Alte Rechenhilfen, Rechenmaschinen und etwas Elektronik

 

Diese Sammlung gibt es natürlich vor allem, weil mir die Jagd nach den alten, technisch bemerkens­werten, vielleicht auch seltenen Geräten viel Spass macht. Vielleicht hat man in einem gewissen Alter „alles erreicht“ und sucht sich neue Wünsche?
Aber es gibt sie auch, weil ich gerne mithelfen will einige der alten Fertigkeiten und Kenntnisse zu erhalten, deren Verlust nun droht. Das Erforschen des Innen­lebens der alten Geräte, die Reparatur der kleinen und großen Macken, das Wiederentdecken der nicht immer offensichtlichen Funktionen und Methoden und nicht zuletzt deren Dokumentation erhalten hoffentlich einen kleinen Ausschnitt aus der Geschichte der Erfindungen, der Technik, der Industrie, der Organisation.

Mich interessiert ein musealer „Originalzustand” nur am Rande. Eine Maschine darf bei mir also ruhig verändert, aufgehübscht oder gar neu lackiert sein, man darf sehen, dass die Maschinen gewartet und repariert wurden. Viel wichtiger finde ich das faszinierende Zusammenspiel der Schieber, Tasten, Hebelchen, Zahnräder und Kurbeln sowie das sehr befriedigende Gefühl, wenn alles auch nach über einem halben oder ganzen Jahrhundert immer noch (oder wieder) sauber läuft und korrekte Werte ausrechnet. Das kann möglicherweise nur richtig nachvollziehen, wer selbst mal die Kurbeln dreht und die Mechanik hört, sieht und vor allem auch in den Fingern spürt.

Als Nebenaspekt verfolge ich gerne nach, wie die Maschinen gebaut, vermarktet und benutzt wurden: Wie teuer waren sie, wer nutzte sie wozu, welche Hersteller waren erfolgreich, warum? Zu den Bau­jahren, Produktionszeiträumen etc. finden sich im Internet allerdings oft unterschiedliche Angaben. Das erfordert eine Einschätzung, welchen Quellen eher zu vertrauen ist. Manches ist auch nur per Schätzung anzugeben, und auch dabei werde ich mich natürlich mal irren. Wenn jemand dann mehr weiß: Ich freue mich über Infos dazu!
(Kontaktmöglichkeiten im Impressum.)

Geräte mit Elektromotor gibt es hier nur wenige, denn die sind meist so komplex und schnell, dass ich deren Fehler nicht finde. Schwerpunkt meiner Sammlung ist daher die handbetriebene Mechanik, die ich so einiger­maßen reparieren kann.
Elektronische Geräte hingegen gibt es etwas öfter zu sehen: Meist solche, die wirklich bei mir oder in meinem Bekanntenkreis benutzt wurden, dazu noch einige mit wunderschönen alten Leuchtanzeigen: Die „Nixies“ gefallen mir einfach zu sehr!



Navigation zu den einzelnen Gruppen mit der Fußleiste,
zum jeweiligen Gerät mit Klick auf Bild oder Name.

 

Neu

 
29.10.2020
Remington 1001
31.10.2020
Everest Z5
17.11.2020
Kuhrt A2
20.11.2020
Comptometer H
25.11.2020
Thales C
 

Gesamtübersicht

 
 

Rechenhilfen, mathematische Instrumente, Tafeln

 

Kleinaddierer

 

Ein- bis Dreispeziesmaschinen   "key-driven"  

 

Staffelwalzen-Maschinen

 

Sprossenrad-Maschinen

 

sonstige Vierspezies-Maschinen   Schaltprinzip:  Proportionalhebel    Axial-Sprossenrad    Schaltklinke    Stellsegment  

 

Elektronik   Anzeige:   Nixie   Elfin   Itron(VFD)   LED   Panaplex   Digitron   LCD  

 

  (Fast nur) Notebooks... meine Computer von 1984 bis heute

 

Liste

    Addiator (Basismodell)
    Addifix-9
    Addimult Ziffrex
 ↯ Addo-X 2341E
    Addo-X 9354
    ALCO
    Archimedes H
    Aristo 89
    Aristo Scholar
 ↯ Badenia TEH10
    Badenia TH13
    Brunsviga 10 (1933)
    Brunsviga 10 (1952)
    Brunsviga 13B
    Brunsviga 13RK
    Brunsviga 13RM
    Brunsviga 20
    Brunsviga A 58
    Brunsviga B (1904)
    Brunsviga B (1909)
    Brunsviga D 13 R-1
    Brunsviga M III
    Brunsviga MH
    Brunsviga Nova II
    Burroughs Calculator 5205
    Burroughs Portable 90801
    Busicom HL-21
    Casio fx-1
    Casio fx-82SOLAR
    Casio HL-805
    Comptator
    Comptometer H
    Comptometer J
    Consul Rechenaffe
    Contex 10
    Contex A
    Contex D11
    Curta I
    Denon DEC-61A4
 ↯ Diehl EvM15
    Direct-II
    Elektronika Mk59
    Everest Z4
    Everest Z5
    Faber-Castell 4/54
    Faber-Castell Addiator 1/87A
    Faber-Castell Addiator 67/22R
    Facit 1004
    Facit 1129
    Facit 1131
    Facit C1-13
    Facit CM2-16
    Facit TK (1938)
    Facit TK (1953)
    Fei Yu Pai JSY-20
    „Felix“ A3
    „Felix“ M
    Formelscheiben GdED
    Friden H8
 ↯ Friden STW10
    General Teknika 1200
    General Teknika 1218
    Genie 510
    Hamann Manus „C”
    Hamann Manus R
    Ibico 1217
    Interton PC2008
    Komet TA
    Kuhrt A2
    Liebermann TE 8000
    Lightning Adding Machine
    Lindström Record
    Lipsia Addi 7
    Litronix 1100A
    Madix HM
    Marchant H9
    Melitta VII/16
    Mesko KR-19S
    Mercedes-Euklid 4
    Mercedes-Euklid 29
    Mira 6 Visier
    M.J.Rooy
    Monroe LN-160X
    Napier'sche Stäbchen
    NCR 1652
    Neckermann Haushaltkalkulator
    Nisa K2
    Nisa K5
    Norma Grafia 190
    Norma Merkuria 190
    Numeria 5905
    Numeria 7101
    Odhner 27
    Odhner 239
    Olympia 192-030
 ↯ Olympia AM 209
    Ott Planimeter
    Pilot P1
    Precisa 103
 ↯ Precisa 164-12
    Privileg 03987
    Privileg PR55NC
    Privileg SR54NC
    Produx axbxc
    Produx Multator II
    Produx Multator-4
    Rebell Euro-Print 12
    Record LM
    Rema 1
    Remington 1001
    Resulta BS 7
    Resulta BS 7 Export
    Rheinmetall D IIc
    Rheinmetall „DS Ie“
    Rheinmetall Id
    Rokli 7R
    Rokli 7RS
    Rokli 16R
    Royal MK12
    Schetmash VK-1
    Schubert DRV
    Schumm Rechenbox
    Sharp Compet 241
    Sharp Compet 6301
    Sharp ElsiMate EL-8048
    Sharp QT-8D
    Sharp QT-8B
    Siebert Rechentafeln
    Silver-Reed Mini
    Soroban
    Stima CMSIII
    Stima MSIII
    Stschoty
    Suan Pan
    Sumlock 909/C
    Summira 7
    Thales CER
    Thales DER
    Thales GEO
    TIM 1
    TIM II
    Triumphator C
    Triumphator CRN1
    Triumphator HZN
    Triumphator KA
    Tröger Rechenscheibe
 ↯ Walther Comptess
    Walther ETR4
    Walther RKZ
    Walther RMK
    Walther WSR160
    X x X
    Zivy Zähler


 

Grafik der Produktionsjahre

 

Einzelbeschreibungen

Reihenfolge nach Produktionsbeginn (wie in der Grafik), Gliederung jeweils so:
 

Name

Landesflagge (nach Fertigstellung der Konstruktion)
Einführungstext Monatslohn-Vergleiche beziehen sich auf den jeweiligen Tarif-Durchschnittslohn für Verheiratete mit 2 Kindern.
Bilder, Info-Links Bilder anklicken öffnet meist größere. Externe Links haben danach einen .
Hersteller
Name/Modell/Typ
ggf. Seriennummer
Maße (B-T-H in cm)
Gewicht
gebaut von - bis
  • Rechenwerke, Kapazität;
  • Hauptfunktionen

Abkürzungen:
EW = Eingabewerk (Schieber, Tasten etc.)
KW = Kontrollwerk (der Eingabe)
  • Sonstiges zur Bedienung



RW = Resultatwerk („Akkumulator“)
UW = Umdrehungszählwerk („Quotientenwerk“)
Zustand (optisch/funktional als „Schulnoten“)

Was war - außer reinigen und schmieren - zu tun?

Anleitung / Zubehör?
  ggf. Infos zu Herstellern und Werkstätten (i.d.R. beim ersten Modell des Herstellers)
 

Zu den Produktionszeiträumen:
Manche Rechenmaschinen wurden sowohl technisch als auch im Design kontinuierlich weiter entwickelt. Da ist es nicht immer ganz eindeutig, was Markteinführung bzw. Produktionsbeginn ist: Ist die Brunsviga B mit der neuen Eingabelöschung nun ein neues oder doch nur ein verbessertes Modell? Macht das neue Gehäuse eine Monroe LN‑160 wirklich zu einer neuen Maschine? Sind die Vor- und Nachkriegsmodelle der Thales CER das Gleiche?
Ich halte mich in solchen Fällen meist an die Hersteller­bezeichnung und daran, ob sich an der grundlegenden Technik etwas Wesentliches geändert hat, doch letztlich bleibt manchmal eine Art „Grauzone“, in der die Entscheidung unsicher bleibt.

 
 

Die ältesten „Rechenhilfen“ der Menschheit sind sicher die eigenen Finger. Irgendwann fing man an, Stöckchen, Steinchen, Muscheln usw. zu benutzen. Spätestens die Sumerer entwickelten dann Regeln für deren Benutzung: Sie ritzten oder malten Linien für unterschiedliche Wert­stufen (z.B. 1 ‑ 12 ‑ 60...) und legten entsprechend mehr oder weniger Kiesel­steinchen darauf.
Die Römer nannten solche Steinchen ganz einfach „kleiner Kieselstein”: auf lateinisch „calculus”. Als später Muscheln, Münzen oder anderes anstatt der Steinchen benutzt wurden blieben das „calculi” - und deshalb „kalkulieren” wir.
Ebenfalls von den Römern kennen wir das erste „richtige Gerät” mit fest eingebauten calculi, den „Abacus”.
Daher wird Abakus gerne als Oberbegriff für alle Varianten des Geräts benutzt. Nicht alle davon sind Geräte von gestern: Man schätzt, dass immer noch rund 40% der Weltbevölkerung zumindest ab und zu eine der Abakus-Varianten nutzen, obwohl einfache Solar-Taschenrechner (z.B. der hier) durch Massenfertigung inzwischen spottbillig sind.

 
 

中式算盤 (Suan Pan)

Vielleicht schon vor 1000 Jahren (so genau weiß man es nicht, weil die erste eindeutige Abbildung aus dem Jahr 1573 stammt) entwickelte sich in China der Suan Pan. Dass die Grundidee der fest eingebauten Rechenperlen über die Seidenstraße in den Osten wanderte ist möglich bis wahrscheinlich, chinesische und italienische Historiker sehen das aber unterschiedlich.
Die chinesische Variante hat pro Reihe fünf Perlen in einem unteren Abteil („Erde” genannt) und zwei Perlen oben (der „Himmel”). Jede Perle unten, die zur Mitte hin geschoben wird steht für den Wert 1, jede zur Mitte geschobene Perle oben für 5. Die Reihe ganz rechts steht dabei für die Einer, die Reihe links davon für die Zehner usw. (jedenfalls wenn man nicht mit Nachkommastellen rechnet). Damit kann pro Reihe jeder ganzzahlige Wert bis 15 dargestellt werden, was dem Rechnen mit manchen in China früher verbreiteten hexadezimalen Maßen entgegen kam.
Bis 2002 soll es in China noch verpflichtende Suan Pan-Prüfungen für manche Buchhaltungs­berufe gegeben haben, auch heute noch wird der Umgang damit gelehrt. Es gibt dort Spezialisten, die selbst kompliziertere Rechnungen damit machen, entsprechende Schnellrechner-Wettbewerbe finden statt. Auch im Alltag wird der Suan Pan immer noch benutzt, z.B. auf Märkten.
Dieses Modell findet man heute noch oft als Neuware. Vermutlich kaufen es inzwischen mehr China-Touristen als wirkliche Nutzer, ich bekam mein Exemplar als Geschenk zum „50sten“.


was damit alles geht
   
Lotus Flower

25 x 12 x 2,5
240 g
? - heute
  • 13 Bambusstäbchen und 91 Holzperlen
    oder technisch:
    ein 13stelliges Rechenregister
  1/1 (praktisch neuwertig).
 
 

Napier'sche Stäbchen

John Napier, Laird of Merchiston entwickelte das Rechnen mit Logarithmen so sehr weiter, dass er heute oft als „Erfinder der Logarithmen” angesehen wird. 1617 stellte er tn seinem Buch „Rabdologiae seu numerationis per virgulas libri duo” diese von ihm entwickelte kleine Multiplizierhilfe vor: Auf die Stäbchen wird kolonnenweise das kleine Einmaleins so geschrieben, dass man durch geschicktes Zusammenlegen die Produkte schnell ablesen kann. Auch die Multiplikation mehrstelliger Zahlen konnte damit auf die einfachere Addition zurückgeführt werden. Die Stäbchen verbreiteten sich in ganz Europa, bis in die 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts gab es noch entsprechend bedruckte Papierbögen zum Ausschneiden und Aufkleben auf viereckige Hölzer zu kaufen. Heute sind die Stäbchen fast vergessen.


mehr Infos bei
T.Hempel

Deutsche Übersetzung von 1618

Vordruck (PDF)
Napier-Stäbchen

10 x 9 x 1
70 g
1617 - ca.1925
    2/1

Vordrucke am Computer entworfen, gedruckt, ausgeschnitten und auf Buchenleisten 10x10mm² aufgeklebt.

Mit Schachtel und Anleitung.
 
 

Счёты (Stschoty)

Die russische Version des Abakus entwickelte sich wahr­scheinlich aus dem Suan Pan. Zum ersten Mal in einem Buch erwähnt wurde er kurz vor 1700. Es gibt keine Aufteilung in 1er- und 5er‑Kugeln und eine Reihe hat nur vier Kugeln, die steht entweder z.B. für Viertel-Rubel (1 Kugel = 25 Kopeken) oder gilt einfach nur als Komma­stelle und wird dann nicht zum Rechnen benutzt. Bedient wird der Stschoty mit der kleinsten Stelle zum Bediener hin, also quer zur bei den anderen Varianten üblichen Ausrichtung.
Ein Nachteil der meisten Exemplare ist die geringe Stellen­zahl, die für Rubel und Kopeken ausreicht, aber nicht für komplexere Berechnungen. Dazu kommt bei allen Stschotys die beachtliche Größe, die mehr Finger- und Armbewegung erfordert und dadurch etwas verlangsamt. Grobmotoriker finden das aber sicher gut. Eine eindeutige Verbesserung sind dagegen die nach oben gekrümmten Drähte, wodurch die Perlen besser auf der Seite bleiben, auf die man sie geschoben hat.
Der Mathematiker Jean‑Victor Poncelet brachte von Napoleons Russland-Feldzug einen Stschoty mit nach Mitteleuropa. Dort wurde er zum Urahn der einfachen Kugelrechner, die man heute noch in deutschen Kinder­zimmern und Kindergärten findet (und die früher auch in den Grundschulen genutzt wurden). Der Stschoty selbst wird heute im Alltag nicht mehr benutzt.
Mein Exemplar wurde in den 80er-Jahren in Bulgarien gekauft und diente sicher nur als Deko-Objekt. Leider reichen meine Kyrillisch-Kenntnisse nicht zum Entziffern des Hersteller-Stempels...


mehr Infos im

und im
Arithmeum
 
Stschoty

21 x 31 x 5
480 g
vor 1700 - ca.1970
  • 10 Drähte und 94 Holzperlen
    oder technisch:
    ein 9- bis 10stelliges Rechenregister
  2/1: Kaum Gebrauchsspuren, aber eine Ecke schon bei der Herstellung etwas nachlässig verleimt; perfekt benutzbar.
Anleitung im Internet gefunden.
 
 

Ott Planimeter

Neben Hilfsmitteln zum allgemeinen Rechnen gab und gibt es auch viele mathematische Instrumente für besondere rechnerische Anwendungen. Ein Beispiel ist das Planimeter zur Flächenberechnung z.B. in Landkarten, in technischen Zeichnungen oder auch in der Lederindustrie. Es gibt zahlreiche verschiedene Arten, eine davon ist dieses 1854 von Jakob Amsler erfundene Polarplanimeter. Man stellt die Armlänge auf den Kartenmaßstab ein, setzt die Spitze auf einen beliebigen Punkt am Rand der zu messenden Fläche, liest den Wert der Skala ab (oder stellt auf Null), führt die Spitze einmal möglichst exakt im Uhrzeigersinn um diesen Rand und liest den Wert wieder ab. Mit einer kleinen Korrektur­rechnung (die Angaben dazu stehen im Etui des Geräts) hat man schnell die Fläche ermittelt (hier im Bild die des Plattensees, übrigens 594 km²). Die Genauigkeit des Gerätes ist bei größeren Flächen meist höher als die der Zeichnung.
Dieses Exemplar wurde ungefähr 1945 gebaut, es gehörte einem Vermessungsingenieur.


mehr Infos zu Planimetern bei
W.Blümich
   
A.Ott
Polarplanimeter Modell 30
S.Nr. 55425

27,5 x 6 x 3,5
220 g
?
  • 2 Noniusskalen an Arm und Messrad, zusätzliche Skala für Anzahl der Messraddrehungen.
  • Mit Kalibrierungslineal und Ersatzspitzen.
2/1: Wieder guter Gesamteindruck; alle Skalen einwandfrei, selbst die Kalibrierung stimmt noch.

Einige Stoßstellen ausgebessert, Polarm nachlackiert, oberen Spitzenabschluss durch Nachbau ersetzt.

Anleitung im Internet gefunden.
 

Albert Ott gründete 1873 in Kempten seine Firma zum Bau diverser Messinstrumente. Die Firma existiert noch, gehört allerdings seit 2002 einer „Heuschrecke” und baut inzwischen keine Planimeter mehr, sondern Messgeräte für Wasserwirtschaft und Meteorologie.
Doch auch heute noch werden anderswo Planimeter hergestellt, z.B. bei Haff.

 
 

Sowohl einfache mechanische Rechenhilfen wie Abakus, Zahlenschieber o.ä. als auch elektronische Tischrechner werden gerne als „Rechenmaschinen“ bezeichnet. Das ist aber nicht ganz korrekt (und stört erheblich bei der Suche auf ebay), denn eine „Maschine“ hat stets irgendeine Kraftübertragung zwischen ihren bestimmenden Teilen, ob nun über Hebel, Zahnräder, Seilzüge, Druckleitungen oder sonstwie. Bewegte Elektronen reichen mir da nicht, für mich hat eine Rechenmaschine mindestens eine Baugruppe, in der eine Wert­speicherung und der Zehnerübertrag mechanisch erfolgen.
Die erste bekannte Rechenmaschine wurde im Jahr 1623 von dem Mathematiker und Astronomen Wilhelm Schickard konstruiert. Damit war er seiner Zeit noch voraus, denn ein Bedarf an solchen Maschinen entwickelte sich erst später. Nur für seinen Kollegen Johannes Kepler wollte Schickard ein weiteres Exemplar bauen. Das wurde vermutlich nicht mehr fertiggestellt, denn Schickard starb an der Pest. In den Wirren des 30jährigen Krieges ging auch sein Exemplar verloren und seine Erfindung wurde vergessen, bis man im 20. Jahrhundert seine Originalskizzen und einen Brief an Kepler fand.
1643 konstruierte Blaise Pascal eine Maschine für Addition und Subtraktion, die Pascaline. Sie sollte seinem Vater, einem Steuereinnehmer, helfen. Doch offenbar gab es damals schon eine Nachfrage nach solchen Maschinen, denn Pascal ließ etwa 50 weitere Exemplare bauen.
Nächster Entwicklungsschritt war die Erfindung der Staffelwalze durch Gottfried Wilhelm Leibniz im Jahr 1671. Im Laufe einiger Jahrzehnte konstruierte er damit seine Rechenmaschine, die erstmals alle Grundrechenarten, die „vier Spezies“ des Rechnens, beherrschte. Von ihr wurden allerdings nur wenige Einzelstücke hergestellt.
Im 18. Jahrhundert wurden z.B. durch Hahn und Müller weitere Rechen­maschinen konstruiert, doch der Stand der Technik ermöglichte noch nicht die für eine Serienfertigung notwendige Präzision. So blieben diese Rechenmaschinen unerschwinglich teure Einzelstücke, die letztlich in den Kuriositäten­sammlungen der Fürsten verschwanden.
Erst im 19. Jahrhundert wuchs in allen Industrie­ländern der Bedarf nach mechanischer Hilfe beim Rechnen: Geschossbahnen, die Statik von Brücken, Versicherungs­risiken und vieles mehr sollten nun immer öfter (und genauer) berechnet werden. Zugleich hatte sich die Fein­mechanik weiter entwickelt. Nähmaschinen, Waffen, Uhren und anderes konnte immer präziser hergestellt werden. Damit entstanden die Voraussetzungen für eine Serien­produktion zuverlässiger Rechenmaschinen.
Ab 1820 entwickelte C.X.Thomas de Colmar in Paris die erste in Serie gefertigte Maschine, die er Arithmometre nannte. Ab 1850 fand er erste Kunden für seine Staffelwalzen-Maschinen: Versicherungen, Banken und große Handelshäuser, dazu staatliche Stellen für ihre Statistiker, Artilleristen, Landvermesser, Ingenieure und Wissenschaftler. Das Arithmometer blieb einige Jahr­zehnte das einzige Gerät aus Serienfertigung, dann liefen die Patente ab und andere Hersteller brachten Nachbauten auf den Markt. Vor allem aus Deutschland kamen ab etwa 1880 immer mehr und immer ausgereiftere Maschinen auf den Markt, dann auch häufiger mit den von W.T.Odhner entwickelten Sprossenrädern. Andere Schalt­prinzipien blieben bei Vierspezies-Maschinen die Ausnahme.

 
 

Brunsviga B

„Modell B“ war der erste von Brunsviga gebaute Maschinentyp. Eigentlich handelt es sich dabei eher um eine ganze Modellfamilie, denn im Lauf der Jahre wurde das Modell ständig weiter entwickelt: Zuerst kamen eine verlängerte Kurbel und die Warnglocke(n) für Über- und Unterlauf dazu, einige Sperren gegen Fehlbedienungen wurden eingebaut. Das ist der Entwicklungsstand dieses Exemplars aus dem Jahr 1904. Es hat zwei Glocken, damit es beim Überlauf in jeder Stellung bimmelt. Später fand man dafür elegantere Lösungen.
Diese frühen Maschinen von Brunsviga waren alle noch recht groß. Die Gehäusebleche sind sehr dick, alle Teile (von den Sprossenrädern bis zu den Flügelschrauben) sind sehr massiv ausgelegt. Hier bricht und verbiegt sich noch nichts, diese Maschine könnte bei guter Pflege vermutlich auch in weiteren 116 Jahren noch funktionieren, selbst wenn sie wieder häufiger benutzt werden sollte.


Funktion des Sprossenrads im
Youtube-Video
Brunsviga
B
S.Nr. 6022

34 x 17 x 12,5 (o.Brett)
8,4 kg
1892 - ca.1925
  • EW 9st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Flügelschrauben zur Löschung von UW und RW.
  • Zehnerübertrag im RW nur über 10 Stellen,
  • im UW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot),
  • RW nur in Grundstellung des Schlittens löschbar.
2/1: Beschriftung am UW etwas abgegriffen, kleine Gebrauchsspuren; einwandfreie Funktion.

Alle Metallteile poliert, Deckbleche und Rückseite neu (teil)lackiert, Ziffern neu eingelegt, fehlende „Kommastöpsel“ ersetzt.

Mit Bodenbrett und Blechhaube, allgemeine Anleitung aller alten Brunsvigas im Internet gefunden.

Brunsviga B

Diese etwas spätere Version des Modell B hat den Zehnerübertrag über alle 13 Stellen, sie hat eine Mechanik zur Gesamtlöschung der Eingabe und die altertümlichen „Kommastöpsel“ sind nun durch Schieber ersetzt. Außerdem gibt es eine Anzeige der letzten Kurbel-Drehrichtung. Die Löschung des Resultatwerks während der Kurbeldrehung und der Wechsel der Kurbel-Drehrichtung sind bei diesem Exemplar nicht gesperrt. Der Lösehebel der Drehrichtungs­sperre fehlt folglich auch, aber im Deckblech ist oben links noch der kleine Schlitz dafür, auch die Zahnscheibe ist vorhanden. Offenbar wurde beides mal ausgebaut, sei es wegen Defekt oder weil ein Benutzer das störend fand.
Diese Brunsviga B wurde der Seriennummer nach 1909 gebaut. Der damalige Neupreis war 505 Mark, das entsprach dem durchschnittlichen Tariflohn eines Arbeiters für ein halbes Jahr. Die Vorbesitzer haben die Maschine aus Schweden bekommen. Auf der Holzplatte ist der Aufkleber der A.B. Hadar Schmidt aus Stockholm, diese Firma hat damals viele Rechenmaschinen nach Schweden importiert (u.a. war sie schwedischer Generalvertreter für die in Russland gebauten Odhner-Maschinen).
Spätere Ausführungen erhielten ein verbessertes Schlittenschloss und die Drehrichtungsanzeige wurde nach links verlegt.


Ein Sprossenrad wird eingestellt
(AVI, 14 MB!):

Brunsviga
B
S.Nr. 12523

34 x 17 x 12,5 (o.Brett)
8,4 kg
1892 - ca.1925
  • EW 9st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Flügelschrauben zur Löschung der drei Werke.
  • im UW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot),
  • Anzeige der Drehrichtung rechts neben dem EW.
2/2: Lack und Zahlen erstaunlich gut erhalten (vielleicht mal neu lackiert?), Verchromung teils etwas angegriffen; alles funktioniert, nur gelegentlich hakelt mal eine Sprosse etwas oder die Löschung der 10er‑Stelle im RW benötigt eine zweite Umdrehung.

Eine Unterlegscheibe unter den linken Schlittenanschlag gelegt und Schlittenblech etwas gerade gebogen: Schon war die vorherige Schwergängigkeit weg!

Mit Bodenbrett, Anleitung wie zuvor.
 

Brunsviga ist der latinisierte Name der Stadt Braunschweig. Dort hat der Hersteller 1871 als Nähmaschinenhersteller „Grimme, Natalis & Co.“ begonnen, ab 1892 wurden auch (in Lizenz von Odhner) unter dem Markennamen „Brunsviga“ hauptsächlich Sprossenrad-Maschinen gebaut, mit denen die Firma sehr erfolgreich wurde. 1950 wurde dieser Marken- auch zum Firmennamen, 1959 wurde Brunsviga von Olympia übernommen. Wenige Jahre später wurde die Produktion der meisten handbetriebenen Maschinen jedoch eingestellt, die letzte handbetriebene Brunsviga wurde 1969 in Spanien gebaut. Das letzte Gerät von Brunsviga überhaupt war dann ein kleiner wissenschaftlicher Taschenrechner aus dem Jahr 1975 (den hat Brunsviga/Olympia natürlich nicht selbst gebaut, sondern aus Fernost zugekauft).

 
 

X x X

Dieser Staffelwalzenmaschine sieht man ihr Alter gleich an: Wie bei den ersten Maschinen dieses Typs erfolgt die Eingabe der Zahlen hier noch mit Schiebern. Damit verschiebt man pro Stelle ein Zahnrad auf einer Vierkant-Achse so, dass je nach eingestellter Ziffer verschieden viele „Rippen“ einer Staffel­walze dieses Zahnrad (und damit auch Achse und Anzeige im Resultatwerk) drehen. Auch die Position der Kurbel und die Anordnung der Werke sind noch ganz im alten Stil. Aber eine ganze Reihe Verbesserungen gibt es, sowohl in der Technik als auch in der äußeren Gestaltung: Statt Holzkasten hat die X x X ein massives Gussgehäuse aus Eisen, dessen Oberseite ist zum besseren Ablesen leicht nach vorne geneigt. Innen sitzen besonders leichte Staffelwalzen, die aus einzelnen Zahnsegmenten zusammengesetzt sind. Aufwendige gefederte Elemente ersetzen an vielen Stellen die einfachen Blattfedern.
Es gab die X x X auch mit einem Schalter unter der Gesamtlöschung, der links im Resultatwerk einen Zähler simulierte. Varianten mit größerer oder geringerer Kapazität waren ebenfalls lieferbar, auch ein Modell mit Tasten statt Schiebern (dieses gelegentlich sogar mit Druckwerk). Hier handelt es sich also um die einfachste (aber nicht kleinste) Variante.
Die X x X ist vermutlich die erste Serienmaschine, die konsequent „durchgestylt“ wurde. Das Gehäuse wirkt durch die gefrästen und teils vernickelten Kanten weniger wuchtig. Selbst die nur beim Anheben des Schlittens sichtbare, aus Messing bestehende Mechanik wurde verchromt, um sogar dann nur Schwarz und Silber zu zeigen. Diese Gestaltung macht das Modell zu einer der schönsten in Serie gefertigten Maschinen.
Die niedrige Seriennummer lässt auf ein Baujahr um 1908 schließen. Und damit das klar ist: Der Name „X x X“ bedeutet „ix mal ix“ - nicht was Ihr wieder denkt! Das soll wohl die besondere Eignung für Multiplikationen deutlich machen, denn trotz aller Schönheit: Addieren mit Schiebereinstellung macht wenig Spass.

 
Funktion der Staffelwalze im
Youtube-Video
Seidel und Naumann
X x X
S.Nr. 778

49,5 x 20 x 12,5 (o.Brett)
11,1 kg
1906 - nach 1927
  • EW 9st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschschieber für UW und RW (nur bei angehobenem Schlitten),
  • Löschschieber für das gesamte EW und je einer pro Stelle.
  • im UW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer weiß),
  • ein gemeinsamer Schalter für Drehrichtung im UW und RW,
  • Ziffern im RW und UW (!) direkt einstellbar (nur bei angehobenem Schlitten),
  • Schlittenbewegung nur durch Anheben und Versetzen per Hand,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
2/1: Gehäuse gut erhalten, nur links und rechts je eine größere Abplatzung an der Vernickelung; funktioniert einwandfrei und sehr leichtgängig, nur ein Wirtel rechts im RW fehlt noch.

Abgebrochene Schraube ausgebohrt und dort fehlendes Umlenkröllchen der Einstellkontrolle ersetzt, Kurbelfederung durch vorsichtiges Aufbiegen gängig gemacht und fehlenden Kurbelanschlag ersetzt, Nullstellung der Einstellkontrolle justiert, einige Metallteile poliert, Lösch- und Einstellknöpfchen nachlackiert.

Mit komplettem Holzkasten. Kurzanleitung geschrieben.
 

1868 gründete Karl R.B. Naumann in Dresden eine Werkstatt für Feinmechanik. 1869 kam Erich Seidel für einige Jahre als Geldgeber dazu, daher wurde die Firma nun „Seidel und Naumann“ genannt. Bereits 1886 wurde das Unternehmen zur AG. Es stieg schnell zum bedeutenden Produzenten von Näh- und Schreibmaschinen auf (auch die berühmte „Erika“ stammt von S&N). Fahrräder und anderes ergänzten schon vor 1900 die Produktpalette, ab 1906 dann auch Rechenmaschinen.
Schon 1919 wurde diese Sparte an die Dresdener „Presto Bureaumaschinenbau-Gesellschaft m.b.H.“ gegeben (es ist unklar, ob das eine schon vorher aktive Firma oder eine Ausgründung von S&N war). Seidel und Naumann (vielleicht auch Presto?) wurde 1946 zum „VEB Schreib­maschinenwerke Dresden“, später ein Teil des Robotron-Kombinats. Bis zur Privatisierung 1990 wurden noch Schreibmaschinen gebaut, die Nachfolgefirma meldete bereits 1992 Konkurs an.

 
 

Nicht immer waren große, teure Rechenmaschinen nötig, oft konnte man sich auch keine leisten. Dann benutzte man teils einfache Rechen­hilfen wie z.B. Zahlenschieber, teils echte Maschinen mit Zehner­übertrag im Ergebniswerk, die „Kleinaddierer“. Mit denen konnte man ganz gut addieren, oft auch passabel subtrahieren. Multiplikation oder gar Division waren damit aber entweder gar nicht oder nur sehr behelfsmäßig möglich.

 
 

Comptator

Der Comptator ist so ein erschwingliches Gerät und ein früher Vertreter der Kleinaddiermaschinen. Die geringe Größe war für einige Anwendungen sogar von Vorteil: Man addierte damit häufig Spalten in Kontobüchern, wobei man das kleine Maschinchen direkt auf das Buch legen und als Ableselineal nutzen konnte. Mit einem Griffel wurden dann die Werte in Zahnstangen eingezogen, diese stellten das Resultatwerk entsprechend weiter.
Zum Addieren ist die Maschine ganz komfortabel, sie bietet Eingabekontrolle und echten Zehner­übertrag. Auch eine behelfsmäßige Multiplikation ist passabel möglich. Das Subtrahieren dagegen ist sehr umständlich, dafür muss man die am Rand eingeprägten Komplementär­ziffern nutzen. Das Dividieren ... vergisst man besser.
Der Comptator wurde mit 9 oder 13 Stellen angeboten, die 9stellige Variante kostete 1925 105 RM, das war etwas weniger als ein Monatslohn. Offenbar war das Angebot erfolgreich, denn das Gerät ist auch heute noch öfter zu finden. Dieses Exemplar ist eines der ganz späten, es muss kurz vor 1930 gebaut worden sein.


mehr Infos im
 
(Sabielny)
Comptator
S.Nr. 21895

6,5 x 20,5 x 3,5
550 g
1909 - 1930
  • EW 9st.,
  • RW 9st.;
  • Löschtaste für EW (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschknopf (zum Drehen) für RW.
  • Eingabekontrolle in unterster sichtbarer Zeile.
2/1: Gehäuse oben sehr gut erhalten, auf der Rückseite deutliche Gebrauchsspuren (vom Schieben über die Bücher); alles funktioniert sehr leichtgängig.

Rote Ziffern neu eingelegt.

Mit passabel erhaltenem Etui, fehlenden Griffel durch Palmgriffel (aus Plastik, viel besser) ersetzt, Neufassung der Anleitung im Internet gefunden.
 

Ab 1892 wurde in den USA ein Kleinaddierer mit ähnlichem Aussehen als „Rapid Calculator“ gebaut. Der Comptator ist ein von Woldemar Heinitz konstruktiv verbesserter Nachbau, er wurde anfangs von Schubert&Salzer in Chemnitz und ab 1921 von Hans Sabielny in Dresden produziert.

 
 

TIM II

Diese Rechenmaschine stammt aus Berlin, hat aber einen englischen Namen. TIM steht für "Time is Money": Der Hersteller wählte dieses wichtige Verkaufsargument für Rechenmaschinen als Marke. Offenbar mussten die potentiellen Kunden damals noch davon überzeugt werden, dass sich der Einsatz solcher Maschinen lohnte.
Auch die TIM ist wegen ihrer Schiebereinstellung noch nahe am Typus der ab ca.1850 erfolgreichen Rechen­maschinen, hat aber einen zuverlässigeren Zehner­übertrag und das massive, unempfindlichere Gehäuse aus Gusseisen. Die vordere Platte aus dickem Blech lässt sich bei diesem Exemplar leicht abnehmen. So wollte man entweder die Mechanik vorführbar machen oder hat an die Servicefreund­lichkeit gedacht (oder beides).
Das Modell wurde ab 1910 angeboten, aufgrund der Seriennummer ist ein Baujahr dieses Exemplars um 1917 wahrscheinlich. Über die frühere Verwendung ist leider nichts bekannt. Die Abnutzung der Brünierung zeigt aber, dass es lange Zeit intensiv genutzt wurde. Der Neupreis solcher Maschinen: 1911 noch 700 Mark (ungefähr acht Monatslöhne), 1919 schon 2250 Mark (ca.15 Monatslöhne: Da nahm die Inflation schon langsam Fahrt auf, die 1923 zum Zusammenbruch der Mark führte).

  Während der Restaurierung:
vorher - nachher:
TIM
II
S.Nr. 7550

43 x 16 x 18,5
11,5 kg
1910 - ca.1929
  • EW 8st.,
  • UW 7st.,
  • RW 12st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschschieber für RW und UW (nur bei angehobenem Schlitten),
  • 8 Löschhebel, die nach oben alle Stellen rechts und nach unten alle Stellen links löschen.
  • Zehnerübertrag im RW nur über 10 Stellen,
  • im UW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer schwarz),
  • ein gemeinsamer Schalter für Drehrichtung im UW und RW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar (nur bei angehobenem Schlitten),
  • Schlittenbewegung nur durch Anheben und Versetzen per Hand,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
3/1: Die Maschine zeigt ihr erfülltes Arbeitsleben: Bleche um die Hebel herum meist stark abgegriffen, einige Stoßstellen, linke Schlittenführung mit Ausbruch (hält aber); einwandfreie Funktion.

Einen Kommaschieber und die Gummifüße erneuert, eine gebrochene Ziffernrad-Achse durch Stahlstift ersetzt, eine Staffelwalze und die Schlittenführung nachjustiert, festgelötete Kurbel wieder abnehmbar gemacht, Ziffern im UW neu eingelegt, Messingteile und Kurbel poliert, fehlende Glocke ersetzt. Die abgegriffenen Stellen bleiben einstweilen, die wenigen erhaltenen Beschriftungen wären sonst auch weg.

Die originale Blechhaube fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 

Der Wiener Ingenieur Ludwig Spitz war Prokurist beim Berliner Rechenmaschinen­händler Amster (der erfand die Marke „TIM“). Amster ging 1906 in Konkurs, Spitz übernahm den Vertrieb und die Marke und entwickelte parallel dazu mit dem Konstrukteur Robert Rein neue, verbesserte Rechenmaschinen. Schon 1907 gründete er in Berlin eine eigene Herstellerfirma unter seinem Namen, bald kamen auch Auslandsvertretungen in New York, Paris und Wien dazu. Spitz selbst ging nach Wien zurück und erschloss von dort aus den Markt der K&K‑Monarchie. Sein Schwerpunkt blieb stets der Verkauf, eine Weiterentwick­lung der Maschinen fand kaum mehr statt. Die waren aber offenbar so fortschrittlich, dass sie sich trotzdem viele Jahre gut verkaufen ließen. Erst Ende der 20er-Jahre geriet die Firma gegenüber der Konkurrenz allmählich ins Hinter­treffen. Spitz begann schließlich damit, Maschinen anderer Hersteller zu verkaufen. Als Österreich an das Deutsche Reich angeschlossen wurde traten auch dort die Juden­gesetze in Kraft: Spitz musste 1939 seine Firma verkaufen und wurde 1942 ins Ghetto nach Riga deportiert. Danach verliert sich seine Spur, 1949 wurde er für tot erklärt.
Die Firma in Berlin änderte 1942 den Firmennamen in „TIM‑UNITAS“. Im Büromaschinen-Kompaß 1951 und 1955 wurde noch eine TIM 1 angeboten, aber möglicher­weise waren das Restbestände aus der Vorkriegszeit. Die Firma existierte als metallverarbeitender Betrieb bis 1961.

 
 

Schon 1884 erfand Dorr E.Felt den Comptometer. Diese „key‑driven adding machine“ und alle ihre Nachfolger nutzen sogenannte Schaltschwingen, die von den Tasten der jeweiligen Reihe verschieden weit herunter gedrückt werden. Beim Rücklauf stellen die Schaltschwingen die entsprechende Stelle im Resultatwerk weiter, was ggf. auch gleich einen Zehner­übertrag in die nächste Stelle macht.
Diese Geräte sind „Ein‑Spezies-Maschinen“, es gibt bei ihnen keine Vorrichtung zum Subtrahieren. Das geht nur über den Umweg der Ergänzungszahlen, die etwas kleiner auf der Tastatur stehen und dazu Eingabe der Korrektur­zahl (999...01, eine 0 weniger vor der 1 als der Subtrahend Stellen hat).
Benutzer solcher Maschinen lernten aber in Kursen das gleichzeitige und blinde Eingeben mehrerer Stellen, das Subtrahieren und die ebenfalls recht umständlichen Verfahren für Multiplikation und Division. Dabei wurde Wert darauf gelegt, dass man die Verfahren quasi „im Schlaf“ beherrschte. Diese Verankerung der Abläufe im Unbewussten und die schnelle Mechanik ermöglichten extrem schnelles Rechnen. Absolventen der entsprechenden Kurse waren daher begehrte Mitarbeiter.

 
 

Burroughs Calculator 5205

Ab 1912 kam der von William Seward Burroughs entwickelte „Calculator“ (ein Name, der seiner Zeit weit voraus war: „Calculator“ war damals eigentlich der Mensch vor der Maschine) auf den Markt. Das erste Modell (Nr. 520) sah dem Comptometer zum Verwechseln ähnlich, weshalb dessen Hersteller erfolgreich vor Gericht zog. Also wurde das Design ab 1915 so geändert, wie es dieses Exemplar zeigt. Diese Form wurde dann bis nach dem 2. Weltkrieg weitgehend beibehalten, nur die „Füßchen“ fielen später weg und das Schwarz-Grün wurde gegen Ende der Produktion zu modernem Dunkelgrau-Hellgrau. Auch Modelle mit zweitem Zählwerk (zum Aufsummieren von Einzelrechnungen) und/oder Elektromotor (für noch leichteren Tastendruck) wurden entwickelt.
Dieses Exemplar hat eine niedrige Seriennummer, es ist vermutlich 1919 gebaut worden. Der damalige Neupreis lag bei etwa 200 Dollar, also etwa 2.400 Mark. Das entsprach dem ungefähr 16‑fachen des tariflichen Durchschnittslohns eines Arbeiters. Dieser hohe Preis erklärt die geringe Verbreitung solcher Geräte in Europa.


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Burroughs
Calculator (Series 5)
S.Nr. 5-484672

26 x 39 x 13
5,2 kg
1912 - nach 1950
  • EW 9st.,
  • RW 10st.;
  • nur Addition,
  • Löschhebel.
  2/1: Drei Tastenköpfe und Löschhebel nicht original; einwandfreie Funktion.

Gehäuse neu lackiert, weitgehend unleserliche Tastenbeschriftung ergänzt, fehlende Tastenköpfe, Schrauben und den Löschhebel ersetzt.

Kurzanleitung geschrieben.
 

Die „American Arithmometer Corporation of St. Louis“ wurde 1886 gegründet. Zuerst wurden dort große druckende Addiermaschinen gebaut. 1904 zog die Firma nach Detroit um, sie nannte sich nun nach dem 1898 verstorbenen Erfinder „Burroughs Adding Machine Co.“ und wurde zum größten Addiermaschinen-Hersteller der USA. 1953 wurde der Name in „Burroughs Corporation“ geändert und man begann auch mit der Herstellung großer Computer.
1986 fusionierte Burroughs mit Sperry und wurde zu „Unisys“. Diese Firma stellt immer noch Mainframe-Computer her, ist aber auch in der Software-Entwicklung und vor allem als EDV-Dienstleister tätig.

 
 

Mercedes-Euklid 4

Ein Gehäuse aus Gusseisen, Stahl und massiven Messingplatten, darauf sitzt „huckepack“ (an Stelle der Einstellschieber der Vorgänger) die damals topmoderne Volltastatur. Das wirkt für heutige Sehgewohnheiten leicht unproportioniert bis skurril: Die Gestaltung erinnert an die ersten Autos, die eher nach Kutsche ohne Pferde aussahen und erst im Laufe der Zeit funktionellere Formen bekamen.
Hier ist eine Mechanik zur Werteübertragung verwirklicht, die es nur bei diesem Hersteller gibt: der Proportionalhebel. Je nach gedrückter Zifferntaste wird für jede Stelle ein Zahnrädchen auf eine von neun verschiedenen Zahnleisten geschoben. Die erste dieser Zahnleisten wird beim Kurbeln um eine gewisse Wegstrecke verschoben, die nächste doppelt so weit, die dritte dreimal so weit usw. - eben „proportional“. Die Zahnrädchen bewegen sich dann also je nach eingestellter Ziffer unterschiedlich weit und stellen das Resultatwerk entsprechend weiter (bei der zweiten Mercedes gibt's Bilder und Film). Diese Mechanik hat Christel Hamann um 1903 herum entwickelt.
Die Maschine hat schon optionalen Additionsmodus (Löschung der Eingabe nach jeder Kurbeldrehung), Zehner­übertrag im Umdrehungszählwerk und Stop-Division: Werte einstellen und Subtraktionen kurbeln, beim Unterlauf sperrt die Kurbel und man muss zwei Schalter umlegen, dabei springt der Schlitten eine Stelle weiter und man kann weiter­kurbeln. So wird das Dividieren weniger fehleranfällig.
Die Seriennummer lässt auf das Baujahr 1925 schließen. Das Gerät dürfte von einer der vielen Greizer Webereien angeschafft worden sein, überstand dort den 2. Weltkrieg und wurde nach der Verstaatlichung dieser Webereien erst beim VEB Webtex, dann beim VEB Greika benutzt. Als man sie dort (womöglich erst in den späten 70ern?) ausrangierte hat sie ein Angestellter mit nach Hause genommen und später einem Kollegen gegeben. Der hat sie mir dann verkauft.

Mercedes-Euklid
4
S.Nr. 9172

37,5 x 27,5 x 28,5
18,7 kg
1913 - 1927
  • EW 9st.,
  • UW 8st.,
  • RW 16st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschschieber für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schalter für Drehrichtung im UW,
  • Schalter für Drehrichtung im RW,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Schalter für Stoppdivision,
  • Schlittenvorlauf nur durch Schieben per Hand, Rücklauf (mit Federkraft) per Taste,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
3/2: Einige Stoßstellen und provisorisch retuschierte Lackschäden, aber Frontpartie bemerkenswert gut erhalten, Ziffern im UW teils in mäßigem Zustand, ein Hebelknauf nicht original; alles funktioniert jedoch wieder.

... nach dem Justieren von EW und Schlitten. Seiten entrostet und neu lackiert, Metallteile poliert, einige Tasten neu eingelegt, Ziffernräder ausgebessert, Serviceschildchen wiederhergestellt.

Ein Schreibmaschinen-Koffer aus Holz dient als Transportbehälter, kommentierter Nachdruck der Anleitung für Euklid 1 und 4 aus der Edition Greis (DANKE dafür!) erhalten.
 

Die Firma Mercedes hat nichts mit dem Automobil­hersteller zu tun. Gegründet wurde sie 1906 als Schreibmaschinen-Hersteller in Berlin. Ihre Namensänderungen zeigen die wechselvolle Geschichte: Ab 1908 zog die Produktion nach Zella-Mehlis und der Firmenname lautete „Mercedes Büromaschinen Ges.m.b.H.“, ab Ende 1916 (als auch die Verwaltung nach Zella-Mehlis zog) dann „Mercedes Bureau-Maschinen und Waffenwerke G.m.b.H.“, (1922 Produktion der weltersten elektrischen Büro-Schreibmaschine) ab 1927 „Mercedes Büromaschinen-Werke A.G.“, in der DDR dann „VEB Büromaschinenwerke Zella-Mehlis“ mit der Marke „Cellatron“. Unter dieser Marke wurden ab ca.1960 auch elektronische Geräte produziert, die Firma nannte sich daher ab 1967 „VEB Rechenelektronik Meiningen/Zella-Mehlis“ und ab 1977 „VEB Robotron-Elektronik Zella-Mehlis“. Nach 1990, in der Zeit der Verschleuderung des Volksvermögens der DDR, verlieren sich ihre Spuren dann schnell. Am Standort sind heute Behörden und eine Produktion der Schott Lithotec.
Das ursprünglich etwas lädierte Service-Schildchen zeigt, dass die Büromaschinen des VEB Webtex / VEB Greika von der privaten Werkstatt Kurt Fülle gewartet wurden. Auch die gibt es heute nicht mehr.

Infos zum Erfinder Hamann bei der Hamann Manus „C“.

 
 

Lindström Record

Diese eher seltene Staffelwalzenmaschine wurde von Hugo Cordt konstruiert. Erster Hersteller war eine Fabrik in Oldenburg, ab etwa 1920 wurde sie von der Carl Lindström AG in Berlin gebaut. Sie ist eine der ganz frühen Staffelwalzen-Maschinen mit Tasteneingabe, hat auch schon den optionalen „Additionsmodus“ (Eingabelöschung nach jeder Kurbeldrehung) und ist wohl die erste Maschine mit der schrägen Kurbelstellung, die der Anatomie des Bedieners sehr entgegen kommt. Der Schlitten muss hier noch per Hand versetzt werden, die Löschung der beiden Werke im Schlitten ist nur möglich wenn man ihn anhebt. Über den dazu genutzten großen Griff am Schlitten erfolgt auch die Umschaltung zwischen Addition und Subtraktion.
Für bessere Ablesbarkeit sind dicht nebeneinander stehende Ziffern gut. Hier erreichte man das durch versetzt angeordnete Staffelwalzen (die anders als überall sonst senkrecht stehen). Was aber fehlt ist eine Möglichkeit, Resultat- und Umdrehungs­zähl­werk gegenläufig zu schalten, das macht einige Rechnungen hier schwierig.
Die Seriennummer (falls sie wirklich stimmt, denn an vielen Stellen der Maschine sind auch andere Nummern eingestanzt) ist eine der eher hohen, aber man kann ihr kein genaues Baujahr zuordnen. Ich schätze es auf um 1925 herum.

Lindström
Record
S.Nr. 5908 (?)

37,5 x 36,5 x 20,5
12,9 kg
1913 - ca.1927
  • EW 9st.,
  • UW 9st.,
  • RW 16st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschschieber für RW und UW (nur bei angehobenem Schlitten),
  • Löschhebel für das EW (zugleich Schalter für den Additionsmodus)
  • Zehnerübertrag im RW nur über 13 Stellen,
  • im UW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer weiß),
  • ein gemeinsamer Schalter für Drehrichtung im UW und RW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar (nur bei angehobenem Schlitten),
  • Schlittenbewegung nur durch Anheben und Versetzen per Hand,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
2/1: Gehäuse mit vielen ausgebesserten Stoßstellen, insgesamt aber guter Gesamteindruck, Tastatur deutlich abgenutzt; funktioniert einwandfrei.

Gesamtlöschung und einige Federn im RW und UW justiert, zwei Federn im RW nachgebaut, verbogenen Drehrichtungsumschalter gängig gemacht, zu kurze Schraube der Kommaleisten- Federung ersetzt, Begrenzungen für korrekte Nullstellung der Eingabekontrolle in allen Stellen eingebaut, lose Tastenköpfe befestigt, fehlende Taste der „Dauer‑1“ ersetzt, Klingelleiste und Umstellung des UWs nachgefeilt, Metallteile poliert, abgebrochene Schraube ausgebohrt und neues Gewinde geschnitten, einige Ziffern in Tastatur, Ziffernrädern und Stellennummerierung sowie Schadstellen am Gehäuse durch Lackstift bzw. Teillackierung ausgebessert, zwei Füße ersetzt.

Kurzanleitung geschrieben.
 

Der Schwede Carl Elöf Lindström gründete 1897 in Berlin eine mechanische Werkstatt, in der anfangs Phonographen und Diktiergeräte gebaut wurden. 1908 wurde sie zur AG und man erweiterte das Geschäftsfeld auf die Produktion und den Vertrieb von Schallplatten. Zur Firma gehörten schließlich weltbekannte Label wie „Odeon“ und Lindström wurde in den 20er-Jahren zum international agierenden „Schallplattenkönig“. Die Rechen­maschinen blieben stets nur ein Randprodukt.
1926 erwarb die englische Columbia die Aktien­mehrheit, Columbia wiederum ging 1931 im EMI-Konzern auf. Der Name „Lindström“ hielt sich als GmbH noch bis 1972, als die Firma mit der Electrola zur EMI Electrola verschmolz.

 
 

Thales C

Das ist das Grundmodell der Thales-Sprossenrad-Maschinen mit Zehnerübertrag im Umdrehungs­zählwerk und mittlerer Kapazität. Darauf bauen die Modelle CE (mit Einstellkontrolle), CR (mit Rück­übertragung), CER (mit beidem) und CES (mit Einstellkontrolle und Speicherwerk) auf.
Dieses Exemplar von etwa 1920 hat noch eine ganz frühe Schlittenmechanik, aber schon den später üblichen Löschkamm und als Besonderheit ein Zugband mit starker Feder, wie man es sonst eher von Schreibmaschinen kennt. Das kann man zur Division in den Schlitten einhängen, ein Druck auf die Schlittentaste führt dann schon zur Stellenverschiebung.
Dieser Entwicklungsstand hat als weitere große Besonderheit eine seltsame Mechanik, die je nach erster Kurbeldrehung das Umdrehungszählwerk auf Plus- oder Minuszählung stellt: Das geht hier nicht per Drehrichtungsumkehr wie bei späteren Maschinen, sondern über einschiebbare Segmente mit neun Zähnen in jeder Stelle, die bei einer ersten „negativen“ Kurbeldrehung so verschoben werden, dass jeweils 99999999 abgezogen wird - was das Gleiche ist wie 1 dazu zu zählen! Ist die erste Kurbeldrehung dagegen „positiv“, dann bleiben diese Segmente ohne Kontakt zu den Ziffernrädchen, nur in der ersten Stelle dreht ein Einzahn das Rädchen um eins weiter. Löschen des Umdrehungszählwerks setzt diese Mechanik dann in Wartestellung zurück.

derzeit sieht's so aus:
Einzahn und Zahnsegmente:
Thales
C
S.Nr. 8854

27,5 x 12,5 x 10 (ohne Bodenplatte)
6 kg
1914 - 1940
  • EW+KW 9st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschkamm für EW,
  • 2 Flügelschrauben zur Löschung von UW bzw. RW.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Zählrichtung des UWs wird von erster Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich,
  • gefedertes Zugband, für Division einzuhängen.
-/-: derzeit zerlegt ... nur die nach 100 Jahren immer noch einwandfrei laufenden Sprossenräder nicht.

Flugrost an fast allen Metallteilen entfernt, Schlosskasten repariert und nachlackiert, Feder der Drehrichtungssperre nachgespannt, Zugbandhalter gerade gebogen, ausgebrochenes Ziffernrad neu aufgebaut ... jetzt steht noch an, einige Teile im Schlitten zu entrosten und die Deckbleche aufzuarbeiten.

 

Die Thaleswerke waren die erste Firmengründung von Emil Schubert, der das Konstruieren von Rechenmaschinen bei Triumphator erlernt hatte. 1911 machte er sich in Rastatt zusammen mit Geldgebern selbständig und entwickelte dort Sprossenrad-Maschinen, für deren fortschrittliche Konstruktion er viele Patente erhielt. 1936 wurde Schubert wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ von seinen Geschäftspartnern aus der Firma gedrängt. Nach dem Krieg wurden noch fast zwei Jahrzehnte lang erfolgreich Thales-Maschinen verkauft, doch 1965 meldeten die Thaleswerke Konkurs an.
Emil Schubert übrigens gab, wie man weiter unten sehen kann, die Entwicklung von Rechenmaschinen nicht auf.

 
 

Rema 1

Diese Maschine wurde vermutlich um 1918 herum gebaut. Sie hat noch keines der später üblichen Extras und noch nicht einmal eine Einstell­sperre (man kann also die Zahlen noch während des Kurbelns verstellen). Fortschrittlich sind aber schon das Miniaturformat (sie ist eine der kleinsten Sprossenrad-Maschinen überhaupt) und die Kurbellöschung der Zählwerke, die hier sogar eine Entspannung der Federn durch die außenliegenden gebogenen Hebel hat. Das haben andere Hersteller nur selten und erst nach 1945 so gebaut, es macht das Löschen leichtgängig und materialschonend. Insgesamt fällt die extrem präzise und hochwertige Verarbeitung auf: Viel Bronze und Messing, selbst die kleinen Kurbelgriffe sind aus Metall. Ungeachtet des sehr schlechten Zustands der Deckbleche: Nach nun über hundert Jahren reichten drei Tröpfchen Öl, dann lief das Maschinchen wieder einwandfrei und leicht.
Der damalige Preis ist unklar, aber die Verwendung ist bekannt: Die Maschine stammt aus Solingen und wurde für die Abrechnungen einer Gesenkschmiede benutzt (dort wurden Rasiermesser hergestellt). Ich bekam sie von den Enkeln der damaligen Inhaber.


mehr Infos bei
D.Bölter

Zustand vorher:

Rema
1
S.Nr. 2253

22 x 12,5 x 9,5
4,0 kg (mit Brett)
1915 - 1924
  • EW 9st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 1 Löschkamm und 2 Löschkurbeln.
  • im UW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot),
  • Aufhebung der Drehrichtungssperre möglich (und beim Löschen des EWs nötig).
2/1: Deckbleche teils restauriert, Seiten und Rückwand in sehr gutem Originalzustand, einige Chrombeläge abgeblättert; alle Funktionen einwandfrei.

Mehrere Deckbleche neu lackiert, abgestoßene Kurbelhalterung nachlackiert, gebrochene Feder im Löschkamm ersetzt.

Mit Bodenbrett, zugehörige Haube fehlt, Kurzanleitung geschrieben.
 

Die Rema GmbH in Hannover wurde kurz vor dem 1. Weltkrieg gegründet und bereits 1922 von Grimme, Natalis & Co. aufgekauft. Bis 1927 wurde dort weiterhin produziert, die Maschinen wurden teils als „Rema“, teils als „Brunsviga“ verkauft. Dann wurde die Produktion nach Braunschweig verlegt, die Marke Rema wurde bis in die 50er-Jahre nur noch für einige ins Ausland exportierte Maschinen genutzt.
Das schöne Schildchen des damaligen Solinger Büromaschinen-Händlers verweist ebenfalls auf eine nicht mehr existierende Firma.

 
 

Rechenaffe „Consul“

Das hier ist eigentlich eher ein Lernspielzeug, Kinder sollten damit das kleine Einmaleins üben. Der Rechenaffe wurde um 1915 herum entwickelt, doch bis heute werden Replikas aus Pappe, Plastik oder wie hier aus Blech gebaut. Dieser recht originalgetreuen Replika fehlte nur die einhängbare Additionstafel des Originals, ich habe inzwischen eine nachgedruckt.
Aufgrund der heute anscheinend unvermeidlichen Warnhinweise („Zum Spielen nicht geeignet, Blech kann scharfe Kanten haben“ ... sind heutige Kinder eigentlich dümmer oder empfindlicher als damals?) vermute ich, dass heute alle Rechenaffen bei Erwachsenen landen, obwohl diese das kleine Einmaleins im Schlaf können sollten. Auch diesen Rechenaffen hat kein Kind jemals angefasst, den bekam ich zum 60.Geburtstag geschenkt.


Consuls Urahn und Verwandte bei
W.Denz
   
DBS (Düsseldorfer Blechspielwaren)
Consul the Educated Monkey

14,5 x 15,5 x 1,5
110 g
1915 - heute
  • Eingabe ganzzahliger Faktoren von 1‑12 über die „Füße“,
  • Anzeige des Produkts (bzw. der Summe) zwischen den „Händen“.
  1/1: Neuwertig,
Mit Umkarton, Anleitung ist aufgedruckt.
 
 

Schon früh wurden kleine, billige Rechen­hilfen „für Jedermann“ entwickelt und vertrieben. Sie waren noch billiger und einfacher als die Kleinaddierer. Das Prinzip des Zahlenschiebers war bereits vor 1600 bekannt, aber erst 1847 fand Hermann Kummer einen Weg für den „halbautomatischen“ Zehner­übertrag (die „Kurve“ ganz oben in der Rille). Ab 1889 wurden Zahlenschieber in größeren Mengen produziert, ab 1920 wurden sie zum erfolg­reichen Massenprodukt. Anfang der 70er-Jahre stellten die meisten Firmen die Produktion ein, denn die Elektronik trat ihren Siegeszug an. Einzelne Zahlenschieber wurden noch bis Ende der 80er-Jahre gebaut, in manchen Weltgegenden war man noch lange froh über preiswerte Geräte, die ohne Strom und Batterien funktionierten und in den USA gab es noch Bedarf nach speziellen Zahlenschiebern für die komplizierten amerikanischen Längenmaße.

 
 

Addiator

Diese ersten in Serie gefertigten Zahlenschieber von Addiator brachten den Durchbruch für die Gerätegattung und der Markenname wurde zum Synonym für alle Zahlenschieber (wie „Tempo“ für's Taschentuch). Das Modell hat im Gegensatz zu allen später gebauten Addiatoren keinen eigenen Namen, es wird heute als Basismodell bezeichnet. Damals war es einfach „der Addiator“.
Auf diesem Gerät steht noch auf englisch „Patente beantragt“, denn erst 1923 wurde in Deutschland eins erteilt. Geschützt wurden darin vor allem die Zweiseitigkeit (eine Seite zum Addieren, die andere zum Subtrahieren) und die rote Färbung um die Einstecklöcher, in denen man „nach oben und um die Ecke“ ziehen muss, um den Zehner­übertrag zu machen.
Damit ist die Bedienung bereits halb erklärt: Man steckt den Griffel in jeder entsprechenden Stelle in das Loch neben der zu addierenden Ziffer und zieht nach unten zum Anschlag. Wenn man aber „ins Rote“ steckt, dann nach oben zum Anschlag, nach links und wieder bis zum Anschlag (also die höhere Stelle um eins) nach unten. Das macht man für alle Stellen der zu addierenden Zahl, dann steht das Ergebnis in den Schaulöchern oben. Auf der Rückseite wird entsprechend subtrahiert.


mehr Infos bei
F.Diestelkamp

viele Anleitungen im
Addiator
(Basismodell)
S.Nr. M054624

11 x 17,5 x 1
195 g
1920 - 1921
  • Eingabe über 9 Schieber,
  • Addition, Subtraktion (nicht unter Null!),
  • Löschschieber.
  • eine Seite (gold) zum Addieren, eine (silber) zum Subtrahieren.
2/1: Einige Kratzer; alle Schieber wieder leichtgängig.
Originalgriffel fehlt, Griffel aus Palm-Stift und Metallspitze zurechtgefeilt, Anleitung im Internet gefunden.
 

Die Geschichte der Firma Addiator wird auf Addiator.de wunderschön erklärt. Hier nur die wichtigsten Daten: Gründung als GmbH im Februar 1920 durch Carl Kübler in Berlin, 1933/34 Umwandlung in eine Einzelfirma, im 2.Weltkrieg (natürlich) vorwiegend Kriegsproduktion, ab 1945 Übernahme durch die Tochter Margot, ab 1958 Verlegung der Produktion nach Wolfach im Schwarzwald, 1974 Ende der Produktion bei Addiator, 1975 Löschung der Firma, aber bis 1990 noch geringe Produktion von Addiatoren bei der „Metallindustrie Gutach“.

 
 

Brunsviga MH

Diese Sprossenrad-Maschine ist schon eine der M(iniatur)-Maschinen von Brunsviga. Sie wurde 1924 gebaut, die Flügelschrauben und die Schlitten­mechanik verraten das Alter. Die Anzeige oben ist keine Einstell­kontrolle, wie sie später zum Standard wurde, sondern ein zweites Umdrehungs­zählwerk, das sogar schon Zehner­übertrag hat. Dadurch konnten z.B. Ergebnisse von Divisionen einzeln angezeigt und gleichzeitig aufsummiert werden. Das obenliegende Zählwerk mit der beweglichen Blende und (je nach erster Umdrehung) weißen oder roten Ziffern wurde bei Brunsviga bald üblich, nur wenige der späteren Maschinen besaßen noch ein Zählwerk im Schlitten.
Das zweite Zählwerk ließ sich GN&Co. gut bezahlen: 1921 kostete eine MH 675 Reichsmark (etwa sechs Monatslöhne). Solche Maschinen waren also nicht sehr häufig, doch die MH wurde immerhin knapp 6.000 Mal gebaut.
Das Gerät fand jemand beim Ausräumen von Großvaters Keller. Der hatte in Rüsselsheim bei Opel gearbeitet, wahrscheinlich hat er die MH von dort mitgebracht als sie ausgemustert wurde.
Gekauft wurde die Maschine damals bei der Generalvertretung Berg in Frankfurt.

   
Brunsviga
MH
S.Nr. 64453

24,5 x 16,5 x 13 (ohne Kasten)
6,5 kg (mit Brett)
1920 - 1926
  • EW 9st.,
  • 1.UW 8st.,
  • 2.UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 4 Flügelschrauben zur Löschung der vier Werke.
  • Zehnerübertrag auch im oberen UW,
  • im oberen UW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung nach Löschung negativ ist,
  • unteres UW mit weißen Ziffern 0‑8 und roten Ziffern 1‑9,
  • 2 Anzeigen von + und - für oberes UW und letzte Kurbeldrehung.
3/1: Furnier des Bodenbretts stark beschädigt, Deckbleche mit vielen Lackschäden, sämtliche Schriften und Nickelteile aber erstaunlich gut erhalten. Alle Funktionen einwandfrei und leichtgängig.

Alle nicht vernickelten Metallteile entrostet und poliert, soweit sie ohne Zerlegung der Werke erreichbar waren, schwergängige Schiebeblende durch Zurechtbiegen und Polieren wieder gängig gemacht, zwei Gummifüße erneuert, Furnier der Bodenplatte festgeklebt. Den letzten originalen Kommaschieber mit zwei provisorischen Schiebern ergänzt.

Mit Bodenbrett und Blechhaube, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Comptometer H

Die Comptometer von Felt&Tarrant wurden schon 1884 erfunden und sind damit das „Original“ dieser Maschinengattung, Burroughs und andere haben das dann kopiert. Schon der Tastendruck (genauer: das Loslassen) bewirkt das Summieren zur Anzeige, was diese Geräte bis heute zu den schnellsten Addierern überhaupt macht. Alle weiteren Grund­rechenarten sind mit speziellen, damals in Kursen erlernten Verfahren auch zu rechnen.
Von Serie zu Serie gab es Verbesserungen und Änderungen. Ein frühes Merkmal der Comptometer sind die kleinen Tasten, mit denen man den Zehner­übertrag unterbrechen kann, so wird die Subtraktion deutlich einfacher. Ab der F‑Serie hatten die Comptometer eine Sicherung gegen unvollständiges Drücken der Taste: Dann blockiert die Tastatur, bis man die betreffende Taste ganz und danach einen kleinen Löseknopf drückt. Ab der H‑Serie klingelt dann beim ersten Tastendruck nach der Löschung ein Glöckchen, das soll dem Bediener zeigen, dass er seine Rechnung auf einer korrekt gelöschten Maschine beginnt. Eine sehr gute Idee sind auch die Öllöcher, wegen denen die Maschine zur normalen Wartung nicht geöffnet werden muss. Auch da sollte es offenbar schnell gehen!
Comptometer gab es meist mit 8, 10 oder 12 Stellen, häufig auch mit Tastenreihen für nichtdezimale Währungen. Dieses Exemplar mit normaler Tastatur ist ungefähr 1924 gebaut worden. Die Plakette ist deutsch beschriftet, die Maschine wurde also bereits damals nach Deutschland exportiert. In den USA kostete so ein Modell etwa 400 $, es dürfte daher in Deutschland deutlich über 1.500 RM gekostet haben.


mehr Infos bei
J.Scherphuis

Funktion des Comptometers im
Youtube-Video
 
Felt & Tarrant
Comptometer H
S.Nr. 232615

27 x 38 x 14,5
9,6 kg
1920 - 1926
  • EW 10st.,
  • RW 11st.;
  • nur Addition,
  • Löschhebel.
  • Sicherung gegen unvollständigen Tastendruck.
2/1: Guter Gesamteindruck, aber viele kleine Gebrauchsspuren; Funktion einwandfrei.
Anleitung im Internet gefunden.
 

Dorr Eugene Felt (seine Eltern hießen noch „Filz“) war Vorarbeiter eines Walzwerks. Ab 1884 (mit 22 Jahren) begann er mit der Entwicklung einer neuartigen Addier­maschine. In den folgenden Jahren erhielt er die Unter­stützung wechselnder Geschäftspartner, zuletzt von Robert Tarrant, dem Inhaber einer Maschinenfabrik in Chicago. 1889 gründeten dort beide gemeinsam die „Felt & Tarrant Manufacturing Co.“. Ab 1957 nannte sich die Firma „The Comptometer Co.“, 1961 fusionierte die Firma mit dem Rechenmaschinen-Hersteller Victor zur „Victor Comptometer Corporation“, die Namensrechte für Großbritannien wurden an den Hersteller der Sumlock verkauft. 1973 endete die Produktion mechanischer Rechen­maschinen, doch Teile der Firma haben als „Victor Technology“ überlebt und verkaufen (eingekaufte) Bürotechnik, darunter auch einige Rechner.

 
 

Triumphator C

Modell C ist die erste „kleine“ (und „nur“ etwa 8 kg schwere) Sprossenrad-Maschine des Herstellers. Vorgänger war die technisch fast gleiche, aber viel größere (und doppelt so schwere) Triumphator 1. Von Anfang an hatten die Triumphator-Maschinen eine Einstellkontrolle und sehr früh auch schon den Zehner­übertrag im UW. Modell C wurde sehr erfolgreich und ist der Vorläufer der später weit verbreiteten CR-, CN- und CRN‑Modelle.
Das Alter der Maschine ist am Schlittentransport, den Löscheinrichtungen und der Beschriftung schon erkennbar. Die Serien­nummer datiert sie dann genau auf das Jahr 1924.
Diese Maschine stammt ebenfalls aus Greiz (und war der „Beifang“ beim Abholen der Euklid 4), damit wurden mal in einem Lebensmittelgeschäft in Auerbach (Vogtland) Löhne, Preise und Inventuren gerechnet. In der Preisliste von 1925 steht das Modell mit 492 Reichsmark (ca. vier Monatslöhne), für 25 Mark mehr gab es da schon eine etwas weiter entwickelte „C“ mit Hebellöschung.

   
Triumphator
C
S.Nr. 36450

31 x 15 x 12 (ohne Kasten)
7,2 kg
1920 - 1934
  • EW+KW 9st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Flügelschrauben für Löschung von RW und UW, Löschklappe für das EW.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Schalter für Drehrichtung im UW,
  • Überschleuderungskorrektur der Einstellkontrolle (nur bei entriegelter Kurbel bedienbar).
2/2: Lack an den Schiebern etwas abgegriffen, sonst gut erhalten; Kommaschieber des EWs fehlen, alles andere funktioniert einwandfrei.

Ein Sprossenrad wieder gängig gemacht, Kastenschlüssel ersetzt, Deckblech teils neu lackiert, Ziffern neu eingelegt. Jetzt fehlt nur noch eine neue Kommaschieber-Leiste...

Mit Bodenbrett und Blechhaube, Kurzanleitung geschrieben.
 

Triumphator war einer der großen Hersteller von Sprossenrad-Maschinen. 1900 wurde in Leipzig eine kleine Röhrenfabrik gegründet, in der man sich ab 1903 am Bau erster Rechenmaschinen versuchte. Das war offenbar erfolgreich, denn schon 1908 firmierte die Fabrik als „Triumphator Rechenmaschinenfabrik GmbH“. Nach dem 1. Weltkrieg stiegen die Verkaufszahlen erheblich an, bis in DDR-Zeiten (dann natürlich als VEB) wurden noch Rechenmaschinen gebaut. 1963 endete allerdings die Produktion mechanischer Rechner und Triumphator wurde Zulieferer für andere Firmen. 1969 wurde Triumphator in das Robotron-Kombinat eingegliedert und produzierte bis zur Zerschlagung des Konzerns 1990 vor allem elektronische Baugruppen für DDR‑Computer. Die westdeutsche Firma Steinel übernahm danach einen Teil der Gebäude, des Archivs und des Personals.

 
 

そろばん (Soroban)

Die Japaner entwickelten den im 16. Jahrhundert bei ihnen eingeführten Suan Pan weiter. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts fiel zuerst die zweite Fünfer-Perle im „Himmel“ weg (weil in Japan nie hexadezimal gerechnet wurde), um 1920 herum dann auch noch die fünfte Einer-Perle in der „Erde“ (als Anpassung an das Dezimalsystem). So wurde die Bedienung deutlich beschleunigt.
Auf dieser letzten Entwicklungs­stufe steht das hier gezeigte Modell. Es hat 23 Stellen, viel mehr als die meisten Taschenrechner schaffen. Die hohe Stellenzahl ist nützlich für das Festhalten von Zwischenergebnissen, schnelle Multiplikation und Division (die z.T. unseren Methoden mit Papier und Bleistift ähneln).
Das Gerät ist aus Holz und Bambus gebaut. Die flache Form der Perlen ist für den japanischen Soroban typisch.


traditionelle Soroban-Herstellung im
Youtube-Video
 
Tomoe
Soroban No.43150

33 x 6,5 x 2
160 g
ca.1920 - heute
  • 23 Bambusstäbchen und 115 Holzperlen
    oder technisch:
    ein 23stelliges Rechenregister
  • Markierungen an jeder 3. und 6.Stelle
1/1: nur minimale Gebrauchspuren.
Anleitung im Internet gefunden.
 

Tomoe wurde 1918 von Yuji Fujimoto gegründet. Ab 1948 hieß die Firma Tomoe Abacus Co. Ltd. und sie existiert auch heute noch. Vermutlich ist das nun der einzige Soroban-Hersteller weltweit. Die Firmen-Webseite ist sehenswert, der Browser sollte dazu aber ein Übersetzungs-Tool haben.

 
 

Kuhrt A2

In den von Ernst Kuhrt entwickelten Maschinen werden die Eingabewerte auf besondere Weise übertragen: Sie haben Axial-Sprossenräder, d.h. hier werden Sprossen nicht radial nach außen sondern zur Seite geschoben und bekommen damit Kontakt zu den Zahnrädchen des Resultatwerks. Das ist so nur von wenigen Herstellern gebaut worden.
Dieses Modell hat die Kapazität 8-8-13 und nur den optionalen Additionsmodus als „Extra“. Es gab auch Modelle mit mehr Stellen und solche mit Speicherwerk und Rückübertragung; außerdem konnte damals schon an jedes Modell ein Elektro­motor mit Multiplikations-Wahltasten angebaut werden. Für diese Zeit war das recht modern, ebenso wie die Volltastatur und der Gleitschlitten, der zum Versetzen und Löschen nicht mehr angehoben wird.
Die Seriennummer der Maschine deutet auf ein Baujahr um 1924. Über ihre Verwendung oder den damaligen Preis ist nichts bekannt, sie stammt aus der Sammlung von Th.Russo.


mehr Infos (mit Video) bei
C. Vande Velde
Bilder aus der Renovierung:
vorher:             Walze frei:       Tastaturzerlegung:    halb neu, halb alt:
Kuhrt
A2
S.Nr. 654

31,5 x 40 x 15,5
14,1 kg
1923 - 1928
  • EW 8st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • im UW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer weiß),
  • Ziffern im RW und UW direkt einstellbar,
  • Feststeller für die 1 der linken Kolonne (Zähler mit Übertrag!),
  • Löschhebel im EW ist zugleich Schalter für Additionsmodus.
2/1: Gehäuse ohne Lackschäden, Tasten deutlich gebraucht, Ziffern im Kontrollwerk kontrastarm; funktioniert wieder einwandfrei.

Schlitten zerlegt, Bleche neu lackiert, fehlende Glocke und Hammer ersetzt, Ziffern im RW neu eingelegt, alle Metallteile entrostet und poliert, einen Hebel- und den Kurbelgriff ausgebessert (mit 2-Komponenten-Kitt), verbogene Kurbel gerichtet, Tastatur zerlegt und entrostet, Gehäuse und Kommaleisten komplett neu lackiert, einige Tasten neu eingelegt und einige neu aufgebaut, Tastenzungen mit Hammer und Rohrzange(!) justiert.

Kurzanleitung geschrieben.
 

Hersteller der Maschine waren die „Deutschen Rechenmaschinenwerke A.G.“ in Leipzig, trotz des großen Namens eher eine der kleineren Firmen, die nur etwa zweitausend Maschinen gebaut hat. Sie wurde vermutlich kurz nach dem 1. Weltkrieg von Ernst Kuhrt gegründet, wann genau ist unklar.
Klar ist aber, dass die Firma schon 1927 von Grimme, Natalis & Co. („Brunsviga“) aufgekauft wurde, ein Jahr später endete die Produktion.

 
 

Brunsviga M III

Nur wenige Jahre nach der MH entstand diese Sprossenrad-Maschine, deren Bauweise zum Vorbild der meisten späteren Brunsvigas wurde. Sie ist ein Produkt der zugekauften Tochterfirma Rema und vereint fortschrittliche Merkmale beider Firmen. Die Einstellkontrolle durch Ausschnitte neben den Einstellhebeln setzte sich nicht durch, findet sich aber später z.B. bei der Brunsviga 10. Die bequemen Löschhebel, die komfortable Schlittenverstellung sowie das obenliegende UW finden sich aber bei praktisch allen späteren Brunsviga-Sprossenradmaschinen.
Das Gerät hat der Vorbesitzer auf einem Flohmarkt gefunden, die frühere Verwendung ist daher leider unbekannt. Die Seriennummer datiert es auf das Jahr 1927, der damalige Neupreis lag bei 650 Reichsmark (knapp 4,5 Monatslöhne).


PDF zu Rema/Brunsviga im


Zustand nach Reinigung:



Brunsviga
M III
S.Nr. 110644

26 x 18 x 16
7,5 kg
1925 - 1927
  • EW 9st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschhebel und eine Löschkurbel.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • im UW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im UW,
  • Löschanzeige im UW.
2/1: Nur am Sockel noch deutliche Gebrauchsspuren; alle Funktionen wieder einwandfrei und leichtgängig.

Extrem große und kompakte Staubmäuse, mehrere kleine Holzstückchen und ein Schraubhaken(!) aus Einstellung und Schlittentransport entfernt, Deckbleche neu lackiert, Beschriftungen neu eingelegt, abgebrochenen Griff der Löschkurbel und Widerlager-Block rechts vorne ersetzt, Füße erneuert.

Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Brunsviga Nova II

Ab 1925 erneuerte Brunsviga die Produktpalette und brachte mehrere Modelle mit der Bezeichnung „Nova“ heraus. Die neuen Sprossenrad-Maschinen hatten nun auch die Rückübertragung von Zahlen aus dem Resultat- ins Einstellwerk. Damit wurden Kettenmultiplikationen ohne die fehlerträchtige Neueingabe der Vorergebnisse möglich. Für den Hersteller war vor allem wichtig, dass man nun zur modularen Bauweise überging: Möglichst viele Teile der verschiedenen Modelle sollten gleich sein und damit der ganzen Serie als Bau- und Ersatzteil zur Verfügung stehen. Das senkte Entwicklungs-, Produktions- und Lagerkosten.
Die ersten Nova-Modelle waren vergleichsweise riesig, auch die Nova II ist noch groß und schwer. Sie ist extrem solide gebaut, auch nach über 90 Jahren läuft alles leicht und rechnet richtig. Dieses Exemplar hat noch den Plus‑/Minus-Anzeiger an der Kurbelbasis, der bei späteren Novas fehlt. Sein Baujahr ist 1927, der damalige Neupreis betrug 720 RM (etwa fünf Monatslöhne). Es wurde bis in die 60er‑/70er-Jahre von einem Abteilungsleiter im Rechnungswesen der Frankfurter Metallgesellschaft benutzt.

   
Brunsviga
Nova II
S.Nr. 107555

36 x 26,5 x 17,5
12,5 kg
1925 - 1937
  • EW 10st.,
  • UW 10st.,
  • RW 15st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • im UW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im UW,
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Anzeige des Drehsinns der letzten Kurbeldrehung,
  • Anzeige der unvollständigen Löschung in allen Werken.
1/1: Deckbleche erstaunlich gut erhalten, relativ geringe Gebrauchsspuren und kaum Kratzer. Alle Funktionen einwandfrei und leichtgängig.

Geräuschdämmung an der Einstellsperre durch Unterlage verbessert.

Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Comptometer J

Das Modell H des Comptometers unterscheidet sich kaum vom Vorgänger. Intern gibt es einige kleine Verbesserungen, aber die Bedienung ist völlig identisch. Auch hier gibt es die Sicherung gegen unvollständiges Drücken und das Glöckchen - und auch wieder die Öllöcher.
Dieses Exemplar hat 12 Tastenreihen. Sein Baujahr ist vermutlich 1931. Die Plakette ist wieder deutsch beschriftet. Noch nach dem Krieg war es in einem Berliner Etikettenhandel im Einsatz. Zwölfstellige Modelle dürften in Deutschland um die 2.000 RM gekostet haben, also mehr als 10 Monatslöhne.

     
Felt & Tarrant
Comptometer J
S.Nr. J271268

31 x 38 x 14,5
11,1 kg
1926 - 1938
  • EW 12st.,
  • RW 13st.;
  • nur Addition,
  • Löschhebel.
  • Sicherung gegen unvollständigen Tastendruck.
2/1: Guter Gesamteindruck, aber viele kleine Gebrauchsspuren und eine abgegriffene Ecke; Funktion einwandfrei.

Einige schiefe Tasten wieder gerade gebogen, Zelluloid hinter den Fenstern des Ergebniswerks für bessere Sicht umgedreht, fehlenden Kopf der Entsperrtaste ersetzt.

Anleitung wie beim Comptometer H.
 
 

Rheinmetall Id

Diese Maschine wurde wegen ihrer für die damalige Zeit sehr fortschrittlichen Konstruktion zur Grund­lage vieler anderer, z.T. bis 1957 gebauter Modelle. Entwickelt hat sie Richard Berk, der zuvor bei Ludwig Spitz gearbeitet hat. Eine Besonderheit ist, dass eine Staffelwalze für zwei Stellen zuständig ist. Das ermöglicht den platzsparenden Aufbau mit eng beieinander liegenden (und daher gut ablesbaren) Ziffern. Das Modell hat außerdem Zehner­übertrag im Umdrehungszählwerk, optionalen Additionsmodus, direkt einstellbare Ziffern im Resultatwerk und vor allem den Gleitschlitten: Der muss nun zum Verschieben oder Löschen nicht mehr angehoben werden. Das ist die Voraussetzung für die spätere Automatisierung.
In einer Art Baukasten-System konnten Maschinen auf dieser Basis auch mit höherer Kapazität, mit Elektromotor, Speicherwerk und vielen anderen „Extras“ geliefert werden.
Die Seriennummer dieses Exemplars deutet auf ein Baujahr um 1936. Es stammt aus einer alten Molkerei in Kotthausen (bei Gummersbach).

   
Rheinmetall
Id
S.Nr. 22983

35 x 31,5 x 21,5
9,3 kg
1926 - 1945
  • EW 7st.,
  • UW 6st.,
  • RW 12st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für das EW,
  • 2 Schieber zur Löschung von UW bzw. RW.
  • Zehnerübertrag auch im UW, im RW nur über 11 Stellen,
  • Minus-Taste (einrastend) kehrt Drehrichtung im RW um,
  • gedrückte Korrektur-Taste kehrt Drehrichtung in RW und UW um,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Taste (einrastend) für Additionsmodus,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
3/1: Tastatur mit starken Gebrauchsspuren; alles funktioniert einwandfrei.

Zehner­übertrag der 11.Stelle gängig gemacht, Lackierung an den Kanten aufgefrischt, viele Ziffern neu eingelegt.

Kurzanleitung geschrieben.
 

Rheinmetall verbindet man heute eher mit Kanonen und Leopard-Panzern, aber aufgrund des Versailler Vertrags musste das 1889 in Düsseldorf gegründete Rüstungsunternehmen neue Geschäftsfelder suchen. So kam man auf Schreib- und Rechen­maschinen, die in der 1901 über­nommenen Fabrik in Sömmerda gebaut wurden. Auch als die Waffen­produktion wieder begann stellte man dort weiter Rechen­maschinen her, nun unter der Marke „Rheinmetall-Borsig“.
Nach dem 2. Weltkrieg trennten sich die Wege der west- und ostdeutschen Fabriken: In Düsseldorf wurden anfangs diverse zivile Produkte wie z.B. Aufzüge oder Stoßdämpfer gebaut. Zwei Addier­maschinen wurden neu entwickelt und mit geringem Erfolg vertrieben. Mit Gründung der Bundeswehr kehrte man zur Waffenproduktion zurück und ist damit auch heute leider erfolgreich.
Das Werk in Sömmerda wurde erst sowjetischer Staatsbetrieb und produzierte Büromaschinen für Reparationslieferungen in die UdSSR. Ab 1952 wurde Rheinmetall zum VEB, es wurden auch Fotoapparate und anderes gebaut.
1962 brachte man den ersten elektronischen Fakturierautomaten unter der Marke „Soemtron“ auf den Markt, 1969 den ersten elektronischen Tischrechner. Ab 1969 gehörte die Fabrik zum Kombinat Zentronik, die Produktion mechanischer Maschinen endete ungefähr zu dieser Zeit. 1978 wurde die Fabrik Teil des Robotron-Kombinats und war führend in der Computer-Produktion der DDR. 1992 wurde das Werk jedoch im Rahmen der Veruntreuung des DDR‑Vermögens liquidiert.

 
 

Hamann Manus „C“

Auch wenn diese Maschine wie eine Sprossenrad-Maschine „Typ Odhner“ aussieht: Das hier ist eine der selteneren Maschinen mit Schaltklinken. Dieses Schaltprinzip (Erfindung kurz nach 1700 durch Leupold, von Chr. Hamann perfektioniert) führte immer ein Nischendasein, vielleicht wegen den durch die komplexe Bauweise bedingten hohen Servicekosten, vielleicht auch nur, weil Sprossenrad und Staffelwalze besser vermarktet wurden.
Dieses Modell hat eine Ausstattung, die für Ende der 20er-Jahre geradezu luxuriös war: feststehende Einstellhebel, optionaler „Additionsmodus“, direkt einstellbares Resultatwerk und wie fast alle (außer den ganz frühen) Hamann-Maschinen die automatische Division: Wird ein Unterlauf erkannt, dann bewirkt die nächste Kurbeldrehung eine Korrektur, danach läuft der Schlitten von selbst in die nächste Position (Kurbeln muss man natürlich noch).
Die Maschine hieß offiziell einfach nur „Manus“, das „C“ ist nur eine Vereinbarung unter Sammlern, um den Entwicklungsstand der fortlaufend weiter entwickelten Maschine zu bezeichnen.
Bei diesem Exemplar sind die beiden Werke im Schlitten nur zu löschen, wenn dieser am linken Anschlag ist, auch für die Voreinstellung von Dividenden ist das z.T. nötig. Die Schlitten­bewegung mit einer Daumen­taste rechts und einem Hebel ganz links (der zugleich Transportsicherung ist) wirkt ebenfalls noch recht archaisch.
Die Seriennummer ist eine der ganz niedrigen des Entwicklungsstands, das Baujahr ist wahrscheinlich noch 1927.


Firmenbezeichnung:


Hamann
Manus „C“
S.Nr. 1897

26,5 x 15,5 x 14
6,0 kg
1927 - 1939
  • EW+KW 9st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 1 Löschtaste und 2 Flügelschrauben zur Löschung der drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Schalter für Drehrichtung im UW,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar, Subtraktion per Umschalter,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Lösehebel für blockierte Kurbel,
  • rechte Flügelschraube löscht fakultativ beide Werke,
  • an der Löschtaste auf Additionsmodus schaltbar,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel,
  • „automatische“ Division,
  • keine Überlaufglocke, sondern optische Überlaufanzeige.
2/2: Kommaschieber-Leiste am RW fehlt, eine Hebelkappe provisorisch ersetzt, nur wenige Lackschäden; alles funktioniert einwandfrei, wenn auch nicht immer ganz leichtgängig.
Anleitung der sehr ähnlichen Manus „F“ im Internet gefunden.
 

Christel Bernhard Julius Hamann war Mechaniker und Ingenieur. Er arbeitete erst u.a. bei A.Ott in Kempten und bei Carl Zeiss in Jena, gründete 1896 sein eigenes „Mathematisch-mechanisches Institut“ (heute würde man Ingenieurbüro dazu sagen) und entwickelte dort neue Rechenmaschinen und Schaltprinzipien (eine seiner Maschinen, die „Gauss“, schlägt die Brücke von den frühen „Rechenuhren“ hin zur Curta).1907 übernahm Mercedes das Institut, ab 1922 arbeitete Hamann dann für die Deutschen Telefonwerke (ab 1928 „DeTeWe“). 1948 starb Hamann, zehn Jahre später verkaufte die DeTeWe die ganze Rechnerfertigung an Smith-Corona-Marchant. SCM gründete die Tochtergesellschaft Hamann GmbH und produzierte dort weiterhin Rechner. In den frühen 70er-Jahren stellte man aber unter dem Ansturm der Elektronik die Rechnerproduktion komplett ein, die Marken Hamann und Marchant erloschen.
DeTeWe gibt es nach vielen Verkäufen heute noch als Ostertag DeTeWe.

 
 

Marchant H9

Das Schaltwerk der H9 hat Stellsegmente. Die sehen auf den ersten Blick zwar fast wie Sprossenräder aus und arbeiten ähnlich, aber hier werden nicht einzelne Sprossen ausgefahren, sondern der gesamte "Kiefer" mit den neun Zähnen schwenkt beim Drehen kürzer oder länger nach vorn und dreht die Zählwerksrädchen entsprechend weniger oder mehr (unten ist ein Link zu einem Video dazu, allerdings bei einer anderen Maschine).
An Extras gibt es den Zehner­übertrag im Umdrehungszählwerk, den optionalen „Additionsmodus“ und eine hohe Kapazität. Vor allem aber hat diese Maschine die bequeme und schnelle Einstellung per Tastatur. Mit den vielen Tasten funktionieren die „klassischen Tricks“ für Standard-Sprossenrad-Maschinen noch: einen Wert der Eingabe schnell in einen ähnlichen umstellen, Dreisatz in einem Zug rechnen, Wurzeln mit dem Toepler-Verfahren ziehen, Eingabe für ein zusätzliches Zählwerk teilen. Weil die Eingabe wahlweise nach jeder Rechnung gelöscht wird macht das Addieren viel mehr Spaß als mit einer „klassischen“ Sprossenrad-Maschine.
Die Seriennummer dieses Exemplars ist noch vierstellig, es hatte keine Seitendekoration, aber noch die Aussparungen und Schrauben dafür und auch schon die Doppelfunktion der Löschkurbel. Das lässt als Baujahr 1933 vermuten.


Stellsegmente einer Wenhua in Aktion (OGM, 15 MB!)
 
Marchant
H9
S.Nr. 8122

34,5 x 35,5 x 19,5
13,0 kg
1927 - ca.1940
  • EW+KW 9st.,
  • UW 9st.,
  • RW 18st.;
  • Grundrechenarten,
  • 1 Löschtaste für das EW,
  • 1 Löschkurbel für UW und RW.
  • Zehnerübertrag auch im UW, im RW nur über 13 Stellen,
  • Schalter für Drehrichtung im UW,
  • mitlaufender Stellenzeiger im UW,
  • Schalter für Additionsmodus.
2/1: Kanten der Seitenbleche deutlich verschrammt, Zifferntasten und Deckbleche sonst ungewöhnlich gut erhalten; alles funktioniert wieder einwandfrei.

Tastatursperre nachjustiert, Plexiglasscheibe der Eingabekontrolle ausgetauscht, Lackschäden retuschiert, neue Gummifüße untergesetzt, Seitenplaketten und Logo nachempfunden.

Kurzanleitung im Internet gefunden.
 

Rodney H. Marchant verkaufte ab spätestens 1910 Rechenmaschinen diverser europäischer Hersteller. 1915 gründete er in Oakland eine eigene Fabrik und produzierte Kopien der französischen „Dactyle“. Wegen Patent­streitigkeiten (so jedenfalls begründet es die englische Wikipedia) suchte man schon ab 1918 nach einem neuen Schaltwerks­prinzip. Der Konstrukteur C.M.F.Friden entwickelte daher die Stellsegmente, die ab 1921 bis in die 40er-Jahre in Marchant-Maschinen eingebaut wurden.
Doch bereits 1934 kamen erste Maschinen mit Proportional­rädern auf den Markt. Auch die wurden bei Marchant erfunden und ermöglichten den Bau der relativ leisen und extrem schnellen elektro­mechanischen Rechenmaschinen, mit denen Marchant berühmt wurde.
1958 wurde Marchant vom Schreibmaschinen-Hersteller Smith-Corona aufgekauft, der sich daraufhin in Smith-Corona-Marchant (SCM) umbenannte und einer der großen Mitspieler im Rechner- und Computer­geschäft wurde. SCM stellte in den 70er-Jahren die Produktion mechanischer Rechenmaschinen ein, die Textverarbeitung am Computer führte in den 80ern auch zum Ende der einst berühmten Schreibmaschinen. Heute stellt Smith-Corona nur noch Farbbänder, Etiketten und ähnliches Zubehör her, „Marchant“ ist aus dem Firmennamen verschwunden.

 
 

Rheinmetall D IIc

Eine späte Rheinmetall-Maschine aus DDR‑Produktion, der Seriennummer nach ungefähr von 1955. Es dürfte eine der letzten Maschinen im mittleren (graugrünen) Design gewesen sein, denn bald danach wurde die gleiche Technik noch für kurze Zeit in ein moderneres (hellgraues) Gehäuse eingebaut. Bemerkenswert ist die (vermutlich noch von August Kottmann entwickelte) automatische Division, die bei Rheinmetall schon ab Ende der 20er-Jahre auch bei den Handmaschinen häufig eingebaut wurde. Dafür ist keine gesonderte Taste nötig, die Division wird einfach als fortgesetze Subtraktion gekurbelt. Nach jedem Unterlauf (d.h. wenn vom Resultatwerk mehr subtrahiert wird als „noch übrig war“) schaltet die folgende Kurbeldrehung ein Getriebe auf Gegenrichtung, die nächste Drehung korrigiert den Unterlauf und schaltet das Getriebe weiter, die dritte Kurbeldrehung setzt den Schlitten eine Stelle weiter und das Getriebe ganz zurück. Dann wird einfach munter weiter gekurbelt und subtrahiert. Der Vorgang kann mit einem Schalter an der Kurbelbasis beeinflusst werden.
Das Modell wurde nicht nur in den Ostblock geliefert, sondern auch in den Westen. 1958 (also kurz nach Produktionsende) steht sie mit einem Verkaufspreis von 870 DM (etwa zweieinviertel Monatslöhne) zum letzten Mal im Katalog.



Zustand vorher:

Rheinmetall
D IIc
S.Nr. 185458

39,5 x 30,5 x 23
11,5 kg
ca.1927 - 1957
  • EW 9st.,
  • UW 8st.,
  • RW 17st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für das EW,
  • 2 Schieber zur Löschung von UW bzw. RW.
  • Zehnerübertrag auch im UW, im RW nur über 11 Stellen,
  • Minus-Taste (einrastend) kehrt Drehrichtung im RW um,
  • gedrückte Korrektur-Taste kehrt Drehrichtung in RW und UW um,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Taste (einrastend) für Additionsmodus,
  • automatische Division,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
2/1: Gehäuse mit deutlichen Gebrauchsspuren; alles funktioniert jedoch wieder einwandfrei.

Diese Maschine kam äußerlich als Wrack. Jede Menge Rost, Staub und Spinnweben, Schlittenstellgriff völlig zerstört, mehrere fehlende Tastenköpfe und praktisch alle Tasten und Hebel total festgefressen. Aber die robuste Mechanik innen war offenbar noch völlig intakt, denn nachdem unter Einsatz massiver Ölmengen, einer Zange und eines Hammers (!) alle Tasten und der Schlitten wieder beweglich waren rechnete die Maschine schon wieder. Alle Metallteile entrostet und poliert, eine Sicherungscheibe nachgefeilt, einen fehlenden Wirtel ersetzt. Die roten Knöpfe und den Dreistern spendete eine Rheinmetall KES.

Kurzanleitung geschrieben.

Rheinmetall „DS Ie“

Wegen des intakten Dreisterns und einiger Tasten, die ich in die D IIc oben einbauen wollte erstand ich das Wrack einer elektrischen Rheinmetall KES, Seriennummer 118497 (also ungefähr 1952 gebaut). Der Motor war tot, viele Tasten fehlten, aber der Schlitten mit Speicherwerk und Postenzähler sah noch leidlich gut aus. Da wollte ich doch mal sehen, ob er auch auf die D IIc passt.
Wie sich zeigte passte er nicht: Der Divisionsstop der D IIc kollidierte mit Führungsschiene und Verkleidung des Schlittens (die KES hat keine automatische Division).
Also habe ich die Schiene gekürzt, die Verkleidung etwas ausgesägt und für den Divisonsstop einen Bolzen in das schon vorhandene Loch geschraubt - und siehe da: Der Schlitten passt nun und macht die Maschine zur „DS Ie“. Das ist ein Modell, das von Rheinmetall so niemals hergestellt wurde. Diese Chimäre hat den Speicher, zu dem man das Resultatwerk addieren oder subtrahieren und den man auch wieder dorthin rückübertragen kann, einen Posten­zähler für die Anzahl der Speicher­vorgänge und dazu (aus dem Chassis) die automatische Division. Nachteile gegenüber der D IIc sind die kleinere Kapazität und die fehlende Direkteinstellung der Dividenden.
Die KES wurde ab 1934 gebaut. 1937 kostete sie mit dieser Kapazität 1.270 RM (etwa achteinhalb Monatslöhne, die höchste Kapazität 9‑8‑17‑17 kostete einen ganzen Jahreslohn). Bislang waren nur Vorkriegsmaschinen mit deutlich niedrigeren Seriennummern bekannt, diese KES wurde aber nach dem Krieg gebaut.
Schlitten und Chassis hatten übrigens auch bei der KES schon unterschiedliche Nummern. Vermutlich wurde da aus zwei defekten Maschinen eine funktionierende gemacht. Das passierte wohl gar nicht so selten, auch bei meiner Mesko ist das so.

 
Die KES (S.Nr. 185458, viele
fehlende Tasten hineinretuschiert):
Rheinmetall
„DS Ie“
S.Nr. des Schlittens 118497


14 kg
2019
  • EW 9st.,
  • UW 6st.,
  • RW 13st.;
  • Speicherwerk 13st.;
  • Postenzähler 3st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für das EW,
  • Löschrad für Postenzähler,
  • 3 Löschschieber für UW, RW bzw. Speicherwerk (UW und RW koppelbar).
  • Zehnerübertrag auch im UW, im RW nur über 11 Stellen,
  • Minus-Taste (einrastend) kehrt Drehrichtung im RW um,
  • gedrückte Korrektur-Taste kehrt Drehrichtung in RW und UW um,
  • Rückübertragung von Speicher- ins RW (kl. Hebel zwischen den Löschschiebern),
  • Taste (einrastend) für Additionsmodus,
  • automatische Division,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
3/2: Gehäuse mit mehreren größeren Stoßstellen, noch nicht komplett überholt; alles funktioniert, aber hakelt gelegentlich etwas.

Führungsschiene gekürzt, Verkleidung ausgesägt, Bolzen für Divisionsstop eingesetzt.

Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Brunsviga 13RK

Das ist das erfolgreichste Modell von Brunsviga. Fast vier Jahrzehnte war es im Programm und hat in dieser Zeit größte Verbreitung gefunden. Sogar nach dem Aufkauf der Firma durch Olympia wurde die 13RK noch einige Zeit hergestellt und sie ist eine der heute noch am häufigsten in Online-Auktionen zu findenden Sprossenrad-Maschinen. Die Rechen­kapazität ist 10‑8‑13 (nicht nur bei Brunsviga fast so etwas wie ein Standard). Trotz der frühen Marktein­führung war sie mit Einstellkontrolle, komplettem Zehner­übertrag, Rückübertragung, Gesamt­löschung und Einhandbedienung sehr gut ausgestattet. Für Brunsviga typisch ist die Anordnung der drei Werke übereinander.
Das Modell wurde (wie auch die Brunsviga M III weiter oben) von Hermann Hoffmeister entwickelt.
Die Firmenbezeichnung auf dem Schlitten zeigt schon, dass es sich hier um eine der späten Maschinen handelt, die Seriennummer datiert sie auf Ende 1958 / Anfang 1959. Der Neupreis damals: 598 DM (etwa drei Monatslöhne).

   
Brunsviga
13RK
S.Nr. 13 - 71610

28,5 x 23,5 x 17
8,4 kg
1927 - ca.1963
  • EW+KW 10st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel und ein Gesamtlöschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • im UW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • Rückübertragung vom RW ins EW (Eingabelöschhebel dazu weiter durchziehen),
  • Schalter für gemeinsame Löschung von EW und UW.
1/1: Firmenschildchen zerkratzt, sonst wenige Gebrauchsspuren; leichter Lauf von Kurbel und Einstellschiebern.

Löschhebel nachjustiert, 2 fehlende Füße ersetzt, Kommaschieber umverteilt, alle Bleche neu lackiert.

Anleitung im Internet gefunden.
 
 

Direct-II

Die Direct ähnelt auf den ersten Blick einem Comptometer, man kann mit ihr optional auch so addieren (und notdürftig multiplizieren). Tasten­drücke bewirken dann sofort das Summieren im Resultatwerk. Dieses wird dann allerdings nicht sofort angezeigt.
Wahlweise kann man auch mit Einstellkontrolle addieren, die Subtraktion geht nur auf diese Art: Dabei tippt man den Wert ein, kontrolliert die Anzeige und drückt dann die lange schwarze Taste rechts. Eine Division ist wegen der fehlenden Summenanzeige unmöglich.
Sehr ungewöhnlich ist auch, dass nur eine Anzeige sowohl Eingaben als auch Ergebnisse zeigt. Für letztere dreht man die Kurbel, es erscheinen oben und unten rote Balken und die lange Taste wird nun zur Löschtaste des Resultatwerks.
Hier sind keine Schaltschwingen am Werk, sondern eine sonst nirgends zu findende Mechanik. Die erklärt ein Artikel von E.Anthes (PDF) im Rechnerlexikon ganz gut. Der Übertrag ins Resultatwerk erfolgt über Mitnehmerklinken: ähnlich den Schaltklinken bei der Hamann Manus, aber anders angesteuert.
Die Maschine wurde viele Jahre lang gebaut. Es gab auch Varianten mit mehr Stellen, mit Druckwerk und sogar mit Motor. Das hier ist eine der frühen Maschinen, denn sie hat noch ein Metallgehäuse (später bekam die Direct‑II eine Bakelitschale). Die niedrige Seriennummer (ich vermute, man hat da mit 10001 angefangen) deutet auf ein Baujahr um 1928 herum. Wo und wozu sie mal benutzt wurde ist unbekannt, aber sie trägt das Schild einer Werkstatt in Einsiedeln. Also wurde sie nicht nur in der Schweiz hergestellt, sondern auch dort eingesetzt.


Funktion der Schaltklinken
(AVI, 14 MB!):

Moesch & Huber
Direct-II
S.Nr. 10135

30 x 40 x 16
9,9 kg
1927 - ca.1955
  • EW 7st.,
  • RW 8st.;
  • Addition und Subtraktion,
  • Kurbel zur Ergebnisanzeige,
  • Löschtaste für Anzeige,
  • Eingabetaste (auch Löschtaste für RW).
  • bei Ergebnisanzeige rote Balken über und unter der Anzeige,
  • Umschalter für Direkteingabe oder Eingabe mit Bestätigung,
1/1: Gehäuse und Tasten sehr gut erhalten bzw. restauriert; einwandfreie Funktion.

Tastenfeld-Abdeckung neu lackiert, Stoßstellen ausgebessert, Metallteile poliert, Anzeige justiert, Füße erneuert.

Kurzanleitung geschrieben.
 

Die Firma Moesch & Huber wurde um 1920 in Zürich gegründet. Sie führte meist Auftragsarbeiten im Bereich Design, Konstruktion und Montage durch. Als erste Rechenmaschine wurde ein Modell mit Zahnsegmenten namens „Demos“ gebaut, das aber kein Erfolg wurde. Mit der Direct, der leicht verbesserten Direct‑II und ihren Varianten war man deutlich erfolgreicher, denn bis in die 50er-Jahre wurden diese hergestellt.
Der Herstellername steht jedoch nicht auf der Maschine. Dort steht nur die Theo Muggli AG, ebenfalls mit Sitz in Zürich. Diese Büromaschinen-Firma hatte offenbar den Alleinvertrieb dieser Maschinen, möglicherweise ist sie auch der Auftraggeber der Konstruktion von „Demos“ und „Direct“. Theo Muggli starb 1933, seine Firma existierte unter demselben Namen bis 1995 weiter.

 
 

Walther RMK

Diese „Rechenmaschine mit EinstellKontrolle“ (das M steht für die höhere Kapazität) ist eine schöne Übergangs­form: Das Grundgehäuse ist noch ganz der alte Typ (wie er beim Vorgängermodell „RM“ und später noch bei der Odhner 27 zu finden ist), hat aber hinten/oben eine große Aussparung, auf die das Einstellkontrollwerk im eigenen Gehäuse aufgesetzt wurde. Diese Bauart gab es nur sehr kurz, denn schon bald wurde die Einstellkontrolle ins Gehäuse integriert. Außerdem gibt es neben den beiden Schlittentasten vorne schon eine zusätzliche Daumentaste an der Kurbel - aber eben nur eine „nach links“, nicht wie später auch bei der RMK üblich für beide Richtungen. Das Exemplar dürfte daher etwa 1929 gebaut worden sein.
Fortschrittlich ist die Kurbellöschung im Schlitten, altertümlich sind die Löschklappe und die Über­schleuderungskorrektur bei evtl. dejustiertem Einstell­kontrollwerk. Offenbar vertraute man der Mechanik noch nicht ganz, doch nach nun über 90 Jahren läuft diese immer noch einwandfrei.


vorher:

Walther
RMK
S.Nr. 7189

26 x 14 x 15
5,4 kg
1928 - ca.1934
  • EW+KW 10st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Kurbeln für Löschung von RW und UW, Löschklappe für das EW.
  • im UW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot),
  • Schlitten mit Federzug kann einfach nach rechts geschoben werden,
  • Überschleuderungskorrektur der Einstellkontrolle (nur bei entriegelter Kurbel bedienbar).
2/1: nur am Sockel noch viele Stoßstellen; alle Funktionen einwandfrei.

Alle Bleche neu lackiert, Zahlen neu eingelegt, Feder und Anschlag der Löschklappe repariert, Füße erneuert.

Kurzanleitung geschrieben.
 

Walther fing 1886 als Büchsenmacherei an, baute später auch Teile für die Rechenmaschinen von Mercedes und ab 1924 eigene Rechenmaschinen (schon 1929 auch elektromechanische, ab 1970 auch elektronische, bis 1971 trotzdem noch die handbetriebene WSR160) und konnte damit in den Nachkriegszeiten überleben, als Waffenherstellung verboten war. Bis 1945 blieb die Fabrik in Zella-Mehlis, dann wurde sie nach Westdeutschland (Niederstotzingen in Württemberg) verlegt. Die als eigene Firma abgespaltene Büromaschinen-Fertigung konnte Mitte der 70er-Jahre trotz ihrer hochwertigen elektronischen Geräte nicht mehr mit der billigen japanischen Konkurrenz mithalten und ging unter, heute baut Walther wieder nur Waffen.

 
 

Феликс A3

Diese „Felix“ stammt aus der frühen Sowjetunion. Sie ist derzeit die einfachste meiner Sprossenrad-Maschinen: Keine Einstellkontrolle, im UW kein Zehner­übertrag, keine anderen „Extras“. Auch die sonst üblichen Sperren gegen Fehlbedienung fehlen komplett. Doch sie hat noch hochwertige Sprossenräder aus Messing und auch sonst eher gutes Material, anders als die späteren Modelle.
Eine so schrecklich angemalte Maschine hatte ich noch nie zuvor gesehen. Die ursprünglich schwarze Maschine wurde erst weiß grundiert und dann mit einem kräftigen Rot grob überpinselt. Dabei wurde auf Schrauben, Kommaleisten und andere Teile keinerlei Rücksicht genommen. Die Beschriftung war nirgends mehr zu erkennen und Farbe war bis nach innen gelaufen. Zu meiner Überraschung hat sie da immer noch gerechnet, wenn auch extrem hakelig. Dass es eine alte Felix war konnte man nicht sehen, aber egal: Mein Mitleid war groß genug, 9 € auf dem Frankfurter Flohmarkt zu lassen.
Nach einigen Tagen Arbeit sieht die A3 nun wieder ungefähr so aus, wie sie die Fabrik verlassen hat und ich bin zufrieden, das alte Schätzchen gerettet zu haben.


Infos zum Nachfolgemodell bei
D.Bölter
Fundzustand:
zerlegt:
Puzzle:
Lack ab:
grundiert:
im Aufbau:
гос. завод счетиых мажин
им. тов. дзержинского Москва
A3
S.Nr. 86227

31 x 15 x 13
5,9 kg
1928 - 1941
  • EW 9st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Flügelschrauben zur Löschung von UW und RW.
  • im UW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer weiß),
  • Löschung des EWs über Schieber (unter dem Logo) und Hauptkurbel.
2/2: Deckbleche wieder nahe am Original, Gebrauchsspuren an den blanken Metallteilen; Löschung in zwei Stellen des UWs nur zuverlässig wenn man die Flügel­mutter zum Schluss etwas zieht.

Komplett zerlegt, Lack von allen Seitenteilen, Blechen, Schrauben, Leisten, Hebeln, Muffen entfernt, Seitenteile und Bleche neu lackiert, erhabene Beschriftungen blankgefräst, alle Metallteile poliert, Ziffernräder teilweise neu eingelegt, viele schwergängige Stellen nachgeschliffen, Deckblechschrauben und zerfallene Gummifüße ersetzt.

 

Nach der Oktober-Revolution wurde Odhners Fabrik in St.Petersburg enteignet. Nun bauten die Arbeiter die Rechenmaschinen im „Staatlichen Rechenmaschinenwerk“. Erster Chef der Firma war Felix Dzierzynski, Mitglied des Zentralkomitees, der berüchtigte Gründer der ebenso berüchtigten Geheimpolizei „Tscheka“ (und des Sportvereins Dynamo Moskau).
1921 wurde die komplette Fabrik demontiert und samt Unterlagen und Personal nach Moskau verlegt. 1926 starb Dzierzynski, zur Erinnerung an ihn wurden die Maschinen ab 1928 „Felix“ genannt. Die Firma auf diesem Exemplar („Staatliches Rechenmaschinenwerk / benannt nach Genosse Dzierzynski / Moskau“) wurde ab 1931 benutzt. 1941 endete die Produktion dort, denn die ganze Fabrik wurden nach Kirow evakuiert (und wahr­scheinlich auf Kriegsproduktion umgestellt).
Erst ab 1948 wurden wieder „Felix“-Maschinen gebaut, dann allerdings in anderen Fabriken. Das letzte Modell war die Felix M.

 
 

Burroughs Portable 90801

Die druckenden Addiermaschinen von Burroughs waren anfangs riesige Kästen, die 30 bis 50 kg wogen. Erst ab 1925 wurden auch die „Portables“ mit knapp unter 10 kg angeboten (die Definition von „tragbar“ war damals offenbar etwas anders). Anfangs konnten sie nur addieren („Class 8“), ab 1928 dann auch subtrahieren („Class 9“). Bis in die 60er-Jahre wurden die Maschinen gebaut. Natürlich wurden Sie stets technisch und optisch weiter entwickelt, aber das Grundprinzip der Maschine, die Summenbildung über Zahnsegmente, blieb immer gleich. Mit diesen Geräten dominierte Burroughs lange das entsprechende Marktsegment.
Die Typenbezeichnung dieses Exemplars setzt sich zusammen aus Klasse 9 (=mit Subtraktion), 08 Stellen, 01 (=Handantrieb). Das C vor der Serien­nummer steht für in Kanada gebauten Maschinen, die Nummer selbst datiert die Maschine auf 1930.


Die in den Boden eingekratzten Servicedaten (zweimal pro Jahr!):

Burroughs
Portable
S.Nr. C9-1339494

28,5 x 35 x 21,5
9,2 kg
1928 - ca.1965
  • EW 8st.,
  • RW 8st.,
  • Druckwerk 8st. (+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • R-Taste für behelfsmäßige Multiplikation,
  • Löschtaste für Tastatur und Funktionen.
  • keine Anzeige, nur Ausdruck auf Papierstreifen,
  • Nichtrechentaste,
  • Druckabschaltung.
2/1: Viele kleine Gebrauchsspuren und abgegriffene Stellen; Funktion einwandfrei.

Großen Hebel gerade gebogen, einige Schrauben ersetzt, eine ins RW gefallene alte Gummirolle (die alles blockierte) entfernt, Farbband erneuert.

Kurzanleitung geschrieben.
 
 

TIM 1

Die TIM 1 ist eine kleine, vergleichsweise leichte Staffelwalzen-Maschine mit Tasteneingabe und die letzte Entwicklung des Herstellers L.Spitz. Sie ist recht robust, gut verarbeitet und hat den optionalen „Additionsmodus“, in dem sich die Eingabe nach jeder Kurbeldrehung von selbst auf Null stellt. Allerdings sind Löschung und Schlitten­bewegung immer noch sehr umständlich weil der Schlitten dazu jedes Mal angehoben werden muss und das UW hat keinen Zehner­übertrag. Beides konnte die Konkurrenz damals schon deutlich besser.
Das Modell wurde auch mit weniger (6‑5‑8) und mehr (bis 7‑7‑12) Stellen gebaut. Auch nach dem Krieg wurden noch Exemplare angeboten aber es ist fraglich, ob das neu gebaute Maschinen oder Restbestände waren. Dieses Exemplar stammt von 1929, der mir bekannte Preis ist aber erst von 1936: 350 Mark (gut zwei Monatslöhne).
Dieses Gerät ist auf der Rückseite und einer Seite mit den Abkürzungen  NAB 5  bzw.  WWK 4  in großen, weißen Zeichen markiert. Das wirkt wie etwas militärisches, kann aber auch eine Firmen- und Abteilungskennzeichnung sein. Ob's die Witwen- und Waisenkasse in München war?

   
TIM
1
S.Nr. 31695

38 x 21 x 13 (Füße eingeklappt)
8,5 kg
1929 - ca.1935(?)
  • EW 6st.,
  • UW 7st.,
  • RW 10st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschschieber für RW und UW (nur bei angehobenem Schlitten),
  • 7 Löschhebel für EW (pro Stelle und Gesamt).
  • Zehnerübertrag im RW nur über 8 Stellen,
  • im UW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer schwarz),
  • ein gemeinsamer Schalter für Drehrichtung im UW und RW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar (nur bei angehobenem Schlitten),
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Schlittenbewegung nur durch Anheben und Versetzen per Hand,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
3/1: Bleche um Griffe und Löschhebel herum stark abgegriffen, einige Stoßstellen; einwandfreie Funktion.

Die Ziffernräder des UWs waren jeweils an der Null stark oxidiert, die musste ich nachmalen. Dazu musste der Schlitten völlig zerlegt werden. Chassis nur äußerlich gereinigt, weil dort alles einwandfrei funktionierte und ein Blick ins Innere kaum Staub erkennen ließ (noch ein Vorteil der Tasten: keine Schlitze!).

Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Mira 6 Visier

Das sechste Modell von Mira heißt „Visier“, weil es das erste mit integrierter Einstellkontrolle ist. Weitere fortschrittliche Extras wie Zehner­übertrag im Umdrehungszählwerk oder Rückübertragung hat es noch nicht, die Einstellkontrolle hat noch die damals eigentlich schon veraltete Überschleuderungskorrektur. Dieses Exemplar hat auch noch das alte Schlittenschloss, etwas später bekam das Modell 6 stattdessen zwei Daumen­tasten rechts zur Einhandbedienung.
In fast jedes Teil ist die ganze Seriennummer oder die „321“ eingeschlagen, auf der Rückseite innen findet sich aber eine „10832“. Ich nehme daher an, dass dieses Exemplar im August 1932 hergestellt wurde, was auch zur Seriennummer passt.
Sie hat seit damals schon viele weite Wege zurück­gelegt: Ein deutscher Soldat hat sie aus Russland mitgebracht (ob sie dort erbeutet und/oder von der Wehrmacht genutzt wurde ist unklar), vorletzter Besitzer war ein Kaufmann, dann ein Antiquitäten­händler aus Hamburg. Der linke Lösch­hebel ist irgendwann mal gebrochen und wurde durch ein selbst zurechtgefeiltes Teil ersetzt. Ansonsten ist die ganze Ausführung der Maschine hochwertig und solide, mit viel Messing und dicken Blechen. Selbst in ihrem herunterge­kommenen Zustand hat sie noch passabel gerechnet (nur eine Feder war falsch eingebaut und ließ das UW etwas hakeln).


vorher:

Mira
6 Visier
S.Nr. 10321

31,5 x 16,5 x 12
5,0 kg
1929 - ?
  • EW+KW 10st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Hebel für Löschung von RW und UW, Löschklappe für das EW.
  • im UW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer weiß),
  • Überschleuderungskorrektur der Einstellkontrolle (nur bei entriegelter Kurbel bedienbar).
1/1: Deckbleche renoviert, Effektlack auf Seiten und Rückwand in sehr gutem Originalzustand; funktioniert einwandfrei.

Metallteile von Rost befreit und poliert, eine falsch eingebaute Feder im UW korrigiert, Bleche neu lackiert, Beschriftung der Bleche und im UW mit roter und weißer Farbe eingelegt, Füße erneuert.

Kurzanleitung geschrieben.
 

Unter der Marke Mira baute Otto Kramer ab 1923 in Hanichen bei Reichenberg die vermutlich ersten tschechischen Rechenmaschinen. Dazu kaufte er Patente (und evtl. auch Maschinen) des Rechen­maschinen-Herstellers Rema, nachdem dieser in Grimme, Natalis & Co. (Brunsviga) aufging. Die Mira-Maschinen ließen sich offenbar vor allem in der Tschechoslowakei selbst und in Frankreich gut verkaufen. Spätere Modelle hatten bessere Ausstattung und teils auch größere Kapazitäten. Ob und wie lange die Firma nach der Besetzung des Sudentenlandes noch produzierte ist nicht bekannt. Spätestens mit Kriegsbeginn sind sicher eher Teile für Waffen oder Munition gebaut worden, Mira-Maschinen aus der Nachkriegszeit sind unbekannt. Ab 1950 wurden aber im direkten Nachbarort die Rechenmaschinen von Nisa hergestellt. Es wäre ein arger Zufall, wenn dazu nicht Personal, Wissen und Maschinen von Mira genutzt wurden.

 
 

Thales GEO

In Doppelmaschinen kann man mit beiden Werken simultan gleich- oder gegenläufig rechnen. So etwas benötigten vor allem Vermessungs­ingenieure, doch z.B. auch für versicherungs­mathematische oder wissenschaftliche Berechnungen wurden die teuren Spezialmaschinen genutzt.
Thales hat mit der GEO ab 1930 die damals beste Doppelmaschine angeboten, denn hier konnten die Resultat­werke unter jede der beiden Eingaben gesetzt werden.
Die Seriennummer deutet auf ein Baujahr um 1938, der damalige Preis betrug 1250 RM (knapp acht Monatslöhne). Auf der Rückseite ist eine mit „VDT“ beginnende Inventarnummer. Ich weiß leider nicht, wofür die Abkürzung hier steht.
Nach dem Krieg wurde eine verbesserte GEO/R (mit Rückübertragung und zwei Umdrehungszählwerken) hergestellt.

   
Thales
GEO
S.Nr. 45535

37 x 20 x 16
14,1 kg (mit Brett)
1930 - 1940
  • 2 EWe+KWe 9st.,
  • UW 8st.,
  • 2 RWe 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Flügelschrauben und 2 Löschkämme für die fünf Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Schalter für Drehrichtung im UW (mit/gegen rechte Eingabe),
  • mitlaufender Stellenzeiger im UW (3 Durchläufe!),
  • Schalter für gleich- oder Gegenlauf der Trommeln,
  • Ziffern der RWe direkt einstellbar,
  • ein kleiner Knopf rechts wirkt auf die Einstellsperre, Funktion aber unklar: Wer weiß darüber etwas?.
1/1: Nur wenige Gebrauchsspuren verblieben; alles funktioniert einwandfrei und sehr leichtgängig.

Alle Deckbleche neu (teil)lackiert, Ziffern im rechten EW, Logo und einige andere Beschriftungen neu eingelegt, Flugrost von den Chromteilen entfernt, 2 neue Kommaschieber (identische Teile von einer Triumphator CRN1) eingesetzt.

Stahlhaube (ohne Schloss) vorhanden, Anleitung fehlt noch.
 
 

Badenia TH13

Diese Maschine ist eines der letzten Exemplare des 1930 entwickelten Modells, im von Ferdinand Spaeti aus Luzern entworfenen Nachkriegs-Design. Diese modernste Version der TH13 hat vorne kein Handrad mehr zur Schlittenverschiebung. Statt dessen zieht man die Kurbel etwas heraus, dann dreht sie nicht mehr die Staffelwalzen sondern bewegt den Schlitten. Wenn man die Kurbel dagegen leicht eindrückt, dann schaltet die Maschine auf Subtraktion. Es ist also nicht nötig, mit der zweiten Hand das „Minus“-Hebelchen zu drücken. Für eine automatische Division fehlt also eigentlich nur noch eine Mechanik, die erst einen Überlauf erkennt und dann die Kurbel entsprechend drückt und zieht.
Die damals schon eher antiquierte Volltastatur bedingt, dass die Hand noch viel bewegt werden muss. Andererseits ermöglicht sie ein paar Tricks, die auf einer modernen Zehnertastatur nicht möglich sind. Praktisch sind außerdem die direkte Einstellung des Resultatwerks, der Zehner­übertrag im Umdrehungszählwerk (was die abgekürzte Multiplikation möglich macht) und die optionale Löschung der Eingabe nach Kurbeldrehung (der „Additionsmodus“).
Einen kleinen Konstruktionsfehler hatte dieses Exemplar m.E.: In den Stellen 1 und 2 klingelte das Überlauf-Glöckchen nicht, weil das entsprechende Bauteil zu kurz war. Vielleicht war ein Teil aus einer TH10 (die hat geringere Kapazität) eingebaut worden? Ich habe es durch einen Anbau verlängert, seitdem klingelt's korrekt.
Die Seriennummer lässt auf das Baujahr 1950 schließen, was auch zum Design passt: Nur 1950 bis 1952 gab es die TH13 ohne das Handrad. Der Verkaufspreis ist unbekannt, doch schon die kleine TH10 wurde für 850 DM angeboten. Also waren hier sicher deutlich über 1.000 DM fällig (das wären etwa vier Monatslöhne).
Die Anschaffung bezahlte der Steuerzahler: Die Maschine stammt aus einem Forstamt in/bei Wittlich in der Eifel. Damit wurden also in den 50er-Jahren z.B. Festmeter, Holzpreise und Waldarbeiterlöhne berechnet.

 
Badenia
TH13
S.Nr. 16666

44 x 33 x 20
11,7 kg
1930 - 1952
  • EW+KW 9st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für EW, 2 Löschschieber für UW und RW.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Schalter für Drehrichtungsumkehr und Stilllegung des UWs,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Anzeige für Subtraktion (auch als Schalter nutzbar),
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Kurbel zum Rechnen nur in eine Richtung drehbar, Subtraktion durch Drehen der eingedrückten Kurbel,
  • Schlittenverstellung durch Drehen der herausgezogenen Kurbel.
2/1: Viele Stoßstellen am Gehäuse, Tasten mit z.T. deutlichen Gebrauchsspuren, aber alle noch intakt; alles funktioniert wieder einwandfrei.

Gebrochenen Halter eines der verschiebbaren Zahnräder gegen ein selbstgebasteltes Alu-Teil ausgetauscht, Positionierung vieler Zahnräder nachjustiert, ausgeleierte Federn gekürzt, verklemmte Tasten aus- und richtig wieder eingebaut, Klingelanschlag mit einem Alu-Streifen verlängert, Hebelchen im Zehner­übertrag des UWs gerade gebogen.

Kurzanleitung geschrieben.
 

Die Uhrenfabrik Mathias Bäuerle wurde schon 1863 gegründet. Ab 1903 wurden dort neben Uhren, Uhrwerken und Schaltuhren erste Rechen­maschinen gebaut, damit war man der weltweit vierte Serien­produzent von Rechenmaschinen. Diese Maschinen mit den Marken „Peerless“ („ohnegleichen“, für den Export) und „Badenia“ hatten anfangs eine ganze Reihe von Neuerungen zu bieten (z.B. Doppelzähl­werke, Einstellkontrollen, Multiplikations­getriebe), später geriet man gegenüber der Konkurrenz eher etwas ins Hintertreffen.
Ab 1952 wurden nur noch Rechenmaschinen mit Elektromotor gebaut, vor allem mit komplexen Automaten (Marke „EMBEE“) war man noch einmal recht erfolgreich. Schon 1964, also vergleichsweise früh, erkannte man jedoch die Zeichen der Zeit und stellte die gesamte Rechenmaschinen-Fertigung ein. Die Firma konzentrierte sich auf Maschinen für die Drucknachbereitung und auch heute gibt es sie noch als Hersteller von Falzmaschinen.

 
 

Lipsia Addi 7

Die Addi 7 war eine erschwingliche Addierhilfe. Sie hat sogenannte Zahnsegmente, die seitlich wegklappen können. Mit bequemen Einstellhebeln wird das Resultatwerk vor- oder zurückgestellt, dabei wird durch entsprechendes Aus- und Ein­koppeln der Zahnsegmente addiert bzw. subtrahiert. Der Zehner­übertrag ist vorhanden, gleichzeitig über alle Stellen aber konstruktions­bedingt schwierig.
So eine Maschine kostete anfangs 85 Reichsmark (plus 4,60 Reichsmark für einen passenden Kasten). Dieses Exemplar ist vermutlich Ende der 40er-Jahre gebaut worden.


nach dem Öffnen: alles
voller Staubmäuseratten...

Lipsia
Addi 7
S.Nr. 30526

12,5 x 14,5 x 14,5
2,1 kg
1930 - 1953
  • EW 7st.,
  • RW 7st.;
  • Minus-Taste,
  • Löschtaste für EW (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschkurbel für RW.
  2/1: Gehäuse gut erhalten, Sockel an einer Ecke angeschlagen, ein Griff nicht original; alles funktioniert einwandfrei.

Zentimeterhohe Staubmäuse (wirklich beeindruckend) aus dem Inneren entfernt.

Kurzanleitung geschrieben.
 

Der Mechaniker Jacob Otto Holzapfel arbeitete erst bei Brunsviga und Triumphator. 1914 machte er sich in Leipzig selbständig und bot unter der Marke „Lipsia“ eine eigene, sehr gut verarbeitete Sprossenradmaschine an. Ab 1927 baute Holzapfel auch Zahnsegment-Maschinen.
1953 wurde die Firma enteignet und dem „VEB Metallbau Leipzig“ einverleibt. Rechenmaschinen wurden dort dann nicht mehr gebaut, aber die Triumphator-Werke boten wenige Jahre später eine Maschine mit der Technik der Addi 7 als Triumphator KA an.

 
 

NCR 1652

Diese Kasse rechnet nur Tagessummen. Daher wird sie zwar meist nicht zu den Rechenmaschinen gezählt, doch sie hat einen Zehner­übertrag im Resultatwerk und kann dort addieren. Also ist sie definitionsgemäß eine „Einspezies-Maschine“, die halt bei jeder Addition zusätzlich klingelt und eine Schublade öffnet.
Die Mechanik der Kasse besteht im Kern aus vier Stellsegmenten, die per Hebel eingestellt werden. Erst beim Kurbeln werden sie auf die Zahnräder des Resultatwerks aufge­schwenkt und drehen dann diese Zahnräder (und die Ziffern­rädchen) je nach ihrer Voreinstellung weiter.
Diese Kasse fand mein Vater vor, als er 1972 ein Geschäft in Frankfurt übernahm. Einige Monate tat sie dort noch Dienst, dann kam eine elektrische Kasse und sie wanderte in den Keller.
Die Liste der NCR‑Seriennummern zeigt, dass die Kasse bereits 1949 gebaut wurde. Sie war also mindestens 22 Jahre im Einsatz, so lange hält heute keine mehr. Mit etwas Stempelfarbe, neuen Papierrollen (im ungebräuchlichen 4,4 cm‑Format) und ein wenig Öl funktioniert sie nun fast wieder wie am ersten Tag.

   
Nationale Registrierkassen GmbH Augsburg
N-1652-B
S.Nr. U 4502040

50 x 42 x 45,5
26,2 kg
ca.1930 - ?
  • EW (mit Kassierer- und Kundenanzeige) 4st.,
  • RW 7st.,
  • Druckwerk doppelt (für Bon und Journal).
  • Bondruck abschaltbar,
  • Ablesung und Löschung des S‑Werks mit zwei Schlüsseln,
  • ein kleines, nicht rückstellbares Zählwerk zählt die Nullstellungen,
  • manuelle Datumseinstellung des Druckwerks.
4/2: Karosserie mit starken Gebrauchsspuren, die Marmorplatte über der Schublade fehlt. Schlüssel für Schublade und Druckwerk fehlen (werden zum Betrieb nicht benötigt), Rechen- und Speicherfunktion einwandfrei, Firmeneindruck im Bon („Reformhaus am Lokalbahnhof“) durch entfernte Andruckrolle stillgelegt.

Fehlende Andruckleiste für Journaldruck durch Gummiblock ersetzt, neue Farbe eingefüllt, Papierrollen umgespult.

Kurzanleitung geschrieben.
 

Die National Cash Register Company gibt es unter diesem Namen seit 1884. Durch aggressivstes Marketing und Aufkauf von Konkurrenten (teils mit Einschüchterung und hoher krimineller Energie, wegen unlauterer Geschäfts­praktiken wurden einige der Manager sogar zu Gefängnisstrafen verurteilt) erreichte die Firma schon 1910 95% Marktanteil in den USA. Auch in Deutschland hießen viele Kassen „National“, sie wurden ab 1896 in Berlin, ab 1945 in Augsburg hergestellt. Ab 1953 war NCR einer der Pioniere der EDV‑Entwicklung, doch 1997 zog sich NCR wieder aus dem Computergeschäft zurück. Kassen werden dort immer noch gebaut, sie sehen heute aber etwas anders aus.

 
 

Walther RKZ

„RKZ“ ist die Bezeichnung der „Rechenmaschine mit EinstellKontrolle und Zehnerübertrag“. Um trotz dieser guten Ausstattung den Preis niedrig zu halten wurde die Kapazität reduziert, das genügte in vielen Bereichen. Ein Modell mit größerer Kapazität wurde als „RMKZ“ angeboten.
Die Schlittentasten vorne sind durch Daumentasten an der Kurbel ersetzt, damit wird die Einhand­bedienung möglich. Die Seriennummer und die ungewöhnliche quadratische Schlittenlösetaste weisen recht sicher auf das Baujahr 1949. Trotz der schwarzen Farbe ist es also ein Nachkriegsexemplar, jedoch eines der ganz frühen aus westdeutscher Walther-Produktion.

   
Walther
RKZ
Seriennummer 52821

29 x 13,5 x 13,5
3,8 kg
1931 - 1957
  • EW+KW 6st.,
  • UW 6st.,
  • RW 10st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Kurbeln für Löschung von RW und UW, Löschklappe für das EW.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Schalter für Drehrichtung im UW
    (von Löschklappe auf neutral und dann bei erster Kurbeldrehung auf + bzw. - gestellt),
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Überschleuderungskorrektur (kl. Loch links neben der Einstellkontrolle)
  • Schlitten mit Federzug kann einfach nach rechts geschoben werden.
2/1: Gehäuse mit einigen Gebrauchssouren; alles funktioniert leichtgängig.

Ein paar Kratzer und abgegriffene Stellen retuschiert, einige Zahlen neu eingelegt, blanke Metallteile poliert.

Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Brunsviga 10

Die kleine Brunsviga 10 war mit ihrer beschränkten Stellenzahl und kleinsten Abmessungen eher als mobiler Rechner für die Arbeit außerhalb des Büros gedacht. Aber auch auf dem Schreibtisch hatten sie viele stehen, weil sie wirklich wenig Platz braucht und durch die feststehenden Einstellhebel und die schräg angesetzte Kurbel recht bedienerfreundlich ist. Kapazität und Ausstattung sind eher sparsam, aber immerhin hat sie sowohl Zehner­übertrag als auch Umschaltung zwischen roten und weißen Ziffern im UW.
Das Modell ist für den Hersteller in Aussehen und Technik sehr ungewöhnlich, es hat nämlich geteilte Staffelwalzen. Eine Besonderheit dabei ist, dass die „5er-“ und „1‑4er“-Staffelwalzen auf verschiedenen Achsen sitzen, die Zahnräder des Eingabewerks werden daher ggf. von zwei verschiedenen Stellen aus angetrieben.
Dieses Exemplar hat noch keinen Staubschutz über der linken Schlittenseite, es ist also eine der frühen Maschinen des Modells. Die Seriennummer zeigt als Baujahr 1933, der damalige Neupreis betrug 275 Reichsmark (knapp eindreiviertel Monatslöhne).


mehr Infos beim
IFHB
   
Brunsviga
10
S.Nr. 141578

23,5 x 18 x 9,5
3,7 kg
1932 - 1952
  • EW+KW 6st.,
  • UW 5st.,
  • RW 10st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschkurbeln für UW und RW,
  • Löschtaste für das EW.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • im UW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im UW,
  • Schlitten nur per Griff nach rechts zu stellen, nach links nur schrittweise mit den Tasten links und rechts,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel.
2/1: Viele kleine Kratzer, aber Lack insgesamt gut erhalten, alle Gummirollen aufgelöst und beide Schlittengriffe leicht gerissen; einwandfreie und leichtgängige Funktion.

Kurbelblock neu lackiert, Ziffern in den Deckblechen neu eingelegt, festgefressenen Zehner­übertrag des UWs gängig gemacht.

Anleitung im Internet gefunden.

Brunsviga 10

Auch zwei Jahrzehnte später konnte man das Modell noch kaufen. Die grüne Farbe dieses Exemplars zeigt schon, dass es nach dem Krieg hergestellt wurde, die Seriennummer ergibt das Baujahr 1952. Die linke Schlittentaste und die Löschtaste für das Einstellwerk gibt es nicht mehr, vermutlich wollte man so die Produktionskosten senken. Der Neupreis nach der Währungs­reform: 495 DM (auch wieder eindreiviertel Monatslöhne).


Die geteilten Staffelwalzen in Aktion
(AVI, Achtung: 40 MB!):

Brunsviga
10
S.Nr. 237715

23 x 17,5 x 9,5
3,6 kg
1932 - 1952
  • EW+KW 6st.,
  • UW 5st.,
  • RW 10st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschkurbeln für UW und RW.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • im UW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im UW,
  • Schlitten nur per Griff nach rechts zu stellen, nach links nur schrittweise mit einer Taste,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel.
2/1: Lack durchgehend gut erhalten, eine der Gummirollen hat sich aufgelöst, Schlittengriff leicht gerissen; einwandfreie und leichtgängige Funktion.

Fehlenden Knopf eines Einstellhebels ersetzt, eine Delle im Deckblech ausgebeult, mehrere dadurch abgeschabte Ziffern eines Einstellrades nachgemalt.
Tip zum Zusammenbau: Die Einstellräder vor dem Zerlegen durchnummerieren und in korrekter Reihenfolge einbauen. Sie lenken die Einstell-Leisten verschieden weit aus!

 
 

Brunsviga 20

Die Brunsviga 20 wurde fast 30 Jahre lang gebaut. In den 30er-Jahren war es eine der am weitesten entwickelten Sprossenrad-Maschinen, bis zum Ende der Brunsviga-Produktion blieb das Modell fast unverändert. Es hat eine sehr hohe Kapazität und viele Extras, die die Bedienung vereinfachen oder besondere Rechnungen möglich machen. Die Teillöschung des Resultatwerks z.B. ermöglicht es, dessen linken Teil auch als Speicher zu benutzen.
Hersteller ist wieder Grimme, Natalis & Co. Die Serien­nummer datiert das Gerät auf 1949. Listenpreis damals: 1.055 DM (etwa vier Monatslöhne). Vorbesitzer war ein bekannter Turnvereins-Vorsitzender und Lehrer aus Idstein.


mehr Infos im

Brunsviga
20
S.Nr. 230471

41 x 22,5 x 17,5
12,5 kg
1934 - 1963
  • EW+KW 12st.,
  • UW 11st.,
  • RW 20st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel und ein Gesamtlöschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW, im RW nur über 15 Stellen,
  • im UW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im UW,
  • Rückübertragung vom RW ins EW (Eingabelöschhebel dazu weiter durchziehen),
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • linke Hälfte des RWs kann vor Löschung geschützt werden.
2/1: Nullen und einige andere Ziffern des Kontrollwerks deutlich ausgebleicht, einige größere Stoßstellen am Gehäuse und eines der Gummirädchen am RW ist sehr spröde. Keinerlei Rost und keine Ölverharzungen, die Probleme machen könnten (das ist das häufigste Problem dieser Geräte), daher immer noch beeindruckend leichter Lauf der Kurbel und aller Einstellschieber.

Sprödes Gummirädchen an Stelle 1 versetzt.

Von Herrn Weiss (Mechrech.de - ein ganz großes DANKE!); eine Anleitung (sogar mit Beispielen zur Lösung quadratischer Gleichungen) als PDF erhalten.
 

Auch diese Maschine stammt vom Büromaschinen-Händler Berg, der sich hier mit einem aufwendigen Metallschildchen verewigt hat. Die Firma, damals in bester Frankfurter Lage am Mainufer (heute ist links das Architekturmuseum, rechts das Museum für Kommunikation), gibt es auch nicht mehr.

 
 

Mercedes-Euklid 29

Diese Proportionalhebel-Maschine ist ungefähr ein Jahrzehnt jünger als die Euklid 4. Das Stahlblech ist dünner bzw. durch Leichtmetall ersetzt, ihr Gewicht um ein Drittel verringert. Technik und Design sind erheblich moderner: Sie hat flache, bequemere Glastasten, einen nach hinten verlegten Schlitten und die automatische Division.
Unten gibt's einige Bilder und einen kurzen Film, der den Proportionalhebel und die Zahnstangen in Aktion zeigt.
Diese Maschine wurde wahrscheinlich in der Buchhaltung von Radio Mende (zeitweise der größte Radiohersteller Deutschlands, später VEB Funkwerk Dresden) benutzt. So ganz sicher ist das nicht, der Vor-Vorbesitzer, aus dessen Nachlass die Maschine stammt, hat jedoch dort gearbeitet. Die Seriennummer ist die früheste der im Rechnerlexikon bekannten, das Baujahr dürfte etwa 1937 sein. Produziert wurde das Modell bis in die DDR‑Zeit hinein unter dem Namen Mercedes R 29.


mehr Infos im


Zahnrädchen auf 
Zahnstange 7,
8,
9:

Proportionalhebel bewegt
Zahnstangen (AVI, 12 MB!):
Mercedes-Euklid
29
S.Nr. 28005

38 x 32 x 19
12,9 kg
1935 - 1952
  • EW 9st.,
  • UW 6st.,
  • RW 12st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für EW, 2 Löschhebel für UW und RW.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schalter für Drehrichtung im UW,
  • Schalter für Drehrichtung im RW,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Schlittenvorlauf nur durch Schieben per Hand, Rücklauf (mit Federkraft) per Taste,
  • „automatische“ Division,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
2/2: Einige Stoßstellen und kleine, teils retuschierte Lackschäden an entrosteten Stellen, die meisten Tasten und Hebel sind noch original erhalten. Einwandfreie Funktion, nur die Tastenreihe ganz links (ursprünglich die mittlere) hat innen ausgebrochene Metallzungen, die vor langer Zeit notdürftig repariert wurden und ist daher nicht mehr allzu belastbar.

Fehlende Löschhebelgriffe und Halteschrauben der Schlittenabdeckung ersetzt, unleserliche Tastenbeschriftung komplett erneuert, einige kleine Rostansätze entfernt.

Kurzanleitung aus einer Mercedes-Werbung und eine Anleitung für die R 29 im Internet gefunden.
 
 

In den USA dominierten Addiermaschinen mit Drucker und Comptometer die Marktsegmente, in denen eine Vierspezies-Maschine nicht notwendig war (also vor allem im kaufmännischen Bereich).
In Europa wurden dafür fast nur Addiermaschinen benutzt. Das waren anfangs einfache Zweispezies-Maschinen, die also nur addieren und subtrahieren konnten. Im Laufe der Jahre wurden diese immer öfter motorisiert und mit Einrichtungen ausgestattet die erst die Multiplikation, später auch die Division komfortabel ermöglichten.

 
 

Friden H8

Friden wollte eigentlich nur elektrisch angetriebene Rechenmaschinen bauen. Vor allem die US‑Armee wünschte sich aber Maschinen, die auch ohne Strom funktionierten. Also wurden auch kleine Mengen (ca.10.000) der H8 und ihrer „großen Schwester“ H10 gebaut. Die H8 ähnelt auf den ersten Blick den „Monroes“, ist aber deutlich komplexer aufgebaut mit vier Doppel-Staffelwalzen für die acht Stellen, einer Mechanik für die automatische Division und endlich auch einem Zehner­übertrag im Umdrehungszählwerk.
Die Seriennummer dieser Maschine deutet auf das Baujahr 1949. Sie war in einem Bergwerk in Ensdorf (Saarland) im Einsatz, ein Mitarbeiter nahm sie nach ihrer Außerdienst­stellung mit nach Hause und bewahrte sie so vor der Verschrottung. Der damalige Preis der Maschine ist mir leider nicht bekannt. Ihre relative Seltenheit, der große Funktionsumfang und die damals hohen US‑amerikanischen Löhne sind Indizien dafür, dass sie damals wohl recht teuer war. Aber das war hier kein Problem: Das Bergwerk war Staatsbetrieb.

   
Friden
H8
S.Nr. 55694

42,5 x 36 x 23
12,9 kg
1935 (als CH) - 1954
  • EW 8st.,
  • UW 9st.,
  • RW 17st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschschieber (koppelbar) und Löschtaste
  • Zehnerübertrag auch im UW, im RW nur über 12 Stellen,
  • Schalter für Drehrichtung im UW,
  • die meisten Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • „automatische“ Division,
  • daher keine Überlaufglocke.
1/1: extrem wenige Gebrauchsspuren, einwandfreie Funktion.

Die Maschine war völlig verharzt und blockiert, reichlich WD40 und anschließendes Benzinbad haben das behoben. Einen fehlenden Wirtel im RW ersetzt, leicht abgestoßene Schlittenkurbel neu lackiert.

Kurzanleitung geschrieben.
 

Den schwedischen Ingenieur Carl Mauritz Friden verschlug es im 1. Weltkrieg in die USA. Dort brachte er es bis zum Chefkonstrukteur von Marchant, gründete aber 1934 seine eigene Firma. Da die Patente auf seine früheren Konstruktionen Marchant gehörten musste er nun andere Lösungen erfinden. Das gelang offenbar und die Friden Co. wurde mit ihren komplexen elektromechanischen Vollautomaten sehr erfolgreich. 1945 starb Friden, aber die Firma produzierte noch zwei weitere Jahrzehnte Rechenmaschinen (insgesamt über 3 Millionen Stück). 1963 brachte sie mit dem Friden 130 noch den ersten volltransistorierten Elektronenrechner auf den Markt. Es gelang der Firma jedoch nicht, beim Konkurrenzkampf um niedrigere Preise, kleinere Gehäuse und mehr Funktionen mitzuhalten. Schon 1965 kaufte der Nähmaschinen-Hersteller Singer die Reste der Firma auf und bis 1974 wurden (teils von Hitachi gebaute) Rechner unter der Marke Friden verkauft. Heute baut Singer wieder hauptsächlich Nähmaschinen und gehört einer „Heuschrecke“ auf den Bahamas, die Marke Friden ist komplett erloschen.

 
 

Brunsviga A 58

Das ist eine der eher einfacheren Addiermaschinen: Mit ihr kann man gut addieren und subtrahieren, aber nur behelfsmäßig multiplizieren. Das Schalt­prinzip sind hier Zahnstangen, wie meist bei diesem Gerätetyp. Eine Zehnertastatur hat sie noch nicht, jede Stelle hat ihre eigene Tastenreihe: Je nachdem welche Taste jeweils gedrückt wird, werden die Zahnstangen verschieden weit gestellt, bei jedem Hebelzug greifen sie dann ins Resultatwerk und stellen dort die Ziffern weiter.
Die Brunsviga A 58 heißt anders als ihre „Vettern“ mit dem „AS“ im Namen so, weil sie nur addiert, aber nicht saldiert (Ergebnisse unter Null korrekt anzeigt). Im Internet findet sich fast nichts über dieses Modell, außer einer alten Verkaufsanzeige eines Auktionshauses in Saragossa. In den einschlägigen Listen ist für diese Seriennummer das Baujahr 1950 angegeben und auch die Lackierung weist dieses Exemplar als Nachkriegsgerät aus. Eigentlich kaum zu glauben, dass so spät noch Addiermaschinen mit Volltastatur gebaut wurden.

   
Brunsviga
A 58
S.Nr. 7767

32 x 26 x 20
8,2 kg
1936 - ca.1950
  • EW 7st.,
  • RW 8st.,
  • Druckwerk 8st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • R-Taste für Weiterverwendung der eingetippten Zahl.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck auf Papierstreifen,
  • statt negativem Ergebnis wird ggf. das Neunerkomplement angezeigt,
  • keine Korrekturtaste, fehlerhafte Tastendrücke werden durch vorsichtiges Drücken der Zwischensummen- oder Summentaste korrigiert,
  • Kurbel abnehmbar.
2/2: Einige Gebrauchsspuren; einwandfreie Funktion, aber die Typen 3 und 4 der „1 Mark“‑Stelle sind etwas zu locker und wollen vorsichtig behandelt sein.
Mit Schutzhaube, Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Facit TK (1938)

Klassische Sprossenrad-Maschinen sind wegen der umständlichen Eingabe für reine Additionsaufgaben kaum brauchbar. Daher wurde schon früh versucht, Modelle mit Tasteneingabe zu entwickeln.
Das gelang zu Beginn der 30er-Jahre Karl Rudin. Damit die Tastenwege kurz blieben entwickelte er dabei auch das geteilte Sprossenrad, bei dem für die Ziffern 5‑9 ein Fünferzahn heraus­geschoben wird und bis zu vier Einzelzähne die 1‑4 bzw. 6‑9 einstellen (Bild unten bei der VK‑1).
Weil nun statt eines Schlittens die kurze Trommel mit den Sprossenrädern nach links und rechts läuft kann auch das Gehäuse geschlossen bleiben, das verbessert Staub­schutz und Geräuschdämmung.
Die zur Division benötigte „nach links“-Funktion war bei den ersten Modellen („Facit T“) noch recht umständlich. Bei der TK wurde das verbessert, so dass die Rechenstellen von Umdrehungs­zähl- und Resultatwerk beim Drücken der Divisionstaste nun (trotz unterschiedlicher Stellenzahl) in beiden Werken ganz nach links laufen können. Bis zu den letzten Modellen der Reihe blieb diese ausgereifte Mechanik unverändert, die Modellreihe wurde außerdem zur Grundlage vieler motorisierter Maschinen bis hin zu elektrischen Vollautomaten.
Die TK wurde von 1936 bis 1954 in Schweden gebaut, alle diese TKs haben eine schwarz-rote Tastatur. Von 1936 bis in den Krieg gab es aber auch eine Lizenzproduktion bei Hans Sabielny in Dresden, dort waren die Tasten schwarz-weiß.
Das Exemplar hier stammt also aus der deutschen Produktion, es wurde vermutlich 1938 gebaut. Seine letzte Verwendung fand es bis in die 80er-Jahre bei der „Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft Alpina“, dem Vorläufer der heutigen Alpina AG.

     
Facit
TK
S.Nr. 3862

30 x 19 x 14,5
6,1 kg
1936 - 1954
  • EW+KW 9st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Anzeige für Drehsinn des UWs
    (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich),
  • mitlaufende Stellenzeiger in UW und RW.
2/1: Nur die Vorder‑/Oberseite konnte im Original erhalten werden, Rück- und Seitenwände waren zu stark verrostet und sind neu lackiert; alles funktioniert wieder einwandfrei.

Alle blanken Metallteile und Schrauben entrostet und poliert, einige Ziffern ausgebessert, alle grüne Blenden neu lackiert, trüb gewordenes unteres Fenster ersetzt, Rück- und Seitenwände komplett abgeschliffen, grundiert, lackiert. Erst nach dem Zusammen­bau den fehlenden Zehnerübertrag einer Stelle im UW (nur in einer Trommelstellung und nur bei der Subtraktion!) entdeckt: Alles wieder ausgebaut, ein 1 mm zu kurzes/abgebrochenes Übertragshebelchen durch Auflöten verlängert und zurechtgefeilt, alles nochmal zusammengebaut.

Englische Anleitung als PDF vorhanden

Facit TK (1953)

Dem „A“ vor der Seriennummer nach stammt diese TK aus dem Facit-Zweigwerk in Düsseldorf, das Hans Sabielny Anfang der 50er-Jahre gründete. Allerdings steht gleich zwei Mal „Made in Sweden“ drauf. Es ist also eine Maschine aus der Übergangs­zeit, in der die Teile (oder ganze Maschinen?) noch in Schweden gebaut, dann aber für Endmontage und Verkauf nach Deutschland geliefert wurden; das Baujahr ist 1953.
Technisch gibt es überhaupt keinen Unterschied zur anderen TK, nur die Lackierung ist ab 1943 ein grüner Kräusellack. Auch bei den beiden Nachfolgemodellen (NTK und C 1‑13) gibt es technisch keine Weiterentwicklung, nur immer mal wieder modernere Gehäuse.


mehr Infos zu den Facit-Modellen bei
H.Schmid
   
Facit
TK
S.Nr. A-100509

30 x 19 x 14,5
6,1 kg
1936 - 1954
s.o. s.o. 2/1: Kaum Stoßstellen, nur Metallteile etwas angelaufen; funktioniert wie am ersten Tag, obwohl noch keine Wartung erfolgt ist.

Noch nicht aufgearbeitet - außer Metallteile polieren, Gehäuse putzen und vorsichtig ölen ist da praktisch nichts zu machen.

 

Unter der Marke „Facit“ verkaufte Alex Wibel aus Stockholm ab 1918 Rechenmaschinen vom Odhner-Typ. 1924 (andere Quellen sagen 1922) kaufte die AB Atvidaberg Industrier aus der Ortschaft gleichen Namens die Firma auf. Facit wurde im nächsten halben Jahrhundert zu einer der erfolgreichsten Marken bei Büromaschinen. Schon ab 1932 wurden Rechenmaschinen nur noch mit Zehner-Tastatur gebaut. Im Lauf der Zeit wurden weitere, meist schwedische Hersteller wie z.B. Odhner, Halda (Schreibmaschinen) und Addo aufgekauft, die Produktpalette um weitere Büromaschinen und Möbel erweitert. 1965 wurde auch hier der Marken- zum Firmennamen, die Firma und die Profite wuchsen bis 1970 stetig weiter. Der große Erfolg der mechanischen Rechner ließ Facit dann aber den Trend zur Elektronik verschlafen - und das, obwohl Facit um 1960 herum sogar eine eigene Mainframe-Produktion (zeitweise mit schnellstem Computer der Welt) hatte. Von einem Facit-Entwicklungschef der 60er-Jahre stammt die verhängnisvolle Aussage „Nie wird eine elektronische Rechenmaschine die hochwertigen mechanischen Rechenmaschinen von Facit ersetzen können“. Erst 1968 erkannte man den Fehler und versuchte, in der neu gebauten Fabrik in Örsätter einen „echten schwedischen“ Elektronen­rechner zu bauen, doch da war es zu spät.
So geschah, was geschehen musste: Die letzten elektromechanischen Facit-Rechner wurden 1972, die letzten handbetriebenen Maschinen ca.1977 gebaut. Auch der Verkauf elektronischer Rechner von Hayakawa(Sharp) und Omron unter eigenem Namen rettete die Marke nicht mehr: 1973 wurde die ins Trudeln geratene Firma dem Elektrolux-Konzern einverleibt und zerschlagen, die einzelnen Zweige wurden an verschiedene Firmen (u.a. an Ericsson) verkauft. 1998 erlosch die Marke ganz. Als Rechtsnachfolger galt PartnerTech AB, doch auch die wurden 2015 an Scanfil plc weiterverkauft.

 
 

Resulta BS 7

Die Resulta ist (zumindest für die Addition) viel komfortabler zu bedienen als ein Zahlenschieber, aber noch deutlich preisgünstiger zu produzieren als eine „richtige“ Addiermaschine (gestanztes Blech, einfache Mechanik). Der passable Preis (86 DM) und wenig Platzbedarf haben in den 50er-Jahren für weite Verbreitung gesorgt.
Die Resulta BS 7 (B =mit Einstellkontrollwerk, S =mit Subtraktion, 7 =Stellenzahl) gab es ab 1936 in mehreren Varianten mit immer neuen kleinen Verbesserungen, diese Version wurde von Ende 1951 bis 1954 gebaut. An allen Resultas wurde unten im Sockel das Herstellungsdatum mit der Hand eingekratzt: Hier steht 153g, also ist das Gerät vom Januar 1953 (das „g“ steht für den Mitarbeiter, der die Endkontrolle gemacht hat).
Dieses Gerät erfüllt gerade so die Definition von „Maschine“, auf die man sich bei Rechengeräten geeinigt hat: Es hat einen Zehner­übertrag in mindestens einem der Rechenwerke und beim Betrieb gibt es Teile, die nicht direkt per Hand (sondern per Kraftübertragung von anderen Teilen) bewegt werden. Die Einstellsegmente greifen beim Herunterziehen in Zahnscheiben, dadurch werden die Ziffern ins Rechenwerk übertragen. Ganz ideal ist die Bedienung in dieser Modellgeneration noch nicht: Für Subtraktionen muss ein Hebel umgestellt werden, um dann das Ergebnis abzulesen muss man diesen Hebel erst wieder zurück stellen.


mehr Infos zu allen Resultas bei
W.Blümich

Eine Werbung:


Resulta
BS 7

12 x 15,5 x 11
1,4 kg
1936 - 1961
  • EW+KW 7st.,
  • RW 7st.;
  • Umschalter Addition/Subtraktion
  • Löschtaste für EW,
  • Löschkurbel für RW.
  • nur mit Stift oder Griffel zu bedienen,
  • Löschtaste des EWs kann fixiert werden (dann keine Einstellkontrolle).
2/1: Durch die Griffel recht viele Kratzer unter dem Eingabefeld, zwei kleine Dellen im Deckblech, der schwarze Schrumpflack des Gehäuses wirkt dagegen fast neu. Alle Funktionen gehen leicht und fehlerfrei (der Zehner­übertrag über 6 Stellen ist schwierig, klappt aber).
Originalgriffel fehlt, Anleitung im Internet gefunden.

Resulta BS 7 Export

Diese Resulta hat im Resultatwerk eine Blende, die bei der Subtraktion nach unten klappt und dadurch das Hin- und Herschalten zum Ablesen überflüssig macht. Unten ist 555GP eingeritzt, gebaut wurde sie also im Mai 1955. Damit ist sie eine der ganz frühen Exemplare mit der Klappblende. Sie wurde bis etwa 1975 in einem kleinen Bauunternehmen in Regensburg genutzt, also immerhin zwei Jahrzehnte lang.

Resulta
BS 7 Export

12 x 15 x 11
1,3 kg
1955 - 1969
  1/1: Sehr guter Gesamteindruck, nur leichte Abnutzung an den Griffelhalterungen und unter den Einstellrädern; alles läuft einwandfrei,

Ein einziger Kratzer störte die Optik und wurde mit passendem Lack retuschiert.

Mit Originalgriffel, Anleitung wie zuvor.
 

Hersteller war die 1911 gegründete „Maschinen- und Werkzeugfabrik Paul Brüning“ in Berlin. Resulta-Kleinaddiermaschinen wurden (anfangs noch unter dem Namen „Minerva“) von 1927 bis 1969 gebaut, zuerst im Wedding, dann in Reinickendorf. Nach 1969 wurden noch bis 1984 Formteile für die Elektroindustrie hergestellt, danach verliert sich die Spur der Firma.

 
 

Bereits 1632 hatte William Oughtred die Idee, zwei gegen­einander verschiebbare logarithmische Skalen als Rechen­hilfe zu benutzen. Spätestens um 1900 waren Rechenstäbe dann für jeden Ingenieur DAS Statussymbol schlechthin (so ähnlich wie das Stethoskop der Ärzte).
Sie waren zwar ungenauer als Rechenmaschinen (man konnte nur auf drei bis fünf Stellen genau ablesen), aber mit entsprechender Übung viel schneller zu bedienen. Selbst bei komplizierten Rechnungen konnten die Ergebnisse oft nach wenigen Handgriffen abgelesen werden. Die Stellung des Kommas musste man dabei stets im Kopf behalten und überschlägig mitrechnen - was auch Vorteile hatte: Man wusste so stets gut, was man da eigentlich berechnete.
Taschenrechner haben die Rechenschieber fast völlig verdrängt, nur in manchen Nischen werden noch spezielle Geräte genutzt. Z.B. haben selbst moderne Flugzeuge für Notfälle noch so etwas wie eine E6B im Cockpit.

 
 

Aristo 89

Dieser Rechenstab von 1950 ist mit knapp 16 cm winzig klein und war ein Werbegeschenk, mit dem man einen gestandenen Ingenieur eventuell beleidigt hätte. Die großen, teils bis 50 cm langen Stäbe waren viel genauer abzulesen und hatten Platz für zusätzliche Skalen.


Ein Artikel über Rechenschieber aus
Spektrum der Wissenschaft
Aristo
Nr. 89
Datumscode 5020

15,5 x 3,5 x 0,5
20 g
1936 - 1977
  • Skalen: K A (B CI C) D L; hinten: (S ST T) d.h.: Kubik, Quadrat (2x), Kehrwert, Grundskala (2x), Log; hinten: sin (auch cos), sin kleiner Winkel, tan (auch cot),
  • Lineal für cm und inch.
  • Der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war,
  • Sondermarkierungen auf Skala C: π, 1,13+3,57 (C+C1, f. Zylindervolumen); 3438+206255 (ρ'+ρ'', o.Bez., f. sin und tan sehr kleiner Winkel) (Quelle),
  • unter der Zunge Aufdruck: „WILHELM FISSENEWERT GÜTERSLOH Gelenkketten - Kettengetriebe“.
2/1: Kaum Gebrauchsspuren, einwandfreie Funktion.
Mit Etui, allgemeine Anleitung für Rechenstäbe im Internet gefundenund auf die Skalen dieses Gerätes angepasst.
 

Dennert & Pape in Hamburg war einer der großen deutschen Hersteller von Rechenschiebern, diese wurden unter der Marke „Aristo“ verkauft. Mitte der 70er-Jahre verdrängten die elektronischen Geräte sehr schnell die Rechenschieber. Dennert und Pape versuchte noch, durch selbst gebaute und zugekaufte Taschenrechner im Geschäft zu bleiben, doch die Konkurrenz aus Fernost war übermächtig: 1978 endete die Produktion beider Produktlinien, Dennert und Pape wurde von Rotring aufgekauft und baut heute unter der Marke Aristo digitale Cutter und Zubehör. Die Filiale in Österreich wurde 2003 als GEOtec selbständig und liefert unter der Marke Aristo Zeichenhilfsmittel und Schulbedarf wie z.B. das berühmte Geo-Dreieck.

 
 

Archimedes H

Diese eher einfache Staffelwalzen-Maschine war damals das Einstiegsmodell des Herstellers. Sie hat immerhin Zehner­übertrag im Umdrehungszählwerk, optionalen Additionsmodus und einen Gleitschlitten, der zum Versetzen und Löschen nicht angehoben werden muss. Im gleichen Gehäuse gab es auch das Modell HD, das die automatische Division kann und das elektrisch angetriebene Modell HE (ebenfalls mit automatischer Division).
Der Hersteller lieferte seine Maschinen offenbar ohne Bodenplatten aus, viele Kunden rüsteten die dann selbst nach. Dieses Exemplar muss in einem Industrie- oder Bergbaubetrieb im Einsatz gewesen sein: Als Bodenplatte wurde ein Schild aus Kunststoff grob zugeschnitten und eingesetzt.


Die Innenseite
der Bodenplatte:

Archimedes
H
S.Nr. A3059

32 x 36 x 22
9,7 kg
1937 - 1940
  • EW+KW 7st.,
  • UW 6st.,
  • RW 11st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für das EW,
  • 2 Schieber zur Löschung von UW bzw. RW.
  • Zehnerübertrag auch im UW, im RW nur über 10 Stellen,
  • 2 Schalter für Drehrichtung von UW(rot) bzw. RW(schwarz),
  • Ziffern im RW direkt einstellbar (...soweit die Wirtel noch dran sind),
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
2/2: einige Stoßstellen nur retuschiert; alle Funktionen gehen leichtgängig, doch 3 Wirtel im RW und alle Kommaschieber-Leisten fehlen.

Tasten teils neu eingelegt und nachjustiert, Schlitten neu lackiert.

Kurzanleitung geschrieben.
 

Glashütte im Erzgebirge war bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Zentrum der feinmechanischen Industrie. Dort entstand auch die erste deutsche Serienfertigung von Rechenmaschinen. 1890 gründete Constantin Fischer dort eine Werkstatt für Präzisionsuhren und andere feinmechanische Geräte, zehn Jahre später gehörte diese Werkstatt Reinhold Pöthig, der bald mit der Entwicklung von Rechenmaschinen begann. Ab 1912 nannte sich die Firma „Glashütter Rechenmaschinenfabrik Archimedes, Reinhold Pöthig“. Hans Sabielny, der in Dresden selbst Rechenmaschinen baute, über­nahm 1920 den Vertrieb aller Archimedes-Maschinen in Deutschland, später dann weltweit (dafür steht das große „S“ am Ende der Marke). Er hat sicher mit seinem Vertriebstalent zum Erfolg der Marke beigetragen.
1951 wurde Archimedes „VEB“. Bis 1960 wurden mechanische Rechenmaschinen gebaut, danach nur noch elektronische Geräte bzw. Komponenten, was zur Namensänderung in „VEB Rechenelektronik Glashütte“ führte. Später wurde die Firma Teil des Robotron-Kombinats und ging mit diesem unter, als die DDR‑Betriebe veruntreuhandet wurden.

 
 

Faber-Castell Addiator 1/87A

Dieser Rechenstab von 1940 trägt auf der Rückseite eine Besonderheit: Da man mit dem Rechenschieber (‑stab/‑scheibe) nicht addieren und subtrahieren kann, wurde hier auf der Rückseite ein Addiator (das Modell Universal) eingebaut. Damit sind alle vier Grundrechenarten durchführbar. Der Addiator kann außerdem auch zum Notieren von Zwischen­ergebnissen genutzt werden.
Die Idee für solche Kombinationen stammt von der Firma Addiator, dort wurden sie anfangs auch montiert. Spätere Ausführungen entstanden dann noch bis 1972 bei Faber-Castell.
Unter dem Infolink zum Rechnerlexikon gibt es ausführliche Infos, zu den Zahlenschiebern steht mehr vor dem Record LM.
Dieses Exemplar wurde den Vorbesitzern von einem Schmied geschenkt. Es ist wahrscheinlich, dass dieser den Rechenstab tatsächlich noch genutzt hat.


mehr Infos im
 
Faber-Castell
1/87A Addiator


30 x 4,5 x 1,5
170 g
1937 - 1955
  • Alle Grundrechenarten ausführbar,
  • Skalen: K A (B CI C) D L; hinten: (S ST T) d.h.: Kubik, Quadrat (2x), Kehrwert, Grundskala (2x), Log; hinten: sin (auch cos), sin kleiner Winkel, tan (auch cot),
  • Löschbügel für den Addiator,
  • Lineal für cm und inch.
  • Auf der Rückseite Tabellen: Baustoff- und Metallgewichte, elektrische Widerstände, wichtige Umrechnungen,
  • Sondermarkierungen: auf Skala A/B π, 1/π (M, f. Zylinderwandflächen), π/4 (unbenannt, f. Kreisflächen); auf Skala C/D π, 1,13=√(4/π)+3,57=√(40/π) (C+C1, f. Zylindervolumina), 3438+206255 (ρ'+ρ'', f. sin und tan sehr kleiner Winkel), (Quelle),
  • der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war.
2/1: Das cm-Lineal hat einen leichten Riss, sonst wenig Gebrauchsspuren; einwandfreie Funktion.
Mit gut erhaltenem Papp-Etui. Als Anleitung dienen die ausgezeichneten Lehrbriefe von Faber-Castell.
 

Die Firmengeschichte von Faber-Castell begann 1761 mit der Herstellung von Bleistiften. Das macht man dort heute immer noch, dazu viele weitere Artikel für Büro und Schule. Zwischenzeitlich stellte A.W.Faber auch Rechenschieber her - bis diese um 1975 herum von den elektronischen Taschenrechnern verdrängt wurden.

 
 

Triumphator HZN

Triumphator baute auch Maschinen mit der deutlich kleineren Kapazität 6‑6‑11, z.B. dieses Modell. Es ist mit Zehner­übertrag im Umdrehungszählwerk, Löschung des Eingabewerks mit Hebel und Gesamtlöschung im Schlitten gut ausgestattet, doch wegen der kleinen Kapazität konnte die Maschine für nur 295 Reichsmark angeboten werden (ca. eindreiviertel Monatslöhne). Damit wurde die Maschine auch für kleine Betriebe erschwinglich.
Dieses Exemplar stammt aus dem Jahr 1939, bis auf das Kurbellager ist alles noch in wunderschönem Originalzustand.


Die deformierten
Zähne der Löschachse:


Triumphator
HZN
S.Nr. 96742

31,5 x 15,5x 14,5
5,9 kg
1938 - 1940
  • EW+KW 6st.,
  • UW 6st.,
  • RW 11st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschhebel für EW,
  • Löschhebel zur Löschung von UW und/oder RW.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Schalter für Drehrichtung im UW.
1/1: Sehr wenige Gebrauchsspuren, einwandfreie und leichtgängige Funktion.

Zwei deformierte Zähne in der Löschachse des UWs ausgetrieben und neu zurechtgefeilt, Kurbellager neu lackiert.

Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Thales CER (I)

Diese Sprossenrad-Maschine in „Standardkapazität“ 10‑8‑13 ist ein sehr gut ausgestattetes Modell mit Zehner­übertrag im Umdrehungszählwerk, Direkteinstellung im Resultatwerk, Einstellkontrolle und Rückübertragung. Das Baujahr ist wohl 1939 oder 1940, die Löschung der drei Werke mit den beiden Flügelschrauben links und rechts am Schlitten und dem Löschkamm war damals noch zeitgemäß.
Der damalige Neupreis betrug 600 Reichsmark (das entsprach etwas über 3,5 Monatslöhnen).
Von 1952 bis 1965 wurde nochmals eine Thales CER gebaut, allerdings sieht diese Maschine dann deutlich anders aus und ist wesentlich zierlicher. Daher stelle ich hinter die Typenbezeichnung hier die „I“.

   
Thales
CER (I)
S.Nr. 65239

28,5 x 15 x 13,5
5,9 kg
1938 - 1940
  • EW+KW 10st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschkamm für EW,
  • 2 Flügelschrauben zur Löschung von UW bzw. RW.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Schalter für Drehrichtung im UW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • rechte Flügelschraube löscht beide Werke, wenn dazwischen liegende Taste nicht gedrückt wird.
2/1: einige Gebrauchsspuren, einwandfreie Funktion.

Stark korrodierte Chromteile poliert, Gummifüße erneuert, Ziffern in Deckblech und Löschkamm neu eingelegt, Kommaschieber ersetzt.

Eine (leider unvollständige) Anleitung im Internet gefunden.
 
 

Original-Odhner 27

Auch das ist noch eine vor dem 2. Weltkrieg entwickelte Maschine in der typischen Farbe der damaligen Zeit: Bis weit in die 40er-Jahre hinein waren Rechen- und Schreib­maschinen in der Regel schwarz. Diese hier stammt aus dem Jahr 1940. Ihre Rechenkapazität ist durchschnittlich, es gibt weder Zehner­übertrag im Umdrehungszählwerk noch ein Einstell­kontrollwerk. Die abgekürzte Multiplikation ist also unmöglich und das Ablesen der eingestellten Zahl macht etwas Mühe. Über die Mindestausstattung hinaus geht nur der Rückübertrag, das Modell 27 hat ihn als erste Odhner-Maschine überhaupt. Erst damit wurden Kettenrechnungen ohne Neueingabe von Zwischenergebnissen möglich.
Rechenmaschinen mit relativ einfacher Ausstattung (oder auch geringerer Kapazität) konnten etwas preiswerter angeboten werden als diejenigen mit allen Extras. Für dieses Modell kenne ich nur einen Neupreis aus Schweden: 330 Kronen (etwa 270 Reichsmark, in Deutschland waren die importierten Maschinen vermutlich teurer).

2/2: Lackschäden nur retuschiert, 10er‑Stelle etwas schwergängiger

Diese Maschine kam als Wrack. Von schlimm zu harmlos war das: Der massive rechte Seitenträger war durchgebrochen, der Schlitten blockierte ab Stelle 4 nach links, der Einstellring der 10er‑Stelle war sehr schwergängig, der Kurbelgriff und der Knopf der Rückübertragung fehlten. Innen war sie millimeterhoch voll undefinierbarem Schmier und die Gummifüße hatten sich in zähen Klebstoff verwandelt. Trotz alle dem hat sie sogar da noch (wenn auch etwas hakelig) gerechnet!
Nach dem Zerlegen, Benzinbad, Kleben des Seitenträgers, Verlängerung der Kurbelsperre, Nachfeilen und Polieren der Schlittenführung, Zusammensetzen, Knöpfeschnitzen, Nachlackieren und Anschrauben neuer Gummifüße ist nun fast alles o.k. Nur die Trommel habe ich nicht zerlegt sondern lediglich in Benzin gebadet (und vielleicht findet sich ja auch mal ein schönerer Kurbelgriff).

Kurzanleitung geschrieben.
Original-Odhner
27
S.Nr. 169635

30 x 15,5 x 12,5
5,5 kg
1938 - 1947
  • EW 10st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschkurbeln für UW und RW.
  • im UW rote Ziffern bei negativer Zählung (9 immer rot),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Löschung des EWs über Knopf rechts (oder Schieber auf dem Frontblech) und Hauptkurbel.
2/2: Die Bleche sehen bis auf einige Kratzer und Stoßstellen noch recht gut aus, Kurbelgriff und Rückübertragungshebel offensichtlich nicht original; die 10er‑Stelle rastet schlecht ein, die Schieber, Hebel und Kurbeln laufen schön leicht.
Kurzanleitung geschrieben.
 

Das etwas seltsame „Original“ im Firmennamen hat einen guten Grund. Der schwedische Entwickler W.T.Odhner war derjenige, der um 1870 herum das Sprossenrad zur Produktionsreife brachte und entsprechende Patente anmelden konnte. Ab etwa 1890 baute er in St.Petersburg erste Maschinen, verkaufte aber schon bald auch Lizenzen an andere Hersteller. Einige dieser Lizenznehmer (z.B. Brunsviga mit der Brunsviga B) wurden mit ihren Maschinen wirtschaftlich schnell so erfolgreich, dass Odhner schon 1907 das „Original“ vorsetzte.
Während der Oktoberrevolution wurde die Firma enteignet und die Sowjets bauten nun (mit den vorhandenen Maschinen und dem vorhandenen Wissen der Arbeiter) baugleiche Rechenmaschinen auf „volkseigene“ Rechnung. Odhners Sohn verließ Russland und gründete „Original-Odhner“ in Göteborg neu. 1942 wurde Odhner von Atvidaberg Industries („Facit“) aufgekauft, Produktion und Marke blieben jedoch erhalten. Auch elektrische Addier- und Buchungsmaschinen wurden gebaut. 1973, als Facit von Electrolux gekauft wurde, wurde auch bei Odhner die Produktion der mechanischen Rechner eingestellt. Noch bis 1990 wurden erst für Elektrolux, dann für Ericsson Plattenspieler und elektrische/elektronische Bauteile hergestellt, dann war endgültig Schluss.

 
 

Beim Betrachten der Jahreszahlen fällt auf, dass aus einigen Jahren kaum Neuentwicklungen in der Sammlung vertreten sind, anders als aus den Jahrzehnten zuvor und danach. Der 2. Weltkrieg führte offenbar auch da zu einer massiven Unter­brechung: Statt neuer Rechenmaschinen wurden einstweilen neue Panzer, Flugzeuge und Kanonen entwickelt. Und schon da schuf die Entwicklung erster großer Elektronenrechner die Grundlage für den späteren Untergang der mechanischen Rechenmaschinen, obwohl diese nach dem Krieg noch einmal eine Blütezeit erlebten ...

 
 

Sumlock 909/C

Dieser Volltastatur-Addierer funktioniert wie ein Comptometer oder Burroughs Calculator: Die Addition im Resultatwerk findet bereits durch das Drücken und Loslassen der Tasten statt. Die Mechanik beruht auch hier auf Schaltschwingen, man hat aber in manchen Details andere Lösungen gefunden.
Auch eine Sumlock taugt erst einmal nur zum Addieren und ist damit eigentlich eine Einspezies-Maschine, doch mit komplexen, in Kursen gelehrten Verfahren sind auch Subtraktion, Multiplikation und Division möglich.
Die relativ modernen Tasten und die Lackierung lassen darauf schließen, dass dieses Exemplar Mitte/Ende der 50er-Jahre gebaut wurde. Sie war (wie die anderen Maschinen des Comptometer-Typs) mit 2.200 DM im Vergleich extrem teuer, dafür musste ein Arbeiter fast ein halbes Jahr arbeiten.
Es gab auch sechs- und zwölfstellige Varianten, außerdem weitere Modelle mit unterschiedlichen Tastenzahlen pro Kolonne (z.B. für die alte britische Währung mit 1/20/12/4-Teilung oder die komplizierten „imperialen“ Gewichtseinheiten).


mehr Infos bei
J.Wolff
Bell Punch
Sumlock 909/C
S.Nr. 114049

27,5 x 32 x 14
5,6 kg
ca.1940 - ca.1964
  • EW 9st.,
  • RW 10st.;
  • nur Addition,
  • Löschhebel.
  • Löschhebel nach hinten setzt die Sicherung gegen unvollständigen Tastendruck zurück.
2/1: Gehäuse mit einigen Stoßstellen und Benutzungsspuren, Ziffernräder leicht angegriffen, Tasten aber einwandfrei; leichtgängige Funktion.

Viele Ziffernräder und Hebel waren auf den Achsen völlig festgefressen, nur kraftvolles Ziehen der Achsen bei gleichzeitigem Austausch gegen eine gut geschmierte Ersatzachse half.
Tip: Wo etwas festsitzt findet man heraus, indem man alle Achsen nach links und rechts bewegt: Das muss bei allen sehr leicht gehen.

Kurzanleitung geschrieben (und ein 60‑seitiges Kursheft im Internet gefunden).
 

Die 1878 in London gegründete Bell Punch Co. produzierte zuerst genau diese „Bell Punches“, also Entwerter für Straßenbahnen. Bald kam weitere Ausrüstung für Ticketdruck, Wettscheine und Taxameter dazu. 1936 erwarb das Unternehmen die Rechte an der kleinen Halbtastatur-Addiermaschine „Plus“ und entwickelte diese weiter zur größeren Volltastaturversion, die als „Sumlock“ vermarktet wurde. Die Plus- und Sumlock-Maschinen waren in Großbritannien und dem Commonwealth sehr beliebt und wurden fast 40 Jahre lang produziert. Mitte der 50er Jahre begann man mit der Arbeit am weltweit ersten elektronischen Tischrechner, der 1961 als Sumlock „ANITA“ auf den Markt kam. Die Elektronik-Produktion wurde 1966 in eine Tochtergesellschaft ausgelagert, die 1973 von Rockwell übernommen und schon 1976 abgewickelt wurde; die Bell Punch Company produzierte noch bis 1986 Ticketing-Produkte.

 
 

Faber-Castell 4/54

Die übliche Skalenlänge der Rechenstäbe lag bei 25cm. Wenn man genauer ablesen wollte mussten die Skalen länger werden - so wie bei diesem 50cm‑Stab. Der war sicher einmal der ganze Stolz eines Ingenieurs. Das Baujahr schätze ich auf 1943, das ist die einzige Zahl im Prägestempel, die sinnvoll auf ein Jahr schließen lässt und auch der schwarze Pappschuber passt zu dieser Zeit.
Das „System Darmstadt“ bezeichnet die Art der Skalenaufteilung, die im Institut für praktische Mathematik (IPM) in Darmstadt um 1935 herum entwickelt wurde.

 Details
viele Infos zu Rechenschiebern bei
Rechenschieber.org
Faber-Castell
4/54
Pr - We43 14 203

57,5 x 4,5 x 2
250 g
ca.1940 - ca.1975
  • Skalen: L K A (B CI C) D P S T; hinten: (LL1 LL2 LL3) d.h.: Log, Kubik, Quadrat (2x), Kehrwert, Grundskala (2x), sin (auch cos), tan (auch cot); Zungenrückseite: e0,01x, e01x, ex,
  • Lineal für cm.
  • Auf der Rückseite Anleitungen, Formeln und Tabellen,
  • Justierschrauben für den Läufer in der T‑Skala,
  • Sondermarkierungen: auf Skala A/B π auf Skala C/D π, 0,01745 (ρ, π/180),
  • der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war.
2/3: Gut erhalten und alle Skalen einwandfrei ablesbar, Oberseite leicht vergilbt; Zunge ein winzig weniger geschrumpft als der Körper, worunter die Genauigkeit über große Strecken leidet.
Mit passabel erhaltenem Papp-Etui, allgemeine Anleitung für System Darmstadt im Internet gefunden.
 
 

Record LM

Der Record LM ist ein vergleichsweise riesiger Zahlenschieber, üblich waren eher Größen, die bequem in die Jackentasche passten. Er ist praktisch identisch zum Ende der 20er-Jahre entwickelten „Produx Record“, was kein Wunder ist: Er wurde auf den gleichen Maschinen hergestellt.

     
Record
LM


11,5 x 20,5 x 1
240 g
1945 - ca.1983
  • Eingabe über 10 Schieber (10. Schieber nur per ZÜ),
  • Addition, Subtraktion (nicht unter Null!),
  • Löschschieber.
  • unten Addieren, oben Subtrahieren.
2/1: Nur wenige Kratzer; alle Schieber leichtgängig.
Originalgriffel fehlt, Anleitung im Internet gefunden.
 

Lucie Meuter war die geschiedene Frau von Otto Meuter, einem der bedeutensten Hersteller von Zahlenschiebern. Er ging nach dem 2. Weltkrieg nach Westdeutschland und stellte dort wieder Geräte unter seiner Marke „Produx“ her. Sie aber blieb in der DDR und ließ schon ab 1945 auf den alten Maschinen den Record LM bauen. Es blieb das einzige Rechengerät der Firma, die ihre Produktpalette später um Kunststoff-Produkte erweiterte. 1976 und 1985 wechselte die Firma den Besitzer, 1989 wurde sie gelöscht.

 
 

Contex A

Angeblich brauchen trainierte Nutzer weniger Zeit, wenn sie auf einem Direktaddierer statt z.B. der Taste 7 erst die Taste 3 und dann die Taste 4 tippen. Aber vielleicht hat auch die Materialknappheit nach dem Krieg dazu beigetragen, dass „Half-Adder“ einige Zeit begehrt waren?
Die Contex A ist ein Vertreter dieser Geräteklasse. Sie besteht aus wenig Metall und viel Kunststoff: Das Gehäuse aus Bakelit, viele Hebel und Zahnstangen aus Pertinax (das kennt man sonst eher als Platinenmaterial).
Addieren kann man damit nach einiger Übung ganz passabel, notdürftig multiplizieren auch, die anderen Grundrechenarten sollte man lieber vergessen. Niedriges Gewicht und günstiger Preis (250 DM) sorgten dennoch für einige Verbreitung. Dieses Exemplar wurde 1952 gebaut und damals von einem Finanzbeamten in Kandel genutzt.


mehr Infos (PDF) im
 
Contex
A
S.Nr. 79066

22,5 x 21 x 7
1,26 kg
1946 - 1955
  • EW 8st. (Halbtastatur),
  • RW 9st.;
  • Addition und behelfsmäßige Multiplikation,
  • Löschtaste.
  3/1: Zwei Fehlstellen im gerissenen, sonst gut erhaltenen Gehäuse geflickt, Gesamteindruck gut; alles funktioniert einwandfrei.

Achsen gezogen und geölt - und dann länger mit einem dabei ausgehakten Federchen gekämpft. Tip: Am Pertinax niemals ölen!

Das damals meist mitgelieferte Mini-Köfferchen ist leider nicht dabei. Kurzanleitung eigentlich verzichtbar, aber dennoch geschrieben.
 

Die Gebrüder Carlsen produzierten von 1945 bis 1974 in Gentofte (direkt nördlich von Kopenhagen) einige wenige Modelle hand- und motorgetriebener Addier- und Rechenmaschinen mit neuartigen und pfiffigen Details. Damit bediente man vor allem den Nischenmarkt für transportable Geräte äußerst erfolgreich: Insgesamt wurden über 2 Millionen Geräte verkauft. Den Vertrieb überließ man Firmen, die schon im Büromarkt etabliert waren: Zuerst Zeuthen & Aagaard, später Rex-Rotary.
Als die Elektronik ihren Siegeszug antrat, versuchte man noch mit Eigenentwicklungen wie z.B. der Contex D11 in diesem Markt Fuß zu fassen, doch vergeblich: 1977 taucht schon kein Contex-Rechner mehr in den einschlägigen Katalogen auf. Großformat-Farbscanner von Contex gibt es jedoch immer noch.

 
 

Stima CMSIII

Die Stima C ähnelt in Aussehen und Bedienung einem Zahlenschieber. Sie hat aber einen echten Zehner­übertrag und optionale Einstellkontrolle. Die Bedienungsanleitung gibt auch Rechenwege für Subtraktion und Multiplikation an; beides ist aber umständlich, langsam und fehleranfällig.
Die Verarbeitung der Maschine jedoch ist sehr hochwertig. Trotz ihrer geringen Größe besteht sie aus rund 500 in Uhrmacherpräzision gefertigten Teilen. Die Seriennummer lässt für dieses Exemplar ein Baujahr um 1950 vermuten.

   
Stima
CMSIII
S.Nr. 28953

15 x 20 x 13
1,1 kg
1946 - ?
  • EW 9st.,
  • RW 9st.;
  • Subtraktions-Taste
  • Löschtaste für EW (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschknopf für RW.
  • Druckknopf für schnelle Addition ohne Eingabekontrolle.
3/2: Einige heftige Kratzer auf der Front, Nullen der Zahnstangen angegriffen, Griffelhalterung fehlt; Eingabe funktioniert wieder gut, Löschung aber recht hakelig, Eingabeknopf abgebrochen (mit Griffel gut bedienbar).

Eine gebrochene Feder geklebt, alle Federn nachjustiert, einige Zähnchen (die an falschen Stellen Zehnerüberträge verursachten) und Löschstange begradigt, vergilbte Sichtfolie ersetzt.

Originalgriffel fehlt, Anleitung im Internet gefunden.

Stima MSIII

Eine praktisch baugleiche Maschine, aber nun ohne Bakelit-Sockel. Deshalb die Modellbezeichnung ohne „C“, einige leicht veränderte Bedienelemente und vor allem passt sie nun in eine Jackentasche. Auch hier ist ein Baujahr um 1950 wahrscheinlich, jedoch ein wenig später als die vorige Stima. Der Preis dieses Modells betrug satte 175 Schweizer Franken, im Vergleich zu Zahlenschiebern reichlich teuer!

   
Stima
MSIII
S.Nr. 30566

10 x 14,5 x 2,5
640 g
1946 - ?
s.o.
  • Schieber für schnelle Addition ohne Eingabekontrolle.
2/1: Einige Kratzer auf der Rückseite und an einer Kante leicht abgestoßen; alles funktioniert einwandfrei.
Mit Etui, Originalgriffel fehlt, Ersatzgriffel gebaut, Anleitung wie zuvor.
 

Gebaut wurden die Stimas in der Fabrik Albert Steinmanns in La Chaux De Fonds (Schweiz). Leider ist über die Firma wenig bekannt, nur dass die ersten Stimas 1930 entstanden und mindestens bis Anfang der 50er-Jahre auch eine Staffelwalzen-Maschine produziert wurde.

 
 

Scheibenaddierer sind von der Bedienung her späte Miniaturausgaben der berühmten Pascaline, aber die interne Mechanik ist natürlich ganz anders. Ein Griffel wird in das zur Ziffer korrespondierende Loch einer Scheibe gesteckt und diese dann bis zum Anschlag gedreht. Weil dabei (wenn nötig) auch ein Zehner­übertrag passiert, handelt es sich um echte, wenn auch sehr einfache Maschinen. Auch sie waren Geräte für diejenigen, die sich eine große Rechenmaschine entweder nicht leisten konnten oder eine solche nicht benötigten, weil nur kleinere Additionsaufgaben zu bewältigen waren. In Europa wurden sie selten gebaut und benutzt, in den USA jedoch blieben sie bis weit nach dem 2. Weltkrieg noch verbreitet im Einsatz.

 
 

„The Lightning Adding Machine“

Dieses Modell, gebaut im August 1946, ist das erste des Herstellers. Es ist nur zum Addieren wirklich gut geeignet (also eine „Einspezies-Maschine“) obwohl die Werbung damit protzt, dass man alle vier Grundrechenarten ausführen könne. Multiplikation und Division sind aber nur mit viel Kopfrechnen und/oder Notizen zu bewältigen, das geht mit Stift und Papier schneller. Der damalige Neupreis lag bei 12,95 Dollar. Hier muss man zum Löschen noch alle Stellen einzeln auf Null drehen, erst zwei Jahre später wurde das Nachfolgemodell mit Löschschieber eingeführt. Noch spätere Modelle konnten dann auch für Subtraktion mit korrektem Zehner­übertrag benutzt werden.


mehr Infos bei
D.Bölter
 
The Lightning Adding Machine Co.
Lightning Adding Machine
Datumsstempel AUG 23 1946

30,5 x 6,5 x 1 (mit Ständer 36 x 11 x 4,5)
300 g (mit Ständer 600 g)
1946 - 1948
  • Eingabe über 7 Lochscheiben,
  • Anzeige in 7 Schaulöchern,
  • primär nur Addition,
    hilfsweise Subtraktion über die roten Dreiecke.
  • Zehnerübertrag nur bei Drehung im Uhrzeigersinn,
  • Aufsteller aus Bakelit.
2/1: einige Kratzer und winzige Lackfehler, insgesamt guter Gesamteindruck; alles funktioniert einwandfrei (sogar der Zehner­übertrag über alle 6 Positionen!).

Eine Feder nachjustiert, zwei Ziffern ausgebessert, Griffel aus Kupferstange hergestellt

Originalgriffel fehlt; Anleitung des Vorgängermodells im Internet gefunden und überarbeitet.
 

„The Calculator Co.“ wurde 1915 in Grand Rapids gegründet. Die Firma ließ ihre Scheibenaddierer vermutlich bei einer örtlichen Metallstanz-Fabrik in Lohnfertigung bauen, denn fast baugleiche Geräte gibt es in den 20er- und 30er-Jahren auch von anderen Firmen aus Grand Rapids (aber auch aus Oakland). Die Namen und Besitzer all dieser Firmen wechselten öfters.
Um 1926 wurden die Geräte durch die in einer Linie liegenden Schaulöcher für das Ergebnis verbessert. Anfang der 40er-Jahre pausierte die Herstellung von Scheibenaddierern, denn die Stanzen wurden nun für den Krieg benötigt...
„The Lightning Adding Machine Co. Inc.“ war der Nachfolger der „Calculator Co.“, nun allerdings mit Firmensitz in Los Angeles. Die gleichnamige Maschine (nun also nicht mehr als „Calculator“ angepriesen) in ihren verschiedenen Enwicklungs­stufen wurde dort von 1946 bis 1959 in über zwei Millionen Exemplaren gebaut. Nach 1959 ist jedoch keine Spur der Firma mehr zu finden.

 
 

Faber-Castell Addiator 67/22R Disponent

Auch dieser kleine Rechenstab hat wieder einen Addiator (diesmal das Modell Arithma). Außerdem hat er recht ungewöhnliche Skalen, die eher für Kaufleute und Bankangestellte gedacht waren. Unter dem Infolink zum Rechnerlexikon gibt es dazu viele Infos, zu den Zahlenschiebern steht mehr beim Addiator.
Der Datumsstempel dieses Exemplars gibt als Produktionsjahr 1951 an. Einen Preis kenne ich nur von 1972: 29,70 DM.


mehr Infos zu Castell-Addiator im
 
Faber-Castell
Addiator 67/22R Disponent


15,5 x 4,5 x 1
70 g
1947 - 1972
  • Alle Grundrechenarten ausführbar,
  • Skalen: KZ (T p% E/T) V/Z; hinten: (Pfund/Shilling/Pence) d.h.: Kapital, Tage (Jahr), Zinsfuß, Verkauf/Teiler, Einkauf/Zähler,
  • Löschbügel für den Addiator,
  • Lineal für cm und inch.
  • Sondermarkierung π auf jeder Skala,
  • der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war.
1/1, kaum Gebrauchsspuren; einwandfreie Funktion.
Auch hier dienen die Lehrbriefe von Faber-Castell als Anleitung.
 
 

Curta I

Die kleinste aller Vierspezies-Maschinen stammt auch aus einem kleinen Land: aus Liechtenstein. Sie enthält auf nur 5,3 cm Durchmesser und 10,7 cm Höhe alle nötigen Bedienelemente und Anzeigen. Das wird dadurch erreicht, dass alle Stellen durch eine einzige zentrale Staffelwalze angetrieben werden. Diese Staffelwalze ist zudem mit Zähnen für die Komplementärziffern ausgestattet, so dass man allein durch leichtes Herausziehen der Kurbel auch subtrahieren kann. Runde Rechenmaschinen mit zentraler Kurbel gab es schon vorher (z.B. die „Rechenuhr“ von Hahn oder die „Gauss“ von Hamann), aber keine dieser Maschinen erreicht auch nur annähernd die Kompaktheit der Curta.
Die Herstellung erforderte daher auch höchste Präzision und vor allem erst einmal die Ideen, wie man eine so weitgehende Miniaturisierung erreicht. Die Curta gilt daher zu Recht als feinmechanisches Wunderwerk. Mit 425 DM war sie damals gar nicht so teuer, heute jedoch ist je nach Zustand schon mal das nominal Vierfache oder mehr dafür zu zahlen, obwohl sie keineswegs selten ist.
Dieses Exemplar stammt nach den Angaben auf Curtamania aus dem Jahr 1957, es hat noch die ältere Version der Kurbel und den Löschring aus Metall. Benutzt wurde es beim Zoll: Der Vater des Vorbesitzers war Betriebsprüfer beim Zoll in Passau und erhielt dort diese Curta, um bei Außenterminen eine eigene Rechenmaschine zur Hand zu haben.


Alles über die Curtas bei
Curtamania.com
und
Curta.de

Ein Größenvergleich:



 
Contina
Curta I
S.Nr. 38754

5,5 x 5,5 x 11
230 g
1948 - 1970
  • EW 8st.,
  • UW 6st.,
  • RW 11st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschring für RW und UW (durch Ziehen um das Werk).
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Schalter für Drehrichtung im UW,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar (Subtraktion mit gezogener Kurbel).
1/1: Nur kleinste Gebrauchsspuren, extrem leichtgängiger Lauf.
Schutzdose und Originalanleitung vorhanden.
 

Die ursprünglich als „Liliput“ geplante Maschine wurde von Curt Herzstark konstruiert. Erste Ideen dazu entwickelte er ab 1934 als Konstrukteur in der Rechenmaschinen-Fabrik seines Vaters („Austria“) in Wien. 1937 erbte er diese Firma, in den Kriegs­jahren wurden dort u.a. feinmechanische Geräte für die Wehrmacht produziert. 1943 wurde Herzstark im KZ Buchenwald interniert, durfte aber weiter an der Entwicklung seiner Rechenmaschine arbeiten. 1944 wurden ihm dafür zwei Patente erteilt.
Nach seiner Befreiung suchte Herzstark einen Hersteller für seine Entwicklung. Mit Vertretern des Liechtensteiner Fürsten (die ihn letztlich massiv übervorteilten) wurde er handelseinig und die Firma Contina entstand.
Die Produktion lief dort gut, aber die Firma blieb von Beginn an unterkapitalisiert und der Verkauf wurde extrem halbherzig betrieben. Es wurden daher zwar viele Curtas verkauft (so etwa 140.000), aber weit weniger als es dem Bedarf entsprochen hätte und als zur Kostendeckung nötig gewesen wären. Der große wirtschaftliche Erfolg blieb folglich aus und 1966 wurde die Contina AG von der Hilti AG übernommen. Bis 1970 wurden weiterhin Curtas gebaut, dann führte der absehbare Siegeszug der elektronische Geräte zum Ende von Produktion und Firma.

 
 

Schon kurz nach 1900 wurde das Kurbeln erstmals durch Elektromotoren ersetzt, um die Eingabe- und Rechengeschwindigkeit zu steigern und den Kraft­aufwand zu verringern. Diese Maschinen waren viel teurer und oft sehr laut, aber auch viel schneller zu bedienen. Die Hersteller wett­eiferten darum, immer neue Maschinen mit schnelleren Umdrehungen und neuen Funktionen auf den Markt zu bringen. Gegen Ende der Entwicklung gab es Geräte mit mehreren Speicherwerken, automatischer Division und/oder Multiplikation, vereinzelt sogar mit automatischem Wurzel­ziehen. Das waren dann Maschinen aus mehreren tausend Präzisionsteilen, die in aufwendigster Arbeit zusammenge­setzt werden mussten. Durch die hohen Drehzahlen stieg aber die Materialbeanspruchung, elektrische Maschinen waren daher deutlich reparaturanfälliger.

 
 

Friden STW10

Die STW ist eine dieser großen und komplexen Maschinen, die sich vor allem in den USA spätestens im 2. Weltkrieg durchsetzten. Sie ist ein Vollautomat, d.h. nach Vorein­stellung der Zahlen und Knopfdruck laufen Division und Multiplikation selbsttätig ab. Für letztere gibt es links unten eine Multiplikator-Tastatur im „modernen“ Layout mit einer eigenen Anzeige, die an die Technik der Facit-Maschinen erinnert. Viele besondere Einstellungen sind möglich, das Innenleben ist daher extrem komplex aufgebaut mit vielen Lagen von Hebeln und Gestängen an beiden Seiten und im Inneren. Ein echtes Monster, ich habe da auch noch nicht alle Fehler gefunden.
Das Schaltprinzip (für die Übertragung der Werte von der Tastatur ins Resultatwerk) sind hier Staffelwalzen, jeweils zwei auf einer der fünf Achsen. Leibniz wäre begeistert gewesen, was aus seiner Erfindung wurde.
In den einschlägigen Listen steht für die Serien­nummer der Maschine das Baujahr 1951. Den Neupreis kenne ich nur von 1957: monströse 5.170 DM, also etwas teurer als ein einfacher VW Käfer, ungefähr 13,5 Monatslöhne!


mehr Infos im
Old Calculator Museum

Multiplikation:
(AVI, 10 MB):
Division:
(AVI, 15 MB):
Friden
STW10
S.Nr. 470211DA

46 x 37 x 22,5
18,6 kg
1949 - 1966
  • EW 10st.,
  • UW 11st.,
  • RW 20st.,
  • Multiplikatorwerk 10st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschschieber im Schlitten (koppelbar) und 2 Löschtasten (elektrisch) für Schlitten bzw. Tastatur.
  • Zehnerübertrag auch im UW, im RW nur über 12 Stellen,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • optionaler Split des RWs,
  • RW und UW vor Löschung separat schützbar,
  • UW um- und abschaltbar
  • Taste zum Setzen des Dividenden,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Tastatur komplett oder kolonnenweise sperrbar,
  • automatische Division und Multiplikation (auch negativ und akkumulierend),
  • Tabulatortasten für automatische Kommastelle,
  • auf 110-230 V Gleich- oder Wechselstrom einstellbar.
3/3: Gehäuse mit vielen Gebrauchsspuren und zwei größeren Scharten, eine Taste stark angegriffen; die Maschine rechnet so weit zuverlässig, doch die Taste für Voreinstellung des Dividenden lässt nur den Schlitten hin- und herspringen (also ist entweder Handeinstellung oder Plustaste mit deaktiviertem UW nötig), im Multiplikator sind nur 9 Stellen gut einzugeben und eine zuletzt eingetippte 1 wird dort aus unerfindlichem Grund nicht immer erkannt. Hmmm....

Den in eine eklige weiße Schicht verwandelten Klarlack auf Multiplikator-Anzeige und den meisten Ziffernrädern mit Alkohol und Schaber entfernt, zwei zerbröselte Gummipuffer durch Schraubenverlängerungen ersetzt, einen fehlenden Wirtel im RW ersetzt, viele Hebelchen nachjustiert ... und eine Handkurbel für die stromfreie Nutzung gebaut!

Englische Anleitung im Internet gefunden.
 
 

Rokli 7R

Die 7R ist das „Flaggschiff“ der Firma. Sie ist ein ausgereiftes Gerät mit guter Ausstattung in der damals verbreiteten Kapazität 10/8/13, sehr solide verarbeitet und wohl auch deshalb immer noch mit einwandfreier Funktion. Dieses Exemplar ist aber deutlich weniger aufwendig beschriftet als die im Rechnerlexikon gezeigte prachtvolle Maschine aus früheren Jahren: sicher eine Maßnahme, um die Produktionskosten zu senken.
Dieses Gerät ist ein echter Kellerfund und sammelte dort viele Jahre lang Staub. Wo und wofür es mal benutzt wurde ist nicht ganz klar, die beiden netten Verkäuferinnen vermuteten, dass ein Verwandter sie aus seinem Büro beim Maschinenhersteller Naxos Union mit nach Hause brachte, nachdem sie dort nicht mehr gebraucht wurde (noch jemand, der funktionierende Sachen nicht einfach wegwerfen wollte). Gebaut wurde die Maschine vermutlich 1954. Ihr Preis war damals mit 775 DM (etwa zweieinhalb Monatslöhne) vergleichsweise hoch angesetzt.

   
Rokli
7R
S.Nr. 013031

30 x 16,5 x 15
5,2 kg
ca.1950 - 1958
  • EW+KW 10st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Schalter für Drehrichtung im UW,
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Schlittenfreigabe-Taste hinten rechts.
2/1: Einige Stoßstellen, Zahlenreihen der „1Mark“- „10Pfennig“- und „1Pfennig“-Stellen durch häufige Benutzung etwas abgegriffen. Sehr leichtgängiger Lauf.

Spröde Gummifüße ersetzt und die unglaublich hässliche, sanitärgrüne Schlittenfreigabetaste schwarz eingefärbt :)

Kurzanleitung geschrieben.
 

Der Hersteller war nur etwa 20 km von meinem jetzigen Wohnort entfernt. Rokli steht für Robert Kling, den Inhaber der gleichnamigen Firma aus Oberbiel bei Wetzlar, in der ab 1918 (damals noch in Wetzlar) Kugel­lager hergestellt wurden. 1949 stieg man in die Rechnerproduktion ein, weil die Kugellagerherstellung von den Siegern des 2. Weltkriegs verboten wurde. Schon neun Jahre später wurde die Produktion wieder eingestellt, stattdessen kaufte man fünf Jahre lang Schubert-Maschinen (z.B. diese DRV) zu und verkaufte sie unter dem eigenen Firmennamen. 1963 begann in einem belgischen Zweigwerk wieder die Produktion elektromechanischer Addier­maschinen und Kassen, andere Rechenmaschinen wurden zugekauft. Unter der neuen Marke „Kling“ gab es daher die eigenen Kassen und Addiermaschinen, aber auch z.B. eine schrill-orange Rechenmaschine, die vom jugoslawischen Hersteller TRS stammt (und mit ihren feststehenden Einstellhebeln technisch recht fortschrittlich ist), ja sogar elektronische Tischrechner wie diesen von Brother gebauten. 1974 kaufte FAG Kugelfischer die Firma auf, spätestens da endeten Rechenmaschinen-Produktion und ‑Verkauf. Heute heißt die Firma am gleichen Ort IBC Wälzlager GmbH und stellt immer noch bzw. wieder Kugellager aller Art her.

 
 

Tröger Rechenscheibe

Durch die runde Form ist das ein quasi "endloser" Rechen­schieber. Allerdings eine recht einfache Version mit nur drei Skalen, laut Hersteller gedacht „für den Gross- und Einzel­handel aller Branchen“. Damit hat mein Vater bis etwa 1973 Preise und Handelsspannen berechnet. Erst nach Juni 1968 kann er die Scheibe gekauft haben: In der Anleitung stehen 11% Mehrwertsteuer (fast halb so viel wie heute, aber damals reichte das Geld für ordentliche Schulen, Straßen und Renten).

     
Hans Tröger
Rechenscheibe

29 cm Durchmesser
300 g
ca.1950 - 1974
  • Zwei logarithmische Skalen für Multiplikation und Division,
  • Prozentwerte, Angabe von 1 inch, 1 oz, Pi und 1 lbs.
  2/1: leichte Gebrauchsspuren, Skalen intakt, leichtgängige Funktion.
Originalanleitung in mehreren Versionen vorhanden.
 

Die Firma Tröger in Mylau begann wohl lange vor 1920 (Patent ab 1904) mit dem Bau ihrer „runden Rechenschieber“. Nach der Teilung Deutschlands wurde dann im Westen bis Ende 1974 weiter produziert. Es gibt verschiedene Modelle, das hier ist die letzte Baureihe.

 
 

Счетмаш ВК-1 (Schetmash VK-1)

Die ausgereiften Facit-Rechenmaschinen mit Tastatur wurden auch in der Sowjetunion (und in der DDR) nachgebaut, vermutlich sogar mit schwedischer Lizenz. Die VK‑1 aus der UdSSR ist bis in die Details eine genaue Kopie der Facit TK. Nur wirkt das Material irgendwie „billiger“ als beim Original und man merkt die teils niedrigere Passgenauigkeit.
Die ersten VK‑1 dürften etwa 1950 entstanden sein, dieses Exemplar mit seinem Jahresstempel von 1975 ist eines der ganz späten Exemplare.


Geteiltes Sprossenrad geöffnet...:

...und mit Einstellscheibe:
 
Счетмаш (Пенза)
ВК-1
S.Nr. Б006860

30,5 x 18 x 14
5,9 kg
1950 - ca.1975
  • EW+KW 9st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Drehsinn des UWs wird von erster Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich,
  • mitlaufende Stellenzeiger in UW und RW.
2/2: Gehäuse mit kleinen Gebrauchsspuren; funktioniert wieder, aber hakelt manchmal noch etwas.

Trommel zerlegt und Sprossenrad 4 durch Ausfeilen gängig gemacht, Versatz der Löschachse des RWs justiert, Zehner­übertrag im Umdrehungszählwerk teilweise justiert (Hebelchen zurechtgebogen), einige Stellen der Mechanik nachgefeilt, Flugrost an vielen Metallteilen entfernt.

Kurzanleitung geschrieben.
 

Schetmash (eine Zusammenziehung von „счетиых мажин“, die auf Deutsch ungefähr "Rechmasch" bedeutet) hießen zeitweise mehrere Fabriken, darunter auch eine in Penza. Eine dort bereits 1879 gegründete Fabrik wurde 1924 verstaatlicht und in den 30er-Jahren deutlich erweitert. Im Krieg wurde natürlich massive Kriegsproduktion betrieben, danach baute man einige Jahre lang auch „Felix“-Sprossenrad­maschinen, dann die VK‑1 und ab 1954 die elektrische VK‑2.
Schon Anfang der 70er-Jahre wurden auch elektronische Rechner der Marke „Iskra“ produziert. Im November 2008 wurde die Firma liquidiert.

 
 

M.J.Rooy

Eine eigenartige Maschine, mit einer Mischung damals fortschrittlicher und altertümlicher Merkmale. Sie schaut aus wie eine ganz typische Sprossenrad-Maschine, ist aber keine. Hier arbeiten Stellsegmente, was die auch nicht mitdrehenden, bequemeren Einstellhebel ermöglicht. Auch eine Rücküber­tragung ist vorhanden, aber das sind dann schon die Pluspunkte des Geräts. Auf der anderen Seite stehen der fehlende Zehner­übertrag im Umdrehungszählwerk (was in den 50er-Jahren zumindest für Westeuropa sehr ungewöhnlich ist) und eine eher „grob gestrickte“ Mechanik mit viel Material minderer Qualität (statt Messing und massivem Stahl viel Aluminium und dünne Stanzteile). Die Maschine ist deshalb auch etwas größer als damals üblich und für zuverlässige Funktion ist eine extrem genaue Justierung nötig. Die Stellsegmente sind baugleich mit denen der Marchant H9, sehr wahrscheinlich wurden hier Restmengen verbaut, die Marchant (nach der Aufgabe der Produktion von Stellsegment-Maschinen) nicht mehr benötigte und daher preiswert abgegeben hat. Solche Lieferungen gab es im Rahmen des Marshall-Plans öfters.
Ein Neupreis der Maschine ist leider nicht bekannt. Es gibt auch keine Modellbezeichnung, obwohl es mindestens ein weiteres Modell unter der gleichen Marke (aber ohne Rückübertragung) gibt. Die Seriennummer dieses Exemplars ist eine aus dem Mittelfeld der bekannten Nummern, das lässt ganz grob ein Baujahr um 1957 schätzen.


Ein Stellsegment aufgeklappt:

Stellsegmente in Aktion [weiss = 3, rot = 6]
(AVI, 15 MB!):
M.J.Rooy

S.Nr. 12905

34 x 17,5 x 15
5,7 kg
ca.1951 - ca.1962
  • EW+KW 10st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschhebel für EW,
  • 2 Löschkurbeln für UW und RW.
  • im UW rote Ziffern bei negativer Zählung (zwei 9er),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel.
1/1: nur wenige Gebrauchsspuren; alles funktioniert einwandfrei.

Sperrmechanik und viele Stellsegmente waren durch altes Fett fest, was letztlich nur durch komplettes Zerlegen und Benzinbad zu beheben war. Einen fehlenden Knopf ersetzt, Trommel justiert. Eine Achse zuviel gezogen, unter heftigem Fluchen stundenlang winzige Kügelchen in die Übertragsschieber zurück gedrückt.

Französische Anleitung im Internet gefunden.
 

Von M.J.Rooy ist im Internet wenig zu finden, nur dass es ein Schreibmaschinen-Hersteller aus Paris war. Deren erste Schreibmaschinen wurden in Lizenz von Underwood gebaut, ab 1950 hießen sie dann ROOY. Wegen einer Klage der Royal Typewriter Co. wurde der Name 1954 zu M.J.Rooy geändert. Irgendwann in der ersten Hälfte der 60er-Jahre wurde die Produktion dann eingestellt.
M.J.Rooy hat die Rechenmaschinen wahrscheinlich nicht selbst gebaut. In Italien wurde eine baugleiche Maschine von der Firma Steiner Calculator aus Mailand (über die man ebenfalls sehr wenig weiß) als „Helios“ angeboten. Vermutlich ist das der eigentliche Hersteller.
In Mailand scheint es überhaupt in den 50er- und 60er-Jahren eine regelrechte „Szene“ von Rechen­maschinen-Konstrukteuren und kleinen bis kleinsten Herstellern und Vertriebsfirmen gegeben zu haben, von denen heute jeweils nur wenige Maschinen bekannt sind und über die man noch wenig weiß.

 
 

Addifix-9

Die Addifix ist ein typischer Zahlenschieber im Taschenrechner-Format: Sie misst gerade mal 13 cm x 8,8 cm, ist 0,5 cm dick und 80 g leicht. So ein Gerät war wirklich für jeden erschwinglich: Der Listenpreis lag 1951 bei 8,50 DM. Die Serien­nummer datiert das Exemplar auf ca.1964.

   
Neckermann
Addifix-9
S.Nr. 793647

9 x 13 x 0,5
80 g
1951 („Addimult Sumax“) - ca.1973
  • Eingabe über 9 Schieber (9. Schieber nur per ZÜ),
  • Addition, Subtraktion (nicht unter Null!),
  • Löschschieber.
  • eine Seite zum Addieren, die andere Seite zum Subtrahieren,
  • mit Eingabegriffel aus Metall und Halterung dafür.
2/1: Einige Kratzer, durchgängig überraschend leichtgängige Funktion.

Einen verbogenen Zahn eines Schiebers gerichtet.

Mit Originalgriffel und Etui, eine Addiator-Anleitung im Internet gefunden.
 

„Addifix“ ist der Name, unter dem das Versandhaus Neckermann ab 1959 die Geräte von Addimult vertrieben hat. Neckermann war zeitweise der zweitgrößte deutsche Versandhändler, ist aber seit 2012 Geschichte weil das Internet nahezu alle Versandhäuser obsolet machte. Die Marke gibt es aber noch: Der damalige Konkurrent Otto betreibt unter ihr ein zweites (nahezu identisches) Versandportal, der vor kurzem Konkurs gegangene Reiseveranstalter Thomas Cook hat „Neckermann-Reisen“ bis jetzt weiter geführt.

 
 

Everest Z4

Das Facit-Design wurde nach Ablauf der Patente von einigen anderen Konstrukteuren aufgegriffen, so auch von Eliseo Restelli, der in den 40er- und 50er-Jahren die Everest Z‑Reihe entwickelte. Seine Maschinen haben aber „normale“ (statt geteilter) Sprossenräder, die Zifferntasten sind ganz anders angeordnet und sie können wegen einer pfiffigen Sperre nur einzeln gedrückt werden.
Die Modellreihe geht von Z1 bis Z5R. Die Z4 ist der Entwicklungsstand mit Einhandbedienung, d.h. alle Bedienelemente sind nun auf einer Seite. Die Z5 bekam zusätzlich einen Additionsmodus, die Z5R stattdessen eine Rückübertragung.
Dieses Exemplar dürfte um 1954 entstanden sein, der Neupreis lag damals bei 850 DM.

   
Everest
Z4
S.Nr. 028314

31,5 x 19,5 x 16,5
6,7 kg
ca.1952 - ca.1955
  • EW+KW 9st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Schalter und Anzeige für Drehrichtung im UW
    (auch durch erste Kurbeldrehung automatisch bestimmt),
  • mitlaufende Stellenzeiger in UW und RW,
  • Aufhebung der Drehrichtungssperre mit Taste am Boden.
2/1: Gehäuserückseite mit einigen Stoßstellen, Gehäuse sonst sehr gut erhalten; einwandfreie und sehr leichtgängige Funktion

Ausgehängtes Federchen der „Links“-Taste korrigiert, Blenden neu justiert.

Kurzanleitung geschrieben
 

„Everest“ ist kein Hersteller sondern die Marke, unter der die 1932 gegründete „S.A. Serio Officine Meccaniche di Precisione“ in Crema (am Fluss Serio) und Mailand Rechen- und Schreibmaschinen produzierte. In den 50er-Jahren wurde Serio zum zweitgrößten italienischen Rechenmaschinen-Produzenten (nach Olivetti), auch Fabriken in der Türkei und Jugoslawien („TRS“) gehörten zeitweise dazu. 1967 kaufte Olivetti die Firma und integrierte sie allmählich in den eigenen Konzern, zwei Jahre später wurde die Firma gelöscht. Die Fabrik in Crema wurde von Olivetti 1992 aufgegeben.

 
 

Komet TA

Diese Addiermaschine sieht dem Comptometer etwas ähnlich, aber der große Hebel rechts zeigt schon einen wesentlichen Unterschied: Hier muss nach Eingabe des Wertes erst noch dieser Hebel gedrückt werden. Das macht das Rechnen etwas langsamer, ermöglicht dafür aber die Eingabe­kontrolle und hilft, Eingabefehler zu vermeiden.
Alles was eine nichtdruckende Addiermaschine braucht ist da: Minus-Taste, eine Wiederholtaste sowie Löschtasten für Eingabe und Ergebnis. Dazu kommt ein nettes Detail: Die Ziffernrollen im Ergebniswerk haben eine zweite Ziffernreihe mit dem Zehnerkomplement. Falls man unter Null subtrahiert, kann man durch Verschieben einer Blende das negative Ergebnis ggf. direkt ablesen (was allerdings bauartbedingt nur korrekt klappt, wenn man „ganz rechts “subtrahiert). Es gab auch eine Variante ohne Einstellkontrollwerk.
Als „Komet“ war sie kein Erfolg, nur etwa 1.000 Stück wurden gebaut. Ab 1956 wurde sie dann von Brunsviga als „90 TA“ vermarktet und mit dem großen Namen verkaufte sie sich einige Jahre recht gut. Ihr Preis: 325 DM.


mehr Infos (PDF) im
 
Komet
TA
S.Nr. 051429

23 x 27,5 x 14,5 (o.Hebel 18,5 x 27,5 x 7,5)
3,8 kg
1952 - 1955
  • EW+KW 8st.,
  • RW 9st.;
  • Addition und Subtraktion,
  • R-Taste für behelfsmäßige Multiplikation,
  • C-Taste für Löschung aller Tasten,
  • Löschung des RW mit Stern-Taste und Hebeldruck.
  • Blende im RW zum Ablesen negativer Summen verschiebbar.
1/1: nur sehr geringe Gebrauchsspuren; völlig einwandfreie Funktion.

Einige Schrauben ersetzt, Einstellkontrolle und Zehnerüberträge justiert.

Kurzanleitung geschrieben.
 

Komet war nur die 1951 in Frankfurt gegründete und schon 1955 in Insolvenz geratene Vertriebsfirma. Der wirkliche Konstrukteur und Hersteller der Maschine war Sigfried Link, der in Griesheim (bei Darmstadt) eine feinmechanische Werkstatt betrieb. Auch die als „Brunsviga“ verkauften Geräte hat er hergestellt.

 
 

Thales DER (II)

Die Modellreihe D von Thales hat eine größere Kapazität. „DER“ steht für das Modell D mit Einstellkontrolle und Rück­übertragung. Dieses Exemplar stammt aus der deutlich überarbeiteten Nachkriegs-Baureihe, deshalb setzte ich die „II“ dahinter.
Erstaunlich ist, dass auch dieses Nachkriegsmodell noch den außenliegendem Löschkamm für das Einstellwerk hat. Fortschrittlich sind dagegen die Direkt­einstellung der Werte im Resultatwerk (nützlich zum Runden oder zur Einstellung von Dividenden) und die neue Einhand-Schlittenverstellung. Letztere arbeitet genau gegenläufig zur bei Brunsviga, Rokli und Schubert üblichen Richtung, was einiges an Umgewöhnung erfordert.
Diese Maschine wurde wahrscheinlich 1962 vom ehemaligen Bankhaus Hengst in Offenbach erworben, der Neupreis damals betrug 895 DM. Später fusionierte die Bank zu „Schröder Münchmeyer Hengst & Co.“ (SMH). 1983 wurde die in Schieflage geratene SMH von der Lloyds-Bank übernommen, da fand man die Maschine in der SMH‑Hauptbuchhaltung. Zu dieser Zeit hatte man keine Verwendung mehr für mechanische Rechenmaschinen, aber glücklicherweise rettete ein Lloyds-Mitarbeiter die Maschine vor der Verschrottung.

   
Thales
DER (II)
S.Nr. 160653

33,5 x 16,5 x 13,5
7,1 kg
1952 - 1965
  • EW+KW 12st.,
  • UW 10st.,
  • RW 18st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschkamm für EW,
  • 2 Löschhebel für UW und RW.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Schalter für Drehrichtung im UW
    (auch durch erste Kurbeldrehung automatisch bestimmt),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar.
2/2: an den rechten Einstellschiebern stark abgegriffen, sonst aber wenig Gebrauchsspuren; so weit einwandfreie Funktion, aber die Kommaleiste der Einstellkontrolle fehlt (noch...) und wenn der Schlitten ganz links steht blockiert der Zehner­übertrag im Umdrehungszählwerk von ..999 auf ...000.

Abgegriffene Bakelitschale am Rückübertragungshebel neu lackiert.

Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Monroe LN-160X

Monroe ist der Hersteller, der diese oft kopierte Bau­weise entwickelt hat. Diese Maschine ist allerdings ein sehr spätes Exemplar mit kleinen Abmessungen und modernem Gehäuse. Die L‑160 wurde ab 1929 volle vier Jahrzehnte lang gebaut, mit nur kleinen technischen Verbesserungen aber immer mal wieder modernisiertem Gehäuse. Alle guten wie schlechten Merkmale des Maschinentyps finden sich hier: optionaler Additionsmodus, schnelle Eingabe, aber weder Rückübertragung noch Zehner­übertrag im Umdrehungszählwerk. Hier werden die Staffel­walzen an einer Achse entlang bewegt (je nach Ziffer mehr oder weniger weit), die treiben ggf. ein Zahnrad (und so eine Stelle im Ergebniswerk) an. Die Staffelwalzen sind zweigeteilt, was für kurze Schaltwege und Platzersparnis sorgt: Pro Stelle gibt es eine schmale Walze mit fünf Zähnen (die je nach Position das Zahnrad um null oder fünf Zähne weiter dreht) und eine weitere Walze mit vier unterschiedlich breiten Rippen (die das Zahnrad also je nach Position null bis vier Zähne weiter dreht). Auf diese Weise werden alle Ziffern von 0 (keine Walze am Zahnrad) bis 9 (5er‑Walze plus 4 Zähne) „erzeugt“.
Dieses Exemplar, die modernste Version der L‑160, wurde im Amsterdamer Zweigwerk von Monroe gebaut. Sein Baujahr ist unklar, aber die hohe Seriennummer lässt um 1960 herum vermuten. 1961 kostete das Modell 750 DM (etwas über drei Monatslöhne), was im Vergleich zu vielen besser ausgestatteten Maschinen des „Odhner-Typs“ teuer war. Doch in manchen Branchen war schnelles Addieren wichtiger als Rückübertragung und Zehner­übertrag, also fand auch die kleine Monroe ihre Käufer - zumindest bis die billigen Klone aus Osteuropa auf den Markt kamen.


mehr Infos zu den verschiedenen Baureihen bei
J.Wolff
   
Monroe
LN-160X
S.Nr. J724655

30 x 26 x 10
3,7 kg
1952 - 1969
  • EW 8st.,
  • UW 8st.,
  • RW 16st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für RW und UW (je nach Drehrichtung).
  • Zehnerübertrag im RW nur über 10 Stellen,
  • im UW rote Ziffern bei negativer Zählung (zwei 9er),
  • 2 Tasten für Additionsmodus an/aus.
2/1: Gehäuse sehr gut erhalten bzw. teils nachlackiert, Funktion wieder leichtgängig.

Deckblech wegen der massiv abgestoßenen linken Kante neu lackiert, extrem festgeharzte Kurbel und Zehnerüberträge (mit etwas WD40, mehreren ml Alkohol und vorsichtigem Ölen) gängig gemacht, ein abgebrochenes, aber zum Glück im Gerät liegendes Zähnchen für den Zehner­übertrag der 10.Stelle wieder eingeklebt.

Weil die L(N)-160X mit Koffer geliefert wurde (dafür steht das „X“) habe ich dieser Maschine einen nicht originalen, aber stilgerecht alten Koffer als Transportbehälter spendiert. Anleitung im Internet gefunden.
 

Die Monroe Calculating Machine Co. wurde 1912 in New York gegründet. Das erste Serienmodell war die Baureihe „D“, von der ab 1915 ca.4.000 Stück gebaut wurden. Es folgten die Baureihen E, F, G, K, ab 1929 die deutlich kleinere L und ab Anfang der 30er-Jahre noch M. Insbesondere von den späteren Baureihen gab es viele verschiedene Modelle mit immer mehr Extras: Immer öfter mit Elektromotor statt Kurbel, teils mit Zehner­übertrag im Umdrehungszählwerk, mit unterschiedlichen Stellenzahlen, gelegentlich mit automatischer Division, mit automatischer Multiplikation und/oder weiteren Zählwerken. Auch Buchungs- und Addiermaschinen mit Voll- oder Zehnertastatur wurden gebaut.
1958 wurde Monroe von Litton aufgekauft, einem Konzern, der überwiegend militärische Produkte (von Elektronik-Komponenten bis zum kompletten Zerstörer) herstellte.
Ab 1968 kam der erste (noch selbst entwickelte) elektronische Rechner dazu, im Folgejahr wurde die LN‑160X als letzte verbliebene handangetriebene Maschine zum letzten Mal angeboten. Ihr letzter Nettopreis (da kam gerade die Mehrwertsteuer) lag da immer noch bei 795 DM, die elektrischen Geräte von Monroe kosteten im gleichen Jahr zwischen 1.300 und 4.000 DM, die ersten Elektronenrechner knapp 7.000 DM, ein weiteres Jahr später sogar bis fast 19.000 DM (der einfachste VW Käfer kostete da etwa 5.000 DM netto).
1984 verkaufte Litton die Firma wieder. Heute heißt sie „Monroe Systems for Business“, auch (woanders gebaute) Rechner werden immer noch verkauft.

 
 

Addimult Ziffrex

Die Ziffrex ist offenbar für Berggorillas und andere Grobmotoriker entwickelt worden. Sie hat große, bequeme Einstellhebel, dadurch allerdings auch lange Stellwege. Ihr Funktionsumfang entspricht dem anderer Kleinaddierer mit Einstellkontrolle, doch sie ist etwa doppelt so breit und lang und hat im Gehäuse mehr Luft als Metall. Mit einem Neupreis von 169 DM war sie eigentlich zu teuer, aber offenbar fand sie doch Käufer: Einige tausend Exemplare sind gebaut worden (1958 war Nummer 6.000 erreicht, die höchsten bekannten Nummern sind knapp über 10.000).
Eine Zahnsegment-Maschine ist für Addimult sehr ungewöhnlich. Manche Sammler vermuten deshalb, das Gerät stamme von einem unbekannten Hersteller und sei von Addimult nur vertrieben worden. Ich denke eher, dass Addimult die Maschine selbst gebaut hat um zu testen, ob genügend viele Berggorillas unter der potentiellen Kundschaft sind (oder ob sich ein „aufgeblasener“ Kleinaddierer teurer verkaufen lässt).

   
Addimult
Ziffrex
S.Nr. 3874

20 x 28 x 15
4,5 kg
ca.1952 - ca.1962
  • EW+KW 7st.,
  • RW 8st.;
  • Minus-Hebel (Subtraktion nicht unter Null!)
  • Löschtaste für EW (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschdrehgriff für RW.
  2/1: Einige Kratzer, ein Hebelgriff mit Riss, einwandfreie Funktion.
Mit Schutzhaube, Kurzanleitung geschrieben.
Die Funktion des Hebelchens vorne links habe ich noch nicht herausgefunden... wer weiß dazu etwas?
 

Addimult ging aus einer Zweigstelle des größten Herstellers Addiator hervor, die der Sohn des Addiator-Gründers 1950 zur selbständigen Firma machte. Sie wurde einer der großen Hersteller von Zahlenschiebern und überlebte bis 2017. Natürlich wurden da keine Zahlenschieber mehr gebaut, sondern vor allem Reha-Hilfsmittel.

 
 

Hamann Manus R

Das letzte Modell der Hamann Manus hat nun erstmals einen nachgestellten Buchstaben im Namen: Der steht für die Rückübertragung, die die ohnehin luxuriöse Ausstattung nochmals deutlich aufwertet. Auch Mitte der 50er-Jahre war das noch Spitze, warum die Maschinen nicht verbreiteter waren ist kaum zu verstehen.
Die Seriennummer dieses Exemplars deutet auf ein Baujahr um 1957, der Preis damals war 598 DM (etwa eineinhalb Monatslöhne). Ich habe sie von einem Händler gekauft, daher weiß ich leider nicht, wo und wofür sie mal benutzt wurde. Sehr heftigem Gebrauch war das Gerät jedenfalls nicht ausgesetzt, es ist in extrem gutem Zustand.


mehr Infos im
 
Hamann
Manus R
S.Nr. 47 551

27,5 x 17 x 14,5
4,9 kg
1953 - 1959
  • EW+KW 9st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Schalter für Drehrichtung im UW,
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar, Subtraktion per Umschalter,
  • Lösehebel für blockierte Kurbel,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel,
  • „automatische“ Division,
  • daher keine Überlaufglocke.
1/1: Sehr wenige Gebrauchsspuren, alle Hebel, Schalter, Rädchen und die Kurbel sind wunderbar leichtgängig.
Mit Schutzhaube, Anleitung im Internet gefunden.
 
 

Everest Z5

Die Nachfolgerin der Z4 hat zusätzlich einen Schalter für den optionalen Additionsmodus, damit löscht jede Kurbeldrehung die Eingabe. Ansonsten ist die Technik exakt gleich, auch die schöne Sperre gegen mehrfache Tastendrücke ist vorhanden.
Dieses Exemplar ist wohl 1958 oder kurz danach gebaut worden. 1960 war das Modell zum letzten Mal im Büromaschinen-Katalog, der Neupreis lag da bei 795 DM.

   
Everest
Z5
S.Nr. 2741612

33 x 20,5 x 16
6,9 kg
ca.1953 - 1960
  • EW+KW 9st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Schalter und Anzeige für Drehrichtung im UW
    (auch durch erste Kurbeldrehung automatisch bestimmt),
  • mitlaufende Stellenzeiger in UW und RW,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Aufhebung der Drehrichtungssperre mit Taste am Boden.
2/1: Gehäuse mit wenigen Stoßstellen und sehr gut erhalten, Kurbelbock korrodiert; einwandfreie und leichtgängige Funktion

Eingetrübte Scheibe von RW und UW ersetzt, Ziffern der Tastatur neu eingelegt.

Kurzanleitung geschrieben
 
 

Brunsviga 13B

Das hier ist das Modell für die Kunden, denen die Brunsviga 13RK zu teuer war. Aber vielleicht spielte auch die Materialknappheit nach dem Krieg eine Rolle bei der Entwicklung. Bei der 13B ist so ziemlich alles weggelassen, was nicht unbedingt notwendig ist. Es fehlen Einstellkontrolle, Rück­übertragung, Gesamtlöschung und Schlittenschieber unter der Kurbel. Immerhin gibt es den Zehner­übertrag im Umdrehungszählwerk, letztlich kann hier alles gerechnet werden was mit der 13RK auch geht, nur eben oft deutlich umständlicher und etwas fehleranfälliger.
Die Seriennummer datiert dieses Exemplar auf 1953, der damalige Preis ist leider nicht bekannt.

     
Brunsviga
13B
S.Nr. 285523

28,5 x 23,5 x 17
6,7 kg
1953 - ca.1961
  • EW 10st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • im UW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im UW.
2/2: Um die Einstellhebel herum etwas abgegriffen, sonst wenig Benutzungsspuren. Leichter Lauf von Kurbel und Einstellschiebern, der Schlitten läuft noch etwas rauh.

Einige hakelnde Sprossen und den total festgefressenen Stellenzeiger des UWs wieder gängig gemacht.

 
 

Madix HM

Diese Sprossenrad-Maschine ist (abgesehen vom Gehäuse) wieder ein sehr genauer Nachbau der Facit TK. Sie hat daher auch die von Karl Rudin erfundenen geteilten Sprossenräder (ein Fünferzahn und vier Einzelsprossen) und alle anderen technischen Merkmale des Vorbilds.
Die „Allesrechenmaschine Modell HM“ wurde im VEB Madix Feinwerktechnik Dresden gebaut. Dieses Exemplar hat auf der Rückseite eine Marke mit Garantie von 1961 bis 1962, es ist also eines der späten Geräte. Am Boden steht „ZBO Güstrow“ („Zwischengenossenschaft­liche Bauorganisation“).

   
Madix
HM
S.Nr. D24127

29,5 x 19 x 15
5,8 kg
1953 - 1962
  • EW+KW 9st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (Trommel/EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Anzeige für Drehsinn des UWs
    (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich),
  • mitlaufende Stellenzeiger in UW und RW.
2/2: Gehäuse nur mit leichten Gebrauchsspuren, der Tastenschutzbügel ist nicht mehr belastbar; normale Rechnungen funktionieren leichtgängig und einwandfrei, die Drehrichtungs­umkehr des UWs hakelt jedoch.

Ziffern 4 und 9 durch Nachjustieren der Trommel benutzbar gemacht. Einige massiv abgeschabte Ziffern der Sprossenrad-Walze nachgemalt. Beide Kommaschieber-Leisten und zwei Zifferntasten fehlten, von einer unreparierbaren Precisa stammen die Ersatzteile. Der Bügel ist inzwischen auch angeklebt ... und vielleicht kann auch die Drehrichtungsumkehr noch irgendwie justiert werden?

Scan der Anleitung von Bruno Reich erhalten - VIELEN DANK!
 

Zum VEB Madix ist recht wenig bekannt, aber im Stadtwiki von Dresden und auf der Seite Dresdner Stadtteile finden sich einige Hinweise. Demnach haben Max Dietze und Hermann Schäfer nach dem 1.Weltkrieg die Firma gegründet. Anfangs stellte man vor allem feinmechanische Teile für die Näh­maschinenindustrie her. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Firma enteignet und zum VEB.
Da in Dresden vor dem Krieg auch Facit-Maschinen gebaut wurden (in der Fabrik von Hans Sabielny) darf man davon ausgehen, dass Madix irgendwann zwischen 1939 und 1945 deren Werkzeuge und den einen oder anderen Mitarbeiter übernahm.
Schwerpunkt der Produktion wurden später hydraulische Geräte, z.B. Wagenheber. 1990 übernahm die Weber-Hydraulik GmbH den Betrieb, 2007 wurde die Produktion komplett eingestellt.

 
 

Summira 7

Besonders in den 50er-Jahren waren Kleinaddierer sehr verbreitet. Hilfe beim Rechnen war gewünscht, aber die „großen“ Rechenmaschinen waren für die breite Masse noch zu teuer. Auch die Summira 7 war da für viele die Lösung, denn ihr Neupreis betrug gerade mal 89 DM. Sie rechnet genau wie die Resulta 7 mit Zahnscheiben, auch hier kann mit einem Hebel zwischen Addition und Subtraktion gewechselt werden. Diese Ähnlichkeit hat einen Grund: Beide Maschinen konstruierte Fritz Wichert. Die Summira ist aber deutlich verbessert, denn man braucht wegen der größeren Einstellräder (siehe Größenvergleich unten) keinen Griffel mehr und hat recht geschickt eine Einstellkontrolle ohne eine gesonderte Mechanik realisiert. Das umständliche Hin- und Herschalten zur Subtraktion stört aber, das konnten die letzten Resultas besser.
Die Summira gab es auch neunstellig, teils sogar mit Druckwerk. Letztere konnte außerdem mit einer kleinen Kassenschublade geliefert werden und war damit eine einfache Registrierkasse.
Dieses Exemplar scheint ein recht frühes Modell zu sein, die bekannten Seriennummern sind alle höher. Das Baujahr dürfte also um 1955 herum sein.

   
Summira
7
S.Nr. 47821

15 x 19,5 x 13,5
2,1 kg
1953 - ca.1968
  • EW 7st.,
  • RW 7st.;
  • Umschalter Addition/Subtraktion,
  • Löschtaste für EW (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschkurbel für RW.
  • Eingabekontrolle in unterster sichtbarer Zeile,
  • Löschtaste des EWs kann fixiert werden.
2/1: Zahlen der Einstellräder teils etwas angegriffen, sonst keine Gebrauchsspuren, alles läuft einwandfrei.

Eine Feder gekürzt, weil das zugehörige Einstellrad nicht gut zurück lief.

Mit Schutzhaube, Kurzanleitung geschrieben.
 

Summira wurde 1953 von Paul Müller gegründet. Er entwickelte und baute bis Ende der 60er-Jahre mechanische Addier- und Subtrahiermaschinen. Mit dem Aufkommen der Elektronik wurde die Firma zum Werkzeughersteller, auch heute noch führt sie Auftragsarbeiten in der Metallbearbeitung aus.

 
 

Schubert DRV

Auch diese Sprossenrad-Maschine ist sehr sorgfältig verarbeitet und gut ausgestattet mit Extras, hat aber auch schon einige Plastikteile innen und z.T. außen.
Vielleicht auch wegen dieser Plastikteile blieb der Preis dieser Maschine 1959 gerade noch unter den „magischen“ 600 DM: die damalige Preisgrenze für eine Möglichkeit der sofortigen Abschreibung (Ende der 60er-Jahre stieg die Abschreibungsgrenze dann auf 800 DM, was bis 2017 konstant blieb).
Elektromechanische Vierspezies-Maschinen waren damals um den Faktor 3 bis 4 teurer, die im folgenden Jahrzehnt allmählich häufiger werdenden elektronischen Geräte kosteten anfangs noch mal doppelt so viel. Da griff doch einige Jahre lang so mancher lieber noch zur Kurbel.
An den Preisen im Büromaschinen-Katalog lässt sich aber gut der schnelle Siegeszug der Elektronik sehen: 1973 kostete diese Maschine immer noch 660 DM (nun netto, da gab es schon die MWSt.), 1974 wurden die Restbestände für 210 DM verramscht, 1975 gab es in den Katalogen kein Angebot von Schubert mehr.
Dieses Exemplar stammt aus einem Büro bei toom/REWE. Die Seriennummer deutet auf ein Baujahr um 1965. Der sehr gute Erhaltungszustand der Maschine liegt vielleicht mit daran, dass um diese Zeit die meisten Firmen baldmöglichst auf die schnelleren elektrischen Maschinen mit mehr Funktionen umstiegen.


mehr Infos im
 
Schubert
DRV
S.Nr. 154277

30 x 14 x 11,5
5,7 kg
1953 - 1968
  • EW+KW 10st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Schalter für Drehrichtung im UW
    (auch durch erste Kurbeldrehung automatisch bestimmt),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • wahlweise gemeinsame Löschung von UW und RW,
  • Schlittentabulator doppelt (für optionale Einhandbedienung).
1/1: Das Gehäuse sieht fast wie am ersten Tag aus, null Rost, keinerlei Verharzungen: eine gut gelagerte und gepflegte Maschine! Sehr leichter Lauf aller Teile.
Mit Schutzhaube, Anleitung im Internet gefunden.

Rokli 7RS

Das ist auch eine DRV. Aber es steht nicht Schubert auf dem Deckblech sondern Rokli und die Modell­bezeichnung lautet 7RS: Das ist eine der an Robert Kling verkauften Maschinen, die dort als deren eigene Sprossenrad-Maschine angeboten wurde. Im Gegenzug produzierte Kling Addiermaschinen, die dann auch als „Schuberts“ verkauft wurden.
Da diese Kooperation nur wenige Jahre bestanden hat muss die Maschine irgendwann zwischen 1958 und 1962 gebaut worden sein. Die Preise waren für Schubert- und Rokli-Exemplare gleich, für beide wurden damals knapp 600 DM verlangt.
Weil das Gerät ein Flohmarktfund des Vorbesitzers ist, weiß ich nichts über seine frühere Verwendung. Irgendwann zu DM‑Zeiten gehörte sie jemandem in Langgöns, auf der Unterseite ist ein Verkaufsinserat von damals aufgeklebt.

„Rokli“
7RS
S.Nr. 031560

30 x 14 x 11,5
5,7 kg
1958 - 1962
2/1: einige kleine Lackschäden, Hebelköpfe teils angegriffen; alles funktioniert leichtgängig.

Blockierten Einstellhebel gängig gemacht, einen Löschhebel gerade gebogen und beim anderen die gebrochene Feder repariert, abgegriffene Seitenteile des Schlittens lackiert. Weil kein Stellenzeiger mehr vorhanden war mussten die beiden anderen Rokli-Maschinen einige davon abgeben.

 

Zwei Jahre nach dem Verlassen der Thaleswerke gründete Emil Schubert unter seinem eigenem Namen wieder eine neue Firma und baute erneut Rechenmaschinen. Die alten Patente gehörten ihm nicht mehr, daher musste er „in Selbstüberlistung“ einiges nochmals neu und anders erfinden - was ihm offenbar gelang. Die Konstruktion der DRV stammt noch von Schubert selbst, den Produktionsbeginn hat er leider nicht mehr erlebt. Nach der Zeit der Rechenmaschinen entwickelte sich die Firma zum Anlagenbauer weiter und existierte mindestens bis 2001. Ob es sie heute noch gibt weiß ich nicht.

 
 

Olympia 192-030

Diese Addiermaschine hat eine damalige Neuerung, die heute noch auf fast allen Computertastaturen zu finden ist: die moderne Zehnertastatur! Die Ziffern­übertragung in die verschiedenen Stellen wird mit einem beweglichen Stiftschlitten gemacht (Bild und Erklärung bei der Contex 10).
Die Olympia 192-030 kann auch saldieren, d.h., sie zeigt negative Ergebnisse korrekt (sogar in rot) an. 192 bezeichnet die Gerätebasis (Kapazität 9/10, eine Nulltaste), 030 bedeutet Handantrieb.
Im Internet findet man über dieses Modell rein gar nichts. Olympia hat in einem Vierteljahrhundert unzählige verschiedene Varianten dieser und anderer Baureihen gebaut: teils mit Handkurbel wie hier, teils mit Elektromotor (gelegentlich auch beides gleichzeitig), mal in diesem robusten grünen Schrumpflack, mal in glatt und hellgrau oder später auch im weißen, eckigen Plastikgehäuse, mit verschiedenen Kapazitäten der Rechenwerke und mit unterschiedlichsten Formular- oder Papierrollenhaltern.
Das Baujahr dieses Gerätes ist nicht ganz klar. Schon im Büromaschinen-Lexikon von 1958 finden sich nur neuere Modelle, aber die Aufzählung dort ist nicht vollständig. Ich vermute mal zweite Hälfte der 50er-Jahre, damalige Preise lagen knapp unter 600 DM. Es stammt aus einem ehemaligen Süßwaren-, Tabak- und Jagdwaffenladen mit Gasthaus (!) in der Nähe von Osnabrück.

   
Olympia
192-030
S.Nr. 120806

29 x 35 x 20,5
8,3 kg
1953 - 1978 (Baureihe D1)
  • EW 9st.,
  • RW 10st.;
  • Druckwerk 10st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • R-Taste für behelfsmäßige Multiplikation,
  • Korrekturschieber.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck auf Papierstreifen,
  • Nichtrechentaste,
  • Rotdruck subtrahierter Werte und negativer Summen,
  • Zeilenvorschub einstellbar (0, 1, 2‑zeilig).
2/1: Kaum Stoßstellen, Tastatur fast wie neu. Einwandfreier Druck und Rechenfunktion.

Zerbrochene Abreißkante der Papierrolle (aus Plexiglas) durch passend zurechtgeschliffenes Sägeblatt (!) ersetzt. Neues Farbband, neue Papierrolle.

Schutzhaube aus Wachstuch schneidern lassen, Kurzanleitung geschrieben.
 

Auch hier gibt es (wie bei vielen Herstellern von Rechenmaschinen) einen Bezug zum Waffenbau: Die bei Olympia gebauten Rechenmaschinen haben Ingenieure entwickelt, die vorher bei den Mauser-Werken waren und ab 1949 mit ihrer eigenen Firma „Feinwerkbau“ für große Firmen als Entwickler und Zulieferer tätig waren. Diese kleine Firma ist heute ein bekannter Hersteller hochpräziser Sportwaffen.
Olympia selbst wurde 1903 von der AEG als Tochtergesellschaft „Union Schreibmaschinen-GmbH“ gegründet, hieß ab 1936 „Olympia Büromaschinenwerke AG“, wurde mit Rechen- und Schreibmaschinen äußerst erfolgreich - und verschwand als Produktionsstätte 1991 in den beginnenden Wirren der AEG-Zerschlagung. Die Marke Olympia blieb zwar bis heute erhalten, der Markeninhaber ist aber kein Hersteller sondern nur ein Vertrieb. Er kauft alles in Fernost ein und lässt dort seine Schildchen draufkleben.

 
 

Diehl EvM15

Eine weitere elektrisch angetriebene Staffelwalzen-Maschine, die alle vier Grundrechenarten kann. Die verkürzte Multiplikation erfolgt durch Eintippen des 2.Faktors (Ziffer für Ziffer, rechts angefangen) in der Tastenreihe ganz links. Die Division läuft nach Einstellung des Dividenden und Eintippen des Divisors vollautomatisch. Die EvM hat als eines der einfacheren Modelle keine Einstellkontrolle und keinen durchgehenden Zehner­übertrag im Resultatwerk. Alle Tasten sind sehr leichtgängig, geteilte Staffelwalzen sorgen dafür, dass auch für die Ziffern 5 bis 9 nur kurze Tastenwege nötig sind.
Innen an der Verkleidung sind zwei Datumsstempel, die als Baujahr 1956 zeigen. Der Neupreis 1958 betrug 1.925 DM (etwa 5 Monatslöhne), auch diese teure Maschine ist wieder vom Steuerzahler finanziert worden: Sie wurde in der Düsseldorfer Stadtverwaltung benutzt.

   
Diehl
EvM15
S.Nr. 20325

43 x 36 x 15,5
13,7 kg
1954 - 1962
  • EW 8st.,
  • UW 7st.,
  • RW 15st.,
  • Grundrechenarten,
  • Löschtasten für die 3 Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW, im RW nur über 10 Stellen,
  • Ziffern im RW und UW direkt einstellbar,
  • UW umschaltbar,
  • Schlittenrücklauftaste,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • automatische Division (auch negativ),
  • auf 110V oder 220V einstellbar.
2/1: Guter Gesamteindruck, einige Stoßstellen, Tasten teils etwas angegriffen, Gehäuse durch den Kleber der Dämmung innen etwas korrodiert; die Maschine rechnet einwandfrei, die alten Kondensatoren mag ich allerdings nicht mehr länger belasten.

Zerbröselte Schaumstoffdämmung innen entfernt und teils ersetzt.

Mit Schutzhaube, Anleitung für die Diehl E im Internet gefunden, Kurzanleitung geschrieben.
 

Heinrich Diehl gründete 1902 in Nürnberg eine Kunstgießerei. An Rechenmaschinen dachte man dort bis nach dem 2.Weltkrieg nicht. Aber 1950 übersiedelte fast die gesamte Führungsebene der Archimedes-Werke samt Chefkonstrukteur und Fertigungsleiter in den Westen, weil die Enteignung der Fabrik in Glashütte absehbar war. Mit Diehl wurde man schnell einig: Diehl bekam eine Lizenz von Archimedes und 1952 begann man dort mit der Produktion und Weiterentwicklung der Archimedes-Maschinen. Alle Modelle waren elektrisch angetrieben, doch für die Bundeswehr wurden auch Maschinen mit optionalem Handantrieb gebaut. Diehl wurde in Deutschland sehr erfolgreich, auch dank guter Kontakte zum Staatsapparat. Ab 1963 wurden Vierspezies-Maschinen mit Zehnertastatur auf den Markt gebracht, die auch in den USA (als SCM) sehr gut verkauft werden konnten.
1972 wurde die Produktion aller mechanischen Rechenmaschinen eingestellt. Stattdessen wurden elektronische Rechner bis hin zum Kleincomputer entwickelt und vermarktet. Diese Sparte wurde als „Diehl-Datensysteme“ ausgegliedert, 1978 an Triumph-Adler verkauft und 1983 (beim Aufkauf von TA durch Volkswagen) aufgelöst.
Diehl ist heute ein großer Konzern im Besitz einer Stiftung, die von der Familie Diehl gelenkt wird. Die Produktpalette reicht von Uhren, Flugzeugausrüstungen und Munition bis zu vielen Arten von Metallguss-, Walz- und Schmiedeteilen.

 
 

Brunsviga D 13 R-1

Auch bei Brunsviga wurden ab Mitte der 50er-Jahre Doppelmaschinen (und sogar Dreifachmaschinen) gebaut. Dazu wurden zwei Maschinen auf Basis der 13R (oder 13RK) mit einem Wechselgetriebe so verbunden, dass beide Sprossenrad-Trommeln mit einer Kurbel gleich- oder gegenläufig gedreht werden konnten.
Das Typenschild des gut 14 kg schweren Geräts gibt den genauen Liefermonat an, den Dezember 1961. Selbst die Garantiefrist ist im Metallschildchen verewigt. Der Neupreis damals: stolze 2.125 DM! Ein kleiner Aufkleber daneben zeigt, dass diese Maschine aus dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung stammt. Sie wurde dort offenbar nie benutzt sondern war nur für den Fall eingelagert, dass die Bundeswehr (Artillerie?) mal ohne Strom Koordinaten errechnen müsste. Sie war in einem massiven Kasten mit Holzboden und Stahldeckel, dabei sind noch ein Schraubenschlüssel (mit dem man die Maschine aus dem Kasten lösen konnte) und ein Dreikant-Maßstab (zur Umrechnung von Kartenmaßen in echte Entfernungen).
Es gab auch Varianten mit 18 statt 13 Stellen in den Resultatwerken, mit zweitem UW oder (sehr selten) mit einer echten Radizierautomatik. Diese wurde allerdings nicht von Brunsviga selbst, sondern von W.Faber in Neesen entwickelt und in vorhandene Brunsviga-Doppelmaschinen eingebaut (also eine Art „Rechenmaschinen-Tuning“) .


Das Wendegetriebe
(AVI, 13 MB!):


Brunsviga
D 13 R-1
S.Nr. 43 - 99335

48 x 23 x 17,5
14,5 kg
1954 - ca.1970
  • 2 EWe+KWe 10st.,
  • UW 8st.,
  • 2 RWe 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • nur 4 Löschhebel für die fünf Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • im UW rote Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • mitlaufender Stellenzeiger im UW,
  • Rückübertragung von den RWen in die Eingaben (Eingabelöschhebel dazu weiter durchziehen),
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schalter zur optionalen gemeinsamen Löschung von rechtem EW und UW.
1/1: Praktisch neuwertig, nie benutzt, leichter Lauf von Kurbel und Einstellschiebern.

Eine einzige festgesetzte Stelle war zu ölen, eine Hebelkappe ersetzt.

Stahlhaube (in Bundeswehr-Oliv) und Staubschutzhaube vorhanden, Text einer Kurzanleitung im Internet gefunden und bebildert.
 
 

Numeria 7101

Die Numeria mit Volltastatur und verschiebbarem Schlitten sieht wie eine typische Maschine des „Monroe-Typs“ aus. Sie hat auch die Vor- und Nachteile dieser Bauweise: die Möglichkeit, bei jeder Kurbeldrehung das Einstellwerk zu löschen (der „Additionsmodus“), keine Rückübertragung, kein Zehner­übertrag im Umdrehungszählwerk. Vor allem die Kapazität des Umdrehungszählwerks ist recht begrenzt, andere Modelle der Firma hatten da deutlich mehr Stellen. Mit einer fixierten „1“ links kann im Resultatwerk ein Zähler mit Zehner­übertrag realisiert werden.
Innen weichen alle „Numerias“ aber in einem ganz wichtigen Punkt deutlich vom Vorbild ab: Hier sind keine normalen Staffelwalzen am Werk sondern „Axial-Sprossenräder“ mit seitlich verschiebbaren Sprossen. Offenbar wollte man weder die Patente von Monroe verletzen noch teure Lizenzen erwerben und erfand daher diese Abwandlung.
Diese Maschine wurde um 1956 bei Lagomarsino in Mailand gebaut. Der Preis blieb wieder knapp unter den 600 DM, angesichts der Konkurrenz und ihrer Minimalausstattung war das schon recht teuer. Diese Maschine stammt aus Oldenburg in Holstein, dort wurde sie in den 60er-Jahren von einem Malermeister für Rechnungen, Kostenvoranschläge oder die Berechnung von Wochenlöhnen genutzt.


mehr Infos bei
J.Scherphuis und R.Atzbach
Numeria
7101
S.Nr. 43645

35 x 23 x 19
6,8 kg
1954 - ?
  • EW 10st.,
  • UW 6st.,
  • RW 14st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für RW und UW (je nach Drehrichtung).
  • Zehnerübertrag im RW nur über 12 Stellen,
  • im UW rote Ziffern bei negativer Zählung (zwei 9er),
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Zählerschieber (schützt die 1 ganz links vor Löschung = provisorischer Zähler).
3/1: Neben harmlosen Stoßstellen auch einige größere Lackschäden (z.T. mit Rostansätzen) an der Karosserie, die sich auch wegen des Schrumpflacks nur ungenügend reinigen ließ alles funktioniert jedoch einwandfrei.

... nach völligem Zerlegen, Erneuern des Zählerschiebers, Geradebiegen von Schlittenstange und Schlittenverkleidung und Richten einer ausgehängten Feder des ZÜs. Für die Kosmetik die abgestoßene Kurbel neu lackiert. Ich überlege noch, die ganze Karosserie neu zu lackieren.

Kurzanleitung geschrieben.
 

Numeria ist eine Marke, unter der die Maschinen mehrerer verschiedener Hersteller verkauft wurden. Die ersten Numerias wurden ab 1940 von einer Firma namens SICMU produziert, schon bald übernahm jedoch Lagomarsino deren Produktion. Lagomarsino war ab 1896 erst ein Importeur (z.B. auch für Brunsviga), baute aber ab 1937 selbst Rechenmaschinen. Heute findet sich keine Spur der Firma mehr, die Werkshallen an der Viale Umbria in Mailand sind abgerissen oder haben neue Nutzer. In der italienischen Wikipedia steht das Jahr 1970 als Zeitpunkt der Firmenauflösung.

 
 

Aristo Scholar 0903LL

Das ist, wie der Name schon vermuten lässt, ein typischer Rechenstab für Schüler. Meine etwas ältere Schwester hat in der Schule noch damit gerechnet. Es ist ein typischer, wenn auch etwas einfacher 30 cm‑Stab (Skalenlänge 25 cm), also ein ganzes Stück genauer als der Mini-Rechenstab in dieser Sammlung. Wegen seiner Breite kann er zudem einige Skalen mehr tragen.
Mehr als zwei Jahrzehnte wurde dieses Modell produziert, bis ganz zum Schluss der Produktion von Rechenschiebern. Dieses Exemplar wurde 1974 hergestellt.

 
ein interaktiver Rechenschieber bei
A.Brünner

der „Eierkoch-Rechenstab“:

die Formeln dazu (mit PDF zum Selbstbau) auf
Calculating History
Aristo
Scholar 0903LL
Datumscode LT57

33 x 5 x 1
60 g
1954 - 1977
  • Skalen: L K A (B Bl CI C) D S ST T; hinten: (S LL1 LL2 LL3) d.h.: l0g, Kubik, Quadrat (2x), Kehrwert des Quadrats, Kehrwert, Grundskala (2x), sin (auch für cos), sin für kleine Winkel, tan (auch für cot); hinten: sin/cos, ex/100, ex/10, ex.
  • Sondermarkierungen: π, p (π/180), e,
  • der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war.
2/1: Einige Gebrauchsspuren auf der Rückseite, leicht vergilbt, alle Markierungen einwandfrei und daher einwandfreie Funktion.
mit Etui, Anleitung im Internet gefunden.
 
 

Rokli 16R

Das ist eine „kleine Schwester“ der Rokli 7R. Auch sie hat alle wesentlichen Extras, aber als sehr preisgünstiges Modell eine geringere Kapazität und die alte Kurbellöschung im Schlitten (als Rokli 6 ohne Rückübertragung war sie nochmals 50 DM billiger, für 35 DM mehr gab es die Rokli 6R mit gleicher Stellenzahl und moderner Hebellöschung). Rokli nutzte offenbar eine Art „Baukastenprinzip“: Viele Bauteile wurden in unterschiedlichen Geräten genutzt. Daher sind auch viele Teile der 16R mit denen der 7R identisch. Das Chassis z.B. hat auch die Öffnung für eine Schlittenfreigabe-Taste, obwohl die Taste samt ihrer Mechanik fehlt. Auch die Achsen aller Werke sind gleich, bis hin zur Zahl der Löschzähne. Bei der 16R ist aber (statt einiger Sprossen­räder rechts) eine Aluhülse eingebaut und in den drei Anzeigen wurden jeweils Ziffernräder weggelassen.
Das Baujahr dieses Exemplars ist wohl 1955, der damalige Listenpreis lag bei 545 DM. Es wurde bei Coca-Cola in Hadamar benutzt und eine Angestellte durfte es mit nach Hause nehmen als man dort alle mechanischen Rechner ausgemustert hat. So hat diese Maschine überlebt, das ist bei vielen anderen der heute noch vorhandenen Rechenmaschinen sicher ähnlich gelaufen.

   
Rokli
16R
S.Nr. 012149

33 x 16 x 15
4,5 kg
1955 - ca.1958
  • EW+KW 6st.,
  • UW 6st.,
  • RW 10st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Schalter für Drehrichtung im UW,
  • Rückübertragung vom RW ins EW.
2/1: einige Stoßstellen, die rechten drei Zahlenreihen durch häufige Benutzung etwas abgegriffen, Gummifüße noch einwandfrei. durchweg leichtgängiger Lauf.

Das völlig dejustierte Einstellkontrollwerk blockierte die Maschine und jemand hatte es zu gut gemeint und die Sprossenräder heftig geölt. Nach Neujustierung und einer Benzinspülung funktioniert alles wieder.

Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Badenia TEH10

Obwohl die TEH10 relativ spät auf den Markt kam, zeigt sie ein recht seltenes Zwischenstadium der Entwicklung: Diese Staffelwalzen-Maschine hat zwar einen Elektromotor, aber es gibt hier auch noch eine reguläre Handkurbel. Wenn mal der Strom ausfällt oder der Motor defekt ist, kann sie also trotzdem benutzt werden. Die Ausstattung ist ähnlich gut wie bei der Badenia TH13 weiter oben: kleinere Kapazität, dafür aber Stoppdivision per wechselweisem Subtrahieren und Addieren. Die TEH10 war die kleinste Maschine von M.Bäuerle, sie kostete 985 DM (knapp drei Monatslöhne). Dieses Exemplar, Baujahr 1955, stammt aus einer Firma für Maler- und Tapeziererbedarf in Berlin.

   
Badenia
TEH10
S.Nr. 30190

37 x 33 x 20
11,6 kg
1955 - 1962
  • EW 7st.,
  • UW 6st.;
  • RW 10st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschhebel für EW, 2 Löschschieber für UW und RW.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Schalter für Drehrichtungsumkehr oder Abschaltung des UWs,
  • Schalter für Additionsmodus (nach rechts Löschhebel!),
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schlittenverstellung nach rechts per Hand und zurück durch Schritttaste,
  • elektrischer Motorbetrieb (ohne Kurbel), Handantrieb des Motors (Kurbel leicht aufgesetzt) oder reiner Handbetrieb (Kurbel ganz eingeschraubt) wählbar,
  • Stoppdivision nur bei Motordrehung,
  • Schalter für Addition/Subtraktion bei Handbetrieb,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
2/1: einige Stoßstellen und Kratzer, einige Tasten etwas zerkratzt; alles funktioniert einwandfrei.

Schlittengriff befestigt, Schlittenstange poliert, einige fehlende Schrauben und Gummipuffer ersetzt, breitgesessene Gummirädchen rundgefräst, Hebelchen für Stoppdivision wieder eingehängt, Feder zur Dämpfung eines Hebels eingebaut, die brummende (und offenbar früher mal wegen Überhitzung ausgelaufene) Entstörschaltung komplett neu aufgebaut.

Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Melitta VII/16

Hoch entwickelte mechanische Rechenmaschinen wurden auch in der DDR gebaut. Diese hier ist das letzte und höchstentwickelte Modell der Firma: Sie hat Einstellhebel, die nicht mit den Sprossenrädern mitdrehen müssen (also etwas größer sein können und daher bei längerem Rechnen die Fingerkuppen schonen), Daumentasten (zur Einhandbedienung), kompletten Zehner­übertrag und Rückübertragung. Die Ähnlichkeit zu Kapazität und Bedienung der Walther WSR160 ist nicht zufällig: Zwischen 1926 und 1945 kamen alle „Walthers“ und „Melittas“ aus dem gleichen Werk, nach 1945 wurde in Ost und West auf Grundlage der gleichen Konstruktion in gleiche Richtung weiter entwickelt.
Die Materialspar-Notwendigkeiten im Ostblock zeigen sich auch hier und das hat oft Folgen: Die langen Einstellhebel sind aus viel zu dünnem Material und verbiegen leicht, andere Sammler berichten daher von vielen deshalb blockierten Maschinen. Die Gummifüße hingegen sind aus wesentlich besserem Material als alles, was im Westen dafür genutzt wurde.
Das Baujahr dieser Maschine dürfte 1956 oder 1957 sein. Auch in Westdeutschland wurden diese Maschinen verkauft, der Preis orientierte sich stets an dem der Walther WSR160.


mehr Infos im
 
Melitta
VII/16
S.Nr. 104234

30 x 15 x 15
5,0 kg
1955 - 1963
  • EW+KW 10st.,
  • UW 8st.,
  • RW 16st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschkurbel für UW und RW (Schalter an der Kurbel wählt nur UW, nur RW oder beide. Stets 2x drehen!),
  • Löschhebel für EW.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Drehrichtungsumschaltung im UW nur manuell (Schalter hinter Kurbelraste),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schlitten mit Federzug kann einfach nach rechts geschoben werden,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel im EW.
1/1: Nur kleine Lackschäden und gut erhaltene Beschriftung. Die Gummifüße sind erstaunlicherweise fast wie neu. Alles läuft wieder leicht und nichts hakelt mehr

... nachdem einer der Einstellhebel leicht zurechtgebogen wurde. Fehlenden Knopf des Löschwahlhebels ersetzt, beide Seitenteile neu lackiert, weil die Originalfarbe abblätterte.

Mit Schutzhaube, Kurzanleitung geschrieben.
 

Die ganz frühen Melitta-Sprossenradmaschinen wurden von den Mercedes-Werken in Zella-Mehlis hergestellt (nein, weder mit Kaffee-Filtern noch Autos hat das etwas zu tun!). Weil Mercedes ab 1926 aber nur noch Proportionalhebelmaschinen (z.B. die Mercedes-Euklid 4) bauen wollte, gaben sie die Herstellung der Sprossenradmaschinen an die Firma Carl Walther im gleichen Ort ab. Diese Rechenmaschinen wurden auch von Mercedes als „Melitta“ verkauft. Nach dem Krieg wurden die Walther-Werke nach Westdeutschland verlegt, in Zella-Mehlis bauten ehemalige Walther-Mitarbeiter als „August-Bebel-Werk“ anfangs die gleichen Modelle unter der Marke Melitta. Schon wenig später wurde diese Produktion in das ehemalige Fortuna-Schreibmaschinenwerk (dann „VEB Ernst-Thälmann-Werk“) nach Suhl verlagert, dort fand auch die Weiterentwicklung statt. Auch dort endete kurz nach 1970 die Produktion mechanischer Rechner, letzte Neuentwicklung war vermutlich die kleine Melitta Junior.

 
 

Original-Odhner 239

Mit „modernen“ Formen und günstigen Preisen (sprich: oft billigen Materialien und schlechter Verarbeitung) versuchte so manche Firma der Konkurrenz der elektrischen (und später auch der elektronischen) Geräte standzuhalten. Die damals fast futuristische Keilform dieser Sprossenrad-Maschine wurde von den Stardesignern Bernadotte und Bjørn entworfen. Von billiger Verarbeitung kann aber keine Rede sein: Die Maschine wirkt äußerst solide, nichts wackelt und auch nach über einem halben Jahrhundert funktioniert sie immer noch einwandfrei und leichtgängig.
Die Seriennummer deutet auf ein Baujahr um 1958. Damals und auch noch zehn Jahre später kostete das Modell etwas unter 500 DM. Das war ein extrem günstiger Preis, denn Modell 239 hat mit Einstell­kontrolle, Zehner­übertrag im Umdrehungszählwerk und Rückübertragung alle wichtigen „Extras“ und war das Spitzenmodell der Firma.
Von wem und wo die Maschine mal benutzt wurde ist mir leider nicht bekannt. Viel benutzt wurde sie jedenfalls nicht, dafür sieht sie zu gut aus.
Ach ja: Diese Maschine ist es, die mich mit dem Virus Calculatrix infiziert hat...


mehr Infos zur Odhner 200er-Serie im

 
Original-Odhner
239
S.Nr. 883439

33 x 17,5 x 13,5
6,5 kg
1955 - 1968
  • EW+KW 10st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschkurbeln für UW und RW.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Löschung des EWs über Schieber und Hauptkurbel.
1/1: Bis auf kleinste Stoßstellen sieht das Gehäuse fast wie neu aus, auch hier wieder kein Rost und keine Verharzungen. Alles läuft wieder „wie geschmiert“.

... ist es ja auch. Nur die hart gewordenen Gummifüße wurden ersetzt, weil sie die Maschine beim Rechnen nicht mehr am Platz hielten.

Mit Schutzhaube und Originalanleitung.

 

Noch eine Odhner 239. Sie war einfach zu preiswert um sie nicht zu nehmen und brauchte abgesehen von Reinigung und Schmierung nur Korrektur des dejustierten ZÜs im UW. Die Seriennummer ist sehr nahe an der der anderen Maschine, das Baujahr ist also auch etwa 1958/59. Die wartet auf Kaufinteressenten...

Original-Odhner
239
S.Nr. 884583
2/1: Einige kleine Stoßstellen, Kratzer im Firmenlogo hinten, Unterseite um die harten Gummifüße weiß belegt, sonst sehr gut erhalten. Alles läuft (wieder) einwandfrei und leicht.

Zehner­übertrag im Umdrehungszählwerk justert, rostige Unterlegscheiben der Füße ausgetauscht, einen Lackschaden ausgebessert.

PDF der Originalanleitung, kommentiert und erweitert.
 
 

Walther WSR160

Das erfolgreichste, ausgereifteste und letzte Modell der handbetriebenen Walther-Maschinen ist die „Walther Schnellrechenmaschine 160“. Sie hat im Resultatwerk eine etwas höhere Kapazität und einige Verbesserungen in der Bedienung, davon sind sicher die nicht mitdrehenden (und daher viel bequemeren) Einstellhebel am wichtigsten. Das hier ist eines der Spitzengeräte des „Odhner-Typs“.
Dieses Exemplar wurde 1960 gebaut. Es kostete damals knapp 600 DM, die elektromechanischen Vierspezies-Maschinen waren deutlich teurer (also nicht sofort abschreibbar, größer und viel lauter). Das sorgte einige Zeit für guten Verkauf, die Maschine ist daher auch heute noch häufig zu finden.


mehr Infos bei
C.Vande Velde
 
Walther
WSR 160
S.Nr. 152531

33 x 16 x 14
4,8 kg
1955 - 1971
  • EW+KW 10st.,
  • UW 8st.,
  • RW 16st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Löschhebel für die drei Werke (UW und RW gemeinsam, optional auch einzeln).
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Schalter für Drehrichtung im UW
    (bei jeder Löschung auf neutral und dann von erster Kurbeldrehung auf + bzw. - gestellt),
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Ziffern im RW direkt einstellbar,
  • Schlitten mit Federzug kann einfach nach rechts geschoben werden,
  • optionaler Schlittenrücklauf beim Löschen,
  • nicht mitdrehende Einstellhebel im EW.
1/1: Nur winzige Lackschäden an einigen Kanten, wieder schön leichtgängig.

Zwei Füße ohne Gummis ersetzt, eine fehlende Plastikkappe durch Schrumpfschlauch ersetzt, fest verharzte Zahnräder im UW, ein Zahnrad im Kontrollwerk und die Löschwahlhebelchen mit WD40, Alkoholspülung und etwas gutem Maschinenöl gängig gemacht.

Mit Schutzhaube, zwei Anleitungen aus unterschiedlichen Jahren im Internet gefunden.
 
 

Zivy Zähler

Das hier erfüllt zwar die Definition von „Maschine“ (mechanischer Zehner­übertrag und Löschung), aber m.E. nicht die von „Rechnen“: Das dauernde Hinzuzählen von Eins reicht mir dafür nicht aus.
Solche Geräte wurden und werden als Schrittzähler, bei Verkehrszählungen, im Labor für Zellzählungen und vieles andere genutzt. Der Vorteil: Man verzählt sich nicht so leicht und kann das Ergebnis sogar einige Zeit speichern.
Das Exemplar stammt von einem bretonischen Trödler, also weiß ich leider auch hier nicht, wofür es mal benutzt wurde.

   
Zivy



5,5 x 5,5 x 2,5
100 g
? - heute
  • RW 4st.,
  • nur Addition von 1,
  • Löschknopf.
  3/1: Gehäuse mit vielen Gebrauchsspuren; funktioniert aber völlig leichtgängig und einwandfrei. Nur der Ring auf der Rückseite (zum Durchstecken des Fingers) fehlt.
Anleitung fehlt (ich glaube, man braucht hier wirklich keine).
 

N.Zivy & Cie.S.A. in Basel stellte diese Zählwerke mindestens seit den 50er-Jahren her, eventuell sogar deutlich früher. Die Firma (damals „Zivy Suisse“) wurde 2017 von der französischen Sogezy gekauft, sie baut auch heute noch einen praktisch identischen Zähler mit der Modellnummer Z888.

 
 

Triumphator CRN1

Eine weitere Maschine aus DDR‑Produktion: eine späte „Triumphator“ in der Tradition der C‑Reihe. Die CRN1 ist die vorletzte Generation dieser mit allen wesentlichen „Extras“ ausgestatteten Sprossenrad-Maschinen mit durchschnittlicher Kapazität. Ihr Vorgänger war die 1941 entwickelte CRN (komplett aus solidem Metall), Nachfolger ab 1959 die CRN2 (mit einem leicht zerbrechlichen Plastik-Gehäuse). Die CRN1 ist das nur wenige Jahre gebaute Zwischenmodell mit nun konsequenter Einhand-Bedienung und immer noch überwiegendem Metallgehäuse, nur die Rückseite ist schon aus Bakelit und zeigt das Bemühen um Materialeinsparung. Die Sprossenräder sind aber noch aus solidem Messing und nicht aus dem später eingesetzten schlechten Druckguss, der oft durch Zinkfraß zerstört ist.
Die Feinmechanik der DDR war damals auf dem Weltmarkt noch konkurrenzfähig, die CRN1 wurde daher auch in Westeuropa verkauft. Mit 545 DM war sie etwas günstiger als ähnliche Westprodukte.
Dieses Exemplar blieb aber erst einmal im Osten. Es wurde im September 1958 gebaut (ist also eines der ganz späten Exemplare des Modells) und erst im Januar 1961 bei der „HO“ in Neuhaus verkauft. Es war in einer privaten Elektrofirma in der Nähe von Dresden im Einsatz.
Interessant ist auch die beiliegende Garantiekarte mit einer Liste der Reparaturwerkstätten: Das sind die 19 Außenstellen des „VEB Büromaschinen-Reparaturwerk Berlin“ in allen großen Städten, daneben aber auch ungefähr 130 Privatfirmen, die über die ganze Republik verteilt waren. Offenbar war also doch nicht die gesamte DDR‑Wirtschaft verstaatlicht, wie man uns das in der Schule weisgemacht hat.

   
Triumphator
CRN1
S.Nr. 244926

34 x 15 x 13,5
6,5 kg
1956 - 1958
  • EW+KW 10st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 1 Löschhebel für das EW, 1 für RW und UW (gemeinsam oder einzeln, je nach Stellung der kleinen Hebelchen).
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Richtungswahlschalter für das UW in der Kurbelbasis,
  • Rückübertragung vom RW ins EW.
2/1: Lack nur an den Schiebern etwas abgegriffen, sonst kaum Gebrauchsspuren. Alles funktioniert einwandfrei und leichtgängig. Eine sehr gut gepflegte und gelagerte Maschine, nicht einmal Entstauben war nötig, nur ein paar Tröpfchen Öl.

Im Kurbelbock klemmende Kurbel durch vorsichtiges Aufbiegen und geringes Abschleifen des Kurbelbocks gelöst.

Mit Schutzhaube, Originalanleitung und Garantiekarte (mit Auslieferungs- und Kaufdatum). Die Garantie ist allerdings abgelaufen...
 
 

Produx Multator II

Das ist das zweite Modell der „Multator“-Serie. Anders als sonst bei Stellsegment-Maschinen üblich wird hier während der Kurbeldrehung der ganze Schlitten an die Stellsegmente geklappt. Durch die einfache Mechanik und die Verwendung gestanzter Metallteile konnte das Modell äußerst preiswert angeboten werden. Anfangs kostete es 298 DM, später noch 220 DM. Die Haltbarkeit litt jedoch unter der billigen Herstellungsweise deutlich. Andererseits hat das Maschinchen sogar Rück­übertragung und war durch geringe Ausmaße und Gewicht gut zum mobilen Einsatz geeignet.
Das Modell ist m.E. eine Zweispezies-Maschine, trotz der aufgedruckten Komplementärzahlen. Subtraktion und Division sind extrem umständlich, ebenso wie eine Korrektur zuviel gemachter Kurbeldrehungen. Erst die Nachfolgeversion Multator‑4 ist eine Vierspezies-Maschine.


mehr Infos bei
R.Atzbach
 
Produx
Multator II
S.Nr. 196380

23,5 x 17 x 8
2,2 kg
1956 - 1966
  • EW 10st.,
  • UW 5st.,
  • RW 10st.;
  • Löschhebel für Schlitten (UW und RW nur gemeinsam).
  • linke Seite des RWs dient als UW, kann alternativ als Erweiterung des RWs genutzt werden,
  • Rückübertragung (mit der Kurbel den Schlitten leicht anheben),
  • „Subtraktionsstellung“ zählt nur die Korrektur‑1 in der letzten Stelle zu, die führenden Korrektur‑9er sind manuell einzustellen,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
2/1: Fünf Plastikkappen fehlten, Gehäuse sehr gut erhalten; alles funktioniert einwandfrei.

Füße erneuert, fehlende Plastikkappen durch Schrumpfschlauch ersetzt.

Mit Schutzhaube, Anleitung im Internet gefunden und nachkommentiert.
 
 

Triumphator KA

Die Triumphator KA (für „Kleinaddierer“) ist der Nachfolger der Lipsia Addi 7. Sie hat ebenfalls die einfache Mechanik, nun aber ein Bakelitgehäuse, das günstig zu produzieren war. So konnte sie 1958 für 110 DM angeboten werden.
Die Übertragung der Zahlen in das Resultatwerk erfolgt über seitlich auslenkbare Zahnsegmente direkt während des Einstellens. Zum Addieren werden dann einfach die Zahnsegmente durch Tastendruck ausgekoppelt und federn auf Null zurück, dann wird einfach die nächste Zahl eingestellt und unten erscheint die Summe. Die Subtraktion ist etwas umständlicher: Auskoppeln (diesmal mit der Minus-Taste), die Hebelchen einstellen, wieder einkoppeln (Minus-Taste loslassen), Hebelchen (nacheinander!) zurückstellen.
Der Seriennummer nach wurde dieses Modell hier um 1959 gebaut.


eine Rezension im


ein Zahnsegment:

Triumphator
KA
S.Nr. 4900

14,5 x 17 x 14,5
2,0 kg
1957 - 1960
  • EW 8st.,
  • RW 8st.;
  • Minus-Taste,
  • Löschtaste für EW (zugleich Eingabebestätigung),
  • Löschtaste für RW.
  3/1: Bakelit-Gehäuse mit einigen Scharten und ohne Lack, aber alles funktioniert wieder.

Der olivgrüne Lack war extrem stark abgestoßen, jetzt ist er ganz ab (was viel besser aussieht). Extreme Verstaubung beseitigt und lose Teile wieder fixiert. Einige Ziffernräder hakelten ganz erheblich, weil die innenliegende Löschachse nicht weit genug nach rechts konnte. Ein geringes Kürzerschleifen des Löschachsenausziehers hat das behoben.

Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Precisa 103-12-0

Diese Maschine hat wieder die moderne Zehner­tastatur, die sich damals bei den Addiermaschinen durchsetzte. Und auch hier erfolgt die Übertragung der Ziffern in die verschiedenen Stellen wieder mit Stiftschlitten. Für (Zwischen)Summen braucht man zwei Hebelzüge, das ist etwas umständlich.
Sie wurde im deutschen Zweigwerk gebaut. Als Baujahr hat der Vorbesitzer 1960 angegeben, die Preise lagen damals um 450 DM.

 
Precisa
103-12-0
S.Nr. 302 262 S

28 x 37 x 16,5
8,7 kg
1957 - 1962
  • EW 9st.,
  • RW 10st.;
  • Druckwerk 10st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • X-Taste für Weiterverwendung der eingetippten Zahl,
  • Korrekturtaste.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck auf Papierstreifen,
  • Rotdruck subtrahierter Werte (und negativer Summen),
  • Zeilenvorschub einstellbar (1‑, 2‑zeilig).
2/3: Kaum Stoßstellen; Farbrolle und Papierrolle noch o.k., Maschine zeigt aber bei negativen Salden das Neunerkomplement, wenn man nicht zugleich die Minustaste leicht drückt: Irgendwas ist ausgehängt oder blockiert, aber ich finde das nicht.
Mit Schutzhaube, Kurzanleitung geschrieben.
 

Ab 1916 verkaufte Ernst Jost in Zürich Bürogeräte, z.B. auch von Brunsviga und Rheinmetall. Das genügte ihm offenbar nicht, denn um 1930 herum entwickelte er zusammen mit Eugen Bänninger eine eigene Addiermaschine. 1933 war ein Prototyp fertig, 1935 wurde die Precisa Rechenmaschinen­fabrik AG gegründet. Sie produzierte lange nur immer ausgefeiltere 10‑Tasten-Maschinen, später wurde die Produktpalette um Druckwerke für andere Rechenmaschinen, elektronische Rechner und Präzisionswaagen erweitert.
Die Waagenherstellung wurde ausgegliedert, 1964 fusionierte man mit der Hermes SA zur Hermes-Precisa, die wurde 1981 von Olivetti gekauft. Mit dem Siegeszug der preiswerten Fernost-Elektronik blieb dann nur der Waagenhersteller übrig: Die Precisa Gravimetrics AG ist da heute einer der Weltmarktführer.

 
 

Facit C1-13

Die nächste Sprossenrad-Maschine mit Tasten, nun wieder von der Firma, in der die dafür nötige Mechanik entwickelt wurde. Die C1‑13 ist ein später Nachfolger der Facit TK.
Die Konstruktion wirkt solide und wertig, auch hier ist das Design von Bernadotte. Die Technik ist aber immer noch die 1936 entwickelte. Das zeigt, wie extrem fortschrittlich die Kontruktion von Karl Rudin war.
Dieses Exemplar tat seinen Dienst im Forstamt (bei) Wittlich, wie auch die Badenia TH13 weiter oben. Es ist jedoch etwa ein Jahrzehnt jünger, denn mit diesem Gehäuse wurde die C1‑13 zwischen 1960 und 1964 gebaut. In diesem Fall übrigens im Facit-Zweigwerk in Düsseldorf, das Hans Sabielny 1951 gegründet hatte. Der damalige Preis: 612 DM, angesichts der Abschreibungsgrenze von 600 DM etwas seltsam.
Die C1‑13 wird oft als die letzte noch gebaute handbetriebene Rechenmaschine der Welt bezeichnet: In Indien soll sie noch bis 1982 hergestellt worden sein (dort dann allerdings mit einem eckigen Plastikgehäuse). Ich konnte das bisher nicht verifizieren und bezweifle das eher. Vielleicht hat man dort einfach nur Restbestände aus Europa als „Neuware“ verkauft?


mehr Infos im
 
Facit
C1-13
S.Nr. A-282227

31 x 21 x 15
6,5 kg
1957 - 1967
  • EW+KW 9st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Anzeige für Drehsinn des UWs
    (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich),
  • mitlaufende Stellenzeiger in UW und RW.
2/1: Gehäuse nur mit leichten Gebrauchsspuren, alles funktioniert einwandfrei und sehr leichtgängig.

Dazu war etwas Arbeit und viel WD40 nötig: Das Innere war so extrem verharzt, dass sich absolut nichts mehr bewegte (WD40 verwende ich nur ungern, weil es auch manche Farben anlöst und nach einiger Zeit selbst wieder verklebt). Einige massiv abgeschabte Ziffern der Sprossenrad-Walze nachgemalt.

Englische Anleitung im Internet gefunden.
 
 

Pilot P1

Diese kleine Maschine aus Japan sieht erst einmal wie ein Nachbau der Brunsviga 10 aus: sehr klein, Kurbel schräg angesetzt, Schlitten mit Auszug nach rechts und Schritt-Taste nach links, Schiebeblende und zwei Ziffernsätze im Umdrehungszählwerk. Das alles ist wohl wirklich von Brunsviga abgeschaut. Aber die kleinen Einstellschieber drehen sich mit, was eine ganz andere Technik verrät: Die beruht hier auf Sprossenrädern (mit gleichen Gussformen für den Zehner­übertrag).
Die Stellenzahl ist etwas größer als beim Vorbild, ein Hebel löscht das Einstellwerk, ein kleiner Zeiger für Plus/Minus kann auch Blockaden entsperren und ein weiteres Hebelchen kann das Umdrehungs­zählwerk kurzfristig ausschalten. Auf der Minus-Seite stehen nur kleine Passungenauigkeiten und die wirklich winzigen Einstellhebel.
Das Modell wurde 1957 von einer Firma namens Keybar entwickelt und hergestellt, ab 1961 dann als Pilot P1. Ab ca.1967 gab es ein Nachfolgemodell mit Plastikgehäuse und etwas höherer Stellenzahl. Beide Modelle wurden gerne von Ralley-Beifahrern genutzt, die ja unterwegs viel rechnen müssen.
Dieses Exemplar hat eine niedrige Seriennummer (die 1 vorne steht für das Modell), stammt also aus den frühen 60er-Jahren. Ich habe es aus Japan ersteigert, innen ist auch ein japanischer Service-Nachweis vom 12. Juli 44 Showa eingetragen, das ist 1969. Genau 51 Jahre und einen Tag später habe ich es dann wieder gewartet...


mehr Infos (mit Video) auf
RetroCalculators.com

Pilot
P1
S.Nr. 1001231

19 x 17 x 10
3,1 kg
1957 - ca.1966
  • EW 7st.,
  • UW 6st.,
  • RW 12st.;
  • Grundrechenarten,
  • Kurbeln für Löschung von UW und RW, Hebel für Löschung des EWs.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • im UW gelbe Ziffern durch Schiebeblende, wenn erste Kurbeldrehung negativ ist,
  • Drehrichtungsanzeige am UW,
  • Schlitten nur per Griff nach rechts zu stellen, nach links nur schrittweise mit Taste,
  • Lösehebelchen für Blockaden (zeigt auch letzte Kurbeldrehrichtung),
  • Hebel schaltet UW kurzfristig ab (z.B. zur Dividenden-Eingabe).
2/1: Sehr gut erhalten, außen nur ein größerer Kratzer am Schlittengriff, drei Ziffernräder im RW haben durch die Schrumpfung des Nylons einen kleinen Riss in der „7“. Alles funktioniert leicht und einwandfrei.

Abgelöste Federung des Kommaschiebers im EW neu eingeklebt, ein Zahn eines Ziffernrades geglättet, fehlendes Firmenlogo ersetzt, Drehrichtungsanzeige überarbeitet.

Kurzanleitung geschrieben.
 

Über Keybar ist nur bekannt, dass sie 1960 vom PILOT-Konzern aufgekauft und in PILOT Business Machine Co. Ltd. umbenannt wurde. Die Produktion mechanischer Rechner endete dort 1969. PILOT existiert noch heute und ist der größte japanische Schreibwaren-Produzent.

 
 

Contex 10

Das ist eine Zehntasten-Maschine mit „moderner“ Tasten-Anordnung, mit ihr kann man alle vier Grundrechenarten (so einigermaßen) rechnen. Sie hat keine Staffelwalzen oder Sprossenräder, sondern Zahnsegmente. Wie bei vielen anderen Maschinen mit Zehnertastatur dient hier ein „Stiftschlitten“ (englisch „Pinbox“) der Umsetzung der Eingabe: Die Tasten setzen nach und nach Stiftchen im schrittweise bewegten Schlitten, beim Druck der Rechentaste werden die Zahn­segmente von den Stiften in der dadurch jeweils bedingten Stellung festgehalten, erst beim Loslassen der Rechentaste greifen die Zahnsegmente in die Zahlenrädchen und drehen sie entsprechend weit.
Die Maschine ist mit sehr viel Kunststoff innen wie außen auf Transportfähigkeit und niedrigen Preis hin gebaut, ziemlich leicht (knapp unter 3 kg) und damit eine Art früher Taschenrechner (für sehr, sehr große Taschen!). Das UW hat nur eine einzige Stelle, die abgekürzte Multiplikation ist daher nicht möglich. Dafür hat sie eine recht fehlersichere Stop-Division, allerdings muss man das Ergebnis Stelle für Stelle notieren. Gut gelöst sind Addition und Subtraktion mit sofortiger Löschung der Eingabe. So macht das Addieren langer Zahlenkolonnen fast wieder Spaß. Das ist eine Maschine für Kaufleute, nicht für Physiker oder Astronomen.
Dieses Exemplar hat noch die große Nulltaste, die später etwas verkleinert wurde, um Platz für eine „Ganz nach links“-Taste (für die Division) zu machen. Der Seriennummer nach stammt sie aus dem Jahr 1961, damals kostete so eine Maschine knapp unter 500 DM (zehn Jahre später war der Preis immer noch etwa gleich, dann nur +MWSt.). Sie stammt aus der kaufmännischen Verwaltung eines Tankstellen-Filialisten in Dortmund.

 
Contex
10
S.Nr. 450971

20,5 x 25 x 10
2,9 kg
1957 - 1972
  • EW 10st.,
  • UW 1st.,
  • RW 11st.;
  • Grundrechenarten,
  • Taste zur gemeinsamen Löschung von UW und RW, Schieber zur Löschung der Eingabe.
  • einstelliges UW mit schwarzen und roten Zahlen (je nach Rechenart abzulesen und zu notieren),
  • Additionsmodus als Standard, abschaltbar,
  • statt Kurbel eine Drucktaste mit kurzem Weg,
  • Hilfsschablone für die Kommastellen.
2/1: Oberschale aus Kunststoff gut erhalten, Lack der Unterseite stark abgestoßen, Zifferntasten teils etwas abgenutzt. Alles funktioniert wieder einwandfrei.

Viele Rädchen, Hebel und Stifte waren durch lange Nichtbenutzung so schwergängig, dass Reinigung und Öl nicht mehr halfen. Also waren Komplettzerlegung, einige Justierarbeiten und beim Zusammenbau der Kampf mit vielen widerspenstigen Federchen nötig. Zerfallene Gummifüße ersetzt.

Mit Schutzhaube (leicht beschädigt) und Originalanleitung, hat inzwischen einen schönen (nicht originalen) Tragekoffer.
 
 

飛 魚 JSY-20

Der „Monroe-Typ“ wurde weltweit kopiert. Diese Staffelwalzen-Maschine stammt aus China (und wurde sicher ohne Lizenz nachgebaut). Auch hier hat das Umdrehungszählwerk keinen Zehner­übertrag und eine Rückübertragung fehlt auch.
Das Baujahr dieses Exemplars ist unklar, das Modell wurde von den 50er- bis Ende der 70er-Jahre fast unverändert gebaut. Es ist eine der am längsten gebauten Rechenmaschinen mit Handantrieb. Meist findet sich in ihrem Logo die englische Bezeichnung „Flying Fish“, hier aber steht „Fei Yu Pai“.
Aus China gibt es nur sehr wenige Modelle von mechanischen Rechenmaschinen. Anfangs mag eine geringe Entwicklung der Feinmechanik eine Rolle gespielt haben, doch der Hauptgrund ist wohl eher, dass die Allgegenwart des Suan Pan einen großen Bedarf nach „richtigen“ Maschinen lange nicht aufkommen ließ. So hat die große Mehrheit der chinesischen Bevölkerung meist den direkten Weg vom Abakus zum Taschenrechner genommen, (elektro)mechanische Rechenmaschinen wurden von nur wenigen eigenen Fabriken gebaut und ansonsten durch Importe beschafft.

 
 
飛 魚
JSY-20
S.Nr. 657654

35 x 28 x 16,5
5,4 kg
ca.1957 - 1980
  • EW 10st.,
  • UW 10st.,
  • RW 20st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für UW und RW.
  • Zehnerübertrag im RW nur über 12 Stellen,
  • im UW rote Ziffern bei negativer Zählung (zwei 9er),
  • Schalter für Additionsmodus.
3/1: Das massive Stahlgehäuse ist an vielen Stellen bis auf die Grundierung angeschlagen. Alle Tasten in gutem Zustand, funktioniert nun einwandfrei und leichtgängig.

Extrem verbogene Schlittenstange begradigt, einige Nachjustierungen (Stellleisten, Sperrhaken, ...), fehlenden Schlittengriff ersetzt.

Kurzanleitung geschrieben.
 

Fei Yu Pai (= „Fliegender Fisch - Reihe“) war eine Firma in Shanghai, die zuerst Rechenmaschinen, später auch Schreibmaschinen produzierte. Mitte der 90er-Jahre wurde sie wie viele andere Firmen teilprivatisiert, ob es sie heute noch gibt ist mir nicht bekannt.

 
 

Mesko KR-19S

Diese Sprossenrad-Maschine ähnelt innen und in der Tastenanordnung der Facit C1‑13, hat allerdings eine größere Kapazität und daher wieder einen beweglichen Schlitten. Das Gerät schreit förmlich „Ostblock!“, was an den teils billigen Materialien, dem (für unsere Sehgewohnheiten) recht groben Design und der extrem einfachen, andererseits aber sehr massiven und damit robusten Bauweise liegt. Und tatsächlich ist diese Maschine ein um 1960 in Polen gebauter „Klon“ der Facit C1‑19.
Sie stammt aus einer Bäckerei in Halle-Diemitz, damit hat der Bäckermeister wohl die Buchhaltung gemacht und vielleicht auch Rezepturen gerechnet. Eigentlich ist das etwas „Overkill“ gewesen, denn Maschinen mit derart großer Kapazität waren eher für Ingenieurbüros oder Forschungseinrichtungen gedacht. Doch die Bäckerei war wohl nicht der Erstnutzer und bekam da ein „abgelegtes“ und recyceltes Gerät: Die im Schlitten eingestanzte Seriennummer (33703) weicht nämlich vor der auf dem Typenschild ab, also sind hier ein intaktes Chassis und ein intakter Schlitten aus zwei defekten Maschinen zusammengeschraubt worden.


mehr Infos im
 
Mesko
KR-19S
S.Nr. 33726

46 x 26,5 x 17
8,8 kg
ca.1958 - 1965
  • EW+KW 10st.,
  • UW 10st.,
  • RW 19st.;
  • Grundrechenarten,
  • Tabulatortaste (EW nach ganz links für Division),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Anzeige für Drehsinn des UWs
    (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich).
1/1: Ganz wenige Stoßstellen, eine verdeckte Stelle ohne Lack, alles funktioniert leichtgängig und einwandfrei.

Die Divisionstaste wieder korrekt funktionieren zu lassen hat mich allerdings einige Stunden Schrauberei gekostet, dabei war's nur ein ausgehakter Schieber (merke: nie Abdeckungen öffnen, unter denen lose Federchen oder Hebelchen lauern könnten!). Die Maschine hatte im Originalzustand auch keine Stellennummerierung, was die Kommafindung sehr erschwerte. Nun hat sie eine.

Staubschutzhaube schneidern lassen, Kurzanleitung geschrieben.
 

Auch hier wieder Bezüge zur Waffenfabrikation: Mesko war ab 1924 staatliche Munitionsfabrik, später bedeutender Hersteller von Haushaltsgeräten (lange Zeit auch für Bauknecht) und Maschinen für Industrie und Landwirtschaft. Mesko ist nach vielen Umfirmierungen/Umstrukturierungen heute vor allem wieder ein Hersteller von Munition und Raketensystemen.

 
 

Addo-X 2341E

Elektromechanische Maschinen rechneten nicht nur schneller, sondern sie wurden auch immer öfter mit Einrichtungen zur Automatisierung versehen. Diese „Dreispezies-Maschine“ steht noch eher am Anfang dieser Entwicklung: Man hat hier eine druckende Addiermaschine mit gesonderten Zifferntasten versehen, die jeweils die entsprechende Zahl von Additionen auslösen (in den höheren Ziffern sogar mit dem abgekürzten Verfahren) und dann eine Stelle weiterschalten (was man bei handbetriebenen Addiermaschinen durch Tippen einer Null machen würde). Das ist (bis auf die Stellenverschiebung) das gleiche Verfahren wie bei der Diehl EvM15, hier erkennt man die konvergente Entwicklung bei der Automatisierung der Addier- und Staffelwalzen­maschinen. Die Abstammung von den druckenden Addiermaschinen zeigt sich am Werteübertrag von den Tasten in Drucker und Resultatwerk, der über Stiftschlitten und Zahnstangen erfolgt.
In die Nachfolgemodelle der 3000er-Serie konnte man dann schon den gesamten 2. Faktor eingeben bevor die automatische (ggf. auch negative) Multiplikation gestartet wurde, die 4000er-Serie konnte dann auch automatisch dividieren.
Genau dieses Modell hatte mein Vater im Büro, damit hat er die gesamte Buchhaltung gerechnet. Als Kind durfte ich nie da dran: Die Maschine galt als zu wertvoll. 1959 kostete sie 1.190 DM (etwa drei Monatslöhne). Dieses Exemplar stammt allerdings aus einem Sanitätshaus in Amberg.

   
Addo-X
2341E
S.Nr. 612749

22,5 x 39 x 21,5
12,5 kg
1959 - 1962
  • EW 10st.,
  • RW 11st.,
  • Druckwerk 11st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Multiplikation, Zwischensumme, Summe,
  • Multiplikationswahltasten (mit Einerstelle beginnen!),
  • 2 Tasten für wiederholte Addition oder Subtraktion der eingetippten Zahl,
  • Korrektur- und Löschschieber.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck auf Papierstreifen,
  • Nichtrechentaste.
2/2: viele Kratzer und andere kleine Gebrauchsspuren; das Rechenwerk funktioniert einwandfrei, aber eine Achse des Papiertransports ist gelockert und daher nicht mehr sehr belastbar (Hartlöten würde helfen, aber dazu müsste die gesamte Maschine zerlegt werden...).

Abgegriffenes Tastaturblech neu lackiert, Papiertransporthebel so justiert, dass die lockere Achse weniger belastet wird.

Mit Schutzhaube und Anleitung einer Addo‑X 3000.
 

Addo begann 1918 in Malmø mit der Produktion kleiner Addierhilfen, im Laufe der Jahre kamen größere und besser ausgestattete Maschinen dazu, meist Addiermaschinen mit Volltastatur. Spätere Maschinen bekamen die Zehnertastatur und wurden als „Addo‑X“ verkauft. 1966 wurde die Firma von Facit übernommen, baute aber weiter ihre Rechen­maschinen unter eigener Marke. Als Facit unterging endete auch die Produktion bei Addo.

 
 

Facit CM2-16

Die CM 2-16 war die erste Sprossenrad-Maschine von Facit mit der heute üblichen Tasten-Anordnung. Bei ihr wurde auch eine technische Lösung für die Rückübertragung gefunden, und das sogar gleich aus beiden Werken. So wurde sie trotz des hohen Preises eines der erfolgreichsten Modelle der Firma.
Etwas später wurde die gleiche Technik noch in in ein moderner aussehendes (und deutlich billigeres) Plastikgehäuse gepackt, aber es gab es bei den handbetriebenen Maschinen nun keine wesentlichen Weiterentwicklungen mehr. Nur bei den elektrisch angetriebenen Maschinen versuchte man noch einige Zeit, durch bessere Ausstattung und immer mehr Funktionen der vordringenden Elektronik Paroli zu bieten.
Dieses Exemplar wurde 1960 gebaut, es kostete damals ca.850 DM.


vorher:


Facit
CM2-16
S.Nr. 1004683

34 x 28 x 15,5
8,1 kg
1959 - 1967
  • EW+KW 11st.,
  • UW 9st.,
  • RW 16st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Anzeige für Drehsinn des UWs
    (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich),
  • mitlaufender Stellenzeiger im UW,
  • 2 Tabulatortasten (für Division  bzw. Rückübertragung),
  • Rückübertragung aus RW oder UW (!) in die Eingabe.
2/1: Einige Stoßstellen, vordere Gummifüße hart; alles funktioniert wieder einwandfrei und leichtgängig.

Hintere Gummirollen ersetzt, Flugrost unter den Tasten entfernt.

Anleitung im Internet gefunden und ergänzt.
 
 

Norma Merkuria 190

Diese Rechenscheibe mit einem Durchmesser von 19 cm hat die Genauigkeit eines Rechenstabs mit 50 cm Länge. Sie war ebenfalls für den Handel gedacht, hat aber etwas ausgefeiltere Skalen als die Tröger-Scheibe. Das Exemplar muss nach 1970 entstanden sein, es hat schon den verchromten Alu-Rand und den schmalen Läufer.


mehr Infos im
   
Norma
Merkuria 190

19 cm Durchmesser
180 g
1959 - nach 2003
  • Zwei logarithmische Skalen für Multiplikation und Division,
  • eine Reziprok-Skala,
  • zwei prozentuale Skalen (eine für Rückrechnung),
  • Zinsdivisoren-Skala,
  • Angabe vieler englischer und US-Maße.
  3/3: stellenweise deutliche Gebrauchsspuren, aber alle Skalen lesbar; etwas Spiel beinträchtigt die Genauigkeit.
Mit Schutzhülle und originaler Kurzanleitung.
 

Norma wurde 1959 gegründet und produzierte bis mindestens 2003 Rechenscheiben. Im Internet ist die Firma heute aber nicht mehr auffindbar.

 
 

Феликс M

Dies ist das letzte Modell einer Rechenmaschine mit dem Namen „Felix“. Es stammt aus der Spätzeit der handbetriebenen Maschinen, trotzdem hat sich an der Mechanik seit der Felix A3 von 1928 nichts wesentlich geändert: Immer noch fehlen Einstell­kontrolle, Zehner­übertrag im Umdrehungszählwerk und sämtliche Sperren gegen Fehlbedienung. Nur die Schlittenschaltung ist modernisiert worden. Dafür ist das Material nun deutlich billiger, die Sprossenräder z.B. sind aus wenig haltbarem Zinkguss (statt Messing).
Von diesem Modell müssen Unmengen gebaut worden sein: Man findet das Modell auch heute noch extrem häufig auf den einschlägigen Seiten, meist allerdings in schlechtem Zustand.

     
Счетмаш (Курск)
Felix M
S.Nr. 3170844

32 x 16 x 13
3,7 kg
1960 - 1978
  • EW 9st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Flügelschrauben zur Löschung von UW und RW.
  • im UW keine farbliche Unterscheidung von Positiv- und Negativ-Ziffern,
  • Löschung des EWs über Schieber (unter dem Logo) und Hauptkurbel.
2/1: Zahlreiche winzige Lackschäden aber insgesamt nahezu neuwertiger Eindruck; funktioniert einwandfrei.
Anleitung im Internet gefunden.
 

Die ersten „Felix“-Modelle entstanden in Moskau, nach dem Krieg wurden für kurze Zeit welche in Penza gebaut. Alle Felix M dagegen stammen von Schetmash in Kursk. Diese Firma existiert auch heute noch und baut immer noch einen Kassendrucker mit dem Namen Felix!

 
 

Produx Multator-4

Das letzte Modell der „Multator“-Reihe ist zugleich ihre erste Vierspezies-Maschine. Das kommt durch eine kleine, aber wichtige Weiterentwicklung der Multator‑II: Man kann nun den Schlitten umklappen, dann ändert sich die Drehrichtung im Resultatwerk. Deshalb braucht man keine Komplementärziffern mehr und hat endlich eine vernünftige Möglichkeit zur Korrektur zuviel gemachter Kurbeldrehungen. Eine Einstellkontrolle wie bei der Multator‑II gibt es nicht, das ist etwas schade.
Der anfängliche Neupreis lag auch hier bei 298 DM und blieb damit weit unter den Preisen der „großen“ Rechen­maschinen. Geringe Ausmaße und Gewicht machten den mobilen Einsatz gut möglich. Negativ war (und ist), dass die einfache Mechanik mit vielen Plastikrädchen und aus gestanzten Metallteilen nur wenig belastbar ist, die Maschinchen überlebten den harten täglichen Einsatz in der Regel nicht lange. Auch bei diesem Exemplar, Baujahr ungefähr 1968, waren schon vier Plastiknasen der Ziffernrädchen abgebrochen, was in diesen Stellen sowohl den positiven Zehner­übertrag als auch die Löschung verhinderte.


mehr Infos bei
R.Atzbach
Produx
Multator-4
S.Nr. 62380

25,5 x 16,5 x 9
1,9 kg
1963 - 1969
  • EW 11st.,
  • UW 5st.,
  • RW 10st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschhebel für Schlitten (UW und RW nur gemeinsam).
  • linke Seite des RWs dient als UW, kann alternativ als Erweiterung des RWs genutzt werden,
  • Rückübertragung (mit der Kurbel den Schlitten leicht anheben),
  • Schlitten hochklappen (Hebel rechts) kehrt Drehrichtung im RW um,
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
2/2: Einige kleine Kratzer und Abnutzungen, Gehäuse sonst gut erhalten; alles funktioniert wieder einwandfrei, ist aber wohl nicht sehr belastbar.

Schlitten zerlegt, 15 Kügelchen und Federchen eingesammelt, vier abgebrochene Plastiknasen durch Drahtstifte ersetzt, zusammengebaut, falsches Timing im negativen Zehner­übertrag festgestellt, wieder zerlegt und anderes Timing probiert, nochmal zerlegt und endlich mit richtigem Timing zusammengebaut. Fünfte Plastiknase drohte zu brechen - Schlitten erneut zerlegt, Nase mit heißer Nadel angeschweißt und wieder zusammengebaut. Uff.

Mit Schutzhaube, englische Anleitung im Internet gefunden.
 
 

Produx axbxc

Das ist eine vereinfachte Variante der Multator‑II ohne Einstellkontrolle und Komplementärziffern. Sie war also nur für Addition und Multiplikation wirklich zu gebrauchen, dank Rückübertragung immerhin auch für Kettenmultiplikationen.
198 DM wurden dafür verlangt, also noch einmal 100 DM weniger als für die Multator‑II. Für den Preis einer „richtigen“ Rechenmaschine konnte man also drei dieser einfachen Geräte anschaffen, daher wurde das Maschinchen z.B. von Tankwagenfahrern gerne für das Direkt-Inkasso genutzt.
Dieses Exemplar, Baujahr vermutlich 1965, diente bis vor einigen Jahren in einem Wettenberger Geschäft als „Kaffee-Kuchen-Kasse“.


vorher:

 
Produx
axbxc
S.Nr. 43590

24 x 17 x 9
1,75 kg
1963 - ca.1970
  • EW 10st.,
  • UW 5st.,
  • RW 10st.;
  • nur Addition und Multiplikation,
  • Löschhebel für Schlitten (UW und RW nur gemeinsam).
  • linke Seite des RWs dient als UW, kann alternativ als Erweiterung des RWs genutzt werden,
  • Rückübertragung (mit der Kurbel den Schlitten leicht anheben),
  • Kurbel nur in eine Richtung drehbar.
1/1: Nur geringe Gebrauchsspuren, noch alle Knöpfe vorhanden; einwandfreie und leichtgängige Funktion.

Alle Bleche außer dem Zahlenfeld neu lackiert.

Kopie der englischen Kurzanleitung (aus Prospekt) vorhanden.
 
 

Busicom HL-21

Das ist eine der letzten in Japan gebauten handbetriebenen mechanischen Rechenmaschinen, sie hat (gemeinsam mit der Numeria 5905) die höchste Stellenzahl aller meiner Maschinen und alle damals bei Sprossenrad-Maschinen üblichen Extras. Dafür aber auch ein billiges Gehäuse aus Plastik und Sprossenräder aus Druckguss, die weniger aushalten als die aus Bronze und Messing bestehenden Räder der alten Maschinen.
Die HL-21 wurde nicht nur in Japan vermarktet. Vor allem nach Großbritannien wurden die Maschinen exportiert, auch diese gegen Ende der 60er-Jahre gebaute (vor 1967 gebaute Maschinen heißen noch nicht Busicom). Damals kostete sie 60 Pfund, umgerechnet ungefähr 600 DM.

   
Busicom
HL-21
S.Nr. 320739

36 x 18 x 13,5
5,1 kg
1963 - 1970
  • EW+KW 10st.,
  • UW 11st.,
  • RW 21st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW, im RW nur über 14 Stellen,
  • Anzeige für Drehsinn des UWs
    (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich).
  • Rückübertragung vom RW ins EW,
  • Aufhebung der Drehrichtungssperre möglich.
2/1: Das Plastikgehäuse ist mit der unteren linken Ecke offenbar mal heftig auf den Boden gefallen und auf der Unterseite einige cm gerissen, aber dort immer noch stabil. Außer diesem Riss und einer kleinen Scharte am Hauptkurbelträger hat es praktisch keine Gebrauchsspuren und macht einen fast neuwertigen Eindruck. Alles funktioniert einwandfrei und leichtgängig.

Die Maschine kam blockiert (das war auch korrekt so beschrieben), ein kleines Federchen war mit Klebeband draufgeklebt. Damit war eigentlich klar, was zu machen war. Nach kurzer Suche und einigen lustigen Fingerübungen war die Feder wieder dort, wo sie hin gehört. Zu Staub zerfallene Schaumstoffpolster innen ersetzt.

Anleitung im Internet gefunden.
 

1918 wurde die Nippon Calculating Machine Co. (NCM) gegründet, spätestens ab 1928 wurden dort europäische Sprossenrad-Maschinen nachgebaut. Ab 1967 nannte sich die Firma Business Computer Company (oder kurz Busicom). Mit diesem Namen ist die Firma in die Geschichte der Rechentechnik eingegangen, doch nicht wegen ihrer mechanischen Rechner: Busicom war aber einer der ganz frühen, lange technisch führenden und großen Hersteller elektronischer Rechner. 1969 bat dieser japanische Elektronik-Riese einen kleinen Chip-Hersteller in den USA, ihm einen neuen IC zu konstruieren, der künftig in seine Tischrechnern eingebaut werden sollte. Der kleine Chip-Hersteller war Intel, der dort entwickelte IC ist der Intel 4004 - der Urahn aller Intel-Chips.
Eigentlich besaß nur Busicom alle Patentrechte am 4004, aber man erkannte dort nicht das Potential des universell einsetzbaren Chips und verkaufte die Rechte für läppische 60.000 Dollar an Intel zurück. Deshalb steht heute auf Computern nicht „Busicom inside“ und bereits 1973 ging Busicom pleite. Den bekannten Markennamen sicherte sich der englische Importeur, der bis 2016 noch in Fernost gekaufte elektronische Rechner als „Busicom“ verkaufte.

 
 

Precisa 164-12

Noch eine elektrische „Dreispezies-Maschine“, die mit Zahnstangen rechnet. Anders als die Addo‑X kann sie aber schon vollautomatisch multiplizieren, die Eingabe dafür erfolgt auf die heute gewohnte Art. Nur dividieren kann sie noch nicht (das kann erst die Nachfolgemaschine, das Modell 166). Deshalb liegt ihr eine Reziproken-Tabelle für alle Zahlen von 1000 bis 9999 bei, so dass man jede Division durch Multiplikation mit dem Kehrwert ersetzen kann. Als besondere Einrichtung hat sie einen (immer noch rein mechanischen!) Speicher, der z.B. für Konstanten oder zum Aufsummieren von Ergebnissen genutzt werden kann und eine Rückübertragung: Sie speichert das letzte Ergebnis, das dann weiter verwendet werden kann.
Das Modell wurde immerhin 15 Jahre lang verkauft. 1964 kostete die als "Dreispezies-Vollautomat" beworbene Maschine 1.590 DM, zehn Jahre später noch 798 DM. Selbst 1977 steht sie noch in den Katalogen, dann aber als "Tagespreis erfragen". Wahrscheinlich waren das nur Restbestände, denn es ist kaum denkbar, dass man zu dieser Zeit noch solche Maschinen gebaut hätte.
Dieses Exemplar hatte ein Architekt in Fernwald auf seinem Schreibtisch stehen, damit hat er alle seine Baupläne durchgerechnet. Gekauft wurde es irgendwann Mitte der 60er-Jahre bei Keil in Gießen, auch diese Firma gibt es heute nicht mehr.

   
Precisa
164-12
S.Nr. D153821

23,5 x 33 x 16
8,5 kg
1963 - 1978
  • EW 12st.,
  • RW 13st.,
  • Speicherwerk 12st.,
  • Druckwerk 13st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Multiplikation, Zwischensumme, Summe,
  • R-Taste für Erhalt der eingetippten Zahl (während + / - gedrückt halten),
  • Speichertaste,
  • Nichtrechentaste,
  • Korrekturtaste.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck auf Papierstreifen,
  • beide Faktoren einer Multiplikation mit zusammen maximal 12 Stellen.
1/1: Auf der Front viele leichte Kratzer, sonst nur wenige Gebrauchsspuren, alles funktioniert wie ein Schweizer Uhrwerk.

... nur das Farbband musste ersetzt werden.
Tip: Vorsicht - Wenn man beim Einschieben in die Schale vorne anstößt dejustiert man schnell die Speichermechanik!

Mit Originalanleitung und Reziproken-Tabelle.
 
 

Brunsviga 13RM

Die letzte handbetriebene Brunsviga heißt nur noch so, aber gebaut wurde sie bei FAMOSA in Spanien für die Olympia-Werke. Die Sprossenrad-Maschine wurde auch unter den Marken Famosa und Minerva verkauft, aber in Deutschland hatte Brunsviga noch ein gutes Image. Also klebte man den Namen „Brunsviga“ darauf.
Spanische Niedriglöhne, preiswerte Materialien und nicht mehr ganz so präzise Verarbeitung sollten wohl die Kosten und damit auch die Preise niedrig halten, um gegen die elektrische Konkurrenz (und die am Horizont aufziehende Elektronik) bestehen zu können. Die Maschine hat ein modern wirkendes Gehäuse und ist gut ausgestattet mit vollständigem Zehner­übertrag, Rückübertragung und der Einhand­bedienung des Schlittens. Aber man merkt die etwas „dahingehuddelte“ Verarbeitung: Eine Maschine mit solchen Passungenauigkeiten der Karosserie hätte in Braunschweig das Werk wohl nie verlassen.
Diese Maschine hat eine vierstellige Seriennummer und ist daher eines der ganz frühen Exemplare, das Baujahr ist vermutlich 1964. Sie gehörte einem leitenden Stadtvermessungsdirektor in Krefeld und diente ab den 60er-Jahren zu Berechnungen im Vermessungs- und Katasterwesen der Stadt. Außergewöhnlich ist der gute Zustand dieses Exemplars: Nicht nur die einwandfreie Funktion, innen drin fand sich auch kein Staubkrümelchen und kein verharztes Fett.

   
Brunsviga
13RM
S.Nr. 2853

30 x 19,5 x 12
6,8 kg
1964 - ca.1970
  • EW+KW 10st.,
  • UW 8st.,
  • RW 13st.;
  • Grundrechenarten,
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Schalter für Drehrichtung im UW
    (durch erste Kurbeldrehung auch automatisch bestimmt),
  • Rückübertragung vom RW ins EW.
2/1: Nur einige Stoßstellen an Kanten und Benutzungsspuren an den Plastikgriffen, dennoch Gesamteindruck fast wie neuwertig; leichtgängige und einwandfreie Funktion.

Seitenteile der Schlittenabdeckung zwecks besserer Passgenauigkeit etwas präziser gebogen.

Mit Nachdruck der (wenig ausführlichen) englischen Anleitung.
 

FAMOSA ist die Abkürzung für die Firma „Fábrica de Artículos Mecánicos para Oficina, S.A.“. Sie wurde 1945 in Barcelona gegründet und war bis in die 90er-Jahre aktiv. Heute findet sich jedoch keine Spur mehr von ihr, nur am alten Fabrikgebäude prangt noch immer der Firmenname.

 
 

Numeria 5905

Diese Numeria ist das letzte handbetriebene Modell der Marke. Sie hat die herstellertypischen Axial-Sprossenräder, dazu eine vergleichsweise gute Ausstattung mit durchgehendem Zehner­übertrag im Umdrehungszählwerk (mit einer wirklich pfiffigen Mechanik), einer riesigen Kapazität und teilbarem Resultatwerk, um z.B. links Zwischenergebnisse zu speichern. Das Baujahr dürfte 1966 oder etwas später sein, der damalige Neupreis betrug 665 DM. In Deutschland sind diese Numerias selten zu finden. Vermutlich spielt dabei eine Rolle, dass die Maschine in direkter Konkurrenz zur deutlich billigeren Nisa K2 stand, auch wenn die viel schlechter ausgestattet war.
Dieses Exemplar stammt aus Llanwrtyd Wells. Innen fand sich seltsamerweise die unten abgebildete Banderole: So eine hat man zuhause eher selten. Man darf also vermuten, dass die Maschine in einer Filiale der „co‑operative bank“ (evtl. in Hereford?) im Einsatz war. Aber bis 2014 oder noch länger? Erstaunlich ... ja, die Waliser!

 
Numeria
5905
S.Nr. 80150

41 x 27,5 x 19,5
6,1 kg
1964 - 1968
  • EW 10st.,
  • UW 11st.,
  • RW 21st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für RW und UW (je nach Drehrichtung).
  • Zehnerübertrag auch im UW, im RW nur über 11 Stellen,
  • Schalter für Additionsmodus,
  • Anzeige für Drehsinn des UWs
    (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich).
  • Split des RWs ermöglicht Teillöschung der rechten 9 Stellen,
  • Schieber inaktiviert ggf. die ersten beiden Tastenkolonnen (Fehlervermeidung bei bestimmten Rechnungen).
2/1: viele Kratzer und kleine Stoßstellen, insgesamt jedoch schöner Eindruck; alles funktioniert wieder wunderbar leichtgängig.

UW neu justiert, abgebrochenen Griff der rechten Schlittenabdeckung neu aufgebaut und lackiert, ein Knopf ersetzt. In die (wegen der erst noch fehlenden Abdeckung) lose Schlittengleitstange weiteren Schlitz eingefräst und Sicherungsring eingesetzt, linke Schlittenabdeckung neu gebaut, Stellenbezifferung angebracht.

Anleitung im Internet gefunden.
 
 

Walter Comptess

Diese kleine Saldiermaschine (=rechnet und druckt Ergebnisse unter Null korrekt) mit der internen Modellbezeichnung S33 wurde von Walther als „Comptess“ vermarktet. Sie kann eigentlich nur addieren und subtrahieren, notfalls sind (wie bei allen Addiermaschinen) einfache Multiplikationen umständlich zu rechnen.
Solche einfachen Maschinen verkauften sich wohl gut, denn heute noch findet man die Comptess recht häufig. Der geringe Funktionsumfang machte sie zum preisgünstigsten Modell aller Walther-Addiermaschinen, sie kostete anfangs 760 DM. Ab 1971 bekam sie ein moderneres, eckiges Gehäuse, doch gegen die Konkurrenz der Elektronik half das nicht lange: Ab 1974 wurden die Restbestände für 398 DM verramscht.
Dieses Exemplar wurde vermutlich 1969 gebaut. Sie stammt aus einer Sammlung, die frühere Verwendung ist daher unbekannt.

   
Walther
Comptess
S.Nr. S33 1599144

22 x 36 x 13 (ohne Papierrolle)
6,6 kg
1964 - ca.1974
  • EW 11st.,
  • RW 12st.,
  • Druckwerk 12st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • R-Taste für behelfsmäßige Multiplikation (einrastend),
  • Nichtrechentaste,
  • Korrekturtaste.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck auf Papierstreifen.
2/1: Starke Vergilbung des Gehäuses und einige größere Kratzer, alles funktioniert wieder perfekt.

Motor lief durch: Ursache gesucht, völlig festgerosteten Motorstopphebel unter Einsatz von massivem Hebel, Hammer und Rohrzange ausgebaut, ausgeschliffen und mit neuer Gummipufferung wieder eingebaut, Flugrost unter den Tasten (soweit ohne Zerlegung möglich) beseitigt, neues Farbband.

Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Nisa K2

Die nächste Maschine mit Volltastatur und geteilten Staffelwalzen, gnaz nahe am Vorbild der Monroe-Maschinen: Wie dort bewegen sich auch hier die Staffelwalzen selbst (durch je nach Taste verschieden weit drehende Leisten unter Tastatur und Walzen) und nicht die abgreifenden Zahnräder. Es gibt ebenfalls den optionalen „Additionsmodus“ (automatische Eingabelöschung nach Drehung der Kurbel) und das Umdrehungszählwerk hat immer noch keinen Zehnerübertrag. Die abgekürzte Multiplikation ist also auch hier unmöglich.
Die innere Ähnlichkeit ist groß, vermutlich wurde sogar eine Lizenz von Monroe erworben. Aber offensichtlich versuchte man, möglichst viel Metall einzusparen: Der Boden besteht aus stabilem Metall, doch die Schlittenverkleidung ist aus sehr dünnem Blech, die übrige Karosserie aus dickem Kunststoff und auch sonst gibt es viel Plastik.
Dieses Exemplar wurde 1969 gebaut. Wer es früher wozu benutzt hat weiß ich leider nicht, aber den damaligen Neupreis der nach Westdeutschland exportierten Maschinen findet man im Internet: 247 DM, das war im Vergleich zu Monroe (und Lagomarsino) richtig günstig.

   
Nisa
K2
S.Nr. U2-25718

31,5 x 27 x 10 (16,5 aufgeklappt)
3,6 kg
ca.1965 - ca.1970
  • EW 8st.,
  • UW 8st.,
  • RW 16st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, Löschkurbel für UW und RW (je nach Drehrichtung).
  • Zehnerübertrag im RW nur über 10 Stellen,
  • im UW rote Ziffern bei negativer Zählung (zwei 9er),
  • Schalter für Additionsmodus,
  • zwei herausklappbare „Hinterbeine“.
2/1: Ein deutlicher Hitzeschaden am Kunststoff der Vorderseite, Gehäuse sonst extrem gut erhalten. Die Mechanik ist wieder leichtgängig und fehlerfrei.

Erste Ermüdungsrisse am Schlittenverstellknopf (aus Kunststoff) geklebt.

Kurzanleitung geschrieben.
 

Das Know-How der Rechnerfertigung von Nisa („Neiße“ auf tschechisch) stammt wahrscheinlich auf Umwegen von Rema. 1922 übernahm Mira deren Patente und Maschinen und produzierte bei Liberec Rechenmaschinen. Ab 1951 baute Nisa dann im Nachbarort Proseč nad Nisou (Proschwitz) Rechenmaschinen des „Monroe-Typs“, vermutlich zuerst auf den alten Maschinen und mit Teilen des Personals von Mira. Bis 1976 wurden dort weitere (auch elektromechanische) Rechner entwickelt und gebaut. 1995 (also kurz nach dem Zusammenbruch des sogenannten „Ostblocks“) ging die Firma in Konkurs. Eine Nachfolgefirma, wahrscheinlich aus überlebensfähigen Teilen der Fabrik entstanden, existiert heute noch als NISAFORM GmbH, sie stellt Formen für Kunststoff- und Metallguss her.

 
 

Norma Grafia 190

Eine speziellere Rechenscheibe von Norma, wieder mit 19 cm Durchmesser. Diese war für Grafiker etc. gedacht, daher gibt es eine Skala mit Formaten und Schriftgrößen. Das Exemplar muss in der Zeit zwischen 1965 und 1970 entstanden sein, es hat schon den neuen, verchromten Alu-Rand, aber noch den kurzen Läufer.
Dieses Exemplar wurde von den Grafikern eines Industrie-Designstudios in Venlo bis in die 80er-Jahre benutzt - danach wurde auf Computer umgestellt und die Scheibe wurde überflüssig.

     
Norma
Grafia 190

19 cm Durchmesser
180 g
1965 - nach 2003
  • Zwei logarithmische Skalen für Multiplikation und Division,
  • Angabe von Formaten und Schriftgrößen,
  • Angabe einiger englischer und US‑Maße.
  1/1: praktisch neuwertig, einwandfreie Funktion.
Mit Schutzhülle und Originalanleitung.
 
 

Facit 1004

Die Technik der Facit CM2‑16 wurde hier in ein billigeres Plastikgehäuse gepackt. Beworben hat man damals das „moderne“ Aussehen und etwas geringeres Gewicht. Das Modell bekam auch einen Tragegriff spendiert, der für das Gewicht allerdings zu filigran ist und wohl eher die Transportierbarkeit signalisieren sollte.
So versuchte man konkurrenzfähig zu bleiben, aber leider vergeblich. Elektronische Rechner sahen eben nicht nur modern aus, sondern waren es auch.

   
Facit
1004
S.Nr. 1893531

35 x 29 x 16
7,5 kg
1967 - ca.1972
  • EW+KW 11st.,
  • UW 9st.,
  • RW 16st.;
  • Grundrechenarten,
  • 2 Tabulatortasten (für Division / für Rückübertrag),
  • 3 Löschhebel für die drei Werke.
  • Zehnerübertrag auch im UW,
  • Anzeige für Drehsinn des UWs,
    (durch erste Kurbeldrehung bestimmt, keine manuelle Umschaltung möglich),
  • mitlaufender Stellenzeiger im UW,
  • Rückübertragung aus RW oder UW (!) in die Eingabe.
1/1: nur geringste Gebrauchsspuren; alles läuft leichtgängig.
Mit Schutzhaube und Anleitung der CM 2‑16.
 
 

Alco

Ein Zahlenschieber aus den mittleren 60er-Jahren. Das Modell kommt aus Japan und ist offensichtlich (bis hin zu Details in Farbgebung und Beschriftung) eine Kopie des Addiator Arithma. Manchmal findet man es auch mit einem kleinen Rechenstab auf der Rückseite, oft unter anderen Markennamen. 1960 wurden solche Zahlenschieber in den USA manchmal schon für 99 Cent angeboten.

   
ALCO
Personal Calculator

4 x 16 x 0,5
40 g
ca.1967 - ca.1975
  • Eingabe über 6 Schieber,
  • Addition, Subtraktion (nicht unter Null!),
  • Löschschieber.
  • Addieren und Subtrahieren auf einer Seite,
  • mit Eingabegriffel aus Metall und Halterung dafür.
2/2: Einige Kratzer, nicht ganz leichtgängig.

Zerlegt, einige Zähne und Schieber begradigt.

Mit Originalgriffel, Anleitung eines Addiator Arithma im Internet gefunden.
 

Der unbekannte japanische Hersteller hat schon ab den 50er-Jahren Zahlenschieber an viele Firmen geliefert und gleich deren Marke aufgedruckt. Alco z.B. war eine Firma aus New York, die ab Mitte der 60er-Jahre aus Fernost importierte Massenware über Discounter vertrieben hat.

 
 

Egal ob hand- oder motorbetrieben, Sparversion oder Superausstattung, Sprossenrad, Staffelwalze oder Schaltklinke: Ab dem Jahr 1961 kamen die ersten ANITAs und deren „Kollegen“ in die Büros und machten binnen eines Jahrzehnts die mechanischen Rechenmaschinen obsolet. Nur die Rechenschieber und Logarithmentafeln hielten sich in den Ingenieurbüros, Schulen und Universitäten noch etwas länger, weil die frühen elektronischen Geräte noch zu wenige Funktionen hatten.
Doch die integrierten Schaltkreise elektronischer Rechner wurden allmählich kleiner, leistungsfähiger und preiswerter. Am 12. Juli 1972 startete in den USA der Verkauf des Hewlett-Packard HP‑35, der alles (insbesondere Logarithmen, Potenzen und Kreisfunktionen) genauer und schneller rechnete als die Rechenschieber. Allerdings kostete er anfangs noch knapp 400 Dollar.
Am 13. Juni 1976 erschien dann mit dem TI‑30 der erste wissenschaftliche Taschenrechner, der gerade mal 25 Dollar kostete - also weniger als ein üblicher Rechenschieber. Damit wurden auch diese fast über Nacht wertlos und verschwanden. Das gleiche Schicksal ereilte die Logarithmentafeln.
Neben den Vorteilen (Genauigkeit, Schnelligkeit, leichtes Erlernen, immer höherer Funktionsumfang) bringen die modernen Tisch- und Taschenrechner aber auch Nachteile mit sich: Das fehlende Gefühl für das, was man da gerade rechnet führt hin und wieder zu folgenreichen Fehlern. Jedem Display wird vollkommen vertraut, kaum jemand kann bei dem hohen Rechentempo noch einen Überschlag im Kopf machen, ob das Eingetippte und Angezeigte auch stimmen kann. Zudem wird von der Elektronik oft eine Genauigkeit vorgetäuscht, die gar nicht existiert: Was nützen z.B. 11 Nachkommastellen, wenn die eingegebenen Messwerte nur auf zwei Stellen genau waren?
Die folgenden Rechner (nein, das sind wirklich keine „Maschinen“ mehr!) zeigen die Entwicklung der frühen Elektronik, die zum Untergang des mechanischen Rechnens führte; aber auch, wie selbst große Hersteller mechanischer Rechenmaschinen mit damals vielleicht aussichts­reichen, letztlich jedoch erfolglosen Strategien versuchten, in der Elektronik Fuß zu fassen - und warum neue Firmen den Markt elektronischer Geräte für sich sichern konnten.
Zugegeben: Ich wollte einige der Geräte auch haben, weil ich Nixie-Röhren einfach wunderschön finde ... deshalb sind es ein paar Beispiele mehr als eigentlich nötig.

 
 

Denon DEC-61A4

Dieses ist mein bislang ältester elektronischer Rechner: Er kam im September 1968 auf den Markt. Entsprechend niedrig integriert ist die Elektronik: Auf insgesamt sieben Platinen sitzen ungeheuer viele Widerstände und Dioden (oft als logische Gatter), zahlreiche Kondensatoren, einige Transistoren und nur wenige integrierte Schaltkreise („Chips“ oder ICs). Die ICs sind noch sehr einfach (SSI = „small scale integration“) und bieten nur logische Grundfunktionen. Dazu kommen noch die Platine für die Tastatureinlesung, zwei schmale Platinen für die Anzeige und die alles verbindende Hauptplatine. Der ganze große Kasten ist also vollgestopft mit elektronischen Bauteilen, die alle in Handarbeit eingelötet wurden!
Die Anzeige besteht aus „Nixies“, das sind die damals gebräuchlichen, recht teuren Röhren mit Kathoden in Ziffernform, die wie Glimmlampen leuchten können. Für jede Ziffer gibt es also eine Kathode, diese sind dicht hintereinander gestapelt. Nixies gab es in vielen verschiedenen Formen und Größen, doch ab Anfang der 90er-Jahre wurden sie nicht mehr hergestellt weil sich billigere und energiesparendere Anzeigearten durchsetzten. Einige Enthusiasten betreiben heute wieder Kleinstfertigung, aber funktionierende Nixies werden allmählich seltener und damit noch teurer als sie es immer schon waren. Das ist schade, denn das warme Licht ist wunderschön.
Die Bedienung dieses Rechners ist mit heutigen Standards kaum zu vergleichen, bestimmte Tastenfolgen führen zu hoch seltsamem Verhalten. Immerhin gibt es schon die Wurzelfunktion (die mit großen Zahlen nicht umgehen kann), einen Speicher (der ein negatives Vorzeichen leicht verliert) und ein (recht eingeschränktes) Fließkomma. Andere Rechner dieser und folgender Jahre waren da meist schlechter ausgestattet. Der Funktionsumfang selbst der kompliziertesten elektromechanischen Maschinen ist damit auch schon erreicht.
Die frühere Verwendung ist nicht bekannt, auch den anfänglichen Neupreis in Deutschland habe ich noch nicht herausgefunden. 1971 waren es dann jedenfalls immer noch heftige 3.807 DM brutto (etwa vier Monatslöhne).


mehr Infos im
Old Calculator Museum

Die Platinen:


Denon
DEC-61A4
S.Nr. Z212339Y

29,5 x 39 x 10,5
6,5 kg
1968 - 1971
  • Anzeigeregister 14st.,
  • Rechenregister,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten,
  • Quadratwurzel.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Wählrad für 0, 2, 3 oder 6 NKS,
  • Wählrad für Fließkomma oder Festkomma mit Ab‑, 5/4- oder Aufrundung,
  • Register-Austausch,
  • T-Taste für Aufsummierung von Produkten,
  • K-Taste für Konstante bei Multiplikation und Division,
  • Anzeige mit 14 Nixie-Röhren,
  • 3 Signallämpchen für Minus, Speicher und Überlauf.
3/2: Gehäuse extrem vergilbt, bis auf einen kleinen Riss aber unbeschädigt, auch Tasten sehr gut erhalten. Man kann damit immer noch passabel rechnen, doch bei manch seltsamem Verhalten ist nicht klar, ob es an der Rechnerlogik liegt oder ob es sich bereits um Versagen der Elektronik handelt. Die Komma-Kathoden der Röhren 6 und 12 sind ausgefallen bzw. schwach.

Defekte Glimmlampe der Überlaufanzeige ersetzt.

Kurzanleitung geschrieben.
 

Denon wurde 1910 als Nippon Chikuonki Shoukai (Japan Recorders Corporation) gegründet. Bis 2001 gehörte die Firma zum ebenfalls 1910 gegründeten Plattenlabel Nippon Columbia. Einige wenige Jahre um 1970 war Denon auch im Rechnerbau tätig, die Marke wurde aber mit hochwertigen Stereoanlagen und Audiokomponenten bekannt, diese baut sie noch heute. Denon gehört heute zur D&M Holdings Inc. (D und M stehen für Denon und Marantz).

 
 

General Teknika 1200

Ein Rechner aus dem Jahr 1969, der nun schon ganz viele (genau 88) ICs enthält, die aber immer noch niedrig integriert („SSI“) sind. Die Anzeige ist nun schon geringfügig moderner: Statt der klassischen Nixies sind hier zwölf nach dem gleichem Prinzip leuchtende „Elfin-Röhren“ eingebaut. Das sind acht kleine Glimmlämpchen pro Röhre, die zusammen eine Siebensegment-Anzeige (plus Dezimalpunkt) bilden. Die Speicherlogik ist etwas seltsam (statt Speicherlöschtaste automatischer „Neustart“ nach bestimmten Rechnungen, der Speicher ersetzt zudem eine Konstante) und ein Fließkomma gibt es auch nicht. Insgesamt wirkt die Bedienlogik aber recht durchdacht, das Wurzelziehen geht hier (auch dank des seltsamen Speichers) sehr flott.

aus der Sammlung Hans Bloemen

Die Platinen:




General
Teknika#8239;1200
S.Nr. 2589

25 x 32 x 15
3,7 kg
1969 - ?
  • Anzeigeregister 12st.,
  • Rechenregister 12st.,
  • saldierender Speicher 12st.;
  • Grundrechenarten.
  • Registertausch,
  • Festkomma 0‑, 2‑, 4- oder 6stellig,
  • Anzeige mit 12 Elfin-Röhren Rodan MG17‑D und einer Glimmlampe (für's „Minus“),
  • Chipsatz: General EDC2111CUM, EDC2112CUM, EDC2113CUM, EDC2114BUM, EDC2115CUM, EDC2116CUM, EDC2116BEL, EDC2115DUM u.a.
1/1: Gehäuse nahezu ohne Gebrauchsspuren und nur leicht vergilbt, funktioniert einwandfrei.
Mit Schutzhaube, Kurzanleitung geschrieben.
 

Die General Co. Ltd. war ein 1914 gegründeter japanischer Hersteller, dessen Eigenmarke Teknika in Deutschland von MBO vertrieben wurde, der aber auch wichtiger OEM‑Hersteller ( z.B. vieler Rechner von Triumph-Adler oder Precisa: Dort hieß dieses Modell „GS12“) war. Bis mindestens 1989 wurden elektronische Rechner gebaut. Heute gibt es immer noch eine Firma gleichen Namens, sie stellt nur noch Verbrauchsmaterialien für Bürogeräte her.

 
 

Sharp QT-8D

Dieser kompakte Tischrechner beherrscht nur die Grundrechenarten, sonst nichts. Aber er ist dennoch bemerkenswert, weil er der weltweit erste Rechner mit LSI(„large scale integration“)-Chips war. Hier werkeln tatsächlich nur sechs Chips, davon vier in der damals revolutionären MOS‑Technik mit um die 1000 bis 2000 Transistoren pro IC. Das war damals ungeheuer viel (heutige Spitzen-Notebooks haben allerdings Prozessoren mit mehreren Milliarden Transistoren) und ein gewaltiger Fortschritt bei der Rechengeschwindigkeit. Dazu kam noch die Raum- und Energieersparnis.
Interessant ist auch die Anzeige, denn hier sind zum ersten Mal in einem Rechner die seltenen Itron-Röhren verbaut worden. Die Verarbeitung ist extrem wertig: gekapseltes Netzteil, Stecker mit Goldkontakten, Tastatur mit Reed-Kontakten... Auch nach 50 Jahren knarzt , klemmt und wackelt nichts. Auf der Positivseite ist auch noch das damals seltene echte Fließkomma. Die Tastatur dagegen hat ein heute sehr seltsam anmutendes Layout mit gemeinsamer Taste für Multiplikation und Division, ohne Hilfe finden die meisten Menschen binnen 5 Minuten nicht heraus, wie man damit dividiert. Führende Nullen werden in der Anzeige nicht unterdrückt, die Nullen sind dafür halbhoch, was sehr gewöhnungsbedürftig ist und ungeübte Nutzer eher noch mehr verwirrt. Nach dem Einschalten muss man zweimal C drücken, sonst steht Datenmüll in Anzeige und Register. Die Korrekturtaste löscht auch eine eingegebene Multiplikation/Division und holt das Register in die Anzeige zurück, das zweite Drücken löscht alles.
Die Seriennummer verrät Baujahr und ‑monat: Es ist November 1970. Durch die höher integrierten Chips (und wegen des geringen Funktionsumfangs) mussten hier viel weniger elektronische Bauteile eingebaut werden, dadurch konnte auch der Preis niedriger sein: 1.790 DM (netto).

aus der Sammlung Hans Bloemen
ein sowjetischer Nachbau bei
S.Frolov
Sharp
QT-8D
S.Nr. 000978X

14,5 x 25,5 x 8,5
1,5 kg
1969 - 1972
  • Anzeigeregister 8st.,
  • Rechenregister 8st.;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung über eine Taste,
  • nur Fließkomma,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • Anzeige mit 8 Iseden „Itron“ CD10B (Vakuumfluoreszenz) und einer weiteren Röhre („Minus“),
  • Chipsatz besteht aus zwei einfachen ICs und vier MOS‑LSI‑ICs von Rockwell: NRD 2256 („numerical read‑in and display“), DC 2266 („decimal-point control“), AC 2261 („arithmetic control“, Register), AU 2271 („arithmetic unit“, der eigentliche Addierer).
1/1: Kaum Gebrauchsspuren, funktioniert (wenn man erst mal die Bedienung herausgefunden hat) einwandfrei.
Englische Anleitung im Internet gefunden.
 

Von Jahr zu Jahr purzelten die Preise und heftiger Konkurrenz­kampf unter den Elektronikherstellern ließ letztlich nur wenige große Unternehmen bis heute bestehen. Sharp, gegründet 1912 durch Tokuji Hayakawa (und bis 1970 auch unter dessen Name firmierend) gehört zu diesen Herstellern und ist heute immer noch einer der Marktführer im Bereich elektronischer Rechner. Allerdings ist Sharp nicht mehr selbständig, weil die Konkurrenz der neuen „Billigheimer“ aus China auch dort zu massiven Verlusten geführt hatte. 2016 hat die taiwanesische Hon Hai (hierzulande als „Foxconn“ zu recht zweifelhaftem Ruf gekommen) zwei Drittel der Sharp-Anteile gekauft (mehr Firmengeschichte).

 
 

Neckermann Haushaltkalkulator

„Richtige“ Rechenmaschinen waren für private Haushalte viel zu teuer, elektronische Rechner bis in die 70er-Jahre ebenfalls. Das Marktsegment wurde also meist von Zahlenschiebern oder Kleinaddierern abgedeckt. Der „Neckermann Haushaltkalkulator“ (nicht „Haushalts...“ - deutsch ist schwierig!) ist ein später Vertreter dieser Kleinaddierer und zeigt seine Zielgruppe schon im Namen.
Man kann damit passabel addieren und subtrahieren (letzteres sogar einfacher als auf einer Resulta oder Summira, weil man das Rollenzählwerk in beide Richtungen drehen kann). Der Zehner­übertrag über alle Stellen, also z.B. von 9999999 auf 0000000, ist aber extrem schwergängig.
Leider kann man die Mechanik nicht untersuchen, ohne das Gerät zu zerstören, denn das Plastik-Gehäuse ist gut verklebt. Auch Reparaturen wären daher unmöglich.

     
Neckermann
Haushaltkalkulator


12,5 x 9,5 x 10
260 g
ca.1970 - ?
  • Einstellwerk = Anzeige 7st.;
  • Addition und Subtraktion,
  • Löschhebel.
  • Addition: Zahn an weißer Ziffer nach unten ziehen,
    Subtraktion: Zahn an roter Ziffer nach oben ziehen.
2/1: Gehäuse mit wenigen Gebrauchsspuren; funktioniert einwandfrei.
 

Hersteller ist eine (leider unbekannte) Firma in Japan. Das Modell wurde in Großbritannien und den USA als „Solo“ bzw. „Chadwick“ verkauft und in Deutschland bei Neckermann, dem großen Versandhändler aus Frankfurt, der in den späten 90er-Jahren der zweitgrößte Online-Versender Deutschlands war. Neckermann geriet später in die Hände von Arcandor/Karstadt und ging im Zuge der kriminellen Karstadt-Ausplünderung 2012 in Konkurs. Die Markenrechte sicherte sich der Konkurrent Otto, der heute unter neckermann.de ein Versandportal betreibt.

 
 

Schumm Rechenbox

Es geht noch kleiner: Das hier ist ein „Shopping adder“. Eine deutsche Bezeichnung gibt es nicht, weil diese Geräte praktisch nur in den USA und GB verbreitet waren. US‑Amerikaner und Briten fanden es offenbar besonders wichtig, beim Einkaufen die Summe stets mitzurechnen.
Die Schumm Rechenbox ist das einzige bekannte Modell aus Deutschland. Man klickt die Pfennig‑, 10 Pfg.‑, Mark- und 10 Mark-Stelle mit der Taste oben jeweils eins weiter, zum Löschen muss man dann alles einzeln (von rechts angefangen) auf Null klicken.
Das Gerät erfüllt m.E. nicht wirklich die Definition einer Rechenmaschine: Man kann zwar in jeder Stelle Eins zuzählen, „Rechnen“ finde ich das aber noch nicht. Eine „Maschine“ ist die Rechenbox jedoch, denn sie hat einen echten Zehner­übertrag.

     
Schumm
Rechenbox


9,5 x 2 x 4
40 g
1970 - ?
  • Anzeigeregister 4st.;
  • nur Addition von 1 in jeder Stelle.
  1/3: Gehäuse nahezu ohne Gebrauchsspuren; funktioniert nur gut, wenn man die Tasten beim Lösen „schnicken“ lässt.
 

Erich Schumm war Unternehmer und Erfinder mit über 1000 Patenten. Seine beiden wichtigsten Erfindungen sind das ESBIT („Erich Schumms Brennstoff in Tablettenform“) und die Plastik-Fliegenklatsche. Schumm starb 1979, die Firma mit Sitz in Murrhardt bestand aber weiter und stellte schließlich vor allem Handtuch- und Seifenspender her. 1994 wurde sie von der Haniel Textilservice übernommen, deren Sanitärausstattungen (heute als CWS-boco) immer noch hergestellt werden, auch in Murrhardt.

 
 

Nisa K5

Die „große Schwester“ der Nisa K2 wirkt in Form- und Farbgebung recht modern. Sie ist eine der letzten Neuentwicklungen einer handbetriebenen Maschine überhaupt und kam auf den Markt, als sich die ersten elektronischen Rechner schon längst etabliert hatten. Trotzdem muss sie zumindest im damaligen Ostblock noch eine gewisse Verbreitung erfahren haben, denn man findet sie öfters in Internet-Auktionen. Auch eine Modellvariante mit Elektromotor wurde gebaut.
Das Umdrehungszählwerk ist immer noch ohne Zehner­übertrag, ein Zähler mit Übertrag kann jedoch im sehr großen Resultatwerk simuliert werden. Insgesamt hat sie noch mehr Plastik als die „kleine Schwester“. Die Oberschale aus dünnem Kunststoff wirkt etwas klapperig (es gibt ganz selten auch eine Variante mit Metalloberschale). Auch die Kurbel und das Schlittentransportrad sind aus demselben Material und es zeigten sich z.T. erste Ermüdungsrisse. Unterschale und Inneres sehen dagegen recht stabil aus, sind aber auch erkennbar auf Materialersparnis hin optimiert.
Dieses Exemplar wurde 1975 gebaut. Es stammt aus einer Sammlung in München, also ist mir leider nicht bekannt, wer es früher benutzt hat und welchen Neupreis man damals dafür zahlen musste.

Diese Stellleisten werden durch die
Tasten verschieden weit gedreht ...:
... und stellen diese Staffelwalzen
nach links und rechts:
 
Nisa
K5
S.Nr. AC 71133

40 x 31 x 17
4,7 kg
1970 - ca.1976
  • EW 10st.,
  • UW 10st.,
  • RW 20st.;
  • Grundrechenarten,
  • Löschtaste für die Eingabe, 2 Löschhebel für UW und RW.
  • Zehnerübertrag im RW nur über 13 Stellen,
  • im UW rote Ziffern bei negativer Zählung (zwei 9er),
  • Schalter für Additionsmodus,
  • gleichzeitig 0 und 1 in Kolonne 10 drücken setzt einen provisorischen Zähler (Die 1 ganz links wird nicht mehr gelöscht), ein Zählerschieber setzt das wieder zurück.
1/1: Sieht bis auf kleinste Kratzer noch ausgesprochen gut aus, alles funktioniert einwandfrei.

Erste feine Haarrisse an Gehäuse und Schlittentransportrad geklebt/verstärkt, einige Gummipuffer innen erneuert.

Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Addo-X 9354

Auf den ersten Blick sind nur die Tastenfarben und das Firmenlogo anders als beim QT‑8D, auf den zweiten Blick fällt der fehlende Tragegriff auf. Aber die Ähnlichkeit täuscht nicht, denn die meisten elektronischen Rechner von Facit und Addo wurden von Sharp gebaut. Deren QT‑8D wurde ebenfalls leicht modifiziert und dann als Addo‑X 9354 bzw. Facit 1125 verkauft.
Wo dieser Rechner mal benutzt wurde weiß ich leider auch hier nicht, aber Baujahr und damaliger Neupreis sind bekannt: Ein Facit-Prüfetikett auf der Rückseite trägt das Datum 12.12.1972 (es handelt sich also um eines der ganz späten Exemplare), im Büromaschinen-Lexikon stehen für dieses Jahr 1.350 DM (netto). Ein Jahr zuvor waren es sogar noch 1.995 DM, also deutlich mehr als das gleiche Gerät vom eigentlichen Hersteller.

aus der Sammlung Hans Bloemen  
Addo-X
9354
S.Nr. 345031

14,5 x 25,5 x 8,5
1,5 kg
1970 - 1972
  • Anzeigeregister 8st.,
  • Rechenregister 8st.;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung über eine Taste,
  • nur Fließkomma,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • Anzeige mit 8 Iseden „Itron“ CD10B (Vakuumfluoreszenz) und einer weiteren Röhre („Minus“),
  • Chipsatz besteht aus zwei einfachen ICs und vier MOS‑LSI‑ICs von Rockwell mit Datumscodes von 1969 bis 1971 (s. Bild oben rechts).
1/1: Nahezu neuwertig, funktioniert einwandfrei.

Zerbröselnde Gummifüße ersetzt.

Mit Schutzhaube, Anleitung identisch mit der des Sharp QT‑8D.
 
 

Viele Hersteller mechanischer Rechenmaschinen trafen damals ebenfalls solche Vereinbarungen mit verschiedenen japanischen Elektronikproduzenten, nur wenige versuchten sich an eigener Herstellung. Das geschah nicht wegen fehlender Kompetenz in Sachen Elektronik, sondern weil die Herstellung der frühen elektronischen Geräte noch aufwendigste Handarbeit (und daher in Europa unbezahlbar) war. Die japanischen Löhne hingegen waren damals konkurrenzlos niedrig, also kauften dortige Firmen US‑amerikanische Chips und bauten um diese herum Rechner, die auf dem europäischen Markt dann zwar teuer, aber im Vergleich dennoch günstig angeboten werden konnten. Im Gegenzug lieferten die etablierten Vertriebs­netze der Büromaschinen-Hersteller den japanischen Firmen „Starthilfe“.
Auch in den USA war das Lohnniveau eigentlich zu hoch für die aufwendige Montage elektronischer Geräte. Doch dort wurde vom Staat (vor allem dem Militär) massiv gegengesteuert, denn man wollte das damalige Fast-Monopol der Chip-Fertigung und andere Kompetenzen möglichst lange im Land behalten. Also gab es hohe Subventionen und viele teure Aufträge für amerikanische Firmen. Daher konnten amerikanische Hersteller meist mithalten oder gar die Technologieführerschaft erringen und noch viele Jahre mussten auch die japanischen Hersteller Chips und andere Bauteile überwiegend in den USA kaufen.
Warum zogen die westeuropäischen Staaten da kaum bis gar nicht mit? War es jenes selbstgefällige Gefühl angeblicher Überlegenheit, wie es z.B. der bei der Facit C1‑13 erwähnte Entwicklungschef ausdrückte oder durften die Regierungen der europäischen NATO-Länder eigene Interessen nur eingeschränkt vertreten?

 
 

Sharp QT-8B

Das Gerät sieht nun wieder exakt wie der QT‑8D aus, selbst der Tragegriff ist wieder da. Auch das Innenleben ist praktisch gleich, aber eigentlich gab es einen wichtigen Unterschied: Statt des großen Netzteils waren hier ursprünglich sechs Akkus eingebaut und es wurde eine separate Ladestation mitgeliefert. Damit wurde der QT‑8B zum ersten netzunabhängige Elektronenrechner, wegen seiner geringen Größe konnte man ihn auch wirklich schon gut mitnehmen. Dafür war er dann (mit Ladestation) 460 DM teurer als sein Pendant mit Netzstecker: 2.250 DM (netto)! Gebaut wurde dieses Exemplar im September 1970.
Sein Nachfolger hat immer noch den gleichen Chipsatz: Es ist der (noch kleinere) erste echte Taschenrechner der Welt, der Sharp EL‑8 (auch Facit 1111 / Addo‑X 9364).

aus der Sammlung Hans Bloemen

Ein QT-8B mit Akkus und Ladegerät m
Vintage Calculators Web Museum
 
Sharp
QT-8B
S.Nr. 0109329

14,5 x 25,5 x 8,5
1,5 kg
1970 - 1972
  • Anzeigeregister 8st.,
  • Rechenregister 8st.;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung über eine Taste,
  • nur Fließkomma,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • Anzeige mit 8 Iseden „Itron“ CD10B (Vakuumfluoreszenz) und einer weiteren Röhre („Minus“),
  • Chipsatz besteht aus zwei einfachen ICs und vier MOS‑LSI‑ICs von Rockwell.
2/2: Gehäuse und einige Tasten mit Gebrauchsspuren; funktioniert eigentlich einwandfrei, aber hier wurde nachträglich das Netzteil eines QT‑8D eingebaut (vermutlich weil die Akkus tot waren).

Auch hier Gummifüße ersetzt.

Mit Anleitung des QT-8D.
 
 

Facit 1129

Dieser Rechner ist nun wieder vergleichsweise riesig, sogar größer als viele der Maschinen mit Handkurbel. Das liegt auch daran, dass hier nur MSI(„medium scale integration“)‑ICs benutzt wurden, die durch eine beeindruckende Zahl von Transistoren, Widerständen und Dioden ergänzt werden. Einen der damals gerade aufkommenden LSI‑Chips findet man hier noch nicht. Die Anzeige besteht wieder aus den teuren „Nixies“, auch die Tastatur entspricht dem damaligen Sharp-Standard. Für heutige Verhältnisse ist die Benutzung eher ungewohnt: Eine Plus-Taste sucht man vergebens, führende Nullen werden nicht unterdrückt, es gibt kein Fließkomma und Werte für Multiplikation und Division dürfen nur je 13 Stellen haben, weil dabei eine Stelle im Register als Zählwerk benötigt wird. Doch immerhin gibt es schon einen echten Speicher mit den heute noch üblichen vier Tasten. Werden komplizierte Aufgaben gerechnet, dann vollführen die Anzeigen bis zu einer Sekunde lang einen wilden Tanz.
Wo dieser Rechner mal benutzt wurde weiß ich leider nicht, weil er aus einer Sammlung stammt. Aber den damaligen Neupreis kenne ich: Heftige 3.300 DM (netto). Zum Vergleich: Ein VW Käfer in einfacher Ausstattung kostete damals ungefähr 5.500 DM brutto (nebenbei bemerkt: der Käfer war also seit 1950 preisstabil, nur die MWSt. kam ab 1968 oben drauf!). Ein Jahr später war der Preis des Rechners dann auf 2.590 DM gesunken, immer noch so viel wie ein halbes Auto.
Der Rechner wurde auch als Addo-X 9677 verkauft. Ein genaues Gegenstück beim Hersteller Sharp kenne ich nicht, der folgende Rechner kommt dem aber nahe.

aus der Sammlung Hans Bloemen  
Facit
1129
S.Nr. 2.902.108

28 x 33 x 12,5
5,1 kg
1970 - 1972
  • Anzeigeregister 14st.,
  • Rechenregister 14st.,
  • Saldierender Speicher 14st.;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Register-Austausch,
  • maximal 7 Nachkommastellen einzugeben (sonst Überlauf),
  • Drehschalter für 0 bis 6 NKS und Rundung (rot mit, schwarz ohne 5/4‑Rundung),
  • einrastende Taste für Speicherung des letzten 1. Faktors / Divisors / 2. Summanden / Subtrahenden als Konstante,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • „Nixie“-Anzeige mit 14 Hitachi CD81 und einer H1501.
2/1: Einige Tasten und das Gehäuse mit leichten Gebrauchsspuren; alles funktioniert einwandfrei.
Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Sharp Compet 241

Auch dieser Rechner ist groß: Die Elektronik ist ebenfalls nur wenig integriert (MSI), außerdem wurde dieses Gehäuse auch für Sharp-Rechner mit bis zu zwei Tastenreihen und zwei Stellen in der Anzeige mehr benutzt. Die Hauptplatine ist fast identisch mit dem vorigen Rechner, aber ein paar kleine Unterschiede gibt es. Er hat insgesamt ungefähr 55 ICs, deren wenige Transistoren nur elementare logische Funktionen (NAND-Gatter, Schieberegister etc.) bieten. Auch hier gibt es daher eine beeindruckende Menge von Widerständen, Dioden und Transistoren, die die Rechnerlogik mit bestimmen. Das ist quasi ein „festverdrahtetes ROM“.
Das Tastenfeld entspricht dem firmeninternen damaligen Standard, der sich auch auf vielen Facit- und Burroughs-Rechnern findet. Die Bedienung ist fast identisch mit dem Facit 1129, nur die Wahl von Rundung und Nachkommastellen ist etwas anders.
Ganz ungewöhnlich: Auf der Rückseite ist ein 60‑poliger Stecker, an den man ein Programmiergerät (z.B. den „Memorizer 60“) anschließen konnte. Damit konnten Tastenfolgen gespeichert und wieder abgerufen werden, der Compet 241 wurde damit also programmierbar.
Innen ist ein Stempel mit dem japanischen Datum 45.10.29F: Das ist der 29. Oktober im 45. Regierungsjahr von Showa/Hirohito, also 1970. Der Neupreis: Auch hier heftige 3.300 DM (netto).

aus der Sammlung Hans Bloemen

mehr Infos bei
F.Gallwitz
 
Sharp
Compet 241
S.Nr. 01014711

30,5 x 32,5 x 11
5,3 kg
1970 - 1972
  • Anzeigeregister 14st.,
  • Rechenregister 14st.,
  • Saldierender Speicher 14st.;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Register-Austausch,
  • maximal 7 Nachkommastellen einzugeben (sonst Überlauf),
  • Dividend/Divisor maximal 13stellig,
  • 2 Schieber für 0‑4, 6 oder 7 NKS und 5/4‑Rundung,
  • einrastende Taste für Speicherung des letzten 1. Faktors / Divisors / 2. Summanden / Subtrahenden als Konstante,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • „Nixie“-Anzeige mit 14 Hitachi CD81 und einer H1501,
  • Anschluss für Memorizer,
  • 3 manuelle Tausender-Trennmarken vor der Anzeige.
2/2: Eine Taste und das Gehäuse haben erste leichte Ermüdungsrisse, alles funktioniert einwandfrei. Nur kurz nach dem Einschalten „spinnt“ der Rechner für einige Minuten und schreibt selbsttätig Werte in die Anzeige, dann ist der Spuk wieder vorbei.

Eine eingedrückte Stelle am Netzschalter repariert, oxidierte Kugeln der Tastensperre mussten entfernt werden.

Mit Schutzhaube (etwas zerfleddert), Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Facit 1131

Der Facit 1131 ist schon 1971 beim Markteintritt ein Mix aus alt und neu: Die „Nixies“ kamen 1971 allmählich schon aus der Mode und wurden zur Kosten- und Energieersparnis durch Panaplex‑, Digitron- oder gelegentlich schon erste LED‑Anzeigen abgelöst. Im Inneren werkeln aber schon LSI‑Chips mit mehreren tausend Transistoren, was zu einer aufgeräumteren (und damit billiger zu bauenden) Platine führt. Die Benutzung wiederum ist für heutige Gewohn­heiten reichlich umständlich: Konstanten­operationen z.B. müssen über Schieber eingegeben werden, führende Nullen werden nicht unterdrückt und es gibt kein Fließ­komma. Warum der Rechner statt „M+“ und „M-“ nur eine „Sigma“-Taste hat bleibt wohl auf immer ein Geheimnis der Entwickler.
Wo dieser Rechner mal benutzt wurde weiß ich leider nicht, aber der Neupreis dieser Geräteklasse von Facit findet sich ebenfalls im Büromaschinen-Lexikon: 2.650 DM (netto).
Der Rechner wurde auch als Addo‑X 9676 verkauft. Ein genaues Gegenstück vom eigentlichen Hersteller Sharp habe ich bislang nirgends gefunden.


wunderschöne Detailbilder
einer Addo-X 9676 bei
Curtamania

Bedienung der Facit 1131 im
Youtube-Video
Facit
1131
S.Nr. 3101209

23 x 28,5 x 10
3,3 kg
1971 - 1972
  • Anzeigeregister 12st.,
  • Rechenregister 12st.,
  • Saldierender Speicher 12st.;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • maximal 6 Nachkommastellen einzugeben (sonst Überlauf),
  • Schieber für 0, 1, 2, 3, 4 oder 6 NKS im Ergebnis (fortlaufende Multiplikation/Division stets mit 6 Nachkommastellen),
  • Schieber für Speicherung des letzten 1. Faktors/Divisors als Konstante und Wahl von Multiplikation/Division,
  • eingerastete Sigma-Taste saldiert Ergebnisse im Speicher,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • „Nixie“-Anzeige mit 12 Hitachi CD80P und einer H1501,
  • Chipsatz besteht aus 7 Mitsubishi ICs: M58242, MA8127, MA8119, MA8125, MA8118, MA8120 und MA8126.
1/1: Tasten mit leichten Benutzungsspuren, am Gehäuse keine Stoßstellen oder Kratzer; funktioniert wieder einwandfrei

Zäh gehende Null-Taste gängig gemacht.

Ein schöner Aktenkoffer dient als Zuhause, neue Anleitung geschrieben. DANKE an Serge Devidts von CALCUSEUM.COM für eine vierseitige Broschüre mit Kurzanleitung!
 
 

Contex D11

Das Herz dieses Rechners ist ein abgewandelter Chipsatz S‑100 von Electronic Arrays mit sechs LSI‑Chips: 110‑5001 („Register Array“), 140‑5004 („Input Processing“), 150‑5005 („Output Array“), 120‑5013 („Control Logic“), 180‑5019 („Microcode ROM“, vorher 160‑5014) und schließlich 150‑5017 („Arithmetic Logic“). Dieser Chipsatz war der erste, der frei auf dem Markt angeboten wurde. Jede Firma durfte ihn kaufen und einen eigenen Rechner drumherum bauen. Auch Contex griff zu und baute einen Rechner im typischen, etwas modernisierten Flunder-Design, mit einer sehr seltenen Anzeige: Eine Nixie-„Monotube“ von Philips, bei der in einer gemeinsamen Röhre acht Ziffern nebeneinander sitzen (also 88 Kathoden in einer Röhre!).
Auf der Rückseite hat der D11 zwei Wahlschalter: Einmal für Nachkommastellen beim Einschalten, zum anderen für verschiedene Spannungen von 100 bis 240 Volt. Die übrige Rückseite ist von einer robusten Metallplatte mit einer Kurzanleitung bedeckt. Schade, dass das nicht Schule gemacht hat! Die Bedienung ist vergleichsweise modern mit arithmetischer Eingabelogik. Es gibt auch eine Konstantentaste (und eine etwas merkwürdige Konstantenlogik) und als Besonderheiten eine Taste für die Wahl der Nachkommastellen (die die Ziffern 8, 9 und das Komma rein mechanisch sperrt) und eine Taste, mit der ggf. die acht höheren Stellen angezeigt werden können (wenn diese Stellen sichtbar sind leuchtet ein Signallämpchen), denn der D11 hat eine Rechenkapazität von 16 Stellen.
Auch der D11 stammt aus einer Sammlung, wo er mal benutzt wurde ist unbekannt.

aus der Sammlung Hans Bloemen
Contex
D11
S.Nr. 024007409

20,5 x 21,5 x 7
2,5 kg
1971 - 1974
  • Anzeigeregister 16st.,
  • Rechenregister 16st.;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • maximal 6 Nachkommastellen einzugeben (sonst Überlauf),
  • 2 Schalter für Vorwahl von 0 bis 7 NKS und verschiedene Netzspannungen,
  • 2 einrastende Tasten für Speicherung des letzten 2. Faktors / Divisors als Konstante und für die Wahl der NKS,
  • 3 Leuchtanzeigen für Minus, Überlauf und Belegung der Stellen 9‑16,
  • Taste für Wechsel der Ansicht zwischen den Stellen 1‑8 und 9‑16,
  • Tasten der Zifferneingabe sind nur einzeln zu betätigen,
  • „Nixie“-Anzeige mit einer achtstelligen Philips „Pandicon“-Röhre ZM1206,
  • Chipsatz S-100 von Electronic Arrays, Jahrescode 1971.
1/1: Gehäuse nahezu neuwertig; funktioniert einwandfrei.

Leicht ausgebrochene Null-Taste geklebt.

Kurzanleitung auf der Rückseite erklärt zwar alle Funktionen, trotzdem neue Anleitung geschrieben.
 

Die Preisentwicklung zeigt den Verfall der Preise: 1972 kostete er 1.235 DM (ca.1,3 Monatslöhne), ein Jahr später 915 DM, dann 598 DM (da nur noch ca.0,5 Monatslöhne, die stiegen damals deutlich!), 1975 wurde er nicht mehr angeboten. Da hatte Contex wunderschöne selbst entwickelte Rechner mit viel mehr Funktionen im Angebot, daneben immer noch einen handbetriebenen Schnelladdierer im Comptometer-Stil. Die Rechner von Contex konnten aber offenbar im Preiskampf nicht mehr mithalten. Man begann damit, Rechner aus Fernost zu importieren, doch das rettete die Firma nicht mehr und Contex wurde von Ricoh aufgekauft. Produktion und Marke gibt es immer noch: Heute baut man dort Großformat-Farbscanner.

 
 

Olympia AM 209

Ein Exemplar dieses Modells stand ab 1971 auf dem Schreibtisch meines Vaters. Sie ersetzte die Addo‑X, deren Reparatur nicht mehr lohnte. Weil man mit ihr nicht so gut multiplizieren konnte wurde sie durch eine Rechenscheibe ergänzt: Mit der Olympia wurde (z.B. für Rechnungen oder Inventuren) addiert, subtrahiert und gedruckt, mit der Rechenscheibe wurde (z.B. für Handelsspannen, Preisaufschläge, Rabatte) multipliziert und dividiert.
Diese Maschine ist nicht unsere von damals, sie stammt aber ebenfalls aus einem ehemaligen Lebensmittelgeschäft. Verkauft wurde sie 1974 von Papierfix in Landau, diesen Bürohändler gibt es heute noch.
Die AM 209 ist die letzte mechanische Maschine von Olympia, die in Serie produziert wurde. Ihre Funktionen sind exakt die gleichen wie bei der Olympia 192‑030, sie kann nur addieren und subtrahieren. Aber es gibt hier statt Handhebel einen Motor, was das Rechnen kräfteschonender und viel schneller macht. Rechen- und Druckwerk bestehen fast völlig aus Kunststoff-Zahnrädern und ‑Hebeln, eine einzige Achse trägt alle rotierenden Teile. Die Tastendrücke werden mit Bowdenzügen auf den Stiftschlitten übertragen, von dort mit Kunststoff-Zahnsegmenten ins Resultatwerk. Da auch das Gehäuse vollständig aus Kunststoff („Novodur“ = Hart‑PVC) besteht ist die Maschine relativ leicht.
Diese Konstruktion lässt ganz deutlich die Absicht erkennen, mit preisgünstigster Produktion der vordringenden Elektronik etwas entgegen zu setzen. Das gelang allerdings nur kurz: Während der mehrjährigen Entwicklungszeit waren die Preise der Elektronik bereits rasant gefallen und sie fielen weiter. Der Verkaufspreis von anfangs 349 DM (später knapp 300 DM) machte sie bereits kaum noch preiswerter als die gleichzeitig angebotenen elektronischen Rechner.


mehr Infos im
(PDF)
Olympia
AM 209
S.Nr. 51-0172749

20,3 x 34,5 x 14,5
4,5 kg
1971 - 1974
  • EW 8st.,
  • RW 9st.,
  • Druckwerk 9st.(+Symbol);
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • R-Taste für behelfsmäßige Multiplikation (während + / - gedrückt halten),
  • Nichtrechentaste,
  • Korrekturtaste.
  • Keine Anzeige, nur Ausdruck auf Papierstreifen.
1/1: Nur minimale Gebrauchsspuren (Gerät wirkt auf den ersten Blick neuwertig), alles funktioniert perfekt.

Festgerosteten Hebel der R-Taste (die einzige Roststelle am ganzen Gerät) gelöst, zerfallende Schaumstoffstreifen im Inneren (zur Lärmdämmung) ersetzt, neues Farbband.

Mit Schutzhaube, Originalanleitung und dem originalen Umkarton mit Versandaufklebern von Olympia Braunschweig und einem Lieferschein vom 11.5.1974.
 
 

Es ist kein Zufall, das in den frühen 70er-Jahren fast alle der hier genannten Firmen, z.B. auch Tröger, Schubert und Facit/Odhner, die Produktion von Rechenmaschinen und Rechenhilfen einstellten (und entweder untergingen oder auf andere Produkte umschwenken konnten): Elektronische Rechner waren bis dahin immer deutlich teurer als die mechanischen Geräte gewesen, aber das änderte sich nun sehr schnell. Die immer höher integrierten Schaltkreise reduzierten die nötigen Arbeitsschritte und damit die Herstellungs­kosten der Elektronik immer weiter. So endete die Produktion mechanischer Rechenmaschinen fast überall, nur im Ostblock wurden sie einige Jahre länger gebaut.

 
 

Casio fx-1

Der allererste Rechner mit „wissenschaftlichen“ Funktionen (Trigonometrie, Logarithmen, Potenzen etc.) war der Mathatronics 8‑48M aus dem Jahr 1964. Doch bis Anfang der 70er-Jahre waren solche Rechner extrem teuer und selten. 1972 kam dieser Rechner von Casio auf dem Markt, immer noch im Tischrechner-Format und immer noch einer der ersten seiner Art. Sein Neupreis in Deutschland lag bei 2.695 DM (netto, also brutto noch über drei Monatslöhne!).
Die Zusammenstellung der wissenschaftlichen Funktionen ist ungewohnt: Nur für den Tangens gibt es die Umkehr­funktion, die Potenzfunktion geht nur mit ganzen Zahlen von 1 bis 9, nur zwei der drei heute üblichen hyperbolischen Funktionen sind zu finden, Pi ist auch nicht fest gespeichert. In der Anleitung wird aber erklärt, wie sich durch diverse Umformungen auch die fehlenden Kreis- und Hyperbelfunktionen errechnen lassen, wie man über e und ln auch „krumme“ Potenzen rechnen kann und wie man Pi schnell darstellt (180° in rad umrechnen!). Insbesondere die Kubikwurzel-Funktion rechnet extrem lange, bis zu 12 Sekunden dauert dann das hypnotisierende Flimmern der Ziffern. Der Test des Calculator Forensics Project ergibt hier 9,1017786367. Für jene Zeit ist das nicht besonders gut, aber es gab (selbst in späteren Jahren) auch Schlimmeres.
Schon im folgenden Jahr wurde das teure Nixie-Display durch ein preiswertes VFD ersetzt, doch die kurze Zeit der wissenschaftlichen Tischrechner war eigentlich schon vorbei. Ebenfalls ab 1972 wurde der Hewlett-Packard HP‑35 angeboten, ein wissenschaftlicher Taschenrechner für knapp 880 DM. Casio selbst bot erst ab 1974 mit dem
fx‑10 einen solchen Taschenrechner an.
Dieser Rechner wurde erstaunlicherweise früher in einem Gemischtwarenladen in Goslar benutzt, später noch zu Lohnabrechnungen der Vorarbeiterin einer Reinigungsfirma. Ich vermute mal, dass der Funktionstastenblock in beiden Fällen nicht oft benutzt wurde. Wieso ein Einzelhändler an eine so teure und seltene Maschine kam bleibt rätselhaft...


mehr Infos im
Old Calculator Museum
   
Casio
fx-1
S.Nr. 206071

24 x 31,5 x 8
2,7 kg
1972
  • Anzeige,
  • Rechenregister,
  • saldierender Speicher,
  • 2. Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Kreisfunktionen, Hyperbelfunktionen, 10er- und natürlicher Logarithmus, Quadrat- und Kubikwurzel, ganzzahlige Potenzen (nur bis 9), Umrechnungen Grad zu rad, rad zu Grad und Grad/Minuten/Sekunden in Dezimalgrad.
  • Rundungs- und Kommastellen-Wahlschalter,
  • X-Y-Austausch und Vorzeichenwechsel,
  • Nixie-Anzeige mit 12 Hitachi CD90P,
  • Hauptchips NEC µPD173D, D174B, D5023, D5024, D5033, D5034.
2/1: einige Kratzer und andere kleine Gebrauchsspuren, die Zifferntasten sind vergilbt; alles funktioniert einwandfrei.
DANKE an Serge Devidts von CALCUSEUM.COM für die ausführliche Anleitung!
 

Casio (die westliche Schreibweise für den Gründer der Firma) wurde 1946 gegründet - also als Japan so ziemlich in Trümmern lag. Bereits 30 Jahre später war die Firma einer der Platzhirsche im Geschäft mit elektronischen Geräten, und heute ist sie das immer noch: Uhren, Taschenrechner, Kameras und vieles mehr werden gebaut.

 
 

Liebermann TE 8000

Aus dem gleichen Jahr stammt dieser im Vergleich doch sehr einfache Rechner. Abgesehen von der Konstanten und dem seltenen Vorzeichenwechsel bietet das Gerät nur die Grundrechenarten, diese immerhin mit Fließkomma. Die Werte werden mit Itron-Röhren angezeigt (leider ohne Nutzung des vorhandenen 8.Segments). Der LSI‑Chip beinhaltet alle Rechenfunktionen, daneben finden sich auf den Platinen noch eine ganze Reihe elektronischer Bauteile, die für Anzeige und Spannungsversorgung zuständig sind.
Den Neupreis kenne ich nur aus dem holländischen Inserat eines anderen Vermarkters: 295 Gulden (Gulden und DM waren damals ungefähr gleich viel wert). Anders als der im Calcuseum gezeigte Rechner hat dieses Exemplar auch keine Seriennummer (mehr?).

 
Liebermann
TE 8000


14 x 21 x 8
780 g
1972
  • Anzeige,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher;
  • Grundrechenarten.
  • Konstanten-Taste,
  • Vorzeichenwechsel,
  • VFD-Anzeige mit 8 Iseden DG10FI und einer Iseden SP8B,
  • Chip TMS0105NC von Texas Instruments.
1/2: Kaum Kratzer und nur eine kleine Scharte; die Konstanten-Taste rastet wegen eines gebrochenen Nippelchens nicht mehr ein (Konstantenrechnungen also nur beidhändig), 3. Röhre von links leuchtet etwas schwächer.

Einige abgeschabte Ecken retuschiert, ein Kabel wieder angelötet.

 

Über die Liebermann & Co. S.A. ist im Internet nichts zu finden. Sie war nur einer der vielen Vermarkter dieses Modells, denn gebaut wurde es von der 1956 gegründeten TECO Electric & Machinery Co.. Diese Firma ist inzwischen einer der weltgrößten Hersteller von Elektromotoren.

 
 

Remington 1001

Dieser Tischrechner ist wieder etwas funktions­reicher als der vorige aus dem gleichen Jahr. Hier gibt es zwar kein Fließkomma, dafür aber einen Speicher. Die Tastatur ist dank Reed-Schaltern unverwüstlich, das Gehäuse aus extrem dickem Plastik auch.
Remington hat das solide Gerät bei Casio gekauft, nur Gehäuse und Tasten sind geändert. Das entsprechende Casio-Modell ist der Casio 101‑A.

   
Remington
1001
S.Nr. 805366

18 x 21 x 7
1,8 kg
1972
  • Anzeigeregister 10st.,
  • Rechenregister,
  • saldierender Speicher,
  • Konstantenspeicher;
  • Grundrechenarten.
  • Totallöschung über MR und C gleichzeitig,
  • 2 Schieber für 0‑4 oder 6 NKS und 5/4‑Rundung,
  • Konstante nach doppeltem Drücken von × bzw. ÷,
  • 10 Nixie-Röhren Hitachi CD90P und eine Glimmlampe („Minus“),
  • LSI-Hauptchips Hitachi HD3210, HD3211, HD3212 und HN3205,
  • 3 manuelle Tausender-Trennmarken vor der Anzeige.
1/1: Gehäuse nur mit winzigen Kratzern und nicht vergilbt; funktioniert einwandfrei.
mit Originalanleitung
 

Die 1816 gegründete Waffenfabrik Remington ist nur der Namensgeber. 1886 verkaufte man die eher nebenher betriebene Schreibmaschinen-Herstellung (mit der ersten wirklich erfolgreichen Maschine) an die Standard Typewriter Co., die sich Namensrechte sicherte und ab 1902 auch als Remington firmierte. 1927, nach der Fusion mit der Rand Kardex Co. hieß die Firma Remington Rand. Dort wurden mechanische Rechenmaschinen, Rasierapparate und anderes gebaut. Nach einer weiteren Fusion mit der Sperry Co. in Jahr 1955 firmierte man als Sperry Rand. Die Rechenmaschinen (und später die zugekauften elektronischen Rechner) nutzten aber weiter den guten Namen Remington.
Im Großcomputerbau war Sperry Rand einige Zeit führend, die UNIVAC-Rechner stammen von dort. 1986 fusionierte man wieder: Dann mit Burroughs, dem Marktführer bei druckenden Addiermaschinen. Die neue Firma Unisys gibt es heute noch, sie ist vor allem ein Informatik-Dienstleister.
Remington gibt es als Marke ebenfalls noch, weil die Rasierer-Produktion gegen Ende der 70er-Jahre ausgegliedert und verkauft wurde. Die gehört heute zum Mischkonzern Spectrum Brands.

 
 

Walther ETR4

Auch Walther versuchte im Markt elektronischer Geräte mitzuhalten, und auch hier wurden anfangs keine Komplettgeräte aus Japan zugekauft (bis auf das allererste Modell, das von Ricoh stammte), sondern selbst entwickelt und gebaut. Das merkt man den Rechnern auch an: Sie haben (wie auch die Contex-Elektronenrechner) ein eigenständiges, klares Design und sind hochwertig verarbeitet. Auch nach nunmehr fast einem halben Jahrhundert wackelt nichts und funktioniert alles.
Der ETR4 ist schon fast ein Taschenrechner: Noch ein wenig zu groß für die Hemdtasche, aber schon gut transportabel (einige Schwestermodelle im gleichen Gehäuse hatten bereits Akkus und waren damit netzunabhängig). Er wurde ein Jahr nach der Produktionseinstellung der WSR160 gebaut und kostete mit nur 398 DM (netto) kaum mehr als die Hälfte dessen, was zuvor für jene verlangt worden war. Angesichts dieses für 1972 recht niedrigen Preises wundert es, dass das Gerät heute so selten zu finden ist. Ob die (im Vergleich zu den „Japanern“) geringe Produktionskapazität der begrenzende Faktor war oder ob es am fehlenden Speicher lag, der das Gerät zum Ladenhüter machte?

aus der Sammlung Hans Bloemen

mehr Infos und schöne Detailbilder bei
M.Sigg
Walther
ETR4
S.Nr. 5062146

15 x 21 x 5
1,0 kg
1972
  • Anzeigeregister 16st.,
  • Rechenregister 16st.;
  • Grundrechenarten.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • maximal 7 Nachkommastellen einzugeben (weitere werden ignoriert),
  • 0 bis 7 NKS durch gleichzeitiges Drücken von C und entsprechender Ziffer einstellbar,
  • Taste für Wechsel zwischen höheren und niederen Stellen (wenn mehr als 8 Stellen im Ergebnis sind),
  • Registeraustausch-Taste,
  • rastende Taste für Speicherung des letzten 2. Faktors/Divisors als Konstante,
  • „Nixie“-Anzeige mit 8 NEC LD8007 und 2 Glimmlämpchen (für Minus und Überlauf)
  • LSI-Chipsatz von Electronic Arrays mit FDY150‑5005, FDY190‑7010, FDY280‑7008 und FDY310‑7014.
1/1: Am Gehäuse eine einzige kleine Scharte bei ansonsten neuwertigem Aussehen; alles funktioniert einwandfrei.

Alle Platinen mussten gereinigt werden, drei Potis mit Kontakt61 aufgefrischt und geschützt, das zu Staub zerfallene Schaumstoff-Polster der Nixies erneuert.

Mit Originalkarton eines ETR2, Anleitung beim „Rechenkasten“ gefunden - herzlichen Dank dafür!
 

Aus Japan drängten in kurzer Folge immer billigere Rechner mit immer mehr Funktionen auf den Markt. Da konnte die „Walther Büromaschinen GmbH“ bald nicht mehr mithalten. Langlebigkeit war wegen der rasanten technischen Entwicklung kein Verkaufsargument mehr. 1974 kam der erste Konkurs. Bis 1986 verkaufte Walther mechanische und elektronische Geräte aus Lagerbeständen und ab 1980 auch aus Fernost zugekaufte elektronische Rechner (bis Mitte der 80er-Jahre als „Walther Electronic AG“) und war zuletzt noch (als „Walther Data GmbH“) überwiegend in Nischenmärkten (z.B. für Fahrkarten-Buchungssysteme oder Rezeptlesegeräte) tätig. Seit 2014 gibt es nur noch den Waffenhersteller, die Stammfirma aller Walther-Unternehmen. Maschinen, Kunden und Personal der Walther Data wurden von der Firma MCon Global übernommen.

 
 

Interton PC2008

Einfache Taschenrechner wurden in der ersten Hälfte der 70er-Jahre erschwinglich: Der aller-allererste elektronische Rechner in unserem Haushalt kam 1973, kostete damals „nur noch“ 150 DM und sollte eigentlich die Rechenscheibe ersetzen.
Das erste Vorführen des (heute doch sehr primitiv anmutenden) Taschenrechners in der Schule führte zum Massenauflauf von Mitschülern und Lehrern. So etwas hatte da noch keiner gesehen: Alle vier Grundrechenarten in Sekundenbruchteilen auf acht Stellen genau, die Eingabe super einfach - und alles wog weniger als ein gutes Pausenbrot!
Kein Wunder, dass alle mechanischen Vierspezies-Maschinen so schnell wertlos wurden. Nur unsere Rechenscheibe wurde einstweilen noch nicht überflüssig, denn der Taschenrechner blieb nun in meiner Schultasche.
Eine eigene „=“‑Taste gibt es hier noch nicht, eine Wurzeltaste fehlt auch. Aber in der Betriebsanleitung wird erklärt, wie man mit dem Heron'schen Näherungsverfahren Quadratwurzeln ziehen kann (das Toepler-Verfahren klappt hier natürlich nicht mehr).
Dieser Rechner ist nicht das Exemplar, das ich 1973 (bei Saturn Frankfurt) gekauft habe, das ist leider verschollen. Er stammt von einem Bankmitarbeiter, den ihn all die Jahre immer noch als Reserve-Rechner herumliegen hatte. Immer wieder schön, dass auch manch Anderer funktionierende Geräte nicht wegwerfen kann!


Bilder vom Innenleben im
Virtual Museum of Calculators
   
Interton
PC2008
S.Nr. 245016

8 x 13,5 x 3
140 g (o.Batt.)
1973 (- ?)
  • Anzeigeregister 8st.,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Promille.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Wahl zwischen Fließkomma und 2 NKS,
  • Konstante abschaltbar,
  • LED-Anzeige 8st.,
  • LSI-Chipsatz: TMR012, 2x SN75491, CA3082 (und dazu ganze 5 Transistoren)
2/1: im Batteriefach leichte Säureschäden und die vier Gummifüße haben sich alle in Wohlgefallen aufgelöst, funktioniert perfekt.
Mit Etui und Originalanleitung.
 

Die Firma Interton gibt es immer noch, sie baut heute wieder nur noch das, was sie vor einigen Taschenrechnern (und einer halbwegs erfolgreichen Spielekonsole) auch gemacht hat: Hörgeräte!

 
 

Privileg 03987

Dieser einfache Tischrechner mit den in den 70ern verbreiteten „eckig-runden“ Tasten hieß eigentlich nur „privileg“, die 03987 ist die Katalognummer von Quelle. Es ist einer der letzten Rechner, die Busicom vor der Pleite gebaut hat. Neben den vier Grundrechenarten gibt es als „Extras“ lediglich eine abschaltbare Konstante für die Punktrechnungen, dazu die Wahl der Nachkommastellen (immerhin auch mit Fließkomma). Alle Rechenfunktionen sitzen in einem Chip, die übrigen elektronischen Bauteile sind für Stromversorgung und Anzeige zuständig. Letztere ist eine damals moderne Panaplex-Einheit mit zehn Stellen, von denen eine ganz ungenutzt bleibt und eine nur für Minus und Fehleranzeige genutzt wird. Hier leuchtet genau wie bei den Nixies eine schönes oranges Plasma, nun jedoch an Segmenten statt hintereinander gestaffelten Ziffern.


mehr Infos bei
F.Gallwitz
 
Privileg
(03987)
S.Nr. 49BQ153643

19 x 24,5 x 7
1,1 kg
1973
  • Anzeigeregister 8st.,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher;
  • Grundrechenarten.
  • Wahl von Fließkomma oder 1‑6 NKS,
  • Panaplex-Anzeige 10st. (davon nur 8 zur Ziffernanzeige genutzt) von Ushio,
  • Chip TMS0105BNC von Texas Instruments.
2/1: Gehäuseoberseite vergilbt, einige Kratzer; funktioniert einwandfrei.
 

„privileg“ war die Technik-Marke von Quelle, unter der u.a. eine Unzahl von Rechnern verschiedenster Hersteller angeboten wurde. Quelle war einmal der Primus unter den europäischen Versandhäusern. Die in Millionenauflagen gedruckten, viele cm dicken Kataloge prägten Käufer­verhalten, Stil und Mode in Westdeutschland. Doch auch hier wurde der Erfolg letzlich zum Verhängnis, denn die Trends der Zeit (Online-Handel, Shoppingcenter und flexible Preise statt Katalog, Kaufhaus und Festpreis) verschlief man. Der Untergang kam, als nach der Fusion mit den Karstadt-Kaufhäusern das Management von Kriminellen übernommen wurde, die den Konzern ausbluteten und das „Tafelsilber“ (die Immobilien) billig an ihre Kumpane verschoben. Karstadt-Quelle rutschte immer tiefer in die roten Zahlen, das führte 2009 zum größten Konkurs der bundesdeutschen Geschichte. Die Marken Quelle und privileg gibt es aber noch: Der einstmals größte Konkurrent Otto (der ab 2019 auch auf Kataloge verzichtet) sicherte sich die Markenrechte und betreibt nun Quelle.de mit im wesentlichen gleichem Sortiment wie otto.de (Taschenrechner gibt es dort auch), privileg wurde an Whirlpool weiterverkauft, die unter der Marke vor allem Haushaltsgeräte vertreiben.

 
 

Siebert Rechentafeln

Indische Mathematiker kannten die Logarithmen schon vor der Zeitenwende, über Persien gelangte dieses Wissen zu den Arabern. Ab etwa 1470 bis 1620 wurden sie durch Chuquet, Stifel, Bürgi, Napier und Briggs auch in Europa bekannt und erforscht (ob Chuquet auf arabische Quellen Zugriff hatte oder ob es sich um eine unabhängige Neuentdeckung handelte ist unbekannt).
Mit Logarithmen lassen sich viele sehr komplexe Rechenoperationen vereinfachen, daher wurden Logarithmentafeln ein wichtiges Rechenhilfsmittel. Wikipedia erklärt Funktion und Geschichte der Tafeln viel besser als ich es könnte.
Auch wir haben sie in der Schule noch kurz benutzt, das hier ist mein Exemplar aus der Oberstufe. Mit dem Aufkommen der Taschenrechner wurden die Tafeln dann allerdings sehr schnell bedeutungslos, heute lernt das wohl niemand mehr.

   
Helmut Sieber / Klett-Verlag
Mathematische Tafeln
ISBN 3-12-716200-6

1973 - 1976
  • Tafeln mit Primzahlen, Kreisfunktionen, Abschreibungsfaktoren und Logarithmen.
  • astronomische Daten, Periodensystem, physikalische Größen,
  • herausnehmbare mathematische Formelsammlung.
2/2: Robuster Kunststoff-Umschlag, immer noch gut zu verwenden.
 

Den Schulbuchverlag Klett gibt es noch, natürlich sind Logarithmentafeln nicht mehr im Programm.

 
 

Formelscheiben

Formelsammlungen gab es nicht nur als Buch. Diese drei Drehscheiben sind nicht einmal Rechenhilfen im engeren Sinn, sondern Lehrmittel. Sie wurden von mehreren Gewerkschaften (in diesem Fall der GdED) in den 60er-Jahren verteilt. Ich weiß nicht, ob sie z.B. bei der Ausbildung der Lehrlinge im Bahnbetriebswerk Verwendung fanden. Leichte Schleifspuren auf der roten und gelben Scheibe zeigen aber, dass sie mal wirklich öfter genutzt wurden.



Die Scheiben waren eine Dreingabe zur Summira - herzlichen Dank dafür nach Bälau!
Kratschmer-Verlag (für die GdED)
Formelscheiben für
     - Bruchrechnung
     - Dreisatzrechnung
     - Raum- und Flächenberechnung

je 19,7 cm Durchmesser
?
    2/1: Nur leichte Gebrauchsspuren.
 

Den Kratschmer-Verlag gibt es auch noch, er ist inzwischen von Bad Homburg nach Frankfurt umgezogen. Neben Broschüren und Formularen stellt er auch noch Rechen­scheiben aus Pappe (für Reisekostenabrechnungen) her.

 
 

Litronix 1100A

1974 wurde in den USA dieser Taschenrechner für knapp 40 Dollar angeboten. Sein Funktionsumfang ist noch primitiver als beim Interton PC2008: Er kennt weder Fließkomma noch Konstante und kann nur 0 oder 2 Nachkommastellen. Das reicht gerade mal für das Haushaltskonto, für genauere Rechnungen muss man wie beim Rechenschieber ohne Komma arbeiten und es im Kopf selbst setzen.
Die Platine ist bereits sehr aufgeräumt: Ein Chip für die Eingabe, einer für die Anzeige und alle Rechen­funktionen auf einem Hauptchip. Das gilt nun schon als VSLI: „very large scale integration“. Auf dem Bild vom Innenleben sieht man auch die Lupen über jeder der winzigen LED-Ziffern: Größere LEDs hätten den Preis wieder nach oben getrieben.

   
Litronix
2001A
S.Nr. 130115

8 x 15,5 x 2
110 g (o.Batt.)
1974 (- ?)
  • Anzeigeregister 8st.,
  • Rechenregister;
  • Grundrechenarten
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Wahl zwischen 0 und 2 NKS,
  • LED-Anzeige 8st.,
  • Chips unbekannt, der Hauptchip ist beschriftet mit „019“
2/1: Eine Schadstelle (durch den Etuiverschluss) auf der Vorderseite; funktioniert immer noch einwandfrei.
Mit Etui.
 

Litronix war einer der bedeutendsten Produzenten von LED-Displays und lieferte diese ab 1970 auch an zahlreiche Taschenrechner-Hersteller. Ab etwa 1973 versuchte man mit eigenen Taschenrechnern vom Boom der Branche zu profitieren, aber der schon Mitte der 70er-Jahre einsetzende Preisverfall der Elektronik brachte Litronix in Schwierigkeiten. 1978 kaufte Siemens die Firma auf.

 
 

General Teknika 1218

Ein weiterer Rechner, dessen „eckig-runde“ Tasten ihn ganz eindeutig den 70er-Jahren zuordnen: Das Tasten-Layout und die Bedienung wirken nun viel vertrauter als das noch ein oder zwei Jahre zuvor üblich war: Hier gibt es das Fließkomma, eine Prozent-Taste und sogar die Wurzelfunktion.
Die Anzeige besteht noch aus 12 einzelnen Vakuumfluoreszenz-Röhren mit 9‑Segment-Ziffern (zwei Segmente mehr als üblich für schönere 4er) und einer Röhre für Symbole. Der Integrationsgrad ist eher gering, neben den beiden LSI-Hauptchips und einigen einfacheren ICs gibt es noch viele einzelne elektronische Bauteile.
Im Büromaschinen-Lexikon steht als Nettopreis 799 DM, trotz deutlich größerem Funktionsumfang also wieder ein Stück günstiger. Damit wurden elektronische Rechner allmählich erschwinglich für Normalverbraucher und kleine Firmen. Als Precisa SP12MR wurde das Modell ebenfalls vermarktet.

   
General
Teknika 1218
S.Nr. 8430

24 x 25 x 8
2,0 kg
1974
  • Anzeigeregister 12st.,
  • 2 Rechenregister,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Quadratwurzel.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Register-Austausch,
  • 4 Schieber für 0‑6 NKS oder Fließkomma, 5/4‑/Abrundung, automatisches Speichersaldieren und Konstantenspeicherung,
  • Anzeige mit VFD-Röhren (12 Futaba DG10W1 + 1 Futaba DG10S),
  • Hauptchips: NEC D282D und PD218C
1/2: Gehäuse und Tastatur wie neu; alle Funktionen einwandfrei, die Stelle 4 leuchtet etwas schwächer.
Mit Schutzhaube und Originalanleitung.
 
 

Privileg SR54NC

 ?

Drei Jahre nach Erscheinen des HP‑35 bekam ich meinen ersten vollwertigen wissenschaftlichen Taschenrechner: Das „SR“ im Namen steht für „Slide Rule“ und diese Taschenrechnergeneration mit ihren vielen Funktionen und niedrigen Preisen war es dann auch, die das Ende der Rechenschieber besiegelte. Dieses Modell stand mit knapp unter 100 DM im Katalog. Rechenschieber waren zwar günstiger, konnten aber so viel weniger, dass sie gar keine Konkurrenz mehr sein konnten.
In Konkurrenz stand dieses Gerät jedoch ganz sicher zu den damals führenden Taschenrechnern von Hewlett-Packard, denn es hat ebenfalls UPN als Eingabelogik. Dabei schneidet es sehr gut ab, durch den damals revolutionären Chipsatz und höhere Stellenzahl bietet es deutlich mehr Leistung und Funktionen (z.B. Hyperbelfunktionen). Manche davon rechnen hier noch mehrere Sekunden lang (mit irrem Display-Geflacker), doch die Genauigkeit ist schon erstaunlich hoch: arcsin (arccos (arctan (tan (cos (sin (9) ) ) ) ) ) ergibt hier 8.99999614252, was wesentlich genauer ist als bei den damaligen HP‑Rechnern (die kommen nur auf 9.004076644, also um etwa den Faktor 1000 schlechter) und immer noch eine Stelle genauer als der viel jüngere Casio fx‑82 weiter unten.
Es sind insgesamt nur fünf Rechnermodelle (plus zwei Klone) mit diesem LSI‑Chipsatz bekannt. Er hat sich trotz seiner Leistungsfähigkeit nicht durchgesetzt, vermutlich wegen der UPN‑Eingabelogik: Die bietet zwar wesentlich bessere Möglichkeiten, beim Benutzen muss man aber (zumindest anfangs) etwas mitdenken.
Wirklicher Hersteller ist vermutlich Commodore, denn nur dort sind mir gleiche Gehäuseformen bislang begegnet.


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MyCalcDB
 
Privileg
SR54NC
S.Nr. unbekannt

8 x 15,5 x 3
130 g (o.Batt.)
1975
  • 4 Stackregister (eines davon angezeigt) mit je 12 Stellen,
  • 11 Speicher (davon 4 für statistische Berechnungen und 1 als „Last x“);
  • Grundrechenarten, Prozent, Delta-Prozent, Pi, Kreisfunktionen, Hyperbelfunktionen, 10er- und natürlicher Logarithmus, Quadratwurzel, Potenzen, Fakultät, Kehrwert, Mittelwert, Standardabweichung, 2‑dimensionale Statistik, Umrechnungen: Deg/Rad, XY‑/Polar-Koordinaten, °C/°F. l/gal, cm/in, kg/lb - und dazu überall wo es sinnvoll ist die Umkehrfunktionen!
  • „Umgekehrte Polnische Notation“ mit 4 Stapeln als Eingabelogik mit Stapelrotation, X‑Y‑Austausch, Last x und Vorzeichenwechsel,
  • LED-Anzeige mit 14 Stellen von National Semiconductor,
  • Chips: Mostek MK50075N, MK50104P und MK50103N.
3/1: Gummifüße völlig zerfallen und entfernt, Typenschild fehlt, weil ich es bereits als Schüler durch eine Liste wichtiger Formeln ersetzt hatte. Originalakkus tot und ebenfalls entfernt. Alle Funktionen laufen einwandfrei, ein einzelner Leuchtpunkt eines Segmentes ist tot.

Netzanschluss innen provisorisch neu verdrahtet damit er auch ohne Akku läuft (Betrieb mit 3 AA‑Batterien oder ‑Akkus ist weiterhin möglich).

Die Originalhülle wurde damals schon marode, als passender Ersatz fand sich das Etui eines ... ehrlich! ... Rasierwasser-Geschenksets :); Originalanleitung (mit handschriftlichen Korrekturen) vorhanden.
 
 

Privileg PR55NC

 ?

Zeitgleich mit den SR54NC wurde auch dieser Taschenrechner angeboten, auch der Katalogpreis war gleich. Das „PR“ im Namen weist darauf hin, dass dieser Taschenrechner programmierbar ist. Man kann dem Gerät also einige Tastenfolgen beibringen, die es dann mit neuen Werten auf Tastendruck neu durchrechnet. Das erweitert die Fähigkeiten des Rechners theoretisch enorm, aber leider vergisst er mit jedem Ausschalten das Gelernte.
Auch hier erfolgt die Eingabe per UPN, aber es gibt sehr viel weniger Funktionen als beim SR54NC. Bei Kettenrechnungen sinkt die Genauigkeit wegen der geringen Stellenzahl schnell sehr stark: arcsin (arccos (arctan (tan (cos (sin (9) ) ) ) ) ) ergibt hier 71.252182, das ist schon recht extrem.
Wirklicher Hersteller ist auch hier Commodore. Es gibt auch einen ungarischen Klon des Rechners. Dieses Exemplar war der Schulrechner eines Ingenieurs aus meiner Verwandschaft.

   
Privileg
PR55NC
S.Nr. 10905

8 x 15,5 x 3
130 g (o.Batt.)
1975
  • 4 Stackregister (eines davon in der Anzeige sichtbar),
  • 1 Speicher;
  • Grundrechenarten, Kreisfunktionen, 10er- und natürlicher Logarithmus, Quadratwurzel, Potenzen, Kehrwert.
  • Programmierbar mit 102 Schritten
  • „Umgekehrte Polnische Notation“ mit 4 Stapeln als Eingabelogik mit Stapelrotation, X‑Y‑Austausch und Vorzeichenwechsel,
  • LED-Anzeige mit 12 Stellen von National Semiconductor,
  • Hauptchips NSC MM5758N und MM5766N, daneben 5 weitere ICs.
2/1: Ein Gummifuß fehlt, Typenschild etwas zerkratzt, Tasten teils vergilbt, Originalakkus tot und ebenfalls entfernt. Alle Funktionen laufen einwandfrei. Anleitung für den Novus 4525 Scientist PR (gleicher Chip, bis auf die D‑Taste gleiche Bedienung) vorhanden.
 
 

Silver-Reed Mini Calculator

Aus dem gleichen Jahr stammt dieser in Hongkong gebaute, sehr einfache Taschenrechner. Immerhin hat er einen 2‑Tasten-Speicher und automatische Konstante in allen Grundrechnarten. Alle Rechen­­funktionen, aber auch die Steuerung von Eingabe und Anzeige sind nun in einem Chip vereint. Das Gehäuse zeigt, dass der Chiphersteller Rockwell diesen Rechner auch gebaut hat: Es gibt einen bau- und funktionsgleichen (allerdings in Mexiko montierten) Rockwell '76.
Das war eine Dreingabe zur Brunsviga MH. Der Neupreis ist unbekannt, aber vergleichbare Geräte gab es damals in den USA schon für etwa 15 $.

   
Silver-Reed
Mini Calculator


6,5 x 11,5 x 2,5
70 kg
1975 - 1976
  • Anzeigeregister 8st.,
  • Rechenregister,
  • Speicher (nicht saldierend),
  • automatischer Konstantenspeicher (Funktion und folgende Eingabe);
  • Grundrechenarten, Prozent.
  • Eingabe- und Gesamtlöschung mit einer Taste,
  • mit Netzanschluss,
  • LED-Anzeige mit 8 Stellen,
  • VSLI-Chip Rockwell B5000CB von 1976.
2/1: Ein paar kleine Kratzer; alle Funktionen laufen einwandfrei. Kurzanleitung (von der Rückseite des Rockwell'76) vorhanden.
 

Silver-Reed ist kein Hersteller, sondern offenbar eine reine Handelsmarke vor allem für Rechner, Schreibmaschinen und Strickmaschinen. Ursprünglich gehörte die Marke zur Seiko Holding, heute ist Kashiwazaki US Tech (ein japanischer Hersteller von Plastikteilen) der Markeninhaber.

 
 

Royal 12MK

Mit nur zwei hochintegrierten ICs und ganz wenigen weiteren Bauteilen kommt der nächste Tischrechner aus: Quadratwurzel, viele verschiedene Funktionen und die sehr komfortable Bedienung lassen den Royal 12MK auch heutigen Ansprüchen weitgehend genügen (vom fehlenden Drucker mal abgesehen). Seltsam nach heutigem Maßstab sind nur noch die Konstantenlogik (für deren Eingabe und Nutzung gibt es zwei besondere Tasten) und der Postenzähler, der ggf. zwei Stellen der Anzeige belegt. Die ist ein damals modernes „Vakuumfloureszenz-Display“. Per Schieber wählt man fünf verschiedene, teils rätselhafte Funktionen für die Prozenttaste.
Es gibt zwei Versionen des 12MK. Die Version von 1975 hat ein paar Komfortfunktionen weniger, doch bereits 1976 kam dann diese verbesserte Version. Auf der Rückseite dieses Rechners ist ein Aufkleber mit dem deutlich späteren Kaufdatum 21.2.78, mindestens so lange wurde das Modell also vermarktet. Benutzt wurde es rund 20 Jahre lang als Bürorechner in einer Imbissstube in Bocholt.


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F.Gallwitz
 
Royal
12MK
S.Nr. 69445873

17,5 x 24 x 7
1,1 kg
1975 - ca.1978
  • Anzeigeregister 12st.,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher,
  • saldierender Speicher,
  • Grundrechenarten, Quadratwurzel, Prozent.
  • Wahl von 0‑6 Nachkommastellen, Fließkomma oder Additionsmodus,
  • optional automatisches Speichern und Postenzähler,
  • Registeraustausch,
  • 5 verschiedene Prozentrechenarten,
  • 2 Tasten für Anzeige von Speicherinhalt bzw. Konstante ohne Störung des Rechengangs,
  • „Digitron“-Anzeige mit 12 Ziffern und einer Stelle für Symbole,
  • VSLI-Hauptchip Hitachi HD36117, Omron HD32614P für die Anzeige.
2/1: Gehäuse mit wenigen und kleinen Gebrauchsspuren, aber deutlich vergilbt; alles funktioniert einwandfrei.

„Ab Werk“ kalte Lötstelle (verhinderte das automatische Speichern) nachgelötet.

Kurzanleitung geschrieben.
 

Die „Royal Typewriter Company“ wurde 1904 gegründet und war einer der bedeutenden Hersteller von Schreibmaschinen. 1964 wurde sie von Litton aufgekauft, 1979 kaufte die Volkswagen AG mehr als die Hälfte der Anteile (und erwarb von Litton auch noch Triumph-Adler), 1986 gingen diese an Olivetti, und seit 2004 ist die Royal Consumer Information Products Inc. wieder selbständig.
Wirklicher Hersteller des Rechners war jedoch Omron, die als OEM‑Hersteller viele Firmen belieferten (ein technisch baugleiches Gerät wurde auch für Triumph-Adler als TA 1216 hergestellt). Omron gibt es heute noch, aber auch dort werden keine Rechner mehr gebaut, sondern vor allem Medizintechnik, Roboter und andere komplexe Elektronik.

 
 

Ibico 1217

 ?

1976 kam dann im Geschäft meiner Eltern endlich ein Ersatz für Addiermaschine und Rechenscheibe, ein elektronischer Tischrechner mit Druckwerk. Solche Geräte wurden damals schnell Standard in allen Büros. Vor allem im kaufmännischen Bereich sind sie das auch heute noch, weil sich alltägliche Rechnungen damit schneller und komfortabler rechnen und ausdrucken lassen als mit einem Computer.
Dieser hier war für damalige Verhältnisse gut bis durchschnittlich ausgestattet und auch die grünen „Digitron“-Anzeigen waren damals Standard. Sie waren schön hell und kontrastreich, verbrauchten allerdings immer noch viel Energie. Im Inneren werkeln noch ein paar Chips mehr als zu dieser Zeit schon möglich gewesen wäre. Die Bedienung ist schon fast auf heutigem Niveau, nur die inzwischen üblichen Steuer-, Finanz- und Währungsfunktionen fehlen noch. So alte Tischrechner stehen aber auch heute noch in vielen Büros und verrichten dort ihren Dienst.

   
Ibico
1217
S.Nr. 6 05268

23 x 33 (ohne Papierrolle) x 9,5
3,4 kg
1976
  • Anzeigeregister 12st.,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Postenzähler.
  • Registeraustausch, Wahl von 0‑6 NKS (kein Fließkomma!), 5/4‑Rundung, Additionsmodus, Konstante und Speichersaldo an‑/abschaltbar,
  • „Digitron“‑Anzeige mit 13 Stellen (1 davon für Vorzeichen und Fehler),
  • LSI-Chips: Sharp LI2004 und LI2005, 3x Sanyo B1288, Hitachi HD3233P, Toshiba 4358P (die letzten beiden für die Anzeige),
  • Drucker ist ein Epson Model 310 mit schwarz‑rot-Druck.
3/1: Gehäuse stark vergilbt, Kommataste mit leichten Sprüngen; alle Funktionen und Anzeige immer noch einwandfrei.
Mit Schutzhaube und Originalanleitung (beide etwas zerfleddert), dennoch neue Anleitung geschrieben.
 

Ibico (die „Inter Binding Corporation“) hat diesen Rechner sicher nicht selbst produziert, das Gerät sieht gar zu sehr nach Sanyo (heute Teil von Panasonic) oder TEAL als Hersteller aus. Die „Inter ...“ wurde 1998 von der „General Binding Corporation“ (GBC) gekauft. Im Internet gibt es Ibico nur noch als Firma in Karachi, Tischrechner sucht man dort aber vergebens. Dennoch gibt es auch heute noch Ibico-Tischrechner neu zu kaufen, wer auch immer die heute produziert (manchmal werden sie auch als GBC‑Tischrechner angeboten). Vielleicht werden heute alle Tischrechner der Welt in einer Fabrik gebaut und nur noch mit verschiedenen Schildchen beklebt?

 
 

Casio HL-805

Ein Taschenrechner der Leistungsklasse, die es ab Mitte der 70er-Jahre schon in Millionen-Auflagen günstig zu kaufen gab. Der Funktionsumfang ist gering, immerhin gibt es Wurzeltaste und einfachen Speicher.
Das Besondere ist hier nur die damals neue, extrem stromsparende Anzeige: Auf dem Typenschild wird die Leistungsaufnahme ganz stolz mit 0,00029 Watt angegeben. Der Litronix 1100A mit seinen LEDs verbrauchte noch das Tausendfache.
Seriennummern sind bei Massenware wie solchen Taschenrechnern selten geworden. Der Verzicht spart vermutlich einige zehntel Cent pro Rechner, was bei den hohen Produktionszahlen schon richtig Geld bringt. Hier gibt es aber noch ein Papieretikett im Batteriefach, ob das eine Seriennummer oder eine Kontrolleursnummer ist?
Der Chip wird hier nur noch von einem einzigen Entstörkondensator und zwei kleinen Widerständen begleitet, inklusive Anzeige nimmt die Elektronik daher nur noch etwa 1x1x6cm³ in Anspruch. Nur die Tastatur für dicke Menschenfinger erfordert noch größere Ausmaße.

 
Casio
HL-805
1E105A(?)

7,5 x 13 x 2
80 g (o.Batt.)
1977
  • Anzeigeregister 8st.,
  • Rechenregister,
  • saldierender Speicher,
  • Grundrechenarten, Quadratwurzel, Prozent
  • zeigt die gewählte Grundrechenart oben in der Anzeige an,
  • LCD-Anzeige mit 8 Stellen,
  • C nach Überlauf lässt weiterrechnen,
  • Stromsparfunktion durch automatisches Ausschalten,
  • VLSI-Chip T6718 von Toshiba.
2/1: Nur die Rückseite ist reichlich eingegraut und verkratzt; alles funktioniert einwandfrei.
 
 

Sharp Compet 6301

Der letzte Tischrechner von Sharp im „mittelalten Design“ und mit Panaplex-Anzeige, mit damals neuen Funktionen, mehreren Speichern und sehr großer Stellenzahl. Das war mal ein „Top‑of‑the‑range“-Rechner.
Hier sind schon nicht mehr alle Tasten mit Reed-Schaltern versehen. Alle Rechenfunktionen sind in einem VLSI-Chip verschaltet, weitere elektronische Bauteile sind nur für Anzeige und Stromversorgung zuständig. Es gibt hier den sehr selten zu findenden gesonderten „Verify“-Speicher mit Kippschalter und eine damit rechnende Taste, deren Funktion mittels Schieber geändert werden kann. Sonderfunktionen werden über abgesetzte kleinere Tasten aufgerufen, darunter u.a. ein Postenzähler, eine Konstante und unterschiedliche Saldiermöglichkeiten der beiden „normalen“ Speicher.
Das direkte Nachfolgemodell hat dann schon eine grüne Digitron-Anzeige und eine völlig neue Tastatur (ganz ohne die zuverlässigen Reed-Schalter).

 
Sharp
Compet 6301
S.Nr. 7900109Y

24,5 x 26 x 9,5
2,1 kg
1977 - ca.1978
  • Anzeigeregister 16st.,
  • Rechenregister,
  • 2 saldierende Speicher,
  • „Verify“-Speicher,
  • Konstantenspeicher;
  • Grundrechenarten, Quadratwurzel, Prozent, Postenzähler.
  • V-Speicher optional als konstanter Summand, Faktor, Dividend oder Divisor verwendbar,
  • optional Aufsummierung von Ergebnissen und/oder 1. Faktoren,
  • Löschung der jeweils letzten Ziffer (auch in Ergebnissen!) möglich,
  • Registeraustausch, Wahl von 0‑8 NKS, Fließkomma oder Additionsmodus, Auf‑/5/4‑/Abrundung,
  • Konstante und Speichersalden an‑/abschaltbar,
  • Panaplex-Anzeige Hitachi H1879C mit 16 Stellen,
  • VLSI-Chip Hitachi HD36103.
3/3: Gehäuse stark vergilbt; alles funktioniert einwandfrei, aber nach einigen Minuten läuft ein Varistor heiß, dann ist Abkühlpause angesagt.
Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Sharp EL-8048

Ein Gerät, das man gesehen haben muss, um an seine Existenz zu glauben: Taschenrechner und Soroban in einem Gehäuse vereint.
Auch in Japan rechneten Ende der 70er-Jahre noch viele Menschen gerne (und schnell!) mit dem Soroban, diesen Kundenkreis wollte man mit der seltsamen Kombination erreichen. Die Idee war einige Zeit erfolgreich genug: Der EL‑8048 ist bereits die zweite Taschenrechner-Soroban-Kombination von Sharp, danach brachte der Hersteller noch drei weitere Modelle auf den Markt. Anzunehmen ist, dass geübte Soroban-Nutzer Additionen und Subtraktionen tatsächlich weiterhin eher auf der rechten Seite des Geräts machten. Der anfängliche Neupreis dieses Modells betrug 5.500 Yen, das entsprach ungefähr 30 DM.
Eingabeerfassung, Rechnerlogik und Steuerung der Anzeige sind in einem Chip vereint, neben diesem und der Anzeige gibt es gerade mal noch zwei Widerstände und einen Kondensator. Im Chip integriert ist neben Anzeige- und Rechenregister auch ein etwas seltsamer Speicher, der nur per = oder % zu füttern ist und beim Abruf sofort gelöscht wird. Er entspricht dem „Grand Total“-Register mancher alten Rechenmaschinen.


mehr zum Sinn der Kombination in
Chris Staecker's Youtube-Kanal
 
Sharp
EL-8048
S.Nr. 180

31 x 9 x 2,5
300 g (o.Batt.)
1979
  • Anzeigeregister 8st.,
  • Rechenregister,
  • automatisch saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Quadratwurzel, Prozent
  • 13 Plastikstäbchen und 65 Plastikperlen
    oder technisch:
    ein 13stelliges Rechenregister
  • LCD-Anzeige mit 8 Stellen,
  • C nach Überlauf lässt mit dem Fehler weiterrechnen,
  • VLSI-Chip Sharp LI2070.
2/1: Rückseite und Ecken etwas zerkratzt; alles funktioniert einwandfrei.
Kurzanleitung geschrieben.
 
 

Электроника Mk59

Dieser „Mikrokalkulator“ stammt aus dem Jahr 1989, er wurde also noch zur Zeit der Sowjetunion gebaut. Eine riesige Stellenzahl (wovon allerdings eine fürs Komma gebraucht wird) und ein für die damalige Zeit hoher Integrationsgrad, aber der Funktionsumfang ist nur etwa auf dem Niveau der West‑/Fernost-Rechner der frühen 70er-Jahre (also über ein Jahrzehnt „hintendran“). Zwei große und zwei kleine ICs enthalten praktisch alle Funktionen, ganz wenige Dioden und Widerstände sind daneben noch zu finden, die Platine wirkt daher schon sehr übersichtlich. Das Äußere wirkt jedoch irgendwie ein wenig „billig“. Immerhin gibt es Fließkomma, Prozent und Speicher. Arithmetische Eingabelogik, Registeraustausch, Vorzeichenwechsel und eine automatische Konstante machen das Rechnen komfortabler. Sehr ungewöhnlich ist die abgesetzte Einzelröhre, die nur die Festkommastellen anzeigt.
Verwendet wurde der Rechner in einer der vielen Werkstätten des damals größten Textilkombinats der UdSSR, der Kreenholmi Manufaktuur in Narwa, die jetzt größtenteils stillgelegt ist. Dort hat ihn der Vorbesitzer vor dem Abrissbagger gerettet.
Ein baugleiches Gerät von 1992 (S.N. 802813) habe ich auch noch. Es funktioniert leider nicht mehr, aber davon stammen die schöne rote Oberschale, die Anleitung und der Schaltplan.

   
Elektronika
Mk59
S.Nr. 336304

23 x 21 x 7
1,1 kg
1982 - 1993
  • Anzeigeregister 16st.,
  • Rechenregister,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent.
  • Wahl von 0‑9 Nachkommastellen oder Fließkomma, Vorzeichenwechsel, Registeraustausch,
  • VFD-Anzeige mit 16 Stellen, zusätzliche Einzelröhre (zeigt gewählte Nachkommastellen an),
  • VSLI-Chips K145BB7П und K145BB8П.
1/1: Nach Austausch der Oberschale fast neuwertiges Aussehen; alle Funktionen einwandfrei.
Mit Originalanleitung (leider russisch) und Schaltplan, Kurzanleitung geschrieben.
 

Elektronika war eine Sammelmarke der UdSSR für alle möglichen Arten elektronischer Geräte aus vielen verschiedenen Werken. Dieser Rechner wurde im Kombinat „Positron“ in Ivano-Frankivsk in der Ukraine gebaut. Eine Firma unter diesem Namen existierte dort zumindest bis 2014.

 
 

Rebell Euro-Print 12

 ?

In den Funktionen ähnlich wie der Ibico 1217, doch zwei Jahrzehnte jünger: Die Flüssigkristall-Anzeige ist wesentlich stromsparender, das Gerät ist viel kleiner, mit Batterien betreibbar und daher portabel. Als neue Funktionen gibt es Währungsumrechnung und „MarkUp“. Der kleine Drucker ist allerdings deutlich schlechter. Diesen Rechner kauften wir für das Ausrechnen der Inventuren im eigenen Laden (das dauerte dann so ungefähr zwei Wochen, das bald danach eingeführte Warenwirtschaftssystem brauchte dann noch etwa zwei Stunden, später ungefähr noch 10 Sekunden). Ich benutze ihn immer noch gelegentlich als Taschenrechner auf dem Wochenmarkt. Die Euro-Umrechnung braucht man eigentlich nicht mehr (es würde auch zu traurig machen, viele Preise in DM umzurechnen ...), aber man kann die Funktion auch für Steuersätze zweckentfremden.
Im Internet habe ich dazu überhaupt keine Info gefunden: kein einziges Bild, keine Anleitung, keine Angaben zu Verbrauchsmaterialien. Inzwischen habe ich immerhin herausgefunden, welcher Drucker drin ist.

   
Rebell
Euro-Print 12

10 x 19 (ohne Rollenhalter) x 5
230 g (o.Batt.)
1998
  • Anzeigeregister 12st.,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Mark‑Up, Umrechnung zwischen zwei Währungen.
  • komfortable Endziffernkorrektur für die Eingabe (auch bei Ergebnissen einsetzbar), Wahl von 0‑6 Nachkommastellen oder Fließkomma, Wahl von Auf‑/Ab‑/5/4‑Rundung,
  • LCD-Anzeige mit 12 Stellen,
  • Drucker ist ein (sehr langsamer) Alps PTMFL63 mit Gummi-Typenkette,
  • durch die dafür optimale Logik der automatischen Konstante können per Näherungsrechnung Quadrat- und Kubikwurzeln (und theoretisch alle weiteren ganzzahligen Wurzeln) schön einfach berechnet werden.
1/1.

Drucker mit einem Plastikkeil innen am Gehäuse fixiert, weil eine Halterung des Elektromotors gebrochen ist.

Neue Anleitung (vermutlich ausführlicher als die originale) geschrieben.
 

Rebell (die Marke gibt es auch heute noch, sie wurde aber von der tschechischen Moravia aufgekauft) hat diesen Rechner nicht gebaut, sondern als OEM‑Ware vertrieben, daher weiß ich nichts über den wirklichen Hersteller. „Made in China“ sagt das Etikett ... und die Platinenbeschriftung bringt auch keine Klarheit.

 
 

Casio fx-82SOLAR

Zum Vergleich hier ein moderner Rechner: Einen wissen­schaftlichen Taschenrechner, den es auch 2019 noch neu zu kaufen gab, also fast zwei volle Jahrzehnte. So etwas ist heute eine extrem seltene Ausnahme.
Der Rechner ist mit Funktionen gut ausgestattet, hat aber nur einen Speicher und geringe Genauigkeit:
arcsin (arccos (arctan (tan (cos (sin (9) ) ) ) ) ) ergibt hier 9.000015685, das ging auf meinem alten Privileg SR54NC schon vier Jahrzehnte früher eine Stelle genauer. Es fehlen also offenbar die nicht angezeigten, aber mitberechneten „Schutzziffern“. Dafür hat er eine richtig gute Solarzelle, die auch bei wenig Licht ausreicht, es sind keine Batterien und kein Netzstrom mehr nötig!

   
Casio
fx-82SOLAR

7 x 12,5 x 1
60 g
2000 - 2018
  • Anzeige 10+2st.,
  • 6 interne Rechenregister (für Klammern),
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Pi, Kreisfunktionen, Hyperbelfunktionen, 10er- und natürlicher Logarithmus, Quadrat- und Kubikwurzel, Potenzen, Fakultät, Kehrwert, Permutationen, Kombinationen, „Zufalls“zahl, 1‑dimensionale Statistik mit 6 Ergebnissen, Umrechnungen: Grad/rad/Gon, XY‑/Polar-Koordinaten, Sexagesimal‑/Dezimal-Winkel - und viele Umkehrfunktionen
  • Kann mit Brüchen und Grad-Minuten-Sekunden rechnen,
  • X‑Y‑Austausch, Stellenkorrektur und Vorzeichenwechsel,
  • LCD-Anzeige mit 10+2 Stellen,
  • 2 interne "Wächterziffern" zur Erhöhung der Genauigkeit
  • Hauptchip Hitachi HD62067 (?, Ergebnis der Rechnerforensik)
1/1: Alles praktisch neuwertig, nur auf der Hülle ein paar leichte Kratzer; alles funktioniert.
Mit Hardcover, Anleitung auf der Casio-Webseite gefunden.
 
 

Genie 510

 ?

Und noch ein aktueller Taschenrechner-Winzling: Nur 33 g, fast schon Scheckkartenformat. Rechner dieser Klasse sind Massen- und Wegwerfware: fast so häufig wie Kugelschreiber und oft ebenso billig gebaut. Aber dieser Zwerg wirkt vergleichsweise solide, hat etwas mehr als die Minimalausstattung und eine ganz passable Tastatur. Er wird immer noch als Neuware angeboten, und das schon seit Jahren. Speicher und alle Funktionen sind in einem Chip integriert, der offenbar von Xerox stammt. Der Rechner wird bei Amazon als Staples 510 für knapp 3 € verkauft.
Dieser Rechner hat zwar weniger Ergebnisstellen als die etwa 360 Mal schwerere Brunsviga 20, dafür kostet er statt vier Monatslöhnen nur noch einen 600stel Monatslohn, und das mit viel größerem Funktionsumfang: In der Sprache der damaligen Zeit wären das ein saldierendes Speicherwerk, Rückübertragung, vollautomatisches Wurzelziehen, Dividieren und Multiplizieren, Kommaautomatik, Prozentautomatik. Von solcher Ausstattung und Rechengeschwindigkeit konnte man 1949 nicht mal träumen...

   
Genie
510

6 x 9,5 x 0,5
30 g
ca.2010 - 2020
  • Anzeigeregister 8st.,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Quadratwurzel, Vorzeichenwechsel.
  • LCD-Anzeige mit 8 Stellen,
  • Chipsatz? Auf der Platine steht XRX‑120‑8...
  • Speicher- und Konstantenverwaltung auch hier geeignet, um sogar Kubikwurzeln relativ einfach zu berechnen.
1/1.
Kurzanleitung geschrieben.
 

Genie ist eine aktuell aktive Firma für Büroartikel in Wiesbaden. Sie tritt auch als Hersteller vieler Taschenrechner auf, doch kauft offensichtlich alles bei diversen chinesischen Herstellern ein - oder wie man das heute vornehm ausdrückt: Sie lässt Geräte in Lohnfertigung herstellen. Das führt dann auch dazu, dass Rebell und Genie eine Reihe technisch identischer Rechner anbieten.
Seit März 2019 ist Genie übrigens auch am Markeninhaber von Olympia beteiligt.

 
 

Wie geht's wohl weiter mit dem Rechnen und der Rechentechnik?
Inzwischen werden sogar einfache Taschenrechner schon langsam zur „Technik von gestern“, denn jedes Smartphone hat heute einen besseren Rechner integriert. Nur die Tischrechner in den Büros halten sich noch so einigermaßen, auch wenn sie nach meinem Eindruck immer weniger benutzt werden.
Zumindest in Naturwissenschaften und Handel wird deutlich weniger gerechnet als z.B. vor 50 Jahren: In ersteren baut man eher mal ein Computermodell und lässt das dann „laufen“ (wenn das Ergebnis nicht gut ausschaut, kann man ja die Vorgaben anpassen); in letzterem geben Hersteller oder Firmenzentralen ohnehin Preise vor, in die Kassen wird meist nur noch eingescannt und sogar das Wechselgeld (sofern überhaupt noch bar gezahlt wird) wird angezeigt. Die meisten Kunden können oder wollen nach meinem Eindruck nicht mal mehr nachvollziehen, ob man ihnen richtig herausgibt. Und wenn unsere Lehrlinge bei der Inventur zwei Flaschen aus einem 6er‑Kasten als Dezimalbruch in eine Liste schreiben sollen, dann wird das mit dem Smartphone ausgerechnet. Wird das in den Schulen nicht mehr beigebracht und geübt, dass zwei Sechstel gleich ein Drittel gleich 0,33.... ist?
Offenbar rechnen immer weniger Leute noch selbst und die Fähigkeiten dazu lassen auf breiter Front nach. Man verlässt sich stattdessen immer öfter auf Computer, deren Rechenwege jemand anderes vorher programmiert hat. Ein Eintrag in die Formularmaske, Ergebnis wird angezeigt. Ob's stimmt? Egal!
Sogar der Verband der Mathematiklehrer klagte 2019 darüber, dass die Referendare für das Fach Mathematik nicht mehr rechnen können...

 

Zu verkaufen:

 

Links

Museen und Referenzseiten


  Die Referenz für Rechenmaschinen und ‑hilfen, Online-Wiki
 Rechenmaschinen - Illustrated Online-Version des Standardwerks von „Ernst Martin“
 Arithmeum Bonn DAS deutsche Rechenmaschinen-Museum!
  mit den Sammlungen „adding machines“ und „calculating machines“
 Sammlung der Universität Greifswald
 Sammlung der PH Ludwigsburg
 History of the Computer umfassende Darstellung der Entwicklung von den ersten Maschinen bis zum Internet
  Die Referenz für elektronische Rechner (Serge, thank you!)

Private Sammlungen

 Jens Aperdannier
 Reinhard Atzbach
 François Babillot
 Wolf-Guntram Blümich
 Detlev Bölter wundervolle Restaurationstips
 Wilfried Denz
 Jim Falk
 Bob de Groot
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 Wim Hasselo
 Tiny Henst
 Nicola Marras
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 Christophe Mery
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