Monroe K(A)-162

USA gebaut von 1921 bis ca. 1930

S.Nr. 150 (?)
Baujahr vermutlich 1921
46 cm breit, 40 cm tief, 19,5 cm hoch
10,1 kg
Zustand 1/2:
  • nach Komplettrestaurierung wieder wunderschön
  • funktioniert so weit einwandfrei, der Hebel zum Anheben des Schlittens beim Löschen fehlt (noch)
neue Staubschutzhaube schneidern lassen, Kurzanleitung geschrieben.
  • Eingabewerk: 8stellig, 80 Tasten, Zählerknopf (schützt ggf. die 1 ganz links vor Löschung = zweiter Zähler), Taste für Additionsmodus, Gesamtlöschtaste
  • Zählwerk: 8stellig, Zehnerübertrag, Schalter für Zählrichtung, Löschkurbel (im Uhrzeigersinn drehen)
  • Resultatwerk: 16stellig, Zehnerübertrag über 10 Stellen, Löschkurbel (gegen Uhrzeigersinn drehen)
  • für alle Grundrechenarten
  • mit Stoppdivision
  • Kurbel in beide Richtungen drehbar
  • Schalter zur Dämpfung der Glocke
Frank S.Baldwin erfand unabhängig von Odhner ein Sprossenrad, doch wirklich erfolgreich war er später mit dieser oft kopierten Konstruktion: Mit bequemer Tasteneingabe, verschiebbarem Schlitten und optionaler Löschung der Eingabe nach jeder Kurbel­drehung ist sie für alle Grundrechenarten bestens geeignet, die gegenläufige Kurbel erspart einen Umschalter und die zweigeteilten Staffelwalzen (die hier eher „Stiftscheiben“ als Walzen sind) sorgen für kurze Schaltwege.
Nicht die abgreifenden Zahnrädchen, sondern die Staffel­walzen werden hier entlang einer Achse bewegt. Und das pro Stelle gleich zwei Mal, denn jede hat eine „Walze“ mit fünf Stiften (die kennt zwei Positionen und dreht das Zahnrad entweder gar nicht oder fünf Zähne weiter) und eine weitere mit vier verschieden langen Stiften (die in fünf verschiedenen Positionen das Zahnrad null bis vier Zähne weiter dreht). So werden alle Ziffern von 0 bis 9 „erzeugt“ (Schema dazu hier).
Modelle der K-Serie haben 12, 16 oder 20 Stellen im Resultatwerk, anfangs als handbetriebene „K“ oder motorbetriebene „KA“. Später kamen die „KAA“s mit Wahltasten zur halbautomatischen Multiplikation dazu.
Dieses Exemplar ist handbetrieben, aber trotzdem keine normale „K“: Zuerst fällt auf der linken Seite hinten ein aufgenietetes Blech auf, mit dem wohl nachträglich eine große Öffnung verschlossen wurde. Rechts neben den Tasten sind zwei kleine Schlitze, da fehlen also zwei Tasten. Vor allem aber finden sich innen an mehreren Stellen Reste einer Mechanik, die nur im Zusammenhang mit einem Motor Sinn machen. Das alles zeigt, dass hier eine KA-162 (evtl. wegen defektem Motor?) zu einer Handmaschine umgebaut wurde. Dieser Umbau geschah wohl in den frühen 50er-Jahren (daher das schreckliche „moderne“ Grün) und sicher nicht bei Monroe, denn auf der Maschine ist überhaupt kein Hinweis auf den Hersteller zu finden.
Als Sonderausstattung gibt es den Zehnerübertrag im Zählwerk und die Glasfenster vor den Anzeigen. Die Null-Knöpfe (vorher abgegriffen schwarz, nun schwarz-rot) sind aus Holz, das ist wohl ebenso wenig original wie es der übergroße Schlittengriff aus Plastik war. Im Unterschied zu den späteren „KA“s hat sie statt der echten automatischen nur die Stop-Division.
Zwei Dinge sind hier aber ganz außergewöhnlich: Alle bekannten Maschinen der K-Serie haben zum Ein- und Ausschalten des Additions­modus zwei Tasten - hier gibt es nur eine, die ein- und ausrastet. Zudem ist im ganzen Gerät nur eine einzige Nummer zu finden: eine eingestanzte „150“, die man beim Anheben des Schlittens unten drin lesen kann. Das muss die Seriennummer sein, aber für die K-Serie ist die viel zu niedrig (die fing mit 20.000 an). Beides führt zur recht sicheren Vermutung, dass dies ein Versuchs- und Vorserienmodell der K-Serie ist.
Das Machine Service Bulletin #24 aus dem Jahr 1925 bildet die hier eingebaute Mechanik noch recht genau ab, das MSB #34 von 1926 zeigt schon deutliche Konstruktionsänderungen. 1927 kostete eine neue KA-162 mit dieser Ausstattung 475 $, also etwa 2.000 RM (das entsprach ungefähr 13,5 Monatslöhnen!). Diese Maschine hat der Inhaber eines Fliesen- und Baugeschäfts in der zweiten Hälfte der 50er-Jahre als Gebrauchtgerät bei einem Bürohändler in Augsburg gekauft. Mit ihr hat er seine gesamte Buchhaltung erledigt. Zuletzt hatte sein Sohn sie 35 Jahre als Deko im Büro. Ich bin sehr dankbar, dass er dadurch dieses extrem seltene Stück Technikgeschichte bewahrt hat.
Zustand vorher:
die Staffel„walzen“:
Bilder der Renovierung:
zugenietete Öffnung

Gereinigt, Schieber der Tastatursperre positioniert, Delle in einem Ziffernrad ausgebeult, ein leicht verbogenes Hebelchen und die vier stark verbogenen Gehäuseträger gerichtet, fehlende Feder der Drehrichtungs­sperre neu aufgebaut, leichten Knick der Schlittenstange beseitigt, verbogene Schlitten­transportgabel begradigt und justiert, Federn zweier Kommaschieber, zwei fehlende bzw. unpassende Tasten, Schlittengriff, Füße und fehlendes Kommaleisten-Rädchen ersetzt, Nulltasten neu lackiert, funktionslosen Zählerknopf repariert, Kurbelgriff, Komma­leisten, Tastaturblech und alle Gehäusebleche ent- und neu lackiert, Tastatur entrostet, 79 Schraubenköpfe vom Lack befreit, blanke Metallteile poliert, einige Ziffern aufgefrischt, viele Stellen justiert, entgratet, nachgefeilt und/oder sparsam geschmiert, Logo nachgebaut.

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