Meine Sammlung mit Rechenhilfen und Rechenmaschinen

Hier sind alle bei mir versammelten Dinge aus Vor-Computer-Zeiten aufgeführt, die mal bei uns zum Rechnen benutzt wurden. Zu einigen davon ist im Netz praktisch nichts zu finden, aber ich habe zu allen Geräten Anleitungen (z.T. musste ich mir selbst welche schreiben).
Die Sammlung dient vor allem dazu, die Entwicklung der Rechentechnik der normalen Bevölkerung darzustellen. Denn leider kann ich nicht die „großen” Schritte zeigen - für eine Leibnitz'sche Rechenmaschine, eine Pascaline oder Enigma reicht mein Geld nicht, für einen Colossus oder ENIAC reichen weder Geld noch Platz. Also beschränke ich mich gezwungenermaßen auf solche Technik, die „Jedermann” (zumindest mit dem nötigen Kleingeld dafür) haben konnte.

Was fehlt hier noch?

Hersteller,
Name/Modell/Typ,
ggf. Seriennummer

gebaut von - bis
Speicherwerke; Funktionen Besonderheiten Zustand

Das hier kann weder piepsen noch blinken und hat nicht mal Tasten. Trotzdem - die „technischen Daten” können sich in Teilen noch heute sehen lassen: Das Gerät stürzt zwar z.B. recht leicht ab (sehr empfindlich gegen Erschütterungen...), ist allerdings binnen Sekunden wieder hochgefahren. Betriebsdauer geht gegen unendlich, da Stromverbrauch null. Der Geräuschpegel wird erst von einigen modernen Rechnern unterboten. Gewicht unter 400g.
Na gut, Grafikfähigkeiten und Schnittstellen sind nicht so der Bringer.
Schon die Sumerer kannten ähnliche Rechenhilfen, allerdings noch ohne Kugeln und Stäbe. Die ersten richtigen „Geräte” mit fest eingebauten Kugeln findet man bei den Römern als „abacus”.
Vermutlich etwas nach 1000 n.Chr. (so genau weiß man es nicht, weil die erste unumstrittene Abbildung aus dem Jahr 1573 stammt) entwickelte sich in China dann diese Form, der Suan Pan. Ob die Idee von den Römern übernommen wurde - Handelsbeziehungen gab es schließlich - ist auch umstritten. Italienische und chinesische Historiker sehen das unterschiedlich.
Bis 2002 gab es in China noch verpflichtende Abakus-Prüfungen für bestimmte Buchhaltungsberufe. Noch heute gibt es im ostasiatischen Raum Spezialisten, die selbst bei komplizierteren Rechnungen jeden Taschenrechner alt aussehen lassen und entsprechende Schnellrechen-Wettbewerbe. Auch im Alltag wird hin und wieder noch mit dem Abakus gearbeitet - zumindest da, wo meist nur addiert und subtrahiert werden muss wie z.B. auf Märkten. Aber allmählich verdrängen auch dort die Taschenrechner die alten Methoden...

Guckst Du hier was damit alles geht!
Lotus Flower
Suan Pan

vor 1573 - heute
  • 13 Holzstäbchen, darauf 91 Holzperlen, die manche geradezu magisch schnell für komplexe Berechnungen nutzen können...
  • Der Suan Pan hat auch eine Schnell-Löschung: einmal um die Längsachse schleudern, dann sind alle Perlen „auf Null” :)
  • neu
    Anleitung vorhanden

    Vor den Taschenrechnern gab es auch das hier - und zwar mehrere hundert Jahre lang. 1632 hatte William Oughtred die Idee, zwei gegeneinander verschiebbare logarithmische Skalen als Rechenhilfe zu benutzen. Spätestens um 1900 war der Rechenschieber für jeden Ingenieur das Statussymbol schlechthin. Doch 1972 brachte Hewlett-Packard den ersten Taschenrechner heraus, der alles konnte, was auch der Rechenschieber kann - und noch mehr ... das war's dann.
    Nur in bestimmten Nischen werden noch Rechenschieber oder -scheiben genutzt - auch moderne Flugzeuge haben für Notfälle noch eine E6B im Cockpit.
    Die komplizierte Bedienung hatte durchaus auch Vorteile. Wer mit dem Rechenschieber umgehen konnte wusste stets genau, was er da berechnete. Und anders als bei Taschenrechner oder Computer behielt man ein Gespür für Fehlertoleranzen - die von der Elektronik vorgetäuschte Genauigkeit gab es da nicht.
    Dieser Rechenschieber von ca. 1960 ist mit knapp 16cm recht klein und war wohl eher ein Werbegeschenk, mit dem man einen Ingenieur beleidigt hätte. Die großen, oft bis 50cm langen Stäbe waren wesentlich genauer abzulesen und hatten viele zusätzliche Skalen.

    Artikel aus Spektrum der Wissenschaft
    Aristo
    Rechenschieber Nr. 89
    Herstellercode 5020

    1936-1977
  • Skalen: K A (B CI C) D L, hinten: (S ST T) d.h.: Kubik, Quadrat (2x), Kehrwert, Grundskala (2x), Log; hinten sin(auch für cos), sin für kleine Winkel und tan (auch für cot)
  • Lineal für cm und inch
  • Der Benutzer musste immer wissen, wo die Kommastelle zu setzen war!
  • unter der Zunge Aufdruck: „WILHELM FISSENEWERT GÜTERSLOH Gelenkketten - Kettengetriebe”
  • wie neu
    allgemeine Anleitung für Rechenschieber, ergänzt um die Skalen dieses Gerätes, vorhanden.

    Eine Sonderform des vorigen Prinzips ist das hier: Durch die runde Form ist das ein quasi "endloser" Rechenschieber.
    Allerdings eine recht primitive Form mit nur drei Skalen, laut Hersteller gedacht „für den Gross- und Einzelhandel aller Branchen”.
    Damit hat mein Vater bis 1973 Preise und Handelsspannen berechnet, aber erst nach 1968 kann er sie gekauft haben: In der Anleitung stehen 11% Mehrwertsteuer (fast halb so viel wie heute, aber damals reichte das Geld für ordentliche Schulen und Autobahnen).
    Die Firma Tröger begann vor 1920 (Patent ab 1904) mit dem Bau ihrer „runden Rechenschieber”. Nach der Teilung Deutschlands wurde dann im Westen bis Ende 1974 weiter produziert. Es gibt verschiedene Modelle, das hier ist die letzte Baureihe.

     
     
    Hans Tröger
    Rechenscheibe

    ca. 1950 - 1974
  • Zwei logarithmische Skalen für Multiplikation und Division
  • Prozentwerte, Angabe von 1 inch, 1 oz, Pi und 1 lbs.
  •   leichte Gebrauchsspuren
    Anleitung vorhanden

    Leibnitz, Poleni, Braun, Pascal ... sie und viele andere erfanden oder bauten ab etwa 1700 die ersten Rechenmaschinen, meist mit Staffelwalzen oder Sprossenrädern. Anfangs waren sie unzuverlässig, unerschwinglich teuer, stets nur Einzelstücke und daher meist nur „Spielzeug” an Fürstenhöfen.
    Ab 1820 baute Thomas de Colmar die erste kommerziell erfolgreiche Staffelwalzen-Maschine, erst nach 1870 begann die Serienproduktion von Sprossenrad-Maschinen.
    Diese Maschine hier hat aber weder Staffelwalzen noch Sprossenräder, sondern - für diesen Hersteller eher untypisch - Zahnstangen: Die taugen zum Addieren und ggf. zum Subtrahieren, aber nicht für mehr.
    Die Brunsviga A 58 heißt anders als ihre „Geschwister” mit „AS” im Namen so, weil sie nur Addieren, aber nicht Saldieren (unter Null rechnen) kann, die 8 bezieht sich wohl auf die Stellenzahl. Im Internet finde ich die Maschine nirgends, außer in einer alten Verkaufsanzeige eines Auktionshauses in Saragossa (s.u.). Der Seriennummer nach müßte sie dann eine der späten Maschinen vom Anfang der 50er-Jahre sein.
    Brunsviga war eine Marke aus ... ganz erstaunlich! ... Braunschweig. Begonnen hat die Firma 1871 als Nähmaschinenhersteller Grimme, Natalis & Co., aber schon 1892 wurden (in Lizenz von Odhner) Sprossenrad-Maschinen gebaut. Ab 1950 hieß die Firma dann wie ihre Maschinen, doch schon 1959 ging Brunsviga in der Firma Olympia auf, die sehr schnell die Produktion aller handbetriebenen Rechner einstellte.

    Weitere Infos - Google Translator ist Dein Freund!

    (Chassis u.a. mit Halter für die Nichtrechentaste der AS - also offenbar für diese Gerätereihe gleich! Auch die Unterseite der grünen Tastaturdeckplatte hat weitere Aussparungen.)
    Brunsviga
    A 58
    Seriennummer 7767

    1936 - 1952
  • Eingabewerk 7-st.,
  • Summierwerk 8-st.;
  • Addition, Subtraktion, Zwischensumme, Summe,
  • R-Taste für Weiterverwendung der eingetippten Zahl
  • Keine Anzeige, stattdessen Ausdruck auf Papierstreifen
  • Subtraktion unter Null ergibt „nur” das Neunerkomplement - damit kann man umgehen...
  • fehlerhafte Tastendrücke sind durch vorsichtiges Drücken der Summentaste zu korrigieren, da eine „C”-Taste fehlt
  • Kurbel abnehmbar
  • Kosmetisch und funktional guter Zustand - die Typen 4 und 3 der „1 Mark”-Stelle hakeln etwas.
    Originalabdeckung vorhanden, Anleitung fehlt.

    Das hier rechnet auch - wenn auch nur Tagessummen.
    Diese Kasse fand mein Vater vor, als er 1972 ein Ladengeschäft in Frankfurt übernahm. Einige Monate tat sie dann noch ihren Dienst, dann kam eine „modernere” Registrierkasse und sie wanderte in den Keller.
    Die Liste der NCR-Seriennummern zeigt, dass die Kasse 1949 gebaut wurde - sie war also mindestens 22 Jahre im Einsatz. So lange hält heute keine mehr. Ach ja: Die Stempelfarbe musste ich etwas auffrischen und die Papierrollen (im ungebräuchlichen 4,4cm-Format) umspulen, mit ein wenig Öl funktioniert sie nun fast wieder wie am ersten Tag.
    Die National Cash Register Company gibt es unter diesem Namen seit 1884. Durch aggressives Marketing und Aufkauf vieler Konkurrenten (oft nach massiver Einschüchterung) erreichte NCR in den USA schon 1910 95% Marktanteil (um in den USA wegen unlauterer Geschäftspraktiken zu Gefängnisstrafen verurteilt zu werden, muss man schon ziemlich was anstellen).
    Auch in Deutschland hießen die meisten Kassen „National”, sie wurden ab 1896 in Berlin, ab 1945 in Augsburg hergestellt. Ab 1953 war NCR einer der Pioniere der EDV-Entwicklung, 1997 zog sich NCR aus dem Computergeschäft zurück. Kassen werden immer noch gebaut, sie sehen heute aber etwas anders aus...

     
    Nationale Registrierkassen GmbH Augsburg
    Modell N-1652-B
    Seriennummer U 4502040

    ca. 1930 - ?
  • Eingabewerk (mit Kassierer- und Kundenanzeige) 4-st.,
  • Summierwerk 7-st.,
  • Druckwerk doppelt (für Bon und Journal).

  • Bondruck abschaltbar
  • Ablesung und Löschung des Summierwerks mit zwei Schlüsseln
  • ein kleines, nicht rückstellbares Zählwerk zählt die Nullstellungen
  • manuelle Datumseinstellung des Druckwerks
  • Funktional passabler Zustand: alle Funktionen gehen, aber der Druck ist etwas schwach. Andruckleiste für Journaldruck mit Gummiblock ersetzt. Der Firmeneindruck im Bon („Reformhaus am Lokalbahnhof”) ist durch Entfernung der Andruckrolle stillgelegt. Die Schlüssel für Schublade und Druckwerk fehlen, werden aber zum Betrieb nicht benötigt.
    Karosserie mit starken Gebrauchsspuren, die Marmorplatte über der Schublade fehlt.
    Keine Abdeckung und keine Anleitung vorhanden, aber PDF zur Erklärung aller Funktionen selbst geschrieben.

    Gegen Ende der Rechnerentwicklung standen in den europäischen Büros und Forschungseinrichtungen häufig Maschinen mit Sprossenrädern (in den USA waren Addiermaschinen und später dann komplexe Staffelwalzen-Automaten verbreiteter). Mit ihnen konnte man gut multiplizieren, dividieren und relativ leicht Quadratwurzeln ziehen. Ständiges Addieren und Subtrahieren waren auch möglich, aber deutlich mühsamer als mit einer Addiermaschine.
    Diese Maschine hier ist so eine. Sie stammt aus Schweden und ist auch etwa so stabil wie ein Volvo aus jener Zeit. Ihre Keilform (Designer: Bernadotte und Bjørn) wirkt recht modern, durch den vergleichsweise günstigen Preis (um die 500 Mark) und geringen Platzbedarf konnte sie eine kurze Zeit lang noch mit den damals schon verbreiteten elektrischen Geräten konkurrieren.
    Der Entwickler W.T.Odhner produzierte ab etwa 1890 seine Maschinen in St.Petersburg. Die Firma gab Lizenzen an viele andere , z.T. erfolgreichere Hersteller, darunter Brunsviga, Thales und Facit. Als die Firma während der Oktoberrevolution enteignet wurde ging Odhners Sohn nach Schweden und gründete dort „Original-Odhner”. 1973, nach dem Ankauf durch Electrolux, wurde die Produktion aller mechanischen Rechner eingestellt.

    Weitere Infos
    Original-Odhner
    Modell 239
    Seriennummer 883439

    1955 - 1968
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 13-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • Löschschieber/-kurbeln für die drei Werke
  • Rückübertragung vom R-Werk in die Eingabe
  • Kosmetisch und funktional sehr guter Zustand - die Gummifüße sind altersgemäß etwas hart, aber das Gehäuse sieht bis auf kleine Stoßstellen fast wie am ersten Tag aus. Im Inneren gibt es keine Ölverharzungen, die Probleme machen könnten - das ist das häufigste Problem dieser Geräte. Wer auch immer diese Maschine mal besaß - er hat sie gut gelagert und gepflegt! Ein wenig Öl und alles läuft wieder „wie geschmiert”
    Originalabdeckung und -anleitung vorhanden, kommentierte und erweiterte Anleitung als PDF vorhanden.

    Und noch eine Sprossenrad-Maschine: Das erfolgreichste und zugleich letzte Modell der handbetriebenen Walther-Maschinen, WSR für "Walter Schnellrechenmaschine". Diese hier stammt aus dem Jahr 1960.
    Im Vergleich zur vorigen Maschine etwas mehr Kapazität im Resultatwerk und ein paar kleine Verbesserungen in der Bedienung.
    Walther fing 1886 als Büchsenmacherei an, baute aber ab 1924 auch Rechenmaschinen (schon ab 1929 auch elektromechanische, ab 1970 auch elektronische) und konnte damit in den beiden Nachkriegszeiten überleben. Die später abgespaltene Büromaschinen-Fertigung konnte aber Mitte der 70er-Jahre trotz (oder wegen?) ihrer hochwertigen Geräte nicht mehr mit der billigen japanischen Konkurrenz mithalten - heute baut Walther wieder nur Waffen.

    Weitere Infos
    Walther
    WSR 160
    Seriennummer 152531

    1955 - 1971
  • Eingabewerk (mit Kontrollwerk) 10-st.,
  • Umdrehungszählwerk 8-st.,
  • Resultatwerk 16-st.;
  • alle Grundrechenarten,
  • Löschhebel für die drei Werke
  • Rückübertragung vom R-Werk in die Eingabe,
  • optionaler Schlittenrücklauf beim Löschen,
  • Ziffern in R-Werk direkt einstellbar,
  • nicht mitdrehende Eingabehebel im E-Werk,
  • Umschalter für Drehrichtung des U-Werks
  • Kosmetisch und funktional guter Zustand - zwei Füße hatten keine Gummis und wurden ersetzt, zwei Hebel sind ohne Plastikkappe. Im Inneren nicht verharzt und leichtgängig . Im U-Werk waren einige Zahnräder zählaufend, ebenso ein Zahnrad im Kontrollwerk und die Löschwahlhebelchen. Das ist dank WD40, Reinigung und etwas gutem Maschinenöl nun behoben.
    Originalabdeckung vorhanden, Anleitung nachgedruckt.

    In den nächsten wichtigen Entwicklungsschritten wurden die Kurbeln durch Elektromotoren und die Einstellschieber durch Zehnertastaturen ersetzt. Damit wurde dann auch das Addieren einfacher. Die elektromechanischen Rechner konnten dann auch von Modell zu Modell mehr - automatische Multiplikation, automatische Division, z.T. sogar automatisches Radizieren.
    Doch egal ob hand- oder motorbetrieben, egal ob Sparversion oder Superausstattung, egal ob Sprossenwalze oder Schaltklinke: Alle mechanischen Rechenmaschinen wurden durch die schnelle Entwicklung der Elektronik (1963 erste Rechner mit Transistoren, Ende der 60er Jahre dann ICs) binnen kurzer Zeit obsolet.

    Und nun wird's elektronisch...
    Der aller-allererste Taschenrechner in unserem Haushalt kam 1973 und ersetzte die oben gezeigte Rechenscheibe. Das war - gar nicht zufällig - auch das Jahr, in dem Facit/Odhner die Produktion mechanischer Geräte einstellte. Beim ersten Vorführen in der Schule gab es einen Massenauflauf - so etwas hatte da noch keiner: Alle vier Grundrechenarten extrem schnell auf acht Stellen, die Eingabe super einfach - und alles wog weniger als ein gutes Pausenbrot!
    Eine Wurzeltaste gibt es hier noch nicht - aber in der Betriebsanleitung wird erklärt, wie man mit dem Heron'schen Näherungsverfahren Quadratwurzeln ziehen kann (das Toepler-Verfahren klappt hier nicht mehr und wäre ohnehin viel aufwendiger)
    Die Firma Interton gibt es noch - aber sie macht heute nur noch das, was sie vor diversen Taschenrechnern und einer Spielekonsole auch schon immer gemacht hat: Hörgeräte!

    Weitere Infos (weit runterscrollen)
     
    Interton
    PC2008
    Seriennummer 245016

    1973 - ?
  • Anzeigeregister 8-st.,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Promille
  • Eingabe- und Gesamtlöschung getrennt,
  • Wahl zwischen Fließkomma und 2 Nachkommastellen,
  • Konstante abschaltbar
  • Chipsatz: 1x TMR012, 2x SN75491, CA3082 - und dazu ganze 5 Transistoren!
  • fast wie neu - im Batteriefach leichte Säureschäden, die vier Gummifüße haben sich alle in Wohlgefallen aufgelöst.
    Originalhülle und Anleitung vorhanden.

    Knapp zwei Jahre später, im 10. oder 11. Schuljahr, bekam ich dann schon diesen hier: Einen vollwertigen wissenschaftlichen Taschenrechner mit allem, was in der Schule gebraucht wurde. Das ist der Grund, warum ich nie den Umgang mit dem Rechenschieber lernen musste.
    Komplexere Funktionen rechnen hier oft noch mehrere Sekunden lang, aber die Genauigkeit ist erstaunlich hoch (arcsin (arccos (arctan (tan (cos (sin (9) ) ) ) ) ) ergibt hier 8.99999614252, was massiv besser ist als die damaligen HP-Rechner und immer noch eine Stelle genauer als mein Sharp 1401). Größtes Plus: die umgekehrte polnische Notation als Eingabelogik!
    Das „SR” im Namen steht für „Slide Rule” - also Rechenschieber. Und so kam es auch: Binnen weniger Tage - und zwar mit dem Erscheinen des Hewlett-Packard HP 35 am 12. Juli 1972 - wurden die mechanischen Rechenschieber weitgehend wertlos, weil die Taschenrechner die wissenschaftlichen Funktionen genauer berechneten und ohne lange Lernphase bedient werden konnten.
    Nachteile hat das aber auch: Fast keiner lernt heute mehr, was er da eigentlich rechnet und welche Genauigkeit denn nun wirklich „drin” ist...
    Von Quelle gab es unter der Marke „privileg” eine Unzahl verschiedener Rechner verschiedenster Hersteller. Wer diesen hier gebaut hat? Der Rechner ist in Funktionen und Tastenbelegung jedenfalls baugleich mit dem Corvus 500, über den es im Netz viel mehr Infos gibt...

    Weitere Infos
     
    Privileg
    SR54NC


    1975 - 1975
  • 4 Stackregister (eines davon für die 12-stellige Anzeige zuständig),
  • 11 Speicher (davon 4 für statistische Berechnungen und 1 als „Last x”);
  • Grundrechenarten, Prozent, Delta-Prozent, Pi, Winkelfunktionen, Hyperbelfunktionen, 10er- und natürlicher Logarithmus, Quadratwurzel, Potenzen, Fakultät, Kehrwert, Mittelwert, Standardabweichung, 2-dimensionale Statistik, Umrechnungen: Deg/Rad/Grd, XY-/Polar-Koordinaten, °C/°F. l/gal, cm/in, kg/lb - und dazu überall wo es sinnvoll ist die Umkehrfunktionen!
  • wunderbare Stackverwaltung mit Stackrotation, X-Y-Austausch, Last x und Vorzeichenwechsel
  • Chips: Mostek MK50075N, MK50104P, MK50103N
  • Originalakkus tot und entfernt, Netzanschluss neu verdrahtet, damit er auch ohne Akkus läuft (mit 3 AA-Batterien oder -Akkus funktioniert der Rechner auch netzunabhängig).
    Originalhülle fehlt, passender Ersatz wurde das Etui eines Rasierwasser-Geschenksets :).
    Anleitung (mit handschriftlichen Korrekturen) vorhanden.

    Im Geschäft brauchten meine Eltern keine Logarithmen oder Winkelfunktionen, sondern einen stabilen Tischrechner, mit dem man Preise kalkulieren und Inventuren ausrechnen (und wichtig: drucken!) konnte. Computer gab's (für normale Leute jedenfalls) damals noch nicht, und selbst heute ist diese Art von Tischrechnern im kaufmännischen Bereich noch überall im Einsatz, weil sich Alltagsrechnungen damit oft schneller und komfortabler rechnen lassen als mit Windows-Taschenrechner und/oder Excel.
    Ich glaube nicht, dass Ibico („Inter Binding Corporation”!) selbst diesen Rechner produzierte - das Gerät sieht gar zu sehr nach Sanyo (heute Teil von Panasonic) als Hersteller aus.
    Die „Inter ...” wurde 1998 von der „General Binding Corporation” (GBC) gekauft. Im Netz gibt es Ibico nur noch als Firma in Karachi (jawoll - das in Pakistan), Tischrechner sucht man dort jedoch vergebens. Dennoch gibt es auch heute noch Ibico-Tischrechner neu zu kaufen, wer auch immer die heute produziert (manchmal werden sie auch als GBC-Tischrechner angeboten). Das Handelsregister im Kanton Basel-Land führt eine Ibico GmbH in Allschwil, in Gelnhausen soll es einen weiteren Firmensitz geben - aber alles weist immer wieder auf GBC und auf Leitz-ACCO. Man kommt bei all dem Kaufen, Verkaufen, Aufspalten und Verschmelzen gar nicht mehr hinterher mit den Firmen. Vielleicht werden heute ja alle Tischrechner der Welt in zwei, drei Fabriken gebaut und nur noch mit verschiedenen Schildchen beklebt?

     
     
    Ibico
    1217
    Seriennummer 6 05268

    1976 - ?
  • Anzeigeregister 12-st.,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Postenzähler
  • Registeraustausch, Wahl von 0-6 Nachkommastellen (kein Fließkomma!), 5/4-Rundung, Konstante und Speichersaldo an-/abschaltbar
  • Chipsatz unbekannt ... demnächst schaue ich mal nach
  • Drucker ist ein Epson Model 310 mit schwarz-rot-Druck
  • Technisch guter Zustand. Gehäuse stark vergilbt, Kommataste mit leichten Sprüngen
    Anleitung vorhanden

    Ähnlich wie der vorige, aber etwas moderner (stromsparende LCD-Anzeige z.B.), viel kleiner, mit Batterien betreibbar und daher portabel. Den kauften wir damals für das Ausrechnen der Inventuren (das dauerte dann so ungefähr zwei Wochen - das Warenwirtschaftssystem brauchte dann anfangs etwa 2 Stunden, später ungefähr noch 10 Sekunden). Ich benutze ihn derzeit zweimal pro Woche als Taschenrechner auf dem Wochenmarkt.
    Im ganzen, weiten Netz habe ich dazu keine Info gefunden - kein einziges Bild, keine Anleitung, keine Angaben zu Verbrauchsmaterialien. Inzwischen habe ich immerhin herausgefunden, welcher Drucker drin ist.
    Rebell (die Marke gibt es auch heute noch, wurde aber von der tschechischen Moravia aufgekauft) hat diesen Rechner nicht gebaut, sondern als OEM-Ware vertrieben - daher weiß ich nichts über den wirklichen Hersteller. „Made in China” sagt das Etikett ... und an den Chip komme ich nicht heran, weil die Platine ans Gehäuse geklebt ist.

    Rebell im Web - leider ist da nichts zu den alten Geräten zu finden - schade!
     
    Rebell
    Euro-Print 12
    keine Seriennummer

    1998 - ?
  • Anzeigeregister 12-st.,
  • Rechenregister,
  • Konstantenspeicher,
  • saldierender Speicher;
  • Grundrechenarten, Prozent, Mark-Up, Umrechnung zwischen zwei Währungen
  • komfortable Endziffernkorrektur für die Eingabe (auch bei Ergebnissen einsetzbar), Wahl von 0-6 Nachkommastellen oder Fließkomma, Wahl von Auf-/Ab-/5/4-Rundung
  • Chipsatz nicht ohne Zerstörung zu ermitteln
  • Drucker ist ein Alps PTMFL63 mit Typenkette
  • durch die dafür optimale Art der automatischen Konstantenspeicherung können per Näherungsrechnung Quadrat- und Kubikwurzeln (und theoretisch alle weiteren ganzzahligen Wurzeln) super-duper-einfach berechnet werden
  • fast wie neu - aber im Drucker war eine Halterung des Elektromotors gebrochen, der wird nun mittels Abstandhalter am Gehäuse fixiert
    Anleitung gab es keine mehr - ich habe dann selbst eine dafür geschrieben, die sicher besser ist als die „ab Werk” :)


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