.Schmid
Facit
NE
Nr. 428956

29 x 25,5 x 16,5
9,7 kg
1953 - 1957
  • EW(+EK) 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 2 Löschhebel für ZW und RW,
  • Löschtaste für elektrische Löschung im EW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Anzeige für Drehsinn im ZW (durch erste Taste bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich),
  • mitlaufende Stellenzeiger in ZW und RW,
  • ADD-Taste für Additionsmodus,
  • Subtraktions-/Divisionsstopptaste,
  • Schalthebel für einmaligen (×) bzw. andauernden (÷) Lauf nach Taste.
2/1: insgesamt sehr schöner Eindruck, aber einige Stoßstellen und Kratzer, Gummifüße etwas brüchig; alles funktioniert einwandfrei.

Fehlenden Hebelknopf ersetzt, stark angeschlagenen Schutzbügel neu (nicht in Originalfarbe) lackiert, blanke Metallteile entrostet/poliert, „abgerauchte“ Entstörschaltung ersetzt.

Anleitung im Netz gefunden.

Hamann Manus R

Das letzte Modell der Hamann Manus hat erstmals einen nachgestellten Buchstaben im Namen: Der steht für die Rückübertragung, die die ohnehin gute Ausstattung nochmals deutlich aufwertet. Auch Mitte der 50er-Jahre war das noch Spitze, warum die Maschinen nicht verbreiteter waren ist kaum zu verstehen.
Die Seriennummer dieses Exemplars deutet auf ein Baujahr um 1957, der Preis damals war 598 DM (etwa eineinhalb Monatslöhne). Ich habe sie von einem Händler gekauft, daher weiß ich leider nicht, wo und wofür sie mal benutzt wurde. Sehr heftigem Gebrauch war das Gerät jedenfalls nicht ausgesetzt, es ist in extrem gutem Zustand.

mehr Infos im
Hamann
Manus R
Nr. 47 551

27,5 x 17 x 14,5
4,9 kg
1953 - 1959
  • EW(+EK) 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Kurbel nur im Uhrzeigersinn drehbar, Subtraktion per Umschalter,
  • Lösehebel für blockierte Kurbel,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel,
  • „automatische“ Division,
  • daher keine Überlaufglocke.
1/1: Sehr wenige Gebrauchsspuren, alle Hebel, Schalter, Rädchen und die Kurbel sind wunderbar leichtgängig.
Mit Schutzhaube, Anleitung im Netz gefunden.

Hamann E

Die elektrischen Schaltklinken-Maschinen wurden in den 50er-Jahren in modernere Formen verpackt. Die Hamann E ist, anders als der frühere Automat T oder der etwa zeitgleiche Automat S, aber nur ein Halbautomat: Die Multiplikation muss noch „per Hand“, also mit den Plus- und Minustasten samt nötiger Schlittenverstellungen erfolgen, nur die Division erfolgt vollautomatisch. Neu ist aber auch hier die Rückübertragung, die nun bequemere Kettenmultiplikationen ermöglicht.
Die Seriennummer deutet auf das Baujahr 1958, damals kostete das Modell 1.185 DM.

aus der Sammlung Weber
Hamann
E
Nr. 74728

33,5 x 26,5x 18
9,2 kg
1950 - ca.1954
  • EW(+EK) 9 ZW 8 RW 16;
  • Grundrechenarten,
  • Löschhebel für EW, el. Löschung des gesamten Schlittens (kann für jedes Werk durch ein fixierbares Knäufchen verhindert werden).
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Schalter für Division ein/aus,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Rückübertragung aus RW ins EW,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel,
  • manuelle Schlittenbewegung per Tasten,
  • automatische Division (auch negativ),
  • keine Überlaufglocke.
2/1: vor allem an der Rückseite erhebliche Lackschäden; alles funktioniert einwandfrei.
Mit Haube (wohl nicht original), KA

Everest Z5

Die Nachfolgerin der Z4 hat zusätzlich den Schalter für optionalen Additionsmodus, damit löscht jede additive(!) Kurbeldrehung die Eingabe. Ansonsten ist die Technik gleich, auch die pfiffige Sperre gegen mehrfache Tastendrücke gibt es.
Dieses Exemplar ist wohl 1958 oder kurz danach gebaut worden. 1960 war das Modell zum letzten Mal im Büromaschinen-Katalog, der Neupreis lag da bei 795 DM.

Everest
Z5
Nr. 2741612

33 x 20,5 x 16
6,9 kg
ca. 1953 - 1960
  • EW(+EK) 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter und Anzeige für Drehrichtung im ZW, (auch durch erste Kurbeldrehung automatisch bestimmt),
  • mitlaufende Stellenzeiger in ZW und RW,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Aufhebung der Drehrichtungssperre mit Taste am Boden.
2/1: Gehäuse mit wenigen Stoßstellen und sehr gut erhalten, Kurbelbock korrodiert; einwandfreie und leichtgängige Funktion

Eingetrübte Scheibe von RW und ZW ersetzt, Ziffern der Tastatur neu eingelegt.

KA

Brunsviga 13B

Das hier ist das Modell für die Kunden, denen die Brunsviga 13RK zu teuer war. Vielleicht spielte aber auch die Materialknappheit nach dem Krieg eine Rolle bei der Entwicklung? Bei der 13B ist so ziemlich alles weggelassen, was nicht unbedingt notwendig ist. Es fehlen Einstellkontrolle, Gesamt­löschung, Rückübertragung und Schlittenschieber unter der Kurbel. Immerhin gibt es einen Zehner­übertrag im Zählwerk, und letztlich kann hier alles gerechnet werden was man mit der 13RK machen kann - nur eben oft deutlich umständlicher und etwas fehleranfälliger.
Die Seriennummer datiert dieses Exemplar auf 1953, der damalige Preis ist leider nicht bekannt.

Brunsviga
13B
Nr. 285523

28,5 x 23,5 x 17
6,7 kg
1953 - ca. 1961
  • EW 10 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • im ZW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW.
2/2: Um die Einstellhebel herum etwas abgegriffen, sonst wenig Benutzungsspuren. Leichter Lauf von Kurbel und Einstellschiebern, der Schlitten läuft noch etwas rauh.

Einige hakelnde Sprossen und den total festgefressenen Stellenzeiger im ZW wieder gängig gemacht.

Summira 7

Besonders in den 50er-Jahren waren Kleinaddierer sehr verbreitet. Hilfe beim Rechnen war gewünscht, aber die „großen“ Rechenmaschinen waren für die breite Masse noch zu teuer. Auch die Summira 7 war da für viele die Lösung, denn ihr Neupreis lag bei gerade mal 89 DM. Sie rechnet genau wie die Resulta 7 mit Zahnscheiben, auch hier kann mit einem Hebel zwischen Addition und Subtraktion gewechselt werden. Diese Ähnlichkeit hat einen Grund: Beide Maschinen konstruierte Fritz Wichert. Die Summira ist aber deutlich verbessert, denn man braucht wegen der größeren Einstellräder (siehe den Größenvergleich unten) keinen Griffel mehr und hat ohne eine gesonderte Mechanik eine ganz pfiffige Einstellkontrolle realisiert. Das umständliche Hin- und Herschalten zur Subtraktion stört aber noch, das konnten die letzten Resultas besser.
Die Summira gab es auch neunstellig, teils sogar mit Druckwerk. Letztere konnte außerdem mit einer kleinen Kassenschublade geliefert werden und war damit eine einfache Registrierkasse.
Dieses Exemplar scheint ein recht frühes Modell zu sein, die bekannten Seriennummern sind alle höher. Das Baujahr dürfte also um 1955 herum sein.

Summira
7
Nr. 47821

15 x 19,5 x 13,5
2,1 kg
1953 - ca. 1968
  • EW(+EK) 7 RW 7;
  • Umschalter Addition/Subtraktion,
  • Löschtaste für EW (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschkurbel für RW.
  • Eingabekontrolle in unterster sichtbarer Zeile,
  • Löschtaste des EWs kann fixiert werden.
2/1: Zahlen der Einstellräder teils etwas angegriffen, sonst keine Gebrauchsspuren, alles läuft einwandfrei.

Eine Feder gekürzt, weil das zugehörige Einstellrad nicht gut zurück lief.

Mit Schutzhaube, KA.

Summira wurde 1953 von Paul Müller gegründet. Er entwickelte und produzierte bis Ende der 60er-Jahre mechanische Addier- und Subtrahiermaschinen. Mit dem Aufkommen der Elektronik wurde die Firma zum Werkzeughersteller, auch heute noch führt sie Auftragsarbeiten in der Metallbearbeitung aus.

Schubert DRV

Diese Sprossenrad-Maschine ist sehr sorgfältig verarbeitet und gut ausgestattet mit Extras, hat aber auch schon einige Plastikteile innen und z.T. außen.
Vielleicht auch wegen dieser Plastikteile blieb der Preis dieser Maschine 1959 gerade noch unter den „magischen“ 600 DM: die damalige Preisgrenze für die Sofortabschreibung (Ende der 60er-Jahre stieg die Abschreibungsgrenze dann auf 800 DM, was bis 2017 konstant blieb).
Elektromechanische Vierspezies-Maschinen waren damals um den Faktor 3 bis 4 teurer, die in den 60er-Jahren ganz allmählich häufiger werdenden elektronischen Geräte kosteten anfangs noch mal doppelt so viel. Da griff doch einige Jahre lang so mancher lieber noch zur Kurbel.
An den Preisen im Büromaschinen-Katalog lässt sich sehr gut der schnelle Siegeszug der Elektronik zu Beginn der 70er-Jahre sehen: 1973 kostete diese Maschine immer noch 660 DM (nun netto, da gab es schon die MWSt.), doch schon 1974 wurden die Restbestände für 210 DM verramscht. 1975 gab es in den Katalogen kein Angebot von Schubert mehr.
Dieses Exemplar stammt aus einem Büro bei toom/REWE. Die Seriennummer deutet auf ein Baujahr um 1965. Der sehr gute Erhaltungszustand der Maschine liegt vielleicht mit daran, dass um diese Zeit die meisten Firmen baldmöglichst auf die schnelleren elektrischen Maschinen mit mehr Funktionen umstiegen.

mehr Infos im
Schubert
DRV
Nr. 154277

30 x 14 x 11,5
5,7 kg
1953 - 1968
  • EW(+EK) 10 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW, (auch durch erste Kurbeldrehung automatisch bestimmt),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • wahlweise gemeinsame Löschung von ZW und RW,
  • Schlittentabulator doppelt (für optionale Einhandbedienung).
1/1: Das Gehäuse sieht fast wie am ersten Tag aus, null Rost, keinerlei Verharzungen: eine gut gelagerte und gepflegte Maschine! Sehr leichter Lauf aller Teile.
Mit Schutzhaube, Anleitung im Netz gefunden.

Zwei Jahre nach dem Ausstieg aus den Thaleswerken gründete Emil Schubert unter seinem eigenem Namen wieder eine neue Firma und entwickelte wieder neue Rechenmaschinen. Die alten Patente gehörten ihm nicht mehr, daher musste er (wie zuvor auch Carl Friden) „in Selbstüberlistung“ einiges nochmals neu und anders erfinden - was ihm offenbar gelang: Einige Zeit war die Firma mit ihren hochwertigen Maschinen sehr erfolgreich.
Die Konstruktion der DRV stammt noch von Schubert selbst, den Produktionsbeginn hat er leider nicht mehr erlebt. Mit dem Ende der Rechenmaschinenproduktion entwickelte sich die Firma zum Anlagenbauer weiter und existierte mindestens bis 2001. Ob es sie heute noch gibt weiß ich nicht.

Rokli 7RS

Das ist eigentlich auch eine DRV. Aber hier steht auf dem Deckblech Rokli statt Schubert und die Modell­bezeichnung lautet 7RS: Das ist eine der an Robert Kling verkauften Maschinen, die dort als deren „eigene“ Sprossenrad-Maschine angeboten wurde. Dafür produzierte Kling Addiermaschinen, die dann auch als „Schuberts“ verkauft wurden.
Da diese Kooperation nur wenige Jahre bestanden hat muss die Maschine irgendwann zwischen 1958 und 1962 gebaut worden sein. Die Preise waren für Schubert- und Rokli-Exemplare gleich, für beide wurden damals knapp 600 DM verlangt.
Weil das Gerät ein Flohmarktfund des Vorbesitzers ist, weiß ich nichts über seine frühere Verwendung. Irgendwann zu DM‑Zeiten gehörte sie jemandem in Langgöns, auf der Unterseite ist ein Verkaufsinserat von damals aufgeklebt.

„Rokli“
7RS
Nr. 031560

30 x 14 x 11,5
5,7 kg
1958 - 1962
  • EW(+EK) 10 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW, (auch durch erste Kurbeldrehung automatisch bestimmt),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • wahlweise gemeinsame Löschung von ZW und RW,
  • Schlittentabulator doppelt (für optionale Einhandbedienung).
2/1: einige kleine Lackschäden, Hebelköpfe teils angegriffen; alles funktioniert leichtgängig.

Blockierten Einstellhebel gängig gemacht, einen Löschhebel gerade gebogen und beim anderen die gebrochene Feder repariert, abgegriffene Seitenteile des Schlittens lackiert. Weil kein Stellenzeiger mehr vorhanden war mussten die beiden anderen Rokli-Maschinen einige davon abgeben.

Olympia 192-030

Diese Addiermaschine ist meine älteste, hat aber auch schon die moderne Zehnertastatur. Die Ziffern werden also mittels Stiftschlitten in die einzelnen Stellen übertragen. Sie kann auch schon saldieren, d.h. sie zeigt negative Ergebnisse korrekt (sogar in rot) an. 192 bezeichnet die Gerätebasis (Kapazität 9/10, eine Nulltaste), 030 bedeutet Handantrieb.
Im Internet findet man über genau dieses Modell nichts. Olympia hat in einem Vierteljahrhundert unzählige Varianten dieser und anderer Baureihen gebaut: teils wie hier mit einer Handkurbel, teils mit Elektromotor (manchmal auch beides gleichzeitig), mal in diesem robusten grünen Schrumpflack, mal in glatt und hellgrau oder später auch im weißen, eckigen Plastikgehäuse, mit vielen verschiedenen Kapazitäten der Rechenwerke und mit unterschied­lichen Formular- oder Papierrollenhaltern bis hin zum Breitwagen.
Das Baujahr dieses Exemplars ist nicht ganz sicher. Schon im Büromaschinen-Lexikon von 1958 finden sich nur neuere Modelle, aber die Aufzählung dort ist nicht vollständig. Ich vermute mal zweite Hälfte der 50er-Jahre. Die Neupreise lagen da knapp unter 600 DM. Es stammt aus einem früheren Süßwaren-, Tabak- und Jagdwaffenladen mit Gasthaus (was eine Kombination!) in der Nähe von Osnabrück.

Olympia
192-030
Nr. 120806

29 x 35 x 20,5
8,3 kg
1953 - 1978 (Baureihe D1)
  • EW 9 RW 10;
  • Druckwerk 10st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • Korrekturschieber.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck,
  • Rotdruck subtrahierter Werte und negativer Summen,
  • R-Taste für behelfsmäßige Multiplikation,
  • Nichtrechentaste,
  • Zeilenvorschub einstellbar (0, 1, 2‑zeilig).
2/1: Kaum Stoßstellen, Tastatur fast wie neu. Einwandfreier Druck und Rechenfunktion.

Zerbrochene Abreißkante der Papierrolle (aus Plexiglas) durch passend zurechtgeschliffenes Sägeblatt ersetzt. Neues Farbband, neue Papierrolle.

Staubschutzhaube schneidern lassen, KA.

Auch hier gibt es (wie bei vielen anderen Herstellern von Rechenmaschinen) einen Bezug zum Waffenbau: Die bei Olympia gebauten Rechenmaschinen haben Ingenieure entwickelt, die vorher bei den Mauser-Werken waren und ab 1949 mit ihrer eigenen Firma „Feinwerkbau“ für große Firmen als Entwickler und Zulieferer tätig waren. Diese kleine Firma ist heute ein bekannter Hersteller hochpräziser Sportwaffen.
Olympia selbst entstand 1903 als Tochtergesellschaft „Union Schreibmaschinen-GmbH“ der AEG, hieß ab 1936 „Olympia Büromaschinenwerke AG“, wurde mit Rechen- und Schreibmaschinen äußerst erfolgreich - und verschwand als Produktionsstätte 1991 in den beginnenden Wirren der AEG-Zerschlagung. Die Marke Olympia blieb zwar bis heute erhalten, der Markeninhaber ist aber kein Hersteller sondern nur ein Vertrieb. Er kauft alles in Fernost ein und lässt dort seine Schildchen draufkleben.

Diehl EvM15

Eine weitere elektrisch angetriebene Staffelwalzen-Maschine, die alle vier Grundrechenarten kann. Die verkürzte Multiplikation erfolgt durch Eintippen des 2.Faktors (Ziffer für Ziffer, rechts angefangen) in der Tastenreihe ganz links. Die Division läuft nach Einstellung des Dividenden und Eintippen des Divisors vollautomatisch. Die EvM hat als eines der einfacheren Modelle keine Einstellkontrolle und keinen kompletten Zehner­übertrag im Resultatwerk. Alle Tasten sind sehr leichtgängig, denn geteilte Staffelwalzen sorgen dafür, dass auch für Ziffern von 5 bis 9 nur kurze Tastenwege nötig sind.
Innen an der Verkleidung sind zwei Datumsstempel, die als Baujahr 1956 zeigen. Der Neupreis 1958 betrug 1.925 DM (etwa 5 Monatslöhne), auch diese teure Maschine ist mal wieder vom Steuerzahler finanziert worden: Sie wurde in der Düsseldorfer Stadtverwaltung benutzt.

Diehl
EvM15
Nr. 20325

43 x 36 x 15,5
13,7 kg
1954 - 1962
  • EW 8 ZW 7 RW 15 Grundrechenarten,
  • Löschtasten für die 3 Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 9 Stellen,
  • Ziffern im RW und ZW direkt einstellbar,
  • ZW umschaltbar,
  • Schlittenrücklauftaste,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • automatische Division (auch negativ),
  • Multiplikation per Wahltasten,
  • auf 110V oder 220V einstellbar.
2/1: Guter Gesamteindruck, einige Stoßstellen, Tasten teils etwas angegriffen, Gehäuse durch den Kleber der Dämmung innen etwas korrodiert; die Maschine rechnet einwandfrei, die alten Kondensatoren mag ich allerdings nicht mehr länger belasten.

Zerbröselte Schaumstoffdämmung innen entfernt und teils ersetzt.

Mit Schutzhaube, Anleitung für die Diehl E im Netz gefunden, KA.

Heinrich Diehl gründete 1902 seine Kunstgießerei in Nürnberg. An Rechenmaschinen dachte man dort bis nach dem 2.Weltkrieg nicht. Aber 1950 übersiedelte fast die gesamte Führungsebene der Archimedes-Werke samt Chefkonstrukteur und Fertigungsleiter in den Westen, weil da schon die Enteignung der Fabrik in Glashütte absehbar war. Mit Diehl war man schnell einig: Diehl bekam eine Lizenz von Archimedes und 1952 starteten Produktion und Weiterentwicklung der Archimedes-Maschinen in Nürnberg. Alle Modelle waren elektrisch angetrieben, nur für die Bundeswehr wurden auch Maschinen mit optionalem Handantrieb gebaut. Diehl wurde in Deutschland sehr erfolgreich, auch dank guter Kontakte zum Staatsapparat. Ab 1963 wurden hochmoderne Vierspezies-Maschinen mit Zehnertastatur angeboten, die auch in den USA (als SCM) sehr gut verkauft werden konnten.
1972 wurde aber die Produktion aller mechanischen Rechenmaschinen eingestellt. Stattdessen wurden elektronische Rechner bis hin zum Kleincomputer entwickelt und vermarktet. Diese Sparte wurde erst als „Diehl-Datensysteme“ ausgegliedert, 1978 dann an Triumph-Adler verkauft und 1983 (beim Aufkauf von TA durch Volkswagen) aufgelöst.
Diehl ist heute ein großer Konzern im Besitz einer Stiftung, die von der Familie Diehl gelenkt wird. Die Produktpalette reicht von Flugzeugausrüstungen, Uhren und Munition bis zu vielen Arten von Walz-, Metallguss- und Schmiedeteilen.

Brunsviga D 13 R-1

In den Nachfolgern der D 13 Z wurden zwei (oder selten sogar drei) Exemplare der 13RK miteinander verbunden. Daher gibt es hier die Rückübertragung. Ein kleines weiteres „Extra“ sind sechs einstellbare Plus/Minus-Marken, die aber nur als Merkhilfe für Koordinatenvorzeichen dienen und auf die sonstige Mechanik nicht einwirken.
Das Typenschild dieses gut 14 kg schweren Geräts nennt als Liefermonat den Dezember 1961. Selbst die Garantiefrist ist im Metallschildchen verewigt. Der Neupreis damals: stolze 2.125 DM! Ein kleiner Aufkleber daneben zeigt, dass diese Maschine aus dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung stammt. Sie wurde dort offenbar nie benutzt und war wohl zu Hunderten für den Fall eingelagert, dass die Bundeswehr (vermutlich Artillerie?) mal ohne Strom Koordinaten errechnen musste. Sie war in einem Kasten mit Holzboden und Stahldeckel, ein Schraubenschlüssel (mit dem man die Maschine aus dem Kasten lösen konnte) und ein Dreikant-Maßstab (zur Umrechnung von Kartenmaßen in echte Entfernungen) waren mit dabei.
Es gab auch hier Varianten mit 18 statt 13 Stellen oder mit zweitem Zählwerk. Sehr selten findet man auch Exemplare mit echter Radizierautomatik. Die wurde allerdings nicht bei Brunsviga selbst, sondern von W.Faber in Neesen entwickelt und in vorhandene Doppelmaschinen der Variante R-1 eingebaut (also ein „externes Rechenmaschinen-Tuning“).


Das Wendegetriebe
(MP4, 2 MB):

Brunsviga
D 13 R-1
Nr. 43 - 99335

48 x 23 x 17,5
14,5 kg
1954 - ca. 1970
  • EW(+EK) 2x10 ZW 8 RW 2x13;
  • Grundrechenarten,
  • nur 4 Löschhebel für die fünf Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • im ZW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW,
  • Rückübertragung von den RW in die Eingaben (Eingabelöschhebel dazu weiter durchziehen),
  • Ziffern in den RW direkt einstellbar (mit Hebel, der das erleichtert),
  • Schalter zur optionalen gemeinsamen Löschung von rechtem EW und ZW.
1/1: Praktisch neuwertig; sehr leichter Lauf von Kurbel, Schlitten und Einstellschiebern.

Eine einzige festgesetzte Stelle gelöst, eine fehlende Hebelkappe ersetzt.

Stahlhaube (in Bundeswehr-Oliv) und Staubschutzhaube vorhanden, Text einer Kurzanleitung im Netz gefunden und bebildert.

Numeria 7101

Die Numeria mit Volltastatur und verschiebbarem Schlitten sieht aus wie eine typische Maschine des „Monroe-Typs“. Auch die Vor- und Nachteile dieser Bauweise hat sie: keine Rückübertragung, dafür die Möglichkeit, die Tastatur mit jeder Kurbeldrehung zu löschen („Additionsmodus“) und wie meist kein Zehner­übertrag im Zählwerk. Die Kapazität des Zählwerks ist hier recht begrenzt, andere Modelle der Firma hatten da deutlich mehr Stellen. Mit einer fixierten „1“ links kann links im Resultatwerk ein Zähler mit Zehner­übertrag simuliert werden.
Innen weichen aber alle „Numerias“ in einem ganz wichtigen Punkt deutlich vom Vorbild ab: Hier sind keine Staffelwalzen am Werk sondern sogenannte „Axial-Sprossenräder“ mit seitlich verschiebbaren Sprossen (die dem Zehnerübertrag der „Monroes“ ähneln). Offenbar wollte man weder die Patente von Monroe verletzen noch teure Lizenzen erwerben und erfand daher diese Abwandlung.
Diese Maschine wurde um 1956 bei Lagomarsino in Mailand gebaut. Der Preis blieb wieder knapp unter den 600 DM, angesichts der Konkurrenz und ihrer Minimalausstattung war das schon eher teuer. Diese Maschine stammt aus Oldenburg in Holstein, dort nutzte sie ein Malermeister in den 60er-Jahren für Rechnungen, Kostenvoranschläge oder auch die Berechnung von Wochenlöhnen.

mehr Infos bei
J.Scherphuis und R.Atzbach
Numeria
7101
Nr. 43645

35 x 23 x 19
6,8 kg
1954 - ?
  • EW 10 ZW 6 RW 14;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für RW und ZW (je nach Drehrichtung).
  • Zehnerübertrag im RW nur über 11 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (zwei 9er),
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Zählerschieber schützt die 1 ganz links vor Löschung (= provisorischer Zähler mit Übertrag).
3/1: Neben harmlosen Stoßstellen auch einige größere Lackschäden (z.T. mit Rostansätzen) am Gehäuse, die sich wegen des Schrumpflacks nur ungenügend reinigen ließ; alles funktioniert jedoch einwandfrei.

... nach völligem Zerlegen, Erneuern des Zählerschiebers, Geradebiegen von Schlittenstange und Schlittenverkleidung und Richten einer ausgehängten Feder im Zehnerübertrag. Abgestoßene Kurbel neu lackiert - ich überlege noch, das ganze Gehäuse neu zu lackieren.

KA.

Die ersten Numerias wurden ab 1940 von einer Firma namens SICMU produziert. Kurz darauf wurde deren Produktion von Lagomarsino in Mailand übernommen. Lagomarsino war ab 1896 erst Importeur (z.B. auch für Brunsviga), ab 1937 wurden dort erste eigene Rechenmaschinen gebaut. Neben den Vierspezies-Maschinen der Marke Numeria verkaufte man auch die unter Addo-Lizenz hergestellten Addiermaschinen der Marke Totalia. (Unklar ist, ob die Totalias zuerst bei Lagomarsiono oder bei der ebenfalls in Mailand ansässigen F.A.I. produziert wurden. F.A.I. wurde später von Lagomarsino übernommen.)
In der italienischen Wikipedia steht als Zeitpunkt der Firmenauflösung das Jahr 1970, andere Quellen geben 1977 an. Heute findet sich keine Spur von Lagomarsino mehr, die Werkshallen an der Viale Umbria in Mailand sind abgerissen oder haben neue Nutzer.

Aristo Scholar 0903LL

Auch das ist, wie der Name schon vermuten lässt, ein typischer Rechenstab für Schüler. Meine etwas ältere Schwester musste in der Schule damit noch rechnen. Es ist ein typischer, wenn auch einfacher 30 cm‑Stab (Skalenlänge 25 cm), also ein ganzes Stück genauer als die Mini-Rechenstäbe in dieser Sammlung. Wegen seiner Breite kann er zudem einige Skalen mehr tragen.
Mehr als zwei Jahrzehnte wurde dieses Modell produziert, bis ganz zum Schluss der Produktion von Rechenschiebern. Dieses Exemplar wurde 1974 hergestellt.

ein interaktiver Rechenschieber bei
A.Brünner
der „Eierkoch-Rechenstab“:

die Formeln dazu (mit PDF zum Selbstbau) auf
Calculating History
Aristo
Scholar 0903LL
Datumscode LT57

33 x 5 x 1
60 g
1954 - 1977
  • Skalen: L K A (B Bl CI C) D S ST T; hinten: (S LL1 LL2 LL3) d.h.: log, Kubik, Quadrat (2x), Kehrwert des Quadrats, Kehrwert, Grundskala (2x), sin (auch für cos), sin für kleine Winkel, tan (auch für cot); hinten: sin/cos, ex/100, ex/10, ex.
  • Sondermarkierungen: π, p (π/180), e,
  • der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war.
2/1: Einige Gebrauchsspuren auf der Rückseite, leicht vergilbt, alle Markierungen einwandfrei und daher einwandfreie Funktion.
Mit Etui, Anleitung im Netz gefunden.

Rokli 16R

Das ist eine „kleine Schwester“ der Rokli 7R. Auch sie hat die wesentlichen Extras, aber als sehr preis­günstiges Modell eine geringere Kapazität und die alte Kurbellöschung im Schlitten (als Rokli 6 ohne Rückübertragung war sie nochmals 50 DM billiger, für 35 DM mehr gab es die Rokli 6R mit gleicher Stellenzahl und moderner Hebellöschung). Rokli nutzte offenbar eine Art „Baukastenprinzip“: Viele Bauteile wurden in unterschiedlichen Geräten genutzt. Daher sind auch viele Teile der 16R mit denen der 7R identisch. Das Chassis z.B. hat auch die Öffnung für die Schlittenfreigabe-Taste, obwohl die Taste mitsamt Mechanik fehlt. Auch die Achsen aller Werke sind gleich, bis hin zur Zahl der Lösch­zähne. Bei der 16R ist aber (statt einiger Sprossen­räder rechts) eine Aluhülse eingebaut und in den drei Anzeigen wurden jeweils einige Ziffernräder weggelassen.
Das Baujahr dieses Exemplars ist wohl 1955, der damalige Listenpreis lag bei 545 DM. Es wurde bei Coca-Cola in Hadamar benutzt und eine Angestellte durfte es mit nach Hause nehmen als man dort alle mechanischen Rechner ausgemustert hat. So hat diese Maschine überlebt, das ist bei vielen anderen der heute noch vorhandenen Rechenmaschinen sicher ähnlich gelaufen.

Rokli
16R
Nr. 012149

33 x 16 x 15
4,5 kg
1955 - ca. 1958
  • EW(+EK) 6 ZW 6 RW 10;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Rückübertragung vom RW ins EW.
2/1: einige Stoßstellen, die rechten drei Zahlenreihen durch häufige Benutzung etwas abgegriffen, Gummifüße noch einwandfrei. durchweg leichtgängiger Lauf.

Das völlig dejustierte Einstellkontrollwerk blockierte die Maschine und jemand hatte es zu gut gemeint und die Sprossenräder heftig geölt. Nach Neujustierung und einer Benzinspülung funktioniert alles wieder.

KA.

Melitta VII/16

Hoch entwickelte mechanische Rechenmaschinen wurden auch in der DDR gebaut. Diese hier ist das letzte und höchstentwickelte Modell der Firma: Sie hat Einstellhebel, die nicht mit den Sprossenrädern mitdrehen müssen (also etwas größer sein können und daher bei längerem Rechnen die Fingerkuppen schonen), Daumentasten (zur Einhandbedienung), kompletten Zehner­übertrag und Rückübertragung. Die Ähnlichkeit zu Kapazität und Bedienung der Walther WSR160 ist nicht zufällig: Zwischen 1926 und 1945 kamen alle „Walthers“ und „Melittas“ aus dem gleichen Werk, nach 1945 wurde in Ost und West auf Grundlage der gleichen Konstruktion in gleiche Richtung weiter entwickelt.
Die Materialspar-Notwendigkeiten im Ostblock zeigen sich auch hier und das hat oft Folgen: Die langen Einstellhebel sind aus viel zu dünnem Material und verbiegen leicht, andere Sammler berichten daher von vielen deshalb blockierten Maschinen. Die Gummifüße hingegen sind aus wesentlich besserem Material als alles, was im Westen dafür genutzt wurde.
Das Baujahr dieser Maschine dürfte 1956 oder 1957 sein. Nach Westdeutschland wurden die Maschinen ebenfalls verkauft, der Preis orientierte sich stets an dem der Walther WSR160.

mehr Infos im
Melitta
VII/16
Nr. 104234

30 x 15 x 15
5,0 kg
1955 - 1963
  • EW(+EK) 10 ZW 8 RW 16;
  • Grundrechenarten,
  • Löschkurbel für ZW und RW (Schalter an der Kurbel wählt nur ZW, nur RW oder beide. Stets 2x drehen!),
  • Löschhebel für EW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Drehrichtungs­umschaltung im ZW nur manuell (Schalter hinter Kurbelraste),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schlitten mit Federzug kann einfach nach rechts geschoben werden,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel im EW.
1/1: Nur kleine Lackschäden und gut erhaltene Beschriftung. Die Gummifüße sind erstaunlicherweise fast wie neu. Alles läuft wieder leicht und nichts hakelt mehr

... nachdem einer der Einstellhebel leicht zurechtgebogen wurde. Fehlenden Knopf des Löschwahlhebels ersetzt, beide Seitenteile neu lackiert, weil die Originalfarbe abblätterte.

Mit Schutzhaube, KA.

Die ersten Melitta-Sprossenradmaschinen wurden von den Mercedes-Werken in Zella-Mehlis hergestellt (nein, weder mit Kaffee-Filtern noch Autos hat das etwas zu tun!). Weil Mercedes ab 1926 aber nur noch Proportionalhebelmaschinen (wie z.B. die Mercedes-Euklid 4) bauen wollte, gaben sie die Herstellung der Sprossenradmaschinen an die Firma Carl Walther im gleichen Ort ab. Die wurden dann sowohl als „Walther“ als auch von Mercedes als „Melitta“ verkauft.
Nach dem Krieg wurden die Walther-Werke im Westen neu aufgebaut. In Zella-Mehlis produzierten ehemalige Walther-Mitarbeiter als „August-Bebel-Werk“ anfangs die gleichen Modelle unter der Marke Melitta. Kurz danach wurde diese Produktion in das ehemalige Fortuna-Schreibmaschinenwerk (dann „VEB Ernst-Thälmann-Werk“) in Suhl verlagert, dort fand auch die Weiterentwicklung statt. Auch Motorräder und Waffen wurden dort gebaut.
Auch in Suhl endete kurz nach 1970 die Produktion mechanischer Rechner, letzte Neuentwicklung war vermutlich die kleine Melitta Junior. Nachfolgeunternehmen des Ernst-Thälmann-Werks gibt es heute nur noch aus der Traditionslinie der Waffenhersteller, am prominentesten ist vermutlich die Merkel Jagd- und Sportwaffen GmbH, deren Eigentümer in Abu Dhabi sitzen.

Original-Odhner 239

Mit „modernen“ Formen und günstigen Preisen (d.h. billigem Material und schlechter Verarbeitung) versuchte so manche Firma, der immer stärkeren Konkurrenz durch die elektrischen (und später auch elektronischen) Geräte standzuhalten. Auch Odhner packte die Sprossenrad-Maschinen in eine damals fast futuristische, von den Stardesignern Bernadotte und Bjørn entworfenen Keilform. Doch von billiger Verarbeitung kann hier keine Rede sein: Die kleine, gut ausgestattete Maschine wirkt äußerst solide, nichts wackelt und auch nach über einem halben Jahrhundert funktioniert sie noch einwandfrei und leichtgängig.
Die Seriennummer deutet auf ein Baujahr um 1958. Damals und auch noch zehn Jahre später kostete das Modell etwas unter 500 DM. Das war ein extrem günstiger Preis, denn Modell 239 hat mit Einstell­kontrolle, Zehner­übertrag im Zählwerk und Rückübertragung alle wichtigen „Extras“ und war damit das Spitzenmodell der Firma.
Von wem und wo die Maschine mal benutzt wurde ist mir leider nicht bekannt. Viel benutzt wurde sie jedenfalls nicht, dafür sieht sie zu gut aus.

Ach ja: Diese Maschine ist es, die mich mit dem Virus Calculatrix infiziert hat...

mehr Infos zur Odhner 200er-Serie im
Division (13579:5432)
(MP4, 25 MB):

(viel umständlicher als z.B. bei der
Friden STW10 oder dem Automat T!)
Original-Odhner
239
Nr. 883439

33 x 17,5 x 13,5
6,5 kg
1955 - 1968
  • EW(+EK) 10 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschkurbeln für ZW und RW.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Löschung des EWs über Schieber und Hauptkurbel.
1/1: Bis auf kleinste Stoßstellen sieht das Gehäuse fast wie neu aus, auch hier wieder kein Rost und keine Verharzungen. Alles läuft wieder „wie geschmiert“.

... ist es ja auch. Nur die hart gewordenen Gummifüße wurden ersetzt, weil sie die Maschine beim Rechnen nicht mehr am Platz hielten.

Mit Schutzhaube und Originalanleitung.

Resulta BS 7 Export

Diese Resulta hat im Resultatwerk eine Blende, die bei der Subtraktion nach unten klappt und dadurch das Hin- und Herschalten zum Ablesen überflüssig macht. Unten ist 555GP eingeritzt, gebaut wurde sie also im Mai 1955. Damit ist sie wohl eines der ganz frühen Exemplare mit der Klappblende. Sie wurde bis etwa 1975 in einem kleinen Bauunternehmen in Regensburg genutzt, also immerhin zwei Jahrzehnte lang.

mehr Infos zu allen Resultas bei
W.Blümich

Eine Werbung:

Resulta
BS 7 Export

12 x 15 x 11
1,3 kg
1955 - 1969
  • EW(+EK) 7 RW 7;
  • Umschalter Addition/Subtraktion
  • Löschtaste für EW,
  • Löschkurbel für RW.
  • mit Klappblende im RW,
  • nur mit Stift oder Griffel zu bedienen,
  • Löschtaste des EWs kann fixiert werden (dann keine Einstellkontrolle).
1/1: Sehr guter Gesamteindruck, nur leichte Abnutzung an den Griffelhalterungen und unter den Einstellrädern; alles läuft einwandfrei,

Ein einziger Kratzer störte die Optik und wurde mit passendem Lack retuschiert.

Mit Originalgriffel, Anleitung im Netz gefunden.

Walther WSR160

Das erfolgreichste, ausgereifteste und zugleich auch letzte Modell der Walther-Sprossenradmaschinen ist die „Walther Schnellrechenmaschine 160“. Sie hat im Resultatwerk eine etwas höhere Kapazität und einige Verbesserungen in der Bedienung, davon sind sicher die nicht mitdrehenden (und daher viel bequemeren) Einstellhebel am wichtigsten. Das hier ist eines der Spitzengeräte des „Odhner-Typs“.
Dieses Exemplar wurde 1960 gebaut. Es kostete damals knapp 600 DM, die elektromechanischen Vierspezies-Maschinen waren deutlich teurer (also nicht sofort abschreibbar, größer und viel lauter). Das sorgte einige Zeit für guten Verkauf, die Maschine ist deshalb auch heute noch sehr häufig zu finden.

mehr Infos bei
C.Vande Velde
Walther
WSR 160
Nr. 152531

33 x 16 x 14
4,8 kg
1955 - 1971
  • EW(+EK) 10 ZW 8 RW 16;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschhebel für die drei Werke (ZW und RW gemeinsam, optional auch einzeln).
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW, (bei jeder Löschung auf neutral und dann von erster Kurbeldrehung auf + bzw. - gestellt),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schlitten mit Federzug kann einfach nach rechts geschoben werden,
  • optionaler Schlittenrücklauf beim Löschen,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel im EW.
1/1: Nur winzige Lackschäden an einigen Kanten, wieder schön leichtgängig.

Zwei Füße ohne Gummis ersetzt, eine fehlende Plastikkappe durch Schrumpfschlauch ersetzt, fest verharzte Zahnräder im ZW, ein Zahnrad im Kontrollwerk und die Löschwahlhebelchen mit WD40, Alkoholspülung und etwas gutem Maschinenöl gängig gemacht.

Mit Schutzhaube, zwei Anleitungen aus unterschiedlichen Jahren im Netz gefunden.

Zivy Zähler

Das hier erfüllt zwar die Definition von „Maschine“ (mechanischer Zehner­übertrag und Löschung), aber m.E. nicht die von „Rechnen“: Das Hinzuzählen von Eins reicht mir dafür nicht aus.
Solche Geräte wurden und werden als Schrittzähler, bei Verkehrszählungen, im Labor für Zellzählungen und vieles andere genutzt. Der Vorteil: Man kann sich nicht so leicht verzählen und auch das Ergebnis einige Zeit speichern.
Das Exemplar stammt von einem bretonischen Trödler, also weiß ich leider auch hier nicht, wofür es mal benutzt wurde.

Zivy



5,5 x 5,5 x 2,5
100 g
? - heute
  • RW 4 nur Addition von 1,
  • Löschknopf.
3/1: Gehäuse mit vielen Gebrauchsspuren; funktioniert aber völlig leichtgängig und einwandfrei. Nur der Ring auf der Rückseite (zum Durchstecken des Fingers) fehlt.
Anleitung fehlt (ich glaube, man braucht hier wirklich keine).

N.Zivy & Cie.S.A. in Basel stellte diese Zählwerke mindestens seit den 50er-Jahren her, eventuell sogar deutlich früher. Die Firma (damals „Zivy Suisse“) wurde 2017 von der französischen Sogezy gekauft, sie baut auch heute noch einen praktisch identischen Zähler mit der Modellnummer Z888.

Triumphator CRN1

Eine weitere Maschine aus DDR‑Produktion: eine späte „Triumphator“ in der Tradition der C‑Reihe. Die CRN1 ist die vorletzte Generation dieser mit allen wichtigen „Extras“ versehenen Sprossenrad-Maschinen mit durchschnittlicher Kapazität. Ihr Vorgänger war die 1941 entwickelte CRN (komplett aus solidem Metall), Nachfolger ab 1959 die CRN2 (mit einem leicht zerbrechlichen Plastik-Gehäuse). Sie ist ein nur kurze Zeit gebautes Zwischenmodell, erstmals mit konsequenter Einhand-Bedienung und immer noch überwiegend Metall­gehäuse. Nur die Rückseite ist schon aus Bakelit und zeigt das Bemühen um Materialeinsparung. Die Trommel ist auch noch aus solidem Messing und nicht aus dem später eingesetzten Druckguss, bei dem Zinkfraß oft zur Zerstörung der Sprossenräder führt.
Die Feinmechanik der DDR war damals auf dem Weltmarkt noch konkurrenzfähig, die CRN1 wurde daher auch in Westeuropa verkauft. Mit 545 DM war sie etwas günstiger als ähnliche Westprodukte.
Dieses Exemplar blieb aber erst einmal im Osten. Es wurde im September 1958 gebaut (ist also eines der ganz späten Exemplare des Modells) und erst im Januar 1961 bei der „HO“ in Neuhaus verkauft. Es war dann in einer privaten Elektrofirma in der Nähe von Dresden im Einsatz.
Interessant ist auch die beiliegende Garantiekarte mit einer Liste der Reparaturwerkstätten: Das sind die 19 Außenstellen des „VEB Büromaschinen-Reparaturwerk Berlin“ in allen großen Städten, daneben aber auch ungefähr 130 Privatfirmen, die über die ganze Republik verteilt waren. Offenbar war also doch nicht die gesamte DDR‑Wirtschaft verstaatlicht, wie man uns das in der Schule weisgemacht hat.

Triumphator
CRN1
Nr. 244926

34 x 15 x 13,5
6,5 kg
1956 - 1958
  • EW(+EK) 10 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 1 Löschhebel für das EW, 1 für RW und ZW (gemeinsam oder einzeln, je nach Stellung zweier Hebelchen).
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Richtungswahl­schalter für das ZW in der Kurbelbasis,
  • Rückübertragung vom RW ins EW.
2/1: Lack nur an den Schiebern etwas abgegriffen, sonst kaum Gebrauchsspuren. Alles funktioniert einwandfrei und leichtgängig. Eine sehr gut gepflegte und gelagerte Maschine, nicht einmal Entstauben war nötig, nur ein paar Tröpfchen Öl.

Im Kurbelbock klemmende Kurbel durch vorsichtiges Aufbiegen und geringes Abschleifen des Kurbelbocks gelöst.

Mit Schutzhaube, Originalanleitung und Garantiekarte mit Auslieferungs- und Kaufdatum (die Garantie ist allerdings abgelaufen...).

Facit C1-19

Die nächste Sprossenrad-Maschine mit Tasten, nun wieder von dem Hersteller, bei dem die dazu nötige Mechanik entwickelt wurde. Die C1‑19 ist dessen letztes Modell mit der größeren Kapazität. Solche Maschinen waren für Versicherungsmathematiker, Ingenieure oder Forschungseinrichtungen gedacht. Wegen der vielen Stellen hat diese Maschine wieder einen beweglichen Schlitten, was den Staubschutz etwas schlechter macht.
DIe C1-19 ist das erste Modell im neuen Design mit unsichtbaren Schrauben, das Bernadotte für Facit entworfen hat. Auch alle anderen Facit-Modelle wurden dann von ihm neu gestaltet und ab 1958 sind die Facit-Maschinen stets in dunkel-/hellgrau.
Natürlich waren Maschinen mit höherer Kapazität teurer und seltener. 1960 kostete die C1‑19 950 DM (fast zweieinhalb Monatslöhne). Insgesamt wurden nur etwa 6.400 Stück gebaut.

aus der Sammlung Kohl

mehr Infos im
Facit
C1-19
Nr. 520384

39,5 x 21,5 x 16
9,8 kg
1956 - 1960
  • EW(+EK) 10 ZW 10 RW 19;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Anzeige für Drehrichtung im ZW, (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich),
  • Stellenzeiger in ZW und RW.
1/1: Gehäuse mit leichten, meist retuschierten Gebrauchsspuren, ein Kurbelgriff nicht original; alles funktioniert wieder einwandfrei.

Kopfüber eingebauten Schlittenanschlag korrigiert, Drehrichtungsanzeige und weitere Kleinigkeiten justiert.

KA.

Das Block&Anderson-Schild stammt vom englischen Importeur für Facit. Die Firma wurde 1922 gegründet und 1931 zur Ltd. 1964 wurde sie von der Ozalid-Gruppe gekauft, danach verliert sich ihre Spur.

Produx Multator II

Das ist das zweite Modell der „Multator“-Reihe. Anders als z.B. bei Marchant wird hier der Schlitten bei der Kurbeldrehung zeitweise an Stellsegmente geklappt, die dabei je nach Einstellung mehr oder weniger weit ausgelenkt werden. Die recht einfache Mechanik und die Nutzung gestanzter Metallteile machten das Modell sehr preiswert. Anfangs kostete es 298 DM, später noch 220 DM. Unter der billigen Herstellungsweise litt die Haltbarkeit aber deutlich. Andererseits hat das Maschinchen sogar eine Rück­übertragung und war durch geringes Gewicht und kleine Maße gut zum mobilen Einsatz geeignet.
Das Modell ist m.E. eine Zweispezies-Maschine, trotz der aufgedruckten Komplementärzahlen: Die Subtraktion und die Division sind wirklich extrem umständlich, zuviel gemachte Kurbeldrehungen sind ebenfalls nur schwer zu korrigieren. Erst die Nachfolgeversion Multator‑4 ist eine Vierspezies-Maschine.

aus der Sammlung Veres

mehr Infos bei
R.Atzbach
Produx
Multator II
Nr. 196380

23,5 x 17 x 8
2,2 kg
1956 - 1966
  • EW(+EK) 10 ZW 5 RW 10;
  • Löschhebel für Schlitten (ZW und RW nur gemeinsam).
  • Eingabekontrolle durch Ableseöffnungen und Ziffernsegmente der Einstellhebel,
  • ZW kann alternativ als Erweiterung des RWs genutzt werden,
  • Rückübertragung (mit der Kurbel den Schlitten leicht anheben),
  • „Subtraktionsstellung“ zählt nur die Korrektur‑1 in der letzten Stelle zu, die führenden Korrektur‑9er sind manuell einzustellen,
  • Kurbel nur im Uhrzeigersinn drehbar.
2/1: Fünf Plastikkappen fehlten, Gehäuse sehr gut erhalten; alles funktioniert einwandfrei.

Füße erneuert, fehlende Plastikkappen durch Schrumpfschlauch ersetzt.

Mit Schutzhaube, Anleitung im Netz gefunden und nachkommentiert.

Otto Meuter erfand um 1918 den Zahlenschieber „MEUM“ und verkaufte das Patent an Addiator. Mit diesem Kapital gründete er in Berlin seine eigene Firma und stellte ebenfalls Zahlenschieber her. Ab etwa 1928 wurde die Marke „Produx“ genutzt.
Nach dem Krieg ging er erst nach Achim, dann nach Hamburg. Dort produzierte er weiter Zahlenschieber und entwickelte in den 50er-Jahren die Multator-Reihe kleiner, „echter“ Rechenmaschinen, die als Alternative zu den teuren großen Rechenmaschinen gedacht waren.

Triumphator KA

Die Triumphator KA (für „Kleinaddierer“) ist der Nachfolger der Lipsia Addi 7. Sie hat ebenfalls die einfache Mechanik, nun aber ein Bakelitgehäuse, das günstig zu produzieren war. So konnte sie 1958 für 110 DM angeboten werden.
Die Übertragung der Zahlen in das Resultatwerk erfolgt über seitlich auslenkbare Zahnsegmente direkt während des Einstellens. Zum Addieren werden dann einfach die Zahnsegmente durch Tastendruck ausgekoppelt und federn auf Null zurück, dann wird die nächste Zahl eingestellt (unten erscheint die Summe), dann wird wieder ausgekoppelt usw.
Die Subtraktion ist etwas umständlicher: Erst auskoppeln mit der Minus-Taste, Hebelchen stellen, Minus-Taste loslassen (also einkoppeln), Hebelchen zurückstellen.
Der Seriennummer nach wurde dieses Exemplar um 1959 herum gebaut (also so alt wie ich, aber bei mir ist hoffentlich noch etwas mehr Lack dran...).

eine Rezension im


ein Zahnsegment:

Triumphator
KA
Nr. 4900

14,5 x 17 x 14,5
2,0 kg
1957 - 1960
  • EW(+EK) 8 RW 8;
  • Minus-Taste,
  • Löschtaste für EW (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschtaste für RW.
  • Eingabekontrolle durch Ziffernsegmente und Ausschnitte an den Schiebern.
3/1: Bakelit-Gehäuse mit einigen Scharten und ohne Lack, aber alles funktioniert wieder.

Der olivgrüne Lack war extrem stark abgestoßen, jetzt ist er ganz ab (was viel besser aussieht). Extreme Verstaubung beseitigt und lose Teile wieder fixiert. Einige Ziffernräder hakelten ganz erheblich, weil die innenliegende Löschachse nicht weit genug nach rechts konnte. Ein geringes Kürzerschleifen des Löschachsenausziehers hat das behoben.

KA.

Precisa 103-12-0

Diese späte, handbetriebene Modell hat auch eine moderne Zehner­tastatur, wie alle Addiermaschinen von Precisa. Und auch hier erfolgt die Übertragung der Ziffern in die verschiedenen Stellen wieder mit Stiftschlitten. Für (Zwischen)Summen braucht man zwei Hebelzüge, das ist noch etwas umständlich. Dafür kann das Modell saldieren - dieses Exemplar allerdings nur mit etwas Trickserei.
Es wurde im deutschen Zweigwerk gebaut. Als Baujahr hat der Vorbesitzer 1960 angegeben, die Preise lagen damals um 450 DM.

Precisa
103-12-0
Nr. 302 262 S

28 x 37 x 16,5
8,7 kg
1957 - 1962
  • EW 9 RW 10;
  • Druckwerk 10st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • Korrekturtaste.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck,
  • Rotdruck subtrahierter Werte (und negativer Summen),
  • X-Taste für Erhalt der eingetippten Zahl,
  • Zeilenvorschub einstellbar (1‑, 2‑zeilig).
2/3: Kaum Stoßstellen; Farbband und Papierrolle noch o.k., Maschine zeigt aber bei negativen Salden das Neunerkomplement, wenn man nicht zugleich die Minustaste leicht drückt: Irgendwas ist ausgehängt oder blockiert, aber ich finde das nicht.
Mit Schutzhaube, KA.

Facit C1-13

Die nächste Sprossenrad-Maschine mit Tasten, ich scheine mich da irgendwie drauf zu spezialisieren... Sie ist auch wieder von der Firma, in der die dafür nötige Mechanik entwickelt wurde. Die C1‑13 ist letzter Nachfolger der Facit TK. Die Konstruktion wirkt solide und wertig, das Design stammt auch hier von Bernadotte. Die Technik ist aber immer noch die 1936 entwickelte. Das zeigt, wie extrem fortschrittlich die Konstruktion von Karl Rudin war.
Dieses Exemplar wurde im Forstamt (bei) Wittlich benutzt, wie auch die Badenia TH13. Es ist jedoch etwa ein Jahrzehnt jünger, denn in diesem Gehäuse wurde die C1‑13 zwischen 1960 und 1964 gebaut. In diesem Fall übrigens im Facit-Zweigwerk in Düsseldorf, das Hans Sabielny 1951 gegründet hatte. Der damalige Preis: 612 DM, angesichts der Abschreibungsgrenze etwas seltsam.
Die C1‑13 wird oft als die zuletzt gebaute Rechen­maschine der Welt bezeichnet: In Indien wurde sie angeblich noch bis 1982 hergestellt (dort dann allerdings mit einem eckigen Plastikgehäuse). Ich konnte das bisher nicht verifizieren und bezweifle das eher. Vielleicht hat man dort einfach nur Restbestände aus Europa als „Neuware“ verkauft?

mehr Infos im
Facit
C1-13
Nr. A-282227

31 x 21 x 15
6,5 kg
1957 - 1967
  • EW(+EK) 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Anzeige für Drehrichtung im ZW, (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich),
  • mitlaufende Stellenzeiger in ZW und RW.
2/1: Gehäuse nur mit leichten Gebrauchsspuren, alles funktioniert einwandfrei und sehr leichtgängig.

Dazu war etwas Arbeit und viel WD40 nötig: Das Innere war so extrem verharzt, dass sich absolut nichts mehr bewegte (WD40 verwende ich nur ungern, weil es auch manche Farben anlöst und nach einiger Zeit selbst wieder verklebt). Einige massiv abgeschabte Ziffern der Sprossenrad-Walze nachgemalt.

Englische Anleitung als PDF vorhanden.

Pilot P1

Diese kleine Maschine aus Japan sieht erst einmal wie ein Nachbau der Brunsviga 10 aus: sehr klein, Kurbel schräg angesetzt, Schlitten mit Auszug nach rechts und Schritt-Taste nach links, Schiebeblende und zwei Ziffernsätze im Zählwerk. Das alles ist wohl wirklich von Brunsviga abgeschaut. Aber die kleinen Einstellschieber drehen sich mit, was eine ganz andere Technik verrät: Die beruht hier auf Sprossenrädern (mit gleichen Gussformen für den Zehner­übertrag).
Die Stellenzahl ist etwas größer als beim Vorbild, ein Hebel löscht das Einstellwerk, der Zeiger für Plus/Minus kann auch Blockaden entsperren und ein weiteres Hebelchen kann das Zählwerk kurz­fristig ausschalten. Auf der Minus-Seite stehen kleine Passungenauigkeiten und die winzigen Einstellhebel.
Das Modell wurde 1957 von einer Firma namens Keybar entwickelt und hergestellt, ab 1961 dann als Pilot P1. Ab ca. 1967 gab es ein Nachfolgemodell mit Plastikgehäuse und etwas höherer Stellenzahl. Beide Modelle wurden gerne von Ralley-Beifahrern genutzt, die unterwegs viel rechnen müssen.
Dieses Exemplar hat eine niedrige Seriennummer (die 1 vorne steht für das Modell), stammt also aus den frühen 60er-Jahren. Ich habe es aus Japan ersteigert, innen ist auch ein japanischer Service-Nachweis vom 12. Juli 44 Showa eingetragen, das ist 1969. Genau 51 Jahre und einen Tag später habe ich es dann wieder gewartet...

mehr Infos (mit Video) auf
RetroCalculators
Pilot
P1
Nr. 1001231

19 x 17 x 10
3,1 kg
1957 - ca. 1966
  • EW 7 ZW 6 RW 12;
  • Grundrechenarten,
  • Kurbeln für Löschung von ZW und RW, Hebel für Löschung des EWs.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • im ZW gelbe Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • Drehrichtungsanzeige am ZW,
  • Schlitten nur per Griff nach rechts zu stellen, nach links nur per Taste,
  • Lösehebelchen für Blockaden (zeigt auch letzte Kurbeldrehrichtung),
  • Hebel schaltet ZW kurzfristig ab (z.B. zur Dividenden-Eingabe).
2/1: Sehr gut erhalten, außen nur ein größerer Kratzer am Schlittengriff, drei Ziffernräder im RW haben durch die Schrumpfung des Nylons einen kleinen Riss in der „7“. Alles funktioniert leicht und einwandfrei.

Abgelöste Federung des Kommaschiebers im EW neu eingeklebt, ein Zahn eines Ziffernrades geglättet, fehlendes Firmenlogo ersetzt, Drehrichtungsanzeige überarbeitet.

KA.

Über Keybar ist nur bekannt, dass sie 1960 vom PILOT-Konzern aufgekauft und in PILOT Business Machine Co. Ltd. umbenannt wurde. Die Produktion mechanischer Rechner endete dort 1969. PILOT existiert noch heute und ist der größte japanische Schreibwaren-Produzent.

Contex 10

Das ist eine Zehntasten-Maschine mit „moderner“ Tasten-Anordnung, die alle vier Grundrechenarten (so einigermaßen) rechnen kann. Die Übertragung von der Tastatur zum Resultatwerk erfolgt hier mit Stiftschlitten (wie bei Zehnertastaturen üblich) und Zahnsegmenten.
Die Maschine ist mit sehr viel Kunststoff innen wie außen auf Transportfähigkeit und niedrigen Preis hin gebaut, ziemlich leicht (knapp unter 3 kg) und damit eine Art früher Taschenrechner (für sehr, sehr große Taschen!). Das Zählwerk hat nur eine einzige Stelle, die abgekürzte Multiplikation ist daher nicht möglich. Dafür hat sie eine ziemlich fehlersichere Stop-Division, allerdings muss man das Ergebnis Stelle für Stelle notieren. Gut gelöst sind Addition und Subtraktion mit sofortiger Eingabelöschung. So macht auch das Addieren langer Zahlenkolonnen wieder mehr Spaß. Das ist also eher eine Maschine für Kaufleute, nicht für Physiker, Astronomen oder Versicherungsmathematiker!
Dieses Exemplar hat noch die große Nulltaste, die später etwas verkleinert wurde, um Platz für eine „Ganz nach links“-Taste (für die Division) zu machen. Der Seriennummer nach stammt sie aus dem Jahr 1961, damals kostete so eine Maschine knapp unter 500 DM (zehn Jahre später war der Preis immer noch etwa gleich, dann nur +MWSt.). Sie stammt aus der kaufmännischen Verwaltung eines Tankstellen-Filialisten in Dortmund.

Contex
10
Nr. 450971

20,5 x 25 x 10
2,9 kg
1957 - 1972
  • EW 10 ZW 1 RW 11;
  • Grundrechenarten,
  • Taste zur gemeinsamen Löschung von ZW und RW, Schieber zur Löschung der Eingabe.
  • einstelliges ZW mit schwarzen und roten Zahlen (je nach Rechenart abzulesen und zu notieren),
  • Additionsmodus als Standard, abschaltbar,
  • statt Kurbel eine Drucktaste mit kurzem Weg,
  • Hilfsschablone für die Kommastellen.
2/1: Oberschale aus Kunststoff gut erhalten, Lack der Unterseite stark abgestoßen, Zifferntasten teils etwas abgenutzt. Alles funktioniert wieder einwandfrei.

Viele Rädchen, Hebel und Stifte waren durch lange Nichtbenutzung so schwergängig, dass Reinigung und Öl nicht mehr halfen. Also waren Komplettzerlegung, einige Justierarbeiten und beim Zusammenbau der Kampf mit vielen widerspenstigen Federchen nötig. Zerfallene Gummifüße ersetzt.

Mit Schutzhaube (leicht beschädigt) und Originalanleitung.

飛 魚 (Fliegender Fisch) JSY-20

Der „Monroe-Typ“ wurde weltweit kopiert. Diese Staffelwalzen-Maschine stammt aus China (und wurde sicher ohne Lizenz nachgebaut). Auch hier hat das Zählwerk keinen Zehner­übertrag und eine Rückübertragung fehlt auch.
Das Baujahr dieses Exemplars ist unklar, denn das Modell wurde von den 50er- bis ans Ende der 70er-Jahre fast unverändert gebaut. Es ist damit eine der am längsten gebauten Rechenmaschinen. Meist ist sich in seinem Logo das englische „Flying Fish“ zu lesen, hier aber steht „Fei Yu Pai“.
Aus China gibt es nur sehr wenige Modelle von mechanischen Rechenmaschinen. Anfangs mag eine geringe Entwicklung der Feinmechanik eine Rolle gespielt haben, doch der Hauptgrund ist wohl eher, dass die Allgegenwart des Suan Pan einen großen Bedarf nach „richtigen“ Maschinen lange nicht aufkommen ließ. So hat die große Mehrheit der chinesischen Bevölkerung meist den direkten Weg vom Abakus zum Taschenrechner genommen, (elektro)mechanische Rechenmaschinen wurden von nur wenigen eigenen Fabriken gebaut und ansonsten durch Importe beschafft.


Google übersetzt das rechts unten abgebildete Firmenschild so:

Computer für fliegende Fische

Modell                Nummer                
Computer-Schreibmaschinenfabrik in Shanghai

飛 魚
JSY-20
Nr. 657654

35 x 28 x 16,5
5,4 kg
ca. 1957 - 1980
  • EW 10 ZW 10 RW 20;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für ZW und RW.
  • Zehnerübertrag im RW nur über 11 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (zwei 9er),
  • Schalter für Additionsmodus.
3/1: Das massive Stahlgehäuse ist an vielen Stellen bis auf die Grundierung angeschlagen. Alle Tasten in gutem Zustand, funktioniert nun einwandfrei und leichtgängig.

Extrem verbogene Schlittenstange begradigt, einige Nachjustierungen (Stellleisten, Sperrhaken, ...), fehlenden Schlittengriff ersetzt.

KA.

Fei Yu Pai (= „Fliegender Fisch - Reihe“) war eine Firma in Shanghai, die zuerst Rechenmaschinen, später auch Schreibmaschinen produzierte. Mitte der 90er-Jahre wurde sie wie viele andere Firmen teilprivatisiert, ob es sie heute noch gibt ist mir nicht bekannt.

Everest Z5R

Die letzte Entwicklungsstufe der Everest hat dann auch Rückübertragung, das ist bei den Sprossenrad­maschinen mit Tasten eher selten.
Dieses Exemplar wurde um 1960 gebaut, Neupreis damals 998 DM (200 DM mehr als bei der Z5).
Nicht wegen der komplexen Mechanik der Rück­übertragung, sondern wegen völliger Dejustierung des Trommeltransports ist dieses Exemplar leider blockiert. Außerdem werden die Stellen 1 weder im Resultat- noch im Zählwerk gelöscht. Ein erster Blick ins Innere zeigt, dass da wohl totale Zerlegung erforderlich wird - derzeit traue ich mich da noch nicht ran...

aus der Sammlung Kohl
Everest
Z5R
Nr. 052441

34 x 20,5 x 16,5
7,1 kg
ca. 1958 - 1962
  • EW(+EK) 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter und Anzeige für Drehrichtung im ZW, (auch durch erste Kurbeldrehung automatisch bestimmt),
  • mitlaufende Stellenzeiger in ZW und RW,
  • 2 Hebel für Rückübertragung,
  • Schalter zum Lösen der Rückübertragung,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Aufhebung der Drehrichtungssperre mit Taste am Boden.
2/6: Gehäuse mit einigen Stoßstellen, einige Metallteile leicht korrodiert; blockiert.

Mesko KR-19S

Diese Sprossenrad-Maschine ähnelt sehr der Facit C1‑19, sie hat ebenfalls die große Kapazität und den beweglichen Schlitten. Das Design allerdings schreit „Ostblock!“, was wohl am teils billigen Material, den (für unsere Sehgewohnheiten) recht groben Formen und der einfachen, andererseits aber sehr massiven und damit robusten Bauweise liegt. Und tatsächlich ist diese Maschine ein um 1960 in Polen gebauter „Klon“ der Facit C1‑19.
Zuletzt hat sie eine Bäckerei in Halle-Diemitz genutzt, vielleicht hat der Bäckermeister damit die Buchhaltung gemacht oder auch seine Rezepturen gerechnet. Angesichts der großen Kapazität war das eigentlich etwas „Overkill“, doch die Bäckerei war nicht der Erstnutzer und bekam damit offenbar ein „abgelegtes“ und recyceltes Gerät: Die im Schlitten eingestanzte Seriennummer (33703) weicht nämlich vor der auf dem Typenschild ab, also sind hier ganz sicher ein intaktes Chassis und ein intakter Schlitten aus zwei defekten Maschinen zusammengeschraubt worden.

mehr Infos im
Mesko
KR-19S
Nr. 33726

46 x 26,5 x 17
8,8 kg
ca. 1958 - 1965
  • EW(+EK) 10 ZW 10 RW 19;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Anzeige für Drehrichtung im ZW, (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich).
1/1: Ganz wenige Stoßstellen, eine verdeckte Stelle ohne Lack, alles funktioniert leichtgängig und einwandfrei.

Die Divisionstaste wieder korrekt funktionieren zu lassen hat mich allerdings einige Stunden Schrauberei gekostet, dabei war's nur ein ausgehakter Schieber (merke: Abdeckungen, unter denen lose Federchen oder Hebelchen lauern können nur ganz vorsichtig öffnen!). Die Maschine hatte im Originalzustand auch keine Stellennummerierung, was die Komma­findung sehr erschwerte. Nun hat sie eine.

Staubschutzhaube schneidern lassen, KA.

Schon wieder Bezüge zur Waffenfabrikation: Mesko war ab 1924 erst staatliche Munitionsfabrik, später bedeutender Hersteller von Haushaltsgeräten (lange Zeit auch für Bauknecht) und Maschinen für Industrie und Landwirtschaft. Nach vielen Umfirmierungen und Umstrukturierungen ist Mesko heute vor allem wieder ein Hersteller von Munition und Raketensystemen.

Addo-X 2341E

Elektromechanische Maschinen rechneten nicht nur schneller, sondern sie wurden auch immer öfter mit Einrichtungen zur Automatisierung versehen. Diese „Dreispezies-Maschine“ steht noch eher am Anfang dieser Entwicklung: Man hat hier eine druckende Addiermaschine mit den gesonderten Zifferntasten versehen, die jeweils die entsprechende Zahl von Additionen auslösen (in den höheren Ziffern sogar mit dem abgekürzten Verfahren) und danach eine Stelle weiterschalten (was man bei handbetriebenen Addiermaschinen durch Tippen einer Null machen würde). Das ist (bis auf die Stellenverschiebung) das gleiche Verfahren wie bei der Diehl EvM15, da erkennt man die konvergente Entwicklung bei der Automatisierung der Addier- und Staffelwalzen­maschinen. Die Abstammung von den druckenden Addiermaschinen zeigt sich hier am Werteübertrag von den Tasten in Drucker und Resultatwerk, der über Stiftschlitten und Zahnstangen erfolgt.
In die Nachfolgemodelle der 3000er-Serie konnte man dann schon den gesamten 2. Faktor eingeben bevor die automatische (ggf. auch eine negative) Multiplikation gestartet wurde, erst die 4000er-Serie konnte auch automatisch dividieren.
Genau dieses Modell hatte mein Vater im Büro, damit hat er die gesamte Buchhaltung gerechnet. Als Kind durfte ich nie da dran: Die Maschine galt als zu wertvoll. 1959 kostete sie 1.190 DM (etwa drei Monatslöhne). Dieses Exemplar stammt allerdings aus einem Sanitätshaus in Amberg.

Addo-X
2341E
Nr. 612749

22,5 x 39 x 21,5
12,5 kg
1959 - 1962
  • EW 10 RW 11 Druckwerk 11st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Multiplikation, Zwischensumme, Summe,
  • Multiplikationswahltasten (mit Einerstelle beginnen!),
  • 2 Tasten für wiederholte Addition oder Subtraktion der eingetippten Zahl,
  • Korrektur- und Löschschieber.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck,
  • Nichtrechentaste.
2/2: viele Kratzer und andere kleine Gebrauchsspuren; das Rechenwerk funktioniert einwandfrei, aber eine Achse des Papiertransports ist gelockert und daher nicht mehr sehr belastbar (Hartlöten würde helfen, aber dazu müsste die gesamte Maschine zerlegt werden...).

Abgegriffenes Tastaturblech neu lackiert, Papiertransporthebel so justiert, dass die lockere Achse weniger belastet wird.

Mit Schutzhaube und Anleitung einer Addo‑X 3000.

Addo begann 1918 in Malmø mit der Produktion kleiner Addierhilfen, im Laufe der Jahre kamen größere und besser ausgestattete Maschinen dazu, meist Addiermaschinen mit Volltastatur. Spätere Maschinen bekamen die Zehnertastatur und wurden als „Addo‑X“ verkauft. 1966 wurde die Firma von Facit übernommen, baute aber weiter Rechenmaschinen unter eigener Marke. Als Facit unterging endete auch die Produktion bei Addo.

Facit CM2-16

Das ist die erste erfolgreiche Sprossenrad-Maschine mit der heute noch üblichen Zehner-Tastatur (nur Brunsviga hatte vorher ähnliches versucht). Noch wichtiger ist aber, dass man hier zum ersten Mal eine technische Lösung für die Rückübertragung fand, die mit der Tasteneingabe zuvor nicht zu realisieren war. Dafür gab man sogar das von Karl Rudin erfundene geteilte Sprossenrad auf. Diese Rückübertragung funktioniert sogar aus beiden Werken, man kann also auch das Ergebnis einer Division gleich weiter verwenden. An Stelle von Federn wird die beim Bremsen der Trommel frei werdende Energie für die Rückstellung der Tasten genutzt, das ergibt einen sehr leichten Anschlag. Mit diesen Vorteilen wurde das Modell trotz des hohen Preises sehr erfolgreich
Etwas später wurde die gleiche Technik noch in in ein moderner aussehendes (und deutlich billigeres) Plastikgehäuse gepackt, aber es gab es bei den handbetriebenen Maschinen nun keine wesentlichen Weiterentwicklungen mehr. Nur bei den elektrisch angetriebenen Maschinen versuchte man noch einige Zeit, durch bessere Ausstattung und immer mehr Funktionen der vordringenden Elektronik Paroli zu bieten.
Dieses Exemplar wurde 1960 gebaut, es kostete damals ca. 850 DM.

vorher:

Facit
CM2-16
Nr. 1004683

34 x 28 x 15,5
8,1 kg
1959 - 1967
  • EW(+EK) 11 ZW 9 RW 16;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Anzeige für Drehrichtung im ZW, (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich),
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW,
  • 2 Tabulatortasten (für Division bzw. Rückübertragung),
  • Rückübertragung aus RW oder ZW(!) in die Eingabe.
2/1: Einige Stoßstellen, vordere Gummifüße hart; alles funktioniert wieder einwandfrei und leichtgängig.

Hintere Gummirollen ersetzt, Flugrost unter den Tasten entfernt.

Anleitung im Netz gefunden und ergänzt.

Norma Merkuria 190

Diese Rechenscheibe mit einem Durchmesser von 19 cm hat die Genauigkeit eines Rechenstabs mit 50 cm Länge. Sie war ebenfalls für den Handel gedacht, hat aber etwas ausgefeiltere Skalen als die Tröger-Scheibe. Das Exemplar muss nach 1970 entstanden sein, es hat schon den verchromten Rand aus Aluminium und den schmalen Läufer.

aus der Sammlung Veres

mehr Infos im
Norma
Merkuria 190

19 cm Durchmesser
180 g
1959 - nach 2003
  • Zwei logarithmische Skalen für Multiplikation und Division,
  • eine Reziprok-Skala,
  • zwei prozentuale Skalen (eine für Rückrechnung),
  • Zinsdivisoren-Skala,
  • Angabe vieler englischer und US-Maße.
3/3: stellenweise deutliche Gebrauchsspuren, aber alle Skalen lesbar; etwas Spiel beeinträchtigt die Genauigkeit.
Mit Schutzhülle und originaler Kurzanleitung.

Norma wurde 1959 gegründet und produzierte mit nur wenigen Mitarbeitern bis mindestens ins Jahr 2003 verschiedene Rechenscheiben. Im Internet ist die Firma heute aber nicht mehr auffindbar.

Contex 30

Aus der sehr erfolgreichen Contex 10 wurden erst motorisierte (Contex 20) und dann immer stärker automatisierte Geräte entwickelt. Modell 30 kann halbautomatische Multiplikation und Stopdivision, beides allerdings noch nicht nach dem verkürzten Verfahren. Das und die Zehnertastatur machen das Rechnen in allen Grundrechenarten schon ziemlich flott. Nachteilig ist noch, dass man bei der Division wegen des einstelligen Zählwerks noch Stelle für Stelle notieren muss. Das Nachfolgemodell 55 hat dann ein vollständiges Quotientenwerk und kann automatisch dividieren. Die grundlegende Technik mit Stiftschlitten und Zahnsegmenten ist bei allen Modellen praktisch unverändert.
Die Maschine ist immer noch leicht (etwa 3 kg) und in dem gerne mitgekauften Koffer gut transportabel. Auch sie wurde ein großer Erfolg: Fast 400.000 wurden produziert.
Die hohe Seriennummer dieses Exemplars lässt das Baujahr 1969 vermuten, damals kostete das Gerät (ohne Koffer?) 835 DM.

Das Malheur:           Einbau begonnen:     Funktioniert wieder:
Division
(355:113)
(MP4, 40 MB):
Multiplikation
(12345678x9)
(MP4, 18 MB):
Contex
30
Nr. 473124530

20,5 x 26 x 10,5
3,3 kg
1960 - 1971
  • EW 10 ZW 1 RW 11;
  • Grundrechenarten,
  • Taste zur gemeinsamen Löschung von ZW und RW, Schieber zur Löschung der Eingabe.
  • einstelliges ZW nur mit roten Zahlen (nur für die Division),
  • Additionsmodus als Standard, abschaltbar,
  • halbautomatische Multiplikation,
  • Stopdivision,
  • Löschschieber-Stop für Multiplikation mit Konstante,
  • Hilfsschablone für die Kommastellen.
1/1: Oberschale, Unterseite und Tasten sehr gut erhalten, wenige unauffällige Kratzer. Alles funktioniert wieder einwandfrei.

Der Schaumstoff im Stiftschlitten war zerfallen, vor allem in den oberen Reihen blieben die Stifte nicht mehr in Position und erzeugten „Zufallszahlen“. Tastenblöcke ausgebaut, Stiftschlitten geöffnet, das klebrige Gemisch aus 90 Stiftchen, Plättchen und Schaumstoff­resten herausgekratzt, gesäubert, Stiftchen und neuen Schaumstoff eingelegt und alles zusammengebaut. Fühlhebel der Einerstelle justiert.

Mit Schutzhaube und Koffer (beschädigt, aber noch funktional), PDF der Originalanleitung vorhanden.

Счетмаш Феликс M (Schetmash Felix M)

Das ist das letzte Modell einer Rechenmaschine mit dem Namen „Felix“. Es stammt aus der Spätzeit der handbetriebenen Maschinen, aber dennoch hat sich an der Mechanik seit der Felix A3 von 1928 kaum etwas geändert: Immer noch fehlen Zehnerübertrag im Zählwerk, Einstellkontrolle und jegliche Sperre gegen Fehlbedienung. Nur die Schlittenschaltung ist modernisiert worden. Dafür ist das Material nun deutlich billiger, die Sprossenräder z.B. sind aus wenig haltbarem Zinkguss (statt Messing).
Von diesem Modell müssen Unmengen gebaut worden sein: Man findet das Modell auch heute noch extrem häufig auf den einschlägigen Seiten, meist allerdings in sehr schlechtem Zustand.

Счетмаш (Курск)
Феликс M
Nr. 3170844

32 x 16 x 13
3,7 kg
1960 - 1978
  • EW 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Flügelschrauben zur Löschung von ZW und RW.
  • im ZW keine farbliche Unterscheidung von Positiv- und Negativ-Ziffern,
  • Löschung des EWs über Schieber (unter dem Logo) und Hauptkurbel.
2/1: Zahlreiche winzige Lackschäden aber insgesamt nahezu neuwertiger Eindruck; funktioniert einwandfrei.
Anleitung im Netz gefunden.

Die ersten „Felix“-Modelle entstanden in Moskau, nach dem Krieg wurden sie für kurze Zeit in Penza gebaut. Alle Felix M dagegen stammen von Schetmash Kursk. Diese Firma existiert auch heute noch und baut immer noch einen Kassendrucker mit dem Namen Felix!

Schubert E

Nur vier Hersteller haben Sprossenrad-Maschinen mit moderner Zehnertastatur entwickelt, und nur Facit gelang mit der CM2-16 ein wirtschaftlicher Erfolg. Die letzte Neuentwicklung von Schubert ist einer der gescheiterten Versuche.
Das liegt nicht am Modell selbst, denn das ist sehr gut verarbeitet und mit gleichzeitig bedienbaren Löschhebeln, Dividenden-Voreinstellung ohne 1 im Zählwerk, Rückübertragung und Additionsmodus äußerst komfortabel. Doch es erschien zu spät, die vier Jahre zuvor eingeführte CM2-16 dominierte das Marktsegment total.
Die Konkurrenz (auch der ersten Elektronenrechner) forderte immer mehr Funktionen und damit hohen Aufwand, andererseits sollten Stanztechnik und viel Kunststoff helfen, die Produktionskosten erträglich zu halten. Ob das Plastik damals eher als Nach- oder Vorteil („billig“ oder „modern“) angesehen wurde ist unklar. Der zur Deckung der Entwicklungskosten angesetzte Preis war jedenfalls zu hoch: Im ersten Jahr wurde die Schubert E für 840 DM angeboten, doch schnell musste der Preis auf 690 DM gesenkt werden. Gegen die starke Konkurrenz von Facit kam man aber auch damit nicht an. Nur knapp 600 Maschinen wurden gebaut, noch 1974 wurden Restbestände der Produktion verkauft - dann zum Ramschpreis von 245 DM (netto).
Dieses Exemplar dürfte 1964 oder 1965 entstanden sein, es hat eine der mittleren Seriennummern. Über seine Verwendung ist leider nichts bekannt, der gute Zustand lässt nur geringe Nutzung vermuten.

aus der Sammlung Weber

mehr Infos im
Übertragung der Tastendrücke:
(MP4, 4 MB):
Schubert
E
Nr. 300174

34,5 x 25 x 16
7,7 kg
1963 - 1966
  • EW(+EK) 10 ZW 8 RW 16;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW, (auch durch erste Kurbeldrehung automatisch bestimmt),
  • optionaler Additionsmodus,
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Schlittentabulator unter der Kurbel (für Einhandbedienung).
1/1: Gehäuse sehr gut erhalten; funktioniert einwandfrei.
Hülle schneidern lassen, KA.

Produx Multator-4

Das letzte Modell der „Multator“-Reihe ist zugleich ihre erste Vierspezies-Maschine. Das kommt durch eine kleine, aber entscheidende Weiterentwicklung der Multator‑II: Man kann den Schlitten hier etwas kippen, das kehrt die Drehrichtung im Resultatwerk um. Also braucht man keine Komplementärziffern mehr und hat endlich eine vernünftige Möglichkeit zur Korrektur zuviel gemachter Kurbeldrehungen. Die Einstellkontrolle der Multator‑II gibt es nicht mehr, das ist etwas schade.
Der anfängliche Neupreis lag auch hier bei 298 DM und blieb damit weit unter den Preisen der „großen“ Rechen­maschinen. Geringe Ausmaße und Gewicht machten den mobilen Einsatz gut möglich. Negativ war (und ist), dass die einfache Mechanik mit ihren vielen Plastikrädchen und gestanzten Metallteilen nur wenig belastbar ist. Die Maschinen überlebten also den harten täglichen Einsatz in der Regel nicht lange. Auch bei diesem Exemplar, Baujahr etwa 1968, waren schon vier Plastiknasen verschiedener Ziffernrädchen abgebrochen, was in diesen Stellen sowohl den positiven Zehner­übertrag als auch die Löschung verhinderte.

mehr Infos bei
R.Atzbach
Produx
Multator-4
Nr. 62380

25,5 x 16,5 x 9
1,9 kg
1963 - 1969
  • EW 11 ZW 5 RW 10;
  • Grundrechenarten,
  • Löschhebel für Schlitten (ZW und RW nur gemeinsam).
  • ZW kann alternativ als Erweiterung des RWs genutzt werden,
  • Rückübertragung (mit der Kurbel den Schlitten leicht anheben),
  • Schlitten hochklappen (Hebel rechts) kehrt Drehrichtung im RW um,
  • Kurbel nur im Uhrzeigersinn drehbar.
2/2: Einige kleine Kratzer und Abnutzungen, Gehäuse sonst gut erhalten; alles funktioniert wieder einwandfrei, ist aber wohl nicht sehr belastbar.

Schlitten zerlegt, 15 Kügelchen und Federchen eingesammelt, vier abgebrochene Plastiknasen durch Drahtstifte ersetzt, zusammengebaut, falsches Timing im negativen Zehner­übertrag festgestellt, wieder zerlegt und anderes Timing probiert, noch mal zerlegt und endlich mit richtigem Timing zusammengebaut. Fünfte Plastiknase drohte zu brechen - Schlitten erneut zerlegt, Nase mit heißer Nadel angeschweißt und wieder zusammengebaut. Uff.

Mit Schutzhaube, englische Anleitung als PDF vorhanden.

Produx axbxc

Das ist eine vereinfachte Variante der Multator‑II ohne Einstellkontrolle und Komplementärziffern. Sie war also nur für Addition und Multiplikation zu gebrauchen, dank Rückübertragung aber auch für Kettenmultiplikationen (daher der Name).
198 DM wurden dafür verlangt, d.h. noch einmal 100 DM weniger als für die Multator‑4. Für den Preis einer „richtigen“ Rechenmaschine konnte man etwa drei dieser einfachen Geräte anschaffen, daher wurde das Maschinchen gerne genutzt, z.B. auch von Tankwagenfahrern für das Direkt-Inkasso nach dem Füllen der Öltanks.
Dieses Exemplar, Baujahr vermutlich 1965, diente bis vor einigen Jahren noch in einem Wettenberger Geschäft als „Kaffee-Kuchen-Kasse“.

vorher:

Produx
axbxc
Nr. 43590

24 x 17 x 9
1,75 kg
1963 - ca. 1970
  • EW 10 ZW 5 RW 10;
  • nur Addition und Multiplikation,
  • Löschhebel für Schlitten (ZW und RW nur gemeinsam).
  • ZW kann alternativ als Erweiterung des RWs genutzt werden,
  • Rückübertragung (mit der Kurbel den Schlitten leicht anheben),
  • Kurbel nur im Uhrzeigersinn drehbar.
1/1: Nur geringe Gebrauchsspuren, noch alle Knöpfe vorhanden; einwandfreie und leichtgängige Funktion.

Alle Bleche außer dem Zahlenfeld neu lackiert.

Kopie der englischen Kurzanleitung (aus Prospekt) vorhanden.

Busicom HL-21

Eine der letzten handbetriebenen Rechenmaschinen aus japanischer Produktion. Sie hat alle damals bei gut ausgebauten Sprossenrad-Maschinen üblichen Extras und eine extrem große Stellenzahl. Dafür sitzt sie aber in einem billigen Gehäuse aus Plastik und die Sprossenräder sind aus Druckguss, der viel weniger aushält als die Bronze- oder Messingräder der alten Maschinen.
Die HL-21 wurde nicht nur in Japan vermarktet, vor allem nach Großbritannien und Australien wurden die Maschinen exportiert. Auch dieses gegen Ende der 60er-Jahre gebaute Exemplar (vor 1967 gebaute Maschinen heißen noch nicht Busicom) stammt aus Großbritannien. Damals kostete es 60 ₤, umgerechnet ungefähr 600 DM.

Busicom
HL-21
Nr. 320739

36 x 18 x 13,5
5,1 kg
1963 - 1970
  • EW(+EK) 10 ZW 11 RW 21;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 13 Stellen,
  • Anzeige für Drehrichtung im ZW, (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich).
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Entsperrhebel für die Kurbel-Drehrichtung.
2/1: Das Plastikgehäuse ist mit der unteren linken Ecke offenbar mal heftig auf den Boden gefallen und auf der Unterseite einige cm gerissen, aber dort immer noch stabil. Außer diesem Riss und einer kleinen Scharte am Hauptkurbelträger hat es praktisch keine Gebrauchsspuren und macht einen fast neuwertigen Eindruck. Alles funktioniert einwandfrei und leichtgängig.

Die Maschine kam blockiert (das war auch korrekt so beschrieben), ein Federchen war mit Klebeband draufgeklebt. Damit war eigentlich klar, was zu machen war. Nach kurzer Suche und einigen lustigen Fingerübungen war die Feder wieder dort, wo sie hin gehört. Zu Staub zerfallene Schaumstoffpolster innen ersetzt.

Anleitung im Netz gefunden.

Die Nippon Calculating Machine Co. (NCM) wurde 1918 gegründet. Spätestens ab 1928 wurden dort europäische Sprossenrad-Maschinen nachgebaut.
Ab 1967 nannte sich die Firma Business Computer Company (oder kurz Busicom). Mit diesem Namen ging die Firma in die Geschichte der Rechentechnik ein, doch nicht wegen ihrer mechanischen Rechner: Busicom war einer der ganz frühen, lange technisch führenden, großen Hersteller von Elektronenrechnern. 1969 bat dieser japanische Elektronik-Riese einen kleinen Chip-Hersteller in den USA, ihm einen neuen IC zu konstruieren, der künftig in seine Tischrechner eingebaut werden sollte. Der kleine Chip-Hersteller hieß Intel, der dort entwickelte IC ist der Intel 4004, der Urahn aller Intel-Chips.
Eigentlich besaß nur Busicom alle Patentrechte am 4004, aber man erkannte dort nicht das Potential des universell einsetzbaren Chips und verkaufte daher die Rechte für läppische 60.000 $ an Intel zurück. Deshalb steht heute auf Computern nicht „Busicom inside“ und bereits 1973 ging Busicom pleite. Den bekannten Markennamen sicherte sich der englische Importeur, der bis 2016 noch in Fernost gekaufte elektronische Rechner als „Busicom“ verkaufte.

Precisa 164-12

Noch eine elektrische „Dreispezies-Maschine“, die mit Zahnstangen rechnet. Anders als die Addo‑X kann sie aber schon vollautomatisch multiplizieren, die Eingabe dafür erfolgt auf die heute gewohnte Art. Nur dividieren kann sie noch nicht (das kann erst die Nachfolgemaschine, das Modell 166). Deshalb liegt ihr eine Reziproken-Tabelle für alle Zahlen von 1000 bis 9999 bei, so dass man jede Division durch Multiplikation mit dem Kehrwert ersetzen kann. Als besondere Einrichtung hat sie einen (immer noch rein mechanischen!) Speicher, der z.B. für Konstanten oder zum Aufsummieren von Ergebnissen genutzt werden kann und eine Rückübertragung: Sie speichert das letzte Ergebnis, das dann weiter verwendet werden kann.
Das Modell wurde volle 15 Jahre lang verkauft. 1964 kostete die als „Dreispezies-Vollautomat“ beworbene Maschine 1.590 DM, zehn Jahre später noch 798 DM. Selbst 1977 steht sie noch in den Katalogen, dann aber als „Tagespreis erfragen“. Wahrscheinlich waren das nur Restbestände - es ist eher unwahrscheinlich, dass man da bei Precisa noch solche Maschinen gebaut hat.
Dieses Exemplar hatte ein Architekt in Fernwald auf seinem Schreibtisch stehen, damit hat er alle seine Baupläne durchgerechnet. Gekauft wurde es irgendwann Mitte der 60er-Jahre bei Büro-Keil in Gießen, diese Firma gibt es heute nicht mehr.

Precisa
164-12
Nr. D153821

23,5 x 33 x 16
8,5 kg
1963 - 1978
  • EW 12 RW 13 SW 12 Multiplikatorwerk (12st.?)
  • Druckwerk 13st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Multiplikation, Zwischensumme, Summe,
  • Korrekturtaste.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck,
  • R-Taste für Erhalt der eingetippten Zahl (während + / - gedrückt halten),
  • Speichertaste,
  • Nichtrechentaste,
  • beide Faktoren einer Multiplikation mit zusammen maximal 12 Stellen.
1/1: Auf der Front leichte Kratzer, sonst nur wenige Gebrauchsspuren, alles funktioniert wie ein Schweizer Uhrwerk.

Farbband ersetzt, vordere marode Füße getauscht (was dann das Speicherwerk wieder funktionieren ließ!).

Mit Originalanleitung und Reziproken-Tabelle.

Brunsviga 13RM

Die letzte handbetriebene Brunsviga heißt nur noch so, aber gebaut wurde sie bei FAMOSA in Spanien für die Olympia-Werke. Die Sprossenrad-Maschine wurde auch unter den Marken Famosa und Minerva verkauft, aber in Deutschland hatte Brunsviga noch ein gutes Image. Also klebte man das „Brunsviga“ darauf.
Vermutlich sollten spanische Niedriglöhne, billigere Materialien und nicht ganz so präzise Verarbeitung die Kosten und damit auch die Preise niedrig halten, um gegen die elektrische Konkurrenz (und die am Horizont aufziehende Elektronik) zu bestehen. Die Maschine hat ein modern wirkendes Gehäuse und ist sehr gut ausgestattet mit vollständigem Zehner­übertrag, Rückübertragung und Einhandbedienung des Schlittens. Aber man merkt die etwas huddelige Verarbeitung: Eine Maschine mit solchen Passun­genauigkeiten der Karosserie hätte in Braunschweig das Werk wohl nie verlassen.
Dieses Gerät hat eine vierstellige Seriennummer und ist daher eines der ganz frühen Exemplare, das Baujahr ist vermutlich 1964. Sie gehörte bis 2019 dem früheren leitenden Stadtvermessungsdirektor in Krefeld und diente ihm für Berechnungen im Vermessungs- und Katasterwesen der Stadt. Außergewöhnlich gut ist der Zustand der Maschine: Nicht nur die einwandfreie Funktion, innen drin fand sich auch kein Staubkrümelchen und kein verharztes Fett.

Brunsviga
13RM
Nr. 2853

30 x 19,5 x 12
6,8 kg
1964 - ca. 1970
  • EW(+EK) 10 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW, (durch erste Kurbeldrehung auch automatisch bestimmt),
  • Rückübertragung vom RW ins EW.
2/1: Nur einige Stoßstellen an Kanten und Benutzungsspuren an den Plastikgriffen, Gesamteindruck dennoch fast wie neu; leichtgängige und einwandfreie Funktion.

Seitenteile der Schlittenabdeckung zwecks besserer Passgenauigkeit etwas präziser gebogen.

Mit Nachdruck der (sehr wenig ausführlichen) englischen Anleitung.

FAMOSA ist die Abkürzung für die Firma „Fábrica de Artículos Mecánicos para Oficina, S.A.“. Sie wurde 1945 in Barcelona gegründet und war bis in die 90er-Jahre aktiv. Heute findet sich jedoch keine Spur mehr von ihr, nur am alten Fabrikgebäude prangt noch immer der Firmenname.

Numeria 5905

Diese Numeria ist das letzte handbetriebene Modell der Marke. Sie hat natürlich die herstellertypischen Axial-Sprossenräder und dazu eine vergleichsweise sehr gute Ausstattung mit durchgehendem Zehner­übertrag im Zählwerk (mit einer wirklich pfiffigen Mechanik), einer riesigen Kapazität und teilbarem Resultatwerk, um z.B. links Zwischenergebnisse zu speichern.
Das Rechnen auf der extrem leichtgängigen und leisen Maschinen macht wirklich Spass, doch in Deutschland sind diese Numerias sehr selten zu finden. Vermutlich spielt dabei eine Rolle, dass diese Maschinen in direkter Konkurrenz zur viel billigeren Nisa K2 standen, obwohl die deutlich schlechter ausgestattet war.
Das Baujahr dieses Exemplar dürfte 1966 oder etwas später sein, der Neupreis in Deutschland lag bei 665 DM. Ich habe es aber aus Llanwrtyd Wells in Wales bekommen.
Beim Reinigen fand ich innen die unten abgebildete 1000 ₤-Banderole: So eine hat man zuhause eher selten. Man darf also vermuten, dass die Maschine in einer Filiale der „co‑operative bank“ (evtl. in Hereford?) im Einsatz war. Aber bis 2014 oder noch länger? Na ja, Wales...

Numeria
5905
Nr. 80150

41 x 27,5 x 19,5
6,1 kg
1964 - 1968
  • EW 10 ZW 11 RW 21;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für RW und ZW (je nach Drehrichtung).
  • Zehnerübertrag auch im ZW, im RW nur über 10 Stellen,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Anzeige für Drehrichtung im ZW (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich).
  • Split des RWs ermöglicht Teillöschung der rechten 9 Stellen,
  • Schieber inaktiviert ggf. die ersten beiden Tastenkolonnen (Fehlervermeidung bei bestimmten Rechnungen).
2/1: viele Kratzer und kleine Stoßstellen, insgesamt jedoch schöner Eindruck; alles funktioniert wieder wunderbar leichtgängig.

ZW neu justiert, abgebrochenen Griff der rechten Schlittenabdeckung neu aufgebaut und lackiert, ein Knopf ersetzt. In die (wegen der erst noch fehlenden Abdeckung) lose Schlittengleitstange weiteren Schlitz eingefräst und Sicherungsring eingesetzt, linke Schlittenabdeckung neu gebaut, Stellenbezifferung angebracht.

Anleitung im Netz gefunden.

Walter Comptess

Diese kleine Saldiermaschine (=rechnet und druckt Ergebnisse unter Null korrekt) mit der internen Modellbezeichnung S33 wurde von Walther als „Comptess“ vermarktet. Sie kann eigentlich nur addieren und subtrahieren, notfalls sind (wie bei allen Addiermaschinen) einfache Multiplikationen umständlich zu rechnen.
Solche einfachen Maschinen verkauften sich wohl gut, denn heute noch findet man die Comptess recht häufig. Der geringe Funktionsumfang machte sie zum preisgünstigsten Modell aller Walther-Addier­maschinen, sie kostete anfangs 760 DM. Ab 1971 bekam sie ein moderneres, eckiges Gehäuse, doch gegen die Konkurrenz der Elektronik half das nicht lange: Ab 1974 wurden die Restbestände für 398 DM verramscht.
Dieses Exemplar wurde vermutlich 1969 gebaut. Es stammt aus einer Sammlung, die frühere Verwendung ist daher unbekannt.

Walther
Comptess
Nr. S33 1599144

22 x 36 x 13
6,6 kg
1964 - ca. 1974
  • EW 11 RW 12 Druckwerk 12st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • Korrekturtaste.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck.
  • R-Taste für behelfsmäßige Multiplikation (einrastend),
  • Nichtrechentaste.
2/1: Starke Vergilbung des Gehäuses und einige größere Kratzer, alles funktioniert wieder perfekt.

Motor lief durch: Ursache gesucht, völlig festgerosteten Motorstopphebel unter Einsatz von massivem Hebel, Hammer und Rohrzange ausgebaut, ausgeschliffen und mit neuer Gummipufferung wieder eingebaut, Flugrost unter den Tasten (soweit ohne Zerlegung möglich) beseitigt, neues Farbband.

KA.

Nisa K2

Die nächste Maschine mit Volltastatur und geteilten Staffelwalzen, ganz nahe am Vorbild der Monroe-Maschinen: Wie dort bewegen sich auch hier die geteilten Staffelwalzen selbst (durch je nach Taste verschieden weit drehende Leisten unter Tastatur und Walzen) und nicht die abgreifenden Zahnräder. Es gibt ebenfalls den optionalen „Additionsmodus“ (automatische Eingabelöschung nach Drehung der Kurbel) und das Zählwerk hat immer noch keinen Zehnerübertrag. Die abgekürzte Multiplikation ist also auch hier unmöglich.
Die innere Ähnlichkeit ist groß, evtl. wurde auch eine Lizenz von Monroe erworben. Offensichtlich versuchte man aber, viel Metall einzusparen: Der Boden besteht noch aus stabilem Metall, doch die Schlittenverkleidung ist schon aus dünnem Blech, die übrige Karosserie aus dickem Kunststoff und auch sonst gibt es viel Plastik.
Dieses Exemplar wurde 1969 gebaut. Wer es früher benutzt hat weiß ich leider nicht, aber den Neupreis der nach Westdeutschland exportierten Maschinen findet man im Netz: 247 DM, das war im Vergleich zu Monroe (und Lagomarsino) richtig günstig.

Nisa
K2
Nr. U2-25718

31,5 x 27 x 10
3,6 kg
ca. 1965 - ca. 1970
  • EW 8 ZW 8 RW 16;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für ZW und RW (je nach Drehrichtung).
  • Zehnerübertrag im RW nur über 9 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (zwei 9er),
  • Schalter für Additionsmodus,
  • zwei herausklappbare „Hinterbeine“.
2/1: Ein deutlicher Hitzeschaden am Kunststoff der Vorderseite, Gehäuse sonst extrem gut erhalten. Die Mechanik ist wieder leichtgängig und fehlerfrei.

Erste Ermüdungsrisse am Schlittenverstellknopf (aus Kunststoff) geklebt.

KA.

Das Know-How der Produktion von Nisa („Neiße“ auf tschechisch) stammt wahrscheinlich auf Umwegen von Rema. 1922 übernahm Mira deren Patente und Maschinen und baute in Liberec Rechenmaschinen. Ab 1951 produzierte Nisa im Nachbarort Proseč nad Nisou (Proschwitz) Rechenmaschinen des „Monroe-Typs“, vermutlich zuerst auf den alten Maschinen und mit Teilen des Personals von Mira. Bis 1976 wurden weitere (auch elektromechanische) Rechnermodelle entwickelt und gebaut. 1995 (also sehr kurz nach dem Zusammenbruch des sogenannten „Ostblocks“) ging die Firma in Konkurs. Eine Nachfolgefirma, vermutlich aus überlebensfähigen Teilen der Fabrik entstanden, existiert heute noch als NISAFORM GmbH, sie stellt Formen für Kunststoff- und Metallguss her.

TRS Calcorex

Diese Sprossenradmaschine wurde in Jugoslawien gebaut (es gab wohl auch eine Lizenzproduktion in Ungarn). Sie ist eigentlich ganz solide verarbeitet und mit Rückübertragung, Einhandbedienung und vollständigem Zehnerübertrag gut ausgestattet. Auch die Lupen über den Anzeigen sind Luxus.
Dieses Exemplar wieder funktionsfähig zu machen war allerdings ein größeres Abenteuer:

Die Maschine sah wirklich hervorragend aus. Doch leider bestanden die Sprossenräder aus billigem Zinkdruckguss und waren massiv von Zinkfraß befallen. Offenbar hatte man noch Ende der 60er-Jahre dafür anfällige Legierungen benutzt. (Auch andere Hersteller sind betroffen, von alten Burkhardts vor 1900, als man mit Zinklegierungen noch keine Erfahrungen hatte, bis zu den letzten Triumphator-Maschinen.) Einige Sprossenräder schliffen auf den Zahn­rädern des Resultatwerks, fast alle Einstellringe klemmten auf ihren Zinkscheiben fest, viele Sprossen und einige Zehnerübertrags-Finger waren auch unbeweglich. Nach vielfachem Ausschleifen wurde das etwas besser - doch der Zinkfraß sorgte dafür, dass die Sprossenräder weiter wuchsen und bröselten.
Angesichts des ansonsten extrem guten Zustands war das sehr schade. Doch dann fand ich für wenig Geld ein TRS-Vorgängermodell „Zagreb“ (Nr. 17065). Total verdreckt, rostig und teils mit Goldbronze(!) eingesprüht - doch nach dem Kauf stellte sich heraus, dass deren Trommel aus Messing war. Glück gehabt!
Also entsorgte ich die Zinkguss-Trommel und baute die ältere, schöne Messingtrommel ein. Doch leider passten nun weder Kontrollwerk, Ansteuerung des Zählwerks noch Zehnerübertrag im Resultatwerk richtig (mehr dazu im Aufklappmenü unten), also musste ich fast das gesamte Innenleben austauschen. So waren viele neue Löcher zu bohren, die Trommelachse abzusägen und weitere kleine Anpassungen nötig. Nur Bodenplatte mit Schlittentransport, Klingel, Kurbel und Deckbleche sind von der neueren Maschine übrig geblieben. Nun trägt die Maschine innen zusätzlich die alte Seriennummer, hat außen das alte „Zagreb“-Logo über einem nicht mehr benötigten Schlitz und vor allem funktioniert sie wieder ganz passabel.


vorher so
Ein altes Sprossenrad:

vorher so
Wesentliche Unterschiede in der Technik der älteren und neueren Maschine:
älter („TRS Zagreb“ → Bild rechts oben): neuer („Calcorex“ → „vorher so“):
Sprossenräder: aus Messing, wegen der Zehnerüberträge für jede Stelle anders gebaut aus Zinkdruckguss, nur 3 Typen (Stellen 1-4-7, 2-5-8, 3-6-9) und 2 Typen für den Zehnerübertrag (Stellen 10-12, 11-13)
Zehnerübertrag RW: klassische „Hämmerchen“, von Ende einer Nut im Sprossenrad rückgesetzt dünne Bleche, von Ausbuchtung am Ziffernrad rückgesetzt
Zehnerübertrag ZW: Zahnräder vor den Ziffernrädern werden auf Achse leicht verschoben eigene Hebel, mit gesonderter Unterstützung durch oszillierende Plastikrolle - Video (MP4, 13 MB)
Richtungsumschaltung ZW: Getriebe mit gegenläufigen Zahnrädern, nur manuelle Wahl, Anzeige der Richtung im Fensterchen Blechzunge auf Exzenter mit wechselndem Fixpunkt, manuelle und automatische Wahl durch erste Kurbeldrehung nach EW-Löschung - Video (MP4, 26 MB)
Überschleuderungskorrektur: vorhanden (Knopf vor der Kurbel) fehlt
TRS
Calcorex
Nr. 17065 & 70077

32,5 x 17 x 14,5
5,0 kg
1965 - ca. 1970
  • EW(+EK) 9 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Schalter für Drehrichtung im ZW,
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Knopf zur Überschleuderungskorrektur,
  • Drehrichtungsanzeige kann Kurbelblockade lösen.
2/3: Nur wenige Benutzungsspuren; die alten und neuen Teile müssen sich aber noch etwas miteinander einlaufen...
Mit Haube.

TRS ist das Kürzel der 1948 in Zagreb gegründeten Tvornica Računskih Strojeva, auf deutsch einfach „Rechenmaschinenfabrik“. Man hat dort aber nicht nur Rechenmaschinen hergestellt, sondern war einer der Pioniere des Computerbaus im Ostblock. Zeitweise gehörte TRS wohl auch der italienischen S.A.Serio. Die Firma existiert nicht mehr, aber ein Nachfolge-Unternehmen namens Reinhart B.B. doo.
Einige der Rechenmaschinen wurden auch im Westen verkauft, oft unter anderen Namen - z.B. die poppige „Kling“, deren Design von Davor Grünwald entwickelt wurde.

Norma Grafia 190

Eine speziellere Rechenscheibe von Norma, wieder mit 19 cm Durchmesser. Diese war für Grafiker etc. gedacht, daher gibt es eine Skala mit Formaten und Schriftgrößen.
Die Scheibe muss in der Zeit zwischen 1965 und 1970 entstanden sein, denn sie hat schon den neuen, verchromten Alu-Rand, aber immer noch den kurzen Läufer.
Dieses Exemplar wurde von den Grafikern eines Industrie-Designstudios in Venlo bis in die 80er-Jahre benutzt - danach wurde auf Computer umgestellt und die Scheibe wurde überflüssig.

Norma
Grafia 190

19 cm Durchmesser
180 g
1965 - nach 2003
  • Zwei logarithmische Skalen für Multiplikation und Division,
  • Angabe von Formaten und Schriftgrößen,
  • Angabe einiger englischer und US‑Maße.
1/1: praktisch neuwertig, einwandfreie Funktion.
Mit Schutzhülle und Originalanleitung.

Facit 1004

Die Technik der Facit CM2‑16 wurde hier in ein billigeres Plastikgehäuse gepackt. Beworben hat man damals das „moderne“ Aussehen und etwas geringeres Gewicht.
Das Modell bekam auch einen Tragegriff spendiert, der für das Gewicht allerdings etwas zu filigran ist und wohl eher die Transportierbarkeit signalisieren sollte.
So versuchte man konkurrenzfähig zu bleiben, aber leider vergeblich. Elektronische Rechner sahen eben nicht nur modern aus, sondern waren es auch.

Facit
1004
Nr. 1893531

35 x 29 x 16
7,5 kg
1967 - ca. 1972
  • EW(+EK) 11 ZW 9 RW 16;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Tabulatortasten (für Division / für Rückübertrag),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Anzeige für Drehrichtung im ZW (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich),
  • mitlaufender Stellenzeiger im ZW,
  • Rückübertragung aus RW oder ZW (!) in die Eingabe.
1/1: nur geringste Gebrauchsspuren; alles läuft leichtgängig.
Mit Schutzhaube und Anleitung der CM 2‑16.

Alco

Ein Zahlenschieber aus den mittleren 60er-Jahren. Das Modell kommt aus Japan und ist offensichtlich (bis hin zu Details in Farbgebung und Beschriftung) eine Kopie des Addiator Arithma. Manchmal findet man es auch mit einem kleinen Rechenstab auf der Rückseite, oft unter anderen Markennamen.
1960 wurden solche Zahlenschieber in den USA manchmal schon für 99 Cent angeboten.

ALCO
Personal Calculator

4 x 16 x 0,5
40 g
ca. 1967 - ca. 1975
  • Eingabe über 6 Schieber,
  • Addition und Subtraktion,
  • Löschbügel.
  • Addieren und Subtrahieren auf einer Seite,
  • mit Eingabegriffel aus Metall und Halterung dafür.
2/2: Einige Kratzer, nicht ganz leichtgängig.

Zerlegt, einige Zähne und Schieber begradigt.

Mit Originalgriffel, Anleitung eines Addiator Arithma im Netz gefunden.

Der unbekannte japanische Hersteller hat schon ab den 50er-Jahren Zahlenschieber an viele Firmen geliefert und gleich deren Marke aufgedruckt. Alco z.B. war eine Firma aus New York, die ab Mitte der 60er-Jahre aus Fernost importierte Massenware über Discounter vertrieben hat.

Denon DEC-61A4

Das ist mein bisher ältester elektronischer Rechner: Er kam im September 1968 auf den Markt. Seine Elektronik ist entsprechend niedrig integriert: Auf insgesamt sieben Platinen sitzen ungeheuer viele Widerstände und Dioden (oft als logische Gatter), zahlreiche Kondensatoren, einige Transistoren und nur wenige integrierte Schaltkreise („Chips“ oder ICs). Die ICs sind noch sehr einfach (SSI = „small scale integration“) und bieten nur logische Grund­funktionen. Dazu kommen noch die Platine für die Tastatureinlesung, zwei schmale Platinen für die Anzeige und die alles verbindende Hauptplatine. Der ganze große Kasten ist also vollgestopft mit elektronischen Bauteilen, und die wurden alle in Handarbeit eingelötet!
Die Anzeige besteht aus „Nixies“, das sind die damals gebräuchlichen, recht teuren Röhren mit Kathoden in Ziffernform, die wie Glimmlampen leuchten können. Für jede Ziffer gibt es also eine Kathode, diese sind dicht hintereinander gestapelt. Nixies gab es in vielen verschiedenen Formen und Größen, doch ab Anfang der 90er-Jahre wurden sie nicht mehr hergestellt weil sich billigere und energiesparendere Anzeigearten durchsetzten. Einige Enthusiasten betreiben heute wieder eine Kleinstfertigung, aber die funktionsfähigen Nixies werden allmählich seltener und damit noch teurer als sie es immer schon waren. Das ist schade, denn das warme Licht ist wunderschön.
Die Bedienung dieses Rechners ist mit heutigen Standards kaum vergleichbar. Manche Tastenfolge führt zu hoch seltsamem Verhalten. Immerhin gibt es schon die Wurzelfunktion (die mit großen Zahlen nicht gut umgehen kann), den Speicher (der ein negatives Vorzeichen leicht verliert) und ein (recht eingeschränktes) Fließkomma. Andere Rechner dieser und folgender Jahre waren da meist deutlich schlechter ausgestattet, und der Funktionsumfang selbst der kompliziertesten elektro­mechanischen Maschinen ist damit schon erreicht.
Die frühere Verwendung ist nicht bekannt, auch den anfänglichen Neupreis in Deutschland habe ich noch nicht herausgefunden. 1971 waren es dann jedenfalls immer noch heftige 3.807 DM brutto (etwa vier Monatslöhne).

mehr Infos im
Old Calculator Museum

Die Platinen:

Denon
DEC-61A4
Nr. Z212339Y

29,5 x 39 x 10,5
6,5 kg
1968 - 1971
  • Anzeigeregister 14 Rechenregister,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten,
  • Quadratwurzel.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Wählrad für 0, 2, 3 oder 6 NKS,
  • Wählrad für Fließkomma oder Festkomma mit Ab‑, 5/4- oder Aufrundung,
  • Register-Austausch,
  • T-Taste für Aufsummierung von Produkten,
  • K-Taste für Konstante bei Multiplikation und Division,
  • Anzeige mit 14 Nixie-Röhren,
  • 3 Signallämpchen für Minus, Speicher und Überlauf.
3/2: Gehäuse extrem vergilbt, bis auf einen kleinen Riss aber unbeschädigt, auch Tasten sehr gut erhalten. Man kann damit immer noch passabel rechnen, doch bei manch seltsamem Verhalten ist nicht klar, ob es an der Rechnerlogik liegt oder ob es sich bereits um Versagen der Elektronik handelt. Die Komma-Kathoden der Röhren 6 und 12 sind ausgefallen bzw. schwach.

Defekte Glimmlampe der Überlaufanzeige ersetzt.

KA.

Denon wurde 1910 als Nippon Chikuonki Shoukai (Japan Recorders Corporation) gegründet. Bis 2001 gehörte die Firma zum ebenfalls 1910 gegründeten Plattenlabel Nippon Columbia. Einige wenige Jahre um 1970 war Denon auch im Rechnerbau tätig, die Marke wurde aber mit hochwertigen Stereoanlagen und Audiokomponenten bekannt, diese baut sie noch heute. Denon gehört heute zur D&M Holdings Inc. (D und M stehen für Denon und Marantz).

General Teknika 1200

Ein Rechner aus dem Jahr 1969, der schon richtig viele (genau 88) ICs enthält, die aber immer noch niedrig integriert („SSI“) sind. Die Anzeige ist nun schon geringfügig moderner: Statt der klassischen Nixies sind hier zwölf nach dem gleichem Prinzip leuchtende „Elfin-Röhren“ eingebaut. Das sind acht kleine Glimmlämpchen pro Röhre, die zusammen eine Siebensegment-Anzeige (plus Dezimalpunkt) bilden. Die Speicherlogik ist etwas seltsam (statt Speicherlöschtaste automatischer „Neustart“ nach bestimmten Rechnungen, der Speicher ersetzt eine Konstante) und ein Fließkomma gibt es auch nicht. Insgesamt wirkt die Bedienlogik aber erstaunlich durchdacht, das Wurzelziehen geht hier (auch dank des seltsamen Speichers) sehr flott.
Der anfängliche Neupreis ist unbekannt. 1973 steht das Modell zum letzten Mal im Büromaschinen-Lexikon, da kostete es noch 1.887 DM (brutto).

aus der Sammlung Bloemen

Die Platinen:



General
Teknika 1200
Nr. 2589

25 x 32 x 15
3,7 kg
1969 - ca. 1973
  • Anzeigeregister 12 Rechenregister,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten.
  • Registertausch,
  • Festkomma 0‑, 2‑, 4- oder 6stellig,
  • Anzeige mit 12 Elfin-Röhren Rodan MG17‑D und einer Glimmlampe (für's „Minus“),
  • Chipsatz: General EDC2111CUM, EDC2112CUM, EDC2113CUM, EDC2114BUM, EDC2115CUM, EDC2116CUM, EDC2116BEL, EDC2115DUM u.a.
1/1: Gehäuse nahezu ohne Gebrauchsspuren und nur leicht vergilbt, funktioniert einwandfrei.
Mit Schutzhaube, KA.

Die General Corp. Ltd. war ein 1914 gegründeter japanischer Hersteller, dessen Eigenmarke „Teknika“ in Deutschland von MBO vertrieben wurde, der aber auch wichtiger OEM‑Hersteller ( z.B. vieler Rechner von Triumph-Adler oder Precisa - dort hieß dieses Modell „GS12“) war. Bis mindestens 1989 wurden elektronische Rechner gebaut. Heute gibt es immer noch eine Firma gleichen Namens, sie stellt nur noch Verbrauchsmaterialien für Bürogeräte her.

Olympia RT 4

Viele Jahre nach Facit und Schubert versuchte sich auch Olympia an einer Sprossenradmaschine mit 10er-Tastatur. Das Modell konnte sich (wie auch die Schubert E) durchaus mit der erfolgreichen CM2-16 messen, aber die Entwicklungszeit hatte zu lange gedauert, bei ihrer Markteinführung war der Siegeszug der Elektronik schon absehbar.
Trotz doppelter Rückübertragung und mäßigem Preis von netto 695 DM (wozu wohl die Fertigung im spanischen Zweigwerk und das Plastikgehäuse beigetragen haben) wurde die RT 4 also kein wirklicher Erfolg mehr. Vermutlich wurden nur 1.500 Maschinen gebaut.
Dieses Exemplar dürfte um 1970 entstanden sein, die Seriennummer ist eine der niedrigen. Leider ist wieder nichts über die Verwendung bekannt, der gute Zustand lässt (vielleicht wegen des defekten Zehnerübertrags?) nur wenig Nutzung vermuten.

mehr Infos im
Olympia
RT 4
Nr. 001069

27,5 x 25 x 15
5,7 kg
1969 - 1972
  • EW(+EK) 10 ZW 8 RW 13;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im ZW,
  • Drehrichtung im ZW durch erste Kurbeldrehung bestimmt,
  • Anzeige der Drehrichtung rechts neben dem ZW,
  • Rückübertragung aus RW oder ZW(!) ins EW,
  • Schlittentabulator unter der Kurbel (für Einhandbedienung).
1/1: Gehäuse sehr gut erhalten; funktioniert wieder einwandfrei und leichtgängig.

Ausgehängte Drehrichtungssperre wiederhergestellt, Zehneruntertrag im ZW justiert, falsch mitdrehende Stellen im RW justiert, Klinke im Rückübertrag nachgeschliffen.

Mit Schutzhaube, KA.

Sharp QT-8D

Dieser kompakte Tischrechner beherrscht nur alle Grundrechenarten, sonst kann er nichts. Aber er ist dennoch bemerkenswert, weil er der weltweit erste Rechner mit LSI(„large scale integration“)-Chips war. Hier werkeln tatsächlich nur noch sechs Chips, davon vier in damals revolutionärer MOS‑Technik mit um die 1000 bis 2000 Transistoren pro IC. Das war damals ungeheuer viel (Spitzen-Notebooks von heute haben Prozessoren mit mehreren Milliarden Transistoren) und ein gewaltiger Fortschritt bei der Rechengeschwindigkeit. Dazu kam noch die Raum- und Energieersparnis.
Interessant ist auch die Anzeige, denn hier wurden zum ersten Mal in einem Rechner die eher seltenen Itron-Röhren verbaut. Die Verarbeitung ist extrem wertig: gekapseltes Netzteil, Goldkontakte, Tastatur mit Reed-Schaltern... Auch nach 50 Jahren knarzt, klemmt und wackelt nichts. Auf der Positivseite ist auch noch das damals seltene echte Fließkomma. Die Tastatur hat ein heute sehr seltsam anmutendes Layout mit gemeinsamer Taste für Multiplikation und Division, ohne Hilfe findet kaum jemand in nur 5 Minuten heraus, wie man da dividiert. Führende Nullen werden in der Anzeige nicht unterdrückt, die Nullen sind dafür halbhoch, was sehr gewöhnungs­bedürftig ist und ungeübte Nutzer eher noch mehr verwirrt. Nach dem Einschalten muss man zweimal C drücken, sonst steht Datenmüll in Anzeige und Register. Die Korrekturtaste löscht Anzeige und eingegebene Operation und holt das Register in die Anzeige zurück, das zweite Drücken löscht alles.
Die Seriennummer verrät Baujahr und ‑monat: Es ist November 1970. Durch die höher integrierten Chips mussten hier viel weniger elektronische Bauteile eingebaut werden, dadurch konnte auch der Preis niedriger sein: 1.790 DM (netto).

aus der Sammlung Bloemen

mehr Infos im
Old Calculator Museum
ein sowjetischer Nachbau bei
S.Frolov
Sharp
QT-8D
Nr. 000978X

14,5 x 25,5 x 8,5
1,5 kg
1969 - 1972
  • Anzeigeregister 8 Rechenregister;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung über eine Taste,
  • nur Fließkomma,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • Anzeige mit 8 Iseden „Itron“ CD10B (Vakuumfluoreszenz) und einer weiteren Röhre („Minus“),
  • Chipsatz besteht aus zwei einfachen ICs und vier MOS‑LSI‑ICs von Rockwell: NRD 2256 („numerical read‑in and display“), DC 2266 („decimal-point control“), AC 2261 („arithmetic control“, Register), AU 2271 („arithmetic unit“, der eigentliche Addierer).
1/1: Kaum Gebrauchsspuren, funktioniert (wenn man erst mal die Bedienung herausgefunden hat) einwandfrei.
Englische Anleitung als PDF vorhanden.

Von Jahr zu Jahr purzelten die Preise und heftiger Konkurrenz­kampf unter den Elektronikherstellern ließ letztlich nur wenige große Unternehmen bis heute bestehen. Sharp, das 1912 durch Tokuji Hayakawa gegründet wurde und bis 1970 auch unter dessen Namen firmierte, gehört zu diesen Herstellern und ist heute immer noch einer der Marktführer im Bereich elektronischer Rechner. Sharp ist heute auch nicht mehr selbständig, denn die Konkurrenz vieler neuer „Billigheimer“ aus China hatte auch dort zu massiven Verlusten geführt. 2016 hat die taiwanesische Hon Hai (hierzulande als „Foxconn“ zu recht zweifelhaftem Ruf gekommen) zwei Drittel der Sharp-Anteile gekauft (mehr Firmengeschichte).

Sharp CS-241

Dieser Rechner ist wieder groß: Die Elektronik ist hier nur wenig integriert (MSI), außerdem wurde das gleiche Gehäuse auch für Sharp-Rechner mit bis zu zwei Tastenreihen und zwei Stellen in der Anzeige mehr benutzt. Die Hauptplatine ist fast identisch mit dem vorigen Rechner, aber ein paar kleine Unterschiede gibt es. Er hat insgesamt ungefähr 55 ICs, deren wenige Transistoren nur elementare logische Funktionen (NAND-Gatter, Schieberegister etc.) bieten. Hier gibt es daher eine beeindruckende Menge von Transistoren, Dioden und Widerständen, die als „festverdrahtetes ROM“ die Rechnerlogik mit bestimmen.
Das Tastenfeld entspricht dem firmeninternen damaligen Standard, der sich auch auf vielen Facit- und Burroughs-Rechnern findet. Die Bedienung ist fast identisch mit dem Facit 1129, nur die Wahl von Rundung und Nachkommastellen ist etwas anders. Auf der Rückseite ist ein 60-poliger Stecker für ein Programmiergerät zum Speichern von Tastenfolgen. So ein Gerät war z.B. der „Memorizer 60“.
Innen ist ein Stempel mit dem japanischen Datum 45.10.29F: Das steht für den 29. Oktober des 45. Regierungsjahrs von Showa/Hirohito, also 1970. Der Neupreis: Auch hier heftige 3.300 DM (netto).

aus der Sammlung Bloemen

mehr Infos im
Old Calculator Museum
Sharp
CS-241
Nr. 01014711

30,5 x 32,5 x 11
5,3 kg
1970 - ca.1971
  • Anzeigeregister 14 Rechenregister,
  • Saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Register-Austausch,
  • gedrückte ×- und ÷-Taste leuchten,
  • maximal 7 Nachkommastellen einzugeben (sonst Überlauf),
  • Dividend/Divisor maximal 13stellig,
  • 2 Schieber für 0‑4, 6 oder 7 NKS und 5/4‑Rundung,
  • einrastende Taste für Speicherung des letzten 1. Faktors / Divisors / 2. Summanden / Subtrahenden als Konstante,
  • Tasten der Zifferneingabe waren nur einzeln zu betätigen,
  • Anschluss für Memorizer,
  • 3 manuelle Tausender-Trennmarken vor der Anzeige,
  • „Nixie“-Anzeige mit 14 Hitachi CD81 und einer H1501.
2/2: Eine Taste und das Gehäuse haben erste leichte Ermüdungsrisse, alles funktioniert einwandfrei. Nur kurz nach dem Einschalten „spinnt“ der Rechner für einige Minuten und schreibt selbsttätig Werte in die Anzeige, dann ist der Spuk wieder vorbei.

Eine eingedrückte Stelle am Netzschalter repariert, oxidierte Kugeln der Tastensperre mussten entfernt werden.

Mit Schutzhaube (etwas zerfleddert), KA.

Neckermann Haushaltkalkulator

„Richtige“ Rechenmaschinen waren für private Haushalte viel zu teuer, elektronische Rechner bis in die 70er-Jahre ebenfalls. Dieses Marktsegment wurde also meist von Zahlenschiebern oder Klein­addierern abgedeckt. Der „Neckermann Haushalt­kalkulator“ (nicht „Haushalts...“ - deutsch ist schon schwer!) ist ein später Vertreter dieser Gattung und zeigt seine Zielgruppe schon im Namen.
Man kann damit passabel addieren und subtrahieren (letzteres sogar einfacher als auf einer Resulta oder Summira, weil man das Rollenzählwerk in beide Richtungen drehen kann). Der Zehner­übertrag über alle Stellen, also z.B. von 9999999 auf 0000000, ist aber extrem schwergängig.
Leider kann man die Mechanik nicht untersuchen, ohne das Gerät zu zerstören, denn das Gehäuse aus dickem Plastik ist gut verklebt. Auch Reparaturen wären daher unmöglich.

Neckermann
Haushaltkalkulator


12,5 x 9,5 x 10
260 g
ca. 1970 - ?
  • Einstellwerk = Anzeige 7;
  • Addition und Subtraktion,
  • Löschhebel.
  • Addition: Zahn unter weißer Ziffer ganz nach unten ziehen,
    Subtraktion: Zahn über roter Ziffer ganz nach oben ziehen.
2/1: Gehäuse mit wenigen Gebrauchsspuren; funktioniert einwandfrei.

Hersteller ist eine (leider unbekannte) Firma in Japan. Das Modell wurde in Großbritannien und den USA als „Solo“ bzw. „Chadwick“ verkauft und in Deutschland bei Neckermann, dem großen Versandhändler aus Frankfurt, der in den späten 90er-Jahren der zweitgrößte Online-Versender Deutschlands war.

Schumm Rechenbox

Es geht noch kleiner: Diese Geräteart heißt englisch „Shopping adder“. Eine deutsche Bezeichnung gibt es nicht, weil diese Geräte praktisch nur in den USA und GB verbreitet waren. US‑Amerikaner und Briten fanden es offenbar besonders wichtig, beim Einkaufen die Summe stets mitzurechnen.
Die Schumm Rechenbox ist das einzige bekannte Modell aus Deutschland. Man klickt die Pfennig‑, 10 Pfg.‑, Mark- und 10 Mark-Stelle mit der Taste oben jeweils eins weiter, zum Löschen muss man dann alles einzeln (von rechts angefangen) auf Null klicken.
Das Gerät erfüllt m.E. nicht wirklich die Definition einer Rechenmaschine: Man kann zwar in jeder Stelle Eins zuzählen, „Rechnen“ finde ich das aber noch nicht. Eine „Maschine“ ist die Rechenbox jedoch, denn sie hat einen echten Zehner­übertrag.

Schumm
Rechenbox


9,5 x 2 x 4
40 g
1970 - ?
  • Anzeigeregister 4;
  • nur Addition von 1 in jeder Stelle.
1/3: Gehäuse nahezu ohne Gebrauchsspuren; funktioniert nur gut, wenn man die Tasten beim Lösen „schnicken“ lässt.

Erich Schumm war Unternehmer und Erfinder . Mehr als 1000 Patente hat er bekommen, das ist wirklich rekordverdächtig. Die beiden wichtigsten davon sind das ESBIT („Erich Schumms Brennstoff in Tabletten­form“) und . . . die Plastik-Fliegenklatsche!
Schumm starb 1979, die Firma mit Sitz in Murrhardt bestand aber weiter und stellte schließlich vor allem Handtuch- und Seifenspender her. 1994 wurde Schumm von der Haniel Textilservice übernommen. Deren Sanitärausstattungen werden heute (als CWS-boco) immer noch hergestellt, auch in Murrhardt.

Nisa K5

Die „große Schwester“ der Nisa K2 wirkt in Form- und Farbgebung ziemlich modern. Sie ist eine der letzten Neuentwicklungen einer handbetriebenen Maschine überhaupt und kam auf den Markt, als sich die ersten elektronischen Rechner schon gut etabliert hatten. Trotzdem muss sie zumindest im damaligen Ostblock noch eine große Verbreitung erfahren haben, denn man findet sie in Internet-Auktionen ofters. Auch eine Modellvariante mit Elektromotor wurde gebaut.
Das Zählwerk ist immer noch ohne Zehner­übertrag, ein Zähler mit Übertrag kann jedoch im sehr großen Resultatwerk simuliert werden. Man findet an ihr noch mehr Plastik als an der „kleinen Schwester“. Die Oberschale aus dünnem Kunststoff wirkt etwas klapperig (es gibt ganz selten auch eine Variante mit Metalloberschale). Auch die Kurbel und das Schlittentransportrad sind aus demselben Material und es zeigten sich z.T. erste Ermüdungsrisse. Unterschale und Inneres sehen dagegen recht stabil aus, sind aber auch erkennbar auf Materialersparnis hin optimiert.
Dieses Exemplar wurde 1975 gebaut. Es stammt aus einer Sammlung in München, daher ist mir nicht bekannt, wer es früher benutzt hat. Auch den Neupreis kenne ich leider nicht.

aus der Sammlung Veres Diese Stellleisten werden durch die
Tasten verschieden weit gedreht ...:
... und stellen diese Staffelwalzen
nach links und rechts:
Nisa
K5
Nr. AC 71133

40 x 31 x 17
4,7 kg
1970 - ca. 1976
  • EW 10 ZW 10 RW 20;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, 2 Löschhebel für ZW und RW.
  • Zehnerübertrag im RW nur über 11 Stellen,
  • im ZW rote Ziffern bei negativer Zählung (zwei 9er),
  • Schalter für Additionsmodus,
  • gleichzeitig 0 und 1 in Kolonne 10 drücken setzt einen provisorischen Zähler (Die 1 ganz links wird nicht mehr gelöscht), ein Zählerschieber setzt das wieder zurück.
1/1: Sieht bis auf kleinste Kratzer noch ausgesprochen gut aus, alles funktioniert einwandfrei.

Erste feine Haarrisse an Gehäuse und Schlittentransportrad geklebt/verstärkt, einige Gummipuffer innen erneuert.

KA.

Addo-X 9354

Auf den ersten Blick sind nur die Tastenfarben und das Firmenlogo anders als beim QT‑8D, bei einem zweiten Blick fällt der fehlende Tragegriff auf. Die Ähnlichkeit täuscht nicht, denn fast alle Elektronen­rechner von Facit und Addo sind von Sharp gebaut worden. Deren QT‑8D wurde leicht modifiziert und dann als Addo‑X 9354 bzw. Facit 1125 verkauft.
Wo dieser Rechner mal benutzt wurde weiß ich leider auch hier nicht, aber Baujahr und damaliger Neupreis sind bekannt: Ein Facit-Prüfetikett auf der Rückseite trägt das Datum 12.12.1972 (es handelt sich also um eines der ganz späten Exemplare), im Büromaschinen-Lexikon stehen für dieses Jahr 1.350 DM (netto). Ein Jahr zuvor waren es sogar noch 1.995 DM, also deutlich mehr als das gleiche Gerät vom eigentlichen Hersteller.

aus der Sammlung Bloemen
Addo-X
9354
Nr. 345031

14,5 x 25,5 x 8,5
1,5 kg
1970 - 1972
  • Anzeigeregister 8 Rechenregister;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung über eine Taste,
  • nur Fließkomma,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • Anzeige mit 8 Iseden „Itron“ CD10B (Vakuumfluoreszenz) und einer weiteren Röhre („Minus“),
  • Chipsatz besteht aus zwei einfachen ICs und vier MOS‑LSI‑ICs von Rockwell mit Datumscodes von 1969 bis 1971 (s. Bild oben rechts).
1/1: Nahezu neuwertig, funktioniert einwandfrei.

Zerbröselnde Gummifüße ersetzt.

Mit Schutzhaube, Anleitung identisch mit der des Sharp QT‑8D.

Sharp QT-8B

Das Gerät sieht nun wieder exakt wie der QT‑8D aus, selbst der Tragegriff ist wieder da. Auch das Innenleben ist praktisch gleich, aber eigentlich gab es ursprünglich einen wichtigen Unterschied: Statt des großen Netzteils waren hier früher sechs Akkus eingebaut und es wurde eine separate Ladestation mitgeliefert. Damit wurde der QT‑8B zum ersten netzunabhängige Elektronenrechner, wegen seiner geringen Größe konnte man ihn auch wirklich schon gut mitnehmen. Dafür war er dann (mit Ladestation) 460 DM teurer als sein Pendant mit Netzstecker: 2.250 DM (netto)!
Gebaut wurde dieses Exemplar im September 1970.
Sein Nachfolger hat immer noch den gleichen Chipsatz: Es ist der (noch kleinere) erste echte Taschenrechner der Welt, der Sharp EL‑8 (auch Facit 1111 / Addo‑X 9364).

aus der Sammlung Bloemen
Ein QT-8B mit Akkus und Ladegerät m
Vintage Calculators Web Museum
Sharp
QT-8B
Nr. 0109329

14,5 x 25,5 x 8,5
1,5 kg
1970 - 1972
  • Anzeigeregister 8 Rechenregister;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung über eine Taste,
  • nur Fließkomma,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • Anzeige mit 8 Iseden „Itron“ CD10B (Vakuumfluoreszenz) und einer weiteren Röhre („Minus“),
  • Chipsatz besteht aus zwei einfachen ICs und vier MOS‑LSI‑ICs von Rockwell.
2/2: Gehäuse und einige Tasten mit Gebrauchsspuren; funktioniert eigentlich einwandfrei, aber hier wurde nachträglich das Netzteil eines QT‑8D eingebaut (vermutlich weil die Akkus tot waren).

Auch hier Gummifüße ersetzt.

Mit Anleitung des QT-8D.

Facit 1129

Dieser Rechner ist nun vergleichsweise riesig, sogar größer als viele der mechanischen Maschinen. Das liegt auch daran, dass hier wieder nur MSI-Chips eingesetzt wurden, die durch eine beeindruckende Zahl von Transistoren, Dioden und Widerständen ergänzt werden. Einen der damals aufkommenden LSI‑Chips findet man hier noch nicht. Die Anzeige besteht wieder aus den teuren „Nixies“, auch die Tastatur entspricht dem damaligen Sharp-Standard. Für heutige Verhältnisse ist die Benutzung etwas ungewohnt: Eine Plus-Taste sucht man vergebens, führende Nullen werden nicht unterdrückt, es gibt kein Fließkomma und Werte für Multiplikation und Division dürfen nur je 13 Stellen haben, weil dabei eine Stelle im Register als Zählwerk benötigt wird. Werden kompliziertere Aufgaben gerechnet, dann vollführen die Anzeigen bis zu einer Sekunde lang einen wilden Tanz. Doch immerhin gibt es schon einen echten Speicher mit den heute noch üblichen vier Tasten.
Ungewöhnlich ist auch der 45‑polige Stecker an der Unterseite, an den man ein Programmiergerät zum Abspeichern von Tastenfolgen anschließen konnte. Der Rechner wurde damit schon programmierbar, allerdings noch ohne Verzweigungen und Sprünge.
Wo dieser Rechner benutzt wurde weiß ich leider nicht, weil er aus einer Sammlung stammt. Aber den Neupreis kenne ich: Heftige 3.300 DM (netto). Zum Vergleich: Ein VW Käfer in der einfachsten Ausstattung kostete damals etwa 5.500 DM brutto (nebenbei bemerkt: der Käfer war also seit 1950 preisstabil, nur die MWSt. kam ab 1968 oben drauf!). Ein Jahr später war der Preis des Rechners dann auf 2.590 DM gesunken, immer noch fast so viel wie ein halbes Auto.
Der Rechner wurde gleichzeitig als Addo-X 9677 verkauft. Ein genaues Gegenstück beim Hersteller Sharp kenne ich nicht, der CS-241 kommt dem aber nahe.

aus der Sammlung Bloemen
Facit
1129
Nr. 2.902.108

28 x 33 x 12,5
5,1 kg
1970 - 1972
  • Anzeigeregister 14 Rechenregister,
  • Saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Register-Austausch,
  • gedrückte ×- und ÷-Taste leuchten,
  • maximal 7 Nachkommastellen einzugeben (sonst Überlauf),
  • Drehschalter für 0 bis 6 NKS und Rundung (rot mit, schwarz ohne 5/4‑Rundung),
  • einrastende Taste für Speicherung des letzten 1. Faktors / Divisors / 2. Summanden / Subtrahenden als Konstante,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • Anschluss für Memorizer,
  • „Nixie“-Anzeige mit 14 Hitachi CD81 und einer H1501.
2/1: Einige Tasten und das Gehäuse mit leichten Gebrauchsspuren; alles funktioniert einwandfrei.
KA.

Faber-Castell 52/82

Als „Schulrechenstab für hohe Ansprüche“ wurde ab 1952 dieser Schul-D(oppelseitige)-Stab 52/82 angeboten, ab 1970 dann mit gleicher Nummer (aber ohne das „Schul-“ im Namen) dieses Modell mit leicht veränderten Skalen. Dieses Exemplar war der Schulrechner eines Freundes, die Anleitung ist vermutlich erst 1976 gedruckt worden. Der Preis damals lag bei knapp 20 DM.

Faber-Castell
D-Stab 52/82


32,5 x 5,5 x 1
75 g
1970 - 1976
  • Skalen: L K A (B Bl CI C) D LL1 LL2 LL3; hinten: T1 T2 DF (CF CIF S' C) D S ST P d.h.: log, Kubik, Quadrat (2x), Kehrwert des Quadrats, Kehrwert, Grundskala (2x), ex/100, ex/10, ex; hinten: tan für kleine Winkel, tan, πx (2x), Kehrwert von πx, sin/cos, Grundskala (2x), sin/cos, arc (auch tan/sin für kleine Winkel), Wurzel aus 1-(0,1x)2 („pythagoräische Skala“).
  • Sondermarkierungen auf Skala A/B: π, 1/π (M, f. Zylinderwandflächen); auf Skala C/D: 1,13+3,57 (C+C1, f. Zylindervolumen)π, π/180 (ρ),
  • der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war.
1/1: Wenig Gebrauchsspuren, Name des Besitzers eingraviert; einwandfreie Funktion.
Mit gut erhaltener Hülle und Anleitung.

Facit 1131

Der Facit 1131 ist schon 1971 beim Markteintritt ein Mix aus alt und neu: Die „Nixies“ kamen 1971 allmählich schon aus der Mode und wurden zwecks Kosten- und Energieersparnis durch die Panaplex‑, Digitron- oder seltener durch erste LED‑Anzeigen abgelöst. Im Inneren werkeln aber schon LSI‑Chips mit mehreren tausend Transistoren, was zu einer aufgeräumteren (und damit billiger zu bauenden) Platine führt. Die Benutzung ist für unsere heutigen Gewohn­heiten reichlich umständlich: Konstanten­operationen z.B. müssen über Schieber eingegeben werden, führende Nullen werden nicht unterdrückt und es gibt kein Fließ­komma. Warum der Rechner statt „M+“ und „M-“ nur eine „Sigma“-Taste hat bleibt wohl ebenfalls auf immer ein Geheimnis der Entwickler.
Wo dieser Rechner mal benutzt wurde weiß ich leider nicht, aber der Neupreis dieses Modells findet sich ebenfalls im Büromaschinen-Lexikon: 2.650 DM (netto).
Der Rechner wurde auch als Addo‑X 9676 verkauft. Ein genaues Gegenstück beim Hersteller Sharp habe ich bislang nirgends gefunden.

wunderschöne Detailbilder
einer Addo-X 9676 bei
Curtamania
Bedienung der Facit 1131 im
Youtube-Video
Facit
1131
Nr. 3101209

23 x 28,5 x 10
3,3 kg
1971 - 1972
  • Anzeigeregister 12 Rechenregister,
  • Saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • maximal 6 Nachkommastellen einzugeben (sonst Überlauf),
  • Schieber für 0, 1, 2, 3, 4 oder 6 NKS im Ergebnis (fortlaufende Multiplikation / Division stets mit 6 Nachkommastellen),
  • Schieber für Speicherung des letzten 1. Faktors/Divisors als Konstante und Wahl von Multiplikation / Division,
  • eingerastete Sigma-Taste saldiert Ergebnisse im Speicher,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • „Nixie“-Anzeige mit 12 Hitachi CD80P und einer H1501,
  • Chipsatz besteht aus 7 Mitsubishi ICs: M58242, MA8127, MA8119, MA8125, MA8118, MA8120 und MA8126.
1/1: Tasten mit leichten Benutzungsspuren, am Gehäuse keine Stoßstellen oder Kratzer; funktioniert wieder einwandfrei

Zäh gehende Null-Taste gängig gemacht.

Ein schöner Aktenkoffer dient als Zuhause, neue Anleitung geschrieben. DANKE an Serge Devidts von CALCUSEUM.COM für eine vierseitige Broschüre mit Kurzanleitung!

Sharp CS-243V

Einer der frühen Tischrechner von Sharp im Design der damaligen Oberklasse, mit dem sehr seltenen, gesonderten „Verify“-Speicher mit Kippschalter. Ansonsten ist der Funktionsumfang noch auf dem Stand des kaum älteren CS-241. Fließkomma kann auch dieser Rechner noch nicht. Statt der Nixies leuchtet hier eine preiswertere Panaplex-Anzeige. Auch die hat das schöne orange Plasma, aber nun an Segmenten statt gestaffelten Ziffern.
Innen ist der Fortschritt in einem Jahr enorm: Es sind nun wesentlich weniger elektronische Bauteile nötig, weil spezielle LSI-Chips nun die Hauptarbeit des Rechnens (und Speicherns) übernehmen. Nur die Ansteuerung des Displays braucht noch viele einzelne Transistoren, Widerstände, Dioden und Kondensatoren. Die Tastatur ist noch fast im alten Stil und komplett mit hochwertigen Reed-Schaltern bestückt.
Das Garantielabel nennt als Ablaufdatum Dezember 1972, ein Chips hat die Jahreskennung 1970. Das Baujahr ist also eher 1971.

Sharp
CS-243V
Nr. 29603107

22,5 x 28,5 x 9
2,7 kg
1971 - ca. 1973
  • Anzeigeregister 14 Rechenregister,
  • Saldierender Speicher;
  • „Verify“-Speicher;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Register-Austausch,
  • 2 Schieber für 0‑1, 2, 3, 4, 6 oder 13 NKS und 5/4‑Rundung,
  • einrastende Taste für Speicherung des letzten 1. Faktors / Divisors / 2. Summanden / Subtrahenden als Konstante,
  • Tasten der Zifferneingabe nur einzeln zu betätigen,
  • 14-st. Panaplex-Anzeige von Ushio und 3 Glimmlampen (Minus, Verify, Speicher),
  • Hauptchips NEC µPD612D, µPD641D, D635D.
2/1: Oberseite des Gehäuses deutlich vergilbt; alles funktioniert einwandfrei.
Neue Anleitung geschrieben.

Contex D11

Das Herz dieses Rechners ist ein abgewandelter Chipsatz S-100 von Electronic Arrays aus sechs LSI‑Chips: 110-5001 (Register Array), 140-5004 (Input Processing), 150-5005 (Output Array), 120-5013 (Control Logic), 180-5019 (zuvor 160-5014, Microcode ROM), 150-5017 (Arithmetic Logic). Dies war der erste Chipsatz, der frei auf dem Markt angeboten wurde. So konnte ihn jede Firma kaufen und damit einen eigenen Rechner bauen.
Auch Contex griff zu und baute einen Rechner in typischem Flunder-Design. Er hat eine sehr seltene Anzeige: Eine Nixie-„Monotube“ von Philips mit acht Ziffern nebeneinander in einer gemeinsamen Röhre (also 88 Kathoden in einer Röhre!).
Auf der Rückseite hat der D11 zwei Wahlschalter: Einen für die Nachkommastellen beim Einschalten, einen für verschiedene Netzspannungen von 100 bis 240 Volt. Die übrige Rückseite ist von einer stabilen Metallplatte mit einer Kurzanleitung. Schade, dass das nicht Schule gemacht hat!
Die Bedienung mit arithmetischer Eingabelogik ist halbwegs modern. Es gibt eine Taste für Konstanten (mit seltsamer Konstantenlogik), eine Taste für die Wahl der Nachkommastellen (die die Ziffern 8, 9 und das Komma rein mechanisch sperrt) und eine Taste, mit der die acht höheren Stellen angezeigt werden können, wenn das erforderlich ist: Der D11 hat nämlich eine Rechenkapazität von 16 Stellen (wenn diese Stellen sichtbar sind leuchtet das rechte Signallämpchen). Was aber schmerzlich fehlt ist ein Speicher, den haben erst spätere Modelle.
Der Rechner stammt aus einer Sammlung, wo er mal benutzt wurde ist daher leider unbekannt. Die Preisentwicklung zeigt den radikalen Preiskampf: 1972 kostete er 1.235 DM (ca. 1,3 Monatslöhne), ein Jahr später 915 DM, dann 598 DM (da nur noch ca. 0,5 Monatslöhne, die stiegen damals deutlich), 1975 wurde er nicht mehr angeboten.

aus der Sammlung Bloemen
Contex
D11
Nr. 024007409

20,5 x 21,5 x 7
2,5 kg
1971 - 1974
  • Anzeigeregister 16 Rechenregister;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • maximal 6 Nachkommastellen einzugeben (sonst Überlauf),
  • 2 Schalter zur Vorwahl von 0 bis 3 NKS und der Netzspannung,
  • 2 einrastende Tasten zur Wahl der NKS und Speicherung des letzten 2. Faktors / Divisors als Konstante,
  • 3 Leuchtanzeigen für Minus, Über­lauf und Belegung der Stellen 9‑16,
  • Taste für Wechsel der Ansicht zwischen den Stellen 1‑8 und 9‑16,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • „Nixie“-Anzeige mit achtstelliger Philips „Pandicon“-Röhre ZM1206,
  • Chipsatz S-100 von Electronic Arrays, Jahrescode 1971.
1/1: Gehäuse nahezu neuwertig; funktioniert einwandfrei.

Leicht ausgebrochene Null-Taste geklebt.

Kurzanleitung auf der Rückseite erklärt zwar alle Funktionen, trotzdem neue Anleitung geschrieben.

Olympia AM 209

Ein Exemplar dieses Modells stand ab 1971 auf dem Schreibtisch meines Vaters. Es ersetzte die Addo‑X, deren Reparatur nicht mehr lohnte. Da man mit ihr nicht wirklich multiplizieren konnte wurde sie durch eine Rechenscheibe ergänzt: Mit der Olympia wurde (z.B. für Rechnungen oder Inventuren) addiert, subtrahiert und gedruckt, mit der Rechenscheibe (z.B. für Handelsspannen, Preisaufschläge oder Rabatte) multipliziert und dividiert.
Diese Maschine ist nicht unsere von damals, aber stammt auch aus einem Lebensmittelgeschäft. Der Lieferschein zeigt, dass sie 1974 bei Papierfix in Landau gekauft wurde (diese Firma existiert noch).
Die AM 209 ist die letzte mechanische Maschine von Olympia, die in Serie produziert wurde. Ihre Funktionen sind genau die gleichen wie bei der Olympia 192‑030, sie kann ebenfalls nur addieren und subtrahieren. Aber es gibt hier statt Handhebel den Motor, was das Rechnen kräfteschonender und viel schneller macht.
Rechen- und Druckwerk bestehen fast völlig aus Kunststoff-Zahnrädern und ‑Hebeln, eine einzige Achse trägt alle rotierenden Teile. Tastendrücke werden mit Bowdenzügen auf den Stiftschlitten übertragen, von dort ins Resultatwerk mit Zahn­segmenten aus Kunststoff. Da auch das Gehäuse vollständig aus Kunststoff („Novodur“ Hart‑PVC) besteht ist die Maschine relativ leicht.
Diese Konstruktion lässt ganz deutlich die Absicht erkennen, mit sehr preisgünstiger Produktion der vordringenden Elektronik etwas entgegen zu setzen. Das gelang allerdings nur kurz: Während der langen Entwicklungszeit waren die Preise der Elektronik bereits rasant gefallen und sie fielen weiter. Der Verkaufspreis von anfangs 349 DM (später knapp 300 DM) machte sie bereits kaum noch preiswerter als die gleichzeitig angebotenen elektronischen Rechner.

mehr Infos im
(PDF)
Olympia
AM 209
Nr. 51-0172749

20,3 x 34,5 x 14,5
4,5 kg
1971 - 1974
  • EW 8 RW 9 Druckwerk 9st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • Nichtrechentaste,
  • Korrekturtaste.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck,
  • R-Taste für behelfsmäßige Multiplikation (während + / - gedrückt halten).
1/1: Nur minimale Gebrauchsspuren (Gerät wirkt auf den ersten Blick neuwertig), alles funktioniert perfekt.

Festgerosteten Hebel der R-Taste (die einzige Roststelle am ganzen Gerät) gelöst, zerfallende Schaumstoffstreifen im Inneren (zur Lärmdämmung) ersetzt, neues Farbband.

Mit Schutzhaube, Originalanleitung und dem originalen Umkarton mit Versandaufklebern von Olympia Braunschweig und einem Lieferschein vom 11.5.1974.

Es ist kein Zufall, das fast alle der hier genannten Firmen (z.B. Tröger, Schubert oder Facit/Odhner) in den frühen 70er-Jahren die Produktion all ihrer Rechenmaschinen und Rechenhilfen einstellten (und entweder untergingen oder auf ganz andere Produkte umschwenkten): Elektronische Rechner waren bis dahin immer erheblich teurer als die mechanischen Geräte gewesen, aber das änderte sich nun sehr schnell. Die immer höher integrierten Schaltkreise reduzierten die nötigen Arbeitsschritte und damit die Herstellungs­kosten der Elektronik immer weiter. So endete fast überall die Produktion mechanischer Rechenmaschinen, nur im Ostblock wurden sie noch einige Jahre länger gebaut.

Casio fx-1

Erster Rechner mit wissenschaftlichen Funktionen (Trigonometrie, Logarithmen, Potenzen etc.) war der Mathatronics 8‑48M aus dem Jahr 1964. Doch bis zum Anfang der 70er-Jahre waren solche Geräte extrem teuer und selten. 1972 kam dieser Rechner auf dem Markt, immer noch im Format eines (nicht mehr ganz so großen) Tischrechners und immer noch einer der ersten seiner Art. Sein Neupreis in Deutschland lag bei 2.695 DM (netto, also brutto noch über drei Monatslöhne).
Die Zusammenstellung seiner wissenschaftlichen Funktionen ist ungewohnt: Nur für den Tangens gibt es eine Umkehr­funktion, die Potenzfunktion geht nur mit ganzen Zahlen von 1 bis 9, nur zwei der drei heute üblichen hyperbolischen Funktionen sind zu finden, Pi ist auch nicht fest gespeichert. In der Anleitung wird aber gut erklärt, wie sich mittels diverser Umformungen auch die fehlenden Kreis- und Hyperbelfunktionen errechnen lassen, wie man über e und ln auch „krumme“ Potenzen rechnet und wie man Pi schnell findet (180° in rad umwandeln). Besonders die Kubikwurzel-Funktion rechnet sehr lange, bis 12 Sekunden dauert das hypnotisierende Flimmern der Ziffern dann. Der Test des Calculator Forensics Project ergibt hier 9,1017786367. Für die damalige Zeit ist das nicht wirklich gut, aber es gab (selbst in späteren Jahren) auch Schlimmeres.
Schon 1973 wurde das teure Nixie-Display durch ein preiswertes VFD ersetzt, doch die kurze Zeit der wissenschaftlichen Tischrechner war da eigentlich schon vorbei: Bereits ab 1972 wurde mit dem Hewlett-Packard HP‑35 ein wissenschaftlicher Taschenrechner für knapp 880 DM angeboten. Casio selbst konnte erst ab 1974 einen solchen Taschenrechner bieten, den fx‑10.
Dieses Exemplar wurde erstaunlicherweise früher in einem Gemischtwarenladen in Goslar benutzt, später noch zu Lohnabrechnungen der Vorarbeiterin einer Reinigungsfirma. Ich vermute mal, dass der Funktionstastenblock in beiden Fällen nicht sehr oft benutzt wurde. Wieso ein Einzelhändler an eine so teure und seltene Maschine kam bleibt rätselhaft.

mehr Infos im
Old Calculator Museum
Casio
fx-1
Nr. 206071

24 x 31,5 x 8
2,7 kg
1972
  • Anzeige,
  • Rechenregister,
  • saldierender Speicher,
  • 2. Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Kreisfunktionen, Hyperbelfunktionen, 10er- und natürlicher Logarithmus, Quadrat- und Kubikwurzel, ganzzahlige Potenzen (nur bis 9), Umrechnungen Grad zu rad, rad zu Grad und Grad/Minuten/Sekunden in Dezimalgrad.
  • Rundungs- und Kommastellen-Wahlschalter,
  • X-Y-Austausch und Vorzeichenwechsel,
  • Nixie-Anzeige mit 12 Hitachi CD90P,
  • Hauptchips NEC µPD173D, D174B, D5023, D5024, D5033, D5034.
2/1: einige Kratzer und andere kleine Gebrauchsspuren, die Zifferntasten sind vergilbt; alles funktioniert einwandfrei.
DANKE an Serge Devidts von CALCUSEUM.COM für die ausführliche Anleitung!

Casio (die westliche Schreibweise für den Gründer der Firma) wurde 1946 gegründet. Bereits 30 Jahre später war die Firma einer der Platzhirsche im Geschäft mit elektronischen Geräten, und heute ist sie das immer noch: Uhren, Taschenrechner, Kameras und vieles mehr werden gebaut.

Liebermann TE 8000

Aus 1972 stammt auch dieser vergleichsweise sehr einfache Rechner. Abgesehen von der Konstanten und dem seltenen Vorzeichenwechsel bietet er nur die Grundrechenarten, immerhin beherrscht er das Fließkomma. Die Werte werden mit Itron-Röhren angezeigt (leider ohne Nutzung des vorhandenen 8.Segments). Im einzigen LSI‑Chip sind sämtliche Rechenfunktionen, daneben finden sich noch eine ganze Reihe elektronischer Bauteile für Anzeige und Spannungsversorgung auf den Platinen.
Den Neupreis kenne ich nur aus dem holländischen Inserat eines anderen Vermarkters: 295 Gulden (Gulden und DM waren damals ungefähr gleich viel wert). Anders als der Rechner bei Calcuseum.com hat dieses Exemplar keine Seriennummer (mehr?).

Liebermann
TE 8000


14 x 21 x 8
780 g
1972
  • Anzeige,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher;
  • Grundrechenarten.
  • Konstanten-Taste,
  • Vorzeichenwechsel,
  • VFD-Anzeige mit 8 Iseden DG10FI und einer Iseden SP8B,
  • Chip TMS0105NC von Texas Instruments.
1/2: Kaum Kratzer und nur eine kleine Scharte; die Konstanten-Taste rastet wegen eines gebrochenen Nippelchens nicht mehr ein (Konstantenrechnungen also nur beidhändig), 3. Röhre von links leuchtet etwas schwächer.

Einige abgeschabte Ecken retuschiert, ein Kabel wieder angelötet.

Über die Liebermann & Co. S.A. ist im Netz nichts zu finden. Sie war nur einer der vielen Vermarkter dieses Modells, gebaut wurde es von der 1956 gegründeten TECO Electric & Machinery Co.. Diese Firma ist inzwischen einer der weltgrößten Hersteller von Elektromotoren.

Remington 1001

Dieser Tischrechner ist wieder etwas funktions­reicher als der vorige aus dem gleichen Jahr. Hier gibt es zwar kein Fließkomma, dafür aber einen Speicher. Die Tastatur ist dank Reed-Schaltern unverwüstlich, das Gehäuse aus extrem dickem Plastik auch.
Remington hat das solide Gerät bei Casio gekauft, nur Gehäuse und Tasten sind geändert. Das entsprechende Casio-Modell ist der Casio 101‑A.

Remington
1001
Nr. 805366

18 x 21 x 7
1,8 kg
1972
  • Anzeigeregister 10 Rechenregister,
  • saldierender Speicher,
  • Konstantenspeicher;
  • Grundrechenarten.
  • Totallöschung über MR und C gleichzeitig,
  • 2 Schieber für 0‑4 oder 6 NKS und 5/4‑Rundung,
  • Konstante nach doppeltem Drücken von × bzw. ÷,
  • 10 Nixie-Röhren Hitachi CD90P und eine Glimmlampe („Minus“),
  • LSI-Hauptchips Hitachi HD3210, HD3211, HD3212 und HN3205,
  • 3 manuelle Tausender-Trennmarken vor der Anzeige.
1/1: Gehäuse nur mit winzigen Kratzern und nicht vergilbt; funktioniert einwandfrei.
mit Originalanleitung

Die 1816 gegründete Waffenfabrik Remington ist nur der Namensgeber. 1886 verkaufte man die nebenher betriebene Schreibmaschinen-Herstellung (samt der ersten richtig erfolgreichen Maschine) an die Standard Typewriter Co., die sich Namensrechte sicherte und ab 1902 auch als Remington firmierte. 1927, nach der Fusion mit der Rand Kardex Co. hieß die Firma lange Zeit Remington Rand. Es wurden Rechenmaschinen, Rasierapparate und anderes produziert. Nach einer im Jahr 1955 erfolgten Fusion mit der Sperry Co. firmierte man als Sperry Rand. Die Rechenmaschinen (später auch die zugekauften elektronischen Rechner) nutzten aber weiter den guten Namen Remington.
Im Großcomputerbau war Sperry Rand lange führend, die UNIVAC-Rechner stammen von dort. 1986 wurde aber schon wieder fusioniert: Dann mit Burroughs, dem Marktführer bei druckenden Addiermaschinen. Die dabei entstandene Firma Unisys gibt es heute noch, sie ist vor allem Informatik-Dienstleister.
Remington gibt es als Marke ebenfalls noch, weil die Rasierer-Produktion gegen Ende der 70er-Jahre ausgegliedert und verkauft wurde. Die gehört heute zum Mischkonzern Spectrum Brands.

Walther ETR4

Auch Walther versuchte im Markt elektronischer Geräte mitzuhalten, und auch hier wurden anfangs keine Komplettgeräte aus Japan zugekauft (bis auf das erste Modell, das von Ricoh stammte), sondern selbst entwickelt und gebaut. Das merkt man den Rechnern auch an: Sie haben (wie auch die Contex-Rechner) ein eigenständiges, klares Design und sind hochwertig verarbeitet. Auch nach einem halben Jahrhundert wackelt nichts und funktioniert alles.
Der ETR4 ist schon fast ein Taschenrechner: Noch ein wenig zu groß für die Hemdtasche, aber schon gut transportabel (einige Schwestermodelle mit dem gleichen Gehäuse hatten bereits Akkus und waren damit netzunabhängig). Er wurde ein Jahr nach der Produktionseinstellung der WSR160 gebaut und kostete mit nur 398 DM (netto) kaum mehr als die Hälfte dessen, was zuvor für jene verlangt worden war. Angesichts dieses für 1972 recht niedrigen Preises wundert es, dass das Gerät heute so selten zu finden ist. Ob die (im Vergleich zu „Japanern“) geringe Produktionskapazität hier der begrenzende Faktor war oder ob es am fehlenden Speicher lag, der das Gerät zum Ladenhüter machte?

aus der Sammlung Bloemen

mehr Infos und schöne Detailbilder bei
M.Sigg
Walther
ETR4
Nr. 5062146

15 x 21 x 5
1,0 kg
1972
  • Anzeigeregister 16 Rechenregister;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • maximal 7 Nachkommastellen einzugeben (weitere werden ignoriert),
  • 0 bis 7 NKS durch gleichzeitiges Drücken von C und entsprechender Ziffer einstellbar,
  • Taste für Wechsel zwischen höheren und niederen Stellen (wenn mehr als 8 Stellen im Ergebnis sind),
  • Registeraustausch-Taste,
  • rastende Taste für Speicherung des letzten 2. Faktors/Divisors als Konstante,
  • „Nixie“-Anzeige mit 8 NEC LD8007 und 2 Glimmlämpchen (für Minus und Überlauf)
  • LSI-Chipsatz von Electronic Arrays mit FDY150‑5005, FDY190‑7010, FDY280‑7008 und FDY310‑7014.
1/1: Am Gehäuse eine einzige kleine Scharte bei ansonsten neuwertigem Aussehen; alles funktioniert einwandfrei.

Alle Platinen mussten gereinigt werden, drei Potis mit Kontakt61 aufgefrischt und geschützt, das zu Staub zerfallene Schaumstoff-Polster der Nixies erneuert.

Mit Originalkarton eines ETR2, Anleitung beim „Rechenkasten“ gefunden - herzlichen Dank dafür!

Aus Japan drängten in kurzer Folge immer billigere Rechner mit immer mehr Funktionen auf den Markt. Da konnte die „Walther Büromaschinen GmbH“ bald nicht mehr mithalten. Langlebigkeit war wegen der rasanten technischen Entwicklung kein Argument mehr. 1974 kam der erste Konkurs.
Bis 1986 verkaufte Walther sowohl mechanische als auch elektronische Geräte aus Lagerbeständen und ab 1980 auch aus Fernost zugekaufte elektronische Rechner (bis Mitte der 80er-Jahre als Firma „Walther Electronic AG“) und war zuletzt noch (als „Walther Data GmbH“) überwiegend in Nischenmärkten (z.B. für Fahrkarten-Buchungssysteme oder Rezeptleser) tätig. Seit 2014 gibt es nur noch den Waffenhersteller, die Stammfirma aller Walther-Unternehmen. Kunden, Personal und Maschinen der Walther Data wurden von MCon Global übernommen.

Contex 230

Einer der letzten Rechner von Contex im typischen Flunder-Design ist dieses Modell, dann kamen nur noch einige völlig anders gestaltete Rechner, die offensichtlich aus Japan zugekauft waren.
Statt Nixie-Monotube ist hier ein Panaplex-Display mit 12 Stellen verbaut. Man kann auch nur noch mit 12 Stellen rechnen, dafür gibt es einige Funktionen, die dem „Urahn“ D11 fehlen. Am wichtigsten ist sicher der 4-Tasten-Speicher, der das Gerät nun wirklich nutzbar macht.
Alle Rechenfunktionen und die Ansteuerung der Anzeige sind nun auf zwei höher integrierte LSI-Chips konzentriert, daneben gibt es nur noch sehr wenige Kondensatoren, Widerstände und Dioden.
Die praktische Kurzanleitung auf der Rückseite gibt es auch hier noch, ebenso die Konstanten­taste und die Wahl der Nachkommastellen. Dazu gekommen sind Registeraustausch und Prozent. Fließkomma kann der Rechner aber immer noch nicht.
Der Preis lag 1974 bei 998 DM (ca. 1 Monatslohn), das war etwa doppelt so teuer wie der gleichzeitig auslaufende D11. Zwei Jahre später wurde dieses Modell immer noch angeboten, aber mit „Preis auf Anfrage“ verramscht.

aus der Sammlung Kohl
Contex
230
Nr. 074007777

21 x 22,5 x 7
1,4 kg
1972 - ca.1974
  • Anzeigeregister 12 Rechenregister,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • maximal 6 Nachkommastellen einzugeben (sonst Überlauf),
  • Schalter zur Wahl von 0 bis 6 Nachkommastellen,
  • Schieber für Spannung 110/220 V,
  • 3 einrastende Tasten: Wahl der Rundung, automatisches Saldieren, Speicherung des letzten 2. Faktors / Divisors als Konstante,
  • 2 Leuchtanzeigen: Minus, Über­lauf,
  • Manuelle Einstellung der 1000er-Markierungen mit Drehknopf,
  • „Panaplex“-Anzeige mit 12 Stellen,
  • LSI-Chips EA 7023 + FDY 7022P von Electronic Arrays (Jahrescode Ende 1972 bzw. Anfang 1973).
2/1: Gehäuse etwas vergilbt; funktioniert einwandfrei.

Füße ersetzt.

Kurzanleitung auf der Rückseite erklärt zwar alle Funktionen, trotzdem neue Anleitung geschrieben.

Interton PC2008

Einfachere Taschenrechner wurden in der ersten Hälfte der 70er-Jahre schnell erschwinglich: Der erste elektronische Rechner in unserem Haushalt kam 1973, kostete damals „nur noch“ 150 DM und sollte die Rechenscheibe ersetzen.
Das erste Vorführen des (heute doch sehr primitiv anmutenden) Taschenrechners in der Schule führte zum Massenauflauf von Mitschülern und Lehrern. So etwas hatte dort noch keiner gesehen: Alle vier Grundrechenarten in Sekundenbruchteilen auf acht Stellen genau, die Eingabe super einfach - und alles wog weniger als ein gutes Pausenbrot!
Kein Wunder, dass alle mechanischen Vierspezies-Maschinen so schnell wertlos wurden. Nur unsere Rechenscheibe wurde einstweilen doch noch nicht überflüssig, denn der Taschenrechner blieb nun in meiner Schultasche.
Eine eigene „=“‑Taste gibt es hier noch nicht, eine Wurzeltaste fehlt auch. Aber die Betriebsanleitung erklärt, wie man mit dem Heron'schen Verfahren Quadratwurzeln bestimmt (das Toepler-Verfahren klappt hier natürlich nicht mehr).
Dieser Rechner ist nicht das Exemplar, das ich 1973 (bei Saturn Frankfurt) gekauft habe, das ist leider verschollen. Er stammt von einem Bankmitarbeiter, den ihn die ganzen Jahre immer noch als Reserve-Rechner herumliegen hatte. Immer wieder schön, dass auch manch Anderer funktionierende Geräte nicht wegwerfen kann!

Bilder vom Innenleben im
Virtual Museum of Calculators
Interton
PC2008
Nr. 245016

8 x 13,5 x 3
140 g (o. Batterien)
1973 (- ?)
  • Anzeigeregister 8 Rechenregister,
  • Konstantenspeicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Promille.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Wahl zwischen Fließkomma und 2 Nachkommastellen,
  • Konstante abschaltbar,
  • LED-Anzeige 8 LSI-Chipsatz: TMR012, 2x SN75491, CA3082 (und dazu ganze 5 Transistoren)
2/1: im Batteriefach leichte Säureschäden und die vier Gummifüße haben sich alle in Wohlgefallen aufgelöst, funktioniert perfekt.
Mit Etui und Originalanleitung.

Die Firma Interton gibt es immer noch, sie baut heute wieder nur das, was sie vor einigen Taschenrechnern (und einer halbwegs erfolgreichen Spielekonsole) auch gemacht hat: Hörgeräte!

Privileg 03987

Dieser einfache Tischrechner mit den in den 70ern verbreiteten „eckig-runden“ Tasten hieß eigentlich nur „privileg“, die 03987 ist die Katalognummer von Quelle. Es ist einer der letzten Rechner, die bei Busicom vor der Pleite gebaut wurde. Neben den Grundrechenarten gibt es als „Extras“ lediglich die abschaltbare Konstante für die Punktrechnungen, dazu die Wahl der Nachkommastellen (immerhin auch mit Fließkomma). Alle Rechenfunktionen sitzen in einem Chip, die übrigen elektronischen Bauteile sind für Stromversorgung und Anzeige zuständig. Letztere ist eine damals ganz moderne Panaplex-Einheit mit zehn Stellen, von denen eine ganz ungenutzt bleibt und eine nur für Minus und Fehleranzeige genutzt wird.

mehr Infos bei
F.Gallwitz
Privileg
(03987)
Nr. 49BQ153643

19 x 24,5 x 7
1,1 kg
1973
  • Anzeigeregister 8 Rechenregister,
  • Konstantenspeicher;
  • Grundrechenarten.
  • Wahl von Fließkomma oder 1‑6 NKS,
  • Panaplex-Anzeige 10st. (davon nur 8 zur Ziffernanzeige genutzt) von Ushio,
  • Chip TMS0105BNC von Texas Instruments.
2/1: Gehäuseoberseite vergilbt, einige Kratzer; funktioniert einwandfrei.

„privileg“ war die Technik-Marke von Quelle, unter der u.a. eine große Zahl von Rechnern verschiedenster Hersteller angeboten wurde. Quelle war einmal der Primus unter den europäischen Versandhäusern.
Die in Millionenauflagen gedruckten, viele cm dicken Kataloge prägten Käufer­verhalten, Stil und Mode in Westdeutschland. Doch auch hier wurde der Erfolg letzlich zum Verhängnis, denn die Trends der Zeit (Online-Handel, Shoppingcenter und flexible Preise statt Katalog, Kaufhaus und Festpreis) verschlief man. Der Untergang kam, als das Management nach der Fusion mit den Karstadt-Kaufhäusern von Kriminellen übernommen wurde, die den Konzern ausbluteten und das „Tafelsilber“ (= Immobilien) billig an ihre Kumpane verschoben. Karstadt-Quelle rutschte immer tiefer in die roten Zahlen, was 2009 zum größten Konkurs der bundesdeutschen Geschichte führte. Die Marken Quelle und privileg gibt es aber noch: Der einstmals größte Konkurrent Otto (der ab 2019 auf Kataloge verzichtet) sicherte sich die Markenrechte und nutzt heute Quelle.de mit weitgehend gleichem Sortiment wie otto.de (Taschenrechner gibt es dort auch). „privileg“ wurde an Whirlpool weiterverkauft, die unter der Marke vor allem Haushaltsgeräte vertreiben.

Siebert Rechentafeln

Indische Mathematiker kannten die Logarithmen schon vor der Zeitenwende, über Persien gelangte dieses Wissen später zu den Arabern. Ab etwa 1470 bis 1620 wurden sie durch Chuquet, Stifel, Bürgi, Napier und andere Gelehrte in Europa bekannt und erforscht (ich vermute, dass Chuquet auf arabische oder Sekundärquellen Zugriff hatte, aber es könnte natürlich auch eine Neuentdeckung gewesen sein).
Mit Logarithmen lassen sich viele sehr komplexe Rechenoperationen vereinfachen, daher wurden die Logarithmentafeln ein wichtiges Rechenhilfsmittel. Wikipedia erklärt Funktion und Geschichte der Tafeln viel besser als ich das könnte (wenn es ganz unpolitisch bleibt, kann man ihr meist vertrauen).
Auch wir haben in der Schule noch ganz kurz und recht oberflächlich Tafeln benutzt, dieses Buch ist mein Exemplar aus der Oberstufe. Mit den ersten Taschenrechnern wurden die Tafeln allerdings fast über Nacht bedeutungslos, heute lernt das niemand mehr (vermute ich jedenfalls).

Helmut Sieber / Klett-Verlag
Mathematische Tafeln
ISBN 3-12-716200-6

1973 - 1976
  • Tafeln mit Primzahlen, Kreisfunktionen, Abschreibungs­faktoren und Logarithmen.
  • astronomische Daten, Periodensystem, physikalische Größen,
  • herausnehmbare mathematische Formelsammlung.
2/2: Robuster Kunststoff-Umschlag, immer noch gut zu verwenden.

Den Schulbuchverlag Klett gibt es noch, natürlich sind Logarithmentafeln nicht mehr im Programm.

Formelscheiben

Formelsammlungen gab es nicht nur als Buch. Diese drei Drehscheiben sind keine Rechenhilfen im engeren Sinn, sondern Nachschlagewerk und Lehrmittel. Sie wurden in den 60er-Jahren von mehreren Gewerkschaften (in diesem Fall GdED) verteilt. Ich weiß nicht, ob sie vielleicht z.B. in der Lehrlingsausbildung benutzt wurden. Die leichten Schleifspuren der roten und gelben Scheibe zeigen aber, dass sie wirklich öfter genutzt wurden.



Die Scheiben waren eine Dreingabe zur Summira - herzlichen Dank dafür nach Bälau!
Kratschmer-Verlag (für die GdED)
Formelscheiben für
     - Bruchrechnung
     - Dreisatzrechnung
     - Raum- und Flächenberechnung

je 19,7 cm Durchmesser
?
2/1: Nur leichte Gebrauchsspuren.

Den Kratschmer-Verlag gibt es auch noch, er ist aber inzwischen von Bad Homburg nach Frankfurt umgezogen. Neben Broschüren und Formularen stellt er auch noch Rechen­scheiben aus Pappe (z.B. für die Reisekostenabrechnung) her.

Litronix 1100A

1974 wurde in den USA dieser Taschenrechner für knapp 40 $ verkauft. Der Funktionsumfang ist noch primitiver als beim Interton PC2008: Es gibt weder Fließkomma noch Konstante und nur entweder 0 oder 2 Nachkommastellen. Das reicht gerade mal für das Haushaltskonto, für genauere Rechnungen muss man wie beim Rechenschieber ohne Komma arbeiten und es im Kopf selbst setzen.
Intern arbeitet der Rechner mit mehr als den acht Stellen der Anzeige: Man kann bis zu 12 Stellen eingeben, von Ergebnissen mit 9-11 Stellen werden die niedrigsten acht Stellen angezeigt und man kann dann durch 1000 teilen, um die drei höheren Stellen anzuzeigen (als Zeichen dafür leuchtet links ein Punkt). Ergebnisse mit 12 Stellen „verlieren“ einfach die höchste Stelle, noch größere Zahlen blockieren den Rechner.
Die Platine ist bereits sehr aufgeräumt: Ein Chip für die Eingabe, einer für die Anzeige und alle Rechen­funktionen auf einem dritten Chip. Das galt schon als VSLI: „very large scale integration“. Auf dem Bild unten sieht man auch die Lupen über jeder der winzigen LED-Ziffern: Größere LEDs hätten den Preis deutlich nach oben getrieben.

Litronix
2001A
Nr. 130115

8 x 15,5 x 2
110 g (o. Batterien)
1974 (- ?)
  • Anzeigeregister 8 Rechenregister 11;
  • Grundrechenarten
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Wahl zwischen 0 und 2 NKS,
  • LED-Anzeige 8 Chips unbekannt, der Hauptchip ist beschriftet mit „019“
2/1: Eine Schadstelle (durch den Etuiverschluss) auf der Vorderseite; funktioniert immer noch einwandfrei.
Mit Etui.

Litronix war einer der bedeutendsten Produzenten von LED-Displays und lieferte diese ab 1970 auch an viele Taschenrechner-Hersteller. Ab ca.1973 versuchte man mit eigenen Taschenrechnern vom Boom der Branche zu profitieren, aber der ab Mitte der 70er-Jahre schon einsetzende Preisverfall der Elektronik trieb Litronix in die roten Zahlen. 1978 kaufte Siemens die Firma auf.

General Teknika 1218

Ein weiterer Rechner, dessen „eckig-runde“ Tasten ihn ganz eindeutig den 70er-Jahren zuordnen: Das Tasten-Layout und die Bedienung wirken nun viel vertrauter als das noch ein oder zwei Jahre früher üblich war: Hier gibt es Fließkomma, eine Prozent-Taste und sogar die Wurzelfunktion.
Die Anzeige ist aber etwas altertümlich. Sie besteht aus 12 Vakuumfluoreszenz-Röhren mit 9‑Segment-Ziffern (zwei Segmente mehr als üblich für schöne 4er) und einer Röhre für Symbole. Der Integrations­grad ist ebenfalls noch gering, neben den zwei LSI-Hauptchips gibt es noch einige einfachere ICs und viele einzelne elektronische Bauteile.
Im Büromaschinen-Lexikon steht als Nettopreis 799 DM, trotz deutlich größerem Funktionsumfang also wieder ein Stück günstiger. Damals wurden die elektronische Rechner allmählich erschwinglich für Normalverbraucher und kleine Firmen.
Als Precisa SP12MR wurde das Modell ebenfalls verkauft.

General
Teknika 1218
Nr. 8430

24 x 25 x 8
2,0 kg
1974
  • Anzeigeregister 12 Rechenregister,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Quadratwurzel.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Register-Austausch,
  • 4 Schieber für 0‑6 NKS oder Fließkomma, 5/4‑/Abrundung, automatisches Speichersaldieren und Konstanten­speicherung,
  • Anzeige mit VFD-Röhren (12 Futaba DG10W1 + 1 Futaba DG10S),
  • Hauptchips: NEC D282D und PD218C
1/2: Gehäuse und Tastatur wie neu; alle Funktionen einwandfrei, die Stelle 4 leuchtet etwas schwächer.
Mit Schutzhaube und Originalanleitung.

Privileg SR54NC

 ?

Drei Jahre nach Erscheinen des HP‑35 bekam ich meinen ersten wissenschaftlichen Taschenrechner. Das „SR“ im Namen steht für „Slide Rule“, diese Taschenrechnergeneration mit ihren vielen neuen Funktionen und niedrigen Preisen war es letztlich auch, die das Ende der Rechenschieber besiegelte. Dieses Modell stand mit 99 DM im Katalog. Viel günstiger waren die Rechenschieber schon noch, aber so kompliziert, langsam und fehleranfällig, dass sie gar keine Konkurrenz mehr waren.
In Konkurrenz stand dieser Rechner jedoch ganz sicher zu den damals führenden Taschenrechnern von Hewlett-Packard, denn es hat ebenfalls UPN als Eingabelogik. Dabei schneidet es sehr gut ab, durch einen damals revolutionären Chipsatz und höhere Stellenzahl bietet es deutlich mehr Leistung und Funktionen. Manche davon rechnen hier noch mehrere Sekunden lang (mit hypnotischem Display-Geflacker), doch die Genauigkeit ist schon ziemlich hoch: arcsin (arccos (arctan (tan (cos (sin (9)))))) ergibt 8.99999614252, was viel genauer ist als bei den damaligen HP‑Rechnern (die hatten auch Chips von Mostek, kamen aber nur auf 9.004076644) und immer noch eine Stelle genauer als der viel jüngere Casio fx‑82.
Es sind insgesamt nur fünf Rechnermodelle (plus zwei Klone) mit diesem LSI‑Chipsatz bekannt. Er konnte sich - trotz seiner Leistungsfähigkeit - nicht durchsetzen, vermutlich wegen der Eingabelogik: UPN bietet zwar wesentlich bessere Möglichkeiten, beim Benutzen muss man aber (zumindest anfangs) etwas mitdenken.
Wirklicher Hersteller ist recht sicher Commodore. Sowohl die Gehäuseformen als auch der Stil der Gebrauchsanleitung sind mir nur von dort bekannt.

mehr Bilder bei
MyCalcDB
Hier die extrem ausführliche
Anleitung zum funktionsgleichen
Corvus 500...
Privileg
SR54NC
Nr. unbekannt

8 x 15,5 x 3
130 g (o. Batterien)
1975
  • 4 Stackregister (eines davon angezeigt) mit je 12 Stellen,
  • 11 Speicher (davon 4 für statistische Berechnungen und 1 als „Last x“);
  • Grundrechenarten, Prozent, Delta-Prozent, Pi, Kreisfunktionen, Hyperbelfunktionen, 10er- und natürlicher Logarithmus, Quadratwurzel, Potenzen, Fakultät, Kehrwert, Mittelwert, Standardabweichung, 2‑dimensionale Statistik, Umrechnungen: Deg/Rad, XY‑/Polar-Koordinaten, °C/°F. l/gal, cm/in, kg/lb - und dazu überall wo es sinnvoll ist die Umkehrfunktionen!
  • „Umgekehrte Polnische Notation“ mit 4 Stapeln als Eingabelogik mit Stapelrotation, X‑Y‑Austausch, Last x und Vorzeichenwechsel,
  • LED-Anzeige mit 14 Stellen von National Semiconductor,
  • Chips: Mostek MK50075N, MK50104P und MK50103N.
3/1: Gummifüße völlig zerfallen und entfernt, Typenschild fehlt, weil ich es bereits als Schüler durch eine Liste wichtiger Formeln ersetzt hatte. Originalakkus tot und ebenfalls entfernt. Alle Funktionen laufen einwandfrei, ein einzelner Leuchtpunkt eines Segmentes ist tot.

Netzanschluss innen provisorisch neu verdrahtet damit er auch ohne Akku läuft (Betrieb mit 3 AA‑Batterien oder ‑Akkus ist weiterhin möglich).

Die Originalhülle wurde damals schon marode, als passender Ersatz fand sich das Etui eines ... ehrlich! ... Rasierwasser-Geschenksets :); Originalanleitung (mit vielen eigenen Korrekturen) vorhanden.

Commodore wurde 1954 von Jack Tramiel gegründet. Zuerst wurden Schreibmaschinen produziert, ab 1962 dann Taschenrechner, später auch Computer. In den 80er-Jahren beherrschte Commodore mit seinem C64 den Homecomputermarkt und expandierte weltweit. Auch bei Personal Computern wurde man zu Beginn der 90er-Jahre zumindest in Europa kurzzeitig zum Marktführer, aber letztlich unterlag man im harten Wettbewerb und schon 1994 wurde das Unternehmen liquidiert. Die Marke war jedoch so angesehen, dass die Rechte daran bis heute gehandelt werden und vor Gericht umkämpft sind.

Zu Privileg steht mehr beim „03987“.

Privileg PR55NC

 ?

Zeitgleich mit den SR54NC wurde dieser Rechner angeboten, auch der Katalogpreis war gleich. Das „PR“ im Namen weist darauf hin, dass das Modell programmierbar ist. Man kann ihm auch wirklich einige Tastenfolgen beibringen, die es mit jeweils neuen Werten auf Tastendruck neu durchrechnet. Das erweitert die Fähigkeiten des Rechners in der Theorie enorm, beim Ausschalten vergisst er aber leider das Gelernte. Modernere programmierbare Rechner haben das dann besser gemacht.
Auch hier erfolgt die Eingabe per UPN, aber es gibt sehr viel weniger Funktionen als beim SR54NC. Bei Kettenrechnungen sinkt die Genauigkeit wegen seiner geringen Stellenzahl schnell sehr deutlich: arcsin (arccos (arctan (tan (cos (sin (9)))))) ergibt hier 71.252182, das ist schon recht extrem.
Wirklicher Hersteller ist auch hier Commodore. Es gibt auch einen ungarischen Klon des Rechners. Dieses Exemplar war der Schulrechner eines Ingenieurs in meiner Verwandschaft.

Privileg
PR55NC
Nr. 10905

8 x 15,5 x 3
130 g (o. Batterien)
1975
  • 4 Stackregister (eines davon in der Anzeige sichtbar),
  • 1 Speicher;
  • Grundrechenarten, Kreisfunktionen, 10er- und natürlicher Logarithmus, Quadratwurzel, Potenzen, Kehrwert.
  • Programmierbar mit 102 Schritten
  • „Umgekehrte Polnische Notation“ mit 4 Stapeln als Eingabelogik mit Stapelrotation, X‑Y‑Austausch und Vorzeichenwechsel,
  • LED-Anzeige mit 12 Stellen von National Semiconductor,
  • Hauptchips NSC MM5758N und MM5766N, daneben 5 weitere ICs.
2/1: Ein Gummifuß fehlt, Typenschild etwas zerkratzt, Tasten teils vergilbt, Originalakkus tot und ebenfalls entfernt. Alle Funktionen laufen einwandfrei. Anleitung für den Novus 4525 Scientist PR (gleicher Chip, bis auf die D‑Taste gleiche Bedienung) vorhanden.

Silver-Reed Mini Calculator

Aus dem gleichen Jahr stammt dieser in Hongkong gebaute, sehr einfache Taschenrechner. Immerhin hat er einen 2‑Tasten-Speicher und automatische Konstante in allen Grundrechnarten. Alle Rechen­­funktionen, aber auch die Steuerung von Eingabe und Anzeige sind nun in einem Chip vereint. Das Gehäuse zeigt, dass der Chiphersteller Rockwell diesen Rechner vermutlich auch gebaut hat: Es existiert ein bau- und funktionsgleicher (aber in Mexiko montierter) Rockwell '76.
Das war eine Dreingabe zur Brunsviga MH. Der Neupreis ist unbekannt, aber vergleichbare Geräte gab es damals in den USA schon für etwa 15 $.

Silver-Reed
Mini Calculator


6,5 x 11,5 x 2,5
70 g
1975 - 1976
  • Anzeigeregister 8 Rechenregister,
  • Speicher (nicht saldierend),
  • automatischer Konstantenspeicher (Funktion und folgende Eingabe);
  • Grundrechenarten, Prozent.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung mit einer Taste,
  • mit Netzanschluss,
  • LED-Anzeige mit 8 Stellen,
  • VSLI-Chip Rockwell B5000CB von 1976.
2/1: Ein paar kleine Kratzer; alle Funktionen laufen einwandfrei. Kurzanleitung (von der Rückseite des Rockwell'76) vorhanden.

Silver-Reed ist kein Hersteller, sondern eine reine Handelsmarke vor allem für Rechner, Schreib- und Strickmaschinen. Ursprünglich gehörte die Marke zur Seiko Holding, heute ist Kashiwazaki US Tech (ein japanischer Hersteller von Plastikteilen) der Inhaber der Marke.

Royal 12MK

Mit nur zwei hochintegrierten ICs und sehr wenigen weiteren Bauteilen kommt der nächste Tischrechner aus: Quadratwurzel, viele verschiedene Funktionen und die komfortable Bedienung lassen den Rechner auch heutigen Ansprüchen genügen, es fehlt jedoch ein Drucker. Seltsam nach heutigem Maßstab sind noch die Konstantenlogik (für deren Eingabe und Nutzung gibt es zwei besondere Tasten) und der Postenzähler, der ggf. zwei Stellen der Anzeige belegt. Die ist ein damals modernes, aber auch heute noch übliches Vakuumfloureszenz-Display. Per Schieber wählt man fünf verschiedene, teils rätselhafte Funktionen der Prozenttaste.
Es gibt zwei Versionen des 12MK. Die frühe Version von 1975 hat ein paar Komfortfunktionen weniger, bereits 1976 kam dann diese verbesserte Version. Auf der Rückseite dieses Rechners ist ein Aufkleber mit dem deutlich späteren Kaufdatum 21.2.78, mindestens so lange wurde das Modell also vermarktet. Benutzt wurde es rund 20 Jahre lang als Bürorechner einer Imbissstube in Bocholt.

mehr Infos bei
F.Gallwitz
Royal
12MK
Nr. 69445873

17,5 x 24 x 7
1,1 kg
1975 - ca. 1978
  • Anzeigeregister 12 Rechenregister,
  • Konstantenspeicher,
  • saldierender Speicher,
  • Grundrechenarten, Quadratwurzel, Prozent.
  • Wahl von 0‑6 Nachkommastellen, Fließkomma oder Additionsmodus,
  • optional automatisches Speichern und Postenzähler,
  • Registeraustausch,
  • 5 verschiedene Prozentrechenarten,
  • 2 Tasten für Anzeige von Speicherinhalt bzw. Konstante ohne Störung des Rechengangs,
  • „Digitron“-Anzeige mit 12 Ziffern und einer Stelle für Symbole,
  • VSLI-Hauptchip Hitachi HD36117, Omron HD32614P für die Anzeige.
2/1: Gehäuse mit wenigen und kleinen Gebrauchsspuren, aber deutlich vergilbt; alles funktioniert einwandfrei.

„Ab Werk“ kalte Lötstelle (verhinderte das automatische Speichern) nachgelötet.

KA.

Die 1904 gegründete „Royal Typewriter Company“ war einer der großen Hersteller von Schreibmaschinen. 1964 wurde sie von Litton aufgekauft, 1979 kaufte die Volkswagen AG mehr als die Hälfte der Anteile (und erwarb von Litton gleich auch noch Triumph-Adler), 1986 gingen diese an Olivetti, und seit 2004 ist die Royal Consumer Information Products Inc. wieder selbständig (Firmengeschichte auf deren Webseite).
Wirklicher Hersteller des Rechners war jedoch Omron, die als OEM‑Hersteller viele Firmen belieferten (ein technisch baugleiches Gerät wurde auch für Triumph-Adler als TA 1216 hergestellt). Auch Omron gibt es heute noch, aber auch dort werden keine Rechner mehr gebaut, sondern vor allem Medizintechnik, Roboter und andere komplexe Elektronik.

Ibico 1217

 ?

1976 kam dann im Geschäft meiner Eltern endlich der Ersatz für Addiermaschine und Rechenscheibe, ein elektronischer Tischrechner mit Druckwerk. Solche Geräte wurden damals schnell Standard in allen Büros. Vor allem im kaufmännischen Bereich sind sie das auch heute noch, weil sich alltägliche Rechnungen damit viel schneller und komfortabler rechnen und ausdrucken lassen als mit einem Computer.
Dieser hier war für damalige Verhältnisse gut bis durchschnittlich ausgestattet und auch die grünen „Digitron“-Anzeigen waren damals Standard. Sie waren schön hell und kontrastreich, verbrauchten allerdings immer noch viel Energie. Im Inneren werkeln noch ein paar Chips mehr als zu dieser Zeit schon möglich gewesen wäre. Die Bedienung ist schon fast auf heutigem Niveau, nur die inzwischen üblichen Steuer-, Finanz- und Währungsfunktionen fehlen noch. So alte Tischrechner stehen aber auch heute noch in vielen Büros und verrichten dort ihren Dienst.

Ibico
1217
Nr. 6 05268

23 x 33 x 9,5
3,4 kg
1976
  • Anzeigeregister 12 Rechenregister,
  • Konstantenspeicher,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Postenzähler.
  • Registeraustausch, Wahl von 0‑6 NKS (kein Fließkomma!), 5/4‑Rundung, Additionsmodus, Konstante und Speichersaldo an‑/abschaltbar,
  • „Digitron“‑Anzeige mit 13 Stellen (1 davon für Vorzeichen und Fehler),
  • LSI-Chips: Sharp LI2004 und LI2005, 3x Sanyo B1288, Hitachi HD3233P, Toshiba 4358P (die letzten beiden für die Anzeige),
  • Drucker ist ein Epson Model 310 mit schwarz‑rot-Druck.
3/1: Gehäuse stark vergilbt, Kommataste mit leichten Sprüngen; alle Funktionen und Anzeige immer noch einwandfrei.
Mit Schutzhaube und Originalanleitung (beide etwas zerfleddert), dennoch neue Anleitung geschrieben.

Ibico („Inter Binding Corporation“) hat diesen Rechner sicher nicht selbst produziert, das Gerät sieht gar zu sehr nach Sanyo (heute Teil von Panasonic) oder evtl. TEAL als Hersteller aus. Die „Inter ...“ wurde 1998 von der „General Binding Corporation“ (GBC) gekauft. Im Internet gibt es Ibico nur noch als Firma in Karachi, Tischrechner sucht man dort aber vergebens. Dennoch gibt es auch heute noch Ibico-Tischrechner neu zu kaufen, wer auch immer die heute produziert (manchmal werden sie auch als GBC‑Tischrechner angeboten). Vielleicht werden heute alle Tischrechner der Welt in einer Fabrik gebaut und nur noch mit den verschiedenen Schildchen beklebt?

Casio HL-805

Ein Taschenrechner der Leistungsklasse, die es ab Mitte der 70er-Jahre schon in Millionen-Auflagen günstig zu kaufen gab. Der Funktionsumfang ist gering, immerhin gibt es Wurzeltaste und einfachen Speicher.
Das Besondere ist hier nur die damals neue, extrem stromsparende LCD-Anzeige: Auf dem Typenschild wird die Leistungsaufnahme ganz stolz mit 0,00029 Watt angegeben. Zm Vergleich: Der Litronix 1100A mit seinen LEDs verbrauchte noch das 1000fache, obwohl die LEDs schon erheblich sparsamer als z.B. Nixies waren.
Der Vorteil ist natürlich eine fast endlos haltende Batterie - oder der mögliche Verzicht darauf, weil eine Solarzelle nun auch reicht. Der Nachteil: LCDs sehen einfach sche...lecht aus!
Seriennummern sind bei Massenware wie solchen Taschenrechnern selten geworden. Der Verzicht spart vermutlich einige zehntel Cent pro Rechner, was bei den hohen Produktionszahlen schon richtig Geld bringt. Hier gibt es aber noch ein Papieretikett im Batteriefach: Ob das eine Seriennummer oder eine Kontrolleursnummer ist?
Der Chip wird hier nur noch von einem einzigen Entstörkondensator und zwei kleinen Widerständen begleitet, inklusive Anzeige nimmt die Elektronik daher nur noch etwa 1x1x6cm³ in Anspruch. Nur die Tastatur für dicke Menschenfinger erfordert noch größere Ausmaße.

Casio
HL-805
1E105A(?)

7,5 x 13 x 2
80 g (o. Batterien)
1977
  • Anzeigeregister 8 Rechenregister,
  • saldierender Speicher,
  • Grundrechenarten, Quadratwurzel, Prozent
  • zeigt die gewählte Grundrechenart oben in der Anzeige an,
  • LCD-Anzeige mit 8 Stellen,
  • C nach Überlauf lässt weiterrechnen,
  • Stromsparfunktion durch automatisches Ausschalten,
  • VLSI-Chip T6718 von Toshiba.
2/1: Nur die Rückseite ist reichlich eingegraut und verkratzt; alles funktioniert einwandfrei.

Sharp CS-6301

Der letzte Tischrechner von Sharp im „mittelalten Design“ und mit Panaplex-Anzeige, mit damals neuen Funktionen, mehreren Speichern und sehr großer Stellenzahl. Das war ein „Top‑of‑the‑range“-Rechner!
Hier sind schon nicht mehr alle Tasten mit Reed-Schaltern versehen. Alle Rechenfunktionen sind in einem VLSI-Chip enthalten, weitere elektronische Bauteile sind nur für Anzeige und Stromversorgung zuständig. Es gibt hier wieder den seltenen Verify-Speicher mit Kippschalter und eine Sondertaste die damit rechnet. Deren Funktion kann per Schieber geändert werden. Über abgesetzte kleinere Tasten werden die anderen Sonderfunktionen aufgerufen, darunter u.a. ein Postenzähler, eine Konstante und unterschiedliche Saldiermöglichkeiten der beiden „normalen“ Speicher.
Das direkte Nachfolgemodell hat dann schon eine grüne Digitron-Anzeige und eine völlig neue Tastatur (ganz ohne zuverlässige Reed-Schalter).

Sharp
CS-6301
Nr. 7900109Y

24,5 x 26 x 9,5
2,1 kg
1977 - ca. 1978
  • Anzeigeregister 16 Rechenregister,
  • 2 saldierende Speicher,
  • „Verify“-Speicher,
  • Konstantenspeicher;
  • Grundrechenarten, Quadratwurzel, Prozent, Postenzähler.
  • V-Speicher optional als konstanter Summand, Faktor, Dividend oder Divisor verwendbar,
  • optional Aufsummierung von Ergebnissen und/oder 1. Faktoren,
  • Löschung der jeweils letzten Ziffer (auch in Ergebnissen!) möglich,
  • Registeraustausch, Wahl von 0‑8 NKS, Fließkomma oder Additionsmodus, Auf‑/5/4‑/Abrundung,
  • Konstante und Speichersalden an‑/abschaltbar,
  • Panaplex-Anzeige Hitachi H1879C mit 16 Stellen,
  • VLSI-Chip Hitachi HD36103.
3/3: Gehäuse stark vergilbt; alles funktioniert einwandfrei, aber nach einigen Minuten läuft ein Varistor heiß, dann ist Abkühlpause angesagt.
KA.

Sharp EL-8048

Ein Gerät, das man gesehen haben muss, um an seine Existenz zu glauben: Taschenrechner und Soroban in einem Gehäuse vereint.
Auch in Japan rechneten Ende der 70er-Jahre noch viele Menschen gerne und schnell mit Soroban. Diesen Kundenkreis wollte man mit der seltsamen Kombination erreichen. Die Idee war einige Zeit erfolgreich genug: Das Modell ist schon die zweite Taschenrechner-Soroban-Kombination von Sharp, danach brachte man noch drei weitere Modelle mit dieser Kombination auf den Markt. Anzunehmen ist, dass geübte Soroban-Nutzer Additionen oder Subtraktionen weiter lieber rechts machten.
Eingabeerfassung, Rechnerlogik und Steuerung der Anzeige sind in einem Chip vereint, neben diesem und der Anzeige gibt es nur noch zwei Widerstände und einen Kondensator. Im Chip integriert ist neben Anzeige- und Rechenregister auch der merkwürdige Speicher, der nur mittels = oder % zu füttern ist und beim Abruf stets gelöscht wird. Er entspricht einem „Grand Total“-Register mancher alten Rechenmaschine.
Der anfängliche Neupreis dieses Modells betrug 5.500 Yen, das entsprach ungefähr 30 DM.

mehr zum Sinn der Kombination in
Chris Staecker's Youtube-Kanal
Sharp
EL-8048
Nr. 180

31 x 9 x 2,5
300 g (o. Batterie)
1979
  • Anzeigeregister 8 Rechenregister,
  • automatisch saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Quadratwurzel, Prozent
  • 13 Plastikstäbchen und 65 Plastikperlen
    oder technisch:
    ein 13stelliges Rechenregister
  • LCD-Anzeige mit 8 Stellen,
  • C nach Überlauf lässt mit dem Fehler weiterrechnen,
  • VLSI-Chip Sharp LI2070.
2/1: Rückseite und Ecken etwas zerkratzt; alles funktioniert einwandfrei.
KA.

Sharp PC-1401

Obwohl das hier wie ein Taschenrechner ausschaut, ist es ein „richtiger“ kleiner Computer (zugegeben: es ist der erste Taschencomputer von Sharp, der zusätzlich einen Modus für einen wissenschaftlichen Taschenrechner enthält). Zum einen gibt es das ins ROM eingebrannte BASIC, außerdem kann man über einige Umwege (die BASIC-Befehle PEEK, POKE und CALL) auch Maschinensprache in den Speicher laden. Das Mini-Display konnte dadurch dann auch einfachste Grafik anzeigen, der Piepser konnte endlich auch verschiedene Tonhöhen und der als Zubehör erhältliche Drucker wurde ebenfalls halbwegs grafikfähig.
Ich habe das kleine Ding 1984 von meinem ersten Lohn gekauft, es hat mich 25 Jahre lang durch das ganze Geschäftsleben begleitet. Damit habe ich meine ersten Programmiererfahrungen gemacht, vom Mondlandespiel über Zinsberechnung bis hin zum Programm für Preiskalkulationen. Den genauen Preis weiß ich leider nicht mehr, es dürften damals noch um die 250 DM gewesen sein (später sank der Preis auf etwa 150 DM). Spezieller fernsteuerbarer Kassettenrecorder (für die Datenspeicherung) und Thermodrucker kosteten nochmal fast genau so viel.

mehr Infos bei
Wikipedia
(...in solchen Dingen kann man der ganz gut trauen)
Sharp
PC-1401
Nr. 47013614

17 x 7,5 x 1
150 g
1981 - ca. 1987
  • Anzeigeregister 16 Rechenregister,
  • 2 saldierende Speicher,
  • 4,125 kB Speicher (davon 3,5 kB für Programme und Variablen nutzbar);
  • Grundrechenarten, Pi, Kreisfunktionen, Hyperbelfunktionen, 10er- und natürlicher Logarithmus, Quadrat- und Kubikwurzel, Potenzen, Fakultät, Kehrwert, Mittelwert, Standardabweichung, 2‑dimensionale Statistik, Umrechnungen: Deg/Rad, XY‑/Polar-Koordinaten, Dezimal/Hexadezimal.
  • CPU Sharp SC61860 mit 576 kHz,
  • LCD-Anzeige mit 16 Stellen bzw. 80x7 Pixeln,
  • 11-poliger Anschluss für Peripheriegeräte.
2/1: Boden stärker verkratzt, sonst leichte Gebrauchsspuren, Ein-/Ausschalter ohne Funktion (ersetzt durch Tastenbefehle); funktioniert einwandfrei.
Drucker, Kassettenrekorder und Originalanleitung vorhanden (dazu mehrere Bücher mit Programmen und Tricks).

Электроника Мк59 (Elektronika Mk59)

Der „Mikrokalkulator“ wurde 1989 in der Sowjet­union gebaut. Mit riesiger Stellenzahl (wovon aber eine fürs Komma gebraucht wird) und einem für die damalige Zeit hohen Integrationsgrad, aber sein Funktionsumfang ist nur etwa auf dem Niveau der West‑/Fernost-Rechner der frühen 70er-Jahre (also über ein Jahrzehnt „hintendran“). Zwei große und zwei kleine ICs enthalten praktisch alle Funktionen, ganz wenige Dioden und Widerstände sind daneben noch zu finden, die Platine wirkt daher schon sehr übersichtlich. Das Äußere wirkt jedoch irgendwie ein wenig „billig“. Immerhin gibt es Fließkomma, Prozent und Speicher. Arithmetische Eingabelogik, Registeraustausch, Vorzeichenwechsel und eine automatische Konstante machen das Rechnen noch komfortabler. Sehr ungewöhnlich ist die abgesetzte Einzelröhre, die nur die Festkommastellen anzeigt.
Verwendet wurde der Rechner in einer der vielen Werkstätten des damals größten Textilkombinats der UdSSR, der Kreenholmi Manufaktuur in Narwa, die jetzt größtenteils stillgelegt ist. Dort hat ihn der Vorbesitzer vor dem Abrissbagger gerettet.
Ein baugleiches Gerät von 1992 (S.N. 802813) habe ich auch noch. Es funktioniert leider nicht mehr, aber davon stammen die schöne rote Oberschale, die Anleitung und der Schaltplan.

Электроника
Мк59
Nr. 336304

23 x 21 x 7
1,1 kg
1982 - 1993
  • Anzeigeregister 16 Rechenregister,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent.
  • Wahl von 0‑9 Nachkommastellen oder Fließkomma, Vorzeichenwechsel, Registeraustausch,
  • VFD-Anzeige mit 16 Stellen, zusätzliche Einzelröhre (zeigt gewählte Nachkommastellen an),
  • VSLI-Chips K145BB7П und K145BB8П.
1/1: Nach Austausch der Oberschale fast neuwertiges Aussehen; alle Funktionen einwandfrei.
Mit Originalanleitung (leider russisch) und Schaltplan, KA.

„Elektronika“ war in der UdSSR die Sammelmarke für alle möglichen Arten elektronischer Geräte, egal aus welcher Fabrik. Dieser Rechner wurde im Kombinat „Positron“ in Ivano-Frankivsk in der Ukraine gebaut. Eine Firma unter diesem Namen existierte dort zumindest bis 2014.

Schneider PC

Die Firma Schneider vertrieb diesen von Amstrad hergestellten Computer in Deutschland unter ihrem eigenem Label. Es war hierzulande der erste für Privatnutzer erschwingliche „Personal Computer“. In diesem Marktsegment war damals der PC von IBM das Maß der Dinge, der Schneider PC machte aber einiges anders. Besser waren sein Prozessor (IBM benutzte die Variante 8088 mit reduziertem Datenbus und 4,77 MHz), die mitgelieferten Programme (u.a. die grafische Benutzeroberfläche GEM) und die Verwendung normaler AA-Batterien für's BIOS. Schlechter waren die Stromversorgung über das Netzteil des Bildschirms (wodurch kein Lüfter nötig war, aber der Austausch des Monitors unmöglich wurde), die inkompatible Maus und die inkompatible Tastatur.
Davon kaufte ich 1987 zwei Geräte, einen als Kasse im Laden (diesen hier), einen fürs Büro und zum Schreiben meiner Diplomarbeit. Das Bürogerät wurde irgendwann mit einer 10 MB-Festplatte aufgerüstet, das war damals richtig viel Speicher. Eine Inventur darauf zu rechnen dauerte aber noch mehrere Stunden.
Für die Kasse reichten die zwei Laufwerke anfangs aus, allerdings wurde das zweite 5-Zoll- gegen ein 3-Zoll-Laufwerk getauscht, weil da doppelt so viele Daten draufpassten. Auch die Geschwindigkeit war meist ausreichend, weil die Artikelnummern noch per Hand eingetippt wurden - heute unvorstellbar.
Gekostet hat das Gerät in dieser Ausstattung (640 kB RAM, zwei Laufwerke, Monochrom-Monitor) knapp 2.500 DM.

zeitgenössische Infos bei
„Happy Computer“

Es gibt einen Rechner dafür:
(in den „Sidekick“-Utilities)

Schneider
PC 1640
Nr. 531-8422525

47 x 60 x 45 cm (inkl.Tastatur)
14,2 kg
1987 (als PC 1512 schon 1986)
  • 640 kB RAM,
  • EGA-Monitor,
  • DR DOS-Plus, GEM, MS-DOS 3.2, Word 5, dBase III+, Multiplan, BASIC, ...
  • CPU Intel 8086 mit 8 MHz,
  • physischer Lautstärkeregler,
  • Anschlüsse für Joystick, LightPen, Drucker und serielle Übertragung.
2/1: Gehäuse leicht, Maus etwas stärker vergilbt, wenige Gebrauchsspuren; funktioniert einwandfrei.
Originalanleitung (ein ganzes Buch) vorhanden (dazu die gleich dicke BASIC-Referenz).

Amstrad steht für Alan Michael Sugar Trading, ein Handelsunternehmen für elektronische Geräte, das Alan Sugar 1968 gründete. Ab 1986 wurden beim aufgekauften Homecomputer-Hersteller Sinclair erst Computer, dann Unterhaltungselektronik und bis 2011 Bildtelefone gebaut. 2007 kaufte der payTV-Anbieter BSkyB Amstrad auf, heute stellt man dort nur noch Satelliten-Reciever her.
Die Geschichte von Schneider begann bereits 1859: Felix Schneider begann damals in Untertürkheim mit dem Bau von Holzwaschmaschinen. 1965 startete Leo Schneider die Produktion von Musikschränken. 1972 erwarb man den Radiohersteller Emud, 1974 auch die Büromaschinenproduktion von Walther. Einige Jahrzehnte war man mit niedrig- bis mittelpreisiger Unterhaltungselektronik recht erfolgreich.
Das Tochterunternehmen Schneider Computer Division wurde Anfang der 80er-Jahre gegründet und verkaufte anfangs Amstrad-Computer, ab 1988 die vom früheren Commodore-Entwicklungsteam entworfenen Eigen­produktionen. Dem harten Konkurrenzkampf hielt man aber nicht auf Dauer stand: 2002 erfolgte der erste Insolvenzantrag, 2005 endete die Produktion und die chinesische TCL kaufte die Reste auf.

Rebell Euro-Print 12

 ?

In den Funktionen ähnlich wie der Ibico 1217, doch zwei Jahrzehnte jünger: Die Flüssigkristall-Anzeige ist wesentlich stromsparender, das Gerät ist deutlich kleiner, mit Batterien betreibbar und daher portabel. Als neue Funktionen gibt es Währungsumrechnung und „MarkUp“. Der kleine Drucker ist allerdings deutlich schlechter. Diesen Rechner kauften wir für das Ausrechnen der Inventuren im eigenen Laden (das dauerte dann so ungefähr zwei Wochen, das bald danach eingeführte Warenwirtschaftssystem brauchte anfangs etwa zwei Stunden, zum Schluss 10 Sekunden). Ich benutze ihn gelegentlich noch als Taschenrechner auf dem Wochenmarkt. Die Euro-Umrechnung braucht man eigentlich nicht mehr (es würde auch zu traurig machen, viele Preise in DM umzurechnen ...), aber man kann die Funktion auch für Steuersätze zweckentfremden.
Im Internet habe ich dazu überhaupt keine Info gefunden: kein einziges Bild, keine Anleitung, keine Angaben zu Verbrauchsmaterialien. Inzwischen habe ich immerhin herausgefunden, welcher Drucker drin ist.

Rebell
Euro-Print 12

10 x 19 x 5
230 g (o. Batterien)
1998
  • Anzeigeregister 12 Rechenregister,
  • Konstantenspeicher,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Mark‑Up, Umrechnung zwischen zwei Währungen.
  • komfortable Endziffernkorrektur für die Eingabe (auch bei Ergebnissen einsetzbar), Wahl von 0‑6 Nach­kommastellen oder Fließkomma, Wahl von Auf‑/Ab‑/5/4‑Rundung,
  • LCD-Anzeige mit 12 Stellen,
  • Drucker ist ein (sehr langsamer) Alps PTMFL63 mit Typenkette,
  • durch die dafür optimale Logik der automatischen Konstante können per Näherungsrechnung Quadrat- und Kubikwurzeln schön einfach berechnet werden.
1/1.

Drucker mit einem Plastikkeil innen am Gehäuse fixiert, weil eine Halterung des Elektromotors gebrochen ist.

Neue Anleitung (vermutlich ausführlicher als die originale) geschrieben.

Rebell (die Marke gibt es auch heute noch, sie wurde aber von der tschechischen Moravia aufgekauft) hat diesen Rechner nicht gebaut, sondern als OEM‑Ware vertrieben, daher weiß ich nichts über den wirklichen Hersteller. „Made in China“ sagt das Etikett ... und die Platinenbeschriftung bringt auch keine Klarheit.

Casio fx-82SOLAR

Zum Vergleich hier ein moderner Rechner: Einen wissen­schaftlichen Taschenrechner, den es auch 2019 noch neu zu kaufen gab, also fast zwei volle Jahrzehnte. So etwas ist heute eine extrem seltene Ausnahme.
Der Rechner ist mit Funktionen gut ausgestattet, hat aber nur einen Speicher und geringe Genauigkeit:
arcsin (arccos (arctan (tan (cos (sin (9)))))) ergibt hier 9.000015685, das ging auf dem vier Jahrzehnte älteren Privileg SR54NC schon eine Stelle genauer. Es fehlen also offenbar die nicht angezeigten, aber mitberechneten „Schutzziffern“. Dafür hat er eine richtig gute Solarzelle, die auch bei wenig Licht ausreicht, es sind weder Batterien noch Netzstrom nötig!

Casio
fx-82SOLAR

7 x 12,5 x 1
60 g
2000 - ca. 2018
  • Anzeige 10+2 6 interne Rechenregister (für Klammern),
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Pi, Kreisfunktionen, Hyperbelfunktionen, 10er- und natürlicher Logarithmus, Quadrat- und Kubikwurzel, Potenzen, Fakultät, Kehrwert, Permutationen, Kombinationen, „Zufalls“zahl, 1‑dimensionale Statistik mit 6 Ergebnissen, Umrechnungen: Grad/rad/Gon, XY‑/Polar-Koordinaten, Sexagesimal‑/Dezimal-Winkel - und viele Umkehrfunktionen
  • Kann mit Brüchen und Grad-Minuten-Sekunden rechnen,
  • X‑Y‑Austausch, Stellenkorrektur und Vorzeichenwechsel,
  • LCD-Anzeige mit 10+2 Stellen,
  • Hauptchip vermutlich Hitachi HD62067 (wegen der Rechnerforensik).
1/1: Alles praktisch neuwertig, nur auf der Hülle ein paar leichte Kratzer; alles funktioniert.
Mit Hardcover, Anleitung auf der Casio-Webseite gefunden.

Apple iMac G4

Mit dem Design der „Nachttischlampe“ hat Apple mal wirklich etwas gewagt - und ich finde, es ist wundervoll gelungen. Das war auch der wirkliche Kaufgrund - gebraucht haben wir den iMac damals nicht wirklich, aber den Mut zum Design wollten wir belohnen.
Es gab den G4 mit vier verschiedenen CPUs und drei unterschiedlich großen Bildschirmen. Das hier ist der früheste Vertreter der Modellgeneration mit 15-Zoll-Monitor. Anfangs war das Gerät mit nur 256 MB Hauptspeicher ausgestattet. Nun ist es mit neuestmöglichem Betriebssystem und mehr Speicher aufgerüstet und hat in etwa das Tempo eines guten Pentium-III-Computers aus den „00er“-Jahren. Aktuelle Software läuft darauf natürlich nicht mehr wirklich, aber mitgelieferte Text- und Bildverarbeitung taugen für einfache Büroarbeiten immer noch. Unter dem vorigen MacOS 10.3 waren nur noch veraltete Browser einsetzbar, die mit https-Seiten nicht mehr gut zurecht kamen, doch nach dem Update ist das Gerät auch wieder passabel zum Surfen geeignet, auch wegen des (selbst nach heutigen Maßstäben) recht guten Bildschirms. Filme sollte man allerdings nicht streamen wollen...

mehr Infos beim
HNF
Apple
iMac G4
Nr. QT2222J7L3V

46 x 54 x 36 cm (mit allem, Bildschirm ganz unten)
11,8 kg
2002 - 2004
  • 1 GB RAM (PC133), 40 GB Festplatte,
  • XGA 1024x768 TFT 14,1'', Graka nVIDIA mit 32 MB,
  • Mac OS X 10.5.8 „Leopard“
  • CPU PowerPC 7450 mit 700 MHz,
  • Combo-Laufwerk (CD-Brenner/DVD-Leser),
  • 10/100 Ethernet, AirPort-Karte (kann leider nur WEP), 56k-Modem,
  • Anschlüsse: 3x USB 1.1 (+2 an der Tastatur), 2x FireWire 400, mini-VGA, Kopfhörer, Lautsprecher.
2/1: Tasten stark vergilbt, sonst kaum Gebrauchsspuren; funktioniert einwandfrei.

AirPort-Karte und Speichererweiterung eingebaut.

Originalanleitung und einiges an Software (realMYST ist klasse!) vorhanden.

Zu Apple muss man wohl nichts sagen, jeder kennt die Firma: Am 1.4.1976 gegründet, Pionier der Home- und Proficomputerwelt, lange Zeit Nischenhersteller mit Stärken im Marketing-/Multimedia-Bereich, seit dem Aufkommen der Smartfones der Platzhirsch in diesem Segment (das heute viel bedeutsamer ist als der Computermarkt). Hier ist deren Online-Präsenz...

Palm m515

Dieser Winzling ist ein Handheld-Computer oder „PDA“(= Personal Digital Assistant). Praktisch ohne Ende, spart jede Menge Zettelwirtschaft, ist wirklich klein, leicht und hat eine ziemlich intuitive Bedienung (z.B. Handschrifterkennung „Graffiti“). Dieser hier ist mein dritter - nun allerdings mit besserem Display als die früheren (auf Kosten der Akku-Laufzeit), dazu der Möglichkeit, den Speicher per SD-Karte um bis zu 1GB zu erweitern und last but not least lassen sich hier die Akkus leicht wechseln.
Das Gerät kann irgendwie alles, was zur Arbeit unterwegs gebraucht wird: Word- und Excel-Dateien lesen und teils bearbeiten, Adressen und Termine verwalten, eBooks lesen, Notizen und Skizzen erfassen, Einheiten und Währungen umrechnen, Arbeitszeiten merken. Ein paar Spiele und ein komplettes Astronomieprogramm sind auch noch dabei, nur Internet und MP3 kann er noch nicht. Dieses Gerät ist daher mein aktuelles Zweitbüro und Erstgedächtnis.
Rechnen kann man damit auch. Im Speicher sind dafür drei verschiedene Programme, eins davon wirklich sehr pfiffig und mit extremer Genauigkeit: arcsin (arccos (arctan (tan (cos (sin (9)))))) ergibt da tatsächlich genau 9.
Die hohe Zeit der PDAs dauerte nur wenige Jahre. Sie wurden ersetzt durch Streicheltelefone, die viel, viel mehr können, aber jeden Tag an die Steckdose müssen und den Herstellern (und bei Bedarf anderen Interessierten) zu jeder Zeit melden, wo sich der Besitzer aufhält, mit wem er zusammen ist und was er spricht, tut, hört, ansieht, denkt.


der BEZ-Rechner:

PalmOne
Palm m515
Nr. L0RP14521887

8 x 11,5 x 1
130 g
2002 - ca.2004
  • 16 MB RAM, 40 GB Festplatte,
  • LCD 160x160 (16bit Farbtiefe),
  • PalmOS 4.1 mit Launcher III, Adressen, Kalender, Notizen, DocToGo, PDF-Reader, eBook-Reader, ...
  • Motorola Dragonball VZ mit 33 MHz,
  • Cardslot für SD und MMC-Karten (mit SD-Karte 1 GB),
  • IR-Port, serieller Port (Dock oder Tastatur).
2/1: Rückseite verkratzt; funktioniert (wie auch die Synchronisation mit dem PC) einwandfrei.

Akku inzwischen mehrmals getauscht.

Mit Aluminium-Etui und externer Falttastatur für Unterwegs, viel Software im Archiv.

Palm, Inc. wurde 1992 in Sunnyvale gegründet und schon 1995 von U.S.Robotics aufgekauft. Die wurden 1997 wiederum von 3com „geschluckt“. 2002 lief das Geschäft mit PDAs bereits so schlecht, dass Palm unabhängig wurde und sich in zwei Firmen aufspaltete, einer zur Softwareentwicklung (PalmSource), einer zur Geräteproduktion (PalmOne). 2005 kaufte PalmOne dann wieder PalmSource und wurde von ACCESS aufgekauft. 2010 schließlich kaufte Hewlett-Packard Palm, doch die Zeit der PDAs und ihrer Software war vorbei. 2014 wurden die Reste von Palm an LG (Korea - Software, WebOS) und TCL (China - Smartphones, „Alcatel“) verkauft. Das bislang letzte Palm-Gerät ist der Palm companion, ein Android-Smartphone aus dem Jahr 2018.

IBM Thinkpad T43p

Das war für kurze Zeit mein Hauptarbeits- und Spielgerät. Grund für die Anschaffung war wie so oft die bessere Grafik, die Spiele (ich war zeitweise etwas Descent³-süchtig) stellten immer höhere Anforderungen.
Neu war Bluetooth und alles war etwas schneller und größer. Doch Prozessor, Speicher und Monitor saugen den Akku recht flott leer, für draußen war das also nichts.
Meines Erachtens sind die T4x (auf denen auch die heute aktuellen Betriebssysteme noch gut laufen) fast schon die Krönung der Notebooktechnik, danach (Stand Anfang 2020) kam außer den SSD nichts wichtiges besseres nach. Sicher: Noch viel mehr Speicher, gigantische Festplatten, noch schnellere Mehrkern-Prozessoren - aber die hohe Leistung wird mit Stromfresserei, Lärm und oft überzüchteten Akkus erkauft. In Sachen Haltbarkeit muss man auch mal schauen, was die neueren Geräte (vor allem die SSD-Platten) taugen.
Zugegeben: Auch die T4x hatten ein Problem mit Platinenbrüchen durch Verwindung („Flexing“) und ich habe ja inzwischen selbst eine schnellere Maschine auf dem Schreibtisch (tja, die Spiele...).
Am Dock hängen ein externer Bildschirm (per DVI), externe Tastatur, Maus, LAN und manchmal ein altes USB-ZIP-Laufwerk, eine Kamera oder ein Telefon. Der Drucker ist abgeschafft - das geht nun über das LAN.

Archiv von Lenovo für alte Notebooks Die vier Rechnermodi in Windows 7
(arcsin (arccos (arctan (tan (cos (sin (9))))))
ergibt auch hier sagenhaft genaue 9!):
IBM
Thinkpad T43p 2669-UN5
Nr. S L3-MEPN9

33 x 27 x 3,5 cm (geschlossen)
2,6 kg
2005 - 2007
  • 1 GB RAM (PC333), 60 GB Festplatte,
  • SXGA+ 1400x1050 TFT 15'', Graka ATI Mobility Radeon X300 mit 128 MB,
  • Win 7 Home Premium SP1, BIOS vom 21.8.06.
  • CPU Intel Pentium M Dothan mit 1,73 GHz,
  • „UltrabaySlim“-Wechselschacht mit Multi-DVD-Brenner 4/8/24x, PCMCIA-Slot, ExpressCard-Slot,
  • Gigabit-Ethernet, WLAN a/b/g, Bluetooth, 56k-Modem,
  • weitere Anschlüsse: 2x USB 2.0, VGA, Video-Out, Dock, Mikro, Kopfhörer, IR- und Parallel-Port
  • Tastaturbeleuchtung, Sondertasten für Webnavigation, Lautstärke und Hilfesystem.
2/1: Leichte Gebrauchsspuren; Akku schlecht, funktioniert am Netz einwandfrei.
mit externem Monitor (zugleich USB-Hub), externer Tastatur, Maus, und Netzteil.

Zu IBM muss man ebenso wenig sagen wir zu Apple, jeder kennt die Firma. Weniger bekannt ist vielleicht, wie IBM entstand: Der Bergbauingenieur Herman Hollerith war für die Volkszählung 1880 tätig. Die Rechnerei und Datenauswertung erschienen ihm wohl zu mühsam. Also überlegte er, wie man eine derartige Datenverarbeitung automatisieren könnte. Bei mechanischen Webstühlen verwendete man bereits seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts Lochkarten zur Musterprogrammierung (eine Erfindung von Vaucanson, die Jaquard weiter entwickelt hatte), Hollerith kam dadurch (und durch Tricks der Eisenbahnschaffner beim Lochen der Fahrkarten) auf die Idee, ebenfalls Lochkarten zu verwenden.
Er entwickelte die dazu nötigen Tabellier-, Sortier- und Lesegeräte, 1888 wurden sie erstmals (zur Erfassung medizinischer Daten von Soldaten) eingesetzt., 1889 wurde ihm das Patent erteilt.
Hollerith gelang es, das Büro der Volkszählung 1890 von seiner Methode zu überzeugen und es mietete seine Maschinen. Die Auswertung erfolgte wesentlich schneller und mit weniger Personal als zehn Jahre zuvor. Bald kamen weitere Aufträge, für die er die Maschinen seiner „Tabulating Machine Company“ wieder vermietete. 1910 trennten sich Census Bureau und Hollerith allerdings im Streit, ein Jahr später verkaufte Hollerith die TMC.
Die TMC fusionierte mit einer „Computing Scale Corporation “und einer „International Time Recording Company“ zur „Computing Tabulating Recording Corporation“, diese benannte sich 1924 schließlich in „International Business Machines Corporation“ mit dem Kürzel IBM um. Bemerkenswert ist, dass von 1914 bis 1955 Thomas Watson Chef erst der CTRC, dann von IBM blieb - also über vier Jahrzehnte!
IBM wurde zum zeitweise bedeutensten Büromaschinen-, Mainframe- und schließlich PC-Hersteller („wer IBM kauft wird nicht gefeuert“), auch heute ist es eines der größten Unternehmen der Branche.

Lenovo Thinkpad X60t

Für unterwegs erwarb ich dieses Gebrauchtgerät - es hat wieder das „X“ im Namen. Es war mein erstes Gerät seit dem Thinkpad 600x, das leicht und klein ist, trotzdem nicht nur Mäusekino bietet und mit rund 5 Stunden einigermaßen Akkulaufzeit hatte. SSD-Disk und ständige Prozessortemperatur unter 50 °C sorgen für flüsterleisen Betrieb.
Nachteilig ist aber der relativ dunkle Bildschirm. Bei Verwendung in Innenräumen macht das nichts, aber in der Sonne ist das Arbeiten fast unmöglich. Warum kann kein Notebook-Hersteller mal ein ordentliches, sparsames Outdoor-Display mit einem langsamen Prozessor, einer guten Tastatur und einem fetten, doch nicht zu energiedichten Akku zusammenschrauben?
Der X60 ist als Tablet nutzbar (am Touchscreen lassen sich z.B. Skizzen zeichnen, mit Projektor an die Wand geworfen macht das richtig Eindruck!), hat aber die sehr gute Tastatur gleich dabei, wenn richtig an Texten oder Programmen gearbeitet werden muss.
Ein Dock mit „UltrabaySlim“-Wechselschacht ist dabei, da passt entweder ein DVD-Brenner oder ein Festplatten-Adapter hinein. Deshalb dient das Gerät nun meist als DVD-Spieler am Fernseher und ist selten mit auf Reisen.

Archiv von Lenovo für alte Notebooks
Lenovo
Thinkpad X60 Tablet
Typ 6366-AJU
S/N LV-A6058 07/02

27,5 x 27 x 3,5 cm (geschlossen)
1,7 kg
2006 - 2008
  • 3 GB RAM (PC667), 80 GB SSD-Festplatte,
  • SXGA+ 1400x1050 TFT 12'', Graka Intel GMA 950,
  • Win 7 Home Premium SP1 (32bit), BIOS 1.15 vom 30.11.08.
  • CPU Intel Core Duo L2500 Yonah mit 1,83 GHz,
  • Gigabit-Ethernet, WLAN a/b/g, Bluetooth, IR-Port, 56k-Modem,
  • weitere Anschlüsse: 3x USB 2.0, Firewire 400, PCMCIA-Slot, SDCard-Slot, VGA, Mikro, Kopfhörer,
  • Sondertasten für Tablet- und Webnavigation, Abschalten von WLAN/Bluetooth, Sound,
  • Mikrofon, Fingerprint-Reader
  • Monitor nur mit Pen direkt bedienbar, kann umgeklappt werden.
2/1: Viele kleine Kratzer und andere Gebrauchsspuren; Akku noch passabel, funktioniert einwandfrei.
Dock mit „UltrabaySlim“-Wechselschacht (mit Multi-DVD-Brenner 4/8/24x), 4x USB 2.0, Parallel-, Seriell-, VGA-, Mikro-, Kopfhörer-, Modem- und Ethernet-Ports, mit 2 Pens, Funkmaus, Netzteil und Tasche.

Lenovo wurde 1984 von einer Gruppe chinesischer Wissenschaftler gegründet. Erst vertrieb man Computer und Drucker von IBM und HP, schon vor 1990 erschienen erste eigene Geräte. 2004 kaufte Lenovo die gesamte PC-Sparte von IBM (und damit auch die Marke „IBM ThinkPad“), 2014 das Mobiltelefongeschäft von Motorola. Heute ist Lenovo Marktführer bei PCs und Supercomputern. Größter Aktionär ist eine Holding im Mehrheitsbesitz der chinesischen Akademie der Wissenschaften.

Lenovo T400

Meine derzeitige Arbeitsmaschine (zugegeben: der größere Grafikspeicher ermöglicht auch neuere Spiele ... wieder mal der echte Anschaffungsgrund) ist nun auch schon über 10 Jahre alt. Was soll's? Sie tut alles was sie soll in vernünftigem Tempo, hat alle nötigen Anschlüsse und das letzte Betriebssystem für solche Geräte, das nicht vollends zum „Klicki-Klicki “ (Win8) oder Trojaner (Win10/11) mutiert ist. Auch Windows 7 telefoniert zwar gerne „nach Hause“, aber das kann man ihm noch ganz gut abgewöhnen.
Lenovo-ThinkPads stehen noch in der Tradition der Txx-Geräte von IBM und sind in Ergonomie und Anmutung der Verarbeitung tatsächlich ebenbürtig (die stammten ja vielleicht schon lange aus Lenovos Fabriken). Immer mehr Speicher, immer schnellere Prozessoren sollen die immer komplexere (und oft schlechter codierte) Software ausgleichen, aber aus diesem Rennen bin ich weitgehend raus. Das hier reicht, bis es entweder seinen Geist aufgibt oder neue Aufgaben oder Internet-Standards ein Upgrade erzwingen (davon träumen die Hersteller sicher). Wegen der Videokonferenzen musste ich inzwischen ja schon nachrüsten...
Dieses Exemplar ist zum Glück auch schön leise, weil der Prozessor nicht so heiß wird und eine SSD-Karte die Festplatte ersetzt. Am Dock hängen zwei große Bildschirme (VGA und DVI), Tastatur, Maus, LAN, Drucker, Kartenleser und - ganz wichtig - die Dockingstation für mein Erstgedächtnis.
Ach ja, der Neupreis (solche Geräte kann man für wenig Geld gebraucht kaufen): 1300 € - nicht mal ein Monatslohn.

Archiv von Lenovo für alte Notebooks
Lenovo
Thinkpad T400


33,5 x 24 x 3,5 cm (geschlossen)
2,4 kg
2008 - 2010
  • 2 GB RAM (PC1067), 250 GB SSD-Festplatte,
  • WXGA 1280x800 TFT 14,1'', Graka ATI Mobility Radeon HD 3470 mit 256 MB,
  • Windows 7 Home Premium 32bit, BIOS vom 7.12.2012.
  • CPU Intel Core 2 Duo T9400 mit 2,53 GHz,
  • „SerialUltrabaySlim“-Wechselschacht mit Multi-DVD-Brenner 4/8/24x,
  • 10/100 Ethernet, WLAN a/b/g, Bluetooth, 56k-Modem,
  • weitere Anschlüsse: 3x USB 2.0, FireWire 400, VGA, Kopfhörer, Lautsprecher, Dock, ExpressCard-Slot (mit Karte für 2x USB 3.0), Chipkartenleser,
  • im Dock: Parallel, Seriell, PS/2-Tastatur, PS/2-Maus, 4x USB 2.0, DVI,
  • Tastaturbeleuchtung, Schalter für Wireless/Bluetooth, Sondertasten für Webnavigation, Lautstärke und Hilfesystem.
1/1: Fast wie neu; Akku mit wenig Restkapazität, funktioniert am Netz einwandfrei.
Servicehandbücher und alle Treiber immer noch bei Lenovo zu finden - das ist vorbildlich!

Genie 510

 ?

Ein aktueller Taschenrechner-Winzling: Nur 33 g, fast schon Scheckkartenformat. Rechner dieser Klasse sind Massen- und Wegwerfware: fast so häufig wie Kugelschreiber und oft ebenso billig gebaut. Aber dieser Zwerg wirkt vergleichsweise solide, hat etwas mehr als die Minimalausstattung und eine ganz passable Tastatur. Er wird immer noch als Neuware angeboten, und das schon seit Jahren. Speicher und alle Funktionen sind in einem Chip integriert, der offenbar von Xerox stammt. Der Rechner wird bei Amazon als Staples 510 für knapp 3 € verkauft.
Dieser Rechner hat zwar weniger Ergebnisstellen als die etwa 360 Mal schwerere Brunsviga 20, dafür kostet er statt vier Monatslöhnen nur noch einen 600stel Monatslohn, und das mit viel größerem Funktionsumfang: In der Sprache der damaligen Zeit wären das ein saldierendes Speicherwerk, Rückübertragung, vollautomatisches Wurzelziehen, Dividieren und Multiplizieren, Kommaautomatik, Prozentautomatik. Von solcher Ausstattung und Rechengeschwindigkeit konnte man 1949 nicht mal träumen...

Genie
510

6 x 9,5 x 0,5
33 g
ca. 2010 - 2020
  • Anzeigeregister 8 Rechenregister,
  • Konstantenspeicher,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Quadratwurzel, Vorzeichenwechsel.
  • LCD-Anzeige mit 8 Stellen,
  • Chipsatz? Auf der Platine steht XRX‑120‑8...
  • Speicher- und Konstantenverwaltung auch hier geeignet, um sogar Kubikwurzeln relativ einfach zu berechnen.
1/1.
KA.

Genie ist eine aktuell aktive Firma für Büroartikel in Wiesbaden. Sie tritt auch als Hersteller vieler Taschenrechner auf, doch kauft offensichtlich alles bei diversen chinesischen Herstellern ein - oder wie man das heute vornehm ausdrückt: Sie lässt Geräte in Lohnfertigung herstellen.
Seit März 2019 ist Genie auch am Markeninhaber von Olympia beteiligt.

LG X110

Ein „Netbook“ ist eigentlich für unterwegs gedacht. Es hat kein Wechsellaufwerk, eine stromparende CPU und kleine Maße und Gewicht.
Das 10-Zoll-Display ist aber Mäusekino, das Touchpad recht unpräzise - also sollte eine Maus mit, was gleich wieder Volumen im Rucksack kostete. Und nur ein großer nachgerüsteter Batteriepack (inzwischen tot) bot mit vier Stunden halbwegs passable Laufzeiten, macht aber das Gerät dann deutlich schwerer und sperriger.
Irgendwie war das also auch noch nicht das Optimum für wirkliche Mobilität, doch alles in allem drastisch besser als der spionierende Apfelmist.
Wegen seiner geringen Größe, der großen Festplatte und dem SD-Karten-Slot dient es in vielen Urlauben immer noch als Speicher für die Fotos. Daher ist es der am weitesten in der Welt herum gekommene „Globetrotter“ unter meinen Geräten. Meist steht es aber auf dem Eßtisch und dient als Frühstückszeitung, weil es so wenig Platz wegnimmt. Seit ein neueres Firefox drauf ist, ist das Seitenaufbau-Tempo meist akzeptabel.


Der Rechner von XP:

LG
X110 LA7SAG
Nr. 810MSSZ008494

26,5 x 18,5 x 3,5 cm (geschlossen)
1,2 kg
2014
  • 1 GB RAM (PC667), 160 GB Festplatte,
  • WSVGA 1024x600 TFT 10,2'', Graka Intel GMA 950 128 MB shared,
  • Windows XP Home SP3, BIOS AMI EN021IL1 vom 13.10.2008.
  • CPU Intel Atom N270 mit 1,6 GHz,
  • Cardreader SD/MMC/MS, Touchpad, Kamera mit 1,3 MP
  • 10/100 Ethernet, WLAN b/g,
  • weitere Anschlüsse: 3x USB 2.0, VGA, Mikro, Kopfhörer.
2/2: Tasten etwas vergilbt und einige etwas locker, Akku fast tot; funktioniert gut, ist aber durch „XP-Verstopfung“ oft recht langsam.
mit Maus und Netzteil.

LG wurde 1947 als „Lucky Chemical Industries“ gegründet. Nach der Fusion mit dem Radiohersteller GoldStar wurde der Name in LG geändert. Heute ist LG einer der führenden Elektronikkonzerne der Welt, Tochterfirmen sind aber immer noch als Chemieunternehmen tätig. Die LG Group ist wohl immer noch unter Kontrolle und Führung der Gründerfamilie Koo - das ist heute selten.

Lenovo IdeaPad Duet

Der modernste Computer im Haus ist ganz was anderes: Ein „Chromebook“, eine Kreuzung aus Tablet und Notebook mit dem Android-Ableger Chrome OS. Anschaffungsgrund war die mangelnde Eignung aller anderen Geräte für Videokonferenzen: Der einzige andere Computer mit Kamera ist für heutige Ansprüche zu langsam. Außerdem will ich kein Konferenzsystem an mein Heimnetzwerk lassen, auch deshalb musste ein gesondertes Gerät her.
Die Bedienung ist für Smartphone-Nutzer sicher einfach, aber doch ganz anders als bei Windows. Viele Updates werden zwangsweise installiert, die Programme heißen nun „Apps“ und sind fast nur im Google-Store erhältlich (in der Regel per Kauf oder durch Zustimmung zu Werbeeinblendungen). Bedingung für die Installation ist außerdem ein Google-Konto und nur mit viel Mühe und ganz in den hintersten Ecken der Einstellung kann man dafür sorgen, dass Google (hoffentlich) nur wenig über die Nutzung erfährt. Ohne diese Anpassungen speichert Google praktisch die gesamte Nutzung: jedes Passwort, alle Suchen, jede Dateioperation, jede aufgerufene Webseite, die Dauer des Anschauens - natürlich alles nur, „um die Bedienung immer besser zu machen“ ... nun, man findet sogar bei Google selbst, woher die Gründer ihr Startkapital bekamen. Alles klar?
So schlimm das ist: Ich bin recht sicher, dass Microsoft das spätestens seit Windows 10 auch so macht - allerdings ohne es so offen zu sagen.
Bislang tut das Gerät, was es außer spionieren noch soll. Videokonferenzen laufen flüssig, allerdings ist eine Verbindung nur über WLAN möglich. Apps für Fernzugriffe, Textbearbeitung und FTP machen das Gerät als Zweitbüro für unterwegs nutzbar, und das bei gefühlt ewiger Akkulaufzeit. Lokale Speicher­zugriffe, Up- und Downloads sind rasend schnell. Die mit starken Magneten angeklipste Tastatur ist natürlich weit unter ThinkPad-Standard, aber besser als bei manchem Billignotebook. Der USI-Stift macht exaktes Positionieren leicht. Störend ist vor allem der spiegelnde Bildschirm, der natürlich auch nur Mäusekino (na gut, Katzenkino) bietet.


Eine Taschenrechner-App
(arcsin (arccos (arctan (tan (cos (sin (9))))))
ergibt hier 8,99999998):

Lenovo
IdeaPad Duet ZA6F
Nr. HA1BFY36

24,5 x 17 x 2 cm (geschlossen)
920 g
2021 - ...
  • 4 GB RAM, 128 GB SSD-Festplatte,
  • WUXGA 1920x1200 TFT 10,1'', Graka ARM Mali-G72 MP3,
  • Chrome OS 9013816.0 (32bit).
  • CPU Mediatek Helio P60T 8-core mit 2 GHz,
  • WLAN a/b/g/n, Bluetooth 4.2,
  • weiterer Anschluss: nur ein USB-C,
  • Sondertasten für Navigation, Suche, Helligkeit, Lautstärke und Fenster/Desktops,
  • Kamera 8 MP hinten, Kamera 2 MP vorne, Mikrofon,
  • Tastatur abnehmbar, Schalter für Lautstärke und Ein/Aus am Tablet.
1/1: Nach fast einem Jahr noch wie neu, Akku mit über 10h Laufzeit; funktioniert einwandfrei.
abnehmbare Rückseite mit integriertem Ständer, mit USI-Stylus, MiniDock (USB und HDMI), Kopfhörer-Adapter, Ladegerät und Tasche.

Wie geht's wohl weiter mit dem Rechnen und der Rechentechnik?
Inzwischen werden sogar einfache Taschenrechner schon langsam zur „Technik von gestern“, denn jedes Smartphone hat heute einen besseren Rechner integriert. Nur die Tischrechner in den Büros halten sich noch so einigermaßen, auch wenn sie nach meinem Eindruck immer weniger benutzt werden.
Zumindest in Naturwissenschaften und Handel wird deutlich weniger gerechnet als z.B. vor 50 Jahren: In ersteren baut man eher mal ein Computermodell und lässt das dann „laufen“ (wenn das Ergebnis nicht gut ausschaut, kann man ja die Vorgaben anpassen); in letzterem geben Hersteller oder Firmenzentralen ohnehin Preise vor, in die Kassen wird meist nur noch eingescannt und sogar das Wechselgeld (sofern überhaupt noch bar gezahlt wird) wird angezeigt. Die meisten Kunden können oder wollen nicht mal mehr nachvollziehen, ob ich ihnen dabei richtig herausgebe. Und wenn unsere Lehrlinge bei der Inventur zwei Flaschen aus einem 6er‑Kasten als Dezimalbruch in eine Liste schreiben sollen, dann wird das mit dem Smartphone ausgerechnet. Es wird in den Schulen nicht mehr beigebracht und geübt, dass zwei Sechstel gleich ein Drittel gleich 0,33... ist.
Offenbar rechnen immer weniger Leute noch selbst und die Fähigkeiten dazu lassen auf breiter Front nach. Man verlässt sich stattdessen immer öfter auf Computer, deren Rechenwege jemand anderes vorher programmiert hat. Ein Eintrag in die Formularmaske, Ergebnis wird angezeigt. Wird schon stimmen!
Sogar der Verband der Mathematiklehrer klagte 2019 darüber, dass die Referendare für das Fach Mathematik nicht mehr rechnen können...

Anleitungen


Unter dem Link rechts sind alle Anleitungen aufgelistet,
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Museen und Referenzseiten:


die Referenz für Rechenmaschinen und ‑hilfen, Online-Wiki
Online-Version des Standardwerks von „Ernst Martin“
DAS deutsche Rechenmaschinen-Museum!
mit den Sammlungen „adding machines“ und „calculating machines“
die Referenz für elektronische Rechner
Archiv des Büromaschinen-Lexikons bei Markus Sigg

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