Rechenhilfen, Rechenmaschinen und etwas Elektronik

Diese Sammlung gibt es vor allem, weil mir die Jagd nach alten, möglichst gut erhaltenen, technisch bemerkenswerten, vielleicht auch seltenen Geräten Spass macht. Vielleicht hat man in einem bestimmten Alter „(fast) alles erreicht” und braucht neue Ziele und Wünsche?
Aber es gibt sie auch, weil ich mithelfen will einige der Fertigkeiten und Kenntnisse zu erhalten, die es „früher mal” gab und deren Verlust droht. Das Erforschen des Innenlebens der alten Geräte, die Reparatur der kleinen und größeren Macken, die Wiederentdeckung der nicht immer offensichtlichen Funktionen und Methoden und deren Dokumentation zeigen einen kleinen Ausschnitt aus der Geschichte der Erfindungen, der Technik, der Industrie, der Organisation.

Eine Maschine darf bei mir ruhig verändert, aufgehübscht oder auch neu lackiert sein. Mich interessiert ein musealer „Originalzustand” nur am Rande, viel wichtiger ist mir das faszinierende Zusammenspiel der Schieber, Tasten, Hebelchen, Zahnräder und Kurbeln, das irgendwie befriedigende Gefühl, wenn alles auch nach über einem halben oder ganzen Jahrhundert immer noch (oder wieder) sauber läuft und korrekte Werte ausrechnet. Das kann möglicherweise nur nachvollziehen, wer selbst mal die Kurbeln dreht und die Mechanik hört, sieht und vor allem auch in den Fingern spürt.

Als Nebenaspekt verfolge ich gerne nach, wie die Maschinen gebaut, vermarktet und benutzt wurden: Wie teuer waren die Maschinen, wer nutzte sie (und wofür), welche Hersteller waren erfolgreich, was waren die Bedingungen für Erfolg oder Misserfolg? Zu den Baujahren, Produktionszeiträumen etc. finden sich im Internet allerdings oft unterschiedliche Angaben - das erfordert eine Einschätzung, welchen Quellen eher zu vertrauen ist. Manches ist auch nur per Schätzung anzugeben, und auch dabei werde ich mich natürlich mal irren. Wenn jemand dann mehr weiß: Ich bekomme gerne Infos dazu!

Die Geschichte der Rechenmaschinen ist in den USA ganz anders verlaufen als in Europa. Dort beherrschten anfangs die Addiermaschinen den Markt, später elektromechanische Halb- und Vollautomaten. Diese Geschichte kann ich bislang weder nachvollziehen noch darstellen. Schwerpunkt bleibt also einstweilen Europa - und die handbetriebene Mechanik, denn elektrifizierte Geräte sind mir in der Regel zu groß, zu schnell, ggf. auch zu gefährlich (Schutzisolation z.B. war früher kein großes Thema). Daher wird es hier höchstens als Ausnahme elektromechanische Geräte zu sehen geben - und von den elektronischen „Killern der Mechanik” auch vorwiegend solche, die wirklich bei mir oder in meinem Bekanntenkreis benutzt wurden (plus das eine oder andere wunderschöne Gerät, dessen Erwerb ich nicht widerstehen kann - Nixies sind einfach zu schön).

Klick auf Bild oder Name führt zum jeweiligen Gerät, die Links in der Fußleiste zu den Kategorien.

Neu:

  Lightning Adding Machine
Sharp Compet 6301
Privileg 03987
Brunsviga B
Sharp ElsiMate EL-8048
Burroughs Calculator 5205
(Übrigens: Eine 1€-Münze hat einen Durchmesser von 23mm!)

Übersicht der Sammlung:

 

Rechenhilfen, mathematische Instrumente, Tafeln

Suan Pan
Soroban
Ott Planimeter
Rechenaffe
Zivy Zähler
Rechenstab Aristo 89
Tröger Rechenscheibe
Rechenstab Aristo Scholar
Merkuria 190
Grafia 190
Siebert Rechentafeln
Schumm Rechenbox
 

Zahlenschieber und Kleinaddierer

Lipsia Addi 7
Rechenstab Castell Addiator 1/87A
Stima MSIII
Lightning Adding Machine
Record LM
Rechenstab Castell Addiator 67/22R Disponent
Addifix-9
Addimult Ziffrex
Resulta BS 7
Triumphator KA
ALCO
Neckermann Haushaltkalkulator
 

Addiermaschinen u. ä.

Burroughs Calculator 5205
NCR 1652
Brunsviga A 58
       
Olympia 192-030
Produx Multator II
Precisa 103
       
 

Staffelwalzen-Maschinen

TIM II
Rheinmetall Id
TIM I
Monroe LN-160X
Badenia TH13
Brunsviga 10
Friden H8
Archimedes H
Curta I
飛 魚 JSY-20
Nisa K2
Nisa K5
 

Vierspezies-Maschinen (soweit nicht in anderen Gruppen)

Mercedes-Euklid 4
Mercedes-Euklid 29
Hamann Manus „C”
Marchant H9
M.J.Rooy
 
Hamann Manus R
Numeria 7101
Numeria 5905
Contex 10
   
 

Sprossenrad-Maschinen „Typ Odhner”

Brunsviga B
Rema 1
Brunsviga MH
Triumphator C
Brunsviga M III
Brunsviga Nova II
Brunsviga 13RK
Walther RMK
Thales GEO
Brunsviga 20
Thales CER
Odhner 27
Rokli 7R
Brunsviga 13B
Schubert DRV (3x)
Rokli 16R
Melitta VII/16
Odhner 239
Walther WSR160
Triumphator CRN1
Brunsviga D 13 R-1
Феликс M
Busicom HL-21
Brunsviga 13RM
          →pinwheel.exe :)
 

Sprossenrad-Maschinen mit Tastatur

Madix HM
Facit 1-13
Mesko KR-19S
Facit CM2-16
   
 

Elektromechanik

Badenia TEH10
Addo-X 2341E
Precisa 164-12
Olympia AM 209
   
 

Elektronik

     Nixie/Elfin     Itron     LED     Panaplex     Digitron     LCD    

Denon DEC-61A4
General Teknika 1200
Sharp QT-8D
Addo-X 9354
Sharp QT-8B
 
Facit 1129
Sharp Compet 241
Facit 1131
Contex D11
Walther ETR4
 
Casio fx-1
Interton PC2008
Privileg 03987
Litronix 1100A
General Teknika 1218
 
Privileg SR54NC
Silver-Reed Mini
Royal MK12
Ibico 1217
Casio HL-805
 
Sharp Compet 6301
Sharp ElsiMate EL-8048
Электроника Mk59
Rebell Euro-Print 12
Casio fx-82SOLAR
Genie 510


Tabelle der Produktionsjahre:



 

Alle Geräte sind ab hier chronologisch (nach Jahr der Markteinführung) aufgeführt und wie folgt beschrieben:

Einführungstext
ggf. Infos zu Herstellern und Werkstätten
Bilder, Info-Links (Bilder anklicken öffnet meist größere, externe Links haben einen → )
Hersteller
Name/Modell/Typ
ggf. Seriennummer
Maße (B-T-H) in cm
Gewicht
gebaut von - bis
  • Speicherwerke (Kapazität);
  • Funktionen

  • Besonderheiten

Zustand, Sonstiges
Was war - außer reinigen und schmieren - zu tun?
Hülle / Anleitung?
 
Die ältesten Rechenhilfen der Menschheit sind wohl die eigenen Finger. Eine der ersten Erweiterungen war dann das „Rechnen auf Linien”. Spätestens die Sumerer kannten dieses Prinzip: Sie benutzten z.B. Kiesel und legten sie auf Linien, die sie auf Tische oder Platten ritzten oder malten. Die Römer nannten solche Rechensteine ganz einfach „kleiner Kieselstein” ... auf lateinisch „calculus”. Und wenn später Muscheln, Münzen oder anderes anstatt der Steinchen benutzt wurden blieben das „calculi” - und deshalb „kalkulieren” wir.
Die ersten „richtigen Geräte” mit fest eingebauten calculi kennen wir von den Römern als „→abacus”. Das ist für uns daher der Oberbegriff für alle Varianten: den in der westlichen Welt geläufigen Kugelrechner (der hierzulande nur für Kindergarten-Kinder noch eine Rolle spielt), den russischen Stschoty, den chinesischen Suan Pan oder den japanischen Soroban.
Das sind keineswegs Geräte „von gestern”: Man schätzt, dass rund 40% der Weltbevölkerung zumindest gelegentlich immer noch eine der Abakus-Varianten nutzen, obwohl einfache Solar-Taschenrechner durch Massenfertigung inzwischen spottbillig sind.
 
 

Suan Pan („Abakus”)

Vielleicht schon vor 1000 n.Chr. (so genau weiß man es nicht, weil die erste eindeutige Abbildung erst aus dem Jahr 1573 stammt) entwickelte sich in China der Suan Pan. Dass die Idee dazu über die Seidenstraße in den Osten wanderte ist möglich bis wahrscheinlich, chinesische und italienische Historiker sehen das aber unterschiedlich.
Die chinesische Variante hat pro Reihe fünf Perlen in einem unteren Abteil („Erde” genannt) und zwei Perlen oben (der „Himmel”). Jede Perle unten, die zur Mitte hin geschoben wird steht für den Wert 1, jede zur Mitte geschobene Perle oben für 5. Die Reihe ganz rechts steht dabei für die Einer, die Reihe links daneben für die Zehner usw. (jedenfalls, wenn man nicht mit Nachkommastellen rechnet). Damit kann pro Reihe jeder ganzzahlige Wert bis 15 dargestellt werden - was dem Rechnen mit den in China früher verbreiteten hexadezimalen Maßen entgegen kam.
Bis 2002 soll es in China noch verpflichtende Abakus-Prüfungen für bestimmte Buchhaltungsberufe gegeben haben, auch heute noch wird der Umgang damit gelehrt. Im ostasiatischen Raum gibt es daher Spezialisten, die selbst kompliziertere Rechnungen im Handumdrehen machen, entsprechende Schnellrechner-Wettbewerbe finden statt. Auch im Alltag wird immer noch mit dem Abakus gearbeitet - zumeist da, wo eher nur addiert und subtrahiert werden muss, z.B. auf Märkten.

→Was damit alles geht...
   
Lotus Flower

25 x 12 x 2,5
240g
? - heute
  • 13 Bambusstäbchen und 91 Holzperlen
    oder technisch:
    ein 13-stelliges Rechenregister
  Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand, praktisch neuwertig.
Hülle und Anleitung fehlen.
 
 

Ott Planimeter

Neben Hilfsmitteln zum allgemeinen Rechnen gab und gibt es auch viele Geräte für besondere rechnerische Anwendungen. Ein Beispiel sind die Planimeter zur Flächenberechnung z.B. in Landkarten, in technischen Zeichnungen oder auch in der Lederindustrie. Es gibt mehrere verschiedene Arten, eine davon ist das 1854 von Jakob Amsler erfundene Polarplanimeter.
Dieses Exemplar wurde irgendwann um 1945 herum in Kempten gebaut. Man stellt die Armlänge auf den Kartenmaßstab ein, setzt die Spitze auf einen beliebigen Punkt am Rand der zu messenden Fläche, liest den Wert der Skala ab (oder stellt auf Null), führt die Spitze einmal möglichst exakt im Uhrzeigersinn um diesen Rand und liest den Wert wieder ab. Mit einer kleinen Korrekturrechnung (die Angaben dazu stehen im Etui des Geräts) hat man schnell die Fläche ermittelt - hier im Bild die Fläche des Plattensees (übrigens 594 km²). Die Genauigkeit des Gerätes ist bei größeren Flächen meist höher als die der Zeichnung.
Albert Ott gründete 1873 in Kempten eine Firma zum Bau diverser Messinstrumente. →Die Firma existiert noch, gehört aber seit 2002 einer „Heuschrecke” und baut inzwischen keine Planimeter mehr, sondern Messgeräte für Wasserwirtschaft und Meteorologie. Doch auch heute noch werden Planimeter hergestellt, →z.B. hier.

→Mehr Infos zu Planimetern
   
A.Ott
Modell 30 (?)
27,5 x 6 x 3,5
No. 55425
220g

  • 2 Noniusskalen an Arm und Messrad, zusätzliche Skala für Anzahl der Messraddrehungen.
  • Mit Kalibrierungslineal und Ersatzspitzen.
Kosmetisch guter, funktional sehr guter Zustand: Einige Stoßstellen ausgebessert, Polarm nachlackiert, oberer Spitzenabschluss durch Nachbau ersetzt, alle Skalen einwandfrei; auch die Kalibrierung stimmt noch.
Mit Etui (intakt, aber stark abgestoßen), Anleitung aus dem Internet heruntergeladen und ausgedruckt.
 
Einfache mechanische Rechenhilfen wie Abakus, Zahlenschieber o.ä. einerseits, aber auch elektronische Tisch- und Taschenrechner werden gerne mal als „Rechenmaschinen” bezeichnet. Das ist aber nicht ganz korrekt (...und stört erheblich bei der Suche auf ebay...), denn jede richtige „Maschine” hat per Definition eine mechanische Kraftübertragung zwischen einzelnen ihrer Teile. Ob über Hebel, Zahnräder, Seilzüge, Druckleitungen oder sonstwie - das ist dabei egal. Bei der erstgenannten Gruppe wird aber alles direkt von Hand bewegt, und auch bei den elektronischen Geräten werden die einzigen bewegten Teile, die Tasten, ebenfalls von Hand bewegt.
Die →erste echte Rechenmaschine für Addition, Subtraktion und Multiplikation baute sich der Mathematiker und Astronom Wilhelm Schickard im Jahr 1623. Damit war er seiner Zeit noch voraus: Der Bedarf nach solchen Maschinen war kaum vorhanden und nur der Astronom Johannes Kepler erhielt ein weiteres Exemplar. In den Wirren des 30jährigen Krieges gingen beide Exemplare unter, die Erfindung wurde bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts vergessen.
1643 entwickelte Blaise Pascal eine →weitere Rechenmaschine, die seinem Vater, einem Steuereintreiber, helfen sollte. Offenbar entwickelte sich da schon erster Bedarf nach solchen Maschinen, denn etwa 50 weitere Exemplare wurden gebaut und von verschiedenen Stellen genutzt.
Ein weiterer Entwicklungsschritt wurde 1671 durch Gottfried Wilhelm Leibniz gemacht, der die →Staffelwalze erfand und damit im Laufe mehrerer Jahrzehnte eine Maschine konstruierte, die nun auch dividieren konnte (und damit alle Grundrechenarten, die „vier Spezies ” des Rechnens, beherrschte). Auch von dieser Maschine wurden nur wenige Einzelstücke hergestellt.
Auch →im 18. Jahrhundert wurden vereinzelt Rechenmaschinen gebaut. Doch der Stand der Technik ermöglichte immer noch nicht die für eine Serienfertigung notwendige Präzision. Also blieben Rechenmaschinen unerschwinglich teure Einzelstücke und verschwanden meist in den Kuriositätensammlungen der Fürsten.
Erst im frühen 19. Jahrhundert wuchs der Bedarf nach mechanischer Hilfe beim Rechnen. Geschossbahnen, Versicherungsrisiken, die Statik von Brücken und vieles mehr sollten nun immer öfter (und genauer) berechnet werden. Zugleich hatte sich nun die Feinmechanik weiter entwickelt. Uhren, Waffen, Nähmaschinen und andere Geräte konnten bereits immer präziser hergestellt werden. Damit waren die Voraussetzungen für eine Serienproduktion zuverlässiger Rechenmaschinen gegeben.
Ab 1820 entwickelte der Versicherungsdirektor C.X.Thomas de Colmar in Paris die erste in Serie gefertigte Maschine, das →Arithmometer. Erste Kunden waren ab 1850 Versicherungen, Banken und große Handelshäuser, dazu kamen staatliche Einrichtungen für ihre Artilleristen, Landvermesser, Ingenieure und Wissenschaftler. Einige Jahrzehnte blieb das Arithmometer das einzige Gerät aus Serienfertigung, dann liefen die Patente ab und andere Hersteller konnten Nachbauten auf den Markt bringen. Ab etwa 1880 kamen so immer mehr und immer ausgereiftere Rechenmaschinen auf den Markt, dann auch häufiger mit den von Odhner entwickelten →Sprossenrädern. Andere Schaltprinzipien dagegen blieben bei den Vierspezies-Maschinen die Ausnahme.

Auch für „Zweispezies-Maschinen” (die also nur addieren und subtrahieren konnten), meist als Addiermaschinen bezeichnet, entstanden Nachfrage und Angebot: Diese erfüllten insbesondere im kaufmännischen Bereich den Bedarf meist gut genug oder gar besser.

Neben den echten Maschinen wurden aber immer auch einfachere Rechenhilfen gebaut und vertrieben. Sie blieben wegen der einfacheren Herstellung deutlich billiger und bedienten den Massenmarkt vom Auslieferungsfahrer bis zur Hausfrau.

Aus all diesen Geräteklassen gibt es hier Beispiele ... nun aber zu meiner ältesten echten Rechenmaschine:
 
 

Rechenmaschine Brunsviga B

„Modell B” war der erste von Brunsviga hergestellte Maschinentyp, aber im Lauf der Jahre wurde er ständig weiter entwickelt: Zuerst kamen eine verlängerte Kurbel, die Warnglocke für Über- und Unterlauf sowie ein außenliegendes Getriebe für die Löschung des Eingabewerks dazu. Dann wurden erste Sperren gegen Fehlbedienungen eingebaut, der anfangs nur über 10 Stellen gehende Zehnerübertrag wurde auf alle 13 Stellen ausgedehnt und die frühen „Kommastöpsel” wurden durch Schieber ersetzt. Das ist der Entwicklungsstand dieses Exemplars. Die Löschung des R-Werks ist hier während der Kurbeldrehung noch nicht gesperrt; oben links im Deckblech ist ein kleiner Schlitz, aber der bei anderen Exemplaren dort durchgehende Hebel fehlt.
Später wurde noch das Schlittenschloss verbessert und eine Drehrichtungssperre eingebaut, gelegentlich sollen auch Exemplare mit Einstellkontrollwerk hergestellt worden sein. Eigentlich handelt es sich beim „Modell B” also eher um eine ganze Modellfamilie.
Diese frühen Maschinen von Brunsviga waren alle noch recht groß. Die Gehäusebleche sind sehr dick, alle Teile (von den Sprossenrädern bis zu den Flügelschrauben) sind sehr massiv ausgelegt. Hier bricht und verbiegt sich noch nichts, diese Maschine könnte bei guter Pflege vermutlich auch in weiteren 110 Jahren noch funktionieren, selbst wenn sie wieder häufiger benutzt werden sollte.
Diese Brunsviga B wurde der Seriennummer nach 1909 gebaut. Der damalige Neupreis war 505 Mark, das entsprach dem durchschnittlichen Tariflohn eines Arbeiters für ein halbes Jahr. Die Vorbesitzer haben die Maschine aus Schweden bekommen. Auf der Holzplatte ist der Aufkleber der A.B. Hadar Schmidt aus Stockkholm, diese Firma hat damals viele Rechenmaschinen nach Schweden importiert (u.a. war sie schwedischer Generalvertreter für die damals noch in Russland gebauten Odhner-Maschinen).
Brunsviga ist der latinisierte Name von Braunschweig. Dort hat der Hersteller 1871 als Nähmaschinenhersteller „Grimme, Natalis & Co.” begonnen, ab 1892 wurden auch (in Lizenz von Odhner) unter dem Markennamen „Brunsviga” hauptsächlich Sprossenrad-Maschinen gebaut, mit denen die Firma sehr erfolgreich wurde. Erst 1950 wurde dieser Marken- auch zum Firmennamen, schon neun Jahre später wurde Brunsviga von Olympia übernommen. Binnen weniger Jahre wurde die Produktion der meisten handbetriebenen Maschinen eingestellt, die letzte handbetriebene Brunsviga wurde 1969 in Spanien gebaut. Das letzte Brunsviga-Gerät überhaupt war dann ein kleiner →wissenschaftlicher Taschenrechner aus dem Jahr 1975 (den hat Brunsviga/Olympia natürlich nicht selbst gebaut, sondern aus Fernost zugekauft).
→Prinzip des Sprossenrads (Youtube)  
Brunsviga
B
Seriennummer 12523

34 x 17 x 12,5 (o.Brett)
8,4kg
1892 - ca.1925
  • Eingabewerk 9-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 3 Flügelschrauben zur Löschung der drei Werke.
  • Zehnerübertrag nur im R-Werk.
  • im U-Werk rote Ziffern bei negativer Kurbeldrehung,
  • Anzeige der Drehrichtung rechts neben dem Eingabewerk.
Kosmetisch und funktional guter Zustand: Bleche wohl neu lackiert, Zahlen gut erhalten, Verchromung teils etwas angegriffen; einwandfreie Funktion, nur gelegentlich hakelt mal eine Sprosse etwas.
Eine Unterlegscheibe unter den linken Schlittenanschlag gelegt und Schlittenblech etwas gerade gebogen - schon war die vorherige Schwergängigkeit weg!
Ohne (Blech-?)Haube und Anleitung, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenmaschine TIM II

Diese Rechenmaschine stammt aus Berlin, trägt aber einen englischen Namen. TIM steht für "Time is Money": Der Hersteller wählte das wichtigste Verkaufsargument für eine Rechenmaschine als Marke. Offenbar mussten kurz nach 1900 die potentiellen Kunden noch davon überzeugt werden, dass sich der Einsatz solcher Maschinen lohnte.
Wie beim Arithmometer von Thomas erfolgt die Eingabe der Zahlen hier noch mit Schiebern: Die verschieben jeweils ein Zahnrad auf einer Vierkant-Achse so, dass je nach eingestellter Zahl verschieden viele „Rippen” einer Staffelwalze dieses Zahnrad (und damit die Achse und die Anzeige im Resultatwerk) drehen.
Die TIM ist damit noch ganz nahe am Typus der ab ca. 1850 erfolgreichen Rechenmaschinen, hat aber einen viel zuverlässigeren Zehnerübertrag und das massive, unempfindlichere Gehäuse aus Gusseisen. Die vordere Platte aus dickem Blech lässt sich bei diesem Exemplar leicht abnehmen - da hat jemand schon an die Servicefreundlichkeit gedacht.
Das Modell wurde ab 1910 angeboten, die Seriennummer deutet auf ein Baujahr dieses Exemplars um 1917. Über seine frühere Verwendung ist leider nichts bekannt - die Abnutzung der Brünierung zeigt aber, dass die Maschine lange Zeit intensiv genutzt wurde. Der Neupreis solcher Maschinen: 1911 noch 700 Mark (ungefähr acht durchschnittliche Tarif-Monatslöhne), 1919 schon 2250 Mark (ca. 12-15 Monatslöhne - da nahm auch die Inflation schon deutlich Fahrt auf, die 1923 zum Zusammenbruch der Mark führte).
Der Wiener Ingenieur Ludwig Spitz hat bei Siemens gelernt, wurde aber Prokurist beim Berliner Rechenmaschinenhändler Amster (der erfand die Marke „TIM”). Amster ging 1906 in Konkurs, Spitz übernahm den Vertrieb (und die Marke) und entwickelte parallel dazu mit dem Konstrukteur Robert Rein neue, verbesserte Rechenmaschinen. Schon 1907 gründete er in Berlin eine eigene Herstellerfirma unter seinem Namen, bald kamen auch Auslandsvertretungen in New York, Paris und Wien dazu. Spitz selbst ging nach Wien zurück und erschloss von dort aus den Markt der K&K-Monarchie. Sein Schwerpunkt blieb stets der Verkauf, eine Weiterentwicklung der Maschinen fand kaum mehr statt. Die waren aber offenbar so fortschrittlich, dass sie sich trotzdem viele Jahre gut verkaufen ließen. Erst Ende der 20er-Jahre geriet die Firma gegenüber der Konkurrenz allmählich ins Hintertreffen. Spitz begann schließlich, Maschinen anderer Hersteller zu verkaufen. Als Österreich an das Deutsche Reich angeschlossen wurde traten auch dort die Judengesetze in Kraft: Spitz musste 1939 seine Firma verkaufen und wurde 1942 ins Ghetto nach Riga deportiert. Danach verliert sich seine Spur völlig, 1949 wurde er für tot erklärt.
Die Firma in Berlin baute ab etwa 1933 keine Rechenmaschinen mehr und änderte 1942 den Firmennamen in „TIM-UNITAS”. Sie existierte als metallverarbeitender Betrieb bis 1961.
→Prinzip der Staffelwalze (Wikipedia) Während der Restaurierung:
vorher - nachher:
TIM
II
Seriennummer 7550

43 x 16 x 18,5
11,5kg
1910 - ca.1929
  • Eingabewerk 8-st.,
  • Umdrehungszählwerk 7-st.,
  • Resultatwerk 12-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 2 Löschschieber für R- und U-Werk (nur bei angehobenem Schlitten),
  • 8 Löschhebel, die nach oben alle Stellen rechts und nach unten alle Stellen links löschen.
  • Zehnerübertrag nur im R-Werk,
  • Ziffern im R-Werk direkt einstellbar (nur bei angehobenem Schlitten),
  • ein gemeinsamer Schalter für Drehrichtung des U- und R-Werks,
  • Schlittenbewegung nur durch Anheben und Versetzen per Hand,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
Kosmetisch passabler und funktional guter Zustand: Bleche um die Hebel herum meist stark abgegriffen, einige Stoßstellen, linke Schlittenführung mit Ausbruch (hält aber); einwandfreie Funktion.
Einen Kommaschieber und die Gummifüße erneuert, eine gebrochene Ziffernrad-Achse durch Stahlstift ersetzt, eine Staffelwalze und die Schlittenführung nachjustiert, die festgelötete Kurbel wieder abnehmbar gemacht, Ziffern des U-Werks neu eingelegt, Messingteile und Kurbel poliert, fehlende Glocke ersetzt. Die abgegriffenen Stellen bleiben einstweilen- die wenigen erhaltenen Beschriftungen wären sonst auch weg und die Maschine soll ihr erfülltes Arbeitsleben ruhig zeigen. Eventuell steht mal eine Nachbrünierung an...
Die ursprünglich vorhandene Blechhaube fehlt, Anleitung fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Addiermaschine Burroughs Calculator 5205

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts waren Vierspezies-Maschinen in den USA eher die Ausnahme. Rechenbedarf bestand vor allem im kaufmännischen Bereich, und da kam es auf möglichst schnelles Addieren an (...„time is money”!). Ab 1904 verkaufte Felt&Tarrant ihren →Comptometer - ein damals revolutionäres Gerät, bei dem bereits die sehr leichtgängige Tastenbetätigung bei der Eingabe das Summierwerk einstellt. Es war also nicht mehr nötig, nach der Eingabe zusätzlich einen Hebel zu ziehen oder eine Kurbel zu drehen.
Acht Jahre später kam der von William Seward Burroughs schon vor der Jahrhundertwende entwickelte „Calculator” (ein Name, der seiner Zeit weit voraus war: „Calculator” war damals eigentlich der Mensch vor der Maschine) auf den Markt. Das erste Modell (Nr. 520) sah dem Comptometer zum Verwechseln ähnlich, wogegen Felt&Tarrant erfolgreich vor Gericht zog. Also wurde das Design ab 1915 erneuert, diese Form wurde dann bis nach dem 2. Weltkrieg nicht geändert. Nur die „Füßchen” fielen irgendwann weg und das Schwarz-Grün wurde gegen Ende der Produktion zu modernem Dunkelgrau-Hellgrau. Es wurden auch Modelle mit zweitem Zählwerk (für das Aufsummieren der Einzelrechnungen) und/oder Elektromotor (für noch leichteren Tastendruck) entwickelt.
Die „key-driven adding machines” nutzen eine Schaltschwinge als Stellmechanismus. Sie wird von den Tasten einer Reihe verschieden weit herunter gedrückt, beim Rücklauf stellt sie die entsprechende Stelle im Summierwerk weiter (das macht ggf. auch gleich einen Zehnerübertrag in die nächste Stelle). Sie sind „Ein-Spezies-Maschinen”, denn es gibt bei ihnen keine Vorrichtung zum Subtrahieren. Das geht nur über den Umweg der Ergänzungszahlen, die etwas kleiner auf der Tastatur erscheinen und danach folgende Eingabe einer Korrekturzahl (999...01 mit einer Null weniger vor der 1 als der Subtrahend Stellen hat).
Benutzer solcher Maschinen lernten in Kursen das gleichzeitige und blinde Eingeben mehrerer Stellen, das Subtrahieren und die ebenfalls recht umständlichen Verfahren für Multiplikation und Division. Dabei wurde Wert darauf gelegt, dass man die Verfahren quasi „wie im Schlaf” beherrschte. Die Verankerung der Abläufe im Unbewussten ermöglichte - zusammen mit der schnellen Mechanik - extrem schnelles Rechnen. Absolventen der entsprechenden Kurse waren daher begehrte Mitarbeiter.
Dieses Exemplar hat eine vergleichsweise niedrige Seriennummer, es ist vermutlich 1919 gebaut worden. Der damalige Neupreis lag bei etwa 200 Dollar - ein vergleichsweise hoher Preis, der vielleicht die geringe Verbreitung solcher Geräte in Europa erklärt.
1886 wurde die „American Arithmometer Corporation of St. Louis” gegründet. Zuerst wurden große druckende Addiermaschinen gebaut. 1904 zog die Firma nach Detroit um, sie nannte sich nun nach dem 1898 verstorbenen Erfinder „Burroughs Adding Machine Co.” und wurde zum größten Addiermaschinen-Hersteller der USA. 1953 wurde der Name in „Burroughs Corporation” geändert und man begann mit der Herstellung von Computern. 1986 fusionierte Burroughs mit Sperry und wurde zu →„Unisys”. Diese Firma stellt immer noch Mainframe-Computer her, ist aber auch als Software-Entwickler und vor allem als Dienstleister tätig.

→Mehr Infos
 
Burroughs
Calculator (Series 5)
Seriennummer 5-484672

26 x 39 x 13
5,2kg
1912 - ca.1970
  • 9-stellige Volltastatur,
  • Summierwerk 10-st.;
  • nur Addition,
  • Löschhebel.
  • mit vollständigem Zehnerübertrag.
Kosmetisch und funktional guter Zustand: Drei Tastenköpfe und Löschhebel nicht original; einwandfreie Funktion.
Gehäuse neu lackiert, weitgehend unleserliche Tastenbeschriftung ergänzt, fehlende Tastenköpfe, Schrauben und den Löschhebel ersetzt.
Schutzhülle und Anleitung fehlen, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenmaschine Mercedes-Euklid 4

Diese Rechenmaschine wurde ab 1913 angeboten, das hier ist allerdings eines der späten Exemplare. Ein Gehäuse aus Gusseisen, Stahl und massiven Messingplatten, darauf sitzt „huckepack” (an Stelle der Einstellschieber der Vorgänger-Maschinen) die Volltastatur. Das Ganze wirkt für heutige Sehgewohnheiten leicht unproportioniert bis skurril - die Gestaltung erinnert an die ersten Autos, die noch nach Kutsche ohne Pferde aussahen und erst langsam funktionellere Formen bekamen.
Hier ist ein besonderes Schaltprinzip verwirklicht, das es nur bei diesem Hersteller gibt: der →Proportionalhebel. Je nach gedrückter Zifferntaste wird für jede Stelle ein Zahnrädchen auf eine von neun verschiedenen Zahnleisten geschoben. Die erste dieser Zahnleisten wird beim Kurbeln um eine bestimmte Wegstrecke verschoben, die nächste doppelt so weit, die dritte dreimal so weit usw. - eben „proportional”. Die Zahnrädchen bewegen sich dann also entsprechend der eingestellten Ziffer unterschiedlich weit und stellen das Resultatwerk entsprechend weiter (bei der zweiten Mercedes gibt's dazu Bilder und einen Film). Dieses Schaltprinzip hat der geniale Erfinder Christel Hamann um 1903 herum entwickelt.
Die Maschine hat schon optionalen Additionsmodus ( Löschung der Eingabe nach jeder Kurbeldrehung), Zehnerübertrag im U-Werk und Stop-Division: Werte einstellen und Subtraktionen kurbeln - beim Unterlauf sperrt die Kurbel und man muss zwei Schalter umlegen, dabei springt der Schlitten eine Stelle weiter und man kann weiterkurbeln. So wird das Dividieren weniger fehleranfällig.
Die Seriennummer lässt auf das Baujahr 1925 schließen. Das Gerät wurde wohl von einer der zahlreichen Greizer Webereien angeschafft, überstand dort den zweiten Weltkrieg und wurde nach der Verstaatlichung dieser Webereien erst beim VEB Webtex, dann beim (inzwischen abgewickelten) →VEB Greika benutzt. Als man sie dort (womöglich erst in den späten 70ern?) ausrangierte hat sie ein Angestellter mit nach Hause genommen und später einem Kollegen gegeben - der hat sie mir dann verkauft.
Die Firma Mercedes hat absolut nichts mit dem Automobilhersteller zu tun. Gegründet wurde sie 1906 als Schreibmaschinen-Hersteller in Berlin. Ihre Namensänderungen zeigen die wechselvolle Geschichte: Ab 1908 zog die Produktion nach Zella-Mehlis und der Firmenname lautete „Mercedes Büromaschinen Ges.m.b.H.”, ab Ende 1916 (als auch die Verwaltung nach Zella-Mehlis zog) dann „Mercedes Bureau-Maschinen und Waffenwerke G.m.b.H.”, (1922 Produktion der weltersten elektrischen Büro-Schreibmaschine) ab 1927 „Mercedes Büromaschinen-Werke A.G.”, in der DDR dann „VEB Büromaschinenwerke Zella-Mehlis” mit der Marke „Cellatron”. Unter dieser Marke wurden ab ca. 1960 auch elektronische Geräte produziert, die Firma nannte sich daher ab 1967 „VEB Rechenelektronik Meiningen/Zella-Mehlis” und ab 1977 „VEB Robotron-Elektronik Zella-Mehlis”. Nach 1990, in der Zeit der Verschleuderung des Volksvermögens der DDR, verlieren sich ihre Spuren dann schnell. Am Standort sind heute Behörden und eine Produktion der Schott Lithotec.
Das ursprünglich etwas lädierte Service-Schildchen zeigt, dass die Büromaschinen des VEB Webtex / VEB Greika von der privaten Werkstatt Kurt Fülle gewartet wurden. Auch die gibt es heute nicht mehr.
Infos zum Erfinder Hamann bei der Hamann Manus „C”.
Mercedes-Euklid
4
Seriennummer 9172

37,5 x 27,5 x 28,5
18,7kg
1913 - 1927
  • Eingabewerk 9-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 16-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 3 Löschschieber für alle drei Werke.
  • Zehnerübertrag im R- und U-Werk,
  • Zahleneingabe mit Volltastatur,
  • Ziffern im R-Werk direkt einstellbar,
  • Schalter für Drehrichtung des U-Werks,
  • Schalter für Drehrichtung des R-Werks,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Schalter für die Stoppdivision,
  • Schlittenvorlauf nur durch Schieben per Hand, Rücklauf (mit Federkraft) per Taste,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
Kosmetisch passabler und funktional guter Zustand: Einige Stoßstellen und provisorisch retuschierte Lackschäden, aber Frontpartie bemerkenswert gut erhalten, Ziffern im U-Werk teils in mäßigem Zustand, ein Hebelknauf nicht original; alles funktioniert jedoch wieder.
... nach dem Justieren von E-Werk und Schlitten. Für die Kosmetik die Seiten entrostet und neu lackiert, Metallteile poliert, einige Tasten neu eingelegt, Ziffernräder ausgebessert, Serviceschildchen wiederhergestellt.
Anleitung fehlt, passende Anleitung einer Euklid Mod.1 aus dem Netz gezogen.
 
 

Rechenmaschine Rema 1

Das ist eine der frühen Sprossenrad-Maschinen, der Seriennummer nach vermutlich um 1918 herum gebaut. Sie hat noch keines der später üblichen Extras und noch nicht einmal eine Einstellsperre (man kann also die Zahlen noch während des Kurbelns verstellen). Fortschrittlich sind aber schon das Miniaturformat (es ist bis heute eine der kleinsten Sprossenrad-Maschinen) und die Kurbellöschung der Zählwerke, die hier sogar eine Entspannung der Federn durch die außenliegenden gebogenen Hebel hat. Das ist nirgendwo sonst so gebaut worden, es macht das Löschen leichtgängig und materialschonend. Insgesamt fällt die extrem präzise und hochwertige Verarbeitung auf: Viel Bronze und Messing, selbst die kleinen Kurbelgriffe sind aus Metall. Ungeachtet des schlechten Zustands der Deckbleche - nach nun hundert Jahren reichten drei Tröpfchen Öl und eine ersetzte Feder, dann lief das Maschinchen wieder einwandfrei und leicht.
Der damalige Preis ist unklar, aber die Verwendung ist bekannt: Die Maschine stammt aus Solingen und wurde für die Abrechnungen einer Gesenkschmiede benutzt (dort wurden Rasiermesser hergestellt). Ich bekam sie von den Enkeln der damaligen Inhaber.
Die Rema GmbH in Hannover wurde vor dem 1. Weltkrieg gegründet und schon 1922 von Grimme, Natalis & Co. aufgekauft. Bis 1927 wurde dort weiterhin produziert, die Maschinen wurden teils als „Rema”, teils als „Brunsviga” verkauft. Erst 1927 wurde die gesamte Produktion nach Braunschweig verlegt, die Marke Rema wurde bis in die 50er-Jahre nur noch für einige ins Ausland exportierte Maschinen genutzt.
Das schöne Schildchen des Solinger Büromaschinen-Händlers (mit dreistelliger Telefonnummer!) verweist ebenfalls auf eine nicht mehr existierende Firma.

→Mehr Infos

Zustand vorher:

Rema
1
Seriennummer 2253

22 x 12,5 x 9,5
4,0kg (mit Brett)
1915 - 1924
  • Eingabewerk 9-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 1 Löschkamm und 2 Löschkurbeln.
  • Zehnerübertrag nur im R-Werk,
  • im U-Werk rote Ziffern bei negativer Kurbeldrehung,
  • Löseknopf für Drehrichtungssperre (beim Löschen des E-Werks nötig).
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: Deckbleche teils restauriert, Seiten und Rückwand in sehr gutem Originalzustand, einige Chrombeläge abgeblättert; alle Funktionen einwandfrei.
Mehrere Deckbleche neu lackiert, abgestoßene Kurbelhalterung nachlackiert, gebrochene Feder im Löschkamm ersetzt.
Brett vorhanden, aber zugehörige Haube und Anleitung fehlen, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenaffe "Consul"

Das hier ist weder Rechenmaschine noch Rechenhilfsmittel, sondern ein Lernspielzeug - Kinder konnten damit das kleine Einmaleins üben. Der Rechenaffe wurde um 1915 herum entwickelt, doch bis heute werden Replikas aus Pappe, Plastik oder wie hier aus Blech gebaut. Dieser recht originalgetreuen Replika fehlte nur die einhängbare Additionstafel des Originals - ich habe inzwischen eine nachgedruckt.
Aufgrund der Warnhinweise („Zum Spielen nicht geeignet - Blech kann scharfe Kanten haben” ... heutige Kinder sind anscheinend viel empfindlicher als die um 1915 herum?) vermute ich, dass die meisten Rechenaffen bei Erwachsenen landen, obwohl diese das kleine Einmaleins im Schlaf können sollten. Auch diesen Rechenaffen hat kein Kind jemals angefasst - den bekam ich zum 60.Geburtstag geschenkt.
 
→Consuls Uhrahn und Verwandte
 
DBS (Düsseldorfer Blechspielwaren)
Consul the Educated Monkey

14,5 x 15,5 x 1,5
110g
ca. 2000 - heute
  • Eingabe ganzzahliger Faktoren von 1-12 über die „Füße”,
  • Anzeige des Produkts zwischen den „Händen”.
  Neuwertig,
mit Umkarton, die Anleitung ist aufgedruckt.
 
 

Rechenmaschine Brunsviga MH

Diese Sprossenrad-Maschine ist schon eine der M(iniatur)-Maschinen von Brunsviga. Sie wurde 1924 gebaut - die Flügelschrauben und die altertümliche Schlittenmechanik verraten das Alter. Die Anzeige oben ist keine Einstellkontrolle, wie sie bei späteren Maschinen Standard wurde, sondern ein zweites Umdrehungs-Zählwerk, das sogar Zehnerübertrag hat. Dadurch konnten z.B. Ergebnisse von Divisionen einzeln angezeigt und gleichzeitig aufsummiert werden. Dieses obenliegende Zählwerk mit beweglicher Blende und je nach erster Umdrehung weißen oder roten Ziffern wurde bei Brunsviga bald zum Standard, nur wenige der späteren Maschinen besaßen noch ein Zählwerk im Schlitten.
Die Ausrüstung mit dem zweiten Zählwerk ließ sich G.N.&Co. gut bezahlen: 1921 kostete eine MH 675 Reichsmark - das waren damals etwa sechs durchschnittliche Tarif-Monatslöhne. Solche Maschinen waren also nicht sehr häufig, von diesem Modell wurden aber immerhin knapp 6.000 Exemplare gebaut.
Das Gerät fand jemand beim Ausräumen von Großvaters Keller. Der hatte bei Opel in Rüsselsheim gearbeitet - es ist wahrscheinlich, dass er die MH von dort mitgebracht hat, als sie nicht mehr gebraucht wurde. Gekauft wurde die Maschine damals bei der Generalvertretung Berg in Frankfurt.
   
Brunsviga
MH
Seriennummer 64453

24,5 x 16,5 x 13 (ohne Kasten)
6,5kg (mit Brett)
1920 - 1926
  • Eingabewerk 9-st.,
  • 1.Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • 2.Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 4 Flügelschrauben zur Löschung der 4 Werke.
  • Zehnerübertrag im oberen U-Werk
    und im R-Werk,
  • im oberen U-Werk rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • unteres U-Werk mit weißen Ziffern 0-8 und roten Ziffern 1-9,
  • Anzeige von + und - für oberes
    U-Werk und jeweilige Kurbeldrehung.
Kosmetisch passabler und funktional guter Zustand: Furnier des Bodenbretts stark beschädigt, Deckbleche mit vielen Lackschäden, sämtliche Schriften und Nickelteile aber erstaunlich gut erhalten. Alle Funktionen einwandfrei und leichtgängig.
Die Maschine war wenig eingestaubt und hatte kaum Probleme mit verharztem Öl, dafür aber an allen nicht vernickelten Metallteilen sehr viel Flugrost, der sie extrem schwergängig machte. Alles, was ohne Zerlegung der Werke erreichbar war wurde entrostet und poliert, die schwergängige Schiebeblende durch Zurechtbiegen und Polieren wieder gängig gemacht, zwei Gummifüße erneuert, das Furnier der Bodenplatte festgeklebt. Da nur noch ein originaler Kommaschieber vorhanden ist, wurden zwei provisorische Schieber gebaut.
Blechhaube und Bodenbrett vorhanden, Anleitung fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenmaschine Triumphator C

Modell C ist die erste „kleine” (und „nur” etwa 8 kg schwere) Sprossenrad-Maschine des Herstellers, mit Einstellkontrolle und auch schon mit Zehnerübertrag im U-Werk. Vorgänger war die technisch praktisch gleiche, aber viel größere (und doppelt so schwere) Triumphator 1. Modell C wurde recht erfolgreich und ist der Vorläufer der später weit verbreiteten CR-, CN- und CRN-Modelle.
Das Alter der Maschine ist schon am Schlittentransport und an den Löscheinrichtungen erkennbar. Die Beschriftung deutet auf Anfang/Mitte der 20er-Jahre - und die Seriennummer datiert sie dann genau auf das Jahr 1924. Es ist also eine der frühen Maschinen des Modells.
Die Maschine stammt ebenfalls aus Greiz (und war der „Beifang” beim Abholen der Euklid 4), damit wurden mal in einem Lebensmittelgeschäft in Auerbach (Vogtland) Löhne, Preise und Inventuren gerechnet. Die Preisliste von 1925 gibt einen Preis von 492 Reichsmark an (etwa vier Monatslöhne), für 25 Mark mehr gab es da schon eine etwas weiter entwickelte „C” mit Hebellöschung.
Triumphator war einer der bedeutendsten deutschen Hersteller von Sprossenrad-Maschinen. 1900 wurde in Leipzig eine kleine Röhrenfabrik gegründet, in der man sich ab 1903 am Bau erster Rechenmaschinen versuchte. Das war bald erfolgreich, denn schon 1908 firmierte die Fabrik als „Triumphator Rechenmaschinenfabrik GmbH”. Nach dem 1. Weltkrieg stiegen die Verkaufszahlen erheblich an, bis in DDR-Zeiten (dann natürlich als VEB) wurden Rechenmaschinen gebaut. 1963 endete allerdings die Produktion mechanischer Rechner und Triumphator wurde Zulieferer für andere Firmen. Schließlich ging es zur Elektronik: 1969 wurde Triumphator in das Robotron-Kombinat eingegliedert und produzierte bis zur Zerschlagung des Konzerns 1990 vor allem elektronische Baugruppen für DDR-Computer. Die westdeutsche Firma Steinel übernahm danach einen Teil der Gebäude, des Archivs und des Personals.
   
Triumphator
C
Seriennummer 36450

31 x 15 x 12 (ohne Kasten)
7,2kg
1920 - 1934
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 9-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 2 Flügelschrauben für Löschung von R- und U-Werk, Löschklappe für das E-Werk.
  • Zehnerübertrag im U- und R-Werk,
  • Richtungswahlschalter für das U-Werk (nicht mit der Kurbel gekoppelt),
  • manuelle „Überschleuderungskorrektur” der Einstellkontrolle (nur bei entriegelter Kurbel bedienbar).
Kosmetisch und funktional guter Zustand: Lack an den Schiebern etwas abgegriffen, sonst gut erhalten; Kommaschieber des E-Werks fehlen, alles andere funktioniert einwandfrei.
Ein Sprossenrad war schwergängig, alle Ziffernräder eingedreckt und der Kastenschlüssel fehlte - das war alles schnell behoben. Deckblech teils neu lackiert und Ziffern neu eingelegt. Jetzt muss nur noch eine neue Kommaschieber-Leiste her...
Blechhaube und Bodenbrett vorhanden, Anleitung fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Soroban

Die Japaner entwickelten den im 16. Jahrhundert bei ihnen eingeführten Suan Pan weiter, die stark abgeflachte Form der Perlen ist heute für den japanischen Soroban typisch. Ende des 19. Jahrhunderts fiel zuerst die zweite Fünfer-Perle im „Himmel” weg (weil in Japan nie hexadezimal gerechnet wurde), um 1920 herum dann auch noch die fünfte Einer-Perle in der „Erde” (was die Bedienung schneller machen sollte, aber natürlich auch die Methoden des Rechnens deutlich änderte).
Dieser Soroban ist ein Vertreter dieser letzten Entwicklungsstufe. Pro Reihe ist hier maximal der Wert 9 einzustellen. Er hat 23 Stellen - viel mehr als die meisten Taschenrechner schaffen. Die hohe Stellenzahl ist nützlich für das Festhalten von Zwischenergebnissen und die schnelle Multiplikation und Division (die z.T. ähnlich wie unsere Methode mit Papier und Bleistift funktioniert).
   
(Hersteller unbekannt)
Soroban

33 x 6,5 x 2
160g
ca.1920 - heute
  • 23 Bambusstäbchen und 115 Holzperlen
    oder technisch:
    ein 23-stelliges Rechenregister
  • Markierungen an jeder 6.Stelle
Gut erhalten, nur eine Linse mit leichtem Schaden;
Hülle fehlt, Anleitung aus dem Internet geladen und ausgedruckt.
 
 

Rechenmaschine Brunsviga M III

Nur wenige Jahre nach der MH entstand diese Sprossenrad-Maschine, deren Bauweise zum Vorbild der meisten späteren Brunsvigas wurde. Sie ist ein Produkt der zugekauften Tochterfirma Rema und vereint fortschrittliche Merkmale beider Firmen. Die Einstellkontrolle durch Ausschnitte neben den Einstellhebeln setzte sich nicht durch, findet sich aber später z.B. bei der Brunsviga 10. Die bequemen Löschhebel, die komfortable Schlittenverstellung sowie das obenliegende Umdrehungszählwerk finden sich aber bei praktisch allen späteren Brunsviga-Sprossenradmaschinen.
Das Gerät hat der Vorbesitzer auf einem Flohmarkt gefunden, die frühere Verwendung ist daher leider unbekannt. Die Seriennummer datiert es auf das Jahr 1927, der damalige Neupreis war 650 Reichsmark (knapp 4,5 Monatslöhne).

→Mehr Infos zu Rema/Brunsviga (PDF)

Zustand nach Reinigung:



Brunsviga
M III
Seriennummer 110644

26 x 18 x 16
7,5kg
1925 - 1927
  • Eingabewerk 9-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 2 Löschhebel und eine Löschkurbel.
  • Zehnerübertrag in U- und R-Werk,
  • im U-Werk rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • Anzeige der Rechenstelle über dem U-Werk,
  • Anzeige der Löschung des U-Werks.
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: Nur am Sockel noch deutliche Gebrauchsspuren; alle Funktionen wieder einwandfrei und leichtgängig.
Die Maschine war nicht verharzt, doch sehr große und kompakte Staubmäuse, mehrere kleine Holzstückchen und ein Schraubhaken(!) blockierten Teile der Einstellung und den kompletten Schlittentransport. Die meisten Ziffern waren durch eine dicke Staub- und Schmierschicht unleserlich. Deckbleche neu lackiert, Beschriftungen neu eingelegt, abgebrochenen Griff der Löschkurbel und Wiederlager-Block rechts vorne ersetzt, Füße erneuert.
Schutzhaube und Anleitung fehlen, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenmaschine Brunsviga Nova II

Ab 1925 erneuerte Brunsviga die gesamte Produktpalette und brachte mehrere Modelle mit der Serienbezeichnung „Nova” auf den Markt. Diese Sprossenrad-Maschinen besaß neben allen bisherigen Verbesserungen nun auch die Rückübertragung von Zahlen aus dem Resultat- ins Einstellwerk. Damit wurden Kettenmultiplikationen ohne fehlerträchtige Neueingabe der Vorergebnisse möglich. Für den Hersteller war aber vor allem wichtig, dass man nun zur modularen Bauweise überging: Möglichst viele Teile der verschiedenen Maschinen sollten gleich sein und damit in der gesamten Serie als Bau- und Ersatzteil zur Verfügung stehen. Das senkte die Entwicklungs-, Produktions- und Lagerhaltungskosten.
Die ersten Nova-Modelle waren noch vergleichsweise riesig, auch die Nova II ist noch recht groß und schwer. Sie ist extrem solide gebaut, auch nach über 90 Jahren läuft alles leicht und rechnet richtig. Dieses Exemplar hat noch den Plus-/Minus-Anzeiger an der Kurbelbasis, der bei späteren Novas fehlt. Es wurde bis in die 60er-/70er-Jahre von einem Abteilungsleiter im Rechnungswesen der Frankfurter Metallgesellschaft benutzt. Das Baujahr ist 1927, der damalige Neupreis war 720 RM (etwa fünf Monatslöhne).
   
Brunsviga
Nova II
Seriennummer 107555

36 x 26,5 x 17,5
12,5kg
1925 - 1937
  • Eingabewerk 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 10-st.,
  • Resultatwerk 15-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel.
  • Zehnerübertrag in U- und R-Werk,
  • im U-Werk rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • Anzeige der Rechenstelle über dem U-Werk,
  • Anzeige der unvollständigen Löschung in allen Werken,
  • Anzeige des Drehsinns der letzten Kurbeldrehung,
  • Rückübertragung von Ergebnissen in die Eingabe.
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Deckbleche erstaunlich gut erhalten, relativ geringe Gebrauchsspuren und kaum Kratzer. Alle Funktionen einwandfrei und leichtgängig.
Nur eine gründliche Reinigung war nötig, insbesondere bei den durch Staub praktisch unsichtbaren „Nullen” in R- und U-Werk.
Schutzhaube und Anleitung fehlen, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenmaschine Rheinmetall Id

Eine Staffelwalzen-Maschine mit einer so ausgereiften Konstruktion, dass sie zur Grundlage vieler anderer, z.T. bis 1957 gebauter Modelle wurde. Entwickelt hat sie Richard Berk, der zuvor bei Ludwig Spitz gearbeitet hat, verbessert wurde sie später von August Kottmann. Ihre Besonderheit ist, dass eine Staffelwalze für zwei Stellen zuständig ist - das ermöglicht einen relativ platzsparenden Aufbau mit eng beieinander liegenden (und daher gut ablesbaren) Ziffern. Solche Maschinen gab es mit vielen verschiedenen Kapazitäten, auch mit Elektromotor und in den späteren Jahren mit immer besseren Zusatzeinrichtungen. Auch bei den handbetriebenen Maschinen gab es schon automatische Division und manchmal sogar Rückübertragung, dieses Modell hat als „Extras” aber nur den optionalen Additionsmodus und die direkt einstellbaren Zahlen im R-Werk.
Die Seriennummer deutet auf ein Baujahr dieses Exemplars um 1928. Es stammt aus einer alten Molkerei in Kotthausen (bei Gummersbach).
Rheinmetall verbindet man heute eher mit Kanonen und Leopard-Panzern, aber nach dem Versailler Vertrag musste das 1889 in Düsseldorf gegründete Rüstungsunternehmen andere Geschäftsfelder suchen. So kam man u.a. auf Schreib- und Rechenmaschinen, die in der 1901 übernommenen Fabrik in Sömmerda gebaut wurden. Auch als die Waffenproduktion wieder begann stellte man dort, nun als Rheinmetall-Borsig, weiterhin Rechenmaschinen her. Nach dem 2.Weltkrieg trennten sich die Wege der west- und ostdeutschen Fabriken:
In Düsseldorf wurden erst diverse zivile Produkte wie Aufzüge oder Stoßdämpfer gebaut, auch zwei Addiermaschinen wurden neu entwickelt und mit geringem Erfolg vertrieben. Mit Gründung der Bundeswehr kehrte man zur Waffenproduktion zurück und ist damit auch heute leider erfolgreich.
Das Werk in Sömmerda wurde zuerst sowjetischer Staatsbetrieb und produzierte Büromaschinen für Reparationslieferungen in die UdSSR. Ab 1952 wurde Rheinmetall zum VEB, auch Fotoapparate und Mopedmotoren wurden vorübergehend gebaut. 1962 brachte man den ersten elektronischen Fakturierautomaten unter der Marke „Soemtron” auf den Markt, 1969 den ersten elektronischen Tischrechner. Ab 1969 gehörte die Fabrik zum Kombinat Zentronik, die Produktion mechanischer Maschinen endete ungefähr zu dieser Zeit. 1978 wurde die Fabrik dem Kombinat Robotron einverleibt und war führend in der Computer-Produktion der DDR. 1992 wurde das Werk jedoch im Rahmen der Veruntreuung des DDR-Vermögens liquidiert.
   
Rheinmetall
Id
Seriennummer 22983

35 x 31,5 x 21,5
9,3kg
1926 - 1945
  • Eingabewerk 7-st.,
  • Umdrehungszählwerk 6-st.,
  • Resultatwerk 12-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • Löschtaste für das E-Werk,
  • 2 Schieber zur Löschung von U- bzw. R-Werk.
  • Zehner-Übertrag im R-Werk bis zur 11. Stelle, im U-Werk durchgehend,
  • Minus-Taste (einrastend) kehrt Drehrichtung des R-Werks um,
  • Korrektur-Taste kehrt kurzzeitig Drehrichtung in R- und U-Werk um,
  • Ziffern in R-Werk direkt einstellbar,
  • Taste (einrastend) für Additionsmodus,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
Kosmetisch und funktional guter Zustand: Tastatur mit starken Gebrauchsspuren; alles funktioniert.
Zehnerübertrag der 11.Stelle gängig gemacht, Lackierung an den Kanten aufgefrischt, viele Ziffern neu eingelegt.
Schutzhülle und Anleitung fehlen, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenmaschine Hamann Manus „C”

Auch wenn diese Maschine äußerlich genau wie eine Sprossenrad-Maschine „Typ Odhner” aussieht - das hier ist eine der seltenen Maschinen mit →Schaltklinken. Dieses von Chr. Hamann perfektionierte Schaltprinzip (Erfindung wohl kurz nach 1700 durch →Leupold) führte immer ein Nischendasein - vielleicht wegen der komplexen Bauweise und der damit verbundenen hohen Servicekosten, vielleicht aber auch nur, weil Sprossenrad und Staffelwalze besser vermarktet wurden.
Dieses Modell hat eine Ausstattung, die für Ende der 20er-Jahre geradezu luxuriös war: feststehende Einstellhebel, optionaler „Additionsmodus”, direkt einstellbares R-Werk und wie alle (außer den frühesten) Hamann-Maschinen die automatische Division: Wird ein Unterlauf erkannt, dann bewirkt die nächste Kurbeldrehung eine Korrektur, anschließend läuft der Schlitten von selbst in die nächste Position.
Die Seriennummer dieser Maschine ist eine der ganz niedrigen des Modells, das Baujahr ist also wohl noch 1927. Die Maschine hieß offiziell einfach nur „Manus”, das „C” ist nur eine Vereinbarung unter Sammlern, um den Entwicklungsstand der stets weiterentwickelten Maschine zu bezeichnen. Bei dieser Entwicklungsstufe sind die beiden Werke im Schlitten nur zu löschen, wenn dieser am linken Anschlag ist, auch für die Voreinstellung von Dividenden ist das z.T. nötig. Die Schlittenbewegung mit einer Daumentaste rechts und einem Hebel ganz links (der zugleich Transportsicherung ist) ist ebenfalls noch recht altertümlich.
Christel Bernhard Julius Hamann war Mechaniker und Ingenieur. Er arbeitete erst u.a. bei A.Ott in Kempten und bei Carl Zeiss in Jena, gründete 1896 sein eigenes „Mathematisch-mechanisches Institut” (heute würde man Ingenieurbüro dazu sagen) und entwickelte dort neue Rechenmaschinen und Schaltprinzipien (eine seiner Maschinen, die →„Gauss”, schlägt die Brücke von den frühen →„Rechenuhren” hin zur Curta).1907 übernahm Mercedes das Institut, ab 1922 arbeitete Hamann dann für die Deutschen Telefonwerke (ab 1928 „DeTeWe”). 1948 starb Hamann, zehn Jahre später verkaufte die DeTeWe ihre gesamte Rechnerfertigung an SCM (Smith-Corona-Marchant, s.u.). SCM gründete die Hamann GmbH und produzierte dort weiterhin Rechner. In den frühen 70er-Jahren stellte man aber unter dem Ansturm der Elektronik die Rechnerproduktion komplett ein, die Marken Hamann und Marchant erloschen. →DeTeWe gibt es nach vielen Verkäufen heute noch als Ostertag DeTeWe.

Firmenbezeichnung:


Hamann
Manus „C”
Seriennummer 1897

26,5 x 15,5 x 14
6,0kg
1927 - 1939
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 9-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 1 Löschtaste und 2 Flügelschrauben zur Löschung der 3 Werke.
  • Zehnerübertrag im R- und U-Werk,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar, Subtraktion per Umschalter,
  • Lösehebel für blockierte Kurbel,
  • Ziffern im R-Werk direkt einstellbar,
  • Umschalter für Drehrichtung des U-Werks,
  • rechte Flügelschraube löscht fakultativ beide Werke,
  • an der Löschtaste auf Additionsmodus schaltbar,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel,
  • automatische Division (Kurbeln muss man aber noch ...),
  • keine Überlaufglocke, sondern optische Überlaufanzeige.
Kosmetisch und funktional guter Zustand: Kommaschieber-Leiste am R-Werk fehlt, eine Hebelkappe provisorisch ersetzt, nur wenige Lackschäden; alles funktioniert einwandfrei, wenn auch nicht immer ganz leichtgängig.
Metallhaube und Anleitung fehlen, Anleitung der recht ähnlichen Manus „F” als Nachdruck vorhanden.
 
 

Rechenmaschine Marchant H9

Das Schaltwerk der H9 hat →Stellsegmente. Die sehen auf den ersten Blick zwar fast wie Staffelwalzen aus und arbeiten ähnlich, aber hier werden keine einzelnen Sprossen ausgefahren, sondern der gesamte "Kiefer" mit den neun Zähnen schwenkt kürzer oder länger nach außen, um die Zählwerksrädchen entsprechend wenig oder viel zu drehen (unten ist ein Link zu einem Video dazu, allerdings bei einer anderen Maschine).
An Extras gibt es den Zehnerübertrag im U-Werk, den optionalen „Additionsmodus” und eine recht hohe Kapazität. Vor allem aber hat diese Maschine die bequeme und schnelle Einstellung per Tastatur. Zwei Vorteile der vielen Tasten: Die „klassischen Tricks” für Standard-Sprossenrad-Maschinen (mal schnell einen Wert in der Eingabe in einen ähnlichen umstellen, Dreisatz in einem Zug rechnen, Wurzeln mit dem Toepler-Verfahren ziehen, Eingabe für ein zusätzliches Zählwerk teilen, ...) funktionieren hier auch. Und weil die Eingabe wahlweise nach jeder Rechnung gelöscht werden kann macht das Addieren viel mehr Spaß als mit einer „klassischen” Sprossenrad-Maschine.
Die Seriennummer dieser Maschine ist noch vierstellig, sie hatte keine Seitendekoration, aber noch die Aussparungen und Schrauben dafür und auch schon die Doppelfunktion der Löschkurbel - das lässt als Baujahr 1933 vermuten.
Marchant wurde 1911 in Oakland gegründet und produzierte zuerst klassische Sprossenrad-Maschinen. Wegen Patentstreitigkeiten suchte man ab 1918 nach einem neuen Schaltwerksprinzip. Der schwedischen Konstrukteuer C.M.F.Friden entwickelte daher die Stellsegmente, die von 1921 bis in die Kriegsjahre in Marchant-Maschinen eingebaut wurden. Doch bereits 1934 kamen erste Maschinen mit Proportionalrädern auf den Markt - auch die wurden bei Marchant erfunden und ermöglichten den Bau der relativ leisen, extrem schnellen elektromechanischen Rechenmaschinen, mit denen Marchant berühmt wurde.
1958 wurde Marchant vom Schreibmaschinen-Hersteller Smith-Corona aufgekauft, der sich daraufhin in Smith-Corona-Marchant (SCM) umbenannte und einer der großen Mitspieler im Rechner- und Computergeschäft wurde. SCM stellte in den 70er-Jahren die Produktion mechanischer Rechenmaschinen ein, der Erfolg der Textverarbeitungsprogramme beendete in den 80ern auch die Produktion der einst berühmten Schreibmaschinen. Heute stellt Smith-Corona nur noch Farbbänder, Etiketten und ähnliches Zubehör her, „Marchant” ist aus dem Firmennamen verschwunden.
 
Stellsegmente einer Wenhua in Aktion (OGM, 15 MB!)
Marchant
H9
Seriennummer 8122

34,5 x 35,5 x 19,5
13,0kg
1927 - ? (ca. 1940?)
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 9-st.,
  • Umdrehungszählwerk 9-st.,
  • Resultatwerk 18-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 1 Löschtaste für das E-Werk,
  • 1 Löschkurbel für U- und R-Werk.
  • Zehnerübertrag im R-Werk über 13 Stellen, im U-Werk komplett,
  • Umschalter für Drehrichtung des U-Werks,
  • mitlaufender Stellenzeiger im U-Werk,
  • optionaler Additionsmodus.
Kosmetisch und funktional guter Zustand: Kanten der Seitenbleche deutlich verschrammt, Zifferntasten und Deckbleche sonst ungewöhnlich gut erhalten; alles funktioniert wieder einwandfrei.
Tastatursperre nachjustiert, Plexiglasscheibe der Eingabekontrolle ausgetauscht, Lackschäden retuschiert, neue Gummifüße untergesetzt, Seitenplaketten und Logo nachempfunden.
Schutzhaube fehlt, Nachdruck der Kurzanleitung vorhanden.
 
 

Rechenmaschine Brunsviga 13RK

Das ist das erfolgreichste Modell von Brunsviga - fast vier Jahrzehnte war es im Programm und hat in dieser Zeit größte Verbreitung gefunden. Sogar nach dem Aufkauf der Firma durch Olympia wurde die 13RK noch einige Zeit hergestellt. Sie hat die Kapazität 10-8-13 (nicht nur bei Brunsviga fast so etwas wie ein Standard). Angesichts der frühen Entwicklungszeit ist diese Sprossenrad- Maschine erstaunlich ausgereift: Sie hat kompletten Zehnerübertrag, Rückübertragung, Gesamtlöschung mit einem Hebel und Einhandbedienung, dazu die (für Brunsviga typische) Anordnung der drei Werke übereinander.
Das Modell wurde von Hermann Hoffmeister entwickelt - von ihm stammt auch die Brunsviga M III etwas weiter oben.
Die Farbe dieses Exemplars und die vorn eingeprägte Firmenbezeichnung zeigen schon, dass es sich hier um eine der späten Maschinen handelt, der Seriennummer nach stammt sie von Ende 1958 oder Anfang 1959. Der Neupreis damals: 598 DM (etwa drei Monatslöhne).
   
Brunsviga
13RK
Seriennummer 13 - 71610

28,5 x 23,5 x 17
8,4kg
1927 - ca. 1963
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel und ein Gesamtlöschhebel für die drei Werke.
  • Rückübertragung vom R-Werk in die Eingabe (Eingabelöschhebel dazu weiter durchziehen),
  • im U-Werk rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • kompletter Zehnerübertrag im U-Werk und R-Werk,
  • Schalter zur optionalen gemeinsamen Löschung von E-Werk und U-Werk.
Kosmetisch guter, funktional sehr guter Zustand: Firmenschildchen zerkratzt, sonst wenige Gerbrauchsspuren; leichter Lauf von Kurbel und Einstellschiebern.
Löschhebel nachjustiert, 2 fehlende Füße ersetzt, Kommaschieber umverteilt, alle Bleche neu lackiert.
Schutzhülle fehlt, Anleitung als PDF im Netz gefunden und ausgedruckt.
 
 

Rechenmaschine Walther RMK

Diese „Rechenmaschine mit EinstellKontrolle” (das M steht für die höhere Kapazität) zeigt sehr schön die Einführung der Einstellkontrolle: Das Grundgehäuse ist noch ganz der alte Typ (wie er beim Vorgängermodell „RM” und später noch bei der Odhner 27 zu finden ist), hat aber eine große Aussparung hinten/oben, in der das Einstellkontrollwerk angeflanscht wurde. Diese Bauart gab es nur sehr kurz - schon bald wurde die Einstellkontrolle ins Gehäuse integriert, wie das bei fast allen neueren Maschinen der Fall ist. Auch ansonsten ist das ein Übergangsmodell, denn es gibt hier zusätzlich zu den beiden Schlittentasten vorne schon eine Daumentaste an der Kurbel - aber eben nur eine für „nach links”, nicht wie später auch bei der RMK üblich für beide Richtungen. Das Baujahr dürfte etwa 1929 sein.
Sehr altertümlich sind noch die Löschklappe und die Überschleuderungskorrektur, mit der ein dejustiertes Einstellkontrollwerk korrigiert werden konnte. Offenbar vertraute man der Mechanik anfangs noch nicht ganz ... doch nach nun etwa 90 Jahren läuft die Mechanik immer noch einwandfrei.
Walther fing 1886 als Büchsenmacherei an, baute später auch Teile für die Mercedes-Rechenmaschinen und stellte ab 1924 eigene Rechenmaschinen her (schon ab 1929 auch elektromechanische, ab 1970 auch elektronische, bis 1971 trotzdem noch die WSR160) und konnte damit in den Nachkriegszeiten überleben, als die Waffenherstellung verboten war. Bis 1945 war die Fabrik in Thüringen, nach dem Krieg wurde sie in Württemberg wieder aufgebaut. Die als eigene Firma abgespaltene Büromaschinen-Fertigung konnte Mitte der 70er-Jahre trotz (oder wegen?) ihrer hochwertigen elektronischen Geräte nicht mehr mit der billigen japanischen Konkurrenz mithalten - heute baut Walther wieder nur Waffen.

vorher:


Walther
RMK
Seriennummer 7189

26 x 14 x 15
5,4kg
1928 - ca. 1934
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 2 Kurbeln für Löschung von R- und U-Werk, Löschklappe für das E-Werk.
  • Zehnerübertrag nur im R-Werk (U-Werk mit rot unterlegten Ziffern für Negativdrehungen),
  • Schlitten mit Federzug kann einfach nach rechts geschoben werden,
  • manuelle „Überschleuderungskorrektur” der Einstellkontrolle (nur bei entriegelter Kurbel bedienbar).
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: nur am Sockel noch viele Stoßstellen; alle Funktionen einwandfrei.
Alle Bleche neu lackiert, Zahlen neu eingelegt, Feder und Anschlag der Löschklappe repariert, Füße erneuert.
Schutzhaube und Anleitung fehlen, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenmaschine TIM I

Die TIM I ist die letzte Entwicklung des Herstellers L.Spitz: Eine kleine, vergleichsweise leichte Staffelwalzen-Maschine mit Tasteneingabe. Sie ist recht robust, gut verarbeitet und hat optional den bequemen „Additionsmodus”, in dem sich die Eingabe nach jeder Kurbeldrehung von selbst auf Null stellt. Allerdings sind Löschung und Schlittenverschiebung immer noch sehr umständlich, weil der Schlitten dazu jedes Mal angehoben werden muss. Das konnte die Konkurrenz um diese Zeit schon deutlich besser. Dieses Exemplar stammt von 1929, einzig bekannter Preis ist der von 1936: 350 Mark (gut zwei Monatslöhne). Die Maschine wurde auch mit weniger (6-5-8) und mehr (bis 7-7-12) Stellen angeboten.
   
TIM
I
Seriennummer 31695

38 x 21 x 13 (Füße eingeklappt)
8,5kg
1929 - ca.1935
  • Eingabewerk 6-st.,
  • Umdrehungszählwerk 7-st.,
  • Resultatwerk 10-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 2 Löschschieber für R- und U-Werk (nur bei angehobenem Schlitten),
  • 7 Löschhebel für E-Werk (pro Stelle und Gesamt).
  • optionale Löschung der Eingabe bei jeder Kurbeldrehung,
  • Zehnerübertrag nur im R-Werk,
  • Ziffern im R-Werk direkt einstellbar (nur bei angehobenem Schlitten),
  • ein gemeinsamer Schalter für Drehrichtung des U- und R-Werks,
  • Schlittenbewegung nur durch Anheben und Versetzen per Hand,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
Kosmetisch passabler und funktional sehr guter Zustand: Bleche um Griffe und Löschhebel herum stark abgegriffen, einige Stoßstellen; einwandfreie Funktion.
Die Ziffernräder des U-Werks waren jeweils an der Null stark oxidiert, die musste ich nachmalen. Dazu musste der Schlitten völlig zerlegt werden. Chassis nur äußerlich gereinigt, weil dort alles einwandfrei funktionierte und ein Blick ins Innere kaum Staub erkennen ließ (noch ein Vorteil der Tasten: keine Schlitze!).
Anleitung fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenmaschine Monroe LN-160X

Monroe ist der Hersteller, der dieses vielfach kopierte Bauprinzip entwickelt hat. Diese Maschine ist allerdings ein spätes Exemplar mit kleinen Abmessungen und eher modernem Gehäuse. Die LN-160 wurde volle vier Jahrzehnte lang gebaut, mit nur kleinen technischen Verbesserungen und gelegentlich modernisiertem Gehäuse. Alle guten wie schlechten Konstruktionsmerkmale dieses Maschinentyps finden sich hier: vollwertiger Additionsmodus, superschnelle Eingabe, aber keine Rückübertragung und kein Zehnerübertrag im U-Werk. Hier werden Staffelwalzen an einer Achse entlang bewegt (je nach Taste mehr oder weniger weit) und treiben dann ggf. ein Zahnrad an, das das Ergebniswerk stellt. Die Staffelwalzen sind zweigeteilt, was für kurze Schaltwege und Platzersparnis sorgt: Pro Stelle gibt es eine (sehr schmale) Walze mit fünf Zähnen (die das Zahnrad stets um fünf Zähne weiter dreht, wenn sie in Arbeitsposition gebracht wird) und eine weitere Walze mit vier unterschiedlich breiten Rippen (die das Zahnrad also je nach Position einen bis vier Zähne weiter drehen kann) - so werden alle Ziffern von 0 (keine Walze am Zahnrad) bis 9 (5er-Walze plus 4 Zähne) erzeugt.
Diese Maschine wurde im europäischen Zweigwerk von Monroe (in Amsterdam) gebaut. Das Baujahr ist unklar, denn dieses Design (wohl das modernste dieses Modells) gab es recht lange in den 50er- und 60er-Jahren. 1961 kostete das Modell 750 DM (etwas über drei Monatslöhne), was im Vergleich zu vielen besser ausgestatteten Maschinen des „Odhner-Typs” teuer war. Doch in manchen Branchen war schnelles Addieren viel wichtiger als Rückübertragung und Zehnerübertrag, also fand auch die kleine Monroe ihre Käufer - zumindest bis die billigen Klone aus Osteuropa auf den Markt kamen.
Die Monroe Calculating Machine Co. wurde 1912 gegründet. Das erste Serienmodell war die Baureihe „D”, von der ab 1915 etwa 4.000 Stück gebaut wurden. Es folgten die Baureihen E, F, G, K, ab 1929 die deutlich kleinere L und ab Anfang der 30er-Jahre noch M. Insbesondere von den späteren Baureihen gab es viele verschiedene Modelle (s.u.) mit immer mehr Extras: Immer öfter mit Elektromotor statt Kurbel, teils mit Zehnerübertrag im U-Werk, mit unterschiedlichen Stellenzahlen, gelegentlich mit automatischer Division, automatischer Multiplikation und/oder weiteren Zählwerken. Auch Buchungs- und Addiermaschinen mit Voll- oder Zehnertastatur wurden gebaut.
1958 wurde Monroe von Litton aufgekauft, einem Konzern, der überwiegend militärische Produkte (von Elektronik-Komponenten bis zum kompletten Zerstörer) herstellte.
Ab 1968 kam der erste (damals noch selbst entwickelte) elektronische Rechner dazu, im Folgejahr wurde die LN-160X als letzte verbliebene handangetriebene Maschine zum letzten Mal angeboten. Ihr letzter Nettopreis (da gab es gerade schon die Mehrwertsteuer) lag da immer noch bei 795 DM - die elektrischen Geräte von Monroe kosteten im gleichen Jahr zwischen 1.300 und 4.000 DM, die ersten Elektronenrechner knapp 7.000 DM, ein weiteres Jahr später sogar bis fast 19.000 DM (der einfachste VW Käfer kostete da etwa 5.000 DM netto).
1984 verkaufte Litton die Firma wieder, heute heißt sie „Monroe Systems for Business” - auch →(woanders gebaute) Rechner werden immer noch verkauft.

→Mehr Infos
zu den verschiedenen Baureihen
   
Monroe
LN-160X
Seriennummer J724655

30 x 26 x 10
3,7kg
1929 - 1969
  • Eingabewerk 8-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 16-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für R- und U-Werk (je nach Drehrichtung).
  • Zehnerübertrag nur im R-Werk und nur für 10 Stellen ab Rechenposition,
  • 2 Tasten für Additionsmodus an/aus.
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: Gehäuse sehr gut erhalten bzw. teils nachlackiert, Funktion einwandfrei und wieder leichtgängig.
Deckblech neu lackiert, weil die linke Oberkante massiv abgestoßen war. Kurbel war wegen extremer Verharzung nur mit viel Kraft zu drehen, die höheren Zehnerüberträge blockierten sogar ganz. Mehrere ml Alkohol und -zig Q-Tips, etwas WD40 und vorsichtiges Ölen haben das (vorläufig?) behoben.
Anleitung aus dem Internet geladen und ausgedruckt. Weil die L-160X ursprünglich immer mit einem Koffer geliefert wurden habe ich dieser Maschine einen passenden - nicht originalen, aber stilgerecht alten - Koffer als Transportbehälter spendiert.
 
 

Rechenmaschine Thales GEO

Bei Doppelmaschinen konnten zwei Werke simultan rechnen. Das benötigten vor allem Vermessungsingenieure, doch die Spezialmaschinen wurden z.B. auch für versicherungsmathematische oder wissenschaftliche Berechnungen genutzt.
Thales hat mit dem Modell GEO ab 1930 die damals beste Doppelmaschine angeboten - hier konnten (auf Anregung von Praktikern hin) die R-Werke unter jede der beiden Eingaben gesetzt werden.
Die Seriennummer deutet auf ein Baujahr um 1938, der damalige Preis betrug 1250 RM (knapp acht Monatslöhne). Auf der Rückseite ist eine Inventarnummer, beginnend mit „VDT” - leider ist unbekannt wofür diese Abkürzung steht.
Nach dem Krieg wurde dann eine verbesserte GEO (etwas kleiner, mit Rückübertragung und zwei U-Werken) hergestellt.
Die Thaleswerke waren die erste Firmengründung von Emil Schubert, der das Konstruieren von Rechenmaschinen bei Triumphator erlernt hatte. 1911 machte er sich in Rastatt zusammen mit Partnern selbständig und entwickelte Sprossenrad-Rechenmaschinen, für deren fortschrittliche Konstruktionsmerkmale er eine ganze Reihe Patente erhielt. 1936 wurde er (wegen „politischer Unzuverlässigkeit”!) von seinen Geschäftspartnern aus der Firma gedrängt. Im Rechenmaschinen-Lexikon 1964/65 finden sich zum letzten Mal Thales-Maschinen, danach gibt es keine Spur der Firma mehr.
Interessant ist, dass 1937 eine „→Olympia AE” angeboten wurde, die in Wahrheit eine Thales AE ist. Hat Thales da nur einige Zeit zugeliefert oder ist Thales vielleicht sogar später im Olympia-Konzern aufgegangen?
Emil Schubert übrigens gab, wie man weiter unten sehen kann, die Entwicklung von Rechenmaschinen nicht auf.
   
Thales
GEO
45535

37 x 20 x 16
14,1kg (mit Brett)
1930 - 1940
  • Eingabewerke (mit Kontrollwerk) 9-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerke 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 3 Flügelschrauben und 2 Löschkämme für die fünf Werke.
  • kompletter Zehnerübertrag im U-Werk und R-Werken,
  • Ziffern im R-Werk direkt einstellbar,
  • Schalter für gleich- oder Gegenlauf der E-Werke,
  • Schalter für Drehrichtung des U-Werks (mit/gegen rechte Eingabe),
  • ein kleiner Knopf rechts wirkt auf die Einstellsperre, Funktion aber unklar - wer weiß darüber etwas?.
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Nur wenige Gebrauchsspuren verblieben; alles funktioniert einwandfrei und leichtgängig.
Alle Deckbleche neu (teil)lackiert, Ziffern im rechten E-Werk, Logo und einige andere Beschriftungen neu eingelegt, Flugrost von den Chromteilen entfernt, 2 neue Kommaschieber (identische Teile von einer Triumphator CRN1) eingesetzt.
Stahlhaube (ohne Schloss) vorhanden, Anleitung fehlt noch.
 
 

Rechenmaschine Badenia TH13

Diese Maschine ist eines der letzten Exemplare des schon 1930 entwickelten Modells, und auch sie zeigt mit ihren fast 12 Kilogramm, über 40 cm Breite und über 30 cm Tiefe einen Nachteil dieses früh entwickelten Bauprinzips mit ungeteilten Staffelwalzen: Alle waren sie groß und schwer. Der Platzbedarf der festen Staffelwalzen und die großen Tastenfelder bedingen, dass die Hand viel bewegt werden muss. Mechanisch war das jedoch einfacher zu bauen als die späteren geteilten Staffelwalzen und die Volltastatur hat auch einige Vorteile.
Praktisch bei dieser Maschine sind neben dem Einstellkontrollwerk die direkte Einstellung des R-Werks, der komplette Zehnerübertrag (was wieder die abgekürzte Multiplikation möglich macht) und die optionale Löschung der Eingabe nach jeder Rechnung (der „Additionsmodus”).
Anders als alle im Internet gezeigten Exemplare hat dieses modernste Design der TH13 vorne kein Handrad für die Schlittenverschiebung mehr. Stattdessen kann man die Kurbel etwas herausziehen, dann dreht sie nicht mehr die Staffelwalzen (rechnet also nicht mehr), sondern bewegt den Schlitten. Und wenn man die Kurbel leicht eindrückt, dann schaltet die Maschine auf Subtraktion. Es ist also nicht nötig, mit der zweiten Hand das „Minus”-Hebelchen zu drücken.
Damit fehlt für die automatische Division eigentlich nur noch eine Mechanik, die einen Überlauf erkennt und dann die Kurbel entsprechend drückt und zieht. Doch bei seinen handbetriebenen Maschinen hat der Hersteller das leider nicht mehr gemacht - das blieb seinen motorisierten Maschinen vorbehalten.
Einen kleinen Konstruktionsfehler hatte die Maschine m.E.: In den Stellen 1 und 2 klingelte das Überlauf-Glöckchen nicht, weil das entsprechende Bauteil zu kurz war. Offenbar war ein Teil aus einer TH10 (mit geringerer Kapazität) eingebaut worden. Ich habe das Teil nun durch einen Anbau verlängert - seitdem klingelt's korrekt.
Die Seriennummer lässt auf das Baujahr 1950 schließen, was auch zum Design passt: Nur 1950 bis 1952 gab es die TH13 ohne das Handrad. Der Verkaufspreis ist unbekannt, doch schon die kleine TH10 wurde für 850 DM angeboten - also waren hier sicher deutlich über 1.000 DM fällig (das wären etwa vier Monatslöhne).
Die Anschaffung erfolgte auf Kosten der Steuerzahler: Die Maschine stammt aus einem Forstamt in/bei Wittlich in der Eifel. Damit wurden also in den 50er-Jahren vermutlich u.a. Festmeter, Preise und Waldarbeiterlöhne berechnet.
Die Uhrenfabrik Mathias Bäuerle wurde bereits 1863 gegründet. Ab 1903 wurden dort neben Uhren, Uhrwerken und Schaltuhren auch erste Rechenmaschinen gebaut - damit war sie der weltweit vierte(!) Serienproduzent von Rechenmaschinen. Diese Maschinen mit den Marken „Peerless” („ohnegleichen”, für den Export) und „Badenia” hatten anfangs eine ganze Reihe von Neuerungen zu bieten (z.B. Doppelzählwerke, Einstellkontrollen, Multiplikationsgetriebe), später geriet man gegenüber der Konkurrenz etwas ins Hintertreffen. Ab 1952 wurden keine handbetriebenen Rechenmaschinen mehr gebaut, doch mit komplexen, elektromechanischen Automaten (Marke „EMBEE”) war man noch einmal recht erfolgreich. Schon 1964, also vergleichsweise früh, erkannte man die Zeichen der Zeit und stellte die gesamte Rechenmaschinen-Fertigung ein. Die Firma konzentrierte sich auf Maschinen für die Drucknachbereitung - und auch heute noch gibt es sie als →Hersteller von Falzmaschinen.
 
Badenia
TH13
Seriennummer 16666

44 x 33 x 20
11,7kg
1930 - 1952
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 9-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • Löschtaste für E-Werk, 2 Löschschieber für U- und R-Werk.
  • Zehnerübertrag im R- und U-Werk,
  • Schalter für Drehrichtungsumkehr und Stilllegung des U-Werks,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Schalter/Anzeige für Subtraktion,
  • Ziffern im R-Werk direkt einstellbar,
  • Kurbel zum Rechnen nur in eine Richtung drehbar, Subtraktion durch Drehen der eingedrückten Kurbel,
  • Schlittenverstellung durch Drehen der herausgezogenen Kurbel.
Kosmetisch passabler und funktional sehr guter Zustand: Viele große und kleine Stoßstellen am Gehäuse (das zum Glück recht massiv und daher unbeschädigt ist), Tasten mit z.T. deutlichen Gebrauchsspuren, aber alle noch intakt. Alles funktioniert wieder einwandfrei.
Ein gebrochener Halter eines der verschiebbaren Zahnräder wurde gegen ein selbstgebasteltes Alu-Teil ausgetauscht. An einigen Stellen musste die Positionierung der Zahnräder nachjustiert werden. Die Eingabe war weitgehend blockiert (ausgeleierte Federn, verhakte Hebelchen) und auch viele Zehnerüberträge hakelten: Also hieß es Federn kürzen, Tasten aus- und richtig wieder einbauen. Der Klingelanschlag wurde mit einem Alu-Streifen verlängert und ein Hebelchen im Zehnerübertrag des U-Werks gerade gebogen.
Anleitung fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Kleinaddiermaschine Lipsia Addi 7

Die Addi 7 wurde entwickelt als erschwingliche Addierhilfe für diejenigen, denen eine Vierspezies-Maschine zu teuer war. Sie hat sogenannte →Zahnsegmente – diese lassen sich seitlich ggf. wegklappen und man kann mit den bequemen Einstellhebeln das Resultatwerk vor- oder zurückstellen. Durch entsprechendes Aus- und Einkoppeln werden Addition und Subtraktion möglich. Ein Zehnerübertrag über alle Stellen ist vorhanden (gleichzeitiger Übertrag aber konstruktionsbedingt schwierig).
So eine Maschine kostete anfangs 85 Reichsmark (plus 4,60 Reichsmark für einen passenden Kasten). Dieses Exemplar ist vermutlich Ende der 40er-Jahre gebaut worden.
Der Mechaniker Jacob Otto Holzapfel arbeitete erst bei Brunsviga und Triumphator. 1914 machte er sich selbständig und bot unter der Marke „Lipsia” eine eigene, sehr gut verarbeitete Sprossenradmaschine an. Ab 1927 baute Holzapfel auch Zahnsegment-Maschinen. 1953 wurde die Firma enteignet und dem VEB Metallbau Leipzig einverleibt. Rechenmaschinen wurden dort dann nicht mehr gebaut, aber die Triumphator-Werke boten wenige Jahre später eine Maschine mit der Technik der Addi 7 als Triumphator KA an.

nach dem Öffnen: alles
voller Staubmäuseratten...


Lipsia
Addi 7
Seriennummer 30526

12,5 x 14,5 x 14,5
2,1kg
1930 - 1953
  • Eingabewerk 7-st.,
  • Resultatwerk 7-st.;
  • Minus-Taste
  • Löschtaste für E-Werk (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschkurbel für R-Werk.
  Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: Gehäuse gut erhalten, Sockel an einer Ecke angeschlagen, ein Griff nicht original; alles funktioniert einwandfrei.
Zentimeterhohe Staubmäuse im Innern entfernt.
Anleitung (angesichts des Funktionsumfangs eigentlich überflüssig) fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Registrierkasse NCR 1652

Die hier rechnet auch - wenn auch nur Tagessummen: Als Kasse wird sie zwar meist nicht zu den Rechenmaschinen gezählt, aber auch sie hat einen Zehnerübertrag im Summierwerk und kann dort addieren. Also ist sie definitionsgemäß eine „Einspezies-Maschine” - die halt bei jedem Rechenvorgang zusätzlich klingelt und eine Schublade öffnet.
Das Schaltwerk der Kasse besteht aus vier Stellsegmenten, die durch Hebel voreingestellt werden. Sie werden beim Kurbeln erst auf die Zahnräder des Summierwerks aufgeschwenkt und drehen dann diese Zahnräder (und damit die Ziffernrädchen) entsprechend ihrer Voreinstellung weiter.
Diese Kasse fand mein Vater vor, als er 1972 ein Ladengeschäft in Frankfurt übernahm. Einige Monate tat sie dann noch ihren Dienst, dann kam eine „modernere” Registrierkasse und sie wanderte in den Keller.
Die →Liste der NCR-Seriennummern zeigt, dass die Kasse bereits 1949 gebaut wurde - sie war also mindestens 22 Jahre im Einsatz. So lange hält heute keine mehr. Mit etwas Stempelfarbe, neuen Papierrollen (im ungebräuchlichen 4,4 cm-Format) und ein wenig Öl funktioniert sie nun fast wieder wie am ersten Tag.
Die National Cash Register Company gibt es unter diesem Namen seit 1884. Durch aggressives Marketing und Aufkauf vieler Konkurrenten (oft mit massiver Einschüchterung und hoher krimineller Energie - wegen unlauterer Geschäftspraktiken wurden NCR-Manager sogar zu Gefängnisstrafen verurteilt) erreichte die Firma in den USA schon 1910 95% Marktanteil. Auch in Deutschland hießen die meisten Kassen „National”, sie wurden ab 1896 in Berlin, ab 1945 in Augsburg hergestellt. Ab 1953 war NCR einer der Pioniere der EDV-Entwicklung, 1997 zog sich NCR allerdings wieder aus dem Computergeschäft zurück. Kassen werden dort immer noch gebaut, →sie sehen heute aber etwas anders aus...
   
Nationale Registrierkassen GmbH Augsburg
N-1652-B
Seriennummer U 4502040

50 x 42 x 45,5
26,2kg
ca. 1930 - ?
  • Eingabewerk (mit Kassierer- und Kundenanzeige) 4-st.,
  • Summierwerk 7-st.,
  • Druckwerk doppelt (für Bon und Journal).
  • Bondruck abschaltbar,
  • Ablesung und Löschung des Summierwerks mit zwei Schlüsseln,
  • ein kleines, nicht rückstellbares Zählwerk zählt die Nullstellungen,
  • manuelle Datumseinstellung des Druckwerks.
Kosmetisch mäßiger, funktional guter Zustand: Karosserie mit starken Gebrauchsspuren, die Marmorplatte über der Schublade fehlt. Schlüssel für Schublade und Druckwerk fehlen (werden zum Betrieb nicht benötigt), Rechen- und Speicherfunktion einwandfrei, Druck etwas schwach, Firmeneindruck im Bon („Reformhaus am Lokalbahnhof”) durch entfernte Andruckrolle stillgelegt.
Fehlende Andruckleiste für Journaldruck durch Gummiblock ersetzt, neue Farbe eingefüllt, Papierrollen umgespult.
Anleitung fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenmaschine Brunsviga 10

Die kleine, robuste Brunsviga 10 mit sehr beschränkter Stellenzahl und kleinsten Abmessungen war wohl eher als mobiler Rechner für die Arbeit außerhalb des Büros gedacht. Aber viele hatten sie auch auf dem Schreibtisch stehen, weil sie wirklich wenig Platz beansprucht und durch die feststehenden Einstellhebel und die schräg angesetzte Kurbel recht bedienerfreundlich ist. Die Ausstattung ist eher sparsam, es gibt z.B. keine automatische Eingabelöschung. Aber immerhin hat sie den Zehnerübertrag im U-Werk.
Die Maschine ist für den Hersteller in Aussehen und Technik sehr ungewöhnlich, sie hat nämlich geteilte Staffelwalzen. Eine Besonderheit dabei ist, dass die „5er-” und „1-4er”-Staffelwalzen auf zwei verschiedenen Achsen sitzen - daher werden die Zahnräder des E-Werks ggf. von zwei verschiedenen Stellen aus angetrieben.
Die grüne Farbe zeigt schon, dass dieses Exemplar nach dem 2. Weltkrieg hergestellt wurde, die Seriennummer deutet auf das Baujahr 1952, es ist also eine der ganz späten Maschinen dieses Modells. Die frühen Maschinen waren mit Löschtaste für das Einstellwerk und „nach rechts”-Schlittentaste etwas besser ausgestattet, beides fiel wohl aus Kostengründen später weg. 1932 kostete die „B10” 275 Reichsmark, nach dem Krieg waren 495 DM fällig.

→Mehr Infos zur B10

Die geteilten Staffelwalzen in Aktion
(AVI, Achtung: 40 MB!):

Brunsviga
10
Seriennummer 237715

23 x 17,5 x 9,5
3,6kg
1932 - 1952
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 6-st.,
  • Umdrehungszählwerk 5-st.,
  • Resultatwerk 10-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 2 Löschkurbeln für U- und R-Werk.
  • Wagen nur per Griff nach rechts zu stellen, nach links nur schrittweise mit einer Taste,
  • im U-Werk rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,,
  • Zehnerübertrag im R- und U-Werk,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel.
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: Lack durchgehend gut erhalten, nur eine der Gummirollen hat sich aufgelöst und der Schlittengriff ist leicht gerissen; einwandfreie und leichtgängige Funktion.
Fehlenden Knopf eines Einstellhebels ersetzt, eine Delle im Deckblech ausgebeult, die dadurch abgeschabten Zahlen eines Einstellrades nachgemalt. Tip zum Zusammenbau: Die Einstellräder vor dem Zerlegen durchnummerieren und in korrekter Reihenfolge wieder einbauen - sie lenken die Einstell-Leisten verschieden weit aus!
Anleitung aus dem Internet heruntergeladen und ausgedruckt.
 
 

Rechenmaschine Brunsviga 20

Dieses Modell wurde fast 30 Jahre lang gebaut. In den 30er-Jahren war es eine der am weitesten entwickelten Sprossenrad-Maschinen, bis zum Ende der Brunsviga-Produktion blieb das Modell fast unverändert. Es hat eine sehr hohe Kapazität und viele Extras, die die Bedienung vereinfachen oder besondere Rechnungen möglich machen - dadurch aber auch reichlich Gewicht. Die Teillöschung des Resultatwerks ermöglicht es, seinen linken Teil auch als Speicher zu benutzen.
Hersteller ist wieder Brunsviga - oder damals noch Grimme, Natalis & Co. Die Seriennummer datiert das Gerät auf 1949. Listenpreis damals: 1.055 DM (etwa vier Monatslöhne). Vorbesitzer war ein bekannter Turnvereins-Vorsitzender und Lehrer aus Idstein.
Auch auf dieser Maschine hat sich der Büromaschinen-Händler Berg mit einem aufwendigen Metallschildchen verewigt. Die Firma in bester Frankfurter Lage am Mainufer (heute ist links das Architekturmuseum, rechts das Museum für Kommunikation) gibt es heute jedoch auch nicht mehr.

→Mehr Infos zur B20

Brunsviga
20
Seriennummer 230471

41 x 22,5 x 17,5
12,5kg
1934 - 1963
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 12-st.,
  • Umdrehungszählwerk 11-st.,
  • Resultatwerk 20-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel und ein Gesamtlöschhebel für die drei Werke.
  • Rückübertragung vom R-Werk in die Eingabe (Eingabelöschhebel dazu weiter durchziehen),
  • Ziffern im R-Werk direkt einstellbar,
  • im U-Werk rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,,
  • Zehnerübertrag im U-Werk vollständig, im R-Werk nur über 15 Stellen,
  • separate Löschung der rechten Hälfte des R-Werks möglich.
Kosmetisch passabler, funktional sehr guter Zustand: Nullen und einige andere Ziffern des Kontrollwerks deutlich ausgebleicht, einige größere Stoßstellen am Gehäuse und eines der Gummirädchen am R-Werk ist sehr spröde. Keinerlei Rost und keine Ölverharzungen, die Probleme machen könnten (das ist das häufigste Problem dieser Geräte), daher immer noch beeindruckend leichter Lauf der Kurbel und aller Einstellschieber.
Sie war innen extrem eingestaubt, das hat glücklicherweise die Leichtgängigkeit aller Sprossen, Hebel und Gestänge nicht beeinträchtigt.
Von Herrn Weiss (→Mechrech.de - ein ganz großes DANKE!); eine Anleitung - sogar mit Beispielen zur Lösung quadratischer Gleichungen - als PDF erhalten und ausgedruckt.
 
 

Rechenmaschine Mercedes-Euklid 29

Eine weitere Proportionalhebel-Maschine, ungefähr ein Jahrzehnt jünger als die erste. Das Stahlblech ist dünner bzw. durch Leichtmetall ersetzt, das Gewicht um ein Drittel verringert. Technik und Design sind erheblich moderner: Sie hat flache, bequemere Glastasten, einen nach hinten verlegten Schlitten und automatische Division.
Unten gibt's einige Bilder und einen kurzen Film, der die Proportionalhebel in Aktion zeigt.
Die Maschine wurde vermutlich in der Buchhaltung von Radio Mende (zeitweise der größte Radiohersteller Deutschlands, später VEB Funkwerk Dresden) benutzt. So ganz sicher ist das nicht, der Vor-Vorbesitzer hat jedoch dort gearbeitet und die Maschine stammt aus seinem Nachlass. Die Seriennummer ist die früheste der im Rechnerlexikon bekannten, das Baujahr dürfte 1937 sein. Produziert wurde das Modell bis in die DDR-Zeit hinein unter dem Namen Mercedes R 29.

→Mehr Infos zur Euklid 29

Zahnrädchen auf 
Zahnstange 7,
8,
9:

Proportionalhebel bewegt Zahnstangen
(AVI, 12 MB!):

Mercedes-Euklid
29
Seriennummer 28005

38 x 32 x 19
12,9kg
1935 - 1952
  • Eingabewerk 9-st.,
  • Umdrehungszählwerk 6-st.,
  • Resultatwerk 12-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • Löschtaste für E-Werk, 2 Löschhebel für U- und R-Werk.
  • Zehnerübertrag im R- und U-Werk,
  • Zahleneingabe mit Volltastatur,
  • Ziffern im R-Werk direkt einstellbar,
  • Schalter für Drehrichtung des U-Werks,
  • Schalter für Drehrichtung des R-Werks,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Schlittenvorlauf nur durch Schieben per Hand, Rücklauf (mit Federkraft) per Taste,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar,
  • automatische Division (Kurbeln muss man aber noch ...).
Kosmetisch und funktional guter Zustand: Einige Stoßstellen und kleine Lackschäden an entrosteten Stellen, die meisten Tasten und Hebel sind noch original erhalten. Einwandfreie Funktion, nur die Tastenreihe ganz links (ursprünglich die mittlere) hat innen ausgebrochene Metallzungen, die vor langer Zeit notdürftig repariert wurden und ist daher nicht mehr allzu belastbar.
Die beiden Löschhebelgriffe und die Halteschrauben der Schlittenabdeckung fehlten und wurden ersetzt. Viele Tastenbeschriftungen waren nicht mehr lesbar, daher wurden alle erneuert. Einige Rostansätze entrostet.
Kurzanleitung aus einer Mercedes-Werbung und eine Anleitung für die R 29 aus dem Internet heruntergeladen und ausgedruckt.
 
 

Addiermaschine Brunsviga A 58

Diese Maschine hier ist eine, die nur addieren und subtrahieren kann. Ihr Schaltprinzip sind Zahnstangen, wie bei diesem Gerätetyp üblich. Eine Zehnertastatur hat sie noch nicht, jede Stelle hat ihre eigene Tastenreihe: Je nachdem welche Taste jeweils gedrückt wird, werden die Zahnstangen verschieden weit gestellt, beim Hebelzug greifen die Zahnstangen dann ins Summierwerk und stellen dort die Ziffern weiter.
Die Brunsviga A 58 heißt anders als ihre „Geschwister” mit dem „AS” im Namen so, weil sie nur Addiert, aber nicht Saldiert (Ergebnisse unter Null korrekt anzeigt). Im Internet findet sich fast nichts über dieses Modell, außer einer alten →Verkaufsanzeige eines Auktionshauses in Saragossa. In den einschlägigen Listen ist für diese Seriennummer das Baujahr 1950 angegeben und auch die Lackierung weist dieses Exemplar als Nachkriegsgerät aus - eigentlich kaum zu glauben, dass so spät noch Addiermaschinen mit Volltastatur gebaut wurden.
   
Brunsviga
A  58
Seriennummer 7767

32 x 26 x 20
8,2kg
1936 - ca. 1950
  • Eingabewerk 7-st.,
  • Summierwerk 8-st.;
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • R-Taste für Weiterverwendung der eingetippten Zahl.
  • Keine Anzeige, stattdessen Ausdruck auf Papierstreifen,
  • statt negativem Ergebnis wird ggf. das Neunerkomplement angezeigt,
  • keine Korrekturtaste - fehlerhafte Tastendrücke werden durch vorsichtiges Drücken der Zwischensummen- oder Summentaste korrigiert,
  • Kurbel abnehmbar.
Kosmetisch und funktional guter Zustand: Kaum Stoßstellen und einwandfreie Funktion, nur die Typen 3 und 4 der „1 Mark”-Stelle hakeln etwas.
Mit Schutzhaube, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenmaschine Friden H8

Die Friden Co. wollte eigentlich nur elektrisch angetriebene Maschinen bauen. Aber die US-Armee wünschte auch Maschinen, die ohne Strom funktionierten - also wurden auch die H8 und ihre „große Schwester” H10 gebaut. Diese Maschine ähnelt auf den ersten Blick den „Monroes”, ist aber deutlich komplexer aufgebaut mit vier Doppel-Staffelwalzen für die acht Stellen, einer Mechanik für die automatische Division und endlich auch einem Zehnerübertrag im U-Werk.
Die Seriennummer dieser Maschine deutet auf das Baujahr 1949. Sie war in einem Bergwerk in Ensdorf (Saarland) im Einsatz, ein Mitarbeiter nahm sie nach ihrer Außerdienststellung mit nach Hause und bewahrte sie so vor der Verschrottung. Der damalige Preis der Maschine ist mir leider nicht bekannt. Ihre relative Seltenheit, der große Funktionsumfang und die damals hohen US-amerikanischen Löhne sind Indizien dafür, dass sie damals wohl sehr teuer war - aber wie bei vielen meiner damals sehr teuren Maschinen war das hier kein Problem: Das Bergwerk war Staatsbetrieb...
Carl Mauritz Fredrik Friden war ein schwedischer Ingenieur, den die Wirren des 1. Weltkriegs in die USA verschlugen. Dort brachte er es bis zum Chefkonstrukteur des Rechenmaschinen-Herstellers Marchant, gründete aber 1934 seine eigene Firma. Erfolgreich wurde die Friden Inc. vor allem mit ihren großen elektrisch angetriebenen Vollautomaten - darunter auch die einzigen mechanischen Rechenmaschinen mit Wurzelautomatik. 1963 brachte Friden mit dem →Friden 130 noch den ersten volltransistorierten Elektronenrechner auf den Markt, doch es gelang nicht mehr, beim Konkurrenzkampf um niedrigere Preise, kleinere Gehäuse und mehr Funktionen mitzuhalten. Schon 1965 kaufte der Nähmaschinen-Hersteller Singer die Reste der Firma auf und bis 1974 wurden (teils von Hitachi gebaute) Rechner unter der Marke Friden verkauft. Heute baut Singer wieder hauptsächlich Nähmaschinen und ist im Eigentum einer Steuerspargesellschaft auf den Bahamas - die Marke Friden ist komplett erloschen.
   
Friden
H 8
Seriennummer 55694

42,5 x 36 x 23
12,9kg
1936 - 1954
  • Eingabewerk 8-st.,
  • Umdrehungszählwerk 9-st.,
  • Resultatwerk 17-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 2 Löschschieber (koppelbar) und Löschtaste
  • Zehner-Übertrag im U-Werk vollständig, im R-Werk nur über 12 Stellen,
  • die meisten Ziffern im R-Werk direkt einstellbar,
  • Umschalter für Drehrichtung des U-Werks,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • automatische Division (Kurbeln muss man aber noch ...),
  • daher keine Überlaufglocke.
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: extrem wenige Gebrauchsspuren, einwandfreie Funktion.
Die Maschine war völlig verharzt und blockiert, reichlich WD40 und anschließendes Benzinbad haben das behoben. Ein fehlendes Einstellknäufchen des R-Werks ersetzt, die etwas abgestoßene Wagenkurbel neu lackiert.
Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Kleinaddiermaschine Resulta BS 7

Die Resulta ist (zumindest für die Addition) komfortabler zu bedienen als ein kleiner Zahlenschieber, aber noch deutlich preisgünstiger zu produzieren als eine „richtige” Addiermaschine (gestanztes Blech, einfache Mechanik). Der passable Preis (86 DM) und ihr geringer Platzbedarf haben in den 50er-Jahren für weite Verbreitung gesorgt.
Die Resulta BS 7 (B = hat Einstellkontrollwerk, S = mit Subtraktion, 7 = Stellenzahl) gab es ab 1936 in mehreren Varianten mit immer neuen kleinen Verbesserungen, diese hier wurde von Ende 1951 bis 1954 gebaut. An allen Resultas wurde unten im Sockel von Hand das Herstellungsdatum eingekratzt: Hier steht 153g, also ist das Gerät vom Januar 1953 (das „g” steht für denjenigen Mitarbeiter, der die Endkontrolle gemacht hat).
Dieses Gerät erfüllt gerade so die Definition von „Maschine”, auf die man sich bei Rechengeräten geeinigt hat: Sie hat einen Zehnerübertrag in mindestens einem ihrer Rechenwerke und die Weitergabe/Berechnung der Eingaben erfolgt mittels Mechanik. Die Übertragung der Ziffern ins Rechenwerk geschieht hier mittels Zahnscheiben, in die die Einstellsegmente beim Herunterziehen eingreifen. Ganz ideal ist die Bedienung noch nicht: Für die Subtraktion muss ein Hebel umgestellt werden, um dann ein Ergebnis abzulesen muss man diesen Hebel wieder zurück stellen. Bei späteren Varianten war das dann besser gelöst (durch eine umschaltbare Blende im R-Werk).
Hersteller war die 1911 gegründete „Maschinen- und Werkzeugfabrik Paul Brüning” in Berlin. Resulta-Kleinaddiermaschinen wurden - anfangs noch unter dem Namen „Minerva” - von 1927 bis 1969 gebaut, zuerst im Wedding, dann in Reinickendorf. Nach 1969 wurden noch bis 1984 Formteile für die Elektroindustrie hergestellt, danach verliert sich die Spur der Firma.

→Viele Infos zu den Resultas

Eine Werbung:


Resulta
BS 7

11,5 x 15,5 x 10
1,4kg
1936 - 1956
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 7-st.,
  • Resultatwerk 7-st.;
  • Umschalter Addition/Subtraktion
  • Löschtaste für E-Werk,
  • Löschkurbel für R-Werk.
  • nur mit Stift oder Griffel zu bedienen,
  • Löschtaste des E-Werks kann fixiert werden.
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: Durch die Griffel recht viele Kratzer unter dem Eingabefeld, zwei kleine Dellen im Deckblech, der schwarze Schrumpflack des Gehäuses wirkt dagegen fast neu. Alle Funktionen gehen leicht und fehlerfrei (der Zehnerübertrag über 6 Stellen ist schwierig, klappt aber).
Originalgriffel fehlt, durch Palm-Griffel (Kunststoff, viel besser!) ersetzt, Anleitung aus dem Internet heruntergeladen und ausgedruckt.
 
 

Rechenstab Aristo 89

Bereits 1632 hatte William Oughtred die Idee, zwei gegeneinander verschiebbare logarithmische Skalen als Rechenhilfe zu benutzen - entweder als Rechenstab oder als Rechenscheibe. Spätestens um 1900 waren Rechenstäbe dann DAS Statussymbol schlechthin für jeden Ingenieur (so ähnlich wie das Stethoskop für Ärzte).
Sie waren zwar weniger genau als viele Rechenmaschinen (meist konnte nur auf drei bis fünf Stellen genau abgelesen werden), aber nach entsprechendem Training unvergleichlich schneller zu bedienen. Selbst die Ergebnisse komplizierter Rechnungen konnten - bei entsprechender Skalengestaltung - oft nach wenigen Handgriffen abgelesen werden. Die Stellung des Kommas musste man allerdings stets im Kopf behalten und überschlägig mitrechnen - was auch Vorteile hatte: Man wusste notwendigerweise stets ganz gut, was man da eigentlich berechnete.
Die Taschenrechner haben alle Rechenschieber fast völlig verdrängt, nur in bestimmten Nischen werden noch spezielle Geräte genutzt. Selbst moderne Flugzeuge haben z.B. für Notfälle noch so etwas wie eine →E6B im Cockpit.
Dieser Rechensstab von 1950 ist mit knapp 16 cm winzig klein und war ein Werbegeschenk, mit dem man einen gestandenen Ingenieur eventuell beleidigt hätte. Die großen, oft bis 50 cm langen Stäbe waren viel genauer abzulesen und hatten Platz für zusätzliche Skalen.
Dennert & Pape in Hamburg war einer der bedeutensten deutschen Hersteller von Rechenschiebern, diese wurden unter der Marke „Aristo” vertrieben. Mitte der 70er-Jahre verdrängten die elektronischen Geräte sehr schnell die Rechenschieber. Dennert und Pape versuchte noch, durch selbst gebaute und zugekaufte Taschenrechner im Geschäft zu bleiben, doch die Konkurrenz aus Fernost war übermächtig: 1978 endete die Produktion beider Produktlinien, Dennert und Pape wurde von Rotring aufgekauft und baut heute unter der Marke Aristo digitale Cutter und Zubehör. Die Filiale in Österreich wurde 2003 als →GEOtec selbständig und liefert unter der Marke Aristo Zeichenhilfsmittel und Schulbedarf wie z.B. das berühmte Geo-Dreieck.
   
Aristo
Nr. 89
Datumscode 5020

15,5 x 3,5 x 0,5
20g
1936 - 1977
  • Skalen: K A (B CI C) D L; hinten: (S ST T) d.h.: Kubik, Quadrat (2x), Kehrwert, Grundskala (2x), Log; hinten: sin (auch cos), sin kleiner Winkel, tan (auch cot),
  • Lineal für cm und inch.
  • Der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war,
  • Sondermarkierungen auf Skala C: π, 1,13+3,57 (C+C1, f. Zylindervolumina); 3438+206255 (ρ'+ρ'', o.Bez., f. sin und tan sehr kleiner Winkel) (→Quelle),
  • unter der Zunge Aufdruck: „WILHELM FISSENEWERT GÜTERSLOH Gelenkketten - Kettengetriebe”.
Kosmetisch guter, funktional sehr guter Zustand: Kaum Gebrauchsspuren, einwandfreie Funktion.
Mit Etui, Anleitung fehlt, daher eine allgemeine Anleitung für Rechenstäbe aus dem Web geholt, auf die Skalen dieses Gerätes angepasst und nachgedruckt.
 
 

Rechenmaschine Thales CER

Diese Sprossenrad-Maschine mit der „Standardkapazität” 10-8-13 wurde ca. 1940 gebaut. Sie ist eines der richtig gut ausgestatteten Modelle mit Zehnerübertrag im U-Werk, Einstellkontrolle und Rückübertragung. Das Alter der Maschine sieht man schnell an den beiden Flügelschrauben links und rechts am Wagen, die zur Löschung der Werke dienen. Auch die Löschung des Einstellwerks mittels außenliegendem Löschkamm ist später nur noch selten so konstruiert worden.
Die frühere Verwendung ist leider unbekannt, der damalige Neupreis betrug 600 Reichsmark.
Von 1952 bis 1965 wurde nochmals eine Thales CER gebaut - allerdings sieht diese Maschine dann deutlich anders aus und ist wesentlich zierlicher.
   
Thales
CER
Seriennummer 65239

28,5 x 15 x 13,5
5,9kg
1938 - 1940
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • Löschkamm für E-Werk,
  • 2 Flügelschrauben zur Löschung von U- bzw. U-/R-Werk.
  • Rückübertragung vom R-Werk in die Eingabe,
  • Zehner-Übertrag in R- und U-Werk,
  • Umschalter für Drehrichtung des U-Werks,
  • Ziffern in R-Werk direkt einstellbar,
  • optional auch Einzellöschung des R-Werks.
Kosmetisch passabler, funktional sehr guter Zustand: einige Gebrauchsspuren, einwandfreie Funktion.
Stark korrodierte Chromteile poliert, neue Gummifüße, Ziffern in Deckblech und Löschkamm neu eingelegt, Kommaschieber ersetzt.
Schutzhülle und Anleitung fehlen, eine (leider unvollständige) Anleitung aus dem Web geholt und nachgedruckt.
 
 

Rechenmaschine Archimedes H

Das ist eine typische Staffelwalzen-Maschine und so etwas wie das Einstiegsmodell des Herstellers zu jener Zeit. Sie hat Handantrieb und außer dem Zehnerübertrag im U-Werk und dem Additionsmodus keine besonderen Extras. Es gab als Varianten im gleichen Gehäuse auch das Modell HD, das die automatische Division kann und das elektrisch angetriebene Modell HE (ebenfalls mit automatischer Division).
Dieses Exemplar ist wohl in einem Industrie- oder Bergbaubetrieb im Einsatz gewesen: Weil die Archimedes H im Original keine Bodenplatte hat, wurde dort (für besseren Staubschutz?) ein Warnschild aus Kunststoff grob zugeschnitten und als Boden eingesetzt.
Glashütte im Erzgebirge war ab Mitte des 19. Jahrhunderts ein Zentrum der feinmechanischen Industrie, dort entstand auch die erste deutsche Serienfertigung von Rechenmaschinen. 1890 gründete Constantin Fischer dort eine Werkstatt für Präzisionsuhren und andere feinmechanische Geräte, zehn Jahre später gehörte diese Werkstatt Reinhold Pöthig, der bald mit der Entwicklung von Rechenmaschinen begann. Ab 1912 nannte sich die Firma folglich „Glashütter Rechenmaschinenfabrik Archimedes, Reinhold Pöthig”.
1920 übernahm Hans Sabielny, der in Dresden selbst Rechenmaschinen baute, den Vertrieb aller Archimedes-Maschinen - zuerst in Deutschland, später dann weltweit. Dafür steht das große „S” am Ende der Marke. Sabielny hat sicher mit seinem Vertriebstalent zum Erfolg der Marke beigetragen.
1951 wurde Archimedes „volkseigener Betrieb”. Bis 1960 wurden mechanische Rechenmaschinen gebaut, danach nur noch elektronische Geräte bzw. Komponenten, was zur Namensänderung in „VEB Rechenelektronik Glashütte” führte. Später wurde die Firma Teil des Robotron-Kombinats und ging mit diesem unter, als die DDR-Betriebe veruntreuhandet wurden.

Die Innenseite
der Bodenplatte:

Archimedes
H
Seriennummer A3059

32 x 36 x 22
9,7kg
1937 - 1940
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 7-st.,
  • Umdrehungszählwerk 6-st.,
  • Resultatwerk 11-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • Löschtaste für das E-Werk,
  • 2 Schieber zur Löschung von U- bzw. R-Werk.
  • Zehner-Übertrag im R-Werk bis zur 10. Stelle, im U-Werk durchgehend,
  • 2 Umschalter für Drehrichtung von U-(rot) bzw. R-Werk(schwarz),
  • Ziffern in R-Werk direkt einstellbar (...soweit die Wirtel noch dran sind),
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
Kosmetisch und funktional passabler Zustand: einige Stoßstellen nur retuschiert; alle Funktionen gehen zwar wieder, aber 3 Wirtel im R-Werk und alle Kommaschieber-Leisten fehlen (noch).
Tasten teils neu eingelegt und nachjustiert, Schlitten neu lackiert.
Schutzhülle und Anleitung fehlen, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenstab Castell Addiator 1/87A

Dieser Rechenstab von 1940 offenbart beim Umdrehen eine Besonderheit: Weil man mit Rechenschiebern (-stäben/-scheiben) nicht addieren und subtrahieren kann, wurde hier auf der Rückseite ein Addiator (das Modell Universal) eingebaut. Damit sind dann alle vier Grundrechenarten durchführbar. Der Addiator kann ansonsten auch zum Notieren von Zwischenergebnissen genutzt werden.
Die Idee dazu stammt von der Firma Addiator, dort wurden die Kombinationsgeräte anfangs auch montiert. Spätere Ausführungen entstanden dann noch bis 1972 bei Faber-Castell.
Unter dem Infolink zum Rechnerlexikon gibt es dazu ausführliche Infos, zu den Zahlenschiebern steht mehr beim Record LM.
Dieses Exemplar wurde den Vorbesitzern von einem Schmied geschenkt - es ist wahrscheinlich, dass dieser den Rechenstab tatsächlich noch genutzt hat.
Die Firmengeschichte von →Faber-Castell begann 1761 mit der Herstellung von Bleistiften - das macht man dort heute immer noch, dazu viele weitere Artikel für Büro und Schule. Zwischenzeitlich war A.W.Faber auch einer der größeren Hersteller von Rechenschiebern - bis diese von den elektronischen Taschenrechnern verdrängt wurden.
→Addiator ist die Firma, die dem Zahlenschieber seinen umgangssprachlichen Namen gab. In der großen Zeit der Zahlenschieber war die von Carl Kübler 1920 gegründete Firma Weltmarktführer dafür. Anders als Faber-Castell überlebte die Firma den Siegeszug der Elektronik jedoch nicht: 1975 wurde die Firma gelöscht.

→Viele Infos
beim Rechnerlexikon!
   
Castell
1/87A Addiator


30 x 4,5 x 1,5
170g
1937 - 1955
  • Alle Grundrechenarten ausführbar,
  • Skalen: K A (B CI C) D L; hinten: (S ST T) d.h.: Kubik, Quadrat (2x), Kehrwert, Grundskala (2x), Log; hinten: sin (auch cos), sin kleiner Winkel, tan (auch cot),
  • Löschbügel für den Addiator,
  • Lineal für cm und inch.
  • Auf der Rückseite Tabellen: Baustoff- und Metallgewichte, elektrische Widerstände, wichtige Umrechnungen,
  • Sondermarkierungen: auf Skala A/B π, 1/π (M, f. Zylinderwandflächen), π/4 (unbenannt, f. Kreisflächen); auf Skala C/D π, 1,13=√(4/π)+3,57=√(40/π) (C+C1, f. Zylindervolumina), 3438+206255 (ρ'+ρ'', f. sin und tan sehr kleiner Winkel), (→Quelle),
  • der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war.
Kosmetisch guter, funktional sehr guter Zustand: Das cm-Lineal hat einen leichten Riss, sonst wenig Gebrauchsspuren; einwandfreie Funktion.
Mit gut erhaltenem Papp-Etui, Anleitung fehlt. (Die ausgezeichneten →Lehrbriefe von Faber-Castell sind bei Rechenschieber.org herunterladbar - das ersetzt jede Anleitung völlig.)
 
 

Rechenmaschine Original-Odhner 27

Auch das ist noch eine vor dem 2.Weltkrieg entwickelte Maschine in der typischen Farbe der damaligen Zeit: Bis weit in die 40er-Jahre hinein waren Rechen- und Schreibmaschinen in der Regel schwarz. Diese hier stammt aus dem Jahr 1940. Ihre Rechenkapazität ist durchschnittlich, es gibt weder Zehnerübertrag im U-Werk noch ein Einstellkontrollwerk - die abgekürzte Multiplikation ist also unmöglich und das Ablesen der eingestellten Zahl macht etwas Mühe. Über die Mindestausstattung hinaus geht nur der Rückübertrag - das Modell 27 ist die erste Odhner-Maschine, die den jemals hatte. Damit wurden dann Kettenrechnungen ohne neu eingegebene Zwischenergebnisse möglich.
Rechenmaschinen mit relativ einfacher Ausstattung (oder auch geringerer Kapazität) waren recht weit verbreitet, weil sie etwas preiswerter angeboten werden konnten als diejenigen mit allen Extras. Für dieses Modell kenne ich bislang nur einen Neupreis aus Schweden: 330 Kronen (das waren etwa 270 Reichsmark - in Deutschland waren die importierten Maschinen vermutlich teurer).
Das etwas seltsame „Original” im Firmennamen hat einen guten Grund. Der schwedische Entwickler W.T.Odhner war derjenige, der um 1870 herum das Sprossenrad zur Produktionsreife brachte und entsprechende Patente anmelden konnte. Ab etwa 1890 baute er in St.Petersburg die ersten Maschinen, verkaufte aber schon bald auch Lizenzen an andere Hersteller. Einige dieser Lizenznehmer (z.B. Brunsviga mit der Brunsviga B) wurden mit ihren Maschinen wirtschaftlich schnell so erfolgreich, dass Odhner schon 1907 das „Original” vor den Namen setzte.
Während der Oktoberrevolution wurde die Firma enteignet und die Sowjets bauten nun (mit den vorhandenen Maschinen und dem vorhandenen Wissen der Arbeiter) baugleiche Rechenmaschinen auf „volkseigene” Rechnung. Odhners Sohn verließ Russland und gründete „Original-Odhner” in Göteborg neu. 1942 wurde Odhner von Atvidaberg Industries („Facit”) aufgekauft, Produktion und Marke blieben jedoch erhalten. Auch elektromechanische Addier- und Buchungsmaschinen wurden gebaut. 1973, als Facit von Electrolux gekauft wurde, wurde auch bei Odhner die Produktion der mechanischen Rechner eingestellt. Noch bis 1990 wurden erst für Elektrolux, dann für Ericsson Plattenspieler und elektrische/elektronische Bauteile hergestellt, dann war endgültig Schluss.
Diese Maschine kam als Wrack. Von schlimm zu harmlos war das: Der massive rechte Seitenträger war gebrochen, der Schlitten blockierte ab Stelle 4 nach links, der Einstellring der 10er-Stelle war sehr schwergängig, der Kurbelgriff und der Knopf der Rückübertragung fehlten. Innen war sie millimeterhoch voll undefinierbarem Schmier und die Gummifüße hatten sich in zähen Klebstoff verwandelt. Trotz alle dem hat sie sogar da noch - wenn auch etwas hakelig - gerechnet!
Nach dem Zerlegen, Benzinbad, Kleben des Seitenträgers, Verlängerung der Kurbelsperre, Nachfeilen und Polieren der Schlittenführung, Zusammensetzen, Knöpfeschnitzen, Nachlackieren und Anschrauben neuer Gummifüße ist nun alles o.k. - nur die Trommel habe ich nicht zerlegt sondern lediglich in Benzin gebadet (und vielleicht findet sich ja auch mal ein schönerer Kurbelgriff...).
Original-Odhner
27
Seriennummer 169635

30 x 15,5 x 12,5
5,5kg
1938 - 1947
  • Eingabewerk (ohne Kontrollwerk) 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 2 Löschkurbeln für U- und R-Werk.
  • Rückübertragung vom R-Werk in die Eingabe,
  • Zehner-Übertrag nur im R-Werk,
  • Rote Ziffern im U-Werk, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • Löschung des E-Werks über Knopf rechts (oder Schieber auf dem Frontblech) und Hauptkurbel.
Kosmetisch und funktional guter Zustand: Die Bleche sehen bis auf einige Kratzer und Stoßstellen noch recht gut aus, Kurbelgriff und Rückübertragungshebel offensichtlich nicht original; die 10er-Stelle rastet schlecht ein, die Schieber, Hebel und Kurbeln laufen schön leicht.
Anleitung fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 
Beim Betrachten der Jahreszahlen fällt auf, dass nun über zehn Jahre keine echte Neuentwicklung in der Sammlung vertreten ist. Der zweite Weltkrieg führte offenbar auch da zu einer massiven Unterbrechung, statt neuer Rechenmaschinen wurden einstweilen neue Panzer, Flugzeuge und Kanonen entwickelt. Und schon da wurden mit der Entwicklung erster großer Elektronenrechner die Grundlagen für den späteren Untergang der mechanischen Rechenmaschinen geschaffen - obwohl diese nach dem Krieg noch einmal eine Blütezeit erlebten ...
   
 

Zahlenschieber Record LM

Schon zur Zeit der ersten „richtigen” Rechenmaschinen versuchte man, kleine, billige Rechenhilfen „für Jedermann” zu entwickeln und zu vermarkten. Das Prinzip des →Zahlenschiebers war bereits vor 1600 bekannt, aber erst 1847 fand Hermann Kummer einen Weg für den „halbautomatischen” Zehnerübertrag (die „Kurve” ganz oben in der Rille). Ab 1889 wurden solche Zahlenschieber in größerem Maßstab produziert, ab 1920 wurden sie durch die Firma „Addiator” (deren Markenname zum Synonym für diese Gerätegattung wurde) und andere Firmen zum erfolgreichen Massenprodukt. Anfang der 70er-Jahre stellten die meisten Firmen schnell und nahezu zeitgleich die Produktion ein - die Elektronik trat ihren Siegeszug an. Der Record LM jedoch soll noch bis 1983 gebaut worden sein.
Üblich waren eher Größen, die bequem in die Jackentasche passten - das hier ist jedoch ein Riese unter den Zahlenschiebern, der sicher nicht für den mobilen Einsatz bestimmt war. Er ist praktisch identisch zum Ende der 20er-Jahre entwickelten „Produx Record” - kein Wunder, da er auf den gleichen Maschinen hergestellt wurde.
Lucie Meuter war die geschiedene Frau von Otto Meuter, eines der bedeutensten Hersteller von Zahlenschiebern. Er ging nach dem 2. Weltkrieg nach Westdeutschland und stellte dort wieder Geräte unter seiner Marke „Produx” her - sie aber blieb in der DDR und ließ schon ab 1945 auf den alten Maschinen den Record LM bauen. Es blieb das einzige Rechengerät der Firma, die ihre Produktpalette später um Kunststoff-Produkte erweiterte. 1976 und 1985 wechselte die Firma jeweils den Besitzer, 1989 wurde sie gelöscht.

→Viele, viele Anleitungen...
   
Record
LM


11,5 x 20,5 x 1
240g
1945 - ca. 1983
  • Eingabe über 10 Zahnstangen (10. Stange nur per Zehnerübertrag),
  • Addition, Subtraktion (nicht unter Null!),
  • Löschschieber.
  • unten Addieren, oben Subtrahieren.
Kosmetisch und funktional guter Zustand: Nur wenige Kratzer, alle Schieber leichtgängig.
Originalgriffel, -etui und -anleitung fehlen, Griffel aus einem Palm-Stift zurechtgefeilt, Anleitung aus dem Internet heruntergeladen und ausgedruckt.
 
 

Kleinaddiermaschine Stima MS III

Die Stima („Stift-Maschine”?) ist sogar so klein, dass sie gut in eine Jackentasche passt. Allerdings ist ihr Bedienungskomfort entsprechend gering, die Werte müssen noch mit einem Griffel eingegeben werden. Der Vorteil gegenüber den Zahlenschiebern sind aber der echte Zehnerübertrag und die mögliche Einstellkontrolle.
Die Bedienungsanleitung gibt auch Rechenwege für Subtraktion und Multiplikation an - beides ist allerdings sehr umständlich und damit auch langsam und fehleranfällig.
Die Verarbeitung der Maschine ist sehr hochwertig. Trotz ihrer geringen Größe besteht sie, wenn man der Werbung glauben darf, aus rund 500 sehr präzise gefertigten Teilen. Entsprechend teuer war das Modell: Der Neupreis lag bei 175 Schweizer Franken. Die Seriennummer lässt für dieses Exemplar ein Baujahr um 1950 vermuten.
Gebaut wurden die Stimas in der Fabrik Albert Steinmanns in La Chaux De Fonds (Schweiz). Leider ist über die Firma wenig bekannt, nur dass die ersten Stimas 1930 entstanden und mindestens bis Anfang der 50er-Jahre auch eine Staffelwalzen-Maschine produziert wurde.
   
Stima
MS III
Seriennummer 30566

10 x 14,5 x 2,5
640g
1946 - ?
  • Eingabewerk 9-st.,
  • Resultatwerk 9-st.;
  • Subtraktions-Taste
  • Löschtaste für E-Werk (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschknopf für R-Werk.
  • Schieber für schnelle Addition ohne Eingabekontrolle.
Kosmetisch und funktional guter Zustand: Einige Kratzer auf der Rückseite und an einer Kante leicht abgestoßen; alles funktioniert, nur die beiden rechten Stellen sind geringfügig schwergängiger.
Schutzhülle fehlt, Anleitung aus dem Internet heruntergeladen und ausgedruckt.
 
 

Scheibenaddierer „The Lightning Adding Machine”

Im Prinzip sind Scheibenaddierer späte Miniaturausgaben der berühmten →Pascaline. Ein Griffel wird in das zur Ziffer korrespondierende Loch einer Scheibe gesteckt und diese dann bis zum Anschlag gedreht. Da dabei ggf. auch ein Zehnerübertrag passiert, handelt es sich um echte, wenn auch sehr einfache Maschinen. Es waren Geräte für diejenigen, die sich eine große Rechenmaschine entweder nicht leisten konnten oder die nicht benötigten, weil nur kleine Additionsaufgaben zu bewältigen waren. In Europa wurden Scheibenaddierer kaum gebaut und benutzt (stattdessen eher Zahlenschieber), in den USA jedoch blieben sie bis weit nach dem 2. Weltkrieg noch verbreitet im Einsatz.
Dieses Modell, gebaut im August 1946, ist das erste des Herstellers. Es ist nur zum Addieren wirklich gut geeignet (also eine „Einspezies-Maschine”) obwohl die Werbung damit protzt, dass man alle vier Grundrechenarten ausführen könne. Multiplikation und Division sind aber nur mit viel Kopfrechnen und/oder Notizen zu bewältigen, das geht mit Stift und Papier schneller. Der damalige Neupreis lag bei 12,95 Dollar. Hier muss man zum Löschen noch alle Stellen einzeln auf Null drehen, erst zwei Jahre später wurde das Nachfolgemodell mit Löschschieber eingeführt. Noch spätere Modelle konnten dann auch für Subtraktion mit korrektem Zehnerübertrag benutzt werden.
„The Calculator Co.” wurde 1915 in Grand Rapids gegründet. Die Firma ließ ihre als „Lightning Calculator” bezeichneten Scheibenaddierer vermutlich bei einer Metallstanz-Fabrik in Lohnfertigung bauen, denn fast baugleiche Geräte gibt es in den 20er- und 30er-Jahren auch von anderen Firmen aus Grand Rapids (aber auch aus Oakland). Die Namen und Besitzer all dieser Firmen wechselten öfters, um 1926 wurden die Geräte durch die in einer Linie liegenden Schaulöcher für das Ergebnis verbessert. Anfang der 40er-Jahre pausierte die Herstellung von Scheibenaddierern, denn die Stanzen wurden nun für den Krieg benötigt...
„The Lightning Adding Machine Co. Inc.” war der Nachfolger der „Calculator Co.”, nun allerdings mit Firmensitz in Los Angeles. Die gleichnamige Maschine (nun also nicht mehr als „Calculator” angepriesen) in ihren verschiedenen Enwicklungsstufen wurde dort von 1946 bis 1959 in über zwei Millionen Exemplaren gebaut. Nach 1959 ist jedoch keine Spur der Firma mehr zu finden.

→Mehr Infos
 
The Lightning Adding Machine Co.
Lightning Adding Machine
ohne Seriennr., Datumsstempel AUG 23 1946

30,5 x 6,5 x 1 (mit Ständer 36 x 11 x 4,5)
300g (mit Ständer 600g)
1946 - 1948
  • Eingabe über 7 Lochscheiben,
  • Anzeige in 7 Schaulöchern,
  • primär nur Addition,
    hilfsweise Subtraktion über die roten Dreiecke.
  • Zehnerübertrag nur bei Drehung im Uhrzeigersinn,
  • Aufsteller aus Bakelit.
Kosmetisch und funktional guter Zustand: einige Kratzer und winzige Lackfehler, insgesamt guter Gesamteindruck; alles funktioniert einwandfrei (sogar der Zehnerübertrag über alle 6 Positionen!).
Eine Feder nachjustiert, zwei Ziffern ausgebessert, Griffel aus Kupferstange hergestellt
Originalgriffel, -etui und -anleitung fehlen; Text der Anleitung des Vorgängermodells im Netz gefunden, überarbeitet und ausgedruckt.
 
 

Rechenstab Castell Addiator 67/22R Disponent

Auch dieser kleine Rechenstab hat wieder einen Addiator (diesmal einen Arithma). Außerdem hat er recht ungewöhnliche Skalen, die eher für Kaufleute und Bankangestellte gedacht waren.
Unter dem Infolink zum Rechnerlexikon gibt es dazu ausführliche Infos, zu den Zahlenschiebern steht mehr beim Record LM.
Der Datumsstempel dieses Exemplars gibt als Produktionsjahr 1951 an.

→Viele Infos
beim Rechnerlexikon!
 
Castell
Addiator 67/22R Disponent


15,5 x 4,5 x 1
70g
1947 - 1972
  • Alle Grundrechenarten ausführbar,
  • Skalen: KZ (T p% E/T) V/Z; hinten: (Pfund/Shilling/Pence) d.h.: Kapital, Tage (Jahr), Zinsfuß, Verkauf/Teiler, Einkauf/Zähler,
  • Löschbügel für den Addiator,
  • Lineal für cm und inch.
  • Sondermarkierung π auf jeder Skala,
  • der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war.
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand, kaum Gebrauchsspuren; einwandfreie Funktion.
Etui und Anleitung fehlen (Die ausgezeichneten →Lehrbriefe von Faber-Castell sind bei Rechenschieber.org herunterladbar - das ersetzt jede Anleitung völlig).
 
 

Rechenmaschine Curta I

Die kleinste aller Vierspezies-Maschinen stammt auch aus einem kleinen Land - aus Liechtenstein. Sie enthält auf nur 5,3 cm Durchmesser und 10,7 cm Höhe alle nötigen Bedienelemente und Anzeigen. Das wird dadurch erreicht, dass alle Stellen durch eine einzige zentrale Staffelwalze angetrieben werden. Diese Staffelwalze ist zudem mit Zähnen für die Komplementärziffern ausgestattet, so dass man allein durch leichtes Herausziehen der Kurbel auch subtrahieren kann. Runde Rechenmaschinen mit zentraler Kurbel gab es schon lange, aber keine davon kann an Kompaktheit mit der Curta mithalten.
Die Herstellung erforderte höchste Präzision - und vor allem erst einmal die Ideen, wie man eine solche Miniaturisierung erreicht. Die Curta gilt daher zu Recht als feinmechanisches Wunderwerk. Mit 425 DM war sie damals gar nicht so furchtbar teuer - heute jedoch ist je nach Zustand schon mal das nominal Vierfache oder mehr dafür zu zahlen, obwohl sie keineswegs selten ist.
Dieses Exemplar stammt nach den Angaben auf Curtamania aus dem Jahr 1957, es hat noch die ältere Version der Kurbel und des Löschrings (Metall statt Kunststoff). Benutzt wurde es beim Zoll: Der Vater des Vorbesitzers war Betriebsprüfer beim Zoll in Passau und erhielt dort diese Curta, um bei Außenterminen eine eigene Rechenmaschine zur Hand zu haben.
Die ursprünglich als „Liliput” geplante Maschine wurde von Curt Herzstark konstruiert. Erste Ideen dazu entwickelte er schon ab 1934 als Konstrukteur in der Rechenmaschinen-Fabrik seines Vaters („Austria”) in Wien. 1937 erbte er diese Firma, bis 1943 konnte er sie weiterführen. Damals wurden dort u.a. feinmechanische Geräte für die Wehrmacht produziert. Dann wurde Herzstark im KZ Buchenwald interniert, durfte dort aber weiter an der Entwicklung seiner Kleinstrechenmaschine arbeiten. 1944 wurden ihm dafür zwei Patente erteilt, zum Kriegsende waren erste Prototypen fertig.
Nach seiner Befreiung suchte Herzstark einen Hersteller für seine Entwicklung. Mit Vertretern des Liechtensteiner Fürsten (die ihn letztlich massiv übervorteilten) wurde er handelseinig und die Firma Contina entstand.
Die Produktion lief dort gut, aber die Firma blieb von Beginn an unterkapitalisiert und der Verkauf wurde extrem halbherzig betrieben. Es wurden daher zwar viele Curtas verkauft (so etwa 140.000), aber weit weniger als es dem Bedarf entsprochen hätte und als zur Kostendeckung nötig gewesen wären. Der große wirtschaftliche Erfolg blieb folglich aus und 1966 wurde die Contina AG von der Hilti AG übernommen. Bis 1970 wurden weiterhin Curtas gebaut, dann führte der absehbare Siegeszug der elektronische Geräte zum Ende von Produktion und Firma.

Alles über die Curtas auf
→Curtamania.com
und
→Curta.de

Ein Größenvergleich:

 
Contina
Curta I
Seriennummer 38754

5,5 x 5,5 x 11
230g
1948 - 1970
  • Eingabewerk 8-st.,
  • Umdrehungszählwerk 6-st.,
  • Resultatwerk 11-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • Löschring für R- und U-Werk (durch Ziehen um das Werk).
  • Zehnerübertrag im R- und U-Werk,
  • Schalter für Drehrichtung des U-Werks,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar (Subtraktion mit gezogener Kurbel).
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Nur kleinste Gebrauchsspuren, extrem leichtgängiger Lauf.
Schutzdose und Originalanleitung vorhanden.
 
 

Tröger Rechenscheibe

Durch die runde Form ist das ein quasi "endloser" Rechenschieber. Allerdings eine recht primitive Form mit nur drei Skalen, laut Hersteller gedacht „für den Gross- und Einzelhandel aller Branchen”.
Damit hat mein Vater bis etwa 1973 Preise und Handelsspannen berechnet. Erst nach Juni 1968 kann er die Scheibe gekauft haben: In der Anleitung stehen 11% Mehrwertsteuer (fast halb so viel wie heute, aber damals reichte das Geld für ordentliche Schulen, Straßen und Renten).
Die Firma Tröger begann vor 1920 (Patent ab 1904) in Mylau mit dem Bau ihrer „runden Rechenschieber”. Nach der Teilung Deutschlands wurde dann im Westen bis Ende 1974 weiter produziert. Es gibt verschiedene Modelle, das hier ist die letzte Baureihe.
     
Hans Tröger
Rechenscheibe

29 cm Durchmesser
300g
ca. 1950 - 1974
  • Zwei logarithmische Skalen für Multiplikation und Division,
  • Prozentwerte, Angabe von 1 inch, 1 oz, Pi und 1 lbs.
  Kosmetisch guter, funktional sehr guter Zustand: leichte Gebrauchsspuren, Skalen intakt, leichtgängige Funktion.
Originalanleitung in mehreren Versionen vorhanden.
 
 

Rechenmaschine Rokli 7R

Die 7R ist ein ausgereiftes Gerät mit den wichtigsten Extras und der damals verbreiteten Kapazität 10/8/13, solide verarbeitet und wohl auch deshalb immer noch mit einwandfreier Funktion.
Dieses Exemplar ist ein echter Kellerfund und sammelte dort viele Jahre lang Staub, seine frühere Verwendung ist nicht ganz klar. Die beiden netten Verkäuferinnen vermuteten jedoch, dass ein Verwandter sie aus seinem Büro beim Maschinenhersteller Naxos Union mit nach Hause brachte, nachdem sie dort nicht mehr gebraucht wurde (das war wohl auch jemand, der funktionierende Sachen nicht einfach wegwerfen wollte). Gebaut wurde die Maschine vermutlich 1954. Ein Jahr zuvor lag der Preis noch bei stolzen 775 DM (etwa zweieinhalb Monatslöhne). Diese Maschine ist deutlich weniger aufwendig beschriftet als das im Rechnerlexikon gezeigte →prachtvolle Exemplar aus früheren Jahren - sicher eine Maßnahme, um die Produktionskosten zu senken.
Der Hersteller war nur etwa 20 km von meinem jetzigen Wohnort entfernt. Rokli steht für Robert Kling - eine Firma aus Oberbiel bei Wetzlar, die ab 1918 Kugellager herstellte (damals noch in Wetzlar) und 1949 in die Rechnerproduktion einstieg, weil die Kugellagerherstellung von den Siegern des 2. Weltkriegs verboten wurde. Schon neun Jahre später wurde die Produktion wieder eingestellt, stattdessen kaufte man fünf Jahre lang Schubert-Maschinen (z.B. diese DRV) zu und verkaufte diese unter dem eigenen Firmennamen. Dann begann man im belgischen Zweigwerk wieder mit der Produktion elektromechanischer Addiermaschinen und Registrierkassen und kaufte Rechenmaschinen anderer Hersteller zu: Unter der neuen Marke „Kling” gab es z.B. eine →schrill-orange Rechenmaschine, die eindeutig vom jugoslawischen Hersteller Calcorex stammt (und mit ihren feststehenden Einstellhebeln technisch recht fortschrittlich ist), ja sogar elektronische Tischrechner wie →diesen von Brother gebauten. 1974 kaufte FAG Kugelfischer die Firma auf, spätestens da endeten Rechenmaschinen-Produktion und -Verkauf. Heute heißt die Firma dort →IBC Wälzlager GmbH und stellt immer noch bzw. wieder Kugellager aller Art her.
   
Rokli
7R
Seriennummer 013031

30 x 16,5 x 15
5,2kg
ca.1950 - 1958
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Rückübertragung vom R-Werk in die Eingabe,
  • Zehnerübertrag im R- und U-Werk,
  • Umschalter für Drehrichtung des U-Werks,
  • Schlittenfreigabe-Taste.
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: Einige Stoßstellen, Zahlenreihen der „1Mark”- „10Pfennig”- und „1Pfennig”-Stellen durch häufige Benutzung etwas abgegriffen. Sehr leichtgängiger Lauf.
Spröde Gummifüße ersetzt - und die unglaublich hässliche, sanitärgrüne Schlittenfreigabetaste schwarz eingefärbt :)
Anleitung fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenmaschine M.J.Rooy

Eine eigenartige Maschine, mit einer Mischung damals fortschrittlicher und altertümlicher Merkmale. Sie schaut wie eine typische Sprossenrad-Maschine aus, ist aber keine. Hier arbeiten Stellsegmente, was die nicht mitdrehenden, bequemeren Einstellhebel ermöglicht. Auch eine Rückübertragung ist vorhanden, aber das sind dann schon die Pluspunkte des Geräts. Auf der anderen Seite stehen der fehlende Zehnerübertrag im U-Werk (was in den 50er-Jahren zumindest für Westeuropa sehr ungewöhnlich ist) und eine vergleichsweise „grob gestrickte” Mechanik mit viel Material minderer Qualität (statt Messing und massivem Stahl viel Aluminium und dünne Stanzteile). Die Maschine ist deshalb auch etwas größer als damals üblich und für zuverlässige Funktion ist eine extrem genaue Justierung nötig. Die Stellsegmente sind baugleich mit denen der Marchant H9 - wahrscheinlich wurden hier Restmengen verbaut, die Marchant (nach der Aufgabe der Produktion von Stellsegment-Maschinen) nicht mehr benötigte und daher preiswert abgegeben hat.
Ein Neupreis der Maschine ist leider nicht bekannt. Es gibt auch keine Modellbezeichnung, obwohl es mindestens ein weiteres Modell unter der gleichen Marke (ohne Rückübertragung) gibt. Die Seriennummer dieses Exemplars ist eine aus dem Mittelfeld der bekannten Nummern, das lässt ganz grob ein Baujahr um 1957 schätzen.
Von M.J.Rooy ist im Netz wenig zu finden, nur dass es ein Schreibmaschinen-Hersteller aus Paris war. Deren erste Schreibmaschinen wurden in Lizenz von Underwood gebaut, ab 1950 hießen sie dann ROOY. Wegen einer Klage der Royal Typewriter Co. wurde der Name 1954 zu M.J.Rooy geändert. Irgendwann in der ersten Hälfte der 60er-Jahre wurde die Produktion dann eingestellt.
M.J.Rooy hat die Rechenmaschinen vermutlich nicht selbst gebaut. In Italien wurde von der Firma Steiner Calculator aus Mailand - über die man ebenfalls sehr wenig weiß - eine baugleiche Maschine als „Helios” angeboten, es ist wahrscheinlich, dass dies der eigentliche Hersteller ist.
In Mailand scheint es überhaupt bis in die 60er-Jahre eine regelrechte „Szene” mit Rechenmaschinen-Konstrukteuren und kleinen bis kleinsten Herstellern und Vertriebsfirmen gegeben zu haben, von denen heute jeweils nur wenige Maschinen bekannt sind und über die man noch wenig weiß.

Ein Stellsegment aufgeklappt:

Stellsegmente in Aktion [weiss = 3, rot = 6]
(AVI, 15 MB!):

 
M.J.Rooy

Seriennummer 12905

34 x 17,5 x 15
5,7kg
ca.1951 - 1962 (?)
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • Löschhebel für E-Werk,
  • 2 Löschkurbeln für U- und R-Werk.
  • Rückübertragung vom R-Werk in die Eingabe,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel,
  • Zehnerübertrag nur im R-Werk.
Kosmetisch und funktional guter Zustand: nur wenige Gebrauchsspuren; alles funktioniert einwandfrei.
Sperrmechanik und viele Stellsegmente waren durch altes Fett fest, was letztlich nur durch komplettes Zerlegen und Benzinbad zu beheben war. Ein fehlender Knopf ersetzt, Trommel justiert. Eine Achse zuviel gezogen, unter heftigem Fluchen stundenlang winzige Kügelchen in die Übertragsschieber zurückgedrückt.
Schutzhaube fehlt, Kopie der französischen Anleitung im Netz gefunden und ausgedruckt.
 
 

Zahlenschieber Addifix-9

Das hier ist nun ein typischer Zahlenschieber im „Taschenrechner”-Format: Er misst gerade mal 13 cm  x  8,8 cm, ist 0,5 cm dick und 80 g leicht. Diese Zahlenschieber waren wirklich für jeden erschwinglich (Listenpreis 1951: 8,50 DM - heute zahlt man 10-20 € dafür). Die Seriennummer datiert dieses Exemplar auf 1964-1965.
Anfang der 70er-Jahre stellten fast alle Hersteller von Zahlenschiebern die Produktion ein. Dennoch wurden bis etwa 1990 noch vereinzelt Zahlenschieber für den Export gebaut: In manchen Weltgegenden war man immer noch froh über billige, einfache Geräte, die ohne Netzstrom oder Batterien funktionierten und in den USA gab es noch Bedarf nach speziellen Zahlenschiebern für die komplizierten amerikanischen Längenmaße.
„Addifix” ist der Name, unter dem u.a. das Versandhaus Neckermann ab 1959 die Geräte von Addimult vertrieben hat. Neckermann war einmal der zweitgrößte deutsche Versandhändler, ist aber seit 2012 Geschichte. Die Marke existiert noch beim damaligen Konkurrenten Otto und beim Reiseveranstalter Thomas Cook.

→Viele, viele Anleitungen...
 
Neckermann
Addifix-9
Seriennummer 793647

9 x 13 x 0,5
80g
1951 (als „Addimult Sumax”) - ca. 1973
  • Eingabe über 9 Zahnstangen (9. Stange nur per Zehnerübertrag),
  • Addition, Subtraktion (nicht unter Null!),
  • Löschschieber.
  • eine Seite zum Addieren, die andere Seite zum Subtrahieren,
  • mit Eingabegriffel aus Metall und Halterung dafür.
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: Einige Kratzer, durchgängig überraschend leichtgängige Funktion.
Nur ein verbogener Zahn eines Schiebers musste dazu gerichtet werden.
Mit Originalgriffel und -etui, Anleitung fehlt, eine Addiator-Anleitung aus dem Internet heruntergeladen und ausgedruckt.
 
 

Addimult Ziffrex

Die Ziffrex ist offenbar für Berggorillas und andere Grobmotoriker entwickelt worden. Sie hat sehr bequeme, große Einstellhebel, dadurch allerdings auch lange Stellwege. Ihr Funktionsumfang entspricht dem anderer Kleinaddierer mit Einstellkontrolle, doch sie ist etwa doppelt so breit und lang und hat im Gehäuse mehr Luft als Metall. Mit einem Neupreis von 169 DM war sie eigentlich zu teuer, aber offenbar fand sie doch Käufer: Mehrere tausend Exemplare sind wohl gebaut worden (1958 war die Seriennummer 6.000 erreicht, die höchsten bekannten Nummern sind knapp über 10.000).
Eine Zahnsegment-Maschine ist für Addimult sehr ungewöhnlich. Manche Sammler vermuten deshalb, das Gerät stamme von einem unbekannten Hersteller und sei von Addimult nur vertrieben worden. Ich denke eher, dass Addimult die Maschine selbst gebaut hat um zu testen, ob genügend viele Berggorillas unter der potentiellen Kundschaft sind (oder ob sich ein „aufgeblasener” Kleinaddierer teurer verkaufen lässt).
Addimult ging aus einer Zweigstelle des größten Herstellers Addiator hervor, die der Sohn des Addiator-Gründers 1950 zur selbständigen Firma machte. Sie wurde einer der großen Hersteller von Zahlenschiebern und überlebte bis 2017 - natürlich wurden da keine Zahlenschieber mehr gebaut, sondern vor allem Reha-Hilfsmittel.
   
Addimult
Ziffrex
Seriennummer 3874

20 x 28 x 15
4,5kg
ca. 1952 - ca. 1962
  • Eingabewerk 7-st.,
  • Resultatwerk 8-st.;
  • Minus-Hebel (Subtraktion nicht unter Null!)
  • Löschtaste für E-Werk (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschdrehgriff für R-Werk.
  Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: Einige Kratzer, ein Hebelgriff mit Riss, einwandfreie Funktion.
Mit Schutzhülle, Anleitung fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
Die Funktion des Hebelchens vorne links habe ich noch nicht herausgefunden... wer weiß dazu etwas?
 
 

Rechenmaschine Hamann Manus R

Das letzte Modell der Hamann Manus hat nun erstmals einen nachgestellten Buchstaben als Namensbestandteil: Das „R” steht für die Rückübertragung, die die ohnehin luxuriöse Ausstattung nochmals deutlich aufwertet. Auch Mitte der 50er-Jahre war das noch Spitze - warum die Maschinen nicht weiter verbreitet waren ist kaum nachzuvollziehen. War es der hohe Serviceaufwand oder eine schlechte Vermarktung?
Die Seriennummer dieses Exemplars deutet auf ein Baujahr um 1957, der Preis damals war 598 DM (etwa eineinhalb Monatslöhne). Ich habe sie von einem Händler gekauft, daher weiß ich leider nicht, wo und wofür sie mal benutzt wurde. Sehr heftigem Gebrauch war das Gerät jedenfalls nicht ausgesetzt, es ist in extrem gutem Zustand.

→Mehr Infos
 
Hamann
Manus R
Seriennummer 47 551

27,5 x 17 x 14,5
4,9kg
1953 - 1959
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 9-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Rückübertragung vom R-Werk in die Eingabe,
  • Zehnerübertrag im R- und U-Werk,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar, Subtraktion per Umschalter,
  • Lösehebel für blockierte Kurbel,
  • Ziffern im R-Werk direkt einstellbar,
  • Umschalter für Drehrichtung des U-Werks,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel,
  • automatische Division (Kurbeln muss man aber noch ...),
  • daher keine Überlaufglocke.
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Sehr wenige Gebrauchsspuren, alle Hebel, Schalter, Rädchen und die Kurbel sind wunderbar leichtgängig.
Mit Schutzhaube und Kopie der extrem ausführlichen Anleitung.
 
 

Rechenmaschine Brunsviga 13B

Das hier ist das Modell für die Kunden, denen die Brunsviga 13RK zu teuer war - aber vielleicht spielte auch die Materialknappheit nach dem Krieg eine Rolle bei der Entwicklung. Bei der 13B ist so ziemlich alles weggelassen, was nicht unbedingt notwendig ist. Es fehlen Einstellkontrolle, Rückübertragung, Gesamtlöschung und Einhandbedienung. Immerhin gibt es den Zehnerübertrag im U-Werk, und letztlich kann hier alles gerechnet werden was mit der 13RK auch geht - nur eben deutlich umständlicher und etwas fehleranfälliger.
Die Seriennummer datiert dieses Exemplar auf 1953, der damalige Preis ist leider nicht bekannt.
     
Brunsviga
13B
Seriennummer 285523

28,5 x 23,5 x 17
6,7kg
1953 - ca.1961
  • Eingabewerk 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • im U-Werk rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • kompletter Zehnerübertrag in U-Werk und R-Werk.
Kosmetisch und funktional guter Zustand: Um die Einstellhebel herum etwas abgegriffen, sonst wenig Benutzungsspuren. Leichter Lauf von Kurbel und Einstellschiebern, nur der Schlitten läuft etwas rauh.
Einige hakelnde Sprossen und den total festgefressenen Stellenzeiger des U-Werks wieder gängig gemacht.
Schutzhülle und Anleitung fehlen.
 
 

Rechenmaschine Madix HM

Diese Sprossenrad-Maschine hat nun Tasten statt Einstellschieber - hier ein Tastenlayout, das von Dalton entwickelt wurde. Das hier verwendete geteilte Sprossenrad (ein Fünferzahn und vier Einzelsprossen), das die Tasteneinstellung erst möglich machte, wurde von Karl Rudin bei Facit erfunden. Wegen der durchschnittlichen Kapazität reicht es, dass die Trommel im Gehäuse nach links und rechts läuft. So wird kein Schlitten benötigt, es kommt kein Staub ins Innere und die Geräuschdämmung ist besser.
Die „Allesrechenmaschine Modell HM” ist ein (bis auf das Gehäuse) recht genauer Nachbau der Facit TK aus dem VEB Madix Feinwerktechnik Dresden. Diese Maschine hat eine Marke mit Garantie von 1961 bis 1962 auf der Rückseite, es ist also eines der späten Exemplare. Am Boden steht "ZBO Güstrow" - diese Maschine wurde also bei der dortigen "Zwischengenossenschaftlichen Bauorganisation" benutzt,.
Zum VEB Madix ist wenig bekannt. Im Stadtwiki von Dresden gibt es einen →Eintrag dazu: Gründer waren demnach Max Dietze und Hermann Schäfer. Anfangs wurden vor allem feinmechanische Teile für die Nähmaschinenindustrie hergestellt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Firma enteignet und zum VEB. Schwerpunkt der Produktion wurden später hydraulische Geräte wie z.B. Wagenheber. 1990 übernahm die →Weber-Hydraulik GmbH den Betrieb.
   
Madix
HM
Seriennummer D24127

29,5 x 19 x 15
5,8kg
1953 - 1962
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 9-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/E-Werk nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag im R- und U-Werk,
  • Anzeige für Drehsinn des U-Werks.
Kosmetisch guter und funktional passabler Zustand: Gehäuse nur mit leichten Gebrauchsspuren, der Tastenschutzbügel ist nicht mehr belastbar; normale Rechnungen funktionieren leichtgängig und einwandfrei, die Drehrichtungsumkehr des U-Werks hakelt jedoch erheblich.
Anfangs waren auch die Ziffern 4 und 9 unbenutzbar, das konnte jedoch durch Nachjustieren der Trommel behoben werden. Beide Kommaschieber-Leisten und zwei Zifferntasten fehlten, von einer unreparierbaren Precisa stammen die Ersatzteile. Einige Ziffern der Sprossenrad-Walze waren massiv abgeschabt - die musste ich nachmalen. Der Bügel ist inzwischen auch angeklebt ... und vielleicht kann auch die Drehrichtungsumkehr noch irgendwie justiert werden?
Anleitung nicht vorhanden, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenmaschine Schubert DRV

Eine weitere Sprossenrad-Maschine mit der „Standardkapazität” 10-8-13, sehr sorgfältig verarbeitet, gut ausgestattet mit Extras, aber auch schon mit vielen Plastikteilen innen und z.T. außen.
Vielleicht auch wegen dieser Plastikteile blieb der Preis dieser Maschine 1959 gerade noch unter den „magischen” 600 DM - eine Preisgrenze, die wegen der Möglichkeit der sofortigen Abschreibung existierte (erst Ende der 60er-Jahre stieg die Abschreibungsgrenze dann auf 800 DM, was bis 2017 - dann als 410 € - konstant blieb). Elektromechanische Vierspezies-Maschinen waren damals um den Faktor 3 bis 4 teurer, die im folgenden Jahrzehnt allmählich häufiger werdenden elektronischen Geräte kosteten anfangs noch mal doppelt so viel. Da griff doch viele Jahre lang so mancher lieber noch zur Kurbel ...
An den Preisen im Büromaschinen-Katalog lässt sich hier gut der endgültige Siegeszug der Elektronik sehen: 1973 kostete diese Maschine immer noch 660 DM (nun netto - denn da gab es schon die MWSt.), 1974 wurden die Restbestände für 210 DM verramscht, 1975 gab es kein Angebot von Schubert mehr.
Diese Maschine stammt aus einem Büro bei toom/REWE. Die Seriennummer deutet auf ein Baujahr um 1965. Der extrem gute Erhaltungszustand der Maschine liegt vielleicht mit daran, dass um diese Zeit die meisten Firmen baldmöglichst auf die schnelleren elektrischen Maschinen mit mehr Funktionen umstiegen.
Zwei Jahre nach dem Verlassen der Thaleswerke gründete Emil Schubert wieder eine neue Firma unter eigenem Namen und baute dort Rechenmaschinen. Weil er seine alten Patente nicht mehr besaß, musste er gleichsam „in Selbstüberlistung” einiges nochmals neu und anders erfinden - was ihm offenbar auch gelang. Die Konstruktion der DRV stammt noch von Schubert selbst, den Produktionsbeginn hat er leider nicht mehr erlebt. Die Firma soll es heute noch als Werkzeugmaschinenhersteller geben - aber ob eine der beiden Firmen in der Gegend um Rastatt mit „Schubert” im Namen tatsächlich der Rechtsnachfolger ist, weiß ich nicht.

→Mehr Infos
 
Schubert
DRV
Seriennummer 154277

30 x 14 x 11,5
5,7kg
1953 - 1973
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Rückübertragung vom R-Werk in die Eingabe,
  • Zehnerübertrag im R- und U-Werk,
  • Umschalter für Drehrichtung des U-Werks,
  • wahlweise gemeinsame Löschung von U- und R-Werk,
  • Schlittentabulator doppelt (für optionale Einhandbedienung).
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Das Gehäuse sieht fast wie am ersten Tag aus, null Rost, keinerlei Verharzungen - eine gut gelagerte und gepflegte Maschine! Sehr leichter Lauf aller Teile.
mit Schutzhaube, Anleitung aus dem Internet heruntergeladen und ausgedruckt.
Ahemmm, ja - davon habe ich tatsächlich mehrere. Der Sohn eines Bilanzbuchhalters aus Hamburg hat die Rechenmaschine, die sein Vater in den 60er-Jahren benutzte, bei ebay angeboten und keiner wollte einen vernünftigen Preis bieten. Da konnte ich einfach nicht nein sagen ...
Auch diese DRV, Baujahr wohl 1963, ist wieder in gutem Zustand und sehr leichtgängig. Die paar Maschinen, die ich mal auf Flohmärkten ausprobieren konnte, liefen ebenfalls wunderbar leicht. Das könnte Zufall sein, doch ich vermute es hat - natürlich neben guter Pflege durch die Vorbesitzer - auch damit zu tun, dass Schubert damals Wert auf richtig gute Arbeit gelegt hat. Auch andere Sammler berichten von der auffallend guten Verarbeitung der Maschinen.
Schubert
DRV
Seriennummer 147108
    Kosmetisch und funktional ebenfalls sehr guter Zustand.
Einen verbogenen Schlittenhebel gerade gebogen.
O je - noch eine DRV. Nun aber steht Rokli statt Schubert auf dem Deckblech und die Modellbezeichnung ist 7 RS: Das ist also eines der an Robert Kling verkauften Exemplare, das dort als deren eigene Sprossenrad-Maschine angeboten wurde. Im Gegenzug produzierte Kling übrigens Addiermaschinen, die dann auch als „Schuberts” verkauft wurden.
Da diese Kooperation nur wenige Jahre bestand, muss die Maschine irgendwann zwischen 1958 und 1962 gebaut worden sein. Die Preise waren für Schubert- und Rokli-Exemplare gleich, knapp 600 DM wurden damals für beide verlangt. Weil das Gerät ein Flohmarktfund des Vorbesitzers ist, weiß ich nichts über seine frühere Verwendung.
„Rokli”
7RS
Seriennummer 031560

  Kosmetisch guter, funktional sehr guter Zustand: Nur die Seitenteile des Schlittens (aus Plastik) sind z.T. deutlich abgegriffen.
Blockierten Einstellhebel gängig gemacht. Die beiden anderen Rokli-Maschinen mussten einige Stellenzeiger spendieren, da keiner mehr vorhanden war und ein Löschhebel wurde wieder gerade gebogen.
 
 

Addiermaschine Olympia 192-030

Die Olympia 192-030 kann nun saldieren: Sie zeigt auch negative Ergebnisse korrekt (und in rot) an. 192 bezeichnet die Gerätebasis (Kapazität 9/10, eine Nulltaste) innerhalb der Baureihe, 030 bedeutet Handantrieb.
Im Internet finde ich über genau diese Maschine rein gar nichts. Olympia hat in einem Vierteljahrhundert unzählige verschiedene Varianten dieser und anderer Baureihen gebaut: teils mit Handkurbel wie hier, teils mit Elektromotor (gelegentlich auch beides gleichzeitig), mal in diesem robusten grünen Schrumpflack, mal in glatt und hellgrau oder später auch im weißen, eckigen Plastikgehäuse, mit verschiedenen Kapazitäten der Rechenwerke und mit unterschiedlichsten Formular- oder Papierstreifenhaltern.
Das Baujahr dieses Gerätes ist nicht ganz klar. Schon im Büromaschinen-Lexikon von 1958 finden sich nur neuere Modelle, aber die Aufzählung dort ist nicht vollständig. Ich vermute mal zweite Hälfte der 50er-Jahre, damalige Preise lagen knapp unter 600 DM. Es stammt aus einem ehemaligen Süßwaren-, Tabak- und Jagdwaffenladen mit Gasthaus(!) in der Nähe von Osnabrück, nach Erstkäufer und dessen Erbe bin ich wohl der dritte Besitzer.
Auch hier - wie bei vielen Rechenmaschinen-Herstellern - besteht ein Bezug zur Waffenproduktion: Die bei Olympia gebauten Rechenmaschinen wurden von Ingenieuren entwickelt, die vorher bei den Mauser-Werken waren und ab 1949 mit ihrer eigenen Firma „Feinwerkbau” für große Firmen als Entwickler und Zulieferer tätig waren. Diese kleine Firma ist heute ein bekannter Hersteller hochpräziser Sportwaffen.
Olympia selbst wurde 1903 als Tochtergesellschaft der AEG unter dem Namen „Union Schreibmaschinen-GmbH” gegründet, hieß ab 1936 „Olympia Büromaschinenwerke AG”, wurde mit Rechen- und Schreibmaschinen äußerst erfolgreich - und verschwand als Produktionsstätte 1991 in den beginnenden Wirren der AEG-Zerschlagung. Die Marke →Olympia blieb zwar bis heute erhalten, der Markeninhaber ist aber kein Hersteller sondern nur ein Vertrieb. Er kauft alles in Fernost ein und lässt dort seine Schildchen draufkleben.

Chassis schon mit der Aussparung
für den Stromanschluss:


Olympia
192-030
Seriennummer 120806

29 x 35 x 20,5
8,3kg
1953 - 1978 (Baureihe D1)
  • Eingabewerk 9-st.,
  • Resultatwerk 10-st.;
  • Druckwerk 10-st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • R-Taste für Weiterverwendung der eingetippten Zahl,
  • Korrekturschieber.
  • Keine Anzeige, stattdessen Ausdruck auf Papierstreifen,
  • Nichtrechentaste,
  • Rotdruck subtrahierter Werte und negativer Summen,
  • Zeilenvorschub einstellbar (0, 1, 2-zeilig).
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: Kaum Stoßstellen, Tastatur fast wie neu. Einwandfreier Druck und Rechenfunktion.
Abreißkante der Papierrolle (aus Plexiglas) war gebrochen und wurde durch passend zurechtgeschliffenes Sägeblatt (!) ersetzt. Neues Farbband, neue Papierrolle.
Schutzhaube aus Wachstuch schneidern lassen und Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenmaschine Rokli 16R

Da ist die „kleine Schwester” der Rokli 7R. 1953 stehen in der Rokli-Preisliste acht verschiedene Modelle - allerdings sind es meist nur unterschiedliche Modellgenerationen, die in Ausstattung und Kapazität oft gleich sind. Die 16R ist in dieser Liste nicht enthalten - ihre Seriennummer lässt vermuten, dass sie erst kurz danach ins Programm genommen wurde. Auch sie hat alle wesentlichen Extras, aber als preisreduziertes Modell nur eine geringe Stellenzahl in allen Werken. Rokli hat das Baukastenprinzip genutzt, um mit vielen gleichen Teilen unterschiedliche Geräte bauen zu können, viele Bauteile sind daher mit der 7R identisch. Das Chassis z.B. hat auch die Öffnung für eine Schlittenfreigabe-Taste, die Taste samt ihrer Mechanik fehlt jedoch. Ein Teil der Sprossenräder ist durch eine Aluhülse ersetzt. In den Anzeigen wurden einfach Ziffernräder weggelassen (der Platz dafür wäre da, sogar die Löschzähne für die volle Stellenzahl sind vorhanden). Nur das Deckblech ist ganz spezifisch und die Löschung im Schlitten ist noch ganz anders, sie erfolgt hier über Kurbeln.
Die Maschine wurde bei Coca-Cola in Hadamar benutzt. Eine Angestellte durfte sie mit nach Hause nehmen, als alle mechanischen Rechner dort ausgemustert wurden, so hat auch dieses Exemplar überlebt. Das geschätzte Baujahr ist 1954 oder 1955, der Preis dürfte bei etwa 550 DM gelegen haben.
   
Rokli
16R
Seriennummer 012149

33 x 16 x 15
4,5kg
ca. 1954 - ?
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 6-st.,
  • Umdrehungszählwerk 6-st.,
  • Resultatwerk 10-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Rückübertragung vom R-Werk in die Eingabe,
  • Zehnerübertrag im R- und U-Werk,
  • Umschalter für Drehrichtung des U-Werks.
Kosmetisch und funktional guter Zustand: einige Stoßstellen, die rechten drei Zahlenreihen durch häufige Benutzung etwas abgegriffen, Gummifüße noch einwandfrei. durchweg leichtgängiger Lauf.
Das völlig dejustierte Einstellkontrollwerk blockierte die Maschine und jemand hatte es zu gut gemeint und die Sprossenräder geölt - nach Neujustierung und einer Benzinspülung funktioniert alles wieder.
Anleitung fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenmaschine Brunsviga D 13 R-1

Auch bei Brunsviga wurden ab Mitte der 50er-Jahre Doppelmaschinen (und sogar Dreifachmaschinen) gebaut. Dazu wurden zwei Maschinen auf Basis der 13 R (oder 13 RK) mit einem Wechselgetriebe so verbunden, dass beide Sprossenrad-Trommeln mit einer Kurbel gedreht und entweder gleich- oder gegenläufig geschaltet werden konnten.
Das Typenschild des gut 14 kg schweren Geräts gibt den genauen Liefermonat an, den Dezember 1961. Selbst die Garantiefrist ist im Metallschildchen verewigt. Der Neupreis damals: Stolze 2.125 DM! Ein kleiner Aufkleber daneben zeigt, dass die Maschine aus dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung stammt. Sie wurde offenbar nie benutzt, war also wohl nur für den Fall eingelagert, dass die Bundeswehr (Artillerie?) mal ohne Strom Koordinaten errechnen müsste. Sie ist in einem massiven Kasten mit Holzboden und Stahldeckel, dabei sind noch ein Schraubenschlüssel (mit dem man die Maschine aus dem Kasten lösen konnte) und ein Dreikant-Maßstab (zur Umrechnung von Kartenmaßen in echte Entfernungen).
Es gab auch Varianten mit 18 statt 13 Stellen in den R-Werken, mit zweitem Umdrehungszählwerk oder - selten - mit einer echten →Radizierautomatik (Diese wurde allerdings nicht von Brunsviga selbst, sondern von W.Faber in Neesen entwickelt und in vorhandene Brunsviga-Doppelmaschinen eingebaut - also eine Art „Rechenmaschinen-Tuning”) .


Das Wendegetriebe in Aktion
(AVI, 13 MB!):




Brunsviga
D 13 R-1
Seriennummer 43 - 99335

48 x 23 x 17,5
14,5kg
1954 - ca. 1970
  • Eingabewerke (mit Kontrollwerk) 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerke 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • nur 4 Löschhebel für die fünf Werke.
  • Rückübertragung von den R-Werken in die Eingaben (Eingabelöschhebel dazu weiter durchziehen),
  • im U-Werk rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • Ziffern im R-Werk direkt einstellbar,
  • kompletter Zehnerübertrag im U-Werk und R-Werken,
  • Schalter zur optionalen gemeinsamen Löschung von rechtem E-Werk und U-Werk.
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Praktisch neuwertig, nie benutzt, leichter Lauf von Kurbel und Einstellschiebern.
Eine einzige festgesetzte Stelle war zu ölen, eine Hebelkappe ersetzt.
Stahlhaube (in Bundeswehr-Oliv) und Schutzhülle vorhanden, Text einer Kurzanleitung aus dem Internet geladen, bebildert und ausgedruckt.
 
 

Rechenmaschine Numeria 7101

Die Numeria sieht aus wie eine Maschine des „Monroe-Typs” mit Volltastatur und verschiebbarem Wagen, mit allen Vor- und Nachteilen dieser Bauweise: Die Möglichkeit, bei jeder Kurbeldrehung das Einstellwerk zu löschen (der „Additionsmodus”), keine Rückübertragung, kein Zehnerübertrag im U-Werk. Die Kapazität des U-Werks ist hier recht begrenzt, andere Modelle der Firma boten deutlich mehr Stellen in R- und U-Werk. Eine schöne Idee sind die drehbaren Kommaleisten - je nach Stellung sind die Kommata und 1000er-Trennungen dann an verschiedenen Stellen. Ein weiterer Vorteil der Maschine ist, dass im R-Werk ein provisorischer Zähler simuliert werden kann.
Innen weichen alle „Numerias” aber in einem wichtigen Punkt deutlich vom Vorbild ab: Hier sind keine normalen Staffelwalzen am Werk sondern „Axial-Sprossenräder” mit seitlich verschiebbaren Sprossen, eine Art Crossover zwischen Staffelwalze und Sprossenrad. Offenbar wollte man weder die Patente von Monroe verletzen noch teure Lizenzen erwerben und erfand daher diese Abwandlung.
Diese Maschine wurde um 1956 bei Lagomarsino in Mailand gebaut. Der Preis blieb wieder knapp unter den 600 DM, auch das war angesichts der Konkurrenz und der Minimalausstattung schon recht teuer. Ich bekam sie aus Oldenburg in Holstein, dort wurde sie in den 60er-Jahren von einem Malermeister z.B. für die Berechnung von Kostenvoranschlägen und Wochenlöhnen genutzt.
Numeria ist eine Marke, unter der Maschinen verschiedener Hersteller verkauft wurden. Die ersten Numerias wurden ab 1940 von einer Firma namens SICMU produziert, schon bald übernahm aber Lagomarsino deren Produktion. Lagomarsino wiederum war ab 1896 erst nur Importeur (z.B. auch für Brunsviga), baute aber ab 1937 dann selbst Rechenmaschinen. Heute findet sich keine Spur der Firma mehr, die Werkshallen an der Viale Umbria in Mailand sind abgerissen oder haben neue Nutzer. In der italienischen Wikipedia steht das Jahr 1970 als Zeitpunkt der Firmenauflösung.
 
Numeria
7101
Seriennummer 43645

35 x 23 x 19
6,8kg
1954 - ?
  • Eingabewerk 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 6-st.,
  • Resultatwerk 14-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für R- und U-Werk (je nach Drehrichtung).
  • Zehnerübertrag nur im R-Werk und nur über 12 Stellen,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Zählerschieber (schützt die 1 ganz links vor Löschung = provisorischer Zähler).
Kosmetisch mäßiger und funktional sehr guter Zustand: Neben harmlosen Stoßstellen auch einige größere Lackschäden (z.T. mit Rostansätzen) an der Karosserie, die sich auch wegen des Schrumpflacks nur ungenügend reinigen ließ; alles funktioniert jedoch einwandfrei.
... nach völligem Zerlegen, Erneuern des Zählerschiebers, Geradebiegen von Schlittenstange und Schlittenverkleidung und Richten einer ausgehängten Feder des Zehnerübertrags. Für die Kosmetik die abgestoßene Kurbel neu lackiert - ich überlege noch, die ganze Karosserie neu zu lackieren.
Anleitung fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenstab Aristo Scholar 0903LL

Das ist, wie der Name schon vermuten lässt, ein typischer Rechenstab für Schüler. Meine etwas ältere Schwester hat in der Schule noch damit gerechnet. Es ist ein typischer, wenn auch etwas einfacher 30 cm-Stab (Skalenlänge 25 cm), also ein ganzes Stück genauer als der Mini-Rechenstab in dieser Sammlung. Wegen seiner Breite kann er zudem einige Skalen mehr tragen.
Mehr als zwei Jahrzehnte wurde dieses Modell hergestellt, bis ganz zum Schluss der Rechenschieber-Produktion. Dieses Exemplar ist von 1974.

Ein Artikel über Rechenschieber
aus →Spektrum der Wissenschaft
Der →Eierkoch-Rechenstab samt den Formeln, auf denen er beruht - mit PDF zum Selbstbau:  
Aristo
Scholar 0903LL
Datumscode LT57

33 x 5 x 1
60g
1954 - 1977
  • Skalen: L K A (B Bl CI C) D S ST T; hinten: (S LL1 LL2 LL3) d.h.: l0g, Kubik, Quadrat (2x), Kehrwert des Quadrats, Kehrwert, Grundskala (2x), sin (auch für cos), sin für kleine Winkel, tan (auch für cot); hinten: sin/cos, ex/100, ex/10, ex.
  • Sondermarkierungen: π, p (π/180), e,
  • der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war.
Kosmetisch guter, funktional sehr guter Zustand: Einige Gebrauchsspuren auf der Rückseite, leicht vergilbt, alle Markierungen einwandfrei und daher einwandfreie Funktion.
mit Etui, Anleitung aus dem Internet heruntergeladen und ausgedruckt.
 
 

Zivy Zähler

Das hier erfüllt zwar die Definition von „Maschine” (es gibt einen mechanischen Zehnerübertrag und einen Löschmechanismus), aber nicht die von „Rechnen” (das dauernde Hinzuzählen von Eins geht noch nicht wirklich als Addition durch). Es handelt sich also nur um eine Abzählhilfe.
Solche Geräte wurden und werden als Schrittzähler, bei Verkehrszählungen, im Labor für Zellzählungen und vieles andere genutzt. Der Vorteil: Man verzählt sich weniger leicht und kann ein Ergebnis bis zur Verwendung speichern.
Das Exemplar stammt vom Trödler - also leider wieder keine Ahnung, wofür es mal benutzt wurde...
N.Zivy & Cie.S.A. in Basel stellte solche Zählwerke mindestens seit den 50er-Jahren her, vermutlich sogar deutlich früher. Die Firma wurde erst 2017 (als Zivy Suisse) von der französischen Sogezy übernommen - und die baut auch heute noch einen praktisch identischen Zähler mit der →Modellnummer Z888.
   
Zivy



5,5 x 5,5 x 2,5
100g
? - heute
  • Anzeigeregister 4-st.,
  • nur Addition von 1,
  • Löschknopf.
  Kosmetisch mäßiger und funktional guter Zustand: Gehäuse mit vielen Gebrauchsspuren; funktioniert aber völlig leichtgängig und einwandfrei. Nur der Ring auf der Rückseite (zum Durchstecken des Fingers) fehlt.
Originalkarton und eine Anleitung fehlen (ich glaube, man braucht hier keine).
 

Rechenmaschine Badenia TEH10

Schon kurz nach 1900 wurden Kurbeln und Hebel erstmals durch Elektromotoren ersetzt, um die Rechengeschwindigkeit zu steigern und den Kraftaufwand zu verringern. Diese elektromechanischen Maschinen waren teurer (und oft sehr laut), aber auch viel leichter und schneller zu bedienen. Die Hersteller wetteiferten darum, immer neue Maschinen mit weiteren Extras auf den Markt zu bringen. Gegen Ende der Entwicklung gab es Geräte mit zusätzlichen Speicherwerken, automatischer Division, automatischer Multiplikation, vereinzelt sogar mit automatischem Wurzelziehen. Das waren dann Maschinen aus mehreren tausend Präzisionsteilen, die in aufwendigster Arbeit zusammengesetzt werden mussten und stets gute Wartung brauchten (und an deren Reparatur ich mich nicht wagen könnte).
Vor allem bei den Addiermaschinen setzten sich spätestens in den 60er-Jahren die elektrischen Geräte durch, stärker noch als bei den Vierspezies-Maschinen.
Ein schönes Zwischenglied der Entwicklung ist diese Staffelwalzen-Maschine: Die TEH10 kann zwar elektrisch angetrieben werden, aber es gibt hier immer noch eine Handkurbel. Wenn mal der Strom ausfällt oder der Motor defekt ist, kann die Maschine also trotzdem noch benutzt werden.
Die Ausstattung ist ähnlich gut wie bei der Badenia TH13 weiter oben - mit kleinerer Kapazität, dafür aber mit Stoppdivision per wechselweisem Subtrahieren und Addieren. 1955 bis 1962 war die TEH10 die kleinste Maschine von M.Bäuerle, sie kostete 985 DM (knapp drei Monatslöhne). Dieses Exemplar mit Baujahr 1955 wurde in einer Firma für Maler- und Tapeziererbedarf in Berlin benutzt.
   
Badenia
TEH10
Seriennummer 30190

37 x 33 x 20
11,6kg
1955 - 1962
  • Eingabewerk 7-st.,
  • Umdrehungszählwerk 6-st.;
  • Resultatwerk 10-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • Löschhebel für E-Werk, 2 Löschschieber für U- und R-Werk.
  • Zehnerübertrag im R- und U-Werk,
  • Schalter für Drehrichtungsumkehr und Stilllegung des U-Werks,
  • Schalter für Additionsmodus (zugleich Löschhebel),
  • Ziffern im R-Werk direkt einstellbar,
  • Schlittenverstellung nach rechts per Hand und zurück durch Schritttaste,
  • elektrischer Motorbetrieb (ohne Kurbel), Handantrieb des Motors (Kurbel leicht aufgesetzt) oder reiner Handbetrieb ohne Motordrehung (Kurbel ganz eingeschraubt) wählbar,
  • Schalter für Addition/Subtraktion bei Handbetrieb,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar,
  • Stoppdivision, aber nur bei Motordrehung.
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: einige Stoßstellen und Kratzer, einige Tasten etwas zerkratzt; alles funktioniert einwandfrei.
Schlittengriff befestigt, Schlittenstange poliert, einige fehlende Schrauben und Gummipuffer ersetzt, breitgesessene Gummirädchen rundgefräst, Hebelchen für Stoppdivision wieder eingehängt, die brummende (und offenbar früher mal wegen Überhitzung ausgelaufene) Entstörschaltung komplett neu aufgebaut.
Schutzhaube und Anleitung fehlen, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenmaschine Melitta VII/16

Auch in der DDR wurden hoch entwickelte mechanische Rechenmaschinen gebaut. Diese hier ist das letzte und höchstentwickelte Modell der Firma: Sie hat Einstellhebel, die nicht mit der Trommel mitdrehen müssen (und daher etwas größer sein konnten, was beim längeren Rechnen die Fingerkuppen schont), Daumentasten (für die Einhandbedienung), durchgehenden Zehnerübertrag und Rückübertragung. Die Ähnlichkeit zu Kapazität und Bedienung der Walther WSR160 ist nicht zufällig: Zwischen 1926 und 1945 kamen alle „Walthers” und „Melittas” aus dem gleichen Werk, nach 1945 wurde in Ost und West auf Grundlage der gleichen Konstruktion in gleiche Richtung weiter entwickelt.
Die Materialspar-Notwendigkeiten im Ostblock zeigen sich auch hier, und das hat oft Folgen: Die sehr langen Einstellhebel sind aus viel zu dünnem Material und verbiegen leicht - andere Sammler berichten von vielen deshalb blockierten Maschinen. Die Gummifüße hingegen sind aus wesentlich besserem Material als alles, was im Westen dafür genutzt wurde.
Das Baujahr dieser Maschine dürfte 1956 oder 1957 sein. Auch in Westdeutschland wurden diese Maschinen verkauft, der Preis orientierte sich stets an dem der Walther WSR160.
Die ersten Melitta-Sprossenradmaschinen wurden von den Mercedes-Werken in Zella-Mehlis hergestellt (nein - weder mit Kaffee-Filtern noch Autos hat das etwas zu tun!). Weil Mercedes ab 1926 nur noch Proportionalhebelmaschinen (z.B. die Mercedes-Euklid 29) bauen wollte, gaben sie die Herstellung der Sprossenradmaschinen an die Firma Carl Walther im gleichen Ort ab. Bis zur Zerstörung der Walther-Werke 1945 wurden deren Rechenmaschinen auch von Mercedes als „Melitta” vertrieben. Nach dem Krieg wurden die Walther-Werke dann im Westen (in Niederstotzingen) wieder aufgebaut, während in Zella-Mehlis ehemalige Walther-Mitarbeiter als „August-Bebel-Werk” Walther-Rechenmaschinen unter der Marke Melitta bauten. Kurze Zeit später wurde diese Produktion in das ehemalige Fortuna-Schreibmaschinenwerk (dann „VEB Ernst-Thälmann-Werk”) nach Suhl verlagert, dort wurde auch die Weiterentwicklung betrieben. Kurz nach 1970 endete auch dort die Produktion mechanischer Rechner, letzte Neuentwicklung war vermutlich die kleine →Melitta Junior.

→Mehr Infos
 
Melitta
VII/16
Seriennummer 104234

30 x 15 x 15
5,0kg
1955 - 1963
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 16-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • Löschkurbel für U- und R-Werk (Schalter an der Kurbel wählt nur U-Werk, nur R-Werk oder beide - stets 2x drehen!),
  • Löschhebel für E-Werk.
  • Rückübertragung vom R-Werk in die Eingabe,
  • Zehnerübertrag im R- und U-Werk,
  • nur manuelle Drehrichtungsumschaltung des U-Werks,
  • Schlitten mit Federzug kann einfach nach rechts geschoben werden,
  • Ziffern in R-Werk direkt einstellbar,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel im E-Werk.
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Nur kleine Lackschäden und gut erhaltene Beschriftung. Die Gummifüße sind erstaunlicherweise fast wie neu. Alles läuft wieder leicht und nichts hakelt mehr
... nachdem einer der Einstellhebel leicht zurechtgebogen wurde. Fehlenden Knopf des Löschwahlhebels ersetzt, beide Seitenteile neu lackiert, weil die Originalfarbe abblätterte.
mit Schutzhaube, Anleitung fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenmaschine Original-Odhner 239

Mit „modernen” Formen und günstigen Preisen (sprich: oft billigen Materialien und schlechter Verarbeitung) versuchte so manche Firma der Konkurrenz der elektrischen (und später auch der elektronischen) Geräte standzuhalten. Die damals fast schon futuristische Keilform dieser Sprossenrad-Maschine wurde von den Stardesignern Bernadotte und Bjørn entworfen. Von billiger Verarbeitung kann aber keine Rede sein: Die Maschine wirkt sehr solide, nichts wackelt und sie funktioniert auch nach über einem halben Jahrhundert immer noch einwandfrei und beeindruckend leichtgängig.
Die Seriennummer deutet auf ein Baujahr um 1958. Damals und auch noch zehn Jahre später kostete so ein Gerät etwas unter 500 DM. Trotz dieses vergleichsweise günstigen Preises war das Modell 239 das damalige Spitzenmodell der Firma: Die „39” steht für Zehnerübertrag im Umdrehungszählwerk, Rückübertragung und Einstellkontrolle. Auch sie hat die weit verbreitete Kapazität 10-8-13.
Von wem und wo die Maschine mal benutzt wurde ist mir leider nicht bekannt. Viel benutzt wurde sie jedenfalls nicht - dafür sieht sie zu gut aus.
Ach ja: Diese Maschine ist es, die mich mit dem Rechner-Virus infiziert hat...

→Mehr Infos
zur Odhner 200er-Serie
 
Original-Odhner
239
Seriennummer 883439

33 x 17,5 x 13,5
6,5kg
1955 - 1968
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 2 Löschkurbeln für U- und R-Werk.
  • Rückübertragung vom R-Werk in die Eingabe,
  • Zehnerübertrag im R- und U-Werk,
  • Löschung des E-Werks über Schieber und Hauptkurbel.
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Bis auf kleinste Stoßstellen sieht das Gehäuse fast wie neu aus, auch hier wieder kein Rost und keine Verharzungen. Alles läuft wieder „wie geschmiert”.
... ist es ja auch. Ansonsten nur die hart gewordenen Gummifüße erneuert, weil sie die Maschine beim Rechnen nicht mehr am Platz hielten.
mit Schutzhaube und Originalanleitung, kommentierte und erweiterte Anleitung als PDF und Ausdruck vorhanden.
 
 

Rechenmaschine Walther WSR160

Das erfolgreichste, ausgereifteste und zugleich letzte Modell der handbetriebenen Walther-Maschinen: WSR für "Walther Schnellrechenmaschine" und "16" wegen der Stellenzahl im R-Werk (die Null hintendran kann ich nicht erklären - vielleicht klingt „160” einfach besser als „16”?). Diese hier stammt aus dem Jahr 1960.
Sie hat eine etwas höhere Kapazität im R-Werk und einige Verbesserungen in der Bedienung, davon am wichtigsten sind wohl die beim Drehen der Sprossenrad-Trommel feststehenden Einstellhebel. Das hier ist eines der Spitzengeräte der Maschinen des „Odhner-Typs”.
Anfangs war sie für knapp 600, später 700 DM zu haben - elektromechanische Vierspezies-Maschinen dieser Zeit waren deutlich teurer (und größer, und lauter, und nicht sofort abschreibbar).

→Mehr Infos
 
Walther
WSR 160
Seriennummer 152531

33 x 16 x 14
4,8kg
1955 - 1971
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 16-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 2 Löschhebel für die drei Werke (U- und R-Werk gemeinsam, optional auch einzeln).
  • Rückübertragung vom R-Werk in die Eingabe,
  • Zehnerübertrag im R- und U-Werk,
  • Umschalter für Drehrichtung des U-Werks,
  • optionaler Schlittenrücklauf beim Löschen,
  • Schlitten mit Federzug kann einfach nach rechts geschoben werden,
  • Ziffern in R-Werk direkt einstellbar,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel im E-Werk.
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Nur winzige Lackschäden an einigen Kanten, wieder schön leichtgängig.
Zwei Füße hatten keine Gummis mehr und wurden ersetzt, eine Plastikkappe fehlte und wurde durch Schrumpfschlauch ersetzt. Im U-Werk waren einige Zahnräder fest verharzt, ebenso ein Zahnrad im Kontrollwerk und die Löschwahlhebelchen - das ist dank WD40, Alkoholspülung und etwas gutem Maschinenöl nun behoben.
mit Schutzhaube, zwei Anleitungen aus unterschiedlichen Jahren aus dem Internet heruntergeladen und ausgedruckt.
 
 

Rechenmaschine Triumphator CRN1

Eine weitere Maschine aus DDR-Produktion - eine späte „Triumphator” in der Tradition der C-Reihe. Die CRN1 ist die vorletzte Generation dieser mit allen wesentlichen Extras (Einstellkontrolle, Rückübertragung, Zehnerübertrag im U-Werk) ausgestatteten Sprossenrad-Maschinen in Standardkapazität. Vorgänger war die schon 1941 entwickelte CRN (komplett aus solidem Metall), Nachfolger ab 1959 die CRN2 (mit einem leicht zerbrechlichen Plastik-Gehäuse). Die CRN1 ist das nur wenige Jahre gebaute Zwischenmodell mit nun konsequenter Einhand-Bedienung und immer noch überwiegendem Metallgehäuse, nur die Rückseite ist schon aus Bakelit und zeigt das Bemühen um Materialeinsparung. Die Sprossenräder hingegen sind noch aus solidem Messing und nicht aus dem später eingesetzten schlechten Druckguss, der stark durch Zinkfraß gefährdet ist.
Die Feinmechanik der DDR war damals auf dem Weltmarkt noch konkurrenzfähig, die CRN1 wurde daher - wie schon viele der frühen Triumphator-Maschinen - auch in Westeuropa verkauft. Mit 545 DM war sie ein wenig günstiger als viele vergleichbare Westprodukte. Dieses Exemplar blieb aber erst einmal im Osten. Es wurde im September 1958 gebaut (ist also eines der ganz späten Exemplare des Modells) und im Januar 1961 bei der „HO” in Neuhaus gekauft. Es war in einer privaten Elektrofirma in der Nähe von Dresden im Einsatz.
Interessant ist auch die beiliegende Garantiekarte mit einer Liste der Reparaturwerkstätten: Das ist zum einen der „VEB Büromaschinen-Reparaturwerk Berlin” mit 19 Außenstellen in den großen Städten, daneben aber auch ungefähr 130 Privatfirmen, die über die ganze Republik verteilt waren. Offenbar war also nicht die gesamte DDR-Wirtschaft verstaatlicht, wie man uns das in der Schule weismachen wollte...
   
Triumphator
CRN1
Seriennummer 244926

34 x 15 x 13,5
6,5kg
1956 - 1958
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 1 Löschhebel für das E-Werk, 1 für R- und U-Werk (gemeinsam oder einzeln, je nach Stellung der kleinen Hebelchen).
  • Rückübertragung vom R-Werk in die Eingabe,
  • Zehnerübertrag im U- und R-Werk,
  • Richtungswahlschalter für das U-Werk in der Kurbelbasis.
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: Lack nur an den Schiebern etwas abgegriffen, sonst kaum Gebrauchsspuren. Alles funktioniert einwandfrei und leichtgängig. Eine sehr gut gepflegte und gelagerte Maschine - nicht einmal Entstauben war nötig, nur ein paar Tröpfchen Öl.
Die Kurbel hatte (beim Pakettransport?) wohl einen Schlag abbekommen und klemmte im Kurbelbock - vorsichtiges Aufbiegen und ein geringes Abschleifen des Kurbelbocks lösten das Problem schnell.
mit Schutzhaube und Originalanleitung, dazu die Garantiekarte mit Werksauslieferungs- und Kaufdatum. Die Garantie ist allerdings abgelaufen...
 
 

Rechenmaschine Produx Multator II

Diese kleine Maschine steht bei den „Sonstigen”, weil sie m.E. eine Dreispezies-Maschine ist. Nicht weil man für die Division Komplementärzahlen nutzen müsste, wie es oft geschrieben wird. Schließlich ist eine „aufbauende Division” (fortgesetzte Multiplikation des Nenners, bis der Zähler im R-Werk steht) hier genauso leicht wie auf den „großen” Maschinen. Aber bei der Subtraktion ist das Arbeiten mit den Komplementärzahlen wirklich notwendig. Das macht sie - und leider auch die Korrektur zuviel gemachter Kurbeldrehungen bei den anderen Grundrechenarten - extrem umständlich.
Die Multator war mit einem anfänglichen Neupreis von 298 DM (zwei Jahre später 220 DM) recht preiswert, das wurde möglich durch die Verwendung gestanzter Metallteile und eine stark vereinfachte Mechanik mit Stellsegmenten. Unter der billigen Herstellungsweise litt zwar die Haltbarkeit deutlich, aber das Maschinchen hat immerhin sogar Rückübertragung und war durch geringe Ausmaße und Gewicht gut für den mobilen Einsatz geeignet.
Erst die Nachfolgeversion Multator-4 ist dann eine Vierspezies-Maschine: Dort kann man für Subtraktion und Division die Drehrichtung im Resultatwerk umkehren.

→Mehr Infos
 
Produx
Multator II
Seriennummer 196380

23,5 x 17 x 7,5
2,2kg
1956 - 1966
  • Eingabewerk 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 5-st.,
  • Resultatwerk 10-st.;
  • Löschhebel für Schlitten (U- und R-Werk nur gemeinsam).
  • als U-Werk dient die linke Seite des R-Werks, es kann abgeschaltet und als Erweiterung des R-Werks genutzt werden,
  • „Subtraktionsstellung” zählt nur die Korrektur-1 in der letzten Stelle zu, die führenden Korrektur-9er sind manuell einzustellen,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
Kosmetisch und funktional guter Zustand: Fünf Plastikkappen fehlen, Gehäuse sehr gut erhalten; alles funktioniert einwandfrei.
Füße erneuert, fehlende Plastikkappen durch Schrumpfschlauch ersetzt.
Mit Schutzhaube, Anleitung aus dem Internet geladen, nachkommentiert und ausgedruckt.
 
 

Kleinaddiermaschine Triumphator KA

Die Triumphator KA (für „Kleinaddierer”) ist der Nachfolger der Lipsia Addi 7. Sie hat ebenfalls die einfache Mechanik, nun aber ein Bakelitgehäuse, das besonders günstig zu produzieren war. So konnte sie 1958 für 110 DM angeboten werden.
Die Übertragung der Zahlen in den Ergebnis-Speicher geschieht über seitlich auslenkbare Zahnsegmente direkt während des Einstellens. Zum Addieren werden dann einfach die Zahnsegmente per Lösch-/Bestätigungstaste ausgekoppelt und federn auf Null zurück - dann wird die nächste Zahl eingestellt und unten erscheint die Summe. Die Subtraktion ist etwas umständlicher: Auskoppeln (diesmal mit der Minus-Taste), die Hebelchen einstellen, wieder einkoppeln (Taste loslassen), Hebelchen (nacheinander!) zurückstellen.
Der Seriennummer nach wurde dieses Modell hier um 1959 gebaut.

→Eine Rezension...

...und ein Zahnsegment:

Triumphator
KA
Seriennummer 4900

14,5 x 17 x 14,5
2,0kg
1957 - 1960
  • Eingabewerk 8-st.,
  • Resultatwerk 8-st.;
  • Minus-Taste
  • Löschtaste für E-Werk (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschtaste für R-Werk.
  Kosmetisch passabler und funktional guter Zustand: Bakelit-Gehäuse mit einigen Scharten und ohne Lack, aber alles funktioniert wieder.
Der olivgrüne Lack war extrem stark abgestoßen, jetzt ist er ganz ab (was viel besser aussieht). Extreme Verstaubung beseitigt und lose Teile wieder fixiert. Einige Ziffernräder hakelten ganz erheblich, weil die innenliegende Löschachse nicht weit genug nach rechts konnte - ein geringes Kürzerschleifen des Löschachsenausziehers hat das behoben.
Anleitung (angesichts des Funktionsumfangs eigentlich überflüssig) fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Addiermaschine Precisa 103-12-0

Diese Addiermaschine hat nun eine wirklich große Errungenschaft, die wir alle heute noch auf den Computertastaturen haben: die moderne Zehnertastatur! Das Problem der Übertragung in die verschiedenen Stellen ist hier mittels Stiftschlitten gelöst - Erklärung bei der Contex 10.
Als Baujahr hat der Vorbesitzer 1960 angegeben, die Preise lagen damals um 450 DM. Angesichts des Baujahrs müsste sie eigentlich auch saldieren (also Ergebnisse unter Null anzeigen) können - sie kann es jedoch leider nicht, sondern zeigt nur das Neuner-Komplement. Vermutlich ist nur irgend ein Hebelchen oder eine Feder ausgehängt - ich habe das aber trotz längerer Suche bisher nicht gefunden ...
 
Precisa
103-12-0
Seriennummer 302 262 S

28 x 37 x 16,5
8,7kg
1957 - 1962
  • Eingabewerk 9-st.,
  • Resultatwerk 10-st.;
  • Druckwerk 10-st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • X-Taste für Weiterverwendung der eingetippten Zahl,
  • Korrekturtaste.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck auf Papierstreifen,
  • Rotdruck subtrahierter Werte (und negativer Summen),
  • Zeilenvorschub einstellbar (1-, 2-zeilig).
Kosmetisch und funktional guter Zustand: Kaum Stoßstellen, Farbrolle und Papierrolle noch o.k., Maschine rechnet so weit fehlerfrei und leicht, saldiert aber leider nicht (mehr?).
mit Schutzhaube, Anleitung fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenmaschine Facit C1-13

Die nächste Sprossenrad-Maschine mit Tasten, diesmal von der Firma, in der die dafür nötige Mechanik entwickelt wurde. Der Facit-Ingenieur Karl Rudin hat bereits 1932 eine derartige Maschine entworfen (Modell T), die C1-13 ist ein später Nachfahre dieser Reihe. Dieses Exemplar wurde im Facit-Zweigwerk in Düsseldorf gebaut. Die Konstruktion wirkt solide und wertig (auch hier stammt das Gehäusedesign von Bernadotte). Eine Blende hält unbenutzte Stellen im Eingabewerk unsichtbar und wegen der durchschnittlichen Kapazität muss wieder kein Schlitten hin und her bewegt werden.
Diese Maschine tat ihren Dienst im Forstamt Wittlich, wie auch die Badenia TH13 weiter oben. Sie ist jedoch ungefähr ein Jahrzehnt jünger: Mit diesem Gehäuse wurde die C1-13 von 1960 bis 1964 gebaut. Sie kostete damals seltsame 612 DM.
Die C1-13 wird oft als die als letztes gebaute handbetriebene Rechenmaschine der Welt bezeichnet: In Indien soll sie noch bis 1982 hergestellt worden sein (dort dann allerdings mit einem eckigen Plastikgehäuse). Ich konnte das bisher nicht verifizieren und bezweifle das eher - vielleicht hat man dort einfach nur Restbestände aus Europa als „Neuware” verkauft?
Unter der Marke „Facit” verkaufte Alex Wibel aus Stockholm ab 1918 Rechenmaschinen vom Odhner-Typ. 1924 (andere Quellen sagen 1922) kaufte AB Atvidaberg Industrier aus der gleichnamigen Ortschaft die Firma auf und machte Facit im nächsten halben Jahrhundert zur wohl erfolgreichsten europäischen Marke solcher Maschinen - auch wegen der fortschrittlichen Konstruktion: Schon ab 1932 wurden nur noch Maschinen mit Zehner-Tastatur gebaut. Im Laufe der Zeit wurden weitere schwedische Hersteller wie z.B. Odhner, Halda (Schreibmaschinen) und Addo aufgekauft, die Produktpalette um weitere Büromaschinen und -möbel erweitert. 1965 wurde auch hier der Marken- zum Firmennamen, die Firma und die Profite wuchsen bis 1970 stetig weiter. Der große Erfolg der mechanischen Rechner ließ Facit dann aber anfangs den Trend zur Elektronik verschlafen - und das, obwohl Facit um 1960 kurzzeitig sogar eine eigene Mainframe-Produktion (mit dem zeitweise schnellsten Computer der Welt) hatte. Von einem Facit-Entwicklungschef der 60er-Jahre stammt der verhängnisvolle Ausspruch „Nie wird eine elektronische Rechenmaschine die hochwertigen mechanischen Rechenmaschinen von Facit ersetzen können”. Erst 1968 erkannte man das als Fehler und versuchte noch, in der neu gebauten Fabrik in Örsätter einen „echten schwedischen” Elektronenrechner zu bauen - doch da war es zu spät.
→So geschah, was geschehen musste: Die letzten elektromechanischen Facit-Rechner wurden 1972, die letzten handbetriebenen Maschinen 1977 gebaut. Auch der Verkauf elektronischer Rechner von Hayakawa(Sharp) und Omron unter eigenem Namen rettete die Marke nicht mehr: 1973 wurde die ins Trudeln geratene Firma dem Elektrolux-Konzern einverleibt und zerschlagen, die einzelnen Zweige wurden an verschiedene Firmen (u.a. an Ericsson) verkauft. 1998 erlosch die Marke vollständig. Als Rechtsnachfolger galt PartnerTech AB, doch auch die sind seit 2015 wieder an Scanfil plc verkauft...

→Mehr Infos
 
Facit
C1-13
Seriennummer A-282227

31 x 21 x 15
6,5kg
1957 - 1967
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 9-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (E-Werk nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag im R- und U-Werk,
  • Anzeige für Drehsinn des U-Werks.
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: Gehäuse nur mit leichten Gebrauchsspuren, alles funktioniert leichtgängig und einwandfrei.
Dazu war etwas Arbeit und viel WD40 nötig: Das Innere war so extrem verharzt, dass sich absolut nichts mehr bewegte (WD40 verwende ich nur ungern, weil es auch manche Farben anlöst - und nach einiger Zeit verharzt es selbst wieder). Einige Ziffern der Sprossenrad-Walze waren massiv abgeschabt - die musste ich nachmalen.
Englische Anleitung aus dem Internet heruntergeladen und nachgedruckt.
 
 

Rechenmaschine Contex 10

Eine Zehntasten-Maschine mit der „modernen” Tasten-Anordnung - nun aber eine, die alle vier Grundrechenarten (so einigermaßen) beherrscht. Sie hat keine Staffelwalzen oder Sprossenräder, sondern Zahnsegmente. Wie bei vielen anderen Maschinen mit Zehnertastatur dient hier ein „Stiftschlitten” (oder „Pinbox”) der Umsetzung der Eingabe: Die Tasten setzen Stiftchen im verschiebbaren Schlitten, beim Druck der Rechentaste werden die Zahnsegmente von diesen Stiften (je nach Ziffer in den verschiedenen Stellungen) festgehalten, beim Loslassen der Rechentaste greifen die Zahnsegmente dann in die Zahlenrädchen und drehen sie entsprechend weit.
Die Maschine ist mit viel Kunststoff innen wie außen auf Transportfähigkeit und niedrigen Preis hin gebaut, vergleichsweise leicht (knapp unter 3 kg) und damit eine Art früher Taschenrechner (für sehr, sehr große Taschen!). Das U-Werk hat hier nur eine einzige Stelle, abgekürzte Multiplikation und additive Division sind daher nicht möglich. Dafür hat sie eine recht fehlersichere Stop-Division - allerdings muss man das Ergebnis Stelle für Stelle aufschreiben! Gut gelöst sind Addition und Subtraktion mit automatischer Löschung der Eingabe - so macht das Addieren langer Zahlenkolonnen fast wieder Spaß. Das ist eine Maschine für Kaufleute, nicht für Physiker oder Astronomen.
Dieses Exemplar hat noch die große Nulltaste, die später etwas verkleinert wurde, um einer „Ganz nach links”-Taste (für die Division) Platz zu machen. Der Seriennummer nach stammt sie aus dem Jahr 1961, damals kostete so eine Maschine knapp unter 500 DM (zehn Jahre später war der Preis immer noch etwa gleich, dann nur +MWSt.). Sie stammt aus der kaufmännischen Verwaltung eines Tankstellen-Filialisten in Dortmund.
Contex produzierte in Gentofte (Dänemark) von 1945 bis 1974 in großen Stückzahlen einige wenige Modelle hand- und motorgetriebener Addier- und Rechenmaschinen mit vielen neuartigen Details. Damit bediente man vor allem den Nischenmarkt für transportable Geräte äußerst erfolgreich. Als die Elektronik ihren Siegeszug antrat, versuchte man noch mit Eigenentwicklungen wie der Contex D11 in diesem Markt Fuß zu fassen, doch vergeblich: 1977 taucht schon kein Contex-Rechner mehr in den einschlägigen Katalogen auf.
→Mehr Infos
zu allen Contex-Maschinen
(PDF, 2MB)

Der Stiftschlitten:


Contex
10
Seriennummer 450971

20,5 x 25 x 10
2,9kg
1957 - 1972
  • Eingabewerk 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 1-st.,
  • Resultatwerk 11-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • Tasten für Löschung des R- und U-Werks, Erhalt des E-Werks, Divisionsmechanik, Negativwert und Tabulatoren, Schieber zur Löschung der Eingabe.
  • Statt Kurbel eine Drucktaste mit kurzem Weg,
  • Eingabe wird bei Addition und Subtraktion automatisch gelöscht,
  • Hilfsschablone für die Kommastellen,
  • Zehnerübertrag im R-Werk,
  • einstelliges U-Werk mit schwarzen und roten Zahlen (je nach Rechenart abzulesen und zu notieren).
Kosmetisch passabler und funktional sehr guter Zustand: Oberschale aus Kunststoff recht gut erhalten, Lack der Unterseite sehr stark abgestoßen, Zifferntasten teils etwas abgenutzt. Alles funktioniert wieder einwandfrei.
Gummifüße waren zerfallen und wurden durch neue ersetzt. Viele durch lange Nichtbenutzung schwergängige Rädchen, Hebel und Stifte, bei denen Reinigung und Öl nicht mehr halfen, also waren Komplettzerlegung, einige Justierarbeiten und beim Zusammenbau der Kampf mit vielen widerspenstigen Federchen nötig.
mit Schutzhaube (leicht beschädigt) und Originalanleitung, hat inzwischen einen schönen (nicht originalen) Tragekoffer.
 
 

Rechenmaschine 飛 魚 JSY-20

Der „Monroe-Typ” wurde weltweit kopiert - diese Staffelwalzen-Maschine stammt aus China (und wurde sicher ohne Lizenz nachgebaut). Auch hier wieder kein Zehnerübertrag im U-Werk und keine Rückübertragung. Das Baujahr dieser Maschine ist unklar, das Modell wurde von den 50er- bis Ende der 70er-Jahre nahezu unverändert gebaut. Es ist wohl eine der am längsten gebauten handbetriebenen Rechenmaschine überhaupt. Meist findet sich auf dem Logo das englische „Flying Fish” statt des hier gezeigten „Fei Yu Pai”.
Aus China gibt es nur sehr wenige Modelle mechanischer Rechenmaschinen. Anfangs mag eine geringe Entwicklung der Feinmechanik eine Rolle gespielt haben, doch der Hauptgrund ist wohl eher, dass die Allgegenwart des Suan Pan lange keinen großen Bedarf nach „richtigen” Maschinen aufkommen ließ. So hat die große Mehrheit der chinesischen Bevölkerung meist den direkten Weg vom Abakus zum Taschenrechner genommen, der geringe Bedarf an (elektro)mechanischen Rechenmaschinen wurde von nur wenigen eigenen Fabriken und darüber hinaus durch Importe gedeckt.
Fei Yu Pai (= „Fliegender Fisch - Reihe”) war eine Firma in Shanghai, die zuerst Rechenmaschinen, später auch Schreibmaschinen produzierte. Mitte der 90er-Jahre wurde sie wie viele andere Firmen teilprivatisiert, ob es sie heute noch gibt ist mir nicht bekannt.

→Mehr Infos
- leider auf chinesisch :)

 
飛 魚
JSY-20
Seriennummer 657654

35 x 28 x 16,5
5,4kg
ca. 1957 - 1980
  • Eingabewerk 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 10-st.,
  • Resultatwerk 20-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für U- und R-Werk.
  • Zehnerübertrag nur im R-Werk und nur über 12 Stellen,
  • Schalter für Additionsmodus.
Kosmetisch passabler und funktional sehr guter Zustand: Das massive Stahlgehäuse ist an vielen Stellen bis auf die Grundierung angeschlagen. Alle Tasten in gutem Zustand, funktioniert nun einwandfrei und leichtgängig.
Die extrem verbogene Wagenstange begradigt, einige Nachjustierungen (Stellleisten, Sperrhaken, ...), fehlenden Griff für die schnelle Wagenverschiebung ersetzt.
Anleitung fehlt (und könnte ich sicher auch nicht lesen), Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenmaschine Mesko KR-19S

Eine Sprossenrad-Maschine mit gleichem Konstruktionsprinzip und der gleichen Tastenanordnung wie die Facit 1-13, allerdings mit größerer Kapazität und daher wieder mit Schiebewagen. Das Gerät schreit förmlich „Ostblock!” wegen des - für unsere Sehgewohnheiten - recht grobschlächtigen Designs, der teils billigen Materialien und der extrem einfachen, andererseits aber sehr massiven und damit robusten Bauweise. Und tatsächlich ist diese Maschine ein um 1960 in Polen gebauter „Klon” der Facit C1-19. Ob dafür eine Lizenz von Facit erworben wurde ist unklar.
Sie stammt aus einer Bäckerei in Halle-Diemitz - damit hat der Bäckermeister wohl die Buchhaltung gemacht und vielleicht auch seine Rezepturen gerechnet. Eigentlich wäre das etwas „Overkill” gewesen - Maschinen mit derart großer Kapazität waren eher für Ingenieurbüros oder wissenschaftliche Einrichtungen gedacht. Doch wahrscheinlich war die Bäckerei nicht der Erstnutzer und bekam da ein „abgelegtes” und recyceltes Gerät. Die im Schlitten eingestanzte Seriennummer (33703) weicht nämlich vor der auf dem Typenschild ab, also sind hier wohl ein intaktes Chassis und ein intakter Schlitten aus zwei defekten Maschinen zusammengeschraubt worden.
Auch hier wieder Bezüge zur Waffenfabrikation: Mesko war ab 1924 eine staatliche Munitionsfabrik und später ein bedeutender Hersteller von Industriemaschinen und Haushaltsgeräten (z.B. auch für Bauknecht). Nach einigen Umbenennungen und Umstrukturierungen ist Mesko heute vor allem wieder ein wichtiger Hersteller von Munition und Raketensystemen.

→Mehr Infos
 
Mesko
KR-19S
Seriennummer 33726

46 x 26,5 x 23
8,8kg
ca. 1958 - 1965
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 10-st.,
  • Resultatwerk 19-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (E-Werk nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag im R- und U-Werk,
  • Anzeige für Drehsinn des U-Werks.
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Ganz wenige Stoßstellen, eine verdeckte Stelle ohne Lack, alles funktioniert leichtgängig und einwandfrei.
Die Divisionstaste wieder korrekt funktionieren zu lassen hat mich allerdings einige Stunden Schrauberei gekostet - dabei war's nur ein ausgehakter Schieber (merke: nie Abdeckungen öffnen, unter denen lose Federchen oder Hebelchen lauern könnten!). Die Maschine hatte im Originalzustand auch keine Stellennummerierung, was die Kommafindung sehr erschwerte - nun hat sie eine.
Anleitung fehlt, Kurzanleitung (wie immer mit Wurzel-Algorithmus) geschrieben, Staubschutzhaube schneidern lassen.
 
 

Rechenmaschine Addo-X 2341E

Die elektromechanischen Maschinen rechneten nicht nur schneller, sondern sie wurden auch immer öfter mit besonderen Einrichtungen zur Automatisierung versehen. Diese „Dreispezies-Maschine” steht noch recht weit am Anfang dieser Entwicklung: Man kann über die grauen Zifferntasten links stellenweise multiplizieren (aber noch nicht mit der abgekürzten Methode). In die Nachfolgemodelle der 3000er-Serie konnte man dann schon den gesamten 2.Faktor eingeben, bevor die Multiplikation (nach dem abgekürzten Verfahren) gestartet wurde, erst in der 4000er-Serie kam dann auch die automatische Division dazu.
Genau so ein Modell hatte mein Vater im Büro, damit hat er die gesamte Buchhaltung gerechnet. Als Kind durfte ich nie da dran - die Maschine galt als zu wertvoll: 1959 kostete sie 1.190 DM (etwa drei Monatslöhne). Dieses Exemplar stammt allerdings aus einem Sanitätshaus in Amberg.
Addo war ein schwedischer Büromaschinen-Hersteller. 1918 begann die Produktion mit kleinen Addierhilfen, im Laufe der Jahre kamen größere und besser ausgestattete Maschinen dazu - meist Addiermaschinen mit Volltastatur. Die späteren Maschinen mit Zehnertastatur wurden dann als „Addo-X” verkauft. 1966 wurde die Firma von Facit übernommen, stellte aber weiterhin Rechenmaschinen unter eigener Marke her. Als Facit unterging endete auch die Produktion der Addo-X.
   
Addo-X
2341E
Seriennummer 612749

22,5 x 39 x 21,5
12,5kg
1959 - 1962
  • Eingabewerk 10-st.,
  • Resultatwerk 11-st.;
  • Addition, Subtraktion, Multiplikation, Zwischensumme, Summe,
  • Multiplikationswahltasten (mit Einerstelle beginnen!),
  • 2 Tasten für wiederholte Addition oder Subtraktion der eingetippten Zahl,
  • Korrekturschieber.
  • Nichtrechentaste,
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck auf Papierstreifen,
  • ohne Ein-/Ausschalter!
Kosmetisch passabler und funktional guter Zustand: deutliche Benutzungsspuren um die Tasten herum, einige Kratzer und Stoßstellen. Das Rechenwerk funktioniert einwandfrei, aber ein Hebelchen des Papiertransports hat sich gelockert und ist daher nicht mehr sehr belastbar (Hartlöten würde helfen, aber dazu müsste die gesamte Maschine zerlegt werden...).
Mit Schutzhaube und Anleitung einer Addo-X 3000 (die konnte dann schon abgekürzt multiplizieren und hatte ein Speicherwerk).
 
 

Rechenmaschine Facit CM2-16

Diese Sprossenrad-Maschine war die erste Vierspezies-Maschine von Facit mit der heute üblichen Tasten-Anordnung. Bei ihr wurde auch eine technische Lösung für die Rückübertragung gefunden - und das dann sogar aus beiden Werken! Sie war deshalb - trotz des hohen Preises von ca. 850 DM - eines der erfolgreichsten Modelle der Firma. Dieses Exemplar wurde 1960 gebaut.
Gelegentlich wurde die gleiche Technik etwas später noch in moderner aussehende (und billigere) Plastikgehäuse gepackt, aber es gab es bei den handbetriebenen Maschinen nun keine wesentlichen Weiterentwicklungen mehr (nur bei den elektrisch angetriebenen Maschinen versuchte man noch einige Zeit, der vordringenden Elektronik durch bessere Ausstattung Paroli zu bieten).
→Mehr Infos
zu allen Facit-Maschinen

vorher:


Facit
CM2-16
Seriennummer 1004683

34 x 28 x 15,5
8,1kg
1959 - 1967
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 11-st.,
  • Umdrehungszählwerk 9-st.,
  • Resultatwerk 16-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 2 Tabulatortasten (für Division / für Rückübertrag),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Rückübertragung aus R- oder U-Werk in die Eingabe,
  • Zehnerübertrag im R- und U-Werk,
  • Anzeige für Drehsinn des U-Werks.
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: Einige Stoßstellen, vordere Gummifüße hart, hintere Gummirollen mussten ersetzt werden, unter den Tasten war etwas Flugrost - aber alles funktioniert (wieder...) einwandfrei und leichtgängig.
Anleitung aus dem Internet heruntergeladen, ergänzt und ausgedruckt.
 
 

Rechenscheibe Merkuria 190

Diese Rechenscheibe mit 19 cm Durchmesser entspricht in der Genauigkeit einem Rechenstab mit 50 cm Länge. Sie war ebenfalls für den Handel gedacht, hat aber etwas ausgefeiltere Skalen als die Tröger-Scheibe. Das Exemplar muss nach 1970 entstanden sein, es hat schon den verchromten Alu-Rand und den schmalen Läufer.
Der Link unten führt zu einer umfassenden Beschreibung der Norma-Rechenscheiben und der Firmengeschichte bis 2003.
Norma wurde 1959 gegründet und produzierte zumindest bis 2003 noch Rechenscheiben. Im Internet ist die Firma heute aber nicht mehr auffindbar.

→Mehr Infos
   
Norma
Merkuria 190

19 cm Durchmesser
180g
1959 - mind. 2003
  • Zwei logarithmische Skalen für Multiplikation und Division,
  • eine Reziprok-Skala,
  • zwei prozentuale Skalen (eine für Rückrechnung),
  • Zinsdivisoren-Skala,
  • Angabe vieler englischer und US-Maße.
  Kosmetisch passabler und funktional guter Zustand: stellenweise deutliche Gebrauchsspuren, etwas Spiel, alle Skalen intakt, leichtgängige Funktion.
Schutzhülle und Kurzanleitung vorhanden.
 
 

Rechenmaschine Felix M

Eine Maschine aus der Sowjetunion - obwohl sie aus der Spätzeit der handbetriebenen Maschinen stammt ist sie die einfachste meiner Sprossenrad-Maschinen: Sie hat weder Einstellkontrolle noch Rückübertragung oder Zehnerübertrag im U-Werk. Selbst die sonst üblichen Sperren gegen Fehlbedienung sind nur zum Teil vorhanden. Die Technik ist damit im Prinzip noch die gleiche wie in den seit 1928 gebauten Vorgänger-Maschinen, nur aus moderneren (und damit qualitativ schlechteren) Materialien hergestellt. Im Ostblock war die Maschine dennoch sehr verbreitet: Man findet sie auch heute noch häufig, wenn auch meist in sehr schlechtem Zustand.
Der Name „Felix” und die Technik der Maschinen haben eine besondere Beziehung zu Odhner: In der Oktober-Revolution wurde Odhners Firma in St.Petersburg enteignet - nun bauten die Arbeiter im „volkseigenen” Betrieb Rechenmaschinen. Erster Chef der Firma war Felix Dzierzynski, Mitglied des Zentralkomitees, Gründer der berüchtigten sowjetischen Geheimpolizei „Tscheka” (aber auch des Sportvereins Dynamo Moskau) und Inhaber zahlreicher hoher Ämter.
1921 wurde die gesamte Fabrik demontiert und samt Unterlagen und Personal nach Moskau gebracht. Dort wurden dann weiter Rechenmaschinen gebaut. 1926 starb Dzierzynski, zur Erinnerung an wurden die Rechenmaschinen ab 1928 „Felix” genannt. Ab 1941 pausierte die Produktion, denn die Firma wurde nach Kirow evakuiert (und stellte wahrscheinlich auf Kriegsproduktion um).
Erst ab 1948 wurden dann wieder „Felix”-Rechenmaschinen gebaut - meist einfache Modelle mit kaum veränderter Technik. Hersteller waren nun aber andere Firmen: Alle Felix M sind z.B. bei Schetmash in Kursk entstanden. Diese Firma →existiert auch heute noch und baut immer noch Kassendrucker mit dem Namen Felix!

→Infos
zur Vorgängermaschine
   
Felix
M
Seriennummer 3170844

32 x 16 x 13
3,7kg
1960 - 1978
  • Eingabewerk (ohne Kontrollwerk) 9-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 2 Flügelschrauben zur Löschung von U- und R-Werk.
  • Zehner-Übertrag nur im R-Werk,
  • keine farbliche Unterscheidung der Positiv- und Negativ-Ziffern im U-Werk ,
  • Löschung des E-Werks über Schieber (unter dem Logo) und Hauptkurbel.
Kosmetisch und funktional guter Zustand: Zahlreiche winzige bis kleine Lackschäden aber insgesamt eher guter Eindruck; funktioniert einwandfrei, die höheren Stellen des E-Werks sind unmerklich schwergängiger.
Anleitung aus dem Internet heruntergeladen und ausgedruckt.
 
 

Rechenmaschine Busicom HL-21

Auch in Japan wurden mechanische Rechenmaschinen gebaut, zum Beispiel diese hier von Busicom. Das hier ist das letzte dort gebaute Modell, es hat (mit der Numeria 5905 zusammen) die höchste Stellenzahl aller meiner Maschinen und alle für die damalige Zeit bei Sprossenrad-Maschinen üblichen Extras. Dafür hat es aber auch ein billiges Plastikgehäuse und Sprossenräder aus Druckguss, die bei weitem nicht so haltbar sind wie die Sprossenräder der alten Maschinen.
Die HL-21 wurde nicht nur in Japan vermarktet. Vor allem in Großbritannien wurden recht viele Maschinen importiert, auch diese gegen Ende der 60er-Jahre gebaute (vor 1967 gebaute Maschinen heißen noch nicht Busicom). Damals kostete sie 60 Pfund, umgerechnet ungefähr 600 DM.
Busicom wurde 1918 als Nippon Calculating Machine Co. (NCM) gegründet, spätestens ab 1928 wurden dort europäische Sprossenrad-Maschinen nachgebaut. Ab 1967 hieß die Firma Business Computer Company (Busicom). Unter diesem Namen ist die Firma in die Geschichte der Rechentechnik eingegangen, aber nicht wegen ihrer mechanischen Rechner: Busicom war einer der ganz frühen, technisch führenden und großen Hersteller elektronischer Rechner. 1969 bat dieser japanische Elektronik-Riese einen kleinen Chip-Hersteller in den USA, ihm einen neuen IC zu konstruieren, der künftig in seinen Tischrechnern benutzt werden sollte. Der kleine Chip-Hersteller hieß Intel, der dann entwickelte IC ist der →Intel 4004 - der Urahn aller Intel-Chips.
Eigentlich besaß Busicom alle Patentrechte am 4004, aber man erkannte dort nicht das Potential des universell einsetzbaren Chips und verkaufte die Rechte (für läppische 60.000 Dollar) an Intel zurück. Deshalb steht heute auf Computern nicht „Busicom inside” und schon 1973 ging Busicom pleite. Den Markennamen sicherte sich der englische Importeur, der bis 2016 noch in Fernost gekaufte Rechner als „Busicom” verkaufte.
   
Busicom
HL-21
Seriennummer 320739

36 x 18 x 13,5
5,1kg
1963 - 1970
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 11-st.,
  • Resultatwerk 21-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Rückübertragung vom R-Werk in die Eingabe,
  • durchgehender Zehnerübertrag im U-Werk, im R-Werk nur über 14 Stellen.
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Das Plastikgehäuse ist mit der unteren linken Ecke offenbar mal heftig auf den Boden gefallen und auf der Unterseite einige cm gerissen, aber dort immer noch stabil. Außer diesem Riss und einer kleinen Scharte am Hauptkurbelträger hat es praktisch keine Gebrauchsspuren und macht einen fast neuwertigen Eindruck. Alles funktioniert einwandfrei und leichtgängig.
Die Maschine kam blockiert (das war auch korrekt so beschrieben), ein kleines Federchen war mit Klebeband draufgeklebt - damit war eigentlich klar, was zu machen war. Nach kurzer Suche und einigen lustigen Fingerübungen war die Feder wieder dort, wo sie hin gehört. Alle Schaumstoffpolster innen waren zu Staub zerfallen und wurden ersetzt.
Anleitung aus dem Internet heruntergeladen und ausgedruckt.
 
 

Rechenmaschine Precisa 164-12

Noch eine elektrische „Dreispezies-Maschine”. Diese kann aber schon vollautomatisch multiplizieren und die Eingabe erfolgt auf die heute gewohnte Art. Nur dividieren kann sie noch nicht (das kann erst die Nachfolgemaschine, das Modell 166). Deshalb liegt ihr eine Reziproken-Tabelle für alle Zahlen von 1000 bis 9999 bei, so dass man die Division durch eine Multiplikation mit dem Kehrwert ersetzen kann. Als besondere Einrichtung hat sie einen (immer noch rein mechanischen!) Speicher, der z.B. für eine Konstante oder zum Aufsummieren von Ergebnissen genutzt werden kann und eine Rückübertragung: Sie speichert das letzte Ergebnis, das dann weiter verwendet werden kann. Saldieren (Ergebnisse unter Null korrekt anzeigen) kann sie natürlich auch.
Die Precisa 164 wurde immerhin 15 Jahre lang verkauft. 1964 kostete die als "Dreispezies-Vollautomat" beworbene Maschine stolze 1.590 DM, zehn Jahre später noch 798 DM. Selbst 1977 steht sie noch in den Katalogen, dann aber als "Tagespreis erfragen" (wahrscheinlich waren das nur Restbestände - es ist kaum denkbar, dass man zu dieser Zeit noch solche Maschinen gebaut hätte).
Dieses Exemplar hatte ein Architekt in Fernwald auf seinem Schreibtisch stehen, damit hat er alle seine Baupläne durchgerechnet. Gekauft wurde es vermutlich Mitte der 60er-Jahre bei Keil in Gießen, diese Firma gibt es heute nicht mehr.
   
Precisa
164-12
Seriennummer D153821

23,5 x 33 x 16
8,5kg
1963 - 1978
  • Eingabewerk 12-st.,
  • Resultatwerk 13-st.,
  • Speicherwerk 12-st.;
  • Addition, Subtraktion, Multiplikation, Zwischensumme, Summe,
  • R-Taste für wiederholte Verwendung der eingetippten Zahl (während + / - gedrückt halten),
  • Speichertaste,
  • Nichtrechentaste,
  • Korrekturtaste.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck auf Papierstreifen,
  • beide Faktoren einer Multiplikation mit zusammen maximal 12 Stellen,
  • ohne Ein-/Ausschalter!
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Auf der Front viele leichte Kratzer, sonst nur wenige Gebrauchsspuren, alles funktioniert wie ein Schweizer Uhrwerk.
... nur das Farbband musste ersetzt werden.
Mit Originalanleitung und Reziproken-Tabelle.
 
 

Rechenmaschine Brunsviga 13RM

Die letzte handbetriebene Brunsviga heißt nur noch so - aber gebaut wurde sie bei FAMOSA in Spanien für die Olympia-Werke. Die Sprossenrad-Maschine wurde auch unter den Marken Famosa und Minerva verkauft, aber in Deutschland hatte Brunsviga noch ein gutes Image - also klebte man „Brunsviga” darauf.
Spanische Niedriglöhne, preiswerte Materialien und nicht mehr ganz so präzise Verarbeitung sollten offenbar die Kosten und damit auch die Preise niedrig halten, um gegen die elektrische Konkurrenz (und die am Horizont aufziehende Elektronik) bestehen zu können. Die Maschine hat eine moderne Gehäuseform und ist gut ausgestattet mit vollständigem Zehnerübertrag, Rückübertragung und Einhandbedienung. Aber man merkt die etwas „dahingehuddelte” Verarbeitung: Eine Maschine mit derartigen Passungenauigkeiten der Karosserie hätte in Braunschweig das Werk wohl nie verlassen.
Auf der Positivseite dieses Exemplars ist der außergewöhnlich gute Zustand zu verbuchen: Nicht nur die einwandfreie Funktion - innen drin fand sich auch kein Staubkrümelchen und kein verharztes Fett.
Die Maschine ist eines der ganz frühen Exemplare mit vierstelliger Seriennummer, das Baujahr ist vermutlich 1964. Sie gehörte einem leitenden Stadtvermessungsdirektor in Krefeld und diente ab den 60er-Jahren vermutlich zu Berechnungen im Vermessungs- und Katasterwesen der Stadt.
FAMOSA ist die Abkürzung für Fábrica de Artículos Mecánicos para Oficina, S.A. Die Firma wurde 1945 in Barcelona gegründet und war zumindest bis in die 90er-Jahre aktiv. Heute findet sich jedoch keine Spur mehr von ihr - nur am alten Fabrikgebäude prangt noch immer der Firmenname.
   
Brunsviga
13RM
Seriennummer 2853

30 x 19,5 x 12
6,8kg
1964 - ca. 1970
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Rückübertragung vom R-Werk in die Eingabe,
  • Zehnerübertrag im U- und R-Werk,
  • Richtungswahlschalter für das U-Werk.
Kosmetisch guter, funktional sehr guter Zustand: Nur einige Stoßstellen an Kanten und Benutzungsspuren an den Plastikgriffen, dennoch Gesamteindruck fast wie neuwertig; leichtgängige und einwandfreie Funktion.
Nur die Seitenteile der Schlittenabdeckung wurden zwecks besserer Passgenauigkeit etwas präziser gebogen.
Schutzhülle fehlt, Nachdruck der wenig ausführlichen englischen Anleitung vorhanden.
 
 

Rechenmaschine Numeria 5905

Noch eine Numeria mit Axial-Sprossenrädern, aber nun das letzte handbetriebene Modell mit vergleichsweise guter Ausstattung. Es hat kompletten Zehnerübertrag im U-Werk (mit einer wirklich pfiffigen Mechanik), eine riesige Kapazität und das R-Werk kann geteilt werden, um z.B. links Zwischenergebnisse zu speichern. Das Baujahr dürfte 1966 oder etwas später sein, Neupreis damals: 665 DM. Das war offenbar hierzulande zu teuer und verkaufte sich nicht gut - die Maschine stand in direkter Konkurrenz zur deutlich billigeren Nisa K2, obwohl die viel schlechter ausgestattet war. In Deutschland ist die Numeria daher selten zu finden.
Die Maschine stammt aus Llanwrtyd Wells. Innen fand sich seltsamerweise die unten gezeigte Banderole - so eine hat man zuhause eher selten. Man darf also vermuten, dass die Maschine (evtl. in Hereford?) in einer Filiale der „co-operative bank” im Einsatz war. Aber bis 2014? Ich kann's nicht glauben...
 
Numeria
5905
Seriennummer 80150

41 x 27,5 x 19,5
6,1kg
1964 - 1968
  • Eingabewerk 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 11-st.,
  • Resultatwerk 21-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für R- und U-Werk (je nach Drehrichtung).
  • Zehnerübertrag im U-Werk, im R-Werk nur über 11 Stellen,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Split des R-Werks ermöglicht Teillöschung der rechten 9 Stellen,
  • Schieber inaktiviert ggf. die ersten beiden Tastenkolonnen (Fehlervermeidung bei bestimmten Rechnungen).
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: viele Kratzer und kleine Stoßstellen, insgesamt jedoch schöner Eindruck; alles funktioniert wieder wunderbar leichtgängig.
U-Werk neu justiert, abgebrochenen Griff der rechten Schlittenabdeckung neu aufgebaut und lackiert, ein Knopf ersetzt. In die (wegen der erst noch fehlenden Abdeckung) lose Schlittengleitstange weiteren Schlitz eingefräst und Sicherungsring eingesetzt, linke Schlittenabdeckung ersetzt, Stellenbezifferung angebracht.
Ohne Schutzhülle, Anleitung als PDF vorhanden und ausgedruckt.
 
 

Rechenmaschine Nisa K2

Noch eine Maschine mit Volltastatur und geteilten Staffelwalzen. Wie beim Vorbild bewegen sich auch hier die Staffelwalzen selbst (durch sich je nach Taste verschieden weit drehende Leisten unter der Tastatur) und nicht die abgreifenden Zahnräder. Auch hier gibt es den optionalen „Additionsmodus” (automatische Eingabelöschung nach der Kurbeldrehung), das Addieren geht damit wunderbar. Im U-Werk gibt es aber immer noch keinen Zehnerübertrag, die abgekürzte Multiplikation ist also weiterhin unmöglich.
Hier wurde offensichtlich versucht, möglichst viel Metall einzusparen: Der Boden besteht zwar aus stabilem Metall, aber die Wagenverkleidung ist aus dünnem Blech, die übrige Karosserie aus dickem Kunststoff und auch sonst gibt es viele Plastikteile. Die Maschine wurde 1969 in der damaligen Tschechoslowakei gebaut, die Ähnlichkeit zu den Rechenmaschinen von Monroe ist unverkennbar. Vermutlich wurde in diesem Fall sogar eine Lizenz dafür erworben.
Wer dieses Gerät früher wozu benutzt hat weiß ich leider nicht, aber den damaligen Neupreis der nach Westdeutschland exportierten Maschinen findet man im Internet: 247 DM - das war im Vergleich zu Monroe und Lagomarsino richtig günstig.
Das Know-How der Rechnerfertigung von Nisa (tschechisch für Neiße) stammt vermutlich auf Umwegen von Rema. 1922 wurden deren Patente frei, ein anderer kleiner Hersteller namens Mira übernahm diese Patente und produzierte in Reichenberg (heute Liberec) Rechner des „Odhner-Typs”. Ab 1951 baute Nisa dann im Nachbarort Proseč nad Nisou (Proschwitz) Rechenmaschinen des „Monroe-Typs”, vermutlich auf den Maschinen und mit Teilen des Personals von Mira. Bis 1976 wurden dort weitere (auch elektromechanische) Rechner entwickelt und gebaut. 1995 (also kurze Zeit nach dem Zusammenbruch des sogenannten „Ostblocks”) ging die Firma in Konkurs. Eine Nachfolgefirma, vermutlich aus überlebensfähigen Teilen der Fabrik entstanden, existiert heute noch als →NISAFORM GmbH, sie stellt Formen für Kunststoff- und Metallguss her.
   
Nisa
K2
Seriennummer U2-25718

31,5 x 27 x 10 (16,5 aufgeklappt)
3,6kg
ca. 1965 - 1970 ?
  • Eingabewerk 8-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 16-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für U- und R-Werk (je nach Drehrichtung).
  • Zehnerübertrag nur im R-Werk und nur über 10 Stellen,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • zwei herausklappbare „Hinterbeine”.
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: Ein deutlicher Hitzeschaden am Kunststoff der Vorderseite, Gehäuse sonst extrem gut erhalten. Die Mechanik ist wieder leichtgängig und fehlerfrei.
Der Wagenverstellknopf aus Kunststoff zeigte erste Ermüdungsrisse, er wurde daher geklebt.
Anleitung fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Rechenscheibe Grafia 190

Eine weitere Rechenscheibe von Norma mit 19 cm Durchmesser. Diese war für Grafiker gedacht, dazu gibt es eine Skala mit Formaten und Schriftgrößen. Das Exemplar muss zwischen 1965 und 1970 entstanden sein, es hat schon den verchromten Alu-Rand, aber noch den kurzen Läufer.
Dieses Exemplar wurde von den Grafikern eines Industrie-Designstudios in Venlo bis in die 80er-Jahre benutzt - danach wurde auf Computer umgestellt und die Scheibe wurde überflüssig.
     
Norma
Grafia 190

19 cm Durchmesser
180g
1965 - mind. 2003
  • Zwei logarithmische Skalen für Multiplikation und Division,
  • Angabe von Formaten und Schriftgrößen,
  • Angabe einiger englischer und US-Maße.
  Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: praktisch neuwertig, einwandfreie Funktion.
Schutzhülle und Anleitung vorhanden.
 
 

Zahlenschieber Alco

Ein Zahlenschieber aus den mittleren 60er-Jahren. Dieses Modell kommt aus Japan und ist ganz offensichtlich (bis hin zu Details der Farbgebung und Beschriftung) eine Kopie des Addiator Arithma. Manchmal findet man es auch mit einem Rechenstab auf der Rückseite, oft unter anderen Markennamen. 1960 wurden solche Zahlenschieber in den USA manchmal schon für 99 Cent angeboten.
Der unbekannte Hersteller hat schon ab den 50er-Jahren Zahlenschieber an viele Firmen geliefert und gleich deren Marke aufgedruckt - Alco z.B. war eine Firma aus New York, die ab Mitte der 60er-Jahre aus Fernost importierte Massenware über Discounter vertrieben hat.

→Mehr Infos

→Viele, viele Anleitungen...
ALCO
Personal Calculator

4 x 16 x 0,5
40g
ca. 1967 - 1975
  • Eingabe über 6 Zahnstangen,
  • Addition, Subtraktion (nicht unter Null!),
  • Löschschieber.
  • Addieren und Subtrahieren auf einer Seite,
  • mit Eingabegriffel aus Metall und Halterung dafür.
Kosmetisch und funktional guter Zustand: Einige Kratzer, funktioniert einwandfrei.
Zerlegt, einige Zähne und Schieber begradigt.
Mit Originalgriffel, Anleitung eines Addiator Arithma heruntergeladen und ausgedruckt.
 
Ganz egal ob hand- oder motorbetrieben, ob Sparversion oder Superausstattung, ob Sprossenrad, Staffelwalze oder Schaltklinke: Ab 1961 kamen die ersten →ANITAs und bald auch deren „Kollegen” in die Büros und machten binnen eines Jahrzehnts die mechanischen Rechenmaschinen obsolet. Nur die Rechenschieber und Logarithmentafeln hielten sich in den Ingenieurbüros, Schulen und Universitäten noch etwas länger, weil die frühen elektronischen Geräte noch zu wenige Funktionen hatten.
Doch die integrierten Schaltkreise der elektronischen Rechner wurden allmählich kleiner, leistungsfähiger und preiswerter. Am 12. Juli 1972 startete der Verkauf des →Hewlett-Packard HP-35, der alles (insbesondere Logarithmen, Potenzen und Kreisfunktionen) genauer und schneller rechnete als die Rechenschieber - allerdings kostete er anfangs noch knapp 400 Dollar. Am 13. Juni 1976 erschien dann mit dem TI-30 der erste wissenschaftliche Taschenrechner, der mit gerade mal 25 Dollar weniger kostete als ein üblicher Rechenschieber. Damit wurden fast über Nacht auch diese wertlos und verschwanden schnell. Das gleiche Schicksal ereilte die Logarithmentafeln.
Neben ihren Vorteilen (leichtes Erlernen, Genauigkeit, Schnelligkeit, immer größerer Funktionsumfang) bringen die modernen Tisch- und Taschenrechner aber auch Nachteile mit sich: Das mangelnde Gefühl für das, was man da eigentlich rechnet führt gelegentlich zu folgenreichen Fehlern. Jedem Display wird vollkommen vertraut - kaum jemand kann bei dem hohen Rechentempo noch einen Überschlag im Kopf machen, ob das Eingetippte und Angezeigte auch stimmen kann. Zudem wird von der Elektronik oft eine Genauigkeit vorgetäuscht, die gar nicht existiert: Was nützen z.B. 11 Nachkommastellen, wenn die eingegebenen Messwerte nur auf zwei Stellen genau waren?
Die folgenden Rechner (nein, das sind keine „Maschinen” mehr!) zeigen die Entwicklung der frühen Elektronik, die den Untergang der mechanischen Rechner herbei führte, aber auch, wie auch große Hersteller mechanischer Rechenmaschinen mit einer vielleicht damals aussichtsreichen, letztlich jedoch erfolglosen Strategie versuchten, in der Elektronik Fuß zu fassen - und warum neue Firmen den Markt elektronischer Geräte für sich sichern konnten.
Zugegeben: Ich wollte einige der Geräte auch haben, weil ich Nixie-Röhren einfach wunderschön finde ... deshalb sind es ein paar Beispiele mehr als eigentlich nötig.
 
 

Tischrechner Denon DEC-61A4

Dieses ist mein bislang ältester elektronischer Rechner: Er kam im September 1968 auf den Markt. Entsprechend niedrig integriert ist die Elektronik: Auf insgesamt sieben Platinen sitzen ungeheuer viele Widerstände und Dioden (oft als Gatter), zahlreiche Kondensatoren, einige Transistoren und relativ wenige ICs. Diese ICs sind noch extrem einfach (SSI = „small scale integration”) und bieten nur logische Grundfunktionen. Dazu kommen noch die Platine für die Tastatureinlesung, zwei schmale Platinen für die Anzeige und die alles verbindende Hauptplatine. Der ganze große Kasten ist also vollgestopft mit elektronischen Bauteilen - die alle in Handarbeit eingelötet wurden!
Die Anzeige besteht aus „Nixies” - das sind die damals gebräuchlichen, recht teuren Röhren mit Kathoden in Ziffernform, die nach Art einer Glimmlampe leuchten können. Für jede Ziffer gibt es eine Kathode und diese sind dicht hintereinander gestapelt. Nixies gab es in →vielen verschiedenen Bauformen und Größen, doch ab Anfang der 90er-Jahre wurden sie nicht mehr hergestellt weil sich billigere und energiesparendere Anzeigearten durchsetzten. Einige →Enthusiasten betreiben wieder Kleinstfertigung, aber funktionierende Nixies werden allmählich seltener und damit noch teurer als sie es immer schon waren. Das ist schade, denn das warme Licht ist wunderschön.
Die Bedienung dieses Rechners ist kaum mit heutigen Standards zu vergleichen, manche Tastenfolgen führen zu hoch seltsamem Verhalten. Immerhin gibt es hier schon eine Wurzelfunktion (die mit großen Zahlen nicht umgehen kann), einen saldierenden Speicher (der ein negatives Vorzeichen leicht verliert) und ein (recht eingeschränktes) Fließkomma - andere Rechner dieser und folgender Jahre waren da meist schlechter ausgestattet. Der Funktionsumfang selbst der kompliziertesten elektromechanischen Maschinen ist damit schon erreicht.
Die frühere Verwendung ist nicht bekannt, auch den anfänglichen Neupreis in Deutschland habe ich noch nicht herausgefunden. 1971 waren es dann jedenfalls immer noch stolze 3.807 Mark brutto (etwa vier Monatslöhne).
Denon wurde 1910 als Nippon Chikuonki Shoukai (Japan Recorders Corporation) gegründet und gehörte bis 2001 zum ebenfalls 1910 gegründeten Plattenlabel Nippon Columbia. Einige wenige Jahre um 1970 war Denon auch im Rechnerbau tätig, bekannt wurde die Marke aber wegen ihrer hochwertigen Stereoanlagen und Audiokomponenten - diese baut sie noch heute. Denon gehört heute zur D&M Holdings Inc. (D und M stehen für Denon und Marantz).

→Mehr Infos

Die Platinen:


Denon
DEC-61A4
Seriennummer Z212339Y

29,5 x 39 x 10,5
6,5kg
1968 - 1971
  • Anzeigeregister 14-st.,
  • Rechenregister,
  • saldierender Speicher,
  • Grundrechenarten,
  • Quadratwurzel.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Wählrad für 0, 2, 3 oder 6 NKS,
  • Wählrad für Fließkomma oder Festkomma mit Ab-, 5/4- oder Aufrundung,
  • Register-Austausch,
  • T-Taste für Aufsummierung von Produkten,
  • K-Taste für Konstante bei Multiplikation und Division,
  • Anzeige mit 14 Nixie-Röhren,
  • 3 Signallämpchen für Minus, Speicher und Überlauf.
Kosmetisch und funktional passabler Zustand: Gehäuse extrem vergilbt, bis auf einen kleinen Riss aber unbeschädigt, auch Tasten sehr gut erhalten. Man kann damit immer noch passabel rechnen, doch bei manch seltsamem Verhalten ist nicht klar, ob es an der Rechnerlogik liegt oder ob es sich bereits um Versagen der Elektronik handelt. Die Komma-Kathoden der Röhren 6 und 12 sind ausgefallen bzw. schwach.
Defekte Glimmlampe der Überlaufanzeige ersetzt.
Anleitung fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Tischrechner General Teknika 1200

Ein Rechner aus dem Jahr 1969, der nun schon ganz viele (genau 88) SSI-ICs enthält. Auch die Anzeige ist geringfügig moderner - statt klassischer Nixies sind hier nach dem gleichem Prinzip leuchtende „Elfin-Röhren” eingebaut: Das sind acht kleine Glimmlämpchen pro Röhre, die zusammen eine Siebensegment-Anzeige (plus Dezimalpunkt) bilden. Die Speicherlogik ist etwas seltsam (statt Speicherlöschtaste automatischer „Neustart” nach bestimmten Rechnungen, der Speicher ersetzt zudem eine Konstante) und ein Fließkomma gibt es auch nicht. Insgesamt wirkt die Bedienlogik aber recht durchdacht, das Wurzelziehen geht hier (auch dank des seltsamen Speichers) sehr flott.
Die General Co. Ltd. war ein 1914 gegründeter japanischer Hersteller, dessen Eigenmarke Teknika in Deutschland von MBO vertrieben wurde, der aber auch wichtiger OEM-Hersteller ( z.B. vieler Rechner von Triumph-Adler und Precisa - dort hieß dieses Modell „GS12”) war. Mindestens bis 1989 wurden elektronische Rechner gebaut. Heute existiert immer noch eine Firma gleichen Namens, sie stellt aber nur noch Verbrauchsmaterialien für Bürogeräte her.
aus der Sammlung →Hans Bloemen

Die Platinen:



 
General Teknika
1200
Seriennummer 2589

25 x 32 x 15
3,7kg
1969 - ?
  • Anzeigeregister 12-st.,
  • Rechenregister 12-st.,
  • saldierender Speicher 12-st.,
  • Grundrechenarten.
  • Registertausch,
  • Festkomma 0-, 2-, 4- oder 6-stellig,
  • Anzeige mit 12 Elfin-Röhren Rodan MG17-D und einer Glimmlampe (für's „Minus”),
  • Chipsatz: General EDC2111CUM, EDC2112CUM, EDC2113CUM, EDC2114BUM, EDC2115CUM, EDC2116CUM, EDC2116BEL, EDC2115DUM u.a.
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Gehäuse nahezu ohne Gebrauchsspuren und nur leicht vergilbt, funktioniert einwandfrei.
mit Schutzhaube, Anleitung fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Tischrechner Sharp QT-8D

Dieser kompakte Tischrechner hat nur die Grundrechenarten, sonst nichts. Aber er ist dennoch bemerkenswert, weil er der weltweit erste Rechner mit LSI(„large scale integration”)-Chips war. Hier werkeln tatsächlich nur sechs Chips, davon vier in der damals revolutionären MOS-Technik mit jeweils um die 1000 bis 2000 Transistoren. Das war damals ungeheuer viel (heutige Spitzen-Notebooks haben allerdings Prozessoren mit mehreren Milliarden Transistoren) und ein gewaltiger Fortschritt bei Rechengeschwindigkeit, Raum- und Energieersparnis.
Interessant ist auch die Anzeige, denn hier sind zum ersten Mal in einem Rechner die seltenen Itron-Röhren verbaut worden. Die Verarbeitung ist extrem wertig: gekapseltes Netzteil, Stecker mit Goldkontakten, Tastatur mit Reed-Kontakten... Auch nach 50 Jahren knarzt , klemmt und wackelt nichts. Auf der Positivseite ist auch noch das damals seltene echte Fließkomma. Die Tastatur dagegen hat ein heute sehr seltsam anmutendes Layout mit gemeinsamer Taste für Multiplikation und Division - ohne Hilfe finden die meisten Menschen binnen 5 Minuten nicht heraus, wie man damit dividiert. Führende Nullen werden in der Anzeige nicht unterdrückt, die Nullen sind dafür halbhoch, was sehr gewöhnungsbedürftig ist und ungeübte Nutzer eher noch mehr verwirrt. Nach dem Einschalten muss man zweimal C drücken, sonst steht Datenmüll in Anzeige und Register. Die Korrekturtaste löscht auch eine eingegebene Multiplikation/Division und holt das Register in die Anzeige zurück, das zweite Drücken löscht dann alles.
Die Seriennummer verrät Baujahr und -monat: Es ist November 1970. Durch die höher integrierten Chips (und auch wegen des geringen Funktionsumfangs) mussten hier viel weniger elektronische Bauteile eingebaut werden, dadurch konnte auch der Preis niedriger sein: 1.790 DM (netto).
Von Jahr zu Jahr purzelten nun die Preise und der Konkurrenzkampf unter den Elektronikherstellern ließ letztlich nur wenige große Unternehmen bis heute bestehen. Sharp, gegründet 1912 durch Tokuji Hayakawa (und bis 1970 auch unter dessen Name firmierend) gehört zu diesen Herstellern und ist heute immer noch einer der Marktführer im Geschäft mit elektronischen Rechnern. Allerdings ist Sharp nicht mehr selbständig, weil die Konkurrenz der „Billigheimer” aus China auch dort zu massiven Verlusten geführt hatte. 2016 hat die taiwanesische Hon Hai (hierzulande als „Foxconn” zu zweifelhaftem Ruf gekommen) zwei Drittel der Anteile von Sharp aufgekauft (→mehr zur Geschichte von Sharp).
aus der Sammlung →Hans Bloemen

→ein sowjetischer Nachbau
Sharp
QT-8D
Seriennummer 000978X

14,5 x 25,5 x 8,5
1,5kg
1969 - 1972
  • Anzeigeregister 8-st.,
  • Rechenregister 8-st.,
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung über eine Taste,
  • Nur Fließkomma
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • Anzeige mit 8 Iseden „Itron” CD10B (Vakuumfluoreszenz) und einer weiteren Röhre (für's „Minus”),
  • Chipsatz besteht aus zwei einfachen ICs und vier MOS-LSI-ICs von Rockwell: NRD 2256 („numerical read-in and display”), DC 2266 („decimal-point control”), AC 2261 („arithmetic control”, Register), AU 2271 („arithmetic unit”, der eigentliche Addierer).
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Kaum Gebrauchsspuren, funktioniert (wenn man erst mal die Bedienung herausgefunden hat) einwandfrei.
Englische Anleitung aus dem Internet heruntergeladen und ausgedruckt.
 
 

Rechenmaschine Nisa K5

Die „große Schwester” der Nisa K2 wirkt in Form- und Farbgebung recht modern - und sie ist vermutlich die letzte Neuentwicklung einer handbetriebenen Maschine überhaupt: Sie wurde in der Tschechoslowakei entwickelt, als schon längst die ersten elektronischen Rechner auf dem Weltmarkt erschienen waren. Trotzdem muss sie im damaligen Ostblock noch eine gewisse Verbreitung erfahren haben, denn man findet sie öfters mal in Internet-Auktionen. Eine Modellvariante mit elektrischem Antrieb wurde auch gebaut.
Das U-Werk ist immer noch ohne Zehnerübertrag, ein Zähler mit Übertrag kann jedoch im großen R-Werk simuliert werden. Insgesamt noch mehr Plastik als bei der „kleinen Schwester”. Die Oberschale aus dünnem Kunststoff wirkt etwas klapperig (es gibt auch eine Modellvariante mit Metalloberschale). Auch die Kurbel und das Schlittentransportrad sind aus demselben Material und es zeigten sich z.T. erste Ermüdungsrisse. Unterschale und Inneres sehen dagegen recht stabil aus, sind aber erkennbar auch auf Materialersparnis hin optimiert.
Dieses Exemplar wurde 1975 gebaut. Es stammt aus einer Sammlung in München, also ist mir leider nicht bekannt, wer es früher benutzt hat und welchen Neupreis man damals dafür zahlen musste.
Diese Stellleisten werden durch die
Tasten verschieden weit gedreht ...:
... und stellen diese Staffelwalzen
nach links und rechts:
 
Nisa
K5
Seriennummer AC 71133

40 x 31 x 17
4,7kg
1970 - 1976(?)
  • Eingabewerk 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 10-st.,
  • Resultatwerk 20-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, 2 Löschhebel für U- und R-Werk.
  • Zehnerübertrag nur im R-Werk und nur über 13 Stellen,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • gleichzeitig 0 und 1 in Kolonne 10 drücken setzt einen provisorischen Zähler (Die 1 ganz links wird nicht mehr gelöscht), ein Zählerschieber setzt das wieder zurück.
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Sieht bis auf kleinste Kratzer noch ausgesprochen gut aus, alles funktioniert einwandfrei.
Erste feine Haarrisse an Gehäuse und Schlittentransportrad geklebt/verstärkt, ein wenig Öl, ein paar neue Gummipuffer innen.
Anleitung fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Tischrechner Addo-X 9354

Auf den ersten Blick sind nur die Tastenfarben und das Firmenlogo anders als beim QT-8D, auf den zweiten Blick fällt der fehlende Tragegriff auf. Aber die Ähnlichkeit täuscht nicht, denn Sharp hat auch die meisten der elektronischen Rechner für Facit und Addo gebaut, und ihr QT-8D wurde daher auch leicht modifiziert als Addo-X 9354 und als Facit 1125 verkauft.
Wo dieser Rechner mal benutzt wurde weiß ich leider auch hier nicht - aber Baujahr und damaliger Neupreis sind bekannt: Ein Facit-Prüfetikett auf der Rückseite trägt das Datum 12.12.1972 (es handelt sich also um eines der ganz späten Exemplare), im Büromaschinen-Lexikon stehen für dieses Jahr 1.350 DM (netto). Ein Jahr zuvor waren es sogar noch 1.995 DM - also deutlich mehr als das gleiche Gerät vom eigentlichen Hersteller.
aus der Sammlung →Hans Bloemen  
Addo-X
9354
Seriennummer 345031

14,5 x 25,5 x 8,5
1,5kg
1970 - 1972
  • Anzeigeregister 8-st.,
  • Rechenregister 8-st.,
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung über eine Taste,
  • Nur Fließkomma
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • Anzeige mit 8 Iseden „Itron” CD10B (Vakuumfluoreszenz) und einer weiteren Röhre (für's „Minus”),
  • Chipsatz besteht aus zwei einfachen ICs und vier MOS-LSI-ICs von Rockwell mit Datumscodes von 1969 bis 1971 (s. Bild oben rechts).
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Nahezu neuwertig, funktioniert einwandfrei.
Nur die zerbröselnden Gummifüße mussten ersetzt werden.
mit Schutzhaube, Anleitung fehlt.
 
Facit/Addo konnte auf diese Weise elektronische Rechner anbieten und Sharp nutzte so das gute weltweite Vertriebsnetz des etablierten Büromaschinen-Herstellers. Die meisten anderen Hersteller mechanischer Rechenmaschinen trafen ähnliche Vereinbarungen mit weiteren japanischen Elektronikproduzenten, nur wenige versuchten sich an eigener Herstellung. Das geschah nicht wegen fehlender eigener Kompetenzen in Sachen Elektronik, sondern weil die Herstellung der frühen elektronischen Geräte noch aufwendigste Handarbeit - und damit in Europa praktisch unbezahlbar - war. Die japanischen Löhne hingegen waren damals konkurrenzlos niedrig - also kauften dortige Firmen US-amerikanische Chips und bauten um diese herum Rechner, die auf dem europäischen Markt dann zwar teuer, aber im Vergleich dennoch günstig angeboten werden konnten.

Auch in den USA war das Lohnniveau eigentlich viel zu hoch für die aufwendige Montage elektronischer Rechner. Doch dort wurde vom Staat (vor allem dem Militär) massiv gegengesteuert: Man wollte das damalige Fast-Monopol der Chip-Fertigung und andere Kompetenzen möglichst lange im Land behalten. Also gab es hohe Subventionen und viele teure Aufträge für amerikanische Firmen. So konnten amerikanische Hersteller stets mithalten oder gar die Technologieführerschaft erringen und noch viele Jahre mussten auch die japanischen Hersteller Chips und andere Bauteile überwiegend in den USA kaufen.
Dass die westeuropäischen Staaten da nur zögerlich oder gar nicht nachzogen ist eigentlich nur erklärbar wenn man hinterfragt, wer in den NATO-Ländern die wirklichen Entscheidungen traf (und trifft?) ...
 
 

Tischrechner Sharp QT-8B

Das Gerät sieht nun wieder exakt wie der QT-8D aus, selbst der Tragegriff ist wieder da. Auch das Innenleben ist praktisch gleich - aber es gab eigentlich einen wichtigen Unterschied: Statt des großen Netzteils waren hier ursprünglich sechs Akkus eingebaut und es wurde eine separate Ladestation mitgeliefert. Damit war der QT-8B der erste netzunabhängige Elektronenrechner, wegen seiner geringen Größe konnte man ihn auch wirklich schon gut mitnehmen. Dafür war er dann (mit Ladestation) 460 DM teurer als sein Pendant mit Netzstecker: 2.250 DM (netto)! Gebaut wurde dieses Exemplar im September 1970.
Sein Nachfolger hat immer noch den gleichen Chipsatz: Es ist der (noch kleinere) erste echte Taschenrechner der Welt, der →Sharp EL-8 (auch Facit 1111 / Addo-X 9364).
aus der Sammlung →Hans Bloemen

→Ein QT-8B mit Akkus und Ladegerät
 
Sharp
QT-8B
Seriennummer 0109329

14,5 x 25,5 x 8,5
1,5kg
1970 - 1972
  • Anzeigeregister 8-st.,
  • Rechenregister 8-st.,
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung über eine Taste,
  • Nur Fließkomma
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • Anzeige mit 8 Iseden „Itron” CD10B (Vakuumfluoreszenz) und einer weiteren Röhre (für's „Minus”),
  • Chipsatz besteht aus zwei einfachen ICs und vier MOS-LSI-ICs von Rockwell.
Kosmetisch und funktional guter Zustand: Gehäuse und einige Tasten mit Gebrauchsspuren; funktioniert eigentlich einwandfrei - doch hier wurde nachträglich das Netzteil eines QT-8D eingebaut (vermutlich weil die Akkus tot waren).
Auch hier mussten die Gummifüße ersetzt werden.
Anleitung fehlt - aber beim QT-8D vorhanden.
 
 

Neckermann Haushaltkalkulator

„Richtige” Rechenmaschinen oder elektronische Rechner waren bis in die 70er-Jahre für Haushalte unerschwinglich. Dieses Marktsegment wurde daher lange von billigen Zahlenschiebern und Plastikteilen wie diesem hier abgedeckt. Der „Neckermann Haushaltkalkulator” (nicht „Haushalts...” - deutsch ist schwierig!) zeigt das schon im Namen. Man kann damit ganz passabel addieren und subtrahieren, letzteres sogar einfacher als auf einem Comptometer. Der Zehnerübertrag über alle Stellen, also z.B. von 9999999 auf 0000000, ist aufgrund der Konstruktion jedoch extrem schwergängig.
Hersteller ist eine - leider unbekannte - Firma in Japan. Das Modell wurde in den USA als „Solo” oder „Chadwick” und in Deutschland bei Neckermann verkauft, dem großen Versandhändler aus Frankfurt, der in den späten 90er-Jahren der zweitgrößte online-Versender Deutschlands war. Neckermann geriet dann allerdings in die Hände von Arcandor/Karstadt und ging im Zuge der kriminellen Karstadt-Ausplünderung 2012 in Konkurs. Die Markenrechte sicherte sich der Konkurrent Otto, der heute unter neckermann.de ein Versandportal betreibt.
     
Neckermann
Haushaltkalkulator


12,5 x 9,5 x 10
260g
ca. 1970 - ?
  • Einstellwerk = Anzeige 7st.,
  • Addition über weiße und Subtraktion über rote Ziffern,
  • Löschhebel.
  Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: Gehäuse mit wenigen Gebrauchsspuren; funktioniert einwandfrei.
Schutzhülle und Anleitung (die sicher verzichtbar ist) fehlen.
 
 

Schumm Rechenbox

Ja - es geht noch kleiner: Das hier ist ein →„Shopping adder” - eine deutsche Bezeichnung gibt es nicht, weil diese Geräte praktisch nur in den USA und GB verbreitet waren. Amis und Briten fanden es offenbar besonders wichtig, beim Einkaufen die Summe stets mitzurechnen. Die Schumm Rechenbox ist das einzige bekannte Modell aus Deutschland. Man klickt die Pfennig-, 10Pfg.-. Mark- und 10Mark-Stelle mit der Taste oben jeweils eins weiter, zum Löschen muss man dann alles einzeln auf Null klicken.
Das Gerät erfüllt die Definition einer Rechenmaschine nicht wirklich: Man kann zwar in jeder Stelle Eins zuzählen, „Rechnen” ist das aber noch nicht. Eine „Maschine” ist die Rechenbox jedoch - sie hat einen mechanischen Zehnerübertrag in allen Stellen.
→Erich Schumm war Unternehmer und Erfinder mit über 1000 Patenten. Seine beiden wichtigsten Erfindungen sind das ESBIT („Erich Schumms Brennstoff in Tablettenform”) und - die Plastik-Fliegenklatsche!
Schumm starb 1979, die Firma mit Sitz in Murrhardt bestand aber weiter und produzierte schließlich vor allem Handtuch- und Seifenspender, 1994 wurde sie von der Haniel Textilservice übernommen, deren Sanitärausstattungen (heute als CWS-boco) immer noch hergestellt werden - auch in Murrhardt.
     
Schumm
Rechenbox


9,5 x 2 x 4
40g
1970 - ?
  • Anzeigeregister 4-st.,
  • nur Addition von 1 in jeder Stelle.
  Kosmetisch sehr guter und funktional passabler Zustand: Gehäuse nahezu ohne Gebrauchsspuren; funktioniert nur gut, wenn man die Tasten beim Lösen „schnicken” lässt.
Originalkarton und eine Anleitung fehlen (ich glaube, man braucht hier auch keine).
 
 

Tischrechner Facit 1129

Dieser Rechner ist nun wieder vergleichsweise riesig - sogar größer als viele der Maschinen mit Handkurbel. Das liegt wohl auch daran, dass hier nur MSI(„medium scale integration”)-ICs benutzt wurden, die durch eine beeindruckende Zahl von Transistoren, Widerständen und Dioden ergänzt werden. Einen der damals gerade aufkommenden LSI-Chips findet man hier noch nicht.
Die Anzeige des Facit 1129 besteht wieder aus den teuren „Nixies”, auch die Tastatur entspricht dem damaligen Sharp-Standard. Für heutige Verhältnisse ist die Benutzung eher ungewohnt: Eine Plus-Taste sucht man vergebens, führende Nullen werden nicht unterdrückt, es gibt kein Fließkomma und Werte für Multiplikation und Division dürfen nur je 13 Stellen haben, weil dabei eine Stelle im Register als Zählwerk benötigt wird. Doch immerhin gibt es schon einen richtigen Speicher mit den heute noch üblichen vier Tasten. Werden komplizierte Aufgaben gerechnet, dann vollführen die Anzeigen bis zu einer Sekunde lang einen wilden Tanz.
Wo dieser Rechner mal benutzt wurde weiß ich leider nicht, weil er aus einer Sammlung stammt - aber den damaligen Neupreis kenne ich: Heftige 3.300 DM (netto). Zum Vergleich: Ein VW Käfer in einfacher Ausstattung kostete damals etwa 5.500 DM brutto (nebenbei bemerkt: d.h. der Käfer war seit 1950 preisstabil, nur die MWSt. kam ab 1968 oben drauf!). Ein Jahr später war der Preis des Rechners dann auf 2.590 DM gesunken - immer noch mehr als ein halbes Auto.
Der Rechner wurde auch als Addo-X 9677 verkauft, ein genaues Gegenstück vom eigentlichen Hersteller Sharp kenne ich nicht, der folgende Rechner kommt dem aber sehr nahe.
aus der Sammlung →Hans Bloemen  
Facit
1129
Seriennummer 2.902.108

28 x 33 x 12,5
5,1kg
1970 - 1972
  • Anzeigeregister 14-st.,
  • Rechenregister 14-st.,
  • Saldierender Speicher14-st.;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Register-Austausch,
  • maximal 7 Nachkommastellen einzugeben (sonst Überlauf),
  • Drehschalter für 0 bis 6 NKS und Rundung (rot mit, schwarz ohne 5/4-Rundung),
  • einrastende Taste für Speicherung des letzten 1.Faktors / Divisors / 2.Summanden / Subtrahenden als Konstante,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • „Nixie”-Anzeige mit 14 Hitachi CD81 und einer H1501.
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: Einige Tasten und das Gehäuse mit leichten Gebrauchsspuren; alles funktioniert einwandfrei.
Anleitung fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Tischrechner Sharp Compet 241

Auch dieser Rechner ist groß: Die Elektronik ist ebenfalls nur wenig integriert (MSI), außerdem wurde dieses Gehäuse auch für Sharp-Rechner mit bis zu zwei Tastenreihen und zwei Stellen in der Anzeige mehr benutzt. Die Hauptplatine ist fast identisch mit dem vorigen Rechner, aber ein paar kleine Unterschiede gibt es. Er hat insgesamt ungefähr 55 ICs, deren wenige Transistoren nur elementare logische Funktionen (NAND-Gatter, Schieberegister etc.) bieten. Auch hier gibt es daher die beeindruckende Menge an Widerständen, Dioden und Transistoren, die die Rechnerlogik mit bestimmen. Das ist quasi ein „festverdrahtetes ROM”.
Das Tastenfeld entspricht dem damaligen firmeninternen Standard, der sich auch auf vielen Facit-, Addo- und Burroughs-Rechnern findet. Die Bedienung ist fast identisch mit dem Facit 1129, nur die Wahl von Rundung und Nachkommastellen ist etwas anders.
Ganz ungewöhnlich: Auf der Rückseite ist ein 60-poliger Stecker, an den man ein Programmiergerät (z.B. den „→Memorizer 60”) anschließen konnte. Damit konnten Tastenfolgen gespeichert und wieder abgerufen werden - der Compet 241 wurde damit also programmierbar.
Innen ist ein Stempel mit dem japanischen Datum 45.10.29F: Das ist der 29. Oktober im 45. Regierungsjahr von Showa/Hirohito, also 1970. Der Neupreis: Auch hier heftige 3.300 DM (netto).
aus der Sammlung →Hans Bloemen

→Mehr Infos zum CS-241

→und hier noch mehr
 
Sharp
Compet 241
Seriennummer 01014711

30,5 x 32,5 x 11
5,3kg
1970 - 1972
  • Anzeigeregister 14-st.,
  • Rechenregister 14-st.,
  • Saldierender Speicher 14-st.;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Register-Austausch,
  • maximal 7 Nachkommastellen einzugeben (sonst Überlauf),
  • Dividend/Divisor maximal 13-stellig,
  • 2 Schieber für 0, 1, 2, 3, 4, 6 oder 7 NKS und 5/4-Rundung,
  • einrastende Taste für Speicherung des letzten 1.Faktors / Divisors / 2.Summanden / Subtrahenden als Konstante,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • „Nixie”-Anzeige mit 14 Hitachi CD81 und einer H1501,
  • Anschluss für Memorizer,
  • 3 manuelle Tausender-Trennmarken vor der Anzeige.
Kosmetisch und funktional guter Zustand: Eine Taste und das Gehäuse haben erste leichte Ermüdungsrisse, alles funktioniert einwandfrei. Nur kurz nach dem Einschalten „spinnt” der Rechner für einige Minuten und schreibt selbsttätig Werte in die Anzeige - dann ist der Spuk wieder vorbei.
Eine eingedrückte Stelle am Netzschalter repariert, die Kugeln der Tastensperre waren oxidiert und mussten entfernt werden.
mit Schutzhaube (etwas zerfleddert), Anleitung fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Tischrechner Facit 1131

Der Facit 1131 ist schon 1971 beim Markteintritt ein Mix aus alt und neu: Die „Nixies” kamen 1971 allmählich schon aus der Mode und wurden aus Kosten- und Energiespargründen durch Panaplex- , Digitron- oder gelegentlich schon erste LED-Anzeigen abgelöst. Im Inneren werkeln aber schon LSI-Chips mit mehreren tausend Transistoren, was zu einer aufgeräumteren (und damit billiger zu bauenden) Platine führt. Die Benutzung wiederum ist für heutige Gewohnheiten reichlich umständlich: So müssen z.B. Konstantenoperationen über Schieber eingegeben werden, führende Nullen werden nicht unterdrückt und es gibt kein Fließkomma. Warum der Rechner statt „M+” und „M-” nur eine „Sigma”-Taste hat bleibt auch das Geheimnis der Entwickler.
Wo dieser Rechner mal benutzt wurde weiß ich leider nicht - aber der Neupreis dieser Geräteklasse von Facit findet sich ebenfalls im Büromaschinen-Lexikon: 2.650 DM (netto).
Der Rechner wurde auch als Addo-X 9676 verkauft. Ein genaues Gegenstück vom eigentlichen Hersteller Sharp habe ich bislang nirgends gefunden.

→Facit 1131 auf Youtube

→Mehr Infos
mit wunderschönen Detailbildern
(Addo-X 9676)
 
Facit
1131
Seriennummer 3101209

23 x 28,5 x 10
3,3kg
1971 - 1972
  • Anzeigeregister 12-st.,
  • Rechenregister 12-st.,
  • Saldierender Speicher 12-st.;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • maximal 6 Nachkommastellen einzugeben (sonst Überlauf),
  • Schieber für 0, 1, 2, 3, 4 oder 6 NKS im Ergebnis (fortlaufende Multiplikation/Division stets mit 6 Nachkommastellen),
  • Schieber für Speicherung des letzten 1.Faktors/Divisors als Konstante und Wahl von Multiplikation/Division,
  • eingerastete Sigma-Taste saldiert Ergebnisse im Speicher,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • „Nixie”-Anzeige mit 12 Hitachi CD80P und einer H1501,
  • Chipsatz besteht aus 7 Mitsubishi ICs: M58242, MA8127, MA8119, MA8125, MA8118, MA8120 und MA8126.
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Tasten mit leichten Benutzungsspuren, am Gehäuse keine Stoßstellen oder Kratzer; funktioniert (nach dem Säubern und Ölen der erst etwas zäh gehenden Null-Taste) wieder einwandfrei.
Anleitung fehlt, neue Anleitung geschrieben, ein schöner Aktenkoffer dient als Zuhause. DANKE an Serge Devidts von →CALCUSEUM.COM für eine vierseitige Broschüre mit Kurzanleitung!
 
 

Tischrechner Contex D11

Das Herz dieses Rechners ist ein abgewandelter Chipsatz S-100 von Electronic Arrays mit sechs LSI-Chips: 110-5001 („Register Array”), 140-5004 („Input Processing”), 150-5005 („Output Array”), 120-5013 („Control Logic”), 180-5019 („Microcode ROM”, vorher der 160-5014) und 150-5017 („Arithmetic Logic”). Dieser Chipsatz war der erste, der frei auf dem Markt angeboten wurde - jede Firma durfte ihn kaufen und einen eigenen Rechner drumherum bauen. Auch Contex griff zu und baute einen elektronischen Rechner im typischen, etwas modernisierten Flunder-Design, mit einer sehr seltenen Anzeige: Eine Nixie-„Monotube” von Philips, bei der in einer gemeinsamen Röhre 8 Ziffern nebeneinander sitzen (also 88 Kathoden in einer Röhre!).
Auf der Rückseite hat der D11 zwei Wahlschalter: Einmal für die beim Einschalten gewählten Nachkommastellen, zum anderen für verschiedene Spannungen von 100 bis 240 Volt. Die übrige Rückseite ist von einer robusten Metallplatte mit einer Kurzanleitung bedeckt - schade, dass das nicht Schule gemacht hat! Die Bedienung ist vergleichsweise modern mit arithmetischer Eingabelogik. Es gibt eine Konstantentaste (und eine etwas merkwürdige Konstantenlogik) und als Besonderheiten eine Taste für die Wahl der Nachkommastellen (die die Ziffern 8, 9 und das Komma rein mechanisch sperrt) und eine Taste, mit der ggf. die acht höheren Stellen sichtbar gemacht werden können (wenn diese Stellen angezeigt werden leuchtet ein Signallämpchen), denn der D11 hat eine Rechenkapazität von 16 Stellen.
Auch der D11 stammt aus einer Sammlung, wo er mal benutzt wurde ist unbekannt.
Die Preisentwicklung zeigt den Verfall der Preise: 1972 kostete er 1.235 DM (ca. 1,3 Monatslöhne), ein Jahr später 915 DM, dann 598 DM (da nur noch ca. 0,5 Monatslöhne - die stiegen damals deutlich!), 1975 wurde er nicht mehr angeboten. Da hatte Contex wunderschöne selbst entwickelte Rechner mit viel mehr Funktionen im Angebot, daneben immer noch einen handbetriebenen Schnelladdierer im Comptometer-Stil. Die Rechner von Contex konnten aber offenbar im Preiskampf nicht mehr mithalten. Man begann damit, Rechner aus Fernost zu importieren, doch das rettete die Firma nicht mehr und Contex wurde von Ricoh aufgekauft. Produktion und Marke gibt es immer noch: Heute baut man dort →Großformat-Farbscanner.
aus der Sammlung →Hans Bloemen
Contex
D11
Seriennummer 024007409

20,5 x 21,5 x 7
2,5kg
1971 - 1974
  • Anzeigeregister 16-st.,
  • Rechenregister 16-st.,
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • maximal 6 Nachkommastellen einzugeben (sonst Überlauf),
  • 2 Schalter für Vorwahl von 0 bis 7 NKS und verschiedene Netzspannungen,
  • 2 einrastende Tasten für Speicherung des letzten 2.Faktors / Divisors als Konstante und für die Wahl der NKS,
  • 3 Leuchtanzeigen für Minus, Überlauf und Belegung der Stellen 9-16,
  • Taste für Wechsel der Ansicht zwischen den Stellen 1-8 und 9-16,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • „Nixie”-Anzeige mit einer achtstelligen Philips „Pandicon”-Röhre ZM1206,
  • Chipsatz S-100 von Electronic Arrays, Jahrescode 1971.
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Gehäuse nahezu neuwertig; funktioniert einwandfrei.
... nach dem Säubern der sehr verstaubten Tastatur und Reparatur der leicht ausgebrochenen Null-Taste.
Anleitung fehlt, die Kurzanleitung auf der Rückseite erklärt aber alle Funktionen, trotzdem neue Anleitung geschrieben.
 
 

Addiermaschine Olympia AM 209

Eine Maschine dieses Typs stand ab 1971 auf dem Schreibtisch meines Vaters. Sie ersetzte die Addo-X, deren Mechanik blockiert hatte. Weil sie nicht so gut multiplizieren konnte wurde sie durch die Tröger Rechenscheibe ergänzt: Mit der Olympia wurde (für Rechnungen, Inventuren etc.) addiert, subtrahiert und gedruckt, mit der Trögerscheibe wurde (für Handelsspannen, Preisaufschläge usw.) multipliziert und dividiert.
Die Funktionen sind immer noch die gleichen wie bei der Olympia 192-030 (dort auch mehr Infos zur Firma). Aber hier gibt es statt Handhebel einen Motor, was das Rechnen kräfteschonender und schneller macht. Rechen- und Druckwerk bestehen fast völlig aus Kunststoff-Zahnrädern und -Hebeln, eine einzige Achse trägt alle rotierenden Teile. Die Tastendrücke werden direkt mit Bowdenzügen auf den Stiftschlitten übertragen. Da auch das Gehäuse vollständig aus Kunststoff („Novodur” = Hart-PVC) besteht ist die Maschine relativ leicht.
Diese Maschine ist nicht unsere von damals, sie stammt aber ebenfalls aus einem ehemaligen Lebensmittelgeschäft. Verkauft wurde sie 1974 von Papierfix in Landau - diesen Bürohändler gibt es heute noch.

Die AM 209 ist die letzte mechanische Maschine von Olympia, die in Serie produziert wurde. Sie lässt ganz deutlich den Versuch erkennen, mit preisgünstigster Produktion der vordringenden Elektronik etwas entgegen zu setzen. Das gelang allerdings kaum noch: Während der mehrjährigen Entwicklungszeit waren die Preise der Elektronik bereits rasant gefallen und sie fielen weiter. Der Verkaufspreis von anfangs 349 DM, später knapp 300 DM war schon kaum mehr preiswerter als die dann angebotenen elektronischen Rechner.

→Mehr Infos
(PDF)
Olympia
AM 209
Seriennummer 51-0172749

20,3 x 34,5 x 14,5
4,5kg
1971 - 1974
  • Eingabewerk 8-st.,
  • Resultatwerk 9-st.;
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • R-Taste für Weiterverwendung der eingetippten Zahl (während + / - gedrückt halten),
  • Nichtrechentaste,
  • Korrekturtaste.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck auf Papierstreifen,
  • ohne Ein-/Ausschalter!
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Nur minimale Gebrauchsspuren (Gerät wirkt auf den ersten Blick neuwertig), alles funktioniert perfekt.
... nachdem der festgerostete Hebel der R-Taste - die einzige Roststelle am ganzen Gerät - gelöst war. Die meisten Schaumstoffstreifen im Inneren (zur Lärmdämmung) waren völlig marode und wurden ersetzt, ebenso das Farbband.
mit Schutzhaube und Originalanleitung - und dem originalen Umkarton mit Versandaufklebern von Olympia Braunschweig und einem Lieferschein vom 11.5.1974.
 
Es ist kein Zufall, das in den frühen 70er-Jahren fast alle der hier genannten Firmen, z.B. auch Tröger, Schubert und Facit/Odhner, die Produktion von Rechenmaschinen und Rechenhilfen einstellten (und entweder untergingen oder auf andere Produkte umschwenken konnten).
Elektronische Rechner waren bis dahin immer teurer als die mechanischen Geräte gewesen, aber das änderte sich nun rasch: Die immer höher integrierten Schaltkreise reduzierten die nötigen Arbeitsschritte und damit die Herstellungskosten der Elektronik immer weiter, So endete die Produktion mechanischer Rechenmaschinen fast überall - nur im Ostblock wurden sie noch einige Jahre länger gebaut.
 
 

Tischrechner Walther ETR4

Auch Walther versuchte im Markt der elektronischen Geräte mitzuhalten, und auch hier wurden zu Beginn keine Komplettgeräte aus Japan zugekauft (bis auf das allererste Modell, das von Ricoh stammte), sondern selbst entwickelt und gebaut. Das merkt man den Rechnern auch an: Sie haben - wie auch die Contex-Elektronenrechner - ein sehr eigenständiges, klares Design (was mit entsprechenden Auszeichnungen honoriert wurde) und wirken hochwertig verarbeitet. Auch nach nunmehr fast einem halben Jahrhundert wackelt nichts und funktioniert alles.
Der ETR4 ist schon fast ein Taschenrechner: Noch ein wenig zu groß für die Hemdtasche, aber schon gut transportabel (einige Schwestermodelle im gleichen Gehäuse waren bereits mit Akku ausgestattet und damit netzunabhängig). Er wurde ein Jahr nach der Produktionseinstellung der WSR160 gebaut und kostete mit nur 398 DM (netto) kaum mehr als die Hälfte dessen, was zuvor für jene verlangt worden war. Angesichts dieses für 1972 recht niedrigen Preises wundert es, dass das Gerät heute so selten zu finden ist. Ob die (im Vergleich zu den „Japanern”) geringe Produktionskapazität der begrenzende Faktor war oder ob es am fehlenden Speicher lag, der das Gerät zum Ladenhüter machte?
Aus Japan drängten in kurzer Folge immer billigere Rechner mit immer mehr Funktionen auf den Markt - da konnte Walter (immer noch als „Walther Büromaschinen GmbH”) bald nicht mehr mithalten. Langlebigkeit war angesichts der rasanten technischen Entwicklung kein Verkaufsargument mehr. 1974 kam der erste Konkurs. Bis 1986 verkaufte Walther elektromechanische und elektronische Geräte aus Lagerbeständen und ab 1980 auch aus Fernost zugekaufte elektronische Rechner (bis Mitte der 80er-Jahre als „Walther Electronic AG”) und war zuletzt noch (als „Walther Data GmbH”) überwiegend in Nischenmärkten (z.B. für Fahrkarten-Buchungssysteme oder Rezeptlesegeräte) tätig. Seit 2014 gibt es nur noch den Waffenhersteller, die Stammfirma aller Walther-Unternehmen. Maschinen, Kunden und Personal der Walther Data wurden von der Firma →MCon Global übernommen.
aus der Sammlung →Hans Bloemen

→Mehr Infos
und schöne Detailbilder
bei Rechenkasten.de
 
Walther
ETR4
Seriennummer 5062146

15 x 21 x 5
1,0kg
1972
  • Anzeigeregister 16-st.,
  • Rechenregister 16-st.,
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • maximal 7 Nachkommastellen einzugeben (weitere werden ignoriert),
  • 0 bis 7 NKS durch gleichzeitiges Drücken von C und entsprechender Ziffer einstellbar,
  • Taste für Wechsel zwischen höheren und niederen Stellen (wenn mehr als 8 Stellen im Ergebnis sind),
  • Registeraustausch-Taste,
  • rastende Taste für Speicherung des letzten 2.Faktors/Divisors als Konstante,
  • „Nixie”-Anzeige mit 8 NEC LD8007 und 2 Glimmlämpchen (für Minus und Überlauf)
  • LSI-Chipsatz von Electronic Arrays mit FDY 150-5005, FDY 190-7010, FDY 280-7008 und FDY 310-7014.
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Am Gehäuse eine einzige kleine Scharte bei ansonsten neuwertigem Aussehen; alles funktioniert einwandfrei.
Alle Platinen mussten gereinigt werden, drei Potis wurden mit Kontakt61 aufgefrischt und geschützt, das zu Staub zerfallene Schaumstoff-Polster der Nixies erneuert.
Mit Originalkarton eines ETR2, Anleitung beim „Rechenkasten” heruntergeladen und ausgedruckt - herzlichen Dank dafür!
 
 

Tischrechner Casio fx-1

Der erste Rechner mit „wissenschaftlichen” Funktionen (also Trigonometrie, Logarithmen, Potenzen etc.) war der →Mathatronics 8-48M aus dem Jahr 1964. Doch bis Anfang der 70er-Jahre blieben solche Rechner extrem teuer und selten. Der erste Rechner von Casio mit derartigen Funktionen kam 1972 auf dem Markt und ist damit immer noch eines der ganz frühen Modelle. Er ist noch im Tischrechner-Format, sein Neupreis in Deutschland lag bei 2.695 DM (netto, also brutto noch über 3 Monatslöhne!).
Die Zusammenstellung der wissenschaftlichen Funktionen ist ungewohnt: Nur für den Tangens gibt es die Umkehrfunktion, die Potenzfunktion geht nur mit ganzen Zahlen von 1 bis 9, nur zwei der drei heute üblichen hyperbolischen Funktionen sind zu finden, Pi ist auch nicht fest gespeichert. In der Anleitung wird jedoch erklärt, wie sich per Umformung auch die fehlenden Kreis- und Hyperbelfunktionen errechnen lassen, wie man über e und ln auch „krumme” Potenzen rechnen kann und wie man Pi schnell darstellt (180° in rad umrechnen!). Insbesondere die Kubikwurzel-Funktion rechnet extrem lange - bis zu 12 Sekunden dauert dann das fast schon hypnotisierende Flimmern der Ziffern. Die Rechnung arcsin (arccos (arctan (tan (cos (sin (9) ) ) ) ) ) des Calculator Forensics Project ergibt hier einen Wert von 9,1017786367 - für die damalige Zeit ist das nicht besonders gut, aber es gab (selbst in späteren Jahren) auch Schlimmeres.
Schon im folgenden Jahr wurde das teure Nixie-Display durch ein preiswertes VFD ersetzt, doch die kurze Zeit der wissenschaftlichen Tischrechner war eigentlich schon vorbei. Ebenfalls ab 1972 wurde der →Hewlett-Packard HP-35 angeboten - ein wissenschaftlicher Taschenrechner für knapp 880 DM. Casio selbst bot erst ab 1974 mit dem →fx-10 einen solchen Taschenrechner an.
Dieser Rechner wurde erstaunlicherweise früher in einem Gemischtwarenladen in Goslar benutzt, später noch für die Lohnabrechnungen der Vorarbeiterin einer Reinigungsfirma. Ich vermute mal, der Funktionstastenblock wurde in beiden Fällen nicht wirklich benutzt - wie ein Einzelhändler an so eine relativ teure und seltene Maschine kam bleibt rätselhaft...
Casio (eine verwestlichte Schreibweise für den Gründer der Firma) wurde 1946 gegründet - also als Japan so ziemlich in Trümmern lag. Bereits 30 Jahre später war die Firma einer der Platzhirsche im Geschäft mit elektronischen Geräten, und heute ist sie das immer noch: Uhren, Taschenrechner, Musikinstrumente, Kameras und vieles mehr werden gebaut.

→Mehr Infos
   
Casio
fx-1
Seriennummer 206071

24 x 31,5 x 8
2,7kg
1972
  • Anzeige, Rechenregister,
  • saldierender Speicher,
  • 2. Speicher,
  • Grundrechenarten, Prozent, Winkelfunktionen, Hyperbelfunktionen, 10er- und natürlicher Logarithmus, Quadrat- und Kubikwurzel, ganzzahlige Potenzen (nur bis 9), Umrechnungen Grad zu rad, rad zu Grad und Grad/Minuten/Sekunden in Dezimalgrad.
  • Rundungs- und Kommastellen-Wahlschalter,
  • X-Y-Austausch und Vorzeichenwechsel,
  • Nixie-Anzeige mit 12 Hitachi CD90P,
  • Hauptchips NEC µPD173D, D174B, D5023, D5024, D5033, D5034.
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: einige Kratzer und andere kleine Gebrauchsspuren, die Zifferntasten sind vergilbt; alles funktioniert einwandfrei.
DANKE an Serge Devidts von →CALCUSEUM.COM für die ausführliche Anleitung!
 
 

Taschenrechner Interton PC2008

Einfache Kleinstrechner wurden in der ersten Hälfte der 70er-Jahre schon erschwinglich: Der aller-allererste elektronische Rechner in unserem Haushalt kam 1973, kostete damals „nur noch” 150 DM und sollte eigentlich die Rechenscheibe ersetzen.
Das erste Vorführen dieses (heute primitiv anmutenden) Taschenrechners in der Schule führte zu einem Massenauflauf von Mitschülern und Lehrern. So etwas hatte da noch keiner gesehen: Alle vier Grundrechenarten binnen Sekundenbruchteilen auf acht Stellen, die Eingabe super einfach - und alles wog weniger als ein gutes Pausenbrot!
Kein Wunder, dass alle mechanischen Vierspezies-Maschinen so schnell wertlos wurden - nur unsere Rechenscheibe wurde einstweilen noch nicht überflüssig, denn der Taschenrechner blieb in meiner Schultasche.
Eine eigene „=”-Taste gibt es hier immer noch nicht, eine Wurzeltaste fehlt auch - aber in der Betriebsanleitung wird erklärt, wie man mit dem Heron'schen Näherungsverfahren Quadratwurzeln ziehen kann (das Toepler-Verfahren klappt hier natürlich nicht mehr).
Dieser Rechner ist nicht das Exemplar, das ich 1973 (bei Saturn Frankfurt) gekauft habe, das ist leider verschollen. Er stammt von einem Bankmitarbeiter, den ihn all die Jahre immer noch als Reserve-Rechner herumliegen hatte. Immer wieder schön, dass auch manch Anderer funktionierende Geräte nicht wegwerfen kann!
Die Firma Interton gibt es übrigens immer noch - sie macht heute nur noch das, was sie vor einigen Taschenrechnern (und einer einigermaßen erfolgreichen Spielekonsole) auch schon gemacht hat: →Hörgeräte!

→Mehr Infos
   
Interton
PC2008
Seriennummer 245016

8 x 13,5 x 3
140g (o.Batt.)
1973 (- ?)
  • Anzeigeregister 8-st.,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Promille.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Wahl zwischen Fließkomma und 2 NKS,
  • Konstante abschaltbar,
  • LED-Anzeige,
  • LSI-Chipsatz: TMR012, 2x SN75491, CA3082 - und dazu ganze 5 Transistoren!
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: im Batteriefach leichte Säureschäden und die vier Gummifüße haben sich alle in Wohlgefallen aufgelöst, er funktioniert perfekt.
Mit Etui und Originalanleitung.
 
 

Tischrechner Privileg 03987

Dieser Tischrechner mit den in den 70ern verbreiteten „eckig-runden” Tasten hieß eigentlich nur „privileg” - die 03987 ist die Katalognummer von Quelle. Es ist einer der letzten Rechner, die Busicom vor der Pleite gebaut hat. Der Funktionsumfang ist überschaubar: Neben den Grundrechenarten gibt es lediglich eine abschaltbare Konstante für die Punktrechnungen, dazu die Wahl der Nachkommastellen (immerhin auch mit Fließkomma). Alle Rechenfunktionen sitzen in einem Chip, die übrigen elektronischen Bauteile sind für Spannungsversorgung und Anzeige zuständig. Letztere ist eine damals moderne Panaplex-Einheit mit zehn Stellen, von denen eine ungenutzt bleibt und eine nur für Minus und Fehleranzeige genutzt wird. Hier leuchtet genau wie bei den Nixies eine schönes oranges Plasma, nun jedoch an Segmenten statt hintereinander gestaffelten Ziffern.
„privileg” war die Technik-Marke von Quelle, unter der u.a. eine Unzahl von Rechnern verschiedenster Hersteller angeboten wurde. Quelle war einmal der Primus unter den europäischen Versandhäusern. Die in Millionenauflagen gedruckten, mehrere cm dicken Kataloge prägten Käuferverhalten, Stil und Mode in Westdeutschland. Doch auch hier wurde der Erfolg wohl zum Verhängnis, denn die Trends der Zeit (Online-Handel, Shoppingcenter und flexible Preise statt Katalog, Kaufhaus und Fixpreise) wurden verschlafen. Der Untergang kam, als nach der Fusion mit den Karstadt-Kaufhäusern das Management von Kriminellen übernommen wurde, die den Konzern ausbluteten und das „Tafelsilber” (die Immobilien) billig an ihre Kumpane verschoben. Karstadt-Quelle rutschte immer tiefer in die roten Zahlen, das führte 2009 zum größten Konkurs der bundesdeutschen Geschichte. Die Marken Quelle und privileg gibt es aber noch: Der einstmals größte Konkurrent Otto (der ab 2019 auch auf Kataloge verzichtet) sicherte sich die Markenrechte und betreibt nun Quelle.de mit im wesentlichen gleichem Sortiment wie otto.de (Taschenrechner gibt es dort auch), privileg wurde an Whirlpool weiterverkauft, die unter der Marke vor allem Haushaltsgeräte vertreiben.

→Mehr Infos
 
Privileg
(03987)
S/N 49BQ153643

19 x 24,5 x 7
1,1kg
1973
  • Anzeigeregister 8-st.,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher;
  • Grundrechenarten.
  • Wahl von Fließkomma oder 1-6 NKS,
  • Panaplex-Anzeige mit 10 Stellen (davon nur 8 zur Ziffernanzeige genutzt) von Ushio,
  • Chip TMS0105BNC von Texas Instruments.
Kosmetisch guter, funktional sehr guter Zustand: Gehäuseoberseite vergilbt, einige Kratzer; funktioniert einwandfrei
Originalhülle und Anleitung fehlen.
   
 

Siebert Rechentafeln

Indische Mathematiker kannten die Logarithmen schon vor der Zeitenwende, über Persien gelangte dieses Wissen zu den Arabern. Ab etwa 1470 bis 1620 wurden durch durch Chuquet, Stifel, Bürgi, Napier und Briggs die Logarithmen in Europa bekannt und erforscht (ob Chuquet auf arabische Quellen Zugriff hatte oder ob es sich um eine unabhängige Neuentdeckung handelte ist unbekannt).
Mit Logarithmen lassen sich komplexere Rechenoperationen vereinfachen, daher wurden Logarithmentafeln ein wichtiges Rechenhilfsmittel. →Wikipedia erklärt Funktion und Geschichte der Tafeln viel besser als ich es könnte.
Auch wir haben sie in der Schule noch kurz benutzt, das hier ist mein Exemplar aus der Oberstufe. Mit dem Aufkommen der Computer und Taschenrechner wurden die Tafeln dann allerdings sehr schnell bedeutungslos.
Den Schulbuchverlag Klett gibt es noch, Logarithmentafeln sind dort natürlich nicht mehr im Programm.
   
Helmut Sieber / Klett-Verlag
Mathematische Tafeln
ISBN 3-12-716200-6

1973 - 1976
  • Tafeln mit Primzahlen, Winkelfunktionen, Abschreibungsfaktoren und Logarithmen.
  • astronomische Daten, Periodensystem, physikalische Größen,
  • herausnehmbare mathematische Formelsammlung.
Kosmetisch und funktional guter Zustand: Robuster Kunststoff-Umschlag, immer noch gut zu verwenden.
 
 

Taschenrechner Litronix 1100A

1974 wurde in den USA dieser Taschenrechner für knapp 40 Dollar angeboten. Er ist im Funktionsumfang noch primitiver als der Interton PC2008: Er kennt weder Fließkomma noch Konstante - und eine Logarithmentafel macht er auch noch nicht überflüssig, weil er nur 0 oder 2 Nachkommastellen kann. Das reicht gerade mal für das Haushaltskonto, aber nicht für wirklich genauere Rechnungen. Die Platine ist bereits sehr aufgeräumt: Ein Chip für die Eingabe, einer für die Anzeige und alle Rechenfunktionen auf einem Hauptchip - das gilt nun schon als VSLI - „very large scale integration”.
Auf dem Bild vom Innenleben sieht man auch die Lupen über jeder der winzigen LED-Ziffern - größere LEDs hätten den Preis wieder nach oben getrieben.
Litronix war ab 1970 einer der bedeutendsten Produzenten von LED-Displays und lieferte diese auch an die zahlreichen Taschenrechner-Hersteller. Ab etwa 1973 versuchte man mit eigenen Taschenrechnern vom Boom der Branche zu profitieren, aber der schon Mitte der 70er-Jahre einsetzende Preisverfall der Elektronik brachte die Firma in Schwierigkeiten. 1978 kaufte Siemens die Firma auf.
   
Litronix
2001A
Seriennummer 130115

8 x 15,5 x 2
110g (o.Batt.)
1974 (- ?)
  • Anzeigeregister 8-st.,
  • Rechenregister,
  • Grundrechenarten
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Wahl zwischen 0(!) und 2 NKS,
  • LED-Anzeige,
  • Chips unbekannt - der Hauptchip ist beschriftet mit „019”
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: Eine Schadstelle auf der Vorderseite, aber er funktioniert immer noch einwandfrei.
Mit Etui, aber ohne Anleitung.
 
 

Tischrechner General Teknika 1218

Ein weiterer Rechner, dessen „eckig-runde” Tasten ihn ganz eindeutig als aus den 70ern stammend ausweisen: Tasten-Layout und Bedienung wirken nun viel vertrauter als das noch ein oder zwei Jahre zuvor üblich war: Hier gibt es das Fließkomma, eine Prozent-Taste und nun auch wieder die Wurzelfunktion.
Die Anzeige besteht noch aus 12 einzelnen Vakuumfluoreszenz-Röhren mit 8-Segment-Ziffern (ein Segment mehr als üblich für schönere 4er) und einer Röhre für Symbole. Der Integrationsgrad ist eher gering - neben den LSI-Hauptchips und einigen einfacheren ICs gibt es noch recht viele einzelne elektronische Bauteile.
Im Büromaschinen-Lexikon steht als Nettopreis 799 DM - trotz deutlich erweitertem Funktionsumfang also wieder ein Stück günstiger. Damit wurden elektronische Rechner allmählich erschwinglich für Normalverbraucher und kleine Firmen. Als Precisa SP12MR wurde das Modell ebenfalls vermarktet.
   
General
Teknika 1218
Seriennummer 8430

24 x 25 x 8
2,0kg
1974
  • Anzeigeregister 12-st.,
  • 2 Rechenregister,
  • saldierender Speicher,
  • Grundrechenarten, Prozent, Quadratwurzel.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Register-Austausch,
  • 4 Schieber für 0-6 NKS oder Fließkomma, 5/4-/Abrundung, automatisches Speichersaldieren und Konstantenspeicherung,
  • Anzeige mit VFD-Röhren (12 Futaba DG10W1 + 1 Futaba DG10S),
  • Hauptchips: NEC D282D und PD218C
Kosmetisch sehr guter, funktional guter Zustand: Gehäuse und Tastatur wie neu, alle Funktionen einwandfrei, die Stelle 4 leuchtet etwas schwächer.
Mit Schutzhaube und Originalanleitung.
 
 

Taschenrechner Privileg SR54NC

Drei Jahre nach Erscheinen des HP-35 bekam ich meinen ersten vollwertigen wissenschaftlichen Taschenrechner: Das „SR” im Namen steht für „Slide Rule” - und diese Taschenrechnergeneration mit ihren vielen Funktionen und niedrigen Preisen war es dann auch, die das Ende der Rechenschieber besiegelte. Den genauen Preis weiß ich nicht mehr, doch es waren sicher keine 150 DM, sondern eher die Hälfte bis zwei Drittel. Rechenschieber waren da noch etwas günstiger, konnten aber so viel weniger, dass sie gar keine Konkurrenz mehr sein konnten.
In Konkurrenz stand dieses Gerät jedoch ganz sicher zu den damals führenden Taschenrechnern von Hewlett-Packard. Es hat ebenfalls UPN als Eingabelogik, durch einen damals revolutionären Chipsatz bietet es noch mehr Leistung und Funktionen. Manche dieser Funktionen rechnen hier noch mehrere Sekunden lang (unter irrem Display-Geflacker), doch die Genauigkeit ist schon erstaunlich hoch: →arcsin (arccos (arctan (tan (cos (sin (9) ) ) ) ) ) ergibt hier 8.99999614252, was massiv genauer ist als die damaligen HP-Rechner (die kommen nur auf 9.004076644) und immer noch eine Stelle genauer als der viel jüngere Casio fx-82 weiter unten.
Es sind insgesamt nur →fünf Rechnermodelle (plus zwei Klone) mit diesem LSI-Chipsatz bekannt. Er hat sich trotz seiner Leistungsfähigkeit nicht durchgesetzt, vermutlich wegen der UPN-Eingabelogik: Die ist zwar wesentlich besser, beim Benutzen muss man aber - zumindest anfangs - etwas mitdenken.
Wirklicher Hersteller ist vermutlich Commodore, denn nur dort (und bei einem ungarischen Commodore-Klon) sind mir gleiche Gehäuseformen bislang begegnet. Auch die Farben der Tasten deuten auf Commodore.

→Mehr Infos
 
Privileg
SR54NC
S/N unbekannt

8 x 15,5 x 3
130g (o.Batt.)
1975
  • 4 Stackregister (eines davon in der Anzeige sichtbar),
  • 11 Speicher (davon 4 für statistische Berechnungen und 1 als „Last x”);
  • Grundrechenarten, Prozent, Delta-Prozent, Pi, Winkelfunktionen, Hyperbelfunktionen, 10er- und natürlicher Logarithmus, Quadratwurzel, Potenzen, Fakultät, Kehrwert, Mittelwert, Standardabweichung, 2-dimensionale Statistik, Umrechnungen: Deg/Rad/Grd, XY-/Polar-Koordinaten, °C/°F. l/gal, cm/in, kg/lb - und dazu überall wo es sinnvoll ist die Umkehrfunktionen!
  • „Umgekehrte Polnische Notation” mit 4 Stapeln als Eingabelogik mit Stapelrotation, X-Y-Austausch, Last x und Vorzeichenwechsel,
  • LED-Anzeige mit 12 Stellen von National Semiconductor,
  • Chips: Mostek MK50075N, MK50104P und MK50103N.
Kosmetisch passabler, funktional sehr guter Zustand: Gummifüße völlig zerfallen und entfernt, Typenschild fehlt, weil ich es bereits als Schüler durch eine Liste wichtiger Formeln ersetzt hatte. Originalakkus tot und ebenfalls entfernt. Alle Funktionen laufen einwandfrei, ein einzelner Leuchtpunkt eines Segmentes ist tot.
Netzanschluss innen provisorisch neu verdrahtet damit er auch ohne Akku läuft (Betrieb mit 3 AA-Batterien oder -Akkus ist weiterhin möglich).
Die Originalhülle wurde damals schon marode, als passender Ersatz fand sich das Etui eines ... ehrlich! ... Rasierwasser-Geschenksets :); Originalanleitung (mit handschriftlichen Korrekturen) vorhanden.
 
 

Taschenrechner Silver-Reed Mini Calculator

Aus dem gleichen Jahr stammt dieser Taschenrechner: Ein extrem einfaches Modell, aber immerhin mit einem einfachen 2-Tasten-Speicher und automatischer Konstante.
Das war eine Dreingabe zur Brunsviga MH - mir ist nicht bekannt, wie teuer so ein Rechner 1975 war.
Silver-Reed ist kein Hersteller, sondern offenbar eine reine Handelsmarke für Rechner, Schreibmaschinen und Strickmaschinen. Ursprünglich gehörte die Marke zur Seiko Holding, heute ist Kashiwazaki US Tech (ein japanischer Hersteller von Plastikteilen) der Markeninhaber.
     
Silver-Reed
Mini Calculator


6,5 x 11,5 x 2,5
70g
1975 - 1976
  • Anzeigeregister 8-st.,
  • Rechenregister,
  • Speicher (nicht saldierend),
  • automatischer Konstantenspeicher (Funktion und folgende Eingabe),
  • Grundrechenarten, Prozent.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung mit einer Taste,
  • mit Netzanschluss,
  • LED-Anzeige,
  • VSLI-Chip Rockwell B5000CB von 1976.
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: Ein paar kleine Kratzer, alle Funktionen laufen einwandfrei.
Ohne Etui und Anleitung.
 
 

Tischrechner Royal 12MK

Mit nur noch zwei hochintegrierten ICs und ganz wenigen weiteren Bauteilen kommt der nächste Rechner dann schon aus: Quadratwurzel, viele verschiedene Kalkulationsfunktionen und komfortable Bedienung lassen den Royal 12MK auch heutigen Ansprüchen weitgehend genügen (vom fehlenden Drucker mal abgesehen). Seltsam nach heutigem Maßstab sind nur noch die Konstantenlogik (für deren Eingabe und Nutzung gibt es zwei gesonderte Tasten) und der Postenzähler, der ggf. zwei Stellen der Anzeige belegt. Über einen Schieber können fünf verschiedene, teils etwas rätselhafte Funktionen für die Prozenttaste gewählt werden.
Es gibt zwei Versionen des 12MK. Die Version von 1975 hat ein paar Komfortfunktionen weniger, doch bereits 1976 kam dann diese verbesserte Version. Auf der Rückseite dieses Rechners ist ein Aufkleber mit dem deutlich späteren Kaufdatum 21.2.78 - mindestens so lange wurde das Modell also vermarktet. Benutzt wurde es dann rund 20 Jahre lang als Bürorechner in einer Imbissstube in Bocholt.
Die Royal Typewriter Company wurde 1904 gegründet und war einer der ganz großen Schreibmaschinen-Hersteller. 1964 wurde sie von Litton aufgekauft, 1979 kaufte die Volkswagen AG mehr als die Hälfte der Anteile (und erwarb von Litton auch noch Triumph-Adler), 1986 gingen diese an Olivetti, und seit 2004 ist die →Royal Consumer Information Products Inc. wieder selbständig.
Wirklicher Hersteller des Rechners war jedoch Omron, die als OEM-Hersteller viele Firmen belieferten - so wurde z.B. ein technisch baugleiches Gerät auch für Triumph-Adler (als TA 1216) hergestellt. Omron gibt es heute noch, aber auch dort werden keine Rechner mehr gebaut, sondern vor allem Medizintechnik, Roboter und andere komplexe Elektronik.

→Mehr Infos
auf Schlepptopps.de
 
Royal
12MK
Seriennummer 69445873

17,5 x 24 x 7
1,1kg
1975-1978(?)
  • Anzeigeregister 12-st.,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher,
  • saldierender Speicher
  • ein weiterer Speicher (;
  • Grundrechenarten, Quadratwurzel, Prozent.
  • Wahl von 0-6 Nachkommastellen, Fließkomma oder Additionsmodus, Registeraustausch, Postenzähler, automatisches Speichern, 5 verschiedene Prozentrechenarten,
  • 2 Tasten für Anzeige von Speicherinhalt oder Konstante ohne Störung des Rechengangs,
  • „Digitron”(VFD)-Anzeige mit 12 Ziffern und zusätzlicher Stelle für Symbole,
  • VSLI-Hauptchip Hitachi HD36117, für die Anzeige ein Omron HD32614P.
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: Gehäuse mit wenigen und kleinen Gebrauchsspuren, aber deutlich vergilbt; alles funktioniert einwandfrei.
Das automatische Speichern funktionierte wegen einer kalten Lötstelle „ab Werk” schon nicht, das wurde nachgelötet.
Anleitung fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Tischrechner Ibico 1217

1976 kam dann im Geschäft meiner Eltern endlich der Ersatz für Addiermaschine und Rechenscheibe: Unser erster elektronischer Tischrechner mit Druckwerk.
Solche Geräte wurden damals schnell Standard in allen Büros. Mindestens im kaufmännischen Bereich sind sie das auch heute noch, weil sich Alltagsrechnungen damit schneller und komfortabler rechnen und ausdrucken lassen als am Computer. Es gibt daher immer noch eine große Zahl verschiedener Tischrechner mit verschiedensten Funktionen. Dieser hier war für damalige Verhältnisse durchschnittlich ausgestattet und auch die grünen „Digitron”-Anzeigen waren damals Standard. Sie waren schön hell und kontrastreich, verbrauchten allerdings immer noch viel Energie. Im Inneren werkeln noch ein paar Chips mehr als zu dieser Zeit schon möglich gewesen wäre. Die Bedienung ist aber schon fast auf heutigem Niveau, nur die inzwischen üblichen Steuer-, Finanz- und Währungsfunktionen fehlen hier noch. So alte Tischrechner stehen auch heute noch in einigen Büros und verrichten dort ihren Dienst.
Ibico („Inter Binding Corporation”) hat diesen Rechner sicher nicht selbst produziert - das Gerät sieht gar zu sehr nach Sanyo (heute Teil von Panasonic) oder TEAL als Hersteller aus. Die „Inter ...” wurde 1998 von der „General Binding Corporation” (GBC) gekauft. Im Netz gibt es Ibico nur noch als Firma in Karachi, Tischrechner sucht man dort aber vergebens. Dennoch gibt es auch heute noch Ibico-Tischrechner neu zu kaufen, wer auch immer die heute produziert (manchmal werden sie auch als GBC-Tischrechner angeboten). Vielleicht werden heute alle Tischrechner der Welt in einer Fabrik gebaut und nur noch mit verschiedenen Schildchen beklebt?
   
Ibico
1217
Seriennummer 6 05268

23 x 33 (ohne Papierrolle) x 9,5
3,4kg
1976
  • Anzeigeregister 12-st.,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Postenzähler.
  • Registeraustausch, Wahl von 0-6 NKS (kein Fließkomma!), 5/4-Rundung, Additionsmodus, Konstante und Speichersaldo an-/abschaltbar,
  • „Digitron”-Anzeige mit 13 Stellen (1 davon für Vorzeichen und Fehler),
  • LSI-Chips: Sharp LI2004 und LI2005, 3x Sanyo B1288, Hitachi HD3233P, Toshiba 4358P (die letzten beiden für die Anzeige),
  • Drucker ist ein Epson Model 310 mit schwarz-rot-Druck.
Kosmetisch mäßiger, funktional sehr guter Zustand: Gehäuse stark vergilbt, Kommataste mit leichten Sprüngen; alle Funktionen und Anzeige immer noch einwandfrei.
Mit Schutzhaube und Originalanleitung (beide etwas zerfleddert), dennoch neue Anleitung geschrieben.
 
 

Taschenrechner Casio HL-805

Ein Taschenrechner der Leistungsklasse, die es Mitte der 70er-Jahre schon in Millionen-Auflagen günstig zu kaufen gab. Der Funktionsumfang ist gering, immerhin gibt es Wurzeltaste und einfachen Speicher.
Das Besondere ist hier lediglich die nun extrem stromsparende Anzeige: Auf dem Typenschild wird die Leistungsaufnahme ganz stolz mit 0,00029 Watt angegeben. Der Litronix-Rechner mit seinen LEDs verbrauchte ziemlich genau das Tausendfache!
Seriennummern bei Taschenrechnern sind bei Massenware extrem selten - der Verzicht spart vermutlich einige hunderstel Cent pro Rechner, was bei den hohen Produktionszahlen schon richtig Geld bringt. Hier gibt es aber noch ein Papieretikett im Batteriefach - ob das eine Seriennummer oder eine Kontrolleursnummer ist?
Der Chip wird nur noch von einem Entstörkondensator und zwei Widerständen begleitet - inklusive Anzeige nimmt die Elektronik daher nur noch etwa 1x1x6cm³ in Anspruch. Nur die Tastatur für dicke Menschenfinger erfordert noch größere Ausmaße.
 
Casio
HL-805
1E105A(?)

7,5 x 13 x 2
80g (o.Batt.)
1977
  • Anzeigeregister 8-st.,
  • Rechenregister,
  • Speicher,
  • Grundrechenarten, Quadratwurzel, Prozent
  • zeigt die gewählte Grundrechenart oben in der Anzeige an,
  • LCD-Anzeige mit 8 Stellen,
  • C nach Überlauf lässt weiterrechnen,
  • Stromsparfunktion durch automatisches Ausschalten,
  • VLSI-Chip T6718 von Toshiba.
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: Nur die Rückseite ist reichlich eingegraut und verkratzt; alles funktioniert.
Anleitung und Hülle nicht vorhanden.
 
 

Tischrechner Sharp Compet 6301

Der letzte Tischrechner von Sharp im „mittelalten Design” und mit Panaplex-Anzeige, mit damals neuen Funktionen, mehreren Speichern und sehr großer Stellenzahl. Das war mal ein „Top-of-the-range”-Rechner.
Hier sind schon nicht mehr alle Tasten mit Reed-Schaltern versehen. Alle Rechenfunktionen sind in einem VLSI-Chip verschaltet, weitere elektronische Bauteile sind nur für Anzeige und Stromversorgung zuständig. Es gibt hier einen nur sehr selten zu findenden gesonderten „Verify”-Speicher mit Kippschalter und eine damit rechnende Taste, deren Funktion per Schieber geändert werden kann. Weitere Sonderfunktionen werden über abgesetzte kleinere Tasten aufgerufen, darunter u.a. ein Postenzähler, eine Konstante und unterschiedliche Saldiermöglichkeiten der beiden „normalen” Speicher.
Das direkte Nachfolgemodell hat dann schon eine grüne Digitron-Anzeige und eine völlig neue Tastatur (ganz ohne die zuverlässigen Reed-Schalter).
 
Sharp
Compet 6301
Seriennummer 7900109Y

24,5 x 26 x 9,5
2,1kg
1977 - ca.1978
  • Anzeigeregister 16-st.,
  • Rechenregister,
  • 2 saldierende Speicher,
  • „Verify”-Speicher,
  • Konstantenspeicher,
  • Grundrechenarten, Quadratwurzel, Prozent, Postenzähler.
  • V-Speicher optional als konstanter Summand, Faktor, Dividend oder Divisor verwendbar,
  • optional Aufsummierung von Ergebnissen und/oder 1.Faktoren,
  • Löschung der jeweils letzten Ziffer (auch in Ergebnissen!) möglich,
  • Registeraustausch, Wahl von 0-8 NKS, Fließkomma oder Additionsmodus, Auf-/5/4-/Abrundung,
  • Konstante und Speichersalden an-/abschaltbar,
  • Panaplex-Anzeige Hitachi H1879C mit 16 Stellen,
  • VLSI-Chip Hitachi HD36103.
Kosmetisch passabler und funktional sehr guter Zustand: Gehäuse stark vergilbt; alles funktioniert einwandfrei (...wenn man den Rechner bei echten 220 Volt betreibt, denn bei 230V läuft ein Varistor heiß).
Originalhülle und -anleitung nicht vorhanden, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Taschenrechner Sharp EL-8048

Ein Gerät, das man gesehen haben muss, um an seine Existenz zu glauben: Hier sind Taschenrechner und Soroban in einem Gehäuse vereint.
Auch in Japan rechneten Ende der 70er-Jahre noch viele Menschen gerne und schnell mit dem Soroban, diesen Kundenkreis wollte man mit der Kombination erreichen. Anzunehmen ist, dass geübte Soroban-Nutzer Additionen und Subtraktionen tatsächlich weiterhin eher auf der rechten Seite des Geräts machten. Die Idee war einige Zeit erfolgreich genug: Der EL-8048 ist bereits die zweite Taschenrechner-Soroban-Kombination von Sharp, danach brachte der Hersteller noch drei weitere Modelle auf den Markt. Der anfängliche Neupreis dieses Modells betrug 5.500 Yen, das entsprach ungefähr 30 DM.
Eingabeerfasssung, Rechnerlogik und Anzeigesteuerung sind in einem Chip vereint - neben diesem und der Anzeige gibt es gerade mal noch zwei Widerstände und einen Kondensator. Im Chip integriert ist neben Anzeige- und Rechenregister auch ein etwas seltsamer Speicher, der nur per = oder % zu füttern ist und beim Abruf sofort gelöscht wird. Er entspricht dem „Grand Total”-Register mancher alten Rechenmaschinen.
   
Sharp
EL-8048
Seriennummer 180

31 x 9 x 2,5
300g (o.Batt.)
1979
  • Anzeigeregister 8-st.,
  • Rechenregister,
  • automatisch saldierender Speicher,
  • Grundrechenarten, Quadratwurzel, Prozent
  • 13 Plastikstäbchen und 65 Plastikperlen
    oder technisch:
    ein 13-stelliges Rechenregister
  • LCD-Anzeige mit 8 Stellen,
  • C nach Überlauf lässt mit dem Fehler weiterrechnen,
  • VLSI-Chip Sharp LI2070.
Kosmetisch guter und funktional sehr guter Zustand: Rückseite und Ecken etwas zerkratzt; alles funktioniert einwandfrei.
Originalhülle und -anleitung nicht vorhanden, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Tischrechner Elektronika Mk59

Dieser „Mikrokalkulator” stammt aus dem Jahr 1989, er wurde also noch in der Sowjetunion gebaut. Eine riesige Stellenzahl (wovon allerdings eine fürs Komma gebraucht wird) und ein für damalige Zeit hoher Integrationsgrad, aber der Funktionsumfang ist nur etwa auf dem Niveau der West-/Fernost-Rechner der frühen 70er-Jahre (also über ein Jahrzehnt „hintendran”). Zwei große und zwei kleine ICs enthalten praktisch alle Funktionen, ganz wenige Dioden und Widerstände sind daneben noch zu finden, die Platine wirkt daher sehr übersichtlich. Das Äußere wirkt jedoch irgendwie ein wenig „billig”. Immerhin gibt es Fließkomma, Prozent und echten Speicher; Arithmetische Eingabelogik, Registeraustausch, Vorzeichenwechsel und automatische Konstante machen das Rechnen komfortabler. Ungewöhnlich ist die abgesetzte Einzelröhre, die nur die gewählten Festkommastellen anzeigt.
Verwendet wurde der Rechner in einer der vielen Werkstätten des damals größten Textilkombinats der UdSSR, der →Kreenholmi Manufaktuur in Narwa, die jetzt größtenteils stillgelegt ist. Dort hat ihn der Vorbesitzer vor dem Abrissbagger gerettet.
Ein baugleiches Gerät von 1992 (S.N. 802813) habe ich auch noch. Es funktioniert leider nicht mehr, aber davon stammen die schöne rote Oberschale, die Anleitung und der Schaltplan.
Elektronika war eine Sammelmarke der UdSSR für alle möglichen Arten elektronischer Geräte aus vielen verschiedenen Werken. Dieser Rechner wurde im Kombinat „Positron” in Ivano-Frankivsk in der Ukraine gebaut. Eine Firma unter diesem Namen existierte dort zumindest bis 2014 immer noch.
   
Электроника
Mk59
Seriennummer 336304

23 x 21 x 7
1,1kg
1982 - 1993
  • Anzeigeregister 16-st.,
  • Rechenregister,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent.
  • Wahl von 0-9 Nachkommastellen oder Fließkomma, Vorzeichenwechsel, Registeraustausch,
  • VFD-Anzeige mit 16 Stellen, zusätzliche Einzelröhre (zeigt gewählte Nachkommastellen an),
  • VSLI-Chips K145BB7П und K145BB8П.
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Nach Austausch der Oberschale fast neuwertiges Aussehen, alle Funktionen einwandfrei.
Mit Originalanleitung (leider russisch) und Schaltplan, deutsche Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Tischrechner Rebell Euro-Print 12

In den Funktionen ähnlich wie der Ibico 1217, doch zwei Jahrzehnte jünger: Die Flüssigkristall-Anzeige ist wesentlich stromsparender, das Gerät ist viel kleiner, mit Batterien betreibbar und daher portabel. Als neue Funktionen kann er Währungen (oder brutto/netto) umrechnen und „MarkUp”. Der Drucker ist allerdings deutlich schlechter. Diesen Rechner kauften wir für das Ausrechnen der Inventuren im eigenen Laden (das dauerte dann so ungefähr zwei Wochen - das bald danach eingeführte Warenwirtschaftssystem brauchte dann noch etwa zwei Stunden, später ungefähr noch 10 Sekunden). Ich benutze ihn derzeit immer noch hin und wieder als Taschenrechner auf dem Wochenmarkt. Die Euro-Umrechnung braucht man eigentlich nicht mehr (es würde auch zu traurig machen, z.B. unsere Brotpreise in DM umzurechnen ...), aber man kann die Funktion auch für Steuersätze zweckentfremden.
Im ganzen, weiten Netz habe ich dazu keine Info gefunden - kein einziges Bild, keine Anleitung, keine Angaben zu Verbrauchsmaterialien. Inzwischen habe ich immerhin herausgefunden, welcher Drucker drin ist.
Rebell (die Marke →gibt es auch heute noch, sie wurde aber von der tschechischen Moravia aufgekauft) hat diesen Rechner nicht gebaut, sondern als OEM-Ware vertrieben - daher weiß ich nichts über den wirklichen Hersteller. „Made in China” sagt das Etikett ... und die Platinenbeschriftung ist auch nicht sehr aussagekräftig :(
   
Rebell
Euro-Print 12
keine S/N

10 x 19 (ohne Rollenhalter) x 5
230g (o.Batt.)
1998
  • Anzeigeregister 12-st.,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Mark-Up, Umrechnung zwischen zwei Währungen.
  • komfortable Endziffernkorrektur für die Eingabe (auch bei Ergebnissen einsetzbar), Wahl von 0-6 Nachkommastellen oder Fließkomma, Wahl von Auf-/Ab-/5/4-Rundung,
  • LCD-Anzeige mit 12 Stellen,
  • Drucker ist ein (sehr langsamer) Alps PTMFL63 mit Gummi-Typenkette,
  • durch die dafür optimale Logik der automatischen Konstante können per Näherungsrechnung Quadrat- und Kubikwurzeln (und theoretisch alle weiteren ganzzahligen Wurzeln) schön einfach berechnet werden.
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand.
Im Drucker war eine Halterung des Elektromotors gebrochen, der wird nun mit einem Plastikkeil innen am Gehäuse fixiert.
Anleitung fehlt, neue Anleitung (vermutlich ausführlicher als die originale) geschrieben.
 
 

Taschenrechner Casio fx-82SOLAR

Zum Vergleich ein moderner Rechner: Einen wissenschaftlichen Taschenrechner, den es auch heute (Stand 2019) noch neu zu kaufen gibt - und das seit fast zwei Jahrzehnten! So etwas ist heute eine seltene Ausnahme.
Der Rechner ist mit Funktionen gut ausgestattet, hat aber nur einen saldierenden Speicher und die Genauigkeit ist recht dürftig:
→arcsin (arccos (arctan (tan (cos (sin (9) ) ) ) ) ) ergibt hier 9.000015685, das konnte der Privileg SR54NC schon vier Jahrzehnte früher eine Stelle genauer. Es fehlen also offenbar die nicht angezeigten, aber mitberechneten „Schutzziffern”. Dafür hat er eine richtig gute Solarzelle, die auch bei wenig Licht ausreicht - nun sind keine Batterien und kein Netzstrom mehr nötig!

→Mehr Infos
 
Casio
fx-82SOLAR
keine S/N

7 x 12,5 x 1
60g
2000 - 2018
  • Anzeige, 6 interne Rechenregister, saldierender Speicher,
  • Grundrechenarten, Prozent, Pi, Winkelfunktionen, Hyperbelfunktionen, 10er- und natürlicher Logarithmus, Quadrat- und Kubikwurzel, Potenzen, Fakultät, Kehrwert, Permutationen, Kombinationen, „Zufalls”zahl, 1-dimensionale Statistik mit 6 Ergebnissen, Umrechnungen: Grad/rad/Gon, XY-/Polar-Koordinaten, Sexagesimal-/Dezimal-Winkel - und dazu überall wo es sinnvoll ist die Umkehrfunktionen!
  • Kann mit Brüchen und Grad-Minuten-Sekunden rechnen,
  • X-Y-Austausch, Stellenkorrektur und Vorzeichenwechsel,
  • LCD-Anzeige mit 10+2 Stellen,
  • 2 interne "Wächterziffern" zur Erhöhung der Genauigkeit
  • Hauptchip Hitachi HD62067 (?, Ergebnis der Rechnerforensik)
Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand: Alles praktisch neuwertig, nur auf der Hülle ein paar leichte Kratzer; alles funktioniert.
Mit Hardcover, Anleitung von der Casio-Webseite herunter geladen und ausgedruckt.
 
 

Taschenrechner Genie 510

Und noch ein aktueller Taschenrechner-Winzling: Nur 33 g und fast schon Scheckkartenformat. Rechner dieser Klasse sind Massen- und Wegwerfware - fast so häufig wie Kugelschreiber und oft ebenso billig gebaut. Aber dieser Zwerg wirkt vergleichsweise solide, hat etwas mehr als die Minimalausstattung und eine ganz passable Tastatur. Er wird immer noch als Neuware angeboten, und das wohl schon seit Jahren. Speicher und alle Funktionen sind in einem Chip integriert, der offenbar von Xerox stammt. Der Rechner wird bei Amazon als Staples 120 für 4,15 € und als „Xerox 120” (sündhaft teuer importiert) verkauft.
Dieser Rechner hat wohl etwas weniger Ergebnisstellen als die etwa 360 Mal schwerere Brunsviga 20, dafür kostet er statt vier Monatslöhnen nur noch einen 600stel Tarif-Monatslohn [eher ein 200stel des wirklichen Durchschnittlohns!] bei viel größerem Funktionsumfang: In der Sprache der damaligen Zeit wären das ein saldierendes Speicherwerk, vollautomatisches Wurzelziehen, Dividieren und Multiplizieren, Kommaautomatik, Prozentautomatik. Davon konnte man 1949 nicht mal träumen...
Genie ist eine aktuell aktive Firma für Büroartikel in Wiesbaden. Sie tritt auch als Hersteller sehr unterschiedlicher Taschenrechner auf, doch kauft offensichtlich alles bei diversen chinesischen Herstellern ein - oder wie man das heute vornehm ausdrückt: Sie lässt die Geräte „in Lohnfertigung” herstellen. Das führt dann auch dazu, dass Rebell und Genie eine Reihe technisch identischer Rechner anbieten.
Seit März 2019 ist Genie übrigens auch am Markeninhaber von Olympia beteiligt.
 
→Genie im Web
- leider ohne Supportseite
Genie
510
keine S/N

6 x 9,5 x 0,5
30g
? - 2018
  • Anzeigeregister 8-st.,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Quadratwurzel, Vorzeichenwechsel.
  • LCD-Anzeige mit 8 Stellen,
  • Chipsatz? Auf der Platine steht XRX-120-8...
  • Speicher- und Konstantenverwaltung auch hier geeignet, um sogar Kubikwurzeln relativ einfach zu berechnen.
Kosmetisch und funktional praktisch neuwertig.
Anleitung fehlt (eigentlich verzichtbar, weil die Tasten fast selbsterklärend sind), Kurzanleitung geschrieben.
 
Wie geht's wohl weiter mit dem Rechnen und der Rechentechnik?
Inzwischen werden sogar einfache Taschenrechner schon langsam zur „Technik von gestern”, denn jedes Smartphone hat einen besseren Rechner integriert. Nur die Tischrechner in den Büros halten sich noch so einigermaßen - auch wenn sie nach meinem Eindruck immer weniger benutzt werden.
In der Tat meine ich zu bemerken, dass immer weniger Leute noch selbst rechnen und dass die Fähigkeiten da nachlassen. Man verlässt sich stattdessen immer öfter auf Computer, deren Rechenwege jemand anderes vorher programmiert hat. Ein Eintrag in die Formularmaske, Ergebnis wird angezeigt. Ob's stimmt rechnet keiner nach.
Sowohl in den Naturwissenschaften als auch im kaufmännischen Bereich wird deutlich weniger gerechnet als z.B. vor 50 Jahren - in ersteren entwickelt man eher mal Computermodelle und lässt das dann „laufen” (wenn das Ergebnis nicht gut ausschaut, kann man ja noch die Vorgaben anpassen), in letzterem geben Hersteller oder Zentralen der Filialketten ohnehin Preise vor, in die Kassen wird meist nur noch eingescannt und sogar das Wechselgeld (sofern überhaupt noch bar gezahlt wird) wird angezeigt. Die meisten Kunden können oder wollen nach meinem Eindruck nicht mal mehr nachvollziehen, ob man ihnen richtig herausgibt.
Wenn unsere Lehrlinge bei der Inventur 2 geteilt durch 6 als Dezimalbruch in eine Liste schreiben sollen, dann wird das jedoch statt im Kopf mit dem Smartphone ausgerechnet. Offenbar wird das in den Schulen nicht mehr beigebracht, dass zwei Sechstel gleich ein Drittel gleich 0,33.... ist. Sogar der Verband der Mathematiklehrer klagte 2019 darüber, dass die Referendare für das Fach Mathematik nicht mehr rechnen können....
Ob bei Handwerkern oder in Ingenieurbüros heute noch so viel wie früher gerechnet wird, entzieht sich hingegen meiner Kenntnis.
 

Hier geht's zu meinen Computern ...

... hier zur Referenz für mechanische Rechenmaschinen: ...

... und hier zur Referenz für frühe Elektronik: (Thank you Serge for corrections!) .